Ludwig Aurbacher -  - E-Book

Ludwig Aurbacher E-Book

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Beschreibung

Ludwig Aurbacher wollte wohl ein zweites "Büchlein für die Jugend" herausbringen, kam aber nicht mehr dazu. Die Aufzeichnungen hierfür wurden vom Aurbacher-Forscher Alois Epple aus Aurbachers Handschriften transkripiert, zusammengestellt und kommentiert.

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Seitenzahl: 164

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Pfronten

Aufbruch in die Sommerfrische

Ankunft auf dem Lande

Kirchgang

Mittagessen

Vesper in der Pfarrkirche und Gang zum Friedhof

Besuch des Pfarrers von Berg

Abendspaziergang zur Kirche in Steinach

Eine Wanderung durch Ösch und ein Ausblick ins Vilstal

In einem Gasthaus trät Fritz „Die Waffen“ vor

Landwirtschaft bei Pronten

Hebauf

„Zimmermanns-Spruch aus Pfronten“

Orientierungslosigkeit und Leichenzug

Gebirgshäuser

Füssen

Besuch des Mangfestes, des Schlosses und der Franziskaner

Spaziergang von Füssen nach Pfronten

Auf dem Weg zum Hörnlein – Zweykampf

Gespräch des Onkels mit Eduard

Spaziergang zum Hörnle

Erzählung des Onkels

Nach dem „Zweykampf“-Vortrag

Pöllat und Hohenschwangau

„Jugend“, Pöllat und Hohenschwangau

Eduard erzählt im Schatten von Hohenschwagau „Die Adepten“

Pinswang, Reutte

Verwandtenbesuch am Nachmittag

Auf dem Weg, wohl nach Pinswang

Reute

Ausflug nach Heiterwang

- Auf der Ruine Ehrenberg

Burgruine Falkenstein, Eisenberg und Hohenbreyberg

Blick auf Falkenstein, Eisenberg und Hohenfreyberg

Besuch der Ruine Falenstein

Hochzeit in Hopfen

Ruine Freyberg und Eisenberg

Das Achtal

Ausflug in sAchtal

Legende von den Teufelsteinen

Versteckte Schätze aus der Schwedenzeit

Wanderung zur „Dürren Ach"

Wanderung im Tal der Ache

Heimgang

Vilstal

Aussicht in das untere Vilstal

Gespräche

In der Ferienwohnung

Eduard und der Onkel sprechen über die Liebe

Eduard und der Onkel sprechen über geistliche Neigungen

„Der Vogel Phönix“

Die Gemeinde [Pfronten]

Spaziergänge

Letzter Spaziergang nach Steinach

Mittagstisch

Ein Dorfspaziergang

Sagen aus dem Allgäu

Der Schaidbachmann

Burgberg und Sonthofen

Eduards Urlaubsende, Besuch in Burgberg

Almabtrieb bei und in Sonthofen

Abbildung auf dem Umschlag: Das Aquarell von Alois Epple, 15. April 2018, zeigt die Gegend um Pfronten.

Vorwort

Im Jahre 1834 erschien in Stuttgart/Tübingen/München Aurbachers „Ein Büchlein für die Jugend“. Hier geht es um folgendes: Eine Großfamilie macht Sommerfrische in den Berchtesgadener Alpen. Bei jeder möglichen Gelegenheit erzählt ein anderes Familienmitglied ein Märchen oder eine Sage oder eine Legende oder etwas Landeskundliches. Die Sommerfrische ist also die Rahmenhandlung und in diesem Rahmen hängen verschiedene Erzählungen.

Aurbacher beabsichtigte wohl, wie schon bei seinem „Volksbüchlein“, einen zweiten und vielleicht einen dritten Teil seines „Büchleins für die Jugend“ zu veröffentlichen. Denkbar wäre auch, dass das Fortsetzungs-Büchlein den Titel „Ferienreise“ haben sollte. Er kam aber nicht mehr dazu.

In der Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer1 liegen Aurbachers Skizzen für so ein Büchlein. Aus diesen geht hervor, das eine städtische Großfamilie Sommerfrische bei Füssen (an einer Stelle steht Pfronten, an einer anderen Stelle ist Faulenbach als Unterbringungsort genannt) macht. Von hier aus unternehmen sie Ausflüge und erzählen sich Geschichten, ähnlich wie im Jugendbüchlein, Teil 1.

Anhand dieser Skizzen wird hier versucht, den 2. Teil eines Büchleins für die Jugend zu konstruieren. In Aurbachers Nachlass in Speyer, Mappe 9, liegt nämlich ein nicht von Aurbacher mit Bleistift beschriebenes Blatt, auf dem steht:

Krypto-Nachlaß Ludwig Aurbacher

„Bruchstücke aus der Ferienreise III“ (ca 1830)

Manuskriptkonvolut; Teile aus Rahmenerzählung zu „Die Adepten“, betitelt mit „Hohenschwangau. Die Adepten. Erzählung Eduards, Reuti“

Manuskriptkonvolut; Teile aus Rahmenerzählung zu den Größeren Erzählungen, betitelt mit „Ausflug nach Burgberg und Sonthofen – Rückkehr nach München“

Vielleicht sollte Aurbachers Aufsatz „Der Gang nach dem Gottesacker“ auch in diesem Büchlein veröffentlicht werden. Jedenfalls findet sich Aurbachers Autograph auch in Speyer. Es wird hier nicht abgedruckt, da es schon in der Zeitschrift „Eos“, 19. Februar 1830, Nr. 29 publiziert wurde.

Aurbachers Manuskript ist hier kursiv geschrieben. Trennungen im Originalmanuskript werden nicht übernommen, wohl aber Unterstreichungen und Durchstreichungen! „…“ bedeutet der Anfang einer neuen Manuskriptseite, ohne Bezug zur Vorgängerseite. Erläuterungen des Herausgebers sind normal geschrieben. Die Gliederungs-Überschriften stammen vom Herausgeber.

Auf mancher Manuskriptseite beginnt ein Satz ganz unvermittelt. Anscheinend ging hier die Vorgängerseite verloren.

Einiges aus Aurbachers Handschriften-Konvolut konnte bereits veröffentlicht werden, so eine „Magnussage“ und eine „Magnuslegende“2, ein Ausflug der Großfamilie am Magnustag nach Füssen, an den Alatsee und nach Vils,3 ein Ausflug der Großfamilie nach Steinach4 und nach Hohen Schwangau5 und ein Zimmermannsspruch aus Pfronten6.

1 Pfälzische Landesbibliothek in Speyer, Nachlaß Joseph Sarreiter, Mappe 10.

2 Epple, Alois: Die Magnuslegende und Magnussage von Ludwig Aurbacher, in: Jb. Alt Füssen 2005, S. 62 – 85.

3 Epple, Alois: Zur Sommerfrische nach Füssen, in: Jb. Alt Füssen 2006, S. 116 - 122

4 Ein Familienausflug nach Pfronten-Steinach – Ein kleine Landeskunde von Ludwig Aurbacher, in: Rund um den Säuling, Historische Jahresschrift, Jg. 2, Füssen 2013, S. 57 – 62

5 Von der Pöllatschlucht und von Hohenschwangau, in: Rund um den Säuling 2015, 4. Jg, S. 71 – 76

6 Ein Zimmermanns-Spruch aus Pfronten, in: Alt Füssen, Jb. d. Hist. Vereins „Alt Füssen“, 2007, S. 133 – 140

Pfronten

Aufbruch in die Sommerfrische

Die Großfamilie fährt Anfang Herbst in die Sommerfrische.

Diese Familie setzt sich zusammen aus:

den Großeltern, welche immer noch

rüstig und rührig

sind,

dem noch im Beruf stehenden Vater,

der kränkelnden, heiteren, häuslichen Mutter,

dem Onkel, welcher immer noch unstet ist und sich nicht entschließen kann, zu heiraten oder Priester zu werden,

der Tante bzw. die Schwester der Mutter, welche sich

wohltätigen Werken

zuwendet, nachdem ihre Neffen und Nichten sie nicht mehr brauchen,

den Söhnen Karl und Fritz, welche eine öffentliche Schule besuchen,

der Tochter Malchen, einer

holdseligen Jungfrau

und

der Tochter Minchen.

In der Gegend, in der diese Familie Urlaub machen will arbeitet Eduard, der sich in Malchen verschaut hat. Man will sich später mit ihm treffen. Die Großmutter ist schon voraus gereist. Sofort nach Schulschluss reist die restliche Familie nach.

… Die Mitglieder der Familie selbst hatten sich inzwischen weder vermehrt noch vermindert. Die Großältern7 waren immer noch rüstig und rührig, der Vater thätig in seinem Berufe, die Mutter, obgleich meistens kränkelnd, doch heiter und häuslich. Der Onkel, unstät umher schwärmend im Gebiethe der Schule und des Lebens, schien noch immer zu keinem bestimmten Entschlusse in der Wahl des künftigen Standes kommen zu wollen; die Tante, seit ihre die Mühe und Sorge für die, ihr nun entwachsenen Kinder überflüssig geworden, wandte ihre Zeit gern zu wohlthätigen Werken, zu den Armen und den Kranken zu. Karl und Fritz besuchten die öffentliche Schule. Malchen, die seit jener Zeit zu einer holdseligen Jungfrau heran gewachsen, beschäftigte sich mit Minchen, ihrer jüngeren Schwester. Nur ein junger Mann, der bey der Bergwerks-Administration in Diensten stand – wir wollen ihn Eduard nennen – möchte als ein neu angehendes Mitg Familienmitglied gelten; denn es hatte sich, wie es schien, zwischen ihm und Malchen ein regeres näheres Verhältniß angeknüpft, welches die Ältern nur als ein standgemäßes und ehrenhaftes ehren- und hoffnungsvolles anerkennen mußten. Und da es sich fügte, daß er um diese Zeit, im Spätsommer, in Com auf dem nahen Hüttenwerke zu Burgberg ein Commissarikum hatte, so hoffte man, daß er wenigstens so gedachte er wenigstens einige Tage nach dem nahen Pfronten auf einige Tage in der Mitte der Familie werde zubringen zu können.

Die Großmutter war inzwischen schon einige Tage früher dahin voraus gegangen, um die nöthigen Vorkherungen zu treffen zum Empfange und der zahlreichen Familie. Sobald die Schulen geschlossen waren, säumte man nicht einen Tag mehr mit dem Lande zubringen zu können das Vergnügen des Landlebens genießen zu können.

Ankunft auf dem Lande

Die Großfamilie kommt nach Pfronten, der Heimat der Großmutter, und steigt im Gasthaus, aus dem die Großmutter herstammt, ab. Dort kommt ihnen auch schon die Oma entgegen. 8 Sie trägt Alltagstracht. Nach der Begrüßung und Unterbringung gibt es eine Mahlzeit und dann geht‘s ins Bett. Am nächsten Tag, es ist Sonntag, geniest der Vater die Morgenstimmung mit fast religiösem Empfinden und weckt dann die anderen. Nach dem Morgengebet gibt es Frühstück unter einer Linde. Von hier aus beobachtet man Leute, welche in die Kirche gehen.

… Die Reisenden langten noch zu guter Zeit Tageszeit in Pfronten an, und stiegen im Gasthause ab welcher den der Heimath der Großmutter. Als sie anfuhren, kam ihnen alsbald ein altes „Mütterle“ entgegen, die, sie in ihrer Mundart, sie alle freundlichst begüßte und jedem Einzelnen aus dem Wagen half. Sie war in der gemeinen Tracht der Gegend gekleidet, in „Kittel“, „Mieder“ und „Scharkle“, eine Pelzh „Pelzkappe“ auf dem Haupte, unter welcher ein schmaler, weißer leiner Linnen=Streif um die Stirn sich legte. Fritz, war der die wunderliche Gestalt näher betrachtete, entdeckte als erster die Vermummung. „Bist du’s Großmutter?“ „Ja, Herzele! Wer denn sonst?“ „Ey, wie siehst du so ‚wüest‘ aus!“ rief der Knabe, und warf sich freudig an ihre Brust. Nun gings an ein drücken und Herzen und Küssen die Reihe durch, unter Rührung, Scherz und Gelächter. Dann ging trat man unter Dach; und die Großmutter trippelte emsig voran, hin und her, auf und ab, um die Gemächer zu vertheilen;was sie alles gar gut angeordnet hatte. Nach einer frugalen Mahlzeit begaben sich die Reisemüden bald zu Bette -----

…„Hosen=Tottln“ und du, Malchen, die „Kittel=Tottle“ bewirthen; ihr werden drum nicht zu kurz kommen.“ Das war beyden ganz recht; und nachdem nun die Kinder zusammen ihr übliches Tischgebeth andächtig mit gesenkten Augen und gefalteten Händen verrichtet, setzte man sich zu Tische.

[alternative Version an anderer Stelle: Nachdem nun die Kinder zusammen ihr übliches Tischgebeth andächtig, mit gesenkten Augen und gefalteten Händen verrichtet, setzte man sich zu Tische.]

Des andern Morgens - es war ein Sonntag – stand der Vater schon frühe am Fenster; und er sah in die noch dämmernde Gegend hinaus, und erquickte sich an der frischen duftgeschwängerten Morgenluft. Der Morgenstern leuchtete noch am Firmamente, wie ein, von freudiger Sehnsucht befeuchtetes Auge, über den östlichen Hügeln schwebte noch ein leichtes Roth, wie an den Wangen einer keuschen Braut, wenn sie ihren Bräutigam erwartet; der in der Niederung schlummerte noch alles in kräuselnde Düfte, gleich Morgenträumen, gehüllt. – Der Vater weckte die Schläfer im Hause, daß sie Theil nähmen an dem reitzenden Schauspiele. – Schon ward es licht auf den Bergspitzen, und die Nacht das Morgenroth , der Herold des Tages, trat immer näher und heller herauf; die Flur dampfte ihren Püfer=Rauchwolken dem Kommenden entgegen; das Gevögel schwirrte auf und schwang sich zur Luftregien [?], um dem Tagsgestirnsich ihrenfreudigen Gruß darzubringen. Und sie kam///line rührende Stille, voll Andacht und Anbethung, verbreitete sich ergriff sie Alle; der Vater sprach laut das Morgengebeth, und ihm antwortete ein allgemeines „Amen!“ voll freudig, zuversichtlicher Erwartung eines sonnenhellen Tages.

Es ward beschlossen, das Frühstück unter der Linde einzunehmen, die hinter dem Hause mitten auf dem Grasplan steht. Ein Baum in vollester Kraft und Stärke, dessen dicht belaubten Äste und Zweige sich hoch erheben und weit verbreiten, doch genug noch Raum gebend zur Aussicht in die grüne Gegend, und zum Aufblick ins Himmelblau, das seine Lichter zwischen die Blätter fernnaher Thannen läßt.

Kirchgänger Männer und Frauen, in feyertäglicher Kleidung, giengen einzeln und in Gruppen zur Kirche und alle begrüßten freundlich und höflich die fremden Gäste unter der Linde.

Kirchgang

Die Steinacher Buben und Mädchen, die an der frühstückenden Großfamilie vorbei in die Kirche gehen, haben heute ihren Ehrentag. Sie dürfen in den vorderen Kirchenbänken knien. An jedem Sonntag darf dies die Jugend eines anderen Ortsteilschaft. Voraussetzung ist allerdings, dass sie sich bis dato sittlich und tugenhaft benahmen.

Die Glocke läutet und so geht auch die Großfamilie in die Kirche. Sie bekommen im Oratorium Platz. Ganz vorn sind die Kinder, dann folgen die Frauen, längs der „Porleiten“ die verheirateten Männer, auf der unteren Empore die unverheirateten Männer und auf der oberen Empore ist der „Musikchor“. Da es Königs Geburtstag ist gibt es ein besonders festliches Hochamt.

Ein zahlreicher Zug von kräftigen Jünglichen und hübschen Mädchen wie Buben und Fölen, wie sie die Großmutter nannte fiel besonders ins Auge, und erregte die Aufmerksamkeit Aller. „Es sind erst die Steinacher „Buben und Fölen [Mädchen]“, bemerkte die Großmutter, welche heute ihren Ehrentag haben. Ihr müßt nämlich wissen, daß hier in der Pfarrey seit undenklichen Zeiten der Brauch ist ein löblicher Brauch besteht, ist der viel beyträgt zur Erhaltung eines sittlichen Betragens und tadellosen Rufes unter der Jugend. An jedem Sonntage nämlich genießen die jungen Leute, nach der Reihe der Ortschaften, die besondere Ehre, die ersten Bänke in der Kirche während des Gottesdienstes einzunehmen, wobey sie denn billiger Weise in ihrem schönsten ländlichen Staat[Kleidung] erscheinen. Diejenigen welche keines guten Rufes sich erfreuen, sind davon ausgeschlossen, oder schließen sich vielmehr selbst davon aus.

Die Glocke mahnte endlich die Familie selbst zum Aufbruch in die Kirche. Man wies ihnen das Oratoarium an. Das Gotteshaus Kirche war gedrängt voll; voran die Kinder; dann in unabsehbaren Reihen, das auf beyder Seiten das weibliche Geschlecht auf beyden Seiten, gedrängt getrennt, die Männer und die Weiber, auf der Emporkirche die ledigen Burschen, dicht gedrängt; über denselben der Musik=Chor. Bey allem denn eine Ruhe, Ordnung und Andacht im Hintergrunde der Kirche, längs der „Porleiten“ die Männer; über denselben, auf der „Porkirchen“ die ledigen Burschen, und über denselben endlich der wohlbesetzte Musik=Chor. Bey allem, dem, und bey einer Menge von nahe an zweytausend Menschen, eine Ruhe und Ordnung Sitte und Ruhe eine Ordnung und Andacht, wie sie sich nur für einen Gottesdienst ziemen mögen. Da die Rural=Gemeinde an diesem Sonntage zugleich das Geburtsfest des Königs feyerte und so ward denn das Hochamt feyer feyerlicher mit mehr Pracht,

Mittagessen

Nach der Sonntagsmesse trifft man sich zum Mittagessen im Haus der Großmutter. Dort wird die Großfamilie auch von den Patenkindern der Großmutter begrüßt. Im geschmückten Saal sind zwei Tische gedeckt: einer für die Erwachsenen, der andere für die Kinder. Auf einem dritten Tisch stehen Gefäße und allerlei Gebäck. Die Großmutter sagt zu Fritz und Malchen, dass sie Typisches gekocht hat: Zarring, Hasenörle und Baurenpöppele.

Als die Familie nach Hause gekommen, war durch die sorgfältige Großmutter schon alles zu dem Mittagmahle bereitet. Sie führte die Gäste also gleich in den großen Saal, wo gespeist werden sollte.

Etwa ein Dutzend Kinder aus der Gemeinde, Knaben und Mädchen, in ihrer besten Feyertagstracht, empfingen traten ihnen entgegen und überreichten einem jeden ein Bluemsträußchen. Das sind meine „TottleTottle“ [Patenkinder] sagte die Großmutter; ich wollte sie heute an unserm Familienfeste theil nehmen lassen, was eben nicht alle Jahre geschehen. Der Saal selbst war auch durch Anordnung der sorgfältigen Groß Hausfrau mit Laubgewinden einfach verziert. Zwey Tische waren gedeckt, einer für die Familie, der andere für die Kinder; auf einem dritten standen mehrere Gefäße voll allerley Gebäckes. „Ich wollte mich einmal wieder, sagte die Großmutter, in der ländlichen Küche üben und allen meinen Kram auslegen.“ „Seht! sagte sie zu Malchen und Fritzen, die sich am nächsten zum Eingang gedrängt – das sind „Zigarring“, und das sind „Hasenörle“ und das sind „Baurenpöppele“, was wollt ihr denn am liebsten?“ „Alles zusammen“, rief Fritz, und konnte sich nicht satt sehen und satt lachen über die so wunderbaren Benennungen. „Wenn ihr beyde so wollt, sagte die Großmutter, so setzt euch an den Tottle=Tisch; du, Fritz kann magst dann die…

Vesper in der Pfarrkirche St. Nikolaus und Gang zum Friedhof9

Am Nachmittag besucht man eine „Vesper“ in der Kirche in Pfronten. Die Vesper wird dort nicht mehr lateinisch, sondern auf Deutsch gesungen.

Nach diesem Gottesdienst besichtigt die Familie die Kirche von Pfronten. Auffallend hier die klassizistische Kirchenausstattung und ein Barockbild von Pellegrini, welches allerdings nicht dem Geschmack des Onkels entspricht.

Danach geht man auf den Friedhof in Kirchennähe mit der Friedhofskapelle, ausgestattet in „deutschem Styl“.

Man versäumte nicht, der Vesper=Andacht in der Kirche beyzuwohnen, da man vernommen, daß das zahlreich versammelte Volk psalmen-ähnliche Gesänge in deutscher Sprache vortragen nach den kirchlichen Tonarten vortragen wolle Es war auch dießmal wieder die Überzeugung befestiget, daß nichts Erhebenderes gehört werden könnte, als ein solcher Volksgesang, der zumahl wie hier, mit diesem richtigen Zusammenklang der Stimmen und mit bey dieser tiefen Andacht der Gefühle in einem Tempel erschallt.

Nach der Vesper Die übrigen Nachmittagsstunden verbrachte die Familie mit Kreuz= und Quer= Gängen durch die verschiedenen Ortschaften. Man sah überall reinliche Häuser und fröhliche Menschen. Die Wohnungen, obwohl meistens nur von Holz erbauet, hatten gewinnend dadurch einen freundlichen Anstritz und dauernden Gehalt, dass die innern und äußern Wände mit Latten überzogen und, wie bey uns die Decken der Zimmer, mit Mörtel verkelidet werden. Man glaubt, gemauerte Häuser vor sich zu sehen; jedenfalls halten sie in ded langen und strengen Wintern dieser Gegend die Kälte mehr ab, als diese.

… Nach der Vesper, als das Volk größten Theils schon auseinander gegangen, besah man sich genauer die Kirche. Geräumig genug für die zahlreiche Gemeinde, nicht mit Schmuck überladen, sondern wie es zur ländlichen Sitte passt, einfach, reinlich und zierlich, bloß mit den Attributen des katholischen Gottesdienstes und der christlichen Andacht versehen, stellt diese Halle den getreuen Abdruck dar des religiösen Sinnes, der dem Volke selbst inne wohnt. Die drey Altargemälde sind beachtenswerth; besonders gefiel das Eine, die heilige Familie vorstellend, von Pellegrini [1675 – 1741]. Maria, sitzend, hält das Christkindlein auf dem Schoße, Sankt Joseph bringt Blumen und Früchte, indem das Kind darnach verlangend, nach die Ärmchen darnach ausstreckt, will die Mutter sich geberdet, streckt die Mutter den Arm aus, um sie ihm zu reichen. Der Onkel, als er die Frauen und Kinder mit Wohlgefallen an dem Bilde hängen sah, sagte tadelnd, in seiner Weise: „Zu weichlich, um dem Kunstsinne zu genügen, und zu weltlich, um Andacht zu erregen!“ „Hörst du dich wieder, eiferte die Tante gegen die Mutter, wie er uns allen Genuß verkümmern will?“

… „Lassen wir ihn, erwiederte lächelnd die Mutter, und erfreuen wir uns umso inniger an dieser lieblichen Darstellung.

Wie sollten könnten die warmen Naturgefühle durch die kalte Kunstregel je verirrt und gestört werden? Der Onkel, gern endend, wandte sich ab, und gefiel sich wie es schien, desto mehr in der Betrachtung der beyden andern Altargemälde (von Keller), Christus am Kreuz, und dessen Auferstehung darstellend, welche allerdings einem kritischen Geist mehr Raum zur Reflexion geben.

Der nächste Gang aus der Kirche ist, gemäß der Sitte frommer Gläubigen, der nach dem Gottesacker, um sich da der lieben Todten einen B zu gedenken. Die Großmutter lenkte die Ihrigen auch dahin; wobey sie nicht aus unterließ, dabey nicht, sie auf auf die Kapelle aufmerksam zu machen, die noch erst jüngst hier auf den Betrieb des würdigen Seelsorgers, durch freywillige Handreichungen der Pfarrrgenossen, ohne die mindeste Beschwerung der Gemeinde selbst, erbaut worden ist Sie ist nach einein //// altdeutschen Styl entworfen und ausgeführt, bloß mit einem freystehenden durch ein Paar Reliefs verzierten Altare versehen; Altare mit ein Paar Reliees Relief’s versehen wohl aber fesselt des Auge, zu ernster /// Gefühlen auffordert. Architekt, Bildhauer und Mahaler in Einer Person ist ein junger Künstler

… Das Kirchlein entspricht ganz seinem untergeordneten Zwecke, als Bethhaus zu dienen bey Begräbnissen oder sonstigen Privat=Andachten. In einem einfachen Style nach deutscher Art und Kunst entworfen und ausgeführt, soll es bloß mit einem freystehenden, durch ein paar Reliefs verzierten Altare versehen