Lover verzweifelt gesucht! - Jennifer Snow - E-Book

Lover verzweifelt gesucht! E-Book

Jennifer Snow

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Beschreibung

Woher einen Mann nehmen? Scheidungsanwältin Hayley muss zu einem Geschäftstreffen unbedingt ihren Verlobten mitzubringen. Das Problem: Sie ist nicht verlobt! Die Lösung: sexy Chase Hartley. Wenn sich die vorgespielte Liebe mit ihm bloß nicht so verteufelt echt anfühlen würde …

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IMPRESSUM

Lover verzweifelt gesucht! erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2017 by Jennifer Snow Originaltitel: „Her Holiday Fling“ erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe TIFFANY EXTRA HOT & SEXYBand 75 - 2018 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg Übersetzung: Alina Lantelme

Umschlagsmotive: GettyImages_pvstory

Veröffentlicht im ePub Format in 11/2019 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733728618

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

Hayley Hanna hatte zwei Möglichkeiten: Jedes Exemplar der Los Angeles Woman in der Stadt zu kaufen oder den wenig schmeichelhaften Artikel darin zu ignorieren. Vielleicht würde niemand das mehrseitige Porträt erwähnen, in dem sie als gnadenlose, männerhassende Scheidungsanwältin dargestellt wurde. Höchst unwahrscheinlich.

Sie griff nach den anderen sechs Exemplaren, die am Zeitungskiosk vor dem Bürogebäude auslagen, und kramte in ihrer Michael-Kors-Handtasche nach Bargeld.

„Zweiunddreißig Dollar, bitte“, sagte der ältere Mann hinter der Verkaufstheke.

Zweiunddreißig Dollar für sechs Ausgaben einer Zeitschrift, die direkt in den Aktenschredder in ihrem Büro wanderten? Verdammt, das war unglaublich.

„Einen schönen Tag noch.“

Macht er sich über mich lustig? „Hoffentlich überstehe ich ihn“, murmelte sie. Ihr Handy klingelte. Sie klemmte die Zeitschriften unter den Arm, sah auf das Display und atmete auf. Es war nur Terri-Lynn, ihre Freundin und Besitzerin des exklusiven Brautmodengeschäftes The Perfect Gown. Wenn sie den Artikel gelesen hatte, würde sie offen zu ihr sein. „Wie schlimm ist es?“

„Du wirst als ‚gnadenlose Männerhasserin in einem Hosenanzug von Georgio Armani‘ bezeichnet“, kreischte sie.

Vielleicht hätte ich nicht jedem von dem Artikel erzählen sollen. Zumindest nicht, bevor ich ihn gelesen habe. „Ich habe gerade erst einen Blick darauf geworfen.“

„Für wen hält diese Annette Miller sich? Sie kann so etwas nicht über dich schreiben. Ich dachte, mit diesen Artikeln sollen erfolgreiche Frauen gewürdigt werden?“

Hayley betrat das Bürogebäude. „Anscheinend hatte die Redaktion ein treffendes Porträt und keine geschönte Version im Sinn.“

„Nun, ich hoffe, du rufst dort an und beschwerst dich.“

„Die Zeitschrift ist bereits erschienen. Also lässt sich nichts mehr daran ändern. Außerdem bin ich vielleicht nicht unschuldig daran.“

„Wieso?“

Die Interviewanfrage der angesehenen Frauenzeitschrift für die Serie „Woman On Top“ hatte ihr geschmeichelt. Nach der Trennung von James hatte sie die Selbstbestätigung dringend gebraucht. Sie hatte sich mit dem Zahnarzt verabredet gehabt, nachdem sie von New York City nach Hause zurückgekehrt war. Nach nur zehn Monaten hatte James ihr einen Heiratsantrag gemacht. Daraufhin hatte sie die Beziehung beendet.

Sie war so enttäuscht darüber gewesen, dass James mit seinem Antrag ihre gut laufende Beziehung ruiniert hatte, dass sie die Fragen über Liebe, Ehe und Scheidung leider ein wenig zu übereifrig und unbedacht beantwortet hatte.

„Ich habe mit meinen Ansichten über Männer und die Ehe nicht gerade hinter dem Berg gehalten.“ Hayley betrat die Aufzugkabine.

„In Ordnung. Vielleicht stimmen ein paar Zitate. Aber auf keinen Fall hast du gesagt …“ Terri-Lynn blätterte hörbar eine Seite um. „Ah, hier. ‚Männer können leicht ersetzt werden. Zur Hölle, ersparen Sie sich das Problem und kaufen Sie sich einen Mann, der halb so alt ist wie Sie, mit einem Versorgungsausgleich‘.“

Die Aufzugtüren öffneten sich. Hayley stieg aus. „Ich könnte so etwas Ähnliches gesagt haben. Aber ich bin ziemlich sicher, dass es vertraulich war.“

„Nichts ist jemals ‚vertraulich‘. Hast du dir das Interview nicht vor der Veröffentlichung zur Autorisierung vorlegen lassen?“

„Ich war nicht gerade in Bestform. James und ich hatten uns gerade getrennt. Darüber musste ich erst hinwegkommen.“

„Du hast mit ihm Schluss gemacht.“

Sie senkte die Stimme. „Nur weil er mir einen Heiratsantrag gemacht hat.“ Hayley Hanna als Ehefrau? Niemals.

„Richtig. Er wollte dich heiraten. Was für ein grauenvoller Typ.“

„James wusste, was ich vom Heiraten halte. Das habe ich ihm von Anfang an klipp und klar gesagt.“ Sie tröstete sich damit, dass sie immer ehrlich war. „Können wir uns jetzt wieder dem letzten Desaster zuwenden? Was mache ich wegen dieses Artikels?“

„Offenbar kannst du nicht mehr tun, als abzuwarten, bis Gras darüber gewachsen ist“, meinte Terri-Lynn.

„Wahrscheinlich hast du recht. Außerdem: Wer liest diese Artikel überhaupt richtig? Ich bin jetzt im Büro. Ich ruf dich später an, ja?“ Hayley betrat die Anwaltskanzlei Marshall and Thompson Family Law. Hier arbeiteten fast nur Männer. Sie bezweifelte, dass sich ein Exemplar der Frauenzeitschrift hierher verirrte.

Als sie am Empfang vorbeiging, sah sie, dass die aktuelle Los Angeles Woman auf dem Schreibtisch der Rechtsanwaltsgehilfin lag. Mist. Okay, keine Panik. Sie würde fragen, ob sie einen Blick darauf werfen könnte, und diese Zeitschrift dann zusammen mit den anderen im Aktenschredder vernichten. „Hallo, Megan. Was für ein schöner Morgen.“

Die junge Frau hielt die Zeitschrift hoch. „Haben Sie den Artikel noch nicht gelesen?“

„Doch. Heute Morgen. Das ist total lächerlich.“ Sie versuchte, lässig zu klingen.

Megan überflog den Artikel. „Dann haben Sie nicht gesagt: ‚Männer verdienen die harten Regelungen, wenn sie ihren‘ – es folgen drei Auslassungspunkte – ‚nicht in der Hose lassen können‘?“

In Ordnung. Dieses Zitat war total verändert worden. Sie hatte falls und nicht wenn gesagt. Das machte einen großen Unterschied. „Natürlich nicht. Nicht genau so jedenfalls. Wissen Sie, ob sonst noch jemand den Artikel gesehen hat?“

„Jeder hier hat ein Exemplar. Ein Kurier hat sie uns heute Morgen aus dem Verlagsbüro geliefert, und die neue Praktikantin Laura hat sie sofort verteilt.“

Hayley verfluchte insgeheim diese neuen, übereifrigen Praktikanten. Ich muss diese Zeitschriften aus dem Verkehr ziehen. Angefangen mit dem wichtigsten Exemplar. „Ist Marvin schon hier?“

„Mister Marshall ist vor drei Minuten eingetroffen.“

Sie trug Manolos mit fünfzehn Zentimeter hohen Stilettoabsätzen, einen etwas zu eng sitzenden Bleistiftrock und hatte leichtes Asthma. Doch das war einer der Momente in ihrer Karriere, der einen gebrochenen Fußknöchel oder einen Asthmaanfall wert war. Also rannte sie los.

Er kann den Artikel noch nicht gelesen haben.Oh, bitte nicht. Einen Moment später hielt sie nach Atem ringend im Türrahmen ihres Chefs inne. Er las gerade den Artikel. Sie konnte später zurückkommen. Oder auch nicht. Sie drehte sich um.

„Kommen Sie herein, Hayley.“

Sicherheitshalber blieb sie im Flur stehen und steckte nur den Kopf durch die Tür. „Oh, guten Morgen, Marvin. Offensichtlich sind Sie beschäftigt. Also wollte ich nicht …“

„Sagen Sie mir bitte, dass all das aus dem Zusammenhang gerissen und falsch zitiert ist. Alles, was wir nutzen können, um wegen übler Nachrede gegen die Zeitschrift juristisch vorzugehen.“

Sie strich sich eine blonde Haarsträhne hinter das Ohr, als sie sein Büro betrat. „Ich bin sicher, dass nicht alles so stimmt.“

„Wie viel davon?“ Er hielt ihr die Zeitschrift hin.

Widerwillig nahm sie das Exemplar und sah den Artikel nach irgendeinem Fehler durch. „Äh …“ Es musste doch irgendwo ein Druckfehler sein. Natürlich gab es diese Verwechslung von falls und wenn. Aber das war wahrscheinlich auch nicht hilfreich.

„Hayley …“

„Einen Moment noch, bitte.“ Sie blätterte die Seite um. „Ah, hier. Dass Eheverträge eine frühes Eingeständnis des Scheiterns von Ehen sind, habe ich streng vertraulich gesagt.“

Sie glaubte nicht an ewige Liebe. Aber sie konnte sich zumindest vorstellen, dass Menschen so bis über beide Ohren ineinander verliebt waren, dass sie gelobten, ihr Leben gemeinsam zu verbringen. Doch warum kam ihnen ein Ehevertrag dann überhaupt in den Sinn? „Ist dann alles wieder in Ordnung?“ Sie zwang sich zu einem Lächeln.

Ihr Chef stand auf und schloss die Bürotür.

Verdammt. „Marvin … Mister Marshall.“

„Wurde das Interview aufgezeichnet?“ Er musterte sie hoffnungsvoll.

„Ja.“ Hayley ließ die Schultern hängen. „Hören Sie, es tut mir wirklich leid. Ich habe einige dieser …“

Er hob eine Augenbraue.

„… all diese Dinge gesagt. Vielleicht ist das ja nicht unbedingt schlecht.“

„Erklären Sie es mir.“ Er setzte sich und wartete.

„Nun, wir sind Scheidungsanwälte. Zumindest die Mandantinnen wollen, dass wir bis zu einem gewissen Grad gnadenlose Männerhasser sind.“

Ihr Chef schloss kurz die Augen, bevor er sie wieder ansah. „Nach Ihrer Rückkehr aus New York hatte ich Bedenken, Sie trotz des Studiums an der Harvard University und Ihrer Erfolge vor Gericht einzustellen. Erinnern Sie sich noch an den Grund dafür?“

„Sie meinten, ich hätte zu viel Biss.“

„Genau. Und was haben Sie mir daraufhin versprochen?“

„Mich ein wenig zu mäßigen.“

„Ich glaube, wir waren uns einig, dass Sie sich erheblich mäßigen.“

Hayley nickte. „Tut mir leid, Mister Marshall. Ich verspreche, dass so etwas nicht wieder passiert. Beim nächsten Interview weiche ich den schwierigen Fragen aus und halte mich an die Standardantworten in unserer Pressemappe.“

Er verschränkte die Arme. „Wie wäre es, wenn Sie sich vollkommen von den Medien fernhielten?“

„Das ist eine noch bessere Idee.“ Sie hatte ohnehin nicht vor, sich mit einem solchen Interview erneut in die Nesseln zu setzen.

„In der Zwischenzeit müssen wir den Schaden begrenzen.“ Er dachte lange nach. „Sie haben einen Freund? Einen Verlobten, richtig?“

Nein. Warum nicke ich?

„Großartig. Bringen Sie Ihren Verlobten auf jeden Fall zu unserem Betriebsausflug auf Maui nächste Woche mit. So zeigen wir allen, dass Sie in einer festen Beziehung leben und keine ‚Männerhasserin‘ sind.“

Sie nickte einfach erneut. Ihren Verlobten mitbringen? Den Mann, von dem sie sich nach seinem Heiratsantrag getrennt hatte? Das war überhaupt kein Problem. Sie würde James einfach anrufen und ihm sagen, dass sie einen Fehler gemacht hatte und ihn doch heiraten wollte. Bei dem Gedanken schauderte ihr.

„Marshall and Thompson Family Law rühmt sich damit, dass Familienwerte gelebte Unternehmenskultur sind. Wir sind Scheidungsanwälte. Das heißt keinesfalls, dass wir bindungsunwillig sind.“

Panik stieg in ihr auf. Sie war bindungsunwillig. Aber wenn sie diesen Job behalten wollte, machte sie ihm besser etwas vor.

„Hayley, es ist wichtig, dass alle Mitarbeiter der Kanzlei eine gemeinsame Ausrichtung haben. Verstehen Sie, was ich meine?“

„Ja, natürlich.“ Sie stand auf. „Der Betriebsausflug … Ich bringe meinen Verlobten mit.“

„Wir müssen uns wirklich einen neuen Coffeeshop suchen. Hier herrscht morgens um diese Zeit immer ein Riesenandrang.“ Cooper Jennings setzte sich auf den Beifahrersitz des Streifenwagens und stellte die Becher in die Getränkehalter.

Chase trank einen Schluck Kaffee, während Cooper in einen mit Sahne gefüllten Donut biss. Wenn sein neuer Einsatzpartner nach langen Nachtschichten weiterhin Zucker und Koffein frühstückte, sähe er bald so aus wie die Kollegen, die nur am Schreibtisch saßen. „Du musst aufhören, dieses Zeug zu essen. Ich brauche einen Partner, der körperlich topfit ist.“

„Keine Panik. Ich kann mithalten.“

Davon war er nicht überzeugt. Warum hatte er zugestimmt, den jungen Mann einzuarbeiten, der gegen seinen Rat zur Polizei gegangen war? Oh, richtig – Kate hatte ihn darum gebeten. Er fuhr los. Nach den jeweils zwölfstündigen Nachtschichten in dieser Woche konnte er kaum noch die Augen offenhalten. Er sehnte sich nach einer heißen Dusche und seinem Bett.

Als er den Streifenwagen vor dem Polizeirevier parkte, klingelte sein Handy. Er sah auf das Display und stöhnte. „Warum ruft deine Verlobte mich an?“

„Keine Ahnung. Sie ist deine Schwester. Richte ihr aus, dass ich in einer Stunde nach Hause komme.“ Er nahm seinen Kaffeebecher und stieg aus.

Chase wusste, dass sie ihm keine Ruhe ließe, wenn er sich jetzt nicht meldete. „Hallo, Kate.“ Er stieg aus.

„Hast du bei Josephs schon deinen Smoking anprobiert?“

Die Stimme seiner Schwester klang viel zu munter für sechs Uhr morgens. Er warf Cooper einen fragenden Blick zu, als sie nebeneinander zum Gebäude gingen. „Joseph wer?“ Sein angehender Schwager öffnete lachend die Tür und ließ ihm den Vortritt.

„Das Geschäft mit Abendgarderobe für Männer.“

Die Smokinganprobe für die Hochzeit seiner Schwester hatte er sofort wieder vergessen gehabt, nachdem Kate ihn vor einem Monat darauf hingewiesen hatte. „Ich wollte heute hingehen.“ Er klemmte das Handy zwischen Ohr und Schulter, nahm sein Notizbuch und notierte ‚Josephs‘ auf eine leere Seite.

„Nein, du hast es vergessen“, erwiderte sie schmollend.

Als einzige Tochter und jüngste von vier Geschwistern war Kate sehr verwöhnt worden. Irgendwie hatte sie es geschafft, einen Verlobten zu finden, der sie auch weiterhin verwöhnte. Er mochte Cooper. Aber für seine Schwester hätte Chase sich alles andere als einen Mann gewünscht, der als sein Partner bei der Polizei arbeitete.

Dummerweise waren sie sich begegnet, als Kate vor acht Monaten im Revier vorbeigekommen war. Cooper hatte dort gerade irgendwelche Papiere unterschrieben. Zwischen den beiden hatte es sofort gefunkt. Und nächste Woche würden sie heirateten.

Er glaubte nicht, dass man nach acht Monaten jemanden gut genug kennen konnte, um ihn zu heiraten. Aber da seine kleine Schwester nicht auf ihn hören wollte, hielt er den Mund. Cooper jedoch hatte er gedroht, ihm sämtliche Knochen zu brechen, falls er Kate jemals wehtäte.

Das war der einzige Grund, weshalb er zugestimmt hatte, den jungen Mann nach der Polizeischule einzuarbeiten. Seit einem Monat konnte er ihn auf diese Weise im Auge behalten und auf ihn aufpassen. Das war etwas, das ihm bei seinem letzten Partner nicht gelungen war.

„Okay, ich habe es vergessen. Aber die Hochzeit ist erst in einer Woche.“ Er würde den Smoking heute Abend anprobieren. Eine Hose umzusäumen konnte nicht so lange dauern.

„Ja, aber wir fliegen in zwei Tagen nach Maui.“

Er hatte seiner Schwester noch nicht gesagt, dass er erst kurz vor der Hochzeit einen Nachtflug nehmen und direkt nach der Hochzeitsparty wieder zurückfliegen wollte. Drei Tage lang bei seinem Job beim Los Angeles Police Department nicht zur Verfügung zu stehen, war mehr als genug. „Was das angeht …“

„Chase, sag es nicht.“

„Du weißt, wie schwer es hier ist, Urlaub zu kriegen.“

„Ich lege jetzt auf.“

„Kate …“ Er unterdrückte ein Gähnen.

„Es ist meine Hochzeit – und du übergibst mich vor dem Altar dem Bräutigam, erinnerst du dich?“

Als ältester Sohn hatte er nach dem Tod seiner Eltern vor vielen Jahren die Vater- und Mutterrolle übernommen. Alan Hartley war verdeckter Ermittler bei einem langwierigen Fall von Drogenexporten gewesen. Nur Tage vor der geplanten Verhaftung des Chefs des Drogenkartells hatte ein Informant seinen Vater verraten. Seine Eltern waren bei einer Autoexplosion gestorben. Chase war vom College abgegangen und Polizist geworden.

Er sank auf den Stuhl und warf einen Blick auf den Stapel Papiere in seinem Eingangskorb. „Adam fliegt auch erst am Tag vorher nach Maui.“

„Adam ist Profi bei der National Football League mit einem Spielplan und einem Vertrag, an den er sich halten muss.“

Richtig, und er war nur verantwortlich für die Sicherheit der Bürger. „Ich bin zur Trauung dort.“

„Nein, vergiss es. Wenn es zu schwierig für dich ist, Urlaub für die Hochzeit deiner Schwester zu nehmen, bitte ich Eric, mich an deiner Stelle dem Bräutigam zu übergeben.“

Kate war eine der besten Hochzeitsplanerinnen in Los Angeles. Sie glaubte daran, dass Hochzeiten zu den wichtigsten Ereignissen im Leben ihrer Kundinnen gehörten. Ihr zu sagen, dass sie sich entspannen sollte, führte nur zu einer Auseinandersetzung, für die er zu erschöpft war. „Du fragst Eric nicht, weil …“

Er hörte nur noch das Freizeichen und wusste, dass sie ihren Wutanfall in ihrem Zuhause auf der anderen Seite der Stadt fortsetzte. Ihm blieben sieben Minuten, bis sie zurückrufen würde. Denn trotz ihrer Drohung überließe sie so etwas Wichtiges nicht Eric, der ein unbekümmerter und lockerer Typ war.

Bevor er sich um den Papierkram auf seinem Schreibtisch kümmerte, brauchte Chase eine Dusche. Im Umkleideraum zog er sich aus. Prüfend betrachtete er die Schnittwunde über seiner linken Augenbraue.

Am Abend zuvor hatte er bei einer Schlägerei in einer Kneipe eingreifen müssen. Dabei hatte ihn einer der Randalierer mit einem Messer verletzt. Im Krankenhaus hatte er sich eine Tetanusspritze geben, aber die Wunde nicht nähen lassen.

Als Chase unter dem heißen Wasserstrahl stand, nahm er seine restlichen Blessuren in Augenschein. Blutergüsse auf dem Brustkorb und noch eine kleine Schnittwunde auf dem Oberschenkel.

Die Randalierer hatten Crack konsumiert gehabt und waren in einer Ausnüchterungszelle gelandet. Aber er hatte sie nicht wegen Drogenbesitzes belangen können. Nur beim jüngsten Jugendlichen hatte er eine kleine Tüte Marihuana gefunden, der aber dafür ein ärztliches Rezept dabeigehabt hatte. Die Täter würden also davonkommen. Aber zweifellos würden sie beim nächsten Mal noch mehr Unheil anrichten.

Sein Handy klingelte zwei Minuten früher, als er vermutet hatte. Kate wusste genau wie er, dass sie – wie immer – ihren Willen durchsetzen würde. Er drehte das Wasser ab, griff nach einem Handtuch und dem Handy. „Ich buche meine Flüge um“, sagte er seufzend.

„Ich weiß.“

„Nein, er kann das Boot nicht haben.“ Hayley klemmte das Handy zwischen Ohr und Schulter, als sie ihren randvollen Koffer unter den Sitz vor ihr schob. Der Flug frühmorgens nach Maui war ausgebucht.

„Warum nicht? Er hat es bezahlt“, erwiderte Mark Phillips, der Anwalt der gegnerischen Seite ihres jüngsten Scheidungsfalles.

„Weil meine Mandantin das Haus am See bekommt. Was will er überhaupt mit dem Boot, wenn er das Ferienhaus in Phoenix behält?“ Wahrscheinlich war das nur eine Taktik, um seine Exfrau in spe zu ärgern.

Die Flugbegleiterin kam zu ihr und wies sie darauf hin, dass sie als Passagierin ihr Handy ausschalten musste. Sie nickte.

„Er sagt, er will das Boot verkaufen“, antwortete der Anwalt.

„Nein, er bekommt es nicht. Ich muss jetzt Schluss machen. Bis nächste Woche vor Gericht.“ Sie schaltete das Handy aus und packte es in ihre Handtasche. In den nächsten Tagen wäre sie telefonisch nicht erreichbar, was sie an den Rand einer Angstattacke brachte.

Laut Marvin war Arbeit auf Maui absolut tabu. Sie hatte sämtliche anstehende Termine verschieben müssen. Selbst die Meetings und Besprechungen, die während des Betriebsausfluges neben der gemeinsamen Freizeitgestaltung auf dem Programm standen, sollten ausschließlich der Teambildung dienen. Für Notfälle waren zwei Mitarbeiterinnen aus dem Sekretariat abgestellt. Seufzend lehnte sie sich zurück.

Hayley hatte noch bei Marvins Büro vorbeigesehen, bevor sie gestern die Kanzlei verlassen hatte. Vorher hatte sie sich die perfekte Ausrede zurechtgelegt gehabt, warum ihr Verlobter sie nicht beim Betriebsausflug begleiten konnte. Aber ihr Chef hatte schon Feierabend gemacht. Nun zerbrach sie sich während des gesamten Fluges den Kopf darüber, wie Marvin reagieren würde, wenn sie allein eintraf.

Sie brauchte diesen Job. Nach ihrem Studienabschluss auf der Harvard University hatte sie in einer Anwaltskanzlei in New York gearbeitet, wo sie gefeuert worden war. Sie hatte es dem Einfluss ihres Vaters zu verdanken, anschließend bei Marshall and Thompson eingestellt worden zu sein. Das wussten alle. Auch wenn es nie jemand gesagt hatte.

Als sehr respektierter Fachanwalt für Körperschaftsrecht hatte ihr Vater viele Freunde und gute Beziehungen. Sie war dankbar für seine Hilfe. Insbesondere da sie durch die Kündigung nicht in der Lage gewesen war, sich Bewerbungsgespräche bei einigen Topkanzleien ihrer Wahl zu sichern.

Ärger stieg in ihr auf, als sie daran dachte. Sie war nur gekündigt worden, weil sie den Fehler gemacht hatte, mit einem Seniorpartner der Kanzlei ins Bett zu gehen. Er hatte sie gefeuert, als sie die Sache beendet hatte. Angeblicher Grund: Ihr jüngster Misserfolg vor Gericht.

Nach und nach stiegen die anderen Passagiere ein. Als die beiden Sitze neben ihr frei blieben, hoffte sie, die Reihe für sich zu haben. Aber dann beeilte sich ein Mann, noch an Bord zu kommen. Natürlich gibt es immer diesen einen Mann, der der Meinung ist, das Flugzeug müsse auf ihn warten, dachte Hayley.

Und dieser Mann sah umwerfend gut aus. Verdammt, wenn sie ein Flugzeug wäre, würde sie auch auf ihn warten. Er war groß, muskulös und fantastisch gebaut. Der oberste Hemdknopf stand offen. Seine Haut war sonnengebräunt. Die dunklen Haare waren mit Gel kunstvoll zerzaust.

Als er die junge Flugbegleiterin anlächelte, zierten Grübchen seine Wangen. Entweder war er Schauspieler oder Model. Das waren die einzigen Menschen auf der Welt, die das Recht hatten, so gut auszusehen.

„Hallo.“ Er blieb neben ihrer Reihe stehen. „Hier sitze ich.“ Er zeigte auf den Platz am Gang und verstaute seinen Matchbeutel im Gepäckfach über den Sitzen. Dann sah er sich nach einem Haken um, auf den er seinen Kleidersack von Josephs Formal Wear hängen konnte.

Natürlich saß er in ihrer Reihe. Sie war einfach vom Pech verfolgt. Der heißeste Mann auf dem Planeten flog nach Maui, um zu heiraten. Sie warf einen Blick auf den Gang hinter ihm. Bestimmt stürmte jede Sekunde eine blendend aussehende Frau herein, um sich auf den Platz zwischen ihnen zu setzen. Aber er war allein. „Hallo.“

Die Flugbegleiterin berührte seinen Arm. „Officer Hartley, ich hänge den Kleidersack für Sie ins Cockpit.“