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Was gibt es Schöneres, als unverhofft auf die große Liebe zu stoßen? Oder auf ungeahnte Lesefreuden? Über das große Glück, das zu finden, wonach man nicht gesucht hat, schreibt Mark Forsyth in seinem charmanten und witzigen Essay, der zugleich eine Liebeserklärung an die gute Buchhandlung ist. Denn nur dort kann man zufällig genau das Buch entdecken, von dem man noch gar nicht wusste, wie sehr man es lieben wird. Felicitas von Lovenberg hat bekannte Autorinnen und Autoren gefragt, welche Momente sie mit Buchhandlungen verbinden und diese Geschichte vom Glück, das in Büchern steckt, hier versammelt. Mit Beiträgen von: Alain de Botton Marion Brasch Laetitia Colombani Jennifer Egan Orkun Ertener Hélène Gestern Valentin Groebner Yann Martel Jörg Maurer Thorsten Nagelschmidt Lori Nelson Spielman Peter Prange Daniel Speck Lize Spit Ilija Trojanow Klaus-Peter Wolf
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Seitenzahl: 79
Veröffentlichungsjahr: 2020
Herausgegeben von Felicitas von Lovenberg
Was gibt es Schöneres, als unverhofft auf die große Liebe zu stoßen? Oder auf ungeahnte Lesefreuden?
Über das große Glück, das zu finden, wonach man nicht gesucht hat, schreibt Mark Forsyth in seinem charmanten und witzigen Essay, der zugleich eine Liebeserklärung an die gute Buchhandlung ist. Denn nur dort kann man zufällig genau das Buch entdecken, von dem man noch gar nicht wusste, wie sehr man es lieben wird.
Felicitas von Lovenberg hat bekannte Autorinnen und Autoren gefragt, welche Momente sie mit Buchhandlungen verbinden, und diese Geschichten vom Glück, das in Büchern steckt, hier versammelt.
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Felicitas von Lovenberg, Jahrgang 1974, war von 1998 bis 2016 Redakteurin im Feuilleton der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, dort seit 2001 in der Literaturredaktion, die sie seit 2008 leitet. Sie wurde ausgezeichnet mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik, dem Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik, dem Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik und dem Julius-Campe-Preis für Kritik. Im SWR-Fernsehen moderierte sie regelmäßig die Literatursendung »lesenswert«.
Seit 2016 ist Felicitas von Lovenberg Verlegerin des Piper Verlags.
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Erschienen bei FISCHER E-Books
Für den Text von Mark Forsyth:
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel »The Unknown Unknown. Bookshops And The Delight Of Not Getting What You Want« im Verlag Icon Books, London
© 2014 Mark Forsyth
Die deutschsprachige Ausgabe des Textes von Mark Forsyth erschien unter dem Titel »Lob der guten Buchhandlung oder Vom Glück, das zu finden, wonach Sie gar nicht gesucht haben«
© 2015 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main
Für alle weiteren Texte:
© 2020 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main
Covergestaltung und -abbildung: www.buerosued.de
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Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-491171-7
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FELICITAS VON LOVENBERG Vorwort
MARK FORSYTH Lob der guten Buchhandlung oder Vom Glück, das zu finden, wonach Sie gar nicht gesucht haben
Unbekanntes Unbekanntes
Seltsame Bücher
Die gute Buchhandlung
Bibliomantik: Die Zukunft der Bücher
Der Geist in der Buchhandlung
Die romantische Buchhandlung
Theologie
Geographie
ALAIN DE BOTTON Freunde, die ich in Buchhandlungen fand
MARION BRASCH Wie ich in New Jersey nach Paterson suchte und ihn in Kanada fand
LAETITIA COLOMBANI
JENNIFER EGAN
ORKUN ERTENER Der Terrorist
HÉLÈNE GESTERN Zufällig
VALENTIN GROEBNER Das Schwierige, das Leichte, das Finden, das Gefundenwerden
YANN MARTEL
JÖRG MAURER Das Märchen vom schwarzen Ritter
THORSTEN NAGELSCHMIDT
LORI NELSON SPIELMAN Was ich in einer Buchhandlung fand
PETER PRANGE B&B: Von Betten und Büchern
DANIEL SPECK Espace Diwan
LIZE SPIT
ILIJA TROJANOW Eine Nacht im Paradies
KLAUS-PETER WOLF
ABBILDUNGSNACHWEIS
FELICITAS VON LOVENBERG
Es gibt ein wunderbares Lied von Frank Sinatra Junior, dessen Stimme übrigens exakt so klingt wie die seines ungleich berühmteren Vaters, das mir unwillkürlich jedes Mal einfällt, wenn ich eine Buchhandlung betrete. Das Lied heißt »The People That You Never Get To Love«. Es beschwört jene flüchtigen Begegnungen, in denen sich Blicke treffen und wo für einen winzigen Moment eine Möglichkeit aufblitzt, bevor man den Eindruck abschüttelt, zusammen mit der leisen Wehmut über die verpasste Gelegenheit. Es sind diese Was-wäre-wenn-Momente, in denen man sich ausmalt, wie man die Person, die da gerade vor uns in den Aufzug oder in die S-Bahn steigt, aufhalten könnte – und wie sich dadurch der ganze Verlauf unserer beider Geschichte verändern würde.
Das von Rupert Holmes in den späten Siebzigern komponierte Lied hebt an mit folgender Szene:
You’re browsing through a second hand bookstore
And you see her in non-fiction V through Y
She looks up from World War II
And then you catch her, catching you catching her eye
And you quickly turn away your wishful stare
And take a sudden interest in your shoes
If you only had the courage but you don’t
She turns and leaves and you both lose
Diese Szene der verpassten romantischen Chance hat einiges gemein mit Mark Forsyths virtuosem Aufsatz »Lob der guten Buchhandlung«, dem dieses Buch nicht nur seinen Titel, sondern auch die Inspiration verdankt. Der englische Etymologe und Sprachliebhaber Forsyth schreibt in diesem scharfsinnigen Stück, das Sie am besten jetzt sofort lesen, damit Sie nie wieder ein Leben führen, in dem Sie diesen Essay nicht kannten – Forsyth also schreibt darin von dem Glück, Bücher zu finden, die man dringend braucht, obwohl man zuvor gar nicht nach ihnen gesucht hatte – aus dem einfachen Grund, weil man nicht wusste, dass sie überhaupt existieren. »Wo sind sie? Wer sind sie? Ich habe absolut keine Ahnung. Wahrscheinlich feiern sie nebenan eine Party … Aber ich bin nicht eingeladen. Und ich kann es ihnen noch nicht einmal vorwerfen. Wir sind uns nie begegnet. Und ich kann sie nicht finden, weil ich ihre Namen nicht kenne. Sie sind die unbekannten Unbekannten, und ich kann mich noch nicht einmal nach ihnen verzehren, so groß ist meine doppelte Unkenntnis.« Die Liebe zu den Büchern, die wir nicht kennen, weil wir nicht von ihnen wissen, mag etwas weniger konjunktivisch veranlagt sein als die zu den Menschen, in die wir uns niemals verlieben, weil wir nie ihre Bekanntschaft machen. Aber nur ein wenig.
Moment, bewegen wir uns hier nicht im Reich der unendlichen Möglichkeiten und Kombinationen? Und versprechen nicht Algorithmen hier eine hohe Treffsicherheit? Keineswegs. Für Forsyth ist das Internet für das Finden des richtigen Buches für den richtigen Leser etwa so nützlich wie Speed-Dating-Webseiten für die Epiphanie der wahren Liebe, nämlich gar nicht. Denn »Maschinen lassen dem Zufall keine Chance. Sie tun genau das, was man ihnen sagt. Darum wird man im Internet nichts anderes bekommen als das, wovon man schon wusste, dass man es wollte.«
Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, etwas zu finden, von dem man zuvor nicht einmal wusste, dass es existiert, und das sich als wichtig für die eigene Lesebiographie entpuppt, nirgends größer als in der guten Buchhandlung, die zum Stöbern einlädt und verführt durch die Darbietung und die vom Buchhändler mit Verstand und Leidenschaft kuratierte Auswahl der unbekannten Bücher.
Die Marktforschung hantiert gern mit dem Begriff des »Zielkaufs«. Der Kunde kommt in eine Buchhandlung, weil er ein ganz bestimmtes Buch haben möchte. Hält man es mit den Konsumentenforschern, tun sich nun zwei Szenarien auf. Ist der Titel vorrätig, kauft unser Kunde ihn und geht wieder. Ist er nicht vorrätig, geht er auch und kauft ihn woanders. In meiner Vorstellung spielt sich diese Geschichte ganz anders ab. Vielleicht beginnt sie tatsächlich damit, dass jemand ein bestimmtes Buch kaufen möchte, das ihm jemand empfohlen hat oder auf das er durch eine Rezension aufmerksam geworden ist. Er betritt die Buchhandlung seiner Wahl. Sobald er die Schwelle überschreitet, befindet er sich in einer anderen Welt. Der Lärm des Alltags rauscht etwas leiser, und Zeit meint plötzlich nicht nur Zukunft, sondern Gegenwart. Unmittelbar umfängt ihn der Zauber, der von den einladend mit Büchern bestückten Tischen aufsteigt und aus den Regalen quillt, diese immer wieder neue und doch jedem Leser vertraute Atmosphäre der versammelten Geschichten und Gedanken, Ideen und Erkenntnisse, Hoffnungen und Thesen, eben das leise Murmeln geistiger Zwiegespräche, die gute Buchhandlungen mit exquisiten Bibliotheken gemein haben.
Bedürfnisse müssen geweckt werden, bevor man ihnen nachgehen kann. Darum ist die Umgebung so entscheidend für Entdeckungen. Manche meiner schönsten Buchkäufe verdanke ich der Beobachtung anderer Kunden in der Buchhandlung. Einmal stand ich bei Blackwell’s in Bristol, offiziell, weil ich bestimmte Bücher fürs Studium brauchte. Wie so oft hielt ich mich zunächst im Belletristikbereich auf, als eine sehr apart aussehende Dame hereinstürmte und ihren Blick ungeduldig über die Auslage schweifen ließ, bevor sie sich, offenkundig fündig geworden, einen ganzen Stapel eines Buches schnappte und damit zur Kasse marschierte, wo sie den Turm ablegte und mit hörbarer Empörung in der Stimme fragte: »Is that all you’ve got?« Die erschrockene Buchhändlerin versicherte, man könne natürlich umgehend für Nachschub sorgen, aber ein paar Tage – wir schrieben das Jahr
