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Fünf strange Stories um Familie, Feiern, Beruf, Wirtshäuser und Western. Strange Stories. Frech, frivol und absurd. Nicht geeignet für vergeistigte Eckensteher und gefühlsduselige Sandalenträger sowie notorische Einfaltspinsel. und so geht`s dabei ab: Der Wratzke Des Wratzkes Dem Wratzke Den Wratzke So etwas nennt man Deklination auf gut Deutsch Beugung. Damit habe ich den Wratzke gebeugt. Ich aber wollte mich weder beugen noch verbiegen las-sen. Und schon gar nicht von Wratzke. Das war das Problem! Aber wen juckt`s?
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Seitenzahl: 242
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Es war an einem Katsamstagnachmittag. Der Berufsärger der Woche war so ziemlich verdaut, der Haushalt geschafft - und ich auch.
Im Haus herrschte traute Stille. Arnulf, mein Mann, bastelte im Hobbyraum an seiner Modelleisenbahn herum und die Kinder spielten mit ihren Freunden, ausnahmsweise einmal nicht bei uns.
Endlich hatte ich etwas Zeit für mich, für mich und nur für mich ganz allein und für niemand anderen und ohne, dass ständig irgendjemand etwas von mir wollte. Entspannt saß ich auf dem Sofa und widmete mich der Tageszeitung, in der von Spalte zu Spalte Tragödien und Komödien sich lebhaft abwechselten und die Welt da draußen als ein tolldreistes Narrenhaus erscheinen ließen.
Mit beiden Händen überkreuzweise blätternd hatte ich mich bis zum Werbeteil durchgewühlt, als mich mitten aus dem gedruckten Dickicht des Anzeigenteils eine kleine, äußerlich unscheinbare Anzeige wie magisch anblinzelte „Osterhase kommt ins Haus – Anruf genügt!“, stand da.
„Was es nicht alles gibt“, dachte ich mir, blätterte die Zeitung gemächlich aus, gähnte, spürte die plötzliche Schwere meiner Glieder, kippte leicht zur Seite, klappte die Augendeckel herab und versank zwischen den weichen Sofakissen in der Unendlichkeit meiner Träume.
„Rrrrrrrrrrrrriinnnngggg!“
Ich war bereits in tiefstem Schlaf, weit weg im hintersten Winkel meines Traumlands, da riss mich dieses verdammte Telefon wieder hoch.
„Das muss Ellen sein…typisch … immer im ungüstigsten Augenblick“, fuhr es mir durch den Kopf. Wie ein Betrunkener im dicksten Nebel tastete ich mich via Telefon vor, nahm den Hörer ab und meldete mich.
„Dingeldey!“
„Entschuldigung falsch verbunden“, quäkte es aus dem Hörer, den ich wütend auf dem Apparat knallte.
Ich sah auf meine Armbanduhr – „Was schon halb fünf, wenn mich jetzt nicht das Telefon geweckt hätte …“, sprach ich so halblaut vor mich hin.
Ich ging zum Sofa zurück, faltete die auseinandergefledderte Zeitung wieder einigermaßen zusammen … da kam mir die Anzeige mit dem Osterhasen plötzlich wieder in den Sinn. Welch eine verrückte Idee. Aber es wäre doch einmal etwas Besonderes, eine spontane Aktion, ein wahrer Gag. Na klar, das soll meine Osterüberraschung für Arnulf und meine Kinder werden.“
Mag mich bei diesen Gedanken der leibhaftige Teufel geritten haben, ich hatte mich entschlossen, ging erneut ans Telefon und gab, von meiner fixen Idee angetrieben, mit unruhig dreinhackendem Finger die Telefonnummer ein.
Es klingelte am anderen Ende der Leitung – irgendwo in der Stadt, beim Osterhasen persönlich.
„Ja, hier Cesare Camillo!“
„Ein Italiener“, stutze ich innerlich, bevor ich mich mel-dete.
„Hier Dingeldey. Ich habe soeben Ihre Anzeige in der Zeitung gelesen…“
„Ja, sehr schön. Ich mache Osterhase auf Bestellung schon seit siebe Jahre. Habe viel Erfahrung. Komme in Kostüm und mache große Schau für kleine Kinder. Wackle mit Ohre und Schwänzchen und so … verstehe? Ist gut für Kinder. Bringe alles mit…Schokolade, Eier, Zuckerhase und so weiter…
Sagen nur wie viele Kinder und Ihre Adresse und wann Hase soll kommen.“
„Zwei Kinder … oder sagen wir drei …mein Mann noch… verstehen Sie?“
„Verstehe. Ist überall dasselbe. Man sagt doch in jede Mann steckt eine Kind. Ich notiere drei Kinder.“
„Und wir wohnen Im Taubenschlag 15, Familie Dingeldey…Dr. Dingeldey steht auf dem Schild über der Klingel am Gartentor.“
„Okay, an Taubenweg 15, bei Dottore Dingeldey.“
„Aber sagen Sie einmal, was kostet das denn?“
„Ist nicht teuer. Keine Problem. Aber wieviel Uhr? Ich habe beinah vergessen.“
„Sagen wir so gegen zehn Uhr, aber bitte nicht später, weil wir anschließend noch …“
„Alles gut. Keine Problem.
Bis morge, Frau Dingeldey. Viele Dank für Bestellung.“
„Also bis morgen Herr ää… wie war doch wieder Ihr Na-me?“
„Camillo, wie Kamille.“
„Ach ja, entschuldigen Sie Herr Camillo. Bis morgen dann.“
Ein Gefühl spitzbübischer Freude, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt hatte, überkam mich, als ich den Hörer aufgelegt hatte.
So nun war`s vollbracht. Der Osterhase war bestellt. Es galt nur noch auch ihn zu warten - bis morgen früh.
Der Abend dämmerte langsam in rötlichem Glanz als meine drei Zöglinge hungrig zum Abendtisch heim-kehrten. Jens und Angela hatten natürlich im Übereifer des Gefechts wieder vergessen ihre Stiefelchen auszuziehen und hinterließen auf sämtlichen Teppichen ein labyrinthartiges Muster von Drecktappsern so, dass ich Arme nochmals mit dem Staubsauger durchs ganze Haus düsen musste.
Dem alltäglichen Ärger wohl nicht genug, hatte sich Arnulf bei seinem Bastelkram mit der Kuppe seines rechten Zeigefingers einen gemeinen Spreißel aufgepieckst und jammerte wie ein Schwerverletzter.
Ich hatte nun das zweifelhafte Vergnügen die winzige Wurzel des Übels mit Nähnadel und Pinzette möglichst unmerklich zu ziehen, damit er in seiner Überempfindlichkeit mir nicht wie von der Tarantel gestochen herumtanzt.
Mein entspreißelter Held versorgte noch Rex, unseren Schäferhund draußen bei der Hundehütte und ich widmete mich unseren unzähligen Zimmerpflanzen, indessen meine zwei Trabanten unbeobachtet den Kühlschrank nach vorösterlichem Naschwerk plündern konnten - deshalb die verdächtige Ruhe.
Das Abendbrot mundete dennoch allerseits und der Sonnabend vor Ostern verabschiedete sich mit einem gemeinsamen harmonischen und netten Fernsehprogramm.
Zuvor hatte Arnulf noch den Kindern das Märchen vom Meister Ganzgerecht vorgelesen.
„Es war einmal ein Handwerksmeister namens Ganzgerecht. Und da er schon einmal so hieß, so wollte er seinem Namen Ehre machen.
Eines Tags sprach er zu seinen drei Gesellen.“Wohlan, ihr habt euch alle recht wacker bei mir geschlagen, habt mir sieben Jahre treu und brav gedient, drum sollt ihr nun erhalten, was ihr euch redlich verdient.
Drei Golddukaten einem jeden von euch, der mir bis zum Morgengrauen eine Schere fertigt, die wohlgefällig anzuschauen, der Unbill des Zeitlichen eine Weile standhält und dabei trefflich schneidet.„
Kaum hatten die drei Handwerksburschen dies vernommen, da machten sie sich auch schon an die Arbeit, um des Meisters Gold und Gunst zu gewinnen.
Pünktlich zum ersten Hahnenschrei am nächsten Morgen lieferten die drei ihre mit glühendem Eifer geschaffenen Werke, denen sie selbst die ganze Nacht hindurch Schweiß und Schwielen gezollt, ihrem verehrten Herrn und Meister ab, dass er sie wohlwollend begutachte.
Die erste Schere erwies sich als ein herrliches Kleinod des erlesenen Kunstschmiedehandwerks, und man durfte getrost hoffen, dass sie überdies auch ein Weilchen halten würde. Jedoch sie schnitt nicht einmal, kaltes Wasser, da ihr Schöpfer das Schleifen nicht mehr zeitigte.
Die zweite Schere hingegen schnitt so zuverlässig und scharf wie tödliches Gift, war von schlichter Form, doch von solch liederlicher Verarbeitung, dass man ihr nicht übers Jahr trauen konnte.
Die dritte schließlich zeugte von solch solider Arbeit, als sei sie für die Ewigkeit gemacht, mit mäßigem Schnitt, aber von derart unbotmäßiger Form, dass man befürchten musste, sich mit ihr die Finger zu brechen.
Nachdem Meister Ganz Gerecht die drei Werkstücke geprüft, sprach er zu den drei Gesellen: „Ein jeder von euch hat mir eine Schere geliefert, die in einem Punkte übermäßig, in einem weiteren mittelmäßig und im letzten, verzeiht mir die Worte, leider saumäßig ist. Ihr müsst selbst eingestehen, dass keiner von euch die drei Golddukaten redlich und ehrlich verdient hat, und es ist wohl gerecht, wenn ich dafür jeweils einen abziehe, so dass für jeden von euch noch zwei Golddukaten verbleiben.“
Als die drei Gesellen dies vernommen, waren sie gar über ihres Meisters Entscheidung eifrig entrüstet.
„Mit Verlaub, ehrwürdiger Meister“, sprach der erste von ihnen, aber das ist ungerecht. Hab` ich nicht die schönste Schere abgeliefert und sagtet ihr nicht selbst, dass der Kunde mit den Augen kaufe. Also bin ich der Geschickteste unter uns dreien.“
Da fiel der zweite ihm ins Wort: „Eine Schere ist zum Schneiden gemacht, nicht zum Vergnügen. Meine Schere schneidet am besten, also bin ich der Fähigste von uns dreien.“
„Fürwahr, deine Schere schneidet vorzüglich, doch das Schleifen ist schnell besorgt. Was aber, wenn schon beim dritten Schnitt das Scherblatt bricht? Meine Schere hält selbst des Teufels Schneider stand. Also bin ich der Fähigste unter uns dreien.“
Kaum hatte der letzte von ihnen ausgesprochen, da gerieten die drei sich derart in die Haare, dass der Meister gewaltsam zwischen die Streithähne treten musste, um das Schlimmste zu verhüten. In solch Bedrängnis ge-kommen, besann er sich auf seinen Namen und sprach: „Bei meiner Treu, ich war nicht ganz gerecht zu euch und will mein voreiliges Urteil korrigieren. Tätet ihr eure besten Talente zusammen, so gäbe es wohl eine ausgezeichnete Schere, die gut und gerne die drei Golddukaten wert sei“, sprach`s und gab ihnen zusammen die drei Golddukaten, einem jeden von ihnen einen.
Und die drei Gesellen dankten ob der weisen Entscheidung ihres Meisters.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“
*
Die Ostersonne weckte uns – ein festlicher Tag von Himmels Gnaden.
Ich hatte die ganze Nacht hindurch ständig an meine geheimgehaltene Osterüberraschung gedacht und war sogleich mit dem Eindringen der ersten Sonnenstrahlen durch die Rolloritzen hellwach, während sich Arnulf noch licht- und lebensscheu auf die andere Seite drehte, um sich dann widerwillig von mir wachkitzeln zu lassen.
Wir hatten bereits gefrühstückt. Arnulf hörte im Wohnzimmer das Osterkonzert im Radio.
„Was wird er wohl zu dem ganzen Theater sagen. Der Gute weiß ja von Nichts. Bei solchen familiären Events verlässt er sich immer ganz auf mich. Er kümmert sich ja nie um so etwas. Das Ganze mag zwar albern sein, aber für die Kinder wird es bestimmt ein Mordsspaß und was Arnulf anbelangt, so steht er ja in Sachen Albernheit den Kindern in nichts nach, deshalb soll er ja auch damit beschert werden.“ Das waren indessen meine Überlegungen und Bedenken als sich die Zeiger der Uhr gegen zehn Uhr bewegten.
„Gleich kommt er Osterhase“, versprach ich meinen zwei Zöglingen. „Aber erst wird noch abgetrocknet.“
Gab doch die Spülmaschine ausgerechnet heute ihren Geist auf. Arnulf meinte nur: „Die Steuerung spinnt komplett, da kann ich nichts machen, so ein Mist.“
Aber die zwei Rangen folgten meiner Weisung, von erwartungsvoller Ungeduld angetrieben und ohne wie üblich, gegen jegliche Weisungen zu murren.
Die Küche war noch nicht gemacht, das sah ich durch das Fenster wie genau vor unserer Haustüre ein Auto hielt. Heraus stieg ein rundliches Männlein südländischen Typs mit einem kleinen Schnauzbart.
„Das wird doch nicht schon…“, dachte ich und sah auf die Uhr, um mich zu vergewissern. Tatsächlich, es war so weit.
„Schnell lauft ins Wohnzimmer“. Sagt Papa, er soll das Radio abstellen. Der Osterhase kommt gleich.“
Und Jens und Angela sputeten sich mit Indianergeheul voraus.
Inzwischen hatte draußen Herr Camillo den Kofferraum seines Wagens geöffnet, zog ein riesiges, graues Zottelfell heraus, in das er mit beiden Beinen wie in eine zweite Haut fast gleichzeitig hineinschlüpfte, zog den Reißverschluss entlang der Bauchnaht bis zum Hals zu und stülpte sich zum Abschluss noch einen langohrigen Hasenkopf über seinen schwarzen Schopf. Kein Zweifel mehr. Mein bestellter Osterhase war angekommen.
Ich hatte alles neugierig schmunzelnd durchs Küchenfenster beobachtet und stellte mit gewisser Beruhigung fest, dass diesem ulkigen Spielchen keine zufälligen Passanten beiwohnten, denn so, wie sich jetzt unser Herr Camillo da draußen als bühnenreifer Hasenmensch darbot, hätte er bestimmt einen turbulenten Auflauf begeisterter Kinderscharen hinter sich hergezogen.
Er schnallte sich noch einen geflochtenen Weidenkorb rucksackartig um und wandte sich dann unserem Haus zu. Er kam ans Gartentor und läutete brav.
Ich konnte mir in diesem Moment kaum das Lachen verkneifen und war bestimmt vor aufregender Begeisterung knallrot angelaufen – die Szenerie war ganz einfach urkomisch.
Ich hatte den Öffner des Gartentors betätigt und hörte die näherkommenden Tappser - öffnete die Haustüre.
„Aha, der Osterhase ist da, pünktlich, wie bestellt. Kommen sie ruhig näher“, begrüßte ich ihn und geleitete den Fabelhasen zum Wohnzimmer, währenddessen er mir mit dem Schmelz seiner Stimme die galantesten Komplimente machte, die mich beinahe dazu verführten, mit dem Osterhasen zu kokettieren.
Arnulf staunte erst verdutzt, als der riesige Osterhase leicht hoppelnd ins Wohnzimmer kam und uns seine gereimten und ungereimten Ostergrüße bestellte, zwinkerte mir aber gleich darauf verschmitzt zu, was zu meiner erhofften Genugtuung seine echt begeisterte Zustimmung und Bereitschaft zum Mitspielen verriet.
Jens und Angela waren zu meiner Überraschung mucksmäuschenstill und betrachteten tief beeindruckt und mit großen Augen den wundersamen Hasen, während sie sich gegenseitig ängstlich an den Händen hielten.
Erst als der Osterhase mit seiner drolligen Stimme und seinen putzigen Gesten uns alle erheiterte, hatten sie ihre Zurückhaltung überwunden und waren sogar plötzlich ganz von ihm angetan, gingen auf ihn zu und zupften ihn am Fell, um zu untersuchen, ob er auch echt sei.
„Guten Tag, liebe Kinder“, begrüßte der Osterhase jetzt noch einmal die beiden und schüttelte ihnen die Pfote.
„Ich bin Osterhase, komme tief aus die grüne Wald, aus Osterland. Bringe euch viele schöne Geschenke mit in meine Korb und Gruß von all die übrige Hase, die habe das ganze Jahr für euch liebe, gute Sache gemacht, weil Eier gesucht und angemalt.“
Dann griff er mit bewundernswertem Geschick nach hinten in seinen großen Korb und zog ganze Nester mit kunterbunten Eiern hervor, die er meinen drei Lieblingen überreichte und dabei mit seiner samtigen Pfote über die strahlenden Wangen fuhr.
Arnulf benahm sich dabei äußerst manierlich und zeigte dabei keine Scheu, den Spaß mitzumachen. Er kam auf mich zu und gab mir einen Kuss für meine gelungene Überraschung. Das war die wertvollste Anerkennung für mich. Alle strahlten.
Ganz in Begeisterung aufgegangen, war uns der Osterhase etwas aus dem Blickfeld geraten und zog sich, von uns zunächst unbemerkt, ein paar Schritte zurück in die Zimmerecke, als wolle er unser intimes Familienglück nicht stören. Doch in Wirklichkeit diente auch diese wohl-gemeinte Geste seines bisher liebenswürdigen Auftretens nur einem äußerst dreisten Plan, der sich uns wie aus heiterem Himmel offenbaren sollte.
*
Während wir uns noch köstlich über den Osterhasen amüsierten, der sich für seinen nächsten Auftritt wohl vorzubereiten schien, hatte er sich plötzlich wieder uns zugewandt.
„Hande hoch! Überfall! Schnell, schnell!“, spuckte es gei-fernd aus dem gar nicht mehr ulkigen Hasenmaul. In seiner rechten geballten Fellfaust lauerte der drohende Lauf einer Pistole, mit der er wild auf uns zufuchtelte.
Ich konnte und wollte es erst gar nicht recht begreifen und musste mich erst langsam auf diesen unerwarteten plötzlichen Wandel der Situation und Stimmung einstellen. Rat- und hilflos blickte ich zuerst zu Arnulf, der wie gebannt auf die drohende Pistole starrte und wie benommen seine Hände erhob.
„Schnell, los, los, …auf..auf, zack, zack … wird bald“, zischte der falsche Hase mich an und bedrängte mich energisch mit der Waffe.
Wie in Trance folgte ich Arnulfs Beispiel und erhob die Arme, während die Kinder den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen und sich gar über das ernste Spiel mokierten, es anscheinend für einen abenteuerlichen Scherz hielten, von ihren Eltern wohlweißlich inszeniert und die jetzt nur aus reinem Jux wohl mitspielten.
Aber der gemeine Hase kannte keinen Spaß mehr, ob-wohl er durch das Lachen der Kinder total verunsichert schien.
„Tut, was er sagt“, flüsterte Arnulf den beiden Kleinen zu.
„Halt Schnauze! Befehle ich hier!“, brüllte ihn der nervös gewordene Gauner in Hasentracht mit sich überschlagender Stimme an. Und um seinen Absichten handgreiflich Nachdruck zu verleihen, ergriff er die große kost-bare chinesische Porzellanvase, die Arnulf als Anerkennung zu seinem fünfundzwanzigsten Dienstjubiläum erhielt, von der Kommode und zerschlug sie am Boden, dass im ganzen Zimmer die Splitter herumstieben. Wo ich doch alles so sauber und ordentlich hergerichtet hat-te.
Da wurden selbst die Kinder stutzig. „Das ist aber ein böser Hase“, brachte Jens drollig hervor und bekam plötzlich mitsamt seinem Schwesterchen Tränen in die Äuglein.
„Hier her…alle auseinander…mit Arsch an Wand! Marsch, Marsch! Auf…wird bald?!“
Angstvoll führten wir seine Befehle aus. Ich stand wie erstarrt vor der unendlichen Wand, auf der ich in diesem Augenblick nicht einmal mehr das Tapetenmuster wahrzunehmen geneigt war.
„Klick“, machte es neben mir. Aber ich traute mich nicht umzudrehen, nicht einmal vor Angst und Schreck zu schreien, so war ich in diesem Moment geschockt. Dann verspürte ich den harten Lauf der Pistole zwischen meinen Schultern.
„Was jetzt, der wird doch wohl nichts von mir wollen!“, stieg es mir plötzlich wutentbrannt in den Sinn.
Wieder vernahm ich das metallische Klicken und spürte, wie meine Armgelenke in eisernen Fesseln lagen.
„Handschellen!“
Ich brachte den Mut auf und wagte es, zu Arnulf zu schielen. Besorgt blinzelte er mit hilfloser Geste zu mir herüber, als wolle er sich als starker Mann für seine momentane Ohnmacht entschuldigen.
Typisch Mann. Im Ernstfall, wenn`s also wirklich drauf ankommt, dann sind sie immer zu schwach, die Herren des starken Geschlechts. Mein anfänglicher Schock hatte sich plötzlich in Wut, ja fast in Übermut gewandelt. Am liebsten hätte ich diesem sizilianischen Osterhasen ein-mal richtig die Leviten gelesen, dass er maulaffenfeilhaltend Hals über Kopf getürmt wäre und sich als ein erbärmlicher Hasenfuß entpuppt hätte.
Aber mein ungestümer Anflug zorngeschürter Courage verflog sofort, als dieser verwünschte Kamillenhase wieder loslegte.
„Wo ist Geld!“, fauchte er uns an.
„In meiner Geldbörse in der Innentasche meines Sakkos“, antwortete ihm Arnulf mit besänftigender Stimme. Und schon zog auch der verwünschte Hase die Geldbörse hervor und öffnete sie.
„Scheiße! Das ist nix. Nur eine Blaue. Wolle mich verarschen. Kann doch nicht sein, so arme Schlucker bei solche Haus. Wo ist andere Geld? Schnell sag!“, drohte er Arnulf in höchstem Furioso.
„Das ist alles, was wie hier im Haus haben, heute zahlt man doch mit Kreditkarten“, versuchte Arnulf ihn zu beschwichtigen. Und ich musste ihn jetzt fast bewundern, wie ruhig er in dieser heiklen Situation blieb und mit wie viel Umsicht er diese zu meistern versuchte. Doch seine beruhigenden Worte schienen kein Gehör zu finden, ganz im Gegenteil.
„Ich werde zeigen wo alles ist…ich werde euch zeigen!“, brüllte der wildgewordene Ostergauner, riss unser Hochzeitsbild von der Wand und zerschlug Glas und Rahmen am Boden.
„Sag jetzt oder schlag Fernseh kaputt!“, tobte er mit drohenden Gebärden.
“Wir haben immer nur wenig Geld bei uns…eben wegen Diebstahl…glauben Sie mir. Ich kann Ihnen höchstens einen Scheck geben“, versuchte Arnulf ihm gut zuzureden.
„Ach Scheißedreck…Scheck nix gut…ist Mistikack… alles schlecht…arme Mann…nix Geld in Haus“, schrie der impertinenten Hase vorwurfsvoll, riss dabei sämtliche Türen, Türchen und Schubladen des Schranks und der Kommode auf und heraus, räumte sie radikal aus und verstreute alles wütend im Zimmer.
„Aber das können Sie doch nicht machen“, versuchte ich ihn in seinem vandalischen Treiben Einhalt zu gebieten.
„Ah, halt … das gut … ist sehr gut“, sprach er plötzlich wie zu sich selbst, ganz zahm mit einem gewissen süffisanten Unterton und wandte sich mir zu.
Ich zitterte und bebte am ganzen Körper, als ich seine dämlichen Pfoten in meinem bloßen Nacken verspürte … ich fröstelte …
„Das Collier … er will … nur das Collier … Hauptsache nichts von mir“, dachte ich.
„Schade … schöne Schmuck für schöne Frau … aber schlechte Geschäft … Händler zahle nix … sind selbst größte Gauner“, verabschiedete er sich mit dreister Arroganz und verschloss die Zimmertür hinter sich.
Endlich!
Wir hörten die Haustüre und die Autotüre ins Schloss fallen, dann den startenden Motor.
Arnulf und ich atmeten in einem Zug auf. Die Kinder, die während der ganzen Zeit kaum ein Wort hervorbrachten, begannen schlagartig zusammen zu weinen, was mich wiederrum vom Lamentieren abhielt, da ich sie ja trösten musste.
Zur Beruhigung steckte sich Arnulf, trotzdem er noch mit den Handschellen gefesselt war, geschickt eine Zigarette an.
Dann läutete das Telefon. Verärgert legte er die gerade begonnene Zigarette weg und nahm den Hörer ab.
„Ja, danke, Sie Gauner!“, brüllte er in den Hörer, setzte ihn wieder krachend auf, überlegte kurz, stieg dann, ohne etwas zu sagen geschickt zum Fenster hinaus und lief zum Gartentürchen, wie ich sehen konnte.
„Arnulf! Arnulf!“, rief ich ihm hinterher, „Was ist denn jetzt schon wieder los?“
Da kam er auch schon wieder durch die Haustüre herein und schloss die Wohnzimmertüre auf – ohne Hand-schellen!
„Er war`s, er hat den Schlüssel für die Handschellen in den Briefkasten geworfen … immerhin Gaunerehre.“
Wir waren wieder bereit, obwohl ich ganz untröstlich darüber war, was ich mit meiner Osterüberraschung angestellt hatte. Aber Arnulf trug es mit erstaunlichem Humor. Alle vier räumten wir alles zunächst wieder auf.
„Ob wir die Polizei anrufen sollen?“, meinte ich zu Arnulf.
„Später, jetzt gehen wir erst einmal in die Kirche. Es ist ja wieder alles so weit klar“, tröstete er mich, nahm mich in den Arm und meinte: „Ich schenke dir ein neues Collier und dann vergessen wir endgültig diese unglückliche Osterüberraschung. Ach was, wir werden uns immer daran erinnern und uns köstlich darüber amüsieren.
Alles noch mal gut gegangen. Das ist das Wichtigste.“
*
Wir hatten uns zum Kirchgang aufgemacht. Die Segnungen des himmlischen Osterwetters und der heilige Klang der Kirchenglocken hatten uns im Nu umgestimmt. Die Kinder schienen bereits alles wieder vergessen zu haben und kreisten in ihren buntscheckigen, sauberen Sonntagskleidern fröhlich haschend um uns herum.
Dächer, Giebel und Fenster leuchteten im feierlichen Glanz des gläsernen Osterlichts. Unsere Schritte hallten klangvoll durch die noch ruhenden Straßen. Wir grüßten die passierenden Bekannten, von denen uns, Gott sei Dank, keiner ansehen konnte, welch tragikomisches Missgeschick uns gerade widerfahren war. Nur um den Hals fühlte ich mich noch etwas nackt. Ich hätte als Ersatz für das Collier vielleicht meine Perlenkette anlegen können, aber in der Eile und Aufregung dachte ich nicht daran.
Die Ostermesse verlief sehr festlich und weihevoll.
Pfarrer Lorber predigte über die Auferstehung des Herrn und den Sinn seines Opfergangs für die Menschheit, dass er sein Leben für uns gab, um uns Beispiel zu sein für die Verwirklichung der Nächstenliebe. Sodann beklagte er das unselige Leid, das unzähligen Kindern auf der Welt widerfährt, die nicht einmal genug Brot und Wasser für ihr nacktes Überleben besitzen, während wir in Saus und Braus leben und im Müll unseres Wohlstand zu ersticken drohen. Unser Opfer mag zwar klein sein im Vergleich zum Selbstopfer des Herrn Jesu Christi für uns alle, der uns damit das ewige Leben geschenkt, aber es mag dazu beitragen, hier und dort das irdische Leben unzähliger Kinder zu retten, getragen von Glaube, Liebe und Hoffnung für eine bessere Welt für uns alle.
Mit diesem Appell an die Kirchengemeinde beendete er seine Predigt und forderte zur reichlichen Spende auf - für all die armen Kinder dieser Welt.
Der Klingelbeutel war bereits unterwegs und mein Blick folgte seinem klimpernden Geldregen, schräg drüben in den Männerreihen.
Jetzt war Arnulf an der Reihe. Mit verlegener Hast gab er den Klingelbeutel an seinen Nachbarn weiter, da er ja keinen Pfifferling mehr im Beutel hatte. Welch peinliche Lage. Na klar, er hatte ja kein Geld mehr, sein Beutel war leer - ausgeraubt. In der Eile hatten wir nicht daran gedacht neues Geld am Automaten zu holen. Ich konnte ihm seine Verlegenheit nachfühlen.
Aber ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich sah, wie der Klingelbeutel, inzwischen zwei Reihen weitergewandert war und sein augenblicklicher Besitzer an ihm herummanipulierte, sich dann umdrehte, so wie man es instinktiv tut, wenn man etwas heimlich tun will und sich etwa dabei beobachtet fühlt – er, Cesare Camillo, der Osterdieb!
Tatsächlich, er war es. Ich konnte mich nicht irren. Ich hatte ihn ja ohne das Hasenkleid durchs Küchenfenster gesehen, seine Gestalt, sein Gesicht und sein Verhalten im Augenblick bestätigten es ja zu gut.
Am liebsten wäre ich aus der Kirchenbank aufgesprungen. Ich sah aber lediglich unablässig hinüber, hin und her zwischen Arnulf und dem Kamillengauner, ohne mich des heiligen Orts und seiner Sitten zu ermahnen. Arnulf merkte von nichts, war wohl mit seinen Gedanken ganz beim Gottesdienst und mit seiner Spendenblamage beschäftigt.
Doch der unheilige Cesare Camillo benahm sich plötzlich wie aufgescheucht, erhob sich wie ein ertappter Hühnerdieb, schlich sich nervös aus der Bankreihe, bekreuzigte sich am Bankenende zum Altar gerichtet und verschwand schleunigst zum Ausgang hin.
„Ja soll sich denn dieser fiese Gauner jetzt am Klingelbeutel vergriffen haben, nachdem er bei uns nicht so recht zum Zuge kam?“, ging es mir durch den Kopf.
Wie gefesselt saß ich auf der Kirchbank und bemühte mich wieder zum Altar zu blicken, um ja nicht unangenehm aufzufallen.
Indessen war der Klingelbeutel angekommen. Meine blasierte Nachbarin reichte ihn mit großen Augen an mich weiter, als wäre sie vom vielen Kleingeld so fasziniert, dass sie beinahe vergaß, das ihrige noch beizusteuern.
Ich hätte ihn wohl möglichst unbeachtet und unauffällig weitergegeben, hätte mich nicht das durch die Kirchen-fenster kaleidoskopierende Licht, das sich in der Losung des Klingelbeutels widerspiegelte wie ein vertrautes Lächeln angestrahlt.
„Das Collier … mein Collier …ja … im Klingelbeutel. Er muss es hineingelegt haben … Cesare Camillo … der reuige Dieb“, ging es mir durch den Kopf.
Was tun? Ich konnte doch nicht einfach das Collier, mein Collier aus dem Klingelbeutel herausnehmen, mein Geburtstagsgeschenk von Arnulf. Mein Herz bebte, meine Hände durchzuckte ein heißer Blutstrom, wie gichtbefallen verkrampften sich meine Finger, nein, ich vermochte es nicht … nein … nicht hier. Das Opfer war vollbracht … endgültig … nicht mehr rückgängig zu machen.
Meine nächste Nachbarin stieß mich mit dem Arm schon leicht an und meinte: „Weitergeben, wenn Sie schon nichts reintun!“
Und ich gab den Klingelbeutel an sie weiter … mit meinem Collier … für all die Kinder dieser Welt.
*
„Du bist so nachdenklich“, meinte Arnulf auf dem Nachhauseweg zu mir. „Ist etwas?“
„Ach , nein. Ich muss nur ab und zu an unser Missgeschick von heute Morgen denken“, gab ich ihm vor, da ich es im Moment für besser hielt, ihn nicht unnötig mit dem kleinen Nachspiel dieses unseligen Falles zu belasten. Er hätte doch nichts mehr daran ändern können, außer das unfreiwillige Opfer vom Pfarrer zurückzuverlangen, natürlich gegen eine angemessene Spende. Aber das wäre mir doch unter unserer Würde gewesen.
Unser Nachwuchs war nach dem langen Stillsitzen während der Ostermesse ganz aufgedreht, rannte bald vor und bald hinter uns her, bis Angela sich vor Übermut den Fuß verstaucht hatte und anschlíeßend noch ihre neuen, schneeweißen Schuhe in einem mächtigen Hundehaufen hineinsetzte, der seit seiner Freisetzung durch seinen hinterhältigen Schöpfer brav und geduldig auf sein Opfer gewartet hatte. Und er hätte bestimmt vergeblich gewartet, so unübersehbar groß prangte er auf dem Pflaster, hätte nicht unsere Angela ihren scheußlichen Volltreffer gelandet. Sie hat aber auch immer eine wahrhafte Begabung für solch ungeschickte Fehltritte. Vom wem sie das wohl geerbt hat – von mir bestimmt nicht.
Wie eine Schlittschuhläuferin schliff sie auf dem Pflaster umher und hinterließ die üblen, verräterischen Spuren ihres heiklen Missgeschicks. Ich bedauerte sie keineswegs und beachtete ihr trotteliges Zwischenspiel kaum. Langsam ist sie doch alt genug, um hinzuschauen, wo sie hintritt.
Ihr Vater zitierte sie zu sich und versuchte, gutmütig wie er ist, sie mit einem Taschentuch von dem widerwärtig anhänglichen Unflat zu befreien.
Eine scheußliche Arbeit.
Jens mokierte sich darüber so unerhört, dass Arnulf ihm am liebsten die Maulschelle verpasst hätte, die eigentlich Angela verdient gehabt hätte.
Gott sei Dank, wagte es Arnulf anschließend bei mir nicht mehr sich einzuhängen bis wir zu Hause waren und er seine Hände bis zu den Ellbogen hoch waschen konnte.
Angela zog ihre verschmierten Schuhe noch im Vorgarten aus, und ich reinigte sie draußen mit einer langstieligen Bürste in respektvollem Abstand und viel, viel Wasser.
Zur selbsteingebrockten Strafe musste sie jetzt wieder ihre alten ausgetretenen braunen Schuhe tragen.
Ich hatte gerade Angelas geschrubbte Schuhe und die Bürste in den Keller gebracht, da läutete wieder einmal das Telefon.
„Arnulf, Telefon!“
Doch ich rief vergeblich, denn er schwatzte natürlich schon wieder mit unserem Nachbarn, Herrn Stolte. Er hatte mich erst gar nicht gehört und als ich endlich bis zum Wohnzimmer vorgedrungen war, hatte das Telefon natürlich zu läuten aufgehört.
„Wird sowieso nicht wichtig gewesen sein“, dachte ich mir.
Nach dem gelungenen Ostermahl zog es die Kleinen hi-naus und Arnulf und mich zu unserem Sonntagsschläfchen hin. Ehrlich gestanden habe ich mir eigentlich erhofft, dass mir der Osterhase jetzt etwas Liebe gemacht hätte, aber Arnulf schien wohl ganz von seinem Berufs- und Osterstress erschlagen zu sein. Immer wenn man die Männer braucht, sind sie müde. Dabei hätte ich auch ein paar Ostereier verdient.
Wir machten uns gerade zur familiären Besuchsfahrt zurecht. Angela und Jens waren die ganze Zeit schon quirlig und freuten sich darauf Opa und Oma mal wieder durcheinander zu bringen.
Arnulf hatte den Wagen aus der Garage geholt und vor der Gartentüre bereitgestellt. Angela und Jens tummelten sich schon darin.
„Das Barometer ist gefallen“, unkte Arnulf. „Bei Weibern und Zirren kann man sich irren“, fügte er noch kritisch hinzu.
„Ich beeile mich schon“, rief ich aus dem Badezimmer. Ich hatte seine Bemerkung schon richtig zu deuten gewusst.
Das Telefon läutete wieder.
„Arnulf!“
Jetzt war er natürlich wieder nach draußen verschwunden und putzte an seinem Auto herum, dieser unruhige Geist, aber nur wenn es um seine Sachen, wie das Auto, geht.
Ich unterbrach meine Toilette und ging selbst ans Telefon.
„Dingeldey!“
„Ah Sie selber, schöne Frau.“
Wie bitte? Ich kapierte zunächst gar nichts.
„Habe Ihnen wieder Kette zurückgegeben in Kirche.“
„Aber Herr Camillo, das darf doch nicht wahr sein. Was wollen Sie denn schon wieder?“
„Wollte nur noch einmal sprechen mit schöne Frau…“
„Aber hören Sie mal, Herr Camillo. Erst inszenieren Sie hier einen ganz infamen Überfall auf uns und dann kommen Sie auf die einschmeichelnde Tour. Ne, auf Ihren faulen Zauber fallen wir nicht mehr herein…“
„Gloria!“, kam Arnulfs antreiberische Stimme von draußen dazwischen.
Camillo wollte wieder mit seiner schmeichelhaften Stimme mich weiter einlullen. Aber da war er bei mir an der falschen Stelle, was immer er damit auch beabsichtigte.
„Hören Sie, Herr Camillo, mir reicht jetzt endgültig Ihre absurde Gaunerkomödie. Wenn Sie uns noch einmal auf irgendeine Art belästigen, hetzen wir Ihnen die Polizei auf den Hals, darauf können Sie sich verlassen, capito, finito!“
Und bevor er noch irgendetwas erwidern konnte knallte ich den Hörer auf den Apparat.
*
„Na endlich!, stöhnte Arnulf, als ich in den Wagen stieg.
