London Legends – Spiel oder Liebe? - Kat Latham - E-Book

London Legends – Spiel oder Liebe? E-Book

Kat Latham

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Beschreibung

Heiße Rugbyspieler, toughe Heldinnen

Ash Trenton traut seinen Augen nicht, als plötzlich seine Jugendliebe Camila Morales vor seiner Tür auftaucht. Achtzehn Jahre ist es her, dass die beiden sich zum letzten Mal gegenüberstanden, achtzehn Jahre, seit Ash sich für seine Rugbykarriere entschied und Camila das Herz brach. Diese leitet inzwischen ein Camp für schwererziehbare Jugendliche in Californen und braucht nun dringend Ashs Hilfe: Ihre Einrichtung steht vor dem Ruin und kann nur gerettet werden, wenn ihre Kids den ersten Platz in einem landesweiten Turnier gewinnen. Und wer könnte sie besser coachen als einer der erfolgreichsten Rugbyspieler, die England je gesehen hat? Auch wenn Ash sich sein Leben nach dem Profisport eigentlich anders vorgestellt hat, kann er zu seiner ersten und einzigen großen Liebe nicht Nein sagen und fährt auf das Camp. Je mehr Zeit er dort verbringt, desto heftiger spürt er, wie die alten Gefühle für Camila wieder an die Oberfläche brodeln. Bald kommen die beiden sich näher. Doch dann erhält Ash ein Angebot für seinen Traumjob, und er muss sich erneut zwischen seiner Karriere und zwischen Camila entscheiden ...

"Dieses Buch ist lustig und authentisch, die Dialoge sind großartig!" Dear Author

Band 4 der London-Legends-Reihe

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Seitenzahl: 497

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

TitelZu diesem BuchWidmungKapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7Kapitel 8Kapitel 9Kapitel 10Kapitel 11Kapitel 12Kapitel 13Kapitel 14Kapitel 15Kapitel 16Kapitel 17Kapitel 18Kapitel 19Kapitel 20Kapitel 21Kapitel 22Kapitel 23Kapitel 24Kapitel 25Kapitel 26Kapitel 27Kapitel 28Kapitel 29Kapitel 30Kapitel 31Kapitel 32DanksagungÜber die AutorinKat Latham bei LYX.digitalImpressum

KAT LATHAM

LONDON LEGENDS

Spiel oder Liebe?

Roman

Ins Deutsche übertragen von Michaela Link

Zu diesem Buch

Ash Trenton traut seinen Augen nicht, als plötzlich seine Jugendliebe Camila Morales vor seiner Tür auftaucht. Achtzehn Jahre ist es her, dass die beiden sich zum letzten Mal gegenüberstanden, achtzehn Jahre, seit Ash sich für seine Rugbykarriere entschied und Camila das Herz brach. Diese leitet inzwischen ein Camp für schwererziehbare Jugendliche in Kalifornien und braucht nun dringend Ashs Hilfe: Ihre Einrichtung steht vor dem Ruin und kann nur gerettet werden, wenn ihre Kids den ersten Platz in einem landesweiten Turnier gewinnen. Und wer könnte sie besser coachen als einer der erfolgreichsten Rugbyspieler, den England je gesehen hat? Auch wenn Ash sich sein Leben nach dem Profisport eigentlich anders vorgestellt hat, kann er zu seiner ersten und einzigen großen Liebe nicht Nein sagen und fährt in das Camp. Je mehr Zeit er dort verbringt, desto heftiger spürt er, wie die alten Gefühle für Camila wieder an die Oberfläche brodeln. Bald kommen die beiden sich näher. Doch dann erhält Ash ein Angebot für seinen Traumjob, und er muss sich erneut zwischen seiner Karriere und zwischen Camila entscheiden …

Für Lise. Für alles.

Kapitel 1

Ein Feuerwerk explodierte über dem Stadion und tauchte die schreiende Menge in grünes und weißes Licht, als Ash aufs Podium zuschritt. Er ergriff den spiegelblanken Pokal und hielt von Blitzlichtern geblendet inne. Das Bewusstsein dieses geschichtsträchtigen Moments schnürte ihm die Brust zu. Seine Mannschaft war in dieser neuen Meisterschaft gegen andere europäische Clubs angetreten. Er war der erste Rugbyspieler, der diesen Pokal berührte. Der Name seiner Mannschaft, der London Legends, würde als Erster in den Pokal eingraviert werden.

Und dies war zugleich der letzte Pokal, den er jemals hochhalten würde.

Mit einem tiefen Atemzug und einem Grinsen, das er nicht unterdrücken konnte, hievte er ihn sich hoch über den Kopf. Zweiundachtzigtausend Rugbyfans sprangen von ihren Sitzen auf und brüllten. Seine Teamkameraden legten einander die Arme um die Schultern und sprangen so wild auf und ab, dass die improvisierte Bühne unter Ashs Füßen erbebte. Ein paar der Schlipsträger lächelten einander gönnerhaft an und applaudierten der Mannschaft, ohne der gleichen aufgestauten Begeisterung nachzugeben, die die Spieler zeigten. Begeisterung, die sie doch sicherlich verspüren mussten, und sei es auch nur beim Anblick des vollbesetzten nationalen Rugbystadions der Engländer.

Ash ließ den Kelch sinken und drückte einen Kuss auf das glatt polierte Silber. Sieg, du schmeckst so verdammt süß.

»Was dagegen, wenn ich ihn mal nehme, Kumpel?«

Ash gab den Pokal widerwillig an Liam Callaghan weiter, seinen Kapitän, der Ash kurz zuvor großzügig dazu gedrängt hatte, als Erster Anspruch auf die Trophäe zu erheben, um ihm ein letztes Mal das Rampenlicht zu gönnen. Die Mannschaft drängte sich um ihn herum, und Dutzende von Fotografen rückten vor, um sie zu fotografieren. So würde der letzte Triumph in Ashs Karriere in die Geschichte eingehen – er neben dem Mann, der vor drei Jahren an seine Stelle getreten war, nicht nur in dieser Mannschaft, sondern auch als Kapitän der englischen Nationalmannschaft. Nachdem Ash die Legends durch neun Spielzeiten geführt, sie vor dem drohenden Abstieg bewahrt und dann von einer Meisterschaft zur nächsten gebracht hatte, war Ash von dem jungen Welpen verdrängt worden, dessen Talent er als Erster entdeckt hatte.

Im Laufe der vergangenen drei Jahre hatte er sein Bestes getan, um sich daran zu gewöhnen, den jüngeren Mann Skipper zu nennen und die Spekulationen der Experten darüber, wann er seinen Rücktritt erklären würde, zu ignorieren. Er hatte so lange durchgehalten, wie er konnte, aber nach sechsunddreißig Jahren harter Beanspruchung konnte sein Körper nun physisch nicht mehr so mithalten wie früher. Besser, jetzt aufzuhören, solange er sich noch als Champion verabschieden konnte, als mit der jämmerlichsten aller Schlagzeilen weggekarrt und beiseitegeschafft zu werden: Verletzung beendet Karriere von Rugbylegende.

Aber verdammt, er würde diese letzten glorreichen Stunden genießen, und danach würde er ums Verrecken den Ruhestand genießen. Zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten konnte er sich betrinken. Er konnte so viel Käse essen, wie er wollte. Konnte sich mit Schinkensandwiches vollstopfen. Scones mit Streichrahm. Champagner und Lagerbier und Cabernet. Schokoladenkaramellkuchen. Himmel, nicht bloß den Kuchen. Er konnte Karamell essen. Schachtelweise.

Heute Abend konnte er feiern, wie er wollte, denn er brauchte nicht für irgendwelche Sommertouren in der südlichen Hemisphäre in Topform zu bleiben. Noch würde er sich zum Beginn der nächsten Spielzeit im September wieder in Form bringen müssen.

Denn von morgen früh an war Ash Trenton – einst Anführer einiger der zähesten Männer der Welt, fünfmaliger Europameister und Sieger der jüngsten Rugbyweltmeisterschaft – arbeitslos.

Einer der Schlipsträger reichte ihm und Cally je eine offene Flasche Champagner. Sie grinsten einander an. »Bereit, Kumpel?«

»Bereit«, bestätigte Ash.

Sie hielten die Öffnungen der Flaschen zu und schüttelten sie kräftig. Dann drehten sie sich zu ihrer Mannschaft um und besprühten ihre Kameraden mit einem Schauer klebrig-süßen Alkohols. Die Männer drängten näher heran, legten die Köpfe in den Nacken und öffneten die Münder, um so viel Champagner aufzufangen, wie sie nur konnten. Ash konnte nie genug davon bekommen, von dem überschäumenden Triumph nach einer langen, anstrengenden Saison. All das frühe Aufstehen, all die Opfer waren diesen Augenblick wert gewesen.

Er sprang vom Podest und führte seine Mannschaftskameraden an, während sie Champagner in die Menge sprühten und ihren Fans dafür Beifall klatschten, dass sie Spiel für Spiel aufgetaucht waren und sie unterstützt hatten. Die Securityleute an der Seitenlinie ließen die Familien der Spieler durch, und mehrere Frauen liefen aufs Feld, um ihren Männern und Freunden nasse Küsse zu geben. Diesen Teil fand Ash immer besonders schön, wie etwas, das auch er vielleicht eines Tages genießen würde.

Als er weiterging und den Zuschauern ein letztes Mal zuwinkte, vermerkte er die wachsende Zahl von Teamkameraden, die dauerhaft jemanden hatten, mit dem sie nach Hause gehen konnten. Spencer Bailey, ihr erster Innendreiviertel, warf sein lachendes Kleinkind in die Höhe, während seine Frau zu verbergen versuchte, dass sie jedes Mal zusammenzuckte, wenn das kleine Mädchen durch die Luft flog. Cally, ihr Kapitän, küsste seine Verlobte, die für den größten Sponsor der Mannschaft arbeitete. Matt »Oggie« Ogdon schnappte sich die Frau, die er Ash damals als eine sehr gute Freundin vorgestellt hatte, und drückte ihr einen mehr als freundschaftlichen Kuss auf die Lippen. Selbst »Little« John Sheldon, der gerade sein letztes Spiel in dem grün-weißen Trikot der Legends gespielt hatte, knutschte mit der Krankenschwester herum, die ihn Weihnachten bei der Wohltätigkeitsveranstaltung der Mannschaft »gekauft« hatte.

Ash wandte sich ab und winkte der Menge noch vehementer zu. Er hatte seine Karriere geheiratet, und er hatte diese Entscheidung nie infrage gestellt.

Aber was machte er jetzt, da seine Karriere sich von ihm scheiden ließ?

»Ash, auf ein Wort?« Lavinia, eine Journalistin des Fernsehsenders, der alle Spiele der Mannschaft übertrug, hatte ihr Mikrofon in der Hand und schenkte ihm ein breites Lächeln.

»Natürlich, Vinnie.«

Sie hob das Mikrofon und drückte sich ihren In-Ohr-Kopfhörer tiefer ins Ohr. »Ich habe hier Ash, wenn ihr so weit seid«, sagte sie in ihr Mikrofon.

Einen Moment lang wartete sie still und lauschte, dann nickte sie und wechselte in Haltung und Mimik zu ihrer Live-auf-Sendung-Persönlichkeit. »Ash Trenton, herzlichen Glückwunsch. Ihre Karriere auf diese Art abzuschließen, muss ideal sein.«

»Das ist etwas ziemlich Besonderes, so viel steht fest. Die Mannschaft hat die ganze Saison über hart gearbeitet, und wir waren zuversichtlich, dass wir es schaffen könnten.«

»Und was geschieht morgen bei Ihnen? Sie haben ja ein großes Geheimnis darum gemacht, was als Nächstes kommen würde, aber Sie waren immer ein Mann mit Weitblick. Können Sie uns endlich verraten, was Sie nun tun werden?«

In meinen Unterhosen rumhängen und mir die Eier kratzen. »Ich fürchte, das kann ich nicht. Jedenfalls jetzt noch nicht.«

»Ich nehme nicht an, dass Sie Ihr Trainerzertifikat irgendwie einsetzen werden?« Lavinias Augen funkelten feixend.

Ash schenkte ihr ein zurückhaltendes Lächeln, obwohl jede einzelne frustrierte Zelle seines Körpers schreien wollte: Welchen Teil von »Ich habe keine verdammte Ahnung« verstehen Sie nicht? »Nun, ich habe es immer genossen, an der Seite jüngerer Spieler zu arbeiten, vor allem an unserer Akademie. Dort habe ich ja auch Cally und einige der anderen entdeckt. Aber zu diesem Zeitpunkt kann ich das wirklich noch nicht sagen. Ich habe einige Angebote, über die ich nachdenke, aber ich habe mich noch nicht endgültig entschieden.«

Bisher hatte ihn nichts, das sein Agent ihm geschickt hatte, begeistert. Er hatte sich gesagt, dass er etwas finden würde, sobald die Saison vorüber war. Aber etwas zu finden, das er ebenso liebte wie das Rugbyspielen?

Unmöglich.

Lavinia versuchte sanft, ihm noch irgendwelche weiteren Informationen zu entlocken, aber er hatte nichts zu bieten. Also gab sie nach einigen Minuten wohlgelaunten Geplänkels auf und wünschte ihm alles Gute. Sobald das rote Lämpchen an der Kamera erlosch, beugte er sich vor, umarmte die Journalistin herzlich und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange. »Sie sind meine Lieblingsexpertin, wissen Sie das?«

Sie grinste. »Klar weiß ich das. Ich bin jedermanns Lieblingsexpertin.«

Lachend schüttelte er den Kopf. »Es war mir ein Vergnügen, Vinnie.«

»Ganz meinerseits, Ash. Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie irgendetwas brauchen. Sie mögen ein Gesicht haben, das nur eine Mutter lieben könnte«, witzelte sie, »aber Sie haben das Potenzial zu einer brillanten Karriere beim Fernsehen. Solange Sie sich nicht meinen Platz schnappen.«

»Ah, das ist aber schade. Ihr Job ist einer der neuen Berufswege, die ich in Betracht ziehe«, neckte er sie. »Ganz oben auf der Liste neben Schokoladenverkoster für Cadbury.«

»Ooh, das sollten Sie unbedingt machen. Und mir alles zuschicken, was Sie nicht verputzen können.«

»Wird gemacht. Und noch mal danke.«

Die Mannschaft verzog sich nach und nach in den Umkleideraum, den einzigen Ort, an dem sie alle die Masken fallen lassen konnten. Einer nach dem anderen seiner Kumpel und der Betreuerstab umarmten ihn kräftig. Er bekam so viele Schläge auf den Rücken und den Hintern, dass er wahrscheinlich mit blauen Flecken aufwachen würde.

Dies geschieht wirklich. Dies ist wirklich das Ende. Wie surreal.

»Kommt her, Jungs! Alle zusammenrücken!« Cally klatschte in die Hände, um die Aufmerksamkeit seiner Kameraden zu erringen. Sie kamen näher und schlangen einander die Arme um die Schultern.

»Die meisten von uns hier haben angefangen zu spielen, als wir noch kleine Knirpse waren«, sagte Cally, »zu jung, als dass wir uns an eine Zeit erinnern könnten, als Rugby noch nicht unser Herzblut war. Einige von uns hatten das Glück, an der Legends Academy anfangen zu können und sich durch das System hochzuarbeiten. Denjenigen von euch, die das nicht konnten, sei gesagt, tja, ihr seid nicht in den Genuss gekommen, von einem der brillantesten Spieler – und einem der brillantesten Männer – angeleitet zu werden, die dieser Sport je gesehen hat.«

Oh, Jesus. Gib, dass niemand mich anschaut. Ash hielt den Blick fest auf die Stiefel seines Kapitäns gerichtet. Wenn er sich gestattete, zu irgendjemandem Blickkontakt herzustellen, würde der Kloß in seinem Hals explodieren und ihm aus den Augen tropfen.

Wenn man danach ging, wie belegt Callys Stimme klang, kämpfte er ebenfalls darum, nicht die Fassung zu verlieren. »Ehrenhaft. Hingebungsvoll. Loyal. Aber genug von Oggies Hund.«

Die Mannschaft kicherte, und Ash schlug Oggie auf den Rücken.

»Kumpel, mein erstes Jahr in der Elitetruppe war dein erstes Jahr als Kapitän. Ich erinnere mich, dass ich schon damals dachte: ›Ich beneide den armen Tropf nicht, der in die Fußstapfen dieses Mannes treten muss.‹«

Scheiße, ich verkrafte das hier nicht. Aber er zwang sich, zusammen mit dem Rest der Mannschaft zu lachen.

»In deine Fußstapfen zu treten war die größte Herausforderung meiner Karriere, aber ich habe mehr daraus gelernt, dir zuzuschauen, als aus all den Trainingsstunden zusammen.« Er warf ihrem Trainer einen Blick zu. »Ruud, alter Junge, das hast du nicht gehört.«

Ruud Bakker schenkte Cally ein böses Grinsen. »Ich werde dich ab September härter rannehmen müssen.«

Mit einem gutmütigen Stöhnen fuhr Cally in seiner Rede fort. »Es kommt mir nicht richtig vor, dass du nicht hier sein wirst, wenn wir unseren Kampf um die Verteidigung dieses wunderschönen Pokals beginnen. Die Jungs und ich haben überlegt, wie wir dir unsere Wertschätzung für all die Jahre deiner Führung und Leitung zeigen können. Eines Nachts im Hotel haben wir mal angefangen, das ›Ich-habe-noch-nie‹-Trinkspiel zu spielen, und es wurde irgendwie zu einem ›Ash-hat-noch-nie‹-Trinkspiel. Uns wurde klar, dass es einen Haufen Dinge gab, die wir dich noch nie haben tun sehen, und jetzt ist deine Chance gekommen.«

Spencer drehte sich um und hob mit beiden Händen etwas hinter sich vom Boden hoch, dann hievte er es in die Luft. Eine Kiste Champagner. »Ich habe Ash niemals trinken sehen, bis auf einige Schlückchen Schampus aus den Pokalen, die er gewonnen hat. Wir wollen heute Abend miterleben, wie du dir wirklich und wahrhaftig die Kante gibst.«

Ash trat vor und nahm die Kiste in Empfang. Bevor er sich bedanken konnte, holte Little John die Take-away-Verpackung eines Restaurants hinter dem Rücken hervor. Darin lagen eine Portion Fisch und Chips. »Ich habe Ash noch nie etwas Fettiges essen sehen. Zeit, dieser mädchenhaften Figur Lebewohl zu sagen, Freundchen.«

Ash stellte den Schampus auf den Boden, um den Backfisch und die Pommes in Empfang zu nehmen.

Oggie hielt zwei kleine Schachteln mit Kondomen hoch, und Ash brach in Gelächter aus. »Ich schwöre dir, das ist definitiv eine Sache, die ich getan habe.«

»Wirklich?« Oggie grinste. »Denn die meisten von uns erinnern sich zwar daran, dass Frauen dich angebaggert haben, aber keiner von uns kann sich daran erinnern, dass du irgendwelche dieser freundlichen Angebote je angenommen hättest.«

»Das liegt daran, dass ich diskreter bin als ihr räudigen Hunde.« Und daran, dass er immer das Gefühl gehabt hatte, ein Vorbild sein zu müssen. Sex war toll, aber niemals so toll, dass eine Stunde der Lust es wert war, den guten Ruf zu riskieren, den er über Jahre aufgebaut hatte.

»Tja, jetzt kannst du es weitere sechs Male tun.« Oggie reichte ihm die Schachteln. »Oder drei. Es war die billigste Marke, die ich finden konnte, daher solltest du vielleicht immer zwei auf einmal benutzen.«

Cally verzog verwirrt das Gesicht. »Ich hatte gedacht, du würdest eine Großpackung kaufen.«

»Du hast mir bloß fünf Mäuse gegeben. Kondome müssen teurer geworden sein, seit du das letzte Mal eins kaufen musstest.«

Callys helle Wangen liefen dunkelrot an. Er würde im kommenden Sommer heiraten. Verlobt zu sein hatte seine Vorzüge.

»Wie dem auch sei, wir hoffen, du genießt deinen Ruhestand, alter Mann. Wir können es kaum erwarten zu sehen, was du als Nächstes tust.«

»Ich auch nicht«, antwortete Ash, und es war nur ein halber Scherz. »Ich denke, ich werde hiermit anfangen.« Er hob den Fisch an den Mund und nahm einen großen Bissen. Immer noch kauend beugte er sich vor, um eine Flasche Schampus zu entkorken. »Und hiermit.« Er schluckte den Fisch herunter und hob die Flasche an die Lippen. Eins, zwei, drei, vier, fünf … seine Mannschaft feuerte ihn an, während er so viel heruntergluckerte, wie er das in einem Schwung tun konnte. Als sein Mund überfloss und er Gefahr lief, sich zu erbrechen, senkte er die Flasche und warf eine Kondomschachtel hoch, um sie anschließend wieder aufzufangen. »Und vielleicht mit einigen von denen hier, aber nicht solange ihr in der Nähe seid.«

»Dem Teufel sei Dank dafür. Alle mal herhören, in der Ecke steht ein Teewagen mit Gläsern. Schnappt euch jeder eins und lasst uns auf Ash Trenton trinken – den Rentner!«

Die Trinksprüche setzten sich während des Abendessens und der Busfahrt zurück ins Hotel fort. Sie setzten sich fort, als Ash, seine Teamkameraden und ihre Familien und Freunde in der schicken Bar auf dem vorletzten Stockwerk feierten. Drei Stunden lang wurde sein Glas niemals leer. In seinem Gehirn wurde es neblig, und er hatte in seinem ganzen Leben noch nie so viel gegrinst oder vor Lachen geschnaubt. Während der Alkohol seinen Bauch füllte, füllte Liebe den Rest von ihm. So fühlte es sich also an, besoffen zu sein, aber es war ihm scheißegal. Diese Menschen, jeder Einzelne von ihnen, bedeutete ihm die Welt. Er ließ den Blick durch den Raum schweifen. Die meisten seiner Mannschaftskameraden baggerten Frauen an. Einige baggerten ihre eigenen Ehefrauen und Freundinnen an. Der junge Hitzkopf, Sean Castells, versuchte es bei einer dunkelhaarigen Frau, die an einem kleinen Tisch saß, aber selbst von der anderen Seite des Raums aus konnte Ash sehen, wie sie Castells eine Abfuhr erteilte und sich stattdessen ihm zuwandte.

Das Bewusstsein dessen drang plötzlich zu ihm durch und gab seinem ganzen Körper eine neue Spannkraft. Die Beleuchtung in der Bar war schummrig, aber helles Mondlicht und das von den Straßenlaternen fiel durch die deckenhohen Fenster und tauchte die Frau zur Hälfte in Schatten. Sie starrte ihn eindringlich an, und ihre Hände zitterten, als sie ihr Glas an die Lippen führte. Sie hielt seinem Blick stand, obwohl sie einen Schluck nahm, der eigentlich zu groß war.

Er spürte die Kondome in der Tasche seiner Anzugshose praktisch vibrieren. Gebrauche uns. Missbrauche uns.

Er murmelte seinen Kumpeln eine Entschuldigung zu, stand auf und schrappte dabei mit dem Stuhl über den dunklen Holzboden. Die Frau versteifte sich, und ihr Blick irrte ab, bevor sie ihn wieder auf Ash richtete. Er durchquerte die Bar und spürte ihre Augen überall. Sie saugte ihn mit Blicken auf die gleiche Weise auf, wie sie ihr Getränk mit dem Mund aufgesogen hatte – mit einem durstigen, nervösen Schluck, der sagte: Ich brauche das. Ich brauche dich.

Er schaffte es an ihren Tisch und legte die Hand auf die Rückenlehne des freien Stuhls. Er hatte fragen wollen, ob der Platz besetzt sei, aber irgendetwas an ihr kam ihm so bekannt vor, dass er sprachlos blieb. Woher kannte er sie? Seine Gehirnzellen ließen sich herzlich viel Zeit damit, zum Leben zu erwachen. Die Frau fingerte nervös an ihrem fast leeren Glas herum, den Blick auf die colabraune Flüssigkeit darin gerichtet. Dunkelbraunes Haar ergoss sich über ihre Schultern und reichte ihr bis zum Brustansatz. Er konnte zwar nicht mehr von ihrer Figur erkennen, aber ihre Brüste hatten ganz reizende Kurven, sodass er unwillkürlich die Hände entsprechend wölbte.

Sie schaute auf und sah ihn an. Jesus, ihre Augen. Ein klares Grün, das ihm den Atem verschlug – genau wie damals, vor einem halben Leben, am Strand von Barcelona.

»Heilige Scheiße, Camila?« Camila Morales. Ihr Name hatte während all dieser Zeit in seinem Gedächtnis gehockt. Ca-mii-la. Ein Name, der in England verbreitet war, aber durch die andere Betonung wurde er fremdländisch, faszinierend, schön, erregend. Alles, was diese Frau tatsächlich war.

Ihre Augen flackerten überrascht. »D-Du erinnerst dich an mich?«

Ob er sich an sie erinnerte? Er hatte an sie seine Jungfräulichkeit verloren.

Nein, er hatte sie nicht verloren. Er hatte sie ihr mit einem Eifer entgegengeschleudert, der peinlich gewesen wäre, hätte er sie nicht bereits mit einem Orgasmus beglückt, der ihr, so hoffte er, weiche Knie beschert hatte.

»Natürlich erinnere ich mich an dich.« Er streckte ihr die Hand hin, die Handfläche nach oben. Mit einem zögerlichen Blick legte sie ihre Hand in seine, und er half ihr aufzustehen. Sie stand kaum auf den Füßen, da schlang er auch schon die Arme um sie. Sein ganzer Körper seufzte vor Erleichterung über das Gefühl, diese Frau wieder an sich zu drücken.

Wenn auch nur ungefähr zwei Sekunden lang. Dann stieß sie ihn weg, verpasste ihm einen gezielten Kinnhaken und brachte mit diesem einen Schlag sowohl seinen Stolz als auch sein Gleichgewicht ins Wanken, sodass er umkippte und auf dem Hintern landete.

Kapitel 2

Befriedigung – herrliche, herrliche Befriedigung – durchströmte Camila, als sie den Mann böse anstarrte, der der Länge nach auf dem Boden lag, vorsichtig den Kiefer hin und her bewegte und das Gesicht verzog. Aber diese Befriedigung wurde schnell von einer Welle der Realität gedämpft.

Du verdammte Idiotin. Du hast gerade den einzigen Mann geschlagen, der dich retten kann.

Auf einen Schlag – buchstäblich – hatte sie die fünfzehnhundert Dollar in Rauch aufgehen lassen, die sie von ihrem Sparkonto abgehoben hatte, um hierherzukommen und ihn um Hilfe anzuflehen.

In der Bar war es totenstill geworden, und alle starrten sie und Ash an. Der auf dem verflixten Boden lag, hingestreckt von einem einzigen kräftigen Boxhieb.

Sie würde ihrem Bruder Gabriel dafür danken müssen, dass er ihr gezeigt hatte, wie man so etwas machte. Wenn er ihr nur auch verraten hätte, dass ihre Knöchel anschließend höllisch wehtun würden.

»Camila. Was zum Teufel?«

»Tut mir leid. Das wollte ich nicht.« Sie hatte es nicht vorgehabt, aber sie hatte jahrelang davon geträumt. Sie streckte die Hand aus, um ihm aufzuhelfen, aber er beäugte sie argwöhnisch.

»Wenn ich sie ergreife, wirst du dann die andere Faust benutzen, um mich noch mal k. o. zu schlagen?«

Sie schüttelte den Kopf, weil sie sich nicht zutraute zu sprechen, ohne einen Schwall von Flüchen auf ihn loszulassen – auf ihn, auf sich selbst, auf alles und jeden. Er nahm sanft ihre Hand, aber statt sie zu packen und sich hochzuziehen, drehte er sie um. »Du hast dir die Haut an den Knöcheln aufgerissen. Hey, Cally! Hol etwas Eis und ein Tuch von der Theke!«

Verdammt, sei nicht so nett. Sie fühlte sich hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, die Zeit fünf Minuten zurückzudrehen und sich zu beherrschen, wie sie sich eingeredet hatte, dass sie es tun würde, oder ihm in die Eier zu treten. Wenn er nett zu ihr war, hätte sie für den Tritt in die Eier keine Entschuldigung.

Und das wäre wahre ausgleichende Gerechtigkeit. Sie würde ihm fünfzehn Stunden lang alle zwei Minuten in die Eier treten. Dann würde sie ihm das Herz herausreißen. »Meinen Knöcheln geht es prima.«

»Meinem Kinn auch, danke der Nachfrage.« Er stemmte sich hoch und stellte sich vor sie, so viel breiter, als er es vor all den Jahren gewesen war. Vor fast genau achtzehn Jahren, seit sie sich damals kennengelernt hatten. Und nicht lange danach hatte er sie vernichtet.

Ein Mann mit dunkelblondem Haar und dem so ziemlich hübschesten Gesicht, das sie je gesehen hatte, kam mit einem Glas mit Eiswürfeln und einem Geschirrhandtuch herbei. »Alles in Ordnung bei dir, Kumpel?«

»Ja, bestens. Aber ich werde nie wieder trinken. Verdammter Mist, ein kleiner Klaps, und schon lag ich am Boden.«

»Es war mehr als ein Klaps. Ich habe kräftig zugeschlagen.« Halt den Mund, halt den Mund, halt den Mund.

Beide Männer warfen ihr einen seltsamen Blick zu, bevor einer von Ashs Mundwinkeln in die Höhe zuckte. »Du hast recht. Du hast wirklich kräftig zugeschlagen. Würdest du mir wohl den Grund dafür verraten?«

Was zum …? Ein seltsamer Schauer jagte Camila über den Rücken. »Bist du dir sicher, dass du dich an mich erinnerst?«

»Ihr zwei kennt einander?«, fragte der blonde Typ, höchstwahrscheinlich Cally.

»Vor langer Zeit kannten wir uns«, antwortete Ash.

So konnte man es auch ausdrücken, aber Camila hatte noch eine andere Auslegung. »Ich habe dich überhaupt nie gekannt. Du warst ein Lügner und ein Arschloch. Du hast mich benutzt, mich reingelegt und mich verlassen, du drecklutschender Sohn einer Affenhure.«

Ein kollektives Aufkeuchen durchbrach die Stille. Ashs Schmunzeln erstarrte zu einer grotesken Maske. In dem flackernden Kerzenlicht von einem nahen Tisch sah er bösartig aus. Gefährlich.

Du verhöhnst einen Mann, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, Männer, die doppelt so groß sind wie er, so gewaltsam zu Boden zu reißen, dass sie das Bewusstsein verlieren, bevor sie noch auf der Erde landen. Du. Bist. Eine. Verdammte. Idiotin.

»Komm mit.« Ash hatte ihre geschundene Hand nicht losgelassen, und nachdem er seinem Freund das Eis und das Geschirrtuch abgenommen hatte, zog er sie durch die stumme Menge zur Tür.

»Nein.« Sie sträubte sich, aber einer ihrer miesen billigen Absätze brach einfach ab, und sie stolperte. Ash riss den Arm hoch und stützte sie, aber sie stieß seine Hände weg. »Tu nicht so, als wärst du nett zu mir. Ich fange nicht wieder an, dich zu mögen, egal was du tust.«

»Baby, ob du es glaubst oder nicht, ich habe vor ungefähr achtzehn Jahren aufgehört, mich dafür zu interessieren, ob du mich magst oder nicht.«

»Ja, das hast du allerdings mehr als deutlich gemacht«, murmelte sie, und er fluchte.

»Ich führe dieses Gespräch nicht vor Publikum. Komm jetzt mit, sonst rufe ich die Polizei, damit die deinen verrückten Arsch wegschaffen. Deine Entscheidung.«

Camila gab widerwillig nach. Eine Nacht in einem Londoner Gefängnis stand nicht nur ganz weit unten auf ihrer Liste touristischer Unternehmungen, die sie für ihren Aufenthalt hier geplant hatte, sie war auch nicht um die halbe Welt geflogen, um Ash tätlich anzugreifen, obwohl sich das am Ende als sehr befriedigend herausgestellt hatte.

Nein, sie war hier, um ihn um den größten Gefallen ihres Lebens anzuflehen. Und im Gegenzug würde sie ihm so gut wie alles versprechen.

Sie hatten es fast bis zur Tür geschafft, als Cally ihnen eilig folgte. »Kumpel, warte.«

»Was?«, blaffte Ash.

»Wir haben zusammengelegt und dir noch etwas gekauft.«

»Jetzt ist kein guter Moment dafür.«

»Tatsächlich ist es das doch, denn wenn du versuchst, in dein Zimmer zu gehen, wirst du feststellen, dass deine Schlüsselkarte nicht funktioniert.« Cally holte eine Plastikkarte aus seiner Anzugtasche hervor. »Du hast zwei Nächte in der Penthouse Suite gut. Passend zu den – du weißt schon – den anderen Dingen, die wir dir vorhin geschenkt haben.«

Ash nahm die Karte entgegen. »Danke. Das ist sehr aufmerksam.«

Cally schlug ihm auf die Schulter. »Ist alles in Ordnung?«

»Ja, dieser Kinnhaken war gar nichts.«

»Ehrlich gesagt, Kumpel, habe ich mit der Dame gesprochen. Ich weiß, dass es dir gut geht, aber es scheint ihr zu widerstreben, dich zu begleiten.«

Ash warf ihr einen ironischen Blick zu. »Camila, möchtest du mit mir in die Penthouse Suite kommen, damit wir ein wenig plaudern können?«

»Eigentlich nicht, aber ich werde trotzdem mitgehen.«

Cally zog eine Braue hoch. »Das beruhigt mich nicht wirklich.«

»Wie wäre es dann damit? Ich bin den ganzen Weg von Kalifornien hierher gereist, um mit ihm reden zu können. So nah an ihn heranzukommen, um den Boden mit ihm aufzuwischen, war ein zusätzlicher Bonus.«

Ash verdrehte die Augen. »Himmel noch mal.« Dann fügte er an Cally gewandt hinzu: »Zufrieden?«

Cally stieß ein Lachen aus, in dem sehr wenig Erheiterung lag. »Ich habe das Gefühl, gerade gesehen zu haben, wie Superman gegen einen Vogel gekracht und vom Himmel gefallen ist. Hast du irgendwo einen bösen Zwilling?«

»Nein. Wir sehen uns beim Frühstück.«

»Zu deinem Zimmer gehört …«

»Wir sehen uns beim Frühstück.« Ash schritt zur Tür hinaus und ging durch den Flur zu einer Reihe von Aufzügen.

Camila, die das Gefühl hatte, irgendetwas zu dem Mann sagen zu müssen, der ihr Beschützer gewesen wäre, wenn sie einen gebraucht hätte, bemerkte: »Ich werde Sie nicht beim Frühstück sehen.«

»Da wäre ich mir nicht so sicher«, murmelte Cally.

Camila folgte Ash in den Aufzug. Ash benutzte seine Schlüsselkarte, um den obersten Stock auszuwählen. Er schien nicht besonders erpicht darauf zu sein, sie anzusehen. Stattdessen hielt er das Glas mit den Eiswürfeln fest, als gäbe er sich alle Mühe, es nicht gegen die Wand zu schleudern – die Zähne zusammengebissen, seine Schultern so steif, dass sie aus Marmor hätten gehauen sein können.

Aber er war ein Mann und zudem einer, mit dem sie früher einmal intim gewesen war. Mehr als einmal. Einige Dutzend Male, wenn ihr Gedächtnis sie nicht täuschte.

Und leider leistete ihr Gedächtnis ihr im Moment sehr gute Dienste. Tatsächlich wurde sie gerade überschwemmt von Bildern, die sie nicht sehen wollte, Bildern, die einen Mann zeigten, von dem sie wünschte, sie wäre ihm nie begegnet. Seine zögernde Hand auf ihrem nackten Oberschenkel, die am ausgefransten Rand ihrer geerbten Shorts spielte. Seine erregende Zunge an ihrer. Das leichte Kratzen seiner Wange – kein Pfirsichflaum mehr, aber auch noch keine Männerborsten – an den Innenseiten ihrer Oberschenkel, als er sie ins Paradies leckte.

Oh Gott. Sie steckte so tief in der Scheiße.

Der Aufzug öffnete sich in einen privaten Flur. Ash wollte gerade seine Schlüsselkarte ins Schloss schieben, als die Tür aufschwang und sie einem ernst blickenden Mann in einem dunklen Anzug gegenüberstanden. Ash machte überrascht einen Schritt zurück, mitten auf Camilas nackte Zehen.

»Au!«

Er trat sofort zur Seite, und sie hielt sich den Fuß und stützte sich an der Wand ab, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

»Alles in Ordnung?« In seinem Gesicht stand ehrliche, echte Sorge, und sie gab ihm einen Pluspunkt dafür, ein besserer Mensch zu sein, als sie es war – zumindest wenn es um den heutigen Abend ging.

»Ja. Alles wunderbar.«

»Habe ich dir die Zehen gebrochen?«

Sie wackelte vorsichtig mit ihnen. »Ich glaube nicht.«

»Schade.« Er drehte sich wieder zu dem Mann an der Tür um, der etwas von seiner Fassung verloren hatte. »Tut mir leid wegen des Missverständnisses. Offensichtlich verarschen meine Kumpel …«

»Mr Trenton, bitte, erlauben Sie mir, mich zu entschuldigen. Ich hätte meine Anwesenheit wirklich nicht auf eine so aufdringliche Weise kundtun sollen. Ms Morales, sind Sie sich sicher, dass Sie unverletzt sind? Vielleicht sollten Sie hereinkommen und sich setzen. Ich sehe, dass Mr Trenton bereits Eiswürfel hat. Das ist günstig. Ich kann Ihnen noch mehr Eis beschaffen. Bitte, kommen Sie doch herein und nehmen Sie Platz.«

Sie und Ash blinzelten den Fremden an und dann einander. »Zu deinem Zimmer gehört ein Mitbewohner?«, fragte Camila.

Der Mann schaffte es vorbildlich, nicht zu lächeln. »Butler-Service, Madam. Ich bin Mr Frye.«

»Oh. Cool. Moment mal – woher wissen Sie meinen Namen?«

»Wir machen es uns zur Aufgabe, rasch die Namen von jedem herauszufinden, der unsere Gäste tätlich angreift.«

Ihre Eingeweide krampften sich zusammen. Tätlich angreift. Was für ein schrecklicher Ausdruck für … einen Schlag ins Gesicht. Oh, verdammt. »Ash …«

»Komm. Sehen wir uns deine Verletzungen an.« Beide Männer machten Platz, damit sie als Erste eintreten konnte, beinahe lachhaft in ihrer Höflichkeit, und sie hatte das Gefühl, mit einem Schritt ins neunzehnte Jahrhundert zurückgekehrt zu sein.

Oder gleich das achtzehnte. Heiliger Mist, die Penthouse Suite war exquisit, voller antiker Möbel, bezogen mit aufwendigen cremefarbenen, goldenen und minzgrünen Stoffen. Ein großer Mahagonitisch und acht zierliche geschnitzte Stühle standen auf einem Podest eine Stufe erhöht über dem Großteil des Raums. Ein Flachbildfernseher beherrschte eine Wand. Davor standen Sofa und Sessel, die noch bequemer, aber nicht weniger elegant aussahen als der Rest der Möbel. Camila hatte ein Camp verlassen, in dem es nicht einmal verlässlich warmes Wasser gab, und war nun mitten in das Szenario eines exotischen Liebesromans über einen Milliardär geraten. »Heilige Schhh… warte.«

Ihre Zehen pochten, als sie zu dem superbequemen Sitzbereich humpelte, aber sie wusste, dass nichts gebrochen war. Nachdem Ash dem Butler erklärt hatte, dass sie lieber allein wären, ließ sie sich auf das Sofa nieder und schleuderte ihren Schuh vom Fuß. Die Tür schloss sich mit einem Klick, und Ash setzte sich neben sie, nah genug, dass ihr Kissen ein wenig hüpfte. Sie unterdrückte einen unbehaglichen Schauder angesichts seiner Nähe.

Ein Schauder des Abscheus. Definitiv Abscheu. Definitiv.

»Kannst du damit wackeln?«

Sie tat es.

»Zeig mir deine Schlaghand.«

»Ich werde dich nicht noch einmal schlagen. Versprochen. Ich bedaure wirklich, dass ich es überhaupt getan habe.« Echtes Bedauern jetzt, nicht nur weil sie ihre Chance vermasselt hatte, ihn zu überreden, nach Kalifornien zu ziehen, sondern weil sie noch nie im Leben jemanden geschlagen hatte, außer zur Selbstverteidigung. Sie hätte nicht gedacht, dass sie dazu in der Lage wäre, und war entsetzt zu entdecken, dass sie nicht nur in der Lage dazu war, sondern es auch genossen hatte.

»Mila.«

»Ja?«, sagte sie, für einen Moment überrumpelt, weil er ihren Spitznamen benutzte und davon, wie er in Ashs tiefem, vornehmem englischen Akzent klang. Mii-lah.

»Ich weiß nicht, warum du mich geschlagen hast. Ich weiß nicht, warum du hier bist. Ich weiß nur zwei Dinge. Erstens, du hast mir einen ordentlichen Hieb verpasst, aber ich bin ziemlich gut daran gewöhnt, von Menschen geschlagen zu werden, die stärker sind als du. Das soll keine Beleidigung deiner Schlagkraft sein. Dahinter steckte eine ganz schöne Power. Ich meine bloß, es ist nicht der schlimmste Hieb, den ich je kassiert habe. Es ist nicht mal der schlimmste Hieb, den ich heute kassiert habe.«

Er nahm ihre Hand, legte sie sich auf den Oberschenkel, wickelte dann einige Eiswürfel in das Geschirrtuch und drückte es sanft auf ihre aufgeplatzte Haut. Obwohl er vorsichtig war, zuckte sie bei der Berührung zusammen, und ihre Hand verkrampfte sich auf seinem Bein, während ihr im Bauch ganz warm und wohlig wurde. Sie schloss verlegen die Augen. Wie absolut schrecklich, so für ihn zu empfinden, nachdem er sie damals so mies behandelt hatte.

Und nach dem, wie mies du ihn behandelt hast.

Sie öffnete die Augen und zwang sich, seinem Blick standzuhalten. »Es spielt keine Rolle, ob andere dich härter geschlagen haben. Ich hätte dich überhaupt nicht schlagen sollen.«

Er neigte zustimmend den Kopf. »Das ist die zweite Sache, die ich weiß: Wir können darüber reden, was dich hierhergeführt hat, ein normales Gespräch zwischen Erwachsenen führen, die versprechen, einander nicht mehr zu hauen …«

Sie lächelte schwach.

»Aber wenn du jemals versuchst, mich auf eine Art zu beleidigen, die meine Mutter in den Dreck zieht – sei es direkt oder indirekt –, dann endet das Gespräch sofort, und du wirst gehen müssen. Verstanden?«

… Sohn einer Affenhure. Ja, sie verstand. Während ihre Wangen und ihr Herz bei der peinlichen Erinnerung brannten, mühte sie sich, die Übelkeit herunterzuschlucken, die sich ihre Kehle hinaufkämpfte. Sie verstand das besser, als er jemals ahnen konnte.

»Es tut mir leid«, wisperte sie.

»Verziehen. Also, bist du bereit, mir zu sagen, warum du hier bist?«

Die Kälte der Eiswürfel drang endlich durch das Geschirrtuch an ihre aufgeplatzte Haut, zog ihren Arm hinauf und ließ sie schaudern. Oder vielleicht war das die Nervosität. Sie hatte diesen Moment im Geiste immer wieder durchgespielt, aber nichts hatte sie auf die Realität vorbereitet. Genau wie bei so vielen der bedeutenden Ereignisse in ihrem Leben.

Er saß geduldig da und beobachtete stumm, was eine faszinierende Zurschaustellung widersprüchlicher Gefühle auf ihrem Gesicht sein musste.

»Ähm …«

Er seufzte. »Nun? Wie viel?«

»Wie viel was?«

Er verdrehte die Augen. »Ich bezweifle, dass du wegen eines Autogramms hier bist. Ich nehme an, es geht um Geld. Wie viel willst du?«

»Eine halbe Million.«

Ihm traten die Augen aus den Höhlen. »Scheiße! Pfund?«

»Nein. Dollar.«

»Na ja, das ist eine Spur machbarer. Aber ich glaube, du verwechselst mich mit einem professionellen Fußballer, Schätzchen. Ich verdiene keine solchen Unsummen, dass ich mal eben eine halbe Million verprassen kann. Nicht mal ansatzweise. Nicht einmal für meinen ersten Fick.«

Die Qual dieser Situation durchbohrte sie, und ihr stockte der Atem. So viel zu dem Versuch zu verbergen, wie schmerzhaft diese Unterredung war. Es ihn so unumwunden ausdrücken zu hören – und das zu einem Zeitpunkt, da sie kaum eine andere Option hatte, als sich zu demütigen und um seine Hilfe zu bitten –, war noch schlimmer, als sie es sich vorgestellt hatte.

»Woher hast du gewusst, wo du mich findest?«

»Ich habe ein wenig online recherchiert. War nicht allzu schwierig.«

»Kann auch nicht allzu einfach gewesen sein. Wir machen nicht gerade Reklame …«

»Aber eines deiner Groupies tut es.«

Seine Brauen schnellten in die Höhe, und sie beeilte sich, es zu erklären. »Nicht deine Groupies. Die Groupies der Mannschaft. Ich glaube, sie hat erwähnt, dass sie mit Shaggy im Bett war?«

Ash wand sich sichtlich. »Ja. Das klingt plausibel. Also, warum bist du hergekommen?«

Ihre Kehle schnürte sich zusammen, und sie versuchte zu schlucken. »Um dich zu bitten …«

»Nein, warum bist du hergereist? Wenn du herausgefunden hast, in welchem Hotel ich abgestiegen bin, hättest du auch herausfinden können, wie du dich per E-Mail mit mir in Verbindung setzen kannst. Himmel, in meinem Twitter-Profil sind die Kontaktdaten meines Agenten angegeben. Aber statt uns beiden eine Menge Peinlichkeit zu ersparen, bist du hergekommen, um mich persönlich zu fragen. Willst du wissen, was ich denke?«

Sie schüttelte stumm den Kopf.

»Ich denke, du hast das getan, weil du dich daran erinnert hast, welche Macht du über mich hattest.«

Der Schock zwang sie zu sprechen. »Die Macht, die ich hatte?«

»Ja.« Er sprang auf und stieß die Hände in seine Taschen, als hätte er am liebsten gegen eine Wand geboxt, aber noch die nötige Beherrschung aufgebracht, um sich zu bremsen. »Du hast gedacht, wenn ich dich wiedersehe, erinnere ich mich vielleicht daran, wie unglaublich du dich anfühlst. Wie unglaublich ich mich mit dir gefühlt habe. Und dass ich so von Lust überwältigt wäre, dass ich zu allem Ja sagen würde. Dass ich vergessen würde, wie du am Flughafen in meinen Armen geweint und versprochen hast zu schreiben, und es nie getan hast, verdammt noch mal.«

Sie bekam keine Luft. Sie öffnete und schloss den Mund wie ein Fisch, nur dümmer. Wie ein hirntoter Fisch.

»Du hast dir gedacht, jetzt, da ich in den Ruhestand gehe und mich wahrscheinlich ganz nostalgisch fühle, würde ich mich vielleicht fragen, was hätte sein können.«

Sie holte endlich zittrig Luft, ihre Stimme heiser, weil sie die ganze Zeit versuchte, ihre Gefühle für sich zu behalten, bis sie später allein sein und herausfinden konnte, was all das bedeutete. »Nein. Ich bin hergekommen, weil dein Agent mir gesagt hat, ich solle aufhören, ihm auf die Nerven zu gehen.«

Ash blinzelte. »Du hast mit Steve geredet?«

»Ich habe ihm E-Mails geschickt, ihn angerufen. Ich hätte eine Brieftaube geschickt, wenn ich gedacht hätte, dass das zu ihm durchdringen würde. Er hat mir nur einfach immer wieder gesagt, du hättest kein Interesse.«

»Recht hatte er. Ich habe wirklich kein Interesse daran, einen Haufen Geld auszuspucken …«

»Ich will keine Almosen. Bitte, hör mich einfach an. Bitte.«

Er schaute auf seine Armbanduhr und setzte sich. »Du hast zwei Minuten.«

Sie holte noch einmal zittrig Luft und versuchte, sich zu beruhigen. »Ich betreibe ein Camp, ein ziemlich ungewöhnliches Camp. Jedes Jahr helfen wir Dutzenden von Kindern, ihr Leben in den Griff zu bekommen.«

Er warf einen weiteren Blick auf seine Armbanduhr. »Neunzig Sekunden.«

»Ich habe es von meinem Dad geerbt, zusammen mit einem Haufen Schulden, die ich nicht abbezahlen kann. Jetzt droht der Verkauf des Camps an Bauunternehmer, die es abreißen und dort Luxusvillen mit Seeblick bauen werden.«

»Wo ist das?«

»L. A.« Mehr oder weniger. Nicht wirklich.

»Klingt nett. Ich werde vielleicht eine davon kaufen. Eine Minute.«

»Ich habe eine Möglichkeit gefunden, das Camp zu retten, aber ich brauche jemanden, der ein Rugbyteam trainieren und uns helfen kann, ein Turnier zu gewinnen.«

Seine Nasenflügel zuckten. »Ein Rugbyturnier?«

»Ja.«

»Wo?«

»In San Diego.«

Sein Blick schärfte sich. »Das San Diego Sevens?«

»Du hast davon gehört?«

»Äh, ja.« Nach seinem Ton zu urteilen, war es idiotisch von ihr, das zu fragen. »Ich nehme an, du hältst dich über Rugby nicht auf dem Laufenden.«

Niemals. Er hatte ihr ein kleines bisschen darüber beigebracht, als sie in Barcelona gewesen waren, aber danach hatte sie nie wieder etwas von dem Sport hören wollen. In Amerika war es nicht allzu schwierig, ihm aus dem Weg zu gehen. Aber früher in diesem Jahr hatte sie der Neugier nachgegeben und nach Informationen über Ash gesucht. So etwas hatte sie schon einige Male getan, meist dann, wenn sie sich wirklich mies fühlte und sich verzweifelt nach einem Drink sehnte, den sie sich nicht gestatten wollte. Er war anscheinend ihre Antwort auf Alkoholismus. Bei ihrem letzten Surfen nach Informationen hatte sie gesehen, dass er seinen bevorstehenden Rückzug aus dem aktiven Sport ankündigte. Zugleich war auf dem Monitor eine Anzeige erschienen, die wahrscheinlich aufgrund des von ihr eingegebenen Suchbegriffes gezielt geschaltet worden war. Diese Anzeige war ihr tagelang durchs Internet gefolgt. Und als dann der Bankdirektor sie kontaktierte, um ihr mitzuteilen, dass sie nun endlich bezahlen müsse, hatte sie beschlossen, dass man in besonders schlimmen Zeiten besonders schnell seinen Stolz herunterschlucken musste.

Dies war eine solche Zeit. »Ich weiß nur, was ich in einem Artikel online gelesen habe. Rugby verbreitet sich in den USA immer schneller, und es gibt da etwas namens 7er-Rugby, das zum allerersten Mal bei den Spielen in Rio ein Event sein wird. Das San Diego Sevens versucht, daraus Kapital zu schlagen und das Profil des Sports in den USA zu stärken, deshalb geben sie dem Siegerteam in der High-School-Gruppe eine halbe Million Dollar für dessen Schule oder Sportclub.« Sie spie all diese Worte so schnell aus, wie sie es geübt hatte, wenn auch mit einer Panik, die schneller pulsierte als ihr Herz. »Ich brauche den größten Teil davon, kann dir aber zehn Riesen bezahlen, wenn wir gewinnen. Mein Camp braucht dieses Geld wirklich, Ash. Dringend.«

Er sah sie so durchdringend an, dass sie darum rang, nicht zu zappeln. »Wie alt sind die Jungs in deiner Mannschaft?«

»Siebzehn.«

»Haben die schon mal gespielt?«

»Ja. Sie sind unglaublich talentiert und sehr entschlossen.« Keine komplette Lüge. Sie war sich sicher, dass die Jungs für irgendetwas Talent hatten – fürs Schule schwänzen wahrscheinlich, da ihnen allen von ihren Schulverwaltungen eine letzte Warnung ausgesprochen worden war. Die Chancen, dass sie irgendwann schon einmal Rugby gespielt hatten, standen ungefähr so gut wie die Chancen, dass Camila den WM-Pokal ganz allein gewinnen würde. Tatsächlich hatten sie in der Vergangenheit vielleicht überhaupt keinen Sport gemacht. Sie biss sich auf die Lippe. Besser, sie behielt diese kleine Information für sich.

»Du willst, dass ich eine Mannschaft trainiere, die ich noch nicht einmal kenne, um mit ihr das San Diego Sevens zu gewinnen? In fünf Wochen?«

Okay, also war das Turnier offensichtlich so groß, dass er das genaue Datum bereits kannte. Sie fühlte sich immer mehr wie eine Idiotin – und bei seinem erstaunten Gesichtsausdruck noch hoffnungsloser, was ihre Chance betraf, ihr Camp zu retten. »In vier Wochen, um genau zu sein, dann tauchen die Kids auf. Ich weiß, wie sehr du eine Herausforderung schätzt.«

Sie meinte es als Scherz, aber er war offensichtlich nicht in humorvoller Stimmung.

»Du weißt gar nichts über mich, Camila.«

»Ich weiß erheblich mehr, als du denkst.« Stück für Stück kroch das Selbstbewusstsein in sie zurück. Sie war schon in schwierigeren Situationen als dieser gewesen. Sie trug tiefe Narben – buchstäbliche und solche im übertragenen Sinne –, aber sie hatte überlebt. Sie konnte das schaffen. »Als ich mit deinem Agenten gesprochen habe, hat er mir gesagt, du wärst nicht interessiert. Dass du bessere Angebote hättest, solche, bei denen nicht von dir verlangt würde, dich für etwas zur Verfügung zu stellen, bei dem es völlig ungewiss wäre, ob du damit Geld verdienen würdest.«

»Völlig ungewiss? Das hat er gesagt?«

»Mmmh-hm. Aber lass es mich folgendermaßen ausdrücken. Ich weiß, dass du das schaffen kannst. Ich hätte nicht einen Großteil meiner Ersparnisse benutzt, um den ganzen Weg hierherzufliegen, wenn ich gedacht hätte, es gäbe auch nur die leiseste Chance, dass wir verlieren würden.« Bloß war ihr da noch nicht klar gewesen, dass dieses Turnier eine viel größere Sache war, als sie gedacht hatte.

»Eine brandneue Mannschaft, Camila. In einem Monat.«

Sie änderte die Taktik. »Amerika ist ein riesiger Markt. Wir lieben unseren Sport, und wir lieben unsere Athleten. Ein Durchbruch dort drüben könnte zu einer neuen, umwerfenden Karriere für dich führen – und stell dir nur vor, was deine Teilnahme für das Wachstum des Sports bedeuten würde.«

Sie erkannte genau, in welchem Augenblick sie ihn köderte. Sein Mund hatte sich bewegt, als würde er auf der Innenseite seiner Wange herumkauen, während er nachdachte, aber sobald sie das Gute erwähnte, das er für seinen geliebten Sport tun könnte, war seine Fantasie offensichtlich entzündet worden. Er legte den Kopf hinten an die Sofalehne und schaute zur Decke hoch. Doch bevor er ihr irgendeine Art von Antwort geben konnte, erklang das zarte Läuten einer Türglocke im Zimmer. Sie schauten beide zur Tür, als könnten sie hindurchsehen.

»Der Butler?«, fragte Camila.

»Gehen Sie weg!«, rief Ash.

Die hübsche Melodie läutete abermals, und Ash fluchte, als er durchs Zimmer ging und die Tür aufriss. »Ich sagte …«

Was immer er gesagt hatte, wurde von den hundert Menschen übertönt, die in den Raum strömten. Camila sprang auf und sah sich um. Sie erkannte einige der Gesichter von der Party unten. Über den Lärm hinweg hörte sie Cally gerade noch zu Ash rufen: »Tut mir leid, Kumpel! Wir haben noch was für dich, und ich konnte die Jungs nicht zurückhalten.«

Wenn Camila die Empfängerin von Ashs mörderischem Blick gewesen wäre, hätte sie sich in die Hose gemacht. Cally grinste nur, schlug Ash auf die Schulter, stellte sich auf einen Stuhl und stieß einen durchdringenden Pfiff auf zwei Fingern aus. »Meine Damen und Herren, dürfte ich für einen Augenblick Ihre Aufmerksamkeit erbitten?«

Fasziniert schlängelte Camila sich durch die Menge und stellte sich neben Ash. Während die Menschen im Raum verstummten, brummte er: »Scheiße. Das kann nichts Gutes bedeuten.«

Cally verkündete: »Vorhin haben die Jungs und ich Trenton eine Reihe kleiner Geschenke überreicht. Ich schätze, man könnte sie Zeichen unserer Zuneigung nennen.« Einige der Männer kicherten. »Wir würden die Feierlichkeiten gern ausdehnen und einen kurzen Film über einige unserer Lieblingsmomente seiner Karriere zeigen. Die meisten von uns kennen die Brillanz seiner späteren Jahre, aber wir sind nicht alle alt genug, um uns daran zu erinnern, wie er angefangen hat. Also, hier sind unsere Highlights der vergangenen zwanzig Jahre. Viel Spaß.«

Der Fernsehbildschirm wurde eingeschaltet und die Lichter wurden gedämpft. Ash beugte sich vor und murmelte: »Wenn ich es genau bedenke, solltest du jetzt wahrscheinlich gehen. Genau genommen solltest du rennen.«

»Keine Chance.« Zum ersten Mal seit langer Zeit spürte sie ein Lächeln auf ihren Zügen.

Die Aufnahmen zeigten Ash, der an einem Ende des Spielfelds einen Ball abfing und den ganzen Weg zum anderen Ende sprintete – sprintete –, und im Zickzack um Männer herumflitzte, die fast doppelt so groß waren wie er, bevor er wie Superman ins andere Ende flog und den Ball in den Boden rammte. Über dem Video wurden die Worte Ash Trenton, Der Mann … eingeblendet.

Dem folgte eine Bildmontage von ihm, wie er verschiedene Pokale und Medaillen hochhob und küsste, zusammen mit den Worten … Der Mythos …

Dann wurde er gezeigt, als er wahrscheinlich Anfang zwanzig war und vor einem Fotografen posierte. Er war nackt – oder zumindest nahm sie an, dass er es war, da er sich einen Rugbyball vor sein bestes Stück hielt. Camilas Wangen wurden heiß, als sie sich daran erinnerte, wie gut dieses beste Stück gewesen war.

Plötzlich flog ein anderer Spieler in voller Montur in die Aufnahme und riss ihn um, wobei der nackte Ash den Ball verlor und mit dem Angreifer durch die Luft flog. Das Video erstarrte zu einem einzigen Bild von Ash mitten in der Luft, und der Kamera war es gelungen, den Blick zwischen seine weit gespreizten Beine einzufangen, als sein Penis und seine Hoden von dem Aufprall hin und her schwangen.

… Die Legende

Alle brachen in schallendes Gelächter aus, Camila ebenfalls. Neben ihr barg Ash das Gesicht in den Händen und murmelte: »Gott, ich wünschte, meine Karriere wäre durch eine Verletzung beendet worden.«

Sie tätschelte ihm spöttisch wie zum Trost den Arm und nahm den Blick keine Sekunde lang vom Bildschirm. Das Video ging in ähnlicher Weise weiter, machte eine große Sache aus Ashs umwerfenden Spielzügen und mischte Aufnahmen dazwischen, wie er schlafend im Bus saß, den Mund weit geöffnet, während ihm Sabber übers Kinn tropfte. Oder wie er in der Dusche schrecklich schief sang, oder wie er auf einem Laufband ackerte, als einer seiner Mannschaftskameraden mit einem Becher Eiscreme vorbeiging, das in einer Riesenportion Schokoladensauce schwamm und seine Aufmerksamkeit auf sich lenkte, woraufhin Ash stolperte und mit dem Gesicht zuerst auf die schwarze Laufmatte krachte, bevor er zu Boden geworfen wurde.

Ihn zu bitten, in die Wildnis umzuziehen, schien gar keine so schlechte Idee mehr zu sein. Er würde das Angebot jetzt wahrscheinlich mit offenen Armen begrüßen.

Als die Lichter wieder angingen und alle johlten und applaudierten, hob Ash eine Hand, um ihre Erheiterung auf seine Kosten zu würdigen. Cally kletterte wieder auf den Stuhl, und alle verstummten. »Kumpel, du bist weder ein Spaßverderber noch ein Spielverderber. Wir hoffen, du machst das Beste aus dieser Suite, denn wir wissen, was du verdienst, und dass du dir bald einen vernünftigen Job wirst suchen müssen.«

Ashs Grinsen wirkte ein wenig gezwungen, als er den donnernden Applaus würdevoll entgegennahm. Dann trat er vor, umarmte Cally schnell und stieg auf den Stuhl. »Ich bin zwar nicht an öffentliches Reden gewöhnt …«

Alle im Raum stöhnten, und Ash lachte. »Ich hatte nicht vorgehabt, ein tolle Rede zu halten …«

»Dann halte eine beschissene!«, rief jemand, und Ash machte das beleidigende V-Zeichen in seine Richtung.

»Wie ich eben sagte, ich hatte dies nicht geplant, seid also nachsichtig mit mir, wenn ich was Dummes sage.« Sein Blick begegnete dem von Camila, und er verstummte für einen Moment. Die Feuerwerkskörper in ihrem Bauch zischten erneut los.

»Im Laufe der letzten Monate hat man mich immer wieder gebeten, über meine Karriere nachzudenken. Über die Männer, mit denen und gegen die ich gespielt habe, und über die Menschen, die mir auf dem Weg geholfen haben. Aber eine Frage ist häufiger aufgetaucht als alle anderen – was mache ich als Nächstes?«

Camilas Kehle schnürte sich zu, und sie flehte im Stillen: Nein. Nein. Bitte, weise mich nicht ab. Nicht ohne mir eine Chance zu geben, dich zu überzeugen. Nicht in der Öffentlichkeit. Bitte.

Ohne den Blickkontakt zu lösen, fuhr er fort: »Die Antwort lautet …« Camila hielt zusammen mit allen anderen im Raum die Luft an.

»Ich habe keinen verdammten Schimmer.«

Die Menge lachte und klatschte Ash Beifall, während er ihnen für ihre Unterstützung dankte, vom Stuhl kletterte und zu Camila zurückkehrte, die sich Halt suchend an die Wand lehnte. Sie hatte das Gefühl, als hätte man ihr die Lungen herausgerissen und sie dann verkehrt herum wieder hineingestopft.

Sein Mundwinkel zuckte, als er sie erreichte. »Wo schläfst du heute Nacht?«

»Hier«, antwortete sie mit rauer Stimme.

Ash zog eine Augenbraue hoch, als wollte er sagen: Den Teufel wirst du tun.

»Ich meine nicht, in diesem Zimmer. Aber in diesem Hotel. Zimmer vier neunzehn.«

»Wann geht dein Flug?«

»Übermorgen.«

»Gut. Dann treffen wir uns zum Frühstück im Hotelrestaurant.«

Ihr Herz hämmerte schmerzhaft. »Also wirst du es machen?«

»Ich werde heute Nacht darüber nachdenken.« Er beugte sich ganz dicht zu ihr vor. »Wenn ich einen Monat lang mit dir zusammenarbeite, dir meine Zeit schenke, mein Blut und meinen Schweiß, damit du mit mir Geld verdienen kannst, will ich wissen, dass du die Art von Mensch bist, die von meiner harten Arbeit profitieren sollte. Ich werde dir nach dem Frühstück eine Antwort geben. Wir sehen uns um acht.«

Kapitel 3

Die daunenweiche Matratze hätte ebenso gut mit echten Gänsen gestopft sein können, so wenig Schlaf bekam Ash. Die heutige überraschende Heimsuchung aus der Vergangenheit elektrisierte seine Haut, sodass er mit allen Sinnen jede Beule und jede Sprungfeder in der Matratze spürte, jede raue Stelle des Lakens. Sie zwang ihm Erinnerungen auf, an die er seit Jahren nicht gedacht hatte.

Seit achtzehn Jahren.

Nein, das war eine Lüge. Camila war ihm noch lange, nachdem sie Lebewohl hatten sagen müssen, im Kopf geblieben. Sie war buchstäblich auf seine Haut tätowiert, obwohl sie das niemals erfahren würde.

Zuerst hatte er ungeduldig darauf gewartet, von ihr zu hören. Als die Zeit ohne Briefe verstrich, war er davon überzeugt gewesen, dass die Royal Mail sie verloren hatte. Camila konnte ihn unmöglich so schnell abgehakt haben. Nicht, wenn er daran dachte, wie sie sich beim Abschied an ihn geklammert hatte. Er hatte sich vor dem Start in der Flugzeugtoilette ein frisches Hemd anziehen müssen, weil sie an seiner Brust Rotz und Wasser geheult hatte. Diese Zurschaustellung ihrer Gefühle hatte ihn schockiert, obwohl er selbst gegen überwältigende Emotionen angekämpft hatte.

Noch Monate danach hätte er sich am liebsten in seinen eigenen traurigen Hintern getreten, weil er sich geweigert hatte, sie nach ihrer Adresse zu fragen. Doch er hatte gewusst, was passieren würde. Er hätte ihr geschrieben. Er hätte auf ihre Briefe gewartet. Er hätte zwanghaft über sie nachgegrübelt. Und er wäre am Boden zerstört gewesen, wenn sie nicht geschrieben hätte.

Natürlich passierte das am Ende trotzdem, aber zumindest hatte Ash sich einreden können, dass das Notizbuch, in das sie seine Adresse geschrieben hatte, gestohlen worden war. Oder dass die Briefe in der Post verloren gegangen waren.

Sie war unterwegs auf großem Abenteuer gewesen, einer Reise allein, um über den Sommer einige entfernte Vettern und Cousinen in Spanien als Babysitterin zu betreuen. Sie war erst sechzehn gewesen, während er achtzehn gewesen war, und total aufgeregt, weil er gerade seinen ersten Profivertrag mit den Legends unterzeichnet hatte. Er und Alfie Hardwick, sein bester Freund, hatten ihre mageren Einkünfte von der Legends Academy gespart und waren für zwei Wochen in die Sonne nach Barcelona geflogen, bevor das Training vor der nächsten Spielzeit begann. Zwei Wochen Sonnenschein und die Mission, Ash von seiner elenden Jungfräulichkeit zu befreien. Sie saßen am Strand und betrachteten die Frauen, als er Camila zum ersten Mal begegnete.

»Wie wäre es mit der da?« Hardy deutete mit dem Kinn auf eine Frau in einem Bikini, der kaum ihre Blößen bedeckte, als sie aus dem Meer stieg. Wasser strömte an ihrem Körper hinunter, und ihre Brüste wippten, als sie die Arme über den Kopf hob, um sich das Haar auszuwringen.

»Zu offensichtlich.«

Hardy verzog das Gesicht. »Scheiße, was soll das heißen, zu offensichtlich?«

»Keine Ahnung. Sie sieht einfach nicht nach meinem Typ aus.« Tatsächlich sah sie ein wenig Furcht einflößend aus. Als würde sie ihn aufessen, nachdem sie damit fertig wäre … ihn zu vernaschen.

»Wir suchen hier nicht nach der Frau, die deine Kinder zur Welt bringen wird, Kumpel. Wir versuchen, einen guten ersten Fick für dich zu finden.«

Ash beobachtete, wie die Frau aus dem Meer kam, Wellen von Wasser schwappten zwischen ihren Schenkeln hindurch und brachten sie auf entzückende Weise aus dem Gleichgewicht. Konnte er sich vorstellen, in ihr zu sein? Oh, Scheiße, ja. Aber irgendetwas hielt ihn zurück. »Ich weiß nicht. Sie ist einfach nicht mein Typ.«

Hardy fluchte und legte sich auf seinem Handtuch auf die Seite. »Na gut, ich habe das noch nie zu dir gesagt, weil ich nicht wusste, ob du bereit wärst, es zu hören. Aber ich werde es jetzt sagen. Wenn du auf Kerle stehst, ist es okay.«

Ash verzog das Gesicht. »Moment mal – was? Ich stehe nicht auf Kerle.«

»Es ist in Ordnung, Kumpel. Ernsthaft. Lass es mich einfach wissen, und dann fange ich an, nach Typen Ausschau zu halten, die es dir besorgen.«

»Ja, ich weiß, dass es in Ordnung ist, aber ich bin nicht schwul.«

»Bist du dir sicher?«

Ash lachte. »Ich bin jeden Tag mit nackten Typen zusammen. Ich hätte es bemerkt, wenn ihre behaarten Arschlöcher etwas bei mir auslösen würden. Aber ich weiß es zu schätzen. Wirklich. Mein Problem ist nicht die Ausstattung dieser Frau. Oder die irgendeiner Frau, was das betrifft.«

»Was ist es dann?«

Ash rieb sich das Gesicht mit seiner rauen Hand und lehnte sich zurück, bis sein Kopf auf dem Hemd landete, das er ausgezogen hatte. Er legte sich die Hand über die Augen, um sie gegen den grellen Sonnenschein abzuschirmen. »Ich weiß es nicht.«

»Du willst doch Sex haben, richtig?«

»Mehr als du dir vorstellen kannst.«

»Hey, ich war vor einem Jahr in der gleichen Situation wie du. Ich kann es mir vorstellen.« Aber dann hatte Hardy Jill kennengelernt, ein cleveres Mädchen, das ihn wahnsinnig gemacht hatte, bis sie offiziell ein Paar geworden waren und die Freuden des Sex entdeckt hatten. Sie war jetzt wieder zu Hause und lernte, obwohl Sommer war – etwas, das weder Hardy noch Ash verstehen konnten. Sie wollte Anwältin werden und war im Begriff, ihr letztes Schuljahr zu beginnen, bevor sie ihr Abitur machte und zur Uni gehen würde.

Ash wollte keine feste Freundin haben. Er hatte genug von seinen älteren Teamkameraden ihre Karrieren vermasseln sehen, weil ihre persönlichen Probleme ihr professionelles Leben beeinträchtigte hatten. Selbst Hardy war ein perfektes Beispiel für das, was er nicht wollte. Noch vor einem Jahr wäre der Gedanke, dass Ash einen Profivertrag bekam und Hardy an der Academy zurückließ, lächerlich gewesen. Aber während der letzten Spielzeit hatte Jill seinen Kopf, sein Herz und sein Bett ausgefüllt und ihn von dem abgelenkt, was wirklich zählte.

Rugby war das Einzige, was Ash in seinem Kopf und in seinem Herzen haben wollte. Sein Bett war eine andere Geschichte – er hatte einmal ein höchst peinliches Erlebnis gehabt, als er davon geträumt hatte, die Brust einer Frau zu streicheln, und beim Erwachen festgestellt hatte, dass er die Spitze eines Rugbyballs leckte.

Gott, er hoffte, dass niemand je davon erfuhr.

Er wollte nichts mehr, als einfach nur spielen; er würde nichts Geringeres akzeptieren.

Was bedeutete, dass er nie Zeit mit Mädchen verbrachte – abgesehen von der gelegentlichen Stripperin – oder wenn er irgendwo war, wo auch Mädchen waren. Was bedeutete, dass er sich der Mannschaft als Jungfrau anschließen würde.

Das durfte nicht passieren.

Bisher wusste nur Hardy davon. Doch die anderen würden nicht lange brauchen, um es herauszufinden, und dann würde er, wenn er in Hotels eincheckte, Nutten in seinem Bett vorfinden.

Er schauderte.

»Was ist mit der da?«

Ash nahm die Hand von den Augen und richtete sich weit genug auf, um zwei Frauen zu beobachten, die vorbeigingen. »Die mit dem Knackarsch?«

Ein feminines Schnauben lenkte Ashs Aufmerksamkeit von den Frauen in Bikinis ab und stattdessen auf ein Mädchen, das ungefähr einen Meter entfernt auf einem Handtuch saß. Im Gegensatz zu den anderen Frauen am Strand trug sie einen einteiligen Badeanzug. Nun, einige andere trugen ebenfalls Einteiler, aber nur weil sie ihre Oberteile ausgezogen hatten. Der Blick des Mädchens war auf das Buch in ihren Händen gerichtet, The Squatter and the Don. Der Name der Autorin war lang und klang spanisch. Auf dem Cover war eine langweilige, gemalte Landschaft. Es sah nicht aus wie eine Komödie, aber was wusste er schon?

Sie wandte ihm den Kopf zu und durchbohrte ihn über die Ränder ihrer dunklen Sonnenbrille mit einem Blick aus ihren strahlenden, grünen Augen. »Du musst ihr unbedingt ein Kompliment zu ihrem Knackarsch machen, wenn du sie anquatschst. Frauen lieben das.«

Hardy lugte hinter Ash hervor. »Privatgespräch, okay?«

»Dann dreht die Lautstärke runter … okay?«

Ash biss sich innen auf die Lippe, um nicht zu lachen. Die meisten Frauen schienen nur zwei Reaktionen zu kennen, wenn sie ihn und seine Freunde sahen – Verführung oder Gestammel. Dieses Mädchen war sarkastisch.

Es hatte ihm gefallen.

So war sie heute Abend jedoch nicht gewesen, als sie ihm in seiner einsamen, übergroßen Hotelsuite gegenübergesessen hatte. Noch hatte sie die Verführungsroute beschritten, was ihn irgendwie enttäuschte. Stattdessen hatte sie ihm ins Gesicht geschlagen und ihn dann noch mehr schockiert, indem sie ihn gebeten hatte, einen Monat darauf zu verwenden, ihr Rugbyteam zu trainieren.

In Kalifornien, um Gottes willen.

Wollte er fünf Wochen lang in der Vergangenheit leben, wenn er sich doch um seine Zukunft kümmern musste?

Wohl kaum.

Aber genoss er die Gelegenheit, Camila ein wenig zappeln zu lassen?

Oh Scheiße, ja.

Camila kam mit trüben Augen und benommenem Kopf – Jetlag und Stress hatten sie die ganze Nacht wach gehalten – in den Speisesaal des Hotels. Ash trank Tee und verzehrte ein Frühstück, das amerikanische Proportionen übertraf, zusammen mit Cally und einem anderen massigen Mann, von dem sie annahm, dass er ein Mannschaftskamerad war.

So viel zu ihrer Hoffnung/Sorge, dass sie allein sein würden.

Als er sie bemerkte, wurde sein Blick warm und nachdenklich. War das etwas Gutes? Hatte er bereits eine Entscheidung getroffen? Oder würde er sie bis zum Ende des Frühstücks in der Luft hängen lassen, bevor er ihr ihr Schicksal offenbarte?

Er stand auf und zog den leeren Stuhl neben seinem vom Tisch ab. Bei dieser Geste stolperte sie beinahe. Ein Mann, der für sie aufstand? Sie hätte nie …