Love Like Magic - Kelly Siskind - E-Book
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Kelly Siskind

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Beschreibung

Simsalaliebe! Als die frisch getrennte Beatrice in New Orleans dem rätselhaften, aber attraktiven Magier Huxley in die Arme läuft, sprühen schon nach kurzer Zeit die Funken. Doch wegen eines kleinen Missgeschicks muss Bea für Huxley und seine Brüder arbeiten und wird kurzerhand als Assistentin der Marvelous Marlow Boys auf der Bühne in ominöse Zauberboxen gesteckt. Die nahezu magische Anziehungskraft zwischen ihr und Huxley könnte allerdings zum Problem werden. Denn das letzte Mal, als Bea ihrem Herzen gefolgt ist, wurde ihr Bankkonto leergeräumt und sie selbst fast verhaftet. Aber diesmal ist schließlich Magie im Spiel, und so scheint alles möglich … »Eine tolle Mischung aus Magie und Sinnlichkeit. Diese Liebesgeschichte zaubert ein Lächeln auf die Lippen.« Helen Hoang, Autorin von »Kissing Lessons« Wenn Kelly Siskind nicht gerade mit ihrem Mann wandern geht, Bücher verschlingt oder ihren Käseladen im Norden Ontarios betreibt, hält sie eine der vielen Ideen, die in ihrem Kopf herumschwirren, auf einem Notizblock fest. Die Autorin hat bereits mehrere romantische Komödien und New Adult-Romane geschrieben, »Love Like Magic« ist ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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Aus dem kanadischen Englisch von Tanja Hamer

© Kelly Siskind 2019Titel der englischen Originalausgabe:»New Orleans Rush«, EverAfter Romance, New York 2019© der deutschsprachigen Ausgabe:Piper Verlag GmbH, München 2020Covergestaltung: zero-media.net, MünchenCovermotiv: FinePic®, München

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Inhalt

Cover & Impressum

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Dank

Kapitel 1

Die Welt durch die rosarote Brille zu sehen war eine Spezialität von ihr. Eine sonnige Perspektive konnte manch bedeckten Himmel aufreißen lassen und die Welt mit Helligkeit fluten. Meistens fiel es ihr leicht, Widrigkeiten mit einem Lächeln zu begegnen. Doch heute Abend hatte Bea jeglicher Optimismus verlassen.

»Machen Sie mir noch einen, Sir.« Sie ratterte die Aufforderung ungewollt schnell herunter, sodass ein Wort an das andere stieß.

Der Barkeeper zog eine Augenbraue hoch. »Sind Sie sicher, dass das eine gute Idee ist? Sieht aus, als hätten Sie schon ein paar Drinks intus gehabt, bevor Sie hierhergekommen sind.«

Sie blinzelte den Mann mit den zurückgegelten Haaren und der ordentlichen Fliege an. Er wirkte, als wäre er von der unerschütterlichen Sorte, die einen schwarzen Tag, wie sie ihn gehabt hatte, mit einer Tasse Tee und einem selbstironischen Lächeln wegsteckte.

Bea stützte die Ellenbogen auf den Tresen und verzog nur kurz die Miene, als sie merkte, wie klebrig die Oberfläche war.

»Ich weiß Ihre Fürsorge zu schätzen, aber das war mein erster Drink. Und würden wir wie in einem dieser Filme für einen Tag im Körper des anderen stecken, und Sie hätten die letzten dreizehn Stunden so erlebt, wie ich sie erlebt habe, würden Sie wissen, dass ich mich damit für das Guinness-Buch der Rekorde für den schlimmsten Pechtag ever qualifiziert hätte. Mir jetzt einen weiteren Drink zu verweigern wäre geradezu barbarisch.«

Das Problem war, dass der Alkohol ihre übliche rosarote Brille beschlagen ließ. Oder vielleicht war es auch die Erkältungsmedizin, die sie genommen hatte, als sie in ihrer Handtasche keine Kopfschmerztabletten hatte finden können.

Das rang dem Barkeeper ein Lächeln ab. »Barbarisch?«

»Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.«

Er schüttelte den Kopf und griff nach der Wodkaflasche im Regal hinter sich. »Vielleicht inhalieren Sie den hier einfach nicht so wie den letzten.«

Mit dem zweiten Lemon Drop Martini in der Hand drehte sie sich auf ihrem Barhocker herum und ließ den Blick durch den Raum schweifen. Die schummerige Beleuchtung machte ihre Augenlider schwer, die roten Teppiche und die dunklen holzvertäfelten Wände trugen zusätzlich zur schläfrigen Wärme der Bar bei. Sie strahlte eine Rat-Pack-Atmosphäre aus, die von den Fliege tragenden Angestellten und den kleinen Lampenschirmen auf den Tischen unterstrichen wurde. Jazzmusik untermalte das Stimmengewirr der Gäste. Die Sorte von Gästen, die ihr genauso fremd war wie der Rest von New Orleans.

Komm mit mir in die Stadt des Mardi Gras, hatte Nick sie angefleht. Nachts ziehen wir durch die Bars. Du kannst den ganzen Tag malen. Wir leben jede Minute, als wäre es unsere letzte!

Ihr Freund, der inzwischen zum Ex geworden war, hatte allerdings vergessen zu erwähnen, dass er nach vier Tagen ihres Abenteuers die Regeln ändern und Bea wohnungs- und arbeitslos in der Geburtsstätte des Jazz zurücklassen würde. Außerdem hatte sie seit einem Monat nichts außer stupiden Amöbenformen gemalt.

Sie sank auf ihrem Hocker zusammen und klammerte sich mit beiden Händen an ihrem Drink fest. Sie trank nicht sofort davon, sondern kostete ihre leichte Beschwipstheit noch ein wenig aus, als ein Mann in Zylinder und Umhang auftauchte.

Jep. Das war gerade passiert.

Sie schaute auf ihr volles Glas und dann wieder die seltsame Erscheinung an, wobei sie sich fragte, ob sie nicht doch beschwipster war, als sie gedacht hatte. Sie hatte ihren ersten Drink tatsächlich wesentlich schneller getrunken als sonst, und Erkältungsmedizin und Alkohol zu mischen war selten eine gute Idee. Sie blinzelte den Mann an. Der Zylinder war immer noch da, wodurch seine ohnehin schon hochgewachsene Gestalt noch größer wirkte. Der Umhang war ebenfalls noch da, und es war nicht einfach irgendein Umhang. Ein mitternachtsblauer Samtumhang mit aufgestickten Sternen.

Es war eine Galaxie – weit, weit entfernt. Und doch hier. In einer Bar in New Orleans.

Der Umhang sah weich und flauschig aus. Bea hätte am liebsten ihr Gesicht an dem plüschigen Stoff gerieben und sich darin eingerollt, dann hätte sie eine Woche lang schlafen und in einem anderen Leben wieder aufwachen können. Einem Leben, das nicht aussah wie eine Massenkarambolage aus fünfzig Autos.

Der Mann im Zylinder schaute sie an, als würde er ihren sehnsüchtigen Blick spüren. Oder vielleicht hatte er auch gehört, wie sie gesagt hatte: »Mann, sieht der kuschlig aus.«

Ein Gedanke, den sie aus Versehen laut ausgesprochen hatte.

Er ging auf sie zu, als wäre sie die einzige Person in dem lebhaften Getümmel der Bar, und blieb vor ihrem Barhocker stehen. »Sie können ihn gern anfassen, wenn Sie möchten.«

Der Stoff sah aus der Nähe sogar noch weicher aus, doch es war der sinnliche Klang seiner dunklen Stimme, der sie dazu brachte, sich aufrechter hinzusetzen. »Sollten Sie nicht von Ihrem Umhang sprechen, wird das hier hässlich enden.«

Sie war sich nicht zu schade, ihm ihren Drink ins Gesicht zu kippen.

Seine Mundwinkel zuckten. »Ich spreche von meinem Umhang. Außer natürlich, Sie würden gern meinen Hut anprobieren.« Er tippte sich an die Filzkrempe.

Sie war erleichtert, dass sie ihren guten Martini nicht verschwenden musste. Doch so, wie ihr Tag bisher gelaufen war, würde sie von dem Hut vermutlich Läuse bekommen. »Ich nehme keine Hüte von Fremden an. Oder Umhänge.«

»Ich glaube, diese Regel gilt für Süßigkeiten, nicht für Umhänge.«

»Was, wenn er mit einem uralten Zauberspruch belegt ist und mich in irgendein finsteres Schloss versetzt, wo ich eingesperrt und gefoltert werde, bis sie herausfinden, dass ich die Magie des Umhangs nicht kontrollieren kann?«

Beim Lächeln bildeten sich Fältchen in seinen Augenwinkeln. »Berechtigter Einwand.«

Sein träger Blick wanderte an ihrem Körper hinab und wieder hinauf. Er musterte sie so ausgiebig, dass sie einen Schluck aus ihrem Glas nehmen musste. Schließlich streckte er ihr die Hand entgegen. »Ich bin Huxley.«

In dem Moment, als sich ihre Finger – kalt und feucht von dem gekühlten Glas – in Huxleys großer Hand verloren, schoss ihr Hitze den Arm empor. Der Umhang hatte definitiv verborgene Kräfte. »Bea«, erwiderte sie. »Nett, Sie kennenzulernen.«

Der netteste Moment ihres grauen Tages.

Abgesehen von dem unauffälligen blonden Dreitagebart, der seine dramatischen Wangenknochen und die Adlernase unterstrich, war Huxley nicht im traditionellen Sinne gut aussehend. Zusammengezogene Haut beendete eine seiner Augenbrauen abrupt, ein Teil des rechten Ohrs fehlte, und eine dicke Narbe lief ihm über die linke Wange. Sein aschblondes Haar war auf unordentliche Weise gelockt, die Spitzen kringelten sich in seinem Nacken.

Einzeln waren seine Gesichtszüge nicht besonders attraktiv, doch insgesamt gesehen hatte dieser Mann eine wilde Eleganz an sich. Als würde man von einem Monet einen Schritt zurücktreten, und alle Pinselstriche fügten sich zu einem Meisterwerk zusammen.

Bis er sagte: »Bee, wie die Biene?«

Jetzt war er mehr ein verstörendes Picasso-Gemälde als ein Meisterwerk von Monet. »Nein, wie Beatrice Baker, aber sollten Sie es wagen, auch nur einen Bienen-Witz zu reißen, leihe ich mir vielleicht doch noch Ihren Umhang aus. Mal sehen, ob ich seine schlummernde Magie dazu nutzen kann, Sie in einen Colon rectum zu verwandeln.«

Er lachte laut auf. »Wie bitte?«

Sie bedachte ihn mit ihrem finstersten Blick. »Ein Kolonistenkäfer. Ziemlich hässliches Viech.«

Da sie als Kind viel zu oft mit »Bienen«-Witzen aufgezogen worden war, hatte Bea sich besonders intensiv mit seltenen Insekten und Tieren beschäftigt. Je seltsamer der Name, desto besser. Wenn sie dann die Kinder, die sie ärgerten, damit beleidigte, verwirrte sie das nicht selten so sehr, dass sie fortan die Klappe hielten. Bei Huxley war der Effekt ein anderer, denn er grinste, als wäre er über ein vierblättriges Kleeblatt gestolpert.

Sie lehnte sich unwillkürlich nach vorn. »Sind Sie aus New Orleans?«

»Das bin ich. Aber Sie nicht.«

Sie erstarrte. Er konnte nicht wissen, dass sie gerade erst aus Chicago in die Stadt gekommen war, außer er war ihr hierher gefolgt. Nicht unmöglich, doch die einzige Person, die Grund hatte, sie zu verfolgen, war sogar noch größer und hatte einen kleinen Bierbauch. Big Eddie könnte natürlich auch jemand anderen auf sie angesetzt haben – einen Komplizen, der sie einschüchtern und bedrohen sollte. Nur dass ein Auftragskiller kaum so schamlos in Umhang und Zylinder herumspazieren würde. Außerdem hatte Big Eddie keinen blassen Schimmer, wo sie steckte.

Sie entspannte sich wieder. »Woher wissen Sie, dass ich nicht von hier bin?«

»Logische Schlussfolgerung.«

»Weil Sie Hellseher mit fotografischem Gedächtnis sind und mir jetzt sagen können, was ich letzte Woche jeden Tag zu Mittag gegessen habe?«

Seine Augen blitzten amüsiert auf. »Meine Methode ist viel einfacher.«

»Dann nur raus damit.«

Er zeigte auf ihren Schoß. »Der Schlüsselanhänger an Ihrer Handtasche hat Sie verraten.«

Natürlich. Der Chicago-Bulls-Anhänger. Ein Geschenk ihres Ex-Freunds zu ihrem dritten Date. Sie stand nicht einmal auf Basketball, aber sie hatte ihn als süßes Andenken behalten. Jetzt war die Erinnerung nur noch bittersüß. Sie entfernte den Anhänger vom Reißverschluss ihrer Handtasche und warf ihn auf den Tresen. »So, jetzt falle ich nicht mehr auf.«

Huxley verlagerte das Gewicht, sodass die Distanz zwischen ihnen schrumpfte. »Eine Frau, die so schön ist wie Sie, fällt immer auf.«

Wow.

Ihr Puls hämmerte ihr bis zum Hals, und sie hatte Mühe, weiter ruhig zu atmen. Sie versuchte, seine ungewöhnliche Augenfarbe zu erkennen, doch das war in dem Dämmerlicht schwer, und als ein Mann vom anderen Ende des Raumes Huxleys Namen rief, war der Moment vorbei.

Huxley drehte sich um, und sie starrte den Mann an, der ihn gerufen hatte … Denn solche Schnurrbärte waren doch eigentlich ausgestorben. Das war ein Schnurrbart mit Gesicht, die Art haariger Balken, der als Spielplatz für Miniaturkinder geeignet wäre. Ein Kletterbalkenschnauzer! Sie schmunzelte über ihren eigenen Witz und warf einen prüfenden Blick auf ihr Glas. Es war immer noch halb voll, doch ihr Tag fühlte sich auf einmal nicht mehr so halb leer an, dank des Umhang tragenden Mannes neben ihr.

»Bin gleich wieder da.« Sein Monet-Gesicht verfinsterte sich.

Als er bei dem Besitzer des Kletterbalkenschnauzers angekommen war, schielte Huxley zu ihr zurück, doch die aggressive Gestik des Schnauzer-Mannes lenkte seine Aufmerksamkeit schnell wieder auf ihn. Während sie an ihrem Drink nippte, beobachtete Bea den seltsamen Austausch und wünschte, sie wäre des Lippenlesens mächtig.

Als sie ihren Lemon Drop Martini ausgetrunken hatte, winkte sie den Barkeeper wieder zu sich. »Noch einen, bitte.«

Er nahm ihr leeres Glas entgegen. »Was halten Sie davon, wenn wir das zu Ihrem letzten machen? Sie sollten besser nach Hause gehen und sich ins Bett legen, damit dieser Guinness-Buch-der-Rekorde-Tag ein Ende hat.«

Eine super Idee, falls sie ein Zuhause hätte – oder ein Bett.

Es hatte sie an diesem Morgen nicht viel Mühe gekostet, ihre Kleider und ihre Pinsel zurück in ihren Rucksack zu stopfen. Dann hatte sie ihren gelben Käfer beladen – das treue Automobil war die einzige Konstante in ihrem Leben – und hatte viel zu lange in dem geparkten Wagen gesessen, um das Desaster zu verdauen.

»Also, es ist so«, hatte Nick angesetzt, als sie morgens aufgewacht war. »Ich habe mich verändert. Eine feste Beziehung ist gerade nichts für mich. Es ist besser, wir beenden es jetzt, bevor es noch ernster wird zwischen uns. Es war schön mit dir, und du bist eine tolle Frau, aber es ist Zeit, dass wir nach vorne schauen.«

Sie hatte sich das Ohr gerieben, weil sie sich sicher war, dass ihr Hörvermögen versagt hatte. »Tut mir leid, aber hast du gerade mit mir Schluss gemacht?«

Sein Nicken wurde begleitet von einem mitfühlenden Hundeblick. »Es ist das Beste so. Ich meine, ich habe mir heute Morgen Kaffee gekauft, und ein Mädchen in der Schlange hat mich gefragt, ob ich mit ihr ausgehen möchte. Ich wollte Ja sagen, was bedeutet, dass zwischen dir und mir etwas fehlt. Wenn wir zusammenbleiben, könnte ich es bereuen und dich dann unfreiwillig verletzen. Und du weißt doch, dass ich ein Verfechter von Ehrlichkeit bin.«

Sitzen gelassen zu werden, nachdem sie Nick gerade erst vor vier Tagen nach New Orleans begleitet hatte, war erniedrigend. Zu hören, wie er zugab, dass er mit dem Mädchen aus dem Kaffeeladen ein Date für heute Abend ausgemacht hatte, setzte ihrer Demütigung die Krone auf. Und alles nur, weil Nick an Ehrlichkeit glaubte. So sehr, dass er sie auch gleich daran erinnerte, dass die Wohnung in seinem Namen gemietet war. Er hatte ihr dann großzügigerweise vorgeschlagen, noch so lange auf der Couch zu schlafen, bis sie etwas Neues gefunden hätte, und das ganz ohne ironischen Unterton in der Stimme.

Bea hatte ihn angestarrt. Und angestarrt. Sie hatte weder geschrien noch geflucht, weil das nicht ihre Art war. Sie hatte den Mann, der sie überredet hatte, ihren Kellnerinnenjob zu kündigen, Chicago zu verlassen, vier Staaten zu durchqueren und ihr Leben für einen Traum aufzugeben, einfach nur angesehen und nichts gesagt.

Die Tatsache, dass er nie »Gesundheit« gesagt hatte, wenn sie niesen musste, hätte ihr eine Warnung sein sollen, genauso wie seine Kardashian-würdige Schuhsammlung. Doch Bea hatte Lust gehabt, mit ihm zu entfliehen und sich in ihre Kunst zu stürzen, ihren Vater zu vergessen und das Chaos, das ihr Erzeuger in ihrem Leben angerichtet hatte. Die Tatsache, dass ein gewisser Kredithai ihr ans Leder wollte, konnte natürlich auch etwas zu ihrem Abgang beigetragen haben.

Hier war sie also, einmal mehr das Opfer eines sie sabotierenden Mannes.

Sie zog ihr frisch gefülltes Martiniglas zu sich und versuchte, die Anziehungskraft des Mannes im Umhang zu ignorieren. Sie war wirklich nicht in der Verfassung, irgendeinen Mann attraktiv zu finden. Nicht an einem Guinness-Buch-der-Rekorde-Sitzen-gelassen-werden-Tag. Ihren Lemon Drop Martini zu schlürfen war auch keine Option mehr, als sie sich aus Versehen den Strohhalm in die Wange rammte. Schnaufend schob sie ihn beiseite und leerte das Glas in einem Zug. Als sie sich mit dem Handrücken über den Mund wischte, drehte sich der Raum um sie.

Sie blieb noch eine Weile sitzen und klammerte sich an dem Glas fest, während sie darauf wartete, dass sich ihr Gleichgewichtssinn wieder normalisierte. Ihre Probleme waren erdrückend. Sie hatte keinen Job. Keine Wohnung. Der Alkohol hatte ihr keine neuen Erkenntnisse geliefert, genauso wenig wie die Monotonie des sich in ihren Händen drehenden Martiniglases. Sie konnte die Zeit nicht zurückdrehen, um Nick zu sagen, dass er sich sein »Es ist für uns das Beste«-Gesicht sonst wohin stecken konnte. Es war Zeit zu gehen.

Nachdem sie den Martini bezahlt und ein Trinkgeld auf den Tresen gelegt hatte, hüpfte sie vom Barhocker. Die Wände vollführten eine Drehung – ein unschönes Gefühl. Sie hatte doch nur drei Drinks intus. Genug, um sich ein wenig beschwipst zu fühlen, aber sicher kein Grund, dass sich die Bar in ein Karussell verwandelte. Die Erkältungsmedizin, die sie genommen hatte, um ihre Kopfschmerzen zu kurieren, musste schuld sein, es gab keine andere Erklärung. Die waren zwar tatsächlich verschwunden, aber dieses Schwindelgefühl konnte ihr jetzt zum Verhängnis werden.

Toilette. Sie musste es nur zu den Toiletten schaffen, sich ein wenig Wasser ins Gesicht spritzen, und sie wäre wieder so neu wie gut. Oder so gut wie neu. Sie würde diesen Nebel abschütteln und sich einen Plan überlegen. Im Klartext: Sie würde in ihrem Auto übernachten und hoffen, in einem dieser Körpertausch-Filme aufzuwachen.

Vielleicht konnte sie Emma Stone sein. Das war doch eine Frau mit Rückgrat, die keine Skrupel hatte, Männern die Meinung zu geigen. Außerdem waren sie beide der rothaarige Sommersprossentyp. Emmas Brüste waren kleiner, also würde sich Bea endlich mal nicht mehr wie eine trinkgeldgeile Hooters-Kellnerin fühlen, wenn sie ein enges Top trug. Doch Bea hatte eine Sanduhrfigur mit einer Extrastunde, die ihr Hinterteil ausfüllte, was sie mochte. Wenn sie recht darüber nachdachte, gefiel Bea ihr Körper so, wie er war. Es waren eher ihr Leben und ihr Rückgrat, die ausgetauscht werden mussten.

Sie war derart in Gedanken, dass sie gar nicht gemerkt hatte, wie sie auf die Toilette gegangen war, die Spülung betätigt und die Kabine wieder verlassen hatte. Sie konnte nur hoffen, sich nicht auf die Klobrille gesetzt zu haben.

Neben ihr trug eine dunkelhäutige Frau mit wasserstoffblonden Locken roten Lippenstift auf. Sie warf Bea einen Blick zu und pfiff durch die Zähne. »Da hatte jemand ’nen harten Abend, was?«

Bea seufzte ihr verschwommenes Spiegelbild an. »Ich habe eine falsche Entscheidung getroffen.«

Eine, die nicht ihr Leben aus der Bahn werfen sollte. Nick war zwar ein Vollidiot, aber sie war immerhin in New Orleans. Einer bunten Stadt mit Männern in Umhängen und mit Kletterbalkenschnauzern. Der perfekte Ort, ihre kreativen Kräfte wieder aufzutanken. Sie brauchte den Vollidioten Nick nicht dafür, neu anzufangen. Wie um sich das selbst zu beweisen, wühlte sie in ihrer Handtasche nach dem Wassermelonen-Lipgloss und schaffte es tatsächlich, eine Schicht aufzutragen. Alles auf der Welt ging besser mit Wassermelonen-Lipgloss.

Die Frau neben ihr zog die Oberlippe hoch und wischte sich die Lippenstiftreste von den Schneidezähnen. »Das kenne ich nur zu gut. Meine falsche Entscheidung heißt Miles, und er hat einen speziellen Klingelton.«

Sie steckte ihr Make-up wieder ein und holte ihr Handy aus der Handtasche. Ein paar Wisch-Bewegungen mit dem Daumen später plärrte Carrie Underwoods Before He Cheats aus dem mit bunten Schmucksteinen besetzten Telefon. Bea wippte im Takt, während Carrie darüber sang, das Auto ihres untreuen Freundes zu zerkratzen und die Scheinwerfer einzuschlagen.

Als der Refrain zu Ende war, steckte die Frau das Handy zurück in ihre Handtasche. »Das, meine Liebe, ist die Art, wie du dich daran erinnerst, falsche Entscheidungen zu vermeiden. Miles ruft alle paar Tage an. Er hinterlässt mir Sprachnachrichten voller Entschuldigungen, und ich rufe ihn nicht zurück. Ich könnte seine Nummer auch blockieren, aber ich erinnere mich gern daran, dass ich nicht der Fußabtreter irgendeines Mannes sein will.« Ihr entschlossener Blick war genauso wild wie ihr Leopardenprint-Kleid.

Bea trug immer noch die pinke High-Waist-Jeans und die türkisfarbene Polka-Dots-Bluse, die sie am Morgen angezogen hatte. Das Outfit verströmte eher Bubble-Gum-Charme als eine Sexy-Rotschopf-Attitüde, aber sie war schon immer der Hubba-Bubba-Typ gewesen. Außerdem war sie sich nicht sicher, ob Nick einen Carrie-Underwood-Klingelton verdient hatte. Einen kleinen lyrischen Haken à la Taylor Swift bestimmt, aber Carrie konnte ein bisschen zu hart sein. Immerhin hatten sie vor seinem Date heute Abend Schluss gemacht; allerdings wurde die Situation nicht weniger suspekt dadurch, dass er sich verabredet hatte, bevor er seine »Es ist für uns das Beste«-Rede geschwungen hatte.

Trotzdem verspürte sie nicht den Wunsch, seinen 1978er Mustang Cobra zu zerkratzen, den er sogar noch mehr liebte als seine Schuhsammlung. Das Leben war zu kurz für Rache.

Mit einem Zwinkern verließ die Frau die Damentoilette. Bea folgte ihr. Ein wenig zu schnell. Mit einer Hand an der Wand abgestützt, schloss sie die Augen, als sich das Karussell wieder zu drehen begann. Augen offen war besser. Sauerstoff war ebenfalls angebracht. Sie versuchte, mit laszivem Hüftschwung vor die Tür zu treten, doch vermutlich gelang ihr nicht mehr als ein schwindeliges Taumeln. Sie schaffte es nach draußen, wo sie nach Luft schnappte wie ein ertrinkender Schwimmer, der wieder die Wasseroberfläche durchbrach.

Der erste Atemzug half gegen den Nebel in ihrem Kopf. Der zweite klärte ihren Blick. Kurz darauf wünschte sie sich, es wäre nicht so. Dort, auf der anderen Straßenseite, lief niemand anderes als Nick – Hand in Hand mit seinem Date.

Die Bar war nicht weit von seiner Wohnung entfernt, etwas, das sie hätte bedenken sollen, ehe sie sich dorthin geflüchtet hatte. Sofort kehrte die für sie uncharakteristische Wut zurück. Sie liebte Nick nicht. Nach New Orleans zu ziehen und ihre Vergangenheit zurückzulassen hatte sie genauso für sich selbst getan wie für Nick. Aber sie hatte darauf vertraut, dass der Mann sie nicht aus heiterem Himmel verlassen würde … für eine andere Frau. Nach vier Tagen.

Weil er ehrlich war.

Sie dachte darüber nach, über die Straße zu laufen und ihm zu sagen, dass er sich verpissen solle. Sie hasste Konfrontationen genauso sehr wie grüne Lutscher, aber ihn als buckligen Anglerfisch oder mickrige Schwanzmeise zu beschimpfen würde ihr jetzt nur geringfügige Befriedigung verschaffen.

Da bemerkte sie seinen schwarzen Mustang. Einen halben Block entfernt parkte sein geliebtes Auto am Straßenrand. Ein Geschenk der Carrie-Underwood-Götter. Nick ging in die andere Richtung davon, und Beas Aufmerksamkeit richtete sich auf seinen Wagen. Sie war kein boshafter Mensch. Ihr Rücken war quasi aus Teflon, sodass Ärger und Stress einfach daran abperlen konnten. Und doch beäugte sie Nicks Angeberkarre jetzt mit teuflischen Absichten. Sie erkannte sich selbst nicht wieder.

Seit sie alt genug gewesen war, die Zeitung auszutragen, hatte sie gearbeitet. Sie hatte Rasen gemäht, babygesittet und später als Kellnerin gearbeitet. Selbst am Häuseranstreichen hatte sie sich versucht – alles, um etwas Farbe in die Welt und Geld in ihre Tasche zu bringen. Währenddessen hatte sie im Stillen ihre eigene Kunst verfolgt. Schon in jungen Jahren war sie die Vernünftige gewesen, die dafür gesorgt hatte, dass nie der Strom abgedreht oder die Heizung kalt wurde. Sie brüstete sich damit, dass sie das einzige Mitglied der Baker-Familie war, von dem noch kein Verbrecherfoto gemacht worden war.

Also? Total vernünftig.

Was bedeutete, dass ihre nächste Tat einzig und allein Nicks »Ehrlichkeit« und der brillanten Carrie Underwood zuzurechnen war. Außerdem hatte sie ihre Theorie, was das Betrügen anging, revidiert: Mit einer Frau am selben Tag auszugehen, an dem man mit seiner Freundin Schluss gemacht hatte, war definitiv nicht die feine Art.

Sie ging auf den Mustang zu.

Er will Ehrlichkeit? Also bekommt er Ehrlichkeit.

Sie zog ihre Autoschlüssel aus der Handtasche.

Ehrlich gesagt halte ich dich für einen stinkenden Mistkäfer.

Sie umklammerte die Schlüssel mit der Faust. Unwillkürlich musste sie an ihren Vater denken. An das schwache Achselzucken, mit dem Franklyn Baker zugegeben hatte, ihre sämtlichen Ersparnisse verspielt zu haben, und daran, wie sie ihn anstatt einer Reaktion nur hatte anstarren können. Ihr verwegenes Grinsen verschwand. Die Schlüssel gruben sich in ihre Handfläche.

Ich bin nicht der Fußabtreter irgendeines Mannes.

Kapitel 2

Huxley Marlow war daran gewöhnt, im Mittelpunkt zu stehen. Er hatte den Großteil seiner Jugend und Erwachsenenzeit auf der Bühne verbracht. Er hatte keine Skrupel, in Zylinder und Umhang herumzulaufen, doch es kam nicht oft vor, dass eine sexy Rothaarige sich gern in seinen Umhang kuscheln wollte. Die meisten Frauen kicherten und starrten ihn an – verständlicherweise. Manche zuckten sogar zusammen, wenn sie seine Narbe bemerkten. Diese Frau trug knallpinke Hosen, und ihre türkis gepunktete Bluse brachte ihn unwillkürlich zum Schmunzeln. Dann noch diese fantasievolle Geschichte zu seinem Umhang, und er hätte um ein Haar losgelacht.

Er. Gelacht. Ein Mann, der seine finstere Miene eigentlich selten ablegte.

Dann war da noch die Sache mit dem Colon rectum.

Aber ehe er sie nach ihrer seltsamen Tierbeleidigung hatte fragen können, oder warum sie alleine hier war und einen traurigen Schatten hinter den verspielten Sticheleien zu verbergen schien, hatte sein wachsamer Erzfeind ihn fortgelockt.

Der Große Otis Oliphant fixierte Huxley mit einem undurchdringlichen Blick. Die gezwirbelten Enden seines Schnauzers zuckten. »Du hast geschummelt.«

»Natürlich habe ich geschummelt.«

»Deine Fähigkeiten sind unkultiviert. Nichts als ein Haufen billiger Tricks.«

Huxley bedachte ihn mit einem herablassenden Grinsen. »Und wer geht hier heute mit einem Stapel Zwanziger und einer neuen goldenen Rolex raus?«

Oliphant klemmte die Daumen unter seine Hosenträger und starrte Huxleys Handgelenk finster an. Die schwere Rolex hing lose daran. Oliphants Miene verfinsterte sich weiter. »Deine Ausführung ist schlampig.«

Huxley tippte sich an den Hut. »Wenn du mein Handwerk noch einmal schlampig nennst, werde ich dir nicht die Gelegenheit geben, dein Geld zurückzugewinnen und deinen Stolz zu wahren.«

»Das ist gegen die Regeln.«

Das war es. Huxley wusste es nur zu gut. Er wusste auch, dass sein Kommentar Oliphant unter den zuckenden Schnauzer gehen würde.

Beim wöchentlichen Pokerspiel im Crimson Club gab es drei wichtige Regeln.

Regel Nummer eins: Nur professionelle Zauberer durften teilnehmen.

Regel Nummer zwei: Der Gewinner gewährte seinen Mitstreitern immer eine Revanche.

Regel Nummer drei: Taschenspielertricks waren nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht.

Wenn man Karten zählen, Falschmischen oder andere Tricks anwenden konnte, um zu gewinnen, hatte man es verdient, den Pokertisch zu beherrschen. Außerdem konnte man sich dann rühmen, der König oder die Königin der Magierszene von New Orleans zu sein. Huxleys Glückssträhne war inzwischen legendär.

Und so ging ihre traditionelle Poker-Nachlese weiter – Oliphant beklagte seine Verluste und redete wie üblich Blödsinn. Er mochte zehn Jahre älter sein als Huxley mit seinen fünfunddreißig, aber der Mann war ein ehemaliges Straßenkind, dessen Schnauzbart größer war als sein IQ. Huxley hatte ihn sogar einmal dabei erwischt, wie er in der Bar den betrunkenen Gästen die Geldbeutel geklaut hatte. Wenn der Besitzer, Vito, wüsste, dass Oliphant sein Geschäft bedrohte, wären Oliphants Hosenträger das Einzige, was von ihm noch übrig bliebe.

Huxley warf einen Blick über die Schulter. Beatrice Baker war verschwunden, und Enttäuschung machte sich in ihm breit. Statt mit einer interessanten Frau zu reden, war er bei Otis Oliphant hängen geblieben. Genervt schaute er übertrieben auffällig auf seine neue Armbanduhr. »So aufregend dieses Gespräch mal wieder ist, ich brauche meinen Schönheitsschlaf. Dann bis nächste Woche?«

Oliphant brummte etwas in seinen überdimensionierten Bart und drückte sich an Huxley vorbei. Der nahm das mal als Ja. Das geplatzte Rohr, das seinen Theater-Heizungskeller am Morgen geflutet hatte, war nur ein weiterer Punkt auf seiner stetig länger werdenden Reparaturliste, direkt unter dem verzogenen Dach, dem bröckelnden Putz und den Funken schlagenden Scheinwerferlichtern, von denen jederzeit die Gefahr eines Stromschlags ausging. Wenn das nicht aufhörte, würde er noch die nächsten fünf Jahre im Poker gewinnen müssen, um das baufällige Gebäude zu reparieren.

Huxley rieb sich die Augen und stellte sich vor, wie sein Vater voller Reue auf ihn niederblickte und sich fragte, warum er ausgerechnet seinem ältesten Sohn das Vermächtnis des Fabelhaften Max Marlow anvertraut hatte.

Sein Vater hätte in seinem Testament nicht eindeutiger sein können, was Huxleys Erbschaft anging. Das Theater, in dem er und seine vier Brüder aufgewachsen waren, in dem sie von ihrem Vater Magie erlernt und ihm dabei zugeschaut hatten, wie er die Menge ein ums andere Mal in seinen Bann schlug, sollte unter Huxleys Leitung florieren. Der mitternachtsblaue 1977er Mustang Cobra mit den weißen Nadelstreifen auf der Kühlerhaube sollte ihm gehören, um seinen makellosen Zustand zu bewahren. Max Marlow hatte seinen wertvollen Samtumhang an seinen ältesten Sohn vererbt, mit der Nachricht: Sei magisch. Er hatte ihm auch eine kleine magische Trickkiste vermacht.

Auf dem beiliegenden Zettel stand: Wenn du es schaffst, sie zu öffnen, wird dir die Welt zu Füßen liegen.

Max Marlow war vor neun Jahren gestorben. Seit neun Jahren hatte Huxley mit jedem erdenklichen Trick versucht, die verdammte Kiste zu öffnen. Unnötig zu erwähnen, dass ihm die Welt noch nicht zu Füßen lag.

Die Kiste bereitete ihm endlose Frustration, aber es war das alternde Theater, das ihn am meisten auffraß. Die Fabelhaften Marlow Boys sollten ihren Vater eigentlich mit einer erfolgreichen Dynastie und ausgefallenen Shows ehren. Stattdessen waren Huxleys zwei jüngste Brüder einfach von der Bildfläche verschwunden, und die verbleibenden drei mussten vor einem halb gefüllten Saal auftreten, während das Gebäude unter dem Gewicht von Huxleys Selbstvorwürfen einsackte.

Er musste es besser machen. Er würde es besser machen.

Sein Handy vibrierte, und er runzelte die Stirn, weil er sich fragte, wer ihn um die Uhrzeit noch anrief. Er schob den Umhang zurück und zog das Telefon aus der Hosentasche. Beim Anblick von Ashlynns Name auf dem Display verfinsterte sich seine Miene. Es gab nur einen Grund, warum ihn seine Assistentin anrufen konnte, und es bedeutete nichts Gutes. Er könnte ihren Anruf ignorieren, behaupten, sein Akku sei leer gewesen, doch das Gespräch aufzuschieben würde an den Tatsachen nichts ändern.

Er schob sich auf einen Barhocker und versuchte, möglichst fröhlich zu klingen, als er das Gespräch entgegennahm. »Genau die Frau, von der ich hören wollte. Ich hatte ein paar Ideen für neue Nummern, die deine Fähigkeiten besonders hervorheben.« Was zum Beispiel bedeutete, dass er vorhatte, ihren zierlichen Körper in einer Unzahl von Boxen verschwinden zu lassen.

Ihr Seufzen war schon Antwort genug. »Hey, Hux. Ich habe den Job bekommen. Den, mit dem ich tatsächlich Geld verdienen kann.« Pause. Noch ein Seufzen. Dann: »Ich hätte dir gern eine richtige Kündigung geschrieben, aber ich soll morgen schon anfangen.«

Huxley fluchte in sich hinein. »Du kannst mich doch nicht einfach so im Stich lassen, Ash. Du weißt, dass wir großartig zusammen sind. Und ich habe gerade eine große Pokerrunde gewonnen. Ich habe eine Rolex mit deinem Namen darauf.«

»Du weißt, dass ich euch Jungs echt gern mag, aber ich kann nicht von Pokerspiel zu Pokerspiel leben. Du wirst deine Nummern ohne mich umbauen müssen. Tut mir leid, aber heute Abend war meine letzte Show.«

Die Welt lag ihm definitiv nicht zu Füßen.

Huxleys Vater hatte seinen Kindern die Grundregeln der Magie eingetrichtert, eine der wichtigsten lautete: das Publikum durch Schönheit ablenken. Mann oder Frau, das tat nichts zur Sache, solange ihre Attraktivität die Aufmerksamkeit der Leute auf sich zog und damit weg von den Tricks des Zauberers. Huxley war nun aber ein Magier ohne Assistentin. Er musste wohl oder übel ohne schöne Ablenkung auf der Bühne stehen. Ein Mann, der mit jedem weiteren Unglück seinen Traum ein wenig mehr aus den Augen verlor. »Ich verstehe schon, Ash. Danke für alles.«

Sie legten auf, er steckte sein Handy ein und fuhr mit dem Daumen über die gekräuselte Narbe an seinem kleinen Finger. Er musste nachdenken, umdenken. Eine neue Assistentin finden und eine zuverlässigere Einnahmequelle.

Es gab nur einen Ort, an dem Huxley wirklich nachdenken konnte, und das war hinter dem Steuer seines Mustangs. Das Schnurren des Motors klärte seinen Kopf und beruhigte seine Nerven. Er hatte mit seinem Vater an jedem Zentimeter des Wagens gearbeitet: Nächte voller Tüfteln, Männergesprächen und Scotch.

Max Marlow schwärmte dann immer von den alten Zeiten beim Newbright Wanderzirkus, als er einen Elefanten hatte verschwinden lassen, und wie er ein Jahrzehnt lang den Pokerraum des Crimson Club beherrscht hatte. Ihr Schweiß hatte diesen Motor wieder in Gang gebracht. Ihre Verbindung hatte ihn erst in einen wertvollen Besitz verwandelt. Abgesehen von ihren gemeinsamen Abenden allein im Theater, waren es diese Momente gewesen, in denen er sich seinem Vater am nächsten gefühlt hatte.

Mit wehendem Umhang marschierte Huxley aus dem Club, bereit, seinen Fuß aufs Gas und seinen Kopf in Gang zu setzen.

Er trat auf den Bürgersteig hinaus. Er wandte sich seinem Auto zu. Er sah rot.

Eine Rothaarige, um genau zu sein, und zwar die mit dem Umhang-Fetisch. Beatrice Baker hockte neben seinem Auto und war mit irgendetwas intensiv beschäftigt. Die Enttäuschung über ihr Verschwinden legte sich, dafür wuchs seine Neugier. Er legte den Kopf schief und fragte sich, warum sie neben seinem Mustang hockte. Normalerweise liebte Huxley es, unlösbare Puzzle zu lösen. Sein Appetit darauf, das Bizarre entschlüsseln zu wollen, machte ihn zu einem außergewöhnlichen Magier. In diesem Fall gab ihm das höchst unangenehme Quietschen von Metall auf Metall den entscheidenden Hinweis auf das schändliche Treiben der Frau.

Jetzt sah er tatsächlich rot.

Fünf wütende Laufschritte später schlang Huxley einen Arm von hinten um Beatrices Taille und zerrte sie von seinem Auto weg. Schwer atmend starrte er voller Horror die Worte an, die in die Seite seines geliebten Mustangs gekratzt waren: Arschgesicht. Riesenassel. Kerivoula kach…

Das letzte Wort zu entziffern stellte eine Herausforderung dar.

Er las es mehrere Male und ignorierte die sich windende Frau in seinem Arm. Er hätte sie anschreien und eine Antwort auf die Frage verlangen sollen, was zur Hölle sie da gemacht hatte. Stattdessen fragte er bloß: »Was ist ein Kerivoula kachi… nini?«

»Nicht kachinini. Kachi-nen-sis.«

Die Aussprache des Wortes schien sie viel Energie zu kosten. Außerdem brachte es ihn auch kein bisschen weiter. Es war auch nicht genau das, was sie geschrieben hatte. »Was ist ein Kerivoula kachinensis?«

Sie sackte an seiner Brust zusammen. »Eine hässliche Fledermaus. Die Art, die Versprechen bricht und am selben Tag noch zu einem Date geht. Die schlimmste Sorte Fledermaus.«

Huxley ging ihr Gespräch in der Bar noch einmal im Kopf durch und überlegte, ob er etwas Unhöfliches gesagt hatte oder sie auf andere Weise beleidigt haben konnte. Aber sie war es gewesen, die ihn vorhin als Colon rectum bezeichnet hatte und jetzt als Kerivoula kachinensis. »Und warum haben Sie deren Namen in mein Auto gekratzt?«

Sie seufzte. »Er will Ehrlichkeit.«

Ihre Stimme zitterte und stockte, doch je länger er sein demoliertes Auto anschaute, desto heißer brannte seine Wut. Er hatte sich in der Bar zu ihr hingezogen gefühlt und hätte nur zu gern den Abend damit verbracht, mit ihr über Zauberumhänge zu sprechen, während er sich an ihrem bunten Outfit und ihrem schönen Profil erfreute. Doch alles, was er jetzt sehen konnte, war der zerstörte Lack seines Autos.

Mit der Hand noch um ihre Taille, versuchte er, sein Handy aus der Hosentasche zu ziehen. »Ich habe keine Ahnung, wer Ihre Ehrlichkeit will, aber ich rufe jetzt die Polizei.«

Sie richtete sich ruckartig auf. »Nein. Um Himmels willen, bitte. Nein.«

Huxley beugte sich zur Seite, bereit, der Frau eine ordentliche Standpauke zu halten, doch beim Anblick ihres Gesichts biss er sich auf die Zunge. Tränen liefen ihr über die Wangen, und ihre blasse Haut war gerötet und fleckig. Die versteckte Traurigkeit, die ihm vorhin schon aufgefallen war, zeigte sich jetzt in vollem Ausmaß, genau wie ihre Betrunkenheit. Er hätte eigentlich den Notruf wählen und sie festnehmen lassen sollen, doch stattdessen wurde sein Tonfall unwillkürlich sanfter. »Wer will Ihre Ehrlichkeit?«

»Nick, der Vollidiot.«

Er kannte keinen Magier mit diesem Namen. Alles deutete auf Beziehungsprobleme hin.

»Und Sie dachten, er wollte, dass Sie das in mein Auto kratzen?«

»Nicht in Ihr Auto. In sein Auto. Er hat mich angelogen. Sie lügen mich alle an. Sie glauben, sie sind ehrlich, aber das sind sie nicht.« Sie schüttelte den Kopf, und ihre Wange rieb an seinem Umhang. Sie schmiegte sich enger an ihn und murmelte: »Soooo weich.«

Er spürte, wie er sich unwillkürlich verkrampfte. Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal eine Frau so im Arm gehalten hatte. Sie war zwar völlig besoffen und hatte seinen über alles geliebten Mustang demoliert, aber ihre missliche Lage ging ihm trotzdem irgendwie zu Herzen. Er wagte einen Blick auf die krakeligen Buchstaben, die in den perfekten Lack gekratzt waren, und knirschte mit den Zähnen. Er lehnte ihren schwankenden Körper an sein Auto und wartete, bis sie ihre Balance wiedergefunden hatte. »Tut mir leid, die Sache mit dem Vollidioten«, sagte er und trat einen Schritt zurück. »Aber das ist nicht sein Auto. Das ist mein Auto.«

Sie riss die auf halbmast stehenden Augen auf. »Nein, nein, nein. Das ist sein schwarzer Mustang. 1976er. Ein Cobra! Ich kenne dieses Auto. In diesem Auto hat es schon Sex gegeben.«

Bei dieser Vorstellung wurde ihm warm, doch er blieb fokussiert. »In einem schwarzen Mustang mag es Sex gegeben haben, aber dieser liebevoll restaurierte 1977er Mustang Cobra ist mitternachtsblau, nicht schwarz. Und er gehört mir.«

»Nein.«

»Doch.«

»Nein, nein, nein«, wiederholte sie. Sie starrte den Lack an, und ihre Augen weiteten sich, als sie den weißen Nadelstreifen auf der Kühlerhaube erblickte. »Nein.« Dieses Mal war es ein Flüstern.

»Ich fürchte, schon. Was bedeutet, dass Sie für den Schaden aufkommen müssen.«

Ihr gequälter Blick blieb auf das zerkratzte Auto gerichtet.

»Ich kann es nicht fassen … ich meine, es tut mir so, so leid, ich – ich bin so eigentlich gar nicht. Ich tue so etwas nicht.« Mehr Tränen folgten auf ihre gestammelte Entschuldigung. »Ich werde für den Schaden aufkommen. Ich habe zwar keinen Job und kein Geld, aber ich finde schon einen Weg.« Sie sog scharf die Luft ein und krallte sich verzweifelt in sein Hemd. »Ich bin die Einzige ohne Verbrecherfoto. Ich darf nicht festgenommen werden.«

Als ihm die Bedeutung ihres Wortschwalls bewusst wurde, legte sich sein Ärger, und auch das Telefonat mit Ashlynn war auf einmal nicht mehr so dramatisch. Kein Job. Abgebrannt. Vielleicht brauchte er gar keine lange Fahrt mit dem Mustang, um sein aktuelles Dilemma zu lösen. Nicht, wenn ihm eine gewisse Miss Beatrice Baker die Antwort in einem hübschen, betrunkenen Paket servierte.

Vorsichtig löste er ihre Fäuste aus seinem Hemd und lehnte sie wieder an sein Auto. »Wenn Sie mich jetzt nicht bezahlen können und ich die Cops nicht einschalten soll, wüsste ich da eine Lösung.«

Sie biss sich auf die Unterlippe. »Ich dachte, es wäre sein Auto. Ich schwöre es. Ich habe das nicht gewollt.« Ein verträumter Blick trat auf ihr besorgtes Gesicht, und sie wandte ihre Aufmerksamkeit seinem Gesicht zu. Wie in der Bar schienen ihr auch jetzt seine Narben nichts auszumachen. »Ich mag Ihren Hut. Und die Galaxie.«

Dass sie so fasziniert war von seinem Kostüm, war verblüffend, genau wie ihr Tiernamenwissen, die Angst vor einem Verbrecherfoto und ihre kriminellen Tätigkeiten. Diese Frau war geheimnisvoll und nervig zugleich. Er sollte eigentlich immer noch wütend auf sie sein, doch irgendwie schaffte sie es, ihn in ihren Bann zu ziehen, wenn sie sprach. Beatrice hatte spektakuläre Lippen und faszinierende graue Augen. Selbst jetzt, wo es ihr kaum gelang, geradeaus zu schauen, erinnerten ihre Augen an wirbelnde Gewitterwolken.

Huxley liebte es, das Gesicht in den Regen zu halten.

Schöne Frauen interessierten sich in der Regel nicht für seinen Umhang oder seinen Hut oder seinen Beruf. Viele fanden seine halbe verbrannte Augenbraue und seine vernarbte Wange abstoßend. Wie sie vermutlich auch, sobald sie wieder nüchtern war. »Na dann, Miss Beatrice Baker, wenn Sie wirklich nicht vorhatten, mein Auto zu zerkratzen, wäre ich eventuell bereit, Ihnen ein Angebot zu machen.«

Ihre Antwort: »Sie sind groß.«

»Sie sind klein.«

»Das ist unhöflich.«

»Genauso, wie jemanden groß zu nennen.«

Sie schürzte die entzückenden Lippen.

»Wie gesagt, ich kann Ihnen einen Kompromiss anbieten.« Als sie ihn dieses Mal nicht mit wahllosem Quatsch unterbrach, fuhr er fort: »Ich hätte gern, dass Sie für mich arbeiten.« Der Plan war nicht ideal. Es bedeutete, dass er mit dem entstellten Auto seines Vaters leben musste, mit den Beleidigungen sichtbar für alle. Doch er hatte schon Schlimmeres erlebt.

Sie runzelte die Stirn. »Sind Sie ein Zuhälter?«

»Ich bin kein Zuhälter.«

»Muss ich dafür knappe Kleidung tragen?«

Er dachte über ihre Frage nach. »Ja.«

»Aber Sie sind kein Zuhälter?«

»Bin ich nicht. Ich bin Illusionist. Sie können für mich arbeiten, als meine Assistentin, bis der Schaden beglichen ist. Aber wenn Ihnen das nicht passt, kann ich auch die Polizei rufen.« Die Drohung hatte etwas von Bestechung an sich, was ein neuer Tiefpunkt für ihn war. Aber das Theater ging eben vor, und sie mit unbezahlter Arbeit davonkommen zu lassen war netter, als sie anzuzeigen.

Ihr Blick hing immer noch an seinem Umhang fest, genau genommen an den Sternen, die auf den blauen Samt gestickt waren. Sie fuhr mit den Fingern über den Stoff.

»Ich bekomme immer wieder gesagt, dass ich zu gutgläubig sei. Meistens führt das dazu, dass ich verletzt werde.« Ihre Sturmaugen richteten sich auf ihn, und er hatte das Gefühl, von einem Platzregen überrascht zu werden. »Kann ich Ihnen vertrauen?«

Mit der Klarheit in ihrer Stimme hatte er nicht gerechnet, genauso wenig wie mit der Ehrlichkeit in ihrem besorgten Blick. Und es gefiel ihm gar nicht, dass sie verletzt worden war. »Sie können mir vertrauen.«

»Okay.« Sie tätschelte seinen Unterarm. »Dann können Sie mit mir rechnen. Solange Sie kein Kerivoula kachinensis sind.«

Er wusste nicht, wie er mit diesem seltsamen Kommentar umgehen sollte, also ignorierte er ihn und zog stattdessen sein Handy hervor, um ihre Kontaktdaten abzuspeichern. In diesem Moment strauchelte sie, und Huxley konnte sie gerade noch auffangen, ehe sie zu Boden gefallen wäre.

Kapitel 3

Beas Mund fühlte sich an, als wäre er mit Sägemehl gefüllt. In ihrem Kopf pochte es, und Spucke klebte an ihrer Wange, aber irgendetwas Weiches umhüllte ihren Körper. Sie zog die Decke höher. Sie roch leicht nach Zigarren und Brandy, wie in einem Gentlemen’s Club. Nicht, dass sie je in einem solchen Upper-Class-Club gewesen wäre – ob nun für Männer oder andersherum. Dennoch, die kuschelige Wärme der Decke dämpfte den stechenden Schmerz in ihren Schläfen und lullte sie wieder ein.

Dann klatschte jemand an ihrem Ohr.

»Zeit aufzuwachen.«

Bea wollte sich gerade die Decke über den Kopf ziehen und sich tiefer in den Laken vergraben, als ihr einfiel, dass sie gar kein Bett hatte, in dem sie schlafen konnte. Sie öffnete ein Auge.

»Wo bin ich?«

Ein hochgewachsener Mann stand über ihr, die Arme vor der Brust verschränkt. Seine ungewöhnlichen Gesichtszüge wurden deutlich, als sie ihn fixierte. Und vertraut.

»Sie sind der Monet.«

Sein Mundwinkel zuckte. »Das wüsste ich jetzt nicht, aber ich bin Huxley Marlow, und Sie befinden sich in meinem Theater. Sie sind gestern Nacht ohnmächtig geworden, also habe ich Sie hierhergebracht.«

Ohnmächtig? Bea setzte sich ruckartig auf, was sie sofort bereute. Ihr Kopf fühlte sich matschig an, und ihre gemütliche Decke rutschte ihr in den Schoß. Sie schaute schnell an sich herunter und stellte erleichtert fest, dass sie noch immer sowohl ihre Polka-Dots-Bluse als auch ihre High-Waist-Jeans trug. Wenigstens hatte es keinen Sex gegeben. Dann bemerkte sie, dass die Decke in ihrem Schoß gar keine Decke war. Es war ein Umhang, mitternachtsblau und mit goldenen Sternen bestickt. Sie erinnerte sich an diesen Umhang. Besonders daran, mit ihm kuscheln zu wollen.

Die Erinnerung an die Nacht kehrte in Bruchstücken zu ihr zurück: Erkältungsmedizin und Alkohol. Umhang. Kuschelig. Carrie Underwood. Schlüssel. Auto. Verdammt. »Ich habe Ihr Auto zerkratzt«, krächzte sie.

»Das haben Sie in der Tat. Was bedeutet, dass Sie jetzt für mich arbeiten.«

Heute trug er weder den Zylinder, an den sie sich erinnerte, noch irgendwelche andere ausgefallene Kleidung, sondern einfach dunkle Jeans und ein eng anliegendes Thermoshirt. Völlig gewöhnlich. Was nicht bedeutete, dass er nicht gefährlich sein könnte, und sie konnte sich auch nicht daran erinnern, ein Jobangebot von ihm angenommen zu haben. Sie fuhr mit den Händen über den Umhang. Nur Vampire trugen Umhänge, oder Superhelden oder zwielichtige Gestalten. »Sind Sie ein Zuhälter?«

»Das haben wir doch gestern Abend schon geklärt.«

»Schlafen Sie in einem Sarg?«

»Ein Bett ist mir lieber.«

Sie massierte sich die Schläfen. »Meine Erinnerungen an gestern Abend sind ziemlich verschwommen.«

»Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe Ihnen Kaffee und Beignets mitgebracht.«

Ihr lagen so viele Fragen auf der Zunge, doch ihr Gehirn blieb an dem Wort »Beignets« hängen. Bei dem Gedanken lief ihr unwillkürlich das Wasser im Mund zusammen. »Ich habe noch nie Beignets gegessen.« Das Verlangen in ihrer Stimme war schon fast peinlich.

»Das, Honigbienchen, ist ein Missstand, der dringend behoben werden muss.« Huxley deutete mit dem Kinn in Richtung eines Tisches an der gegenüberliegenden Wand.

Sie ließ ihm das Honigbienchen durchgehen und näherte sich den angebotenen Gaben. Der Kaffee und die Beignets standen auf einem Tischchen, das offenbar ein Schminktisch war. Der rechteckige Spiegel dahinter war von großen Glühbirnen eingefasst. In der Ecke stand ein hübscher Käfig mit drei Tauben darin. Die Vögel beobachteten sie mit ernstem Blick. Auf der anderen Seite quoll eine Kleiderstange über vor glitzernder, samtiger Kleidung.

Ihr umnebelter Geist, der die Welt immer noch in einer Art Zeitlupe sah, verknüpfte die Punkte zu einem Ganzen: Zylinder. Der Umhang. Das Theater. Die Vögel. Ausgefallene Kleidung. Umkleideraum.

»Werde ich an den Zirkus verkauft?« Während sie sprach, schnappte sie sich schon ein Beignet, das noch warm war, und schob es sich gierig in den Mund. Stöhnend sank sie auf einen Stuhl.

Sie hatte schon die ganze Zeit die berühmten Beignets probieren wollen. Es war eins der Hauptargumente von Nick, dem Vollidioten, gewesen, als er ihr das Wir-ziehen-nach-New-Orleans-Abenteuer schmackhaft gemacht hatte. Sie wollten alle Beignets testen, die New Orleans zu bieten hatte. Ihre Wut von gestern kehrte zurück, doch sie war nicht mehr traurig. Sie verspürte kein Begehren für den Mann, der sie aus einer Laune heraus hatte sitzen lassen. Sie ärgerte sich eigentlich hauptsächlich über ihre eigene Naivität, die sie immer das Beste in den Menschen sehen ließ.

Pollyanna hatte ihre Geschichtslehrerin sie als Teenager genannt. Wie die Figur aus einem alten Kinderbuch. Immer optimistisch. Zu vertrauensvoll. Zu nett. Die Lehrerin hatte außerdem behauptet, Bea wäre ein schlafender Vulkan voller aufgestauter Frustration, der eines Tages ausbrechen und ihre Freunde unter ihrer unterdrückten Wut begraben würde.

Das Bild mit dem Vulkan war vielleicht ein wenig übertrieben, aber Bea hätte sich vermutlich bei der Erzfeindin ihrer Jugend, Tanya Fry, nicht auch noch bedanken sollen, als diese versucht hatte, ihr für ein Footballspiel die Haare in einem grellen Orange zu färben. Das Angebot hatte ehrlich gewirkt, auch wenn Tanya kurz zuvor noch Loser in Beas Spind geritzt hatte. Bea hatte am Ende grüne Strähnchen gehabt, die ihr büschelweise ausgefallen waren.

Die meisten Menschen würden auf zu viele Enttäuschungen mit Zynismus reagieren, aber Bea wollte ihr Leben in Farbe leben und allen Widrigkeiten mit einem Lächeln begegnen. Sie wollte den Leuten eine Chance geben, sich zu ändern. Außer sie war betrunken.

Die betrunkene Bea war die Definition von verbittert und trübsinnig.

Jetzt allerdings war sie schon fast wieder nüchtern, und sie hatte den Mund voll Beignet. Es war genau so, wie sie es sich vorgestellt hatte: knusprig und trotzdem fest, reichhaltig und luftig. Sie konnte ihre genüsslichen Seufzer nicht unterdrücken, als sie an dem Teig knabberte und sich den Puderzucker von den Fingerspitzen schleckte. Das war der Himmel in frittierter Form.

»Ich glaube, ich bin verliebt«, murmelte sie.

Eine der Tauben gurrte.

Huxley räusperte sich, und sie wandte ihre Aufmerksamkeit von dem Gebäck in ihrer Hand ab und schaute in sein auf ungewöhnliche Weise gut aussehendes Gesicht. Er beobachtete sie beim Essen, starrte hemmungslos, als wäre es sein Recht, sie anzustarren. Wärme machte sich in ihrem Bauch breit und vermischte sich mit dem dekadenten Beignet.

»Warten Sie, bis Sie die mit Cremefüllung probiert haben«, sagte er mit seiner grollenden Baritonstimme, den Blick auf ihre Lippen geheftet.

Sie war sich nicht sicher, aber sie meinte, eine gewisse Anzüglichkeit in seinem Tonfall zu hören. Immerhin hatte er sie gestern Nacht als schön bezeichnet. Noch etwas, an das sie sich erinnerte. Seine Augen verdunkelten sich unmerklich, als sie ihn betrachtete, und ihre Farben – Plural – ließen sie stutzen. Das linke war himmelblau mit hellen Sprenkeln. Das rechte war braun, dunkler und ernsthafter. »Heterochromie«, stellte sie fest.

Den Ausdruck hatte sie gelernt, als sie die hässlichsten Hunde der Welt gegoogelt hatte. Die Suche hatte eine Reihe Fotos mexikanischer Nackthunde ergeben, seltsamerweise gefolgt von sibirischen Huskywelpen mit zweifarbigen Augen, flauschigem Fell und einem sehr hohen Niedlichkeitsfaktor. Außerdem wurden ihr Pferdepornos angeboten.

Huxley blinzelte. »Die wenigsten Leute kennen den Namen dafür, allerdings wissen wohl auch die wenigsten, was ein Kerivoula kachinensis ist.«

Sie leckte sich weiter den Zucker von den Fingern und ignorierte die Farbe unter ihren Nägeln. Seine zweifarbigen Augen folgten jeder ihrer Bewegungen. »Mit einem Namen, der wie Biene klingt, musste ich mich gegen Insektenbeleidigungen verteidigen können. Jemanden als Kerivoula kachinensis zu bezeichnen, oder als Bananenschnecke oder Nacktmull – oder irgendetwas anderes, mit dem sie nichts anfangen konnten –, hat sich als hilfreich erwiesen.«

»Warum benutzen Sie nicht Ihren vollen Namen?«

»Beatrice?« Sie rümpfte die Nase. »Beatrice ist eine neunzigjährige Frau, die nachts ihre Zähne auf den Nachttisch legt, zentimeterdicke Brillengläser trägt und Eierlikör trinkt anstatt Martini. Nein danke.«

Huxleys halbe Augenbraue zuckte, und sein hellblaues Auge funkelte belustigt. »Vielleicht ist Beatrice aber auch eine schlagfertige Rothaarige, die stöhnt, wenn sie frittiertes Gebäck isst, die nicht gut mit Alkohol umgehen kann und gern falsch geschriebene Beleidigungen in die Autos fremder Leute kratzt.«

Das saß. Und war ihr so peinlich, dass sie nur noch flüstern konnte. »Es tut mir wirklich leid mit Ihrem Auto. Ich kann es nicht glauben, dass ich das getan habe.«

Er ging auf sie zu. »Ich werde Sie extra hart rannehmen, Beatrice.«

Wieder war da diese mögliche Andeutung, aber er lächelte nicht. Er beobachtete sie, als wartete er auf eine Reaktion. Sie wusste nicht, ob er sie neckte oder wütend auf sie war. Es fiel ihr schwer, sich zu konzentrieren, da ihr Kopf immer noch so umnebelt war. Der Zucker auf ihrer Zunge lenkte sie noch mehr ab, genau wie die Art und Weise, wie er ihren Namen ausgesprochen hatte: Beatrice. Langsam und mit einer sinnlichen Betonung auf jeder Silbe. Niemand hatte es jemals geschafft, »Beatrice« sexy klingen zu lassen. Bis ein gewisser Huxley Marlow daherkam und ihren Namen anprobierte wie ein Kleidungsstück.

Leicht verunsichert durch die seltsamen Umstände, schob sich Bea das letzte Stück Beignet in den Mund. Sie stöhnte wieder, während sie die gerahmten Bilder an den Wänden betrachtete. Alle trugen den Titel: Der Fabelhafte Max Marlow. Sie schienen von früher zu stammen, eine Reihe alter Poster. Huxleys Vater vielleicht? Sie wischte sich die klebrigen Finger an der Hose ab, nur um festzustellen, dass Huxleys Umhang immer noch in ihrem Schoß zusammengeknüllt war. Sein Umhang, der jetzt mit zuckrigen Fingerabdrücken übersät war.

Sie zuckte zusammen und hielt ihm das beschmutzte Kleidungsstück hin. »Das tut mir auch sehr leid.«

Mit gerunzelter Stirn nahm er ihr den Umhang ab. Er ging weder auf ihre Entschuldigung ein, noch bot er ihr ein verständnisvolles Nicken an. Stattdessen faltete er seinen Umhang sorgfältig über dem Unterarm, als wäre es etwas sehr Wertvolles. »Müssen Sie nach Hause fahren? Oder jemandem Bescheid sagen, dass Sie hier sind?«

»Nein.« Die Härte ihrer Realität traf sie wie ein Faustschlag. Sie hatte kein Zuhause, zu dem sie gehen konnte, und niemand würde sie vermissen. Genauso schnell kam ihr die Einsicht, dass es ziemlich unvorsichtig war, diese Tatsachen mit einem völlig Fremden zu teilen. »Obwohl, ich schreibe besser schnell meiner Freundin eine Nachricht. Sie wird sich sonst wundern, wo ich stecke. Ich schreibe ihr, ich bin im …« Sie wartete, dass Huxley den Satz vervollständigte, während sie zum Bett ging und nach ihrer Handtasche griff. Ihr Geldbeutel und ihr EpiPen waren noch da.

»Im Marlow Theater. In der Decatur Street.«

Sie wollte ihr Handy aktivieren, doch der Bildschirm blieb schwarz. In letzter Zeit hatte sie das Gefühl, ihr Akku wurde immer schwächer, je mehr sie ihn auflud. Noch etwas, das Huxley nicht erfahren musste. Sie hielt das Telefon so, dass er nicht auf das Display sehen konnte, und tippte irgendetwas darauf herum. Dann tat sie so, als würde sie auf Senden drücken. Sie hatte vorher ein Ladegerät auf dem Schminktisch entdeckt und nahm sich vor, ihr Handy aufzuladen, sobald Huxley weg war.

Sie schob ihr totes Handy zurück in ihre Handtasche und warf ihm einen vielsagenden Blick zu. »Meine Freundin weiß jetzt, wo ich bin.«

Übersetzung: Sollte sie verschwinden, würde ihre unsichtbare Freundin alle Hebel in Bewegung setzen, um sie zu finden.

Doch er blieb unbeeindruckt. »Gut. Wir fangen gleich an.« Er ging zu der beladenen Kleiderstange und zog ein Outfit heraus. »Das sollte passen. Sie werden es heute Abend tragen.«

Das winzige Kostüm sah aus wie von einer Eiskunstläuferin. »Also, Sie sind kein Zuhälter, aber Sie haben mich an eine Holiday-on-Ice-Show verkauft, um die Kosten für Ihr Auto und für die Reinigung des Umhangs wieder reinzubekommen? Jetzt muss ich als Zweitbesetzung für die Eistanz-Version von Pretty Woman herhalten. Habe ich richtig geraten?« Bea mochte diesem Mann Geld schulden und würde seine Drohung, die Polizei zu rufen, wenn nur irgendwie möglich umgehen, aber sie war keine Frau der Straße.

Er legte ihr den paillettenbesetzten Body und den Mikrorock auf das Bett. »Ich habe Sie weder an einen Zirkus noch an Holiday on Ice verkauft. Prostitution wird nicht nötig sein. Sie sind jetzt ein Mitglied des magischen Ensembles der Fabelhaften Marlow Boys, gemeinsam mit mir und zwei meiner Brüder. Fünf Abende die Woche werden Sie als meine Assistentin auf der Bühne stehen.«

»Immer schön langsam, Zaubermann.« Sie hätte gelacht, aber der Beignet in ihrem Magen suchte schon nach dem Auswerfen-Knopf. »Sie müssen sich täuschen.«

Sie war seit der sechsten Klasse nicht mehr öffentlich aufgetreten, und bei der Weihnachts-Chanukka-Aufführung damals war sie vor Nervosität so erstarrt, dass sie tatsächlich von der Bühne getragen werden musste.

Vor lauter Panik nieste sie. Zweimal. Das war ein nervöser Tick von ihr.

Huxley ging auf ihre Panikattacke gar nicht ein, wünschte ihr aber Gesundheit und sprach dann so schnell weiter, dass sie sich gar nicht bedanken konnte. »In der Schublade sind Kopfschmerztabletten.« Er klang nun doch ein wenig irritiert. »Ich schlage vor, Sie nehmen gleich ein paar davon. Auf der anderen Seite des Gangs finden Sie eine Dusche und eine Toilette. Ich habe Ihnen eine Zahnbürste hingelegt, und meine ehemalige Assistentin hat ihre Pflegeprodukte noch dort, die können Sie gern benutzen. In Ihren wenigen klaren Momenten gestern Nacht haben Sie ein Auto erwähnt, das in der Nähe des Crimson Club geparkt ist. Wenn Sie mir Ihre Schlüssel geben und mir sagen, wo ich es finden kann, fahre ich es Ihnen hierher.«

»Ich kann nicht auf die Bühne gehen«, quietschte sie und kratzte sich an der juckenden Nase, um nicht wieder niesen zu müssen. »Ich leide unter akutem Lampenfieber.«

Die Verzweiflung war ihm ins vernarbte Gesicht geschrieben. Sie wollte ihn nach den Narben fragen, sie zeichnen. Unvollkommenheit machte Menschen einzigartig, jede Geschichte und jeder Fehler mischte die Farben, die ihr Leben ausmachten. Sie fragte sich, welche Farben Huxleys Vergangenheit geprägt hatten. Doch seine nächste Aussage riss sie aus ihren Gedanken: »Wenn es Ihnen lieber ist, kann ich auch die Polizei rufen.«

Jetzt wollte sie ihm am liebsten an den Musikantenknochen treten. Das war Erpressung, nichts anderes. Er erpresste sie, auf eine Bühne zu gehen und sich einem Publikum zu stellen, wo sie sich zweifellos in eine versteinerte Statue verwandeln würde. Er hatte sie in der Hand, und das wusste er. Das war in Ordnung. Sie würde erst einmal zustimmen und dann einen Weg finden, sich aus der Erpressung freizupressen.

Er fasste ihr Schweigen als Zustimmung auf. »Ich brauche Ihre Autoschlüssel.«

Sie steckte die Hand in ihre Handtasche und ließ sich extra viel Zeit, um ihre Situation noch einmal überdenken zu können.

Sie tat es wieder, sie ging immer davon aus, dass die Menschen es gut mit ihr meinten. Ihrem Vater zu vertrauen war der eindeutige Beweis dafür, wie schlecht ihre Intuition sein konnte. Noch schlimmer war es gewesen, direkt mit seinem Kredithai zu verhandeln und ihm vorzuschlagen, für Franklyn Bakers Schulden aufzukommen. Auf Raten. Über zehn Jahre. Alles, um die schlechten Entscheidungen ihres Vaters auszubügeln. Der Verbrecher mit dem Ziegenbärtchen hatte ihr eine wesentlich kürzere Deadline gesetzt, eine, die keine körperliche Unversehrtheit garantierte, falls man sie nicht einhielt. Sie hatte gelächelt und sich bei ihm bedankt. Und war nach New Orleans geflüchtet.

Was sie in ihre aktuelle Lage gebracht hatte und zu dem nächsten Mann, der ihre Instinkte auf die Probe stellte. Nie wieder würde sie ihren Vater oder irgendeinen Hinweis auf Spielsucht in ihr Leben lassen. Doch Huxley hätte aus seinem demolierten Wagen eine viel größere Sache machen können. Er schien wirklich nett zu sein, hatte sie vollständig bekleidet ins Bett gebracht und sie mit seinem wertvollen Umhang zugedeckt. Er hatte ihr Essen und Kaffee besorgt. Außerdem hatte sie gerade keine Wohnung und konnte sich auch keine Miete leisten.

Wenn sie Huxley fragte, ob sie in seinem dunkelroten Umkleidezimmer übernachten könnte, würde er vermutlich Geld im Voraus verlangen. Im Theater zu arbeiten würde ihr dafür vielleicht die Gelegenheit geben, sich reinzuschleichen und sich in einem Eckchen zusammenzurollen. Nicht ideal, aber besser, als im Auto zu schlafen.

Ihre Entscheidung war gefallen, und sie warf ihm die Autoschlüssel zu. »Ich fahre einen gelben Käfer.«

Er fing den Schlüssel mit einer Hand und grinste. »Eine Biene, die einen Käfer fährt. Daraus könnte man ein Kinderbuch machen.«

Vielleicht war er doch nicht so harmlos. »Oder ich könnte Ihren Zauberstab dazu verwenden, Sie in einen Blobfisch zu verwandeln.«

Ihre Drohung hielt ihn nicht davon ab, sie herumzukommandieren. »Die Probe fängt in zwanzig Minuten an. Kommen Sie dann zur Bühne. Und seien Sie pünktlich.«

Ihr umnebeltes Gehirn mochte ihre Fähigkeit, sich zu konzentrieren, einschränken, aber sie konnte einfach nicht fassen, warum er den Vorschlag überhaupt gemacht hatte. Wer würde eine völlig Unerfahrene mit Lampenfieber als Assistentin wollen? Wieder kamen ihr unschöne Gedanken über Umhänge und Vampire.

Ende der Leseprobe