Luftgefahr 15 .... -  - E-Book

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Beschreibung

Protokoll einer Luftschutzsitzung in einer deutschen Kleinstadt im Jahre 1943. Vorwort und Erklärungen zu Begriffen im Protokoll durch den Herausgeber Hubert Kupper, einem Zeitzeugen aus Hennef.

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Seitenzahl: 34

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Protokoll

Anlage 1 Bei Vollmond über Köln

Anlage 2 Polizeiliche Verfügung - Vorderseite

Anlage 3 Polizeiliche Verfügung - Rückseite

Anlage 4 Erste Seite des Protokolls

Anlage 5 Letzte Seite des Protokolls

Anlage 6 Erklärungen zu Abkürzungen u. ä. im Protokoll

Anlage 7 Ortsangaben im Protokoll

Einleitung

Luftgefahr 15 …

ich wusste bis heute nicht, was das bedeutet. Damals ging die Sirene - dreimal hintereinander 1 Minute lang – und wir Kinder wurden von unseren Eltern geweckt und in den Luftschutzkeller geführt, wo wir dann unter dem mitgebrachten Federbett und auf dem Kopfkissen zu schlafen versuchten. Motorengeräusch der herannahenden Bomber, wütendes Gebell der Flak und das Geheul und Krepieren der abgeworfenen Bomben wurden registriert, bis endlich alles leiser wurde und schließlich verstummte. Im Dämmerschlaf hörten wir dann endlich wieder die Sirene, nun war es ein langgezogener Ton, die Entwarnung. Wir wanderten wieder nach oben in die Schlafzimmer, wo wir dann ein paar Stündchen in Ruhe schlafen konnten, bis wir um 6 Uhr aufstehen mussten, um rechtzeitig in der Schule zu erscheinen. - Das war der Nachtablauf für uns ab dem Jahr 1942 bis zum Kriegsende 1945. - Bedeutete das „Luftgefahr 15“?

Heute weiß ich: Luftgefahr 15 bedeutete, dass 15 Minuten nach Sirenenalarm die feindlichen Flugzeuge mit ihrer Bombenfracht zu erwarten waren.

Seit Ostern 1942 waren wir es gewöhnt, aus unserem Schlaf gerissen zu werden, um in den Luftschutzkeller zu gelangen; ja, Ostern war es, ich hatte Kinderkommunion, da war in der Nacht ein Luftangriff auf Köln. Bei uns wurde auch Luftgefahr 15 gemeldet; deshalb waren wir im Keller. Glücklicherweise wurden bei uns aber keine Bomben abgeworfen, sondern nur Flugblätter, wie wir am nächsten Tag feststellten.

Wir, das heißt meine Geschwister und ich, gingen mit meiner Cousine aus Aldenhoven, die zu meiner Kinderkommunion gekommen war und bei uns übernachtete, in die Siegniederung, da, wo früher das Strandbad war und heute die Autobahnbrücke über die Sieg führt, und sammelten die Flugblätter ein. Was drauf stand? Ich weiß es nicht, ich kann mich nicht mehr erinnern. Zudem war es ja verboten, den Text zu lesen. Man musste unverzüglich die Flugblätter im „Braunen Haus“ an der Hitler Straße, der Nazi-Zentrale, ohne sie zu lesen, abgeben!

Ja, das war meine Kinderkommunion!

In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai war dann der von „Bomber-Harris“ initiierte „1.000 Bomber-Schlag“ auf Köln, mit einem bis dato nicht erlebten Weltuntergangs-Szenario für die schöne Großstadt.

Was die Welt später (am 30. Mai 2012) dazu schreibt, steht im Anlage 1.

Am Tag darauf, an einem Sonntag, fielen verbrannte Papierblätter, die durch die Hitze in Köln in die Luft gewirbelt waren, in unseren Garten. Ich versuchte, die Buchstaben darauf zu erkennen; aber beim Anfassen zerfielen die verbrannten Blätter ...

In Anbetracht der immer näher kommenden Fliegerangriffe, zunächst auf Köln, dann auf Troisdorf, Siegburg und schließlich auf Hennef wegen seiner vielfältigen Industrie, die mittlerweile auf Kriegskurs, das heißt kriegskonforme Produktion, eingestellt war, wurde nun auch der Luftschutz im Ort intensiviert. Dazu diente der Administration ein Gesetz zum Luftschutz aus dem Jahr 1935.

Am 27. Oktober 1942 wurden von der Polizeibehörde Hennefs die zu Hause verbliebenen älteren Männer (etwa ab 40 Jahren!) aufgefordert, sich für den Luftschutz zu engagieren. Zur Warnung gegen Protest und Ausplauderei gegenüber Dritten, wozu auch die Familie (!) gehörte, war auf der Rückseite eine Auflistung der Bestrafungsmöglichkeiten bei Nichtbeachtung aufgezählt (s. Anlagen 2 und 3!).

Warum ich das hier alles erzähle? Das kam mir in den Sinn, als ich kürzlich in meinem Elternhaus das Protokoll einer Sitzung des Luftschutzausschusses der Gemeinde Hennef, datiert vom 28. Januar 1943, fand. Da hatte mein Vater wohl teilgenommen.