Luftschlösser - Christian Krug - E-Book

Luftschlösser E-Book

Christian Krug

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Beschreibung

Turbulente Zeiten in Augsburg. Der Kulturreferent plant eine Sensation, die weltweit für Schlagzeilen sorgen soll. Ganz nebenbei strebt er den Posten des Oberbürgermeisters an. Dafür braucht er fähige Personen um sich herum: Eine Marketingfrau, ein Journalist und ein Professor stehen ihm zur Seite. Doch wie soll der Coup gelingen? Welche historische Sau soll durchs Dorf getrieben werden? Fugger, Luther, Mozart, Schaezler, Brecht, Diesel oder etwa Roy Black? Alles längst alte Hüte, mit denen im Jahr 2023 nichts anzufangen ist. Doch einer feiert seinen 450. Geburtstag: Elias Holl, der Erbauer des Augsburger Rathauses. Aber wer außerhalb von Augsburg kennt Elias Holl? Und wurde der nicht während des 30-jährigen Krieges als Stadtbaumeister entlassen? Eine unglaubliche Entdeckung soll die Bauwerke von Elias Holl und damit Augsburg in aller Welt bekannt machen.Eine bissig-satirische Komödie voll schwäbischer Ironie über Augsburger Größenwahn.

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Seitenzahl: 61

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Uraufführung am 1. März 2023 im Goldenen Saal im Augsburger Rathaus

Regie:

Sebastian Seidel

Assistenz:

Janina Strehle

Kostüme:

Amelie Seeger

Sound & Video:

Rainer von Vielen

Rollen:

Darsteller:

Susanne van Golem

Petra Wintersteller

Thorsten Freigeist

Florian Finsch

Franz Wonnegut

Jörg Schur

Bernhard Altmann

Winfried Gropper

Elias Holl, Vater

Winfried Gropper

Elias Holl, Sohn

Soner Er

Gefördert durch die REGIO AUGSBURG TOURISMUS GmbH

Ich möchte mich bei allen bedanken, die es ermöglicht haben, dass die „Luftschlösser“ Wirklichkeit werden.

Luftschlösser

oder: Make Augsburg Great Again!

Komödie von Christian Krug

in 13 Szenen

für eine Frau und fünf Männer

Inhaltsverzeichnis

Personen

Szene 1: Vergängliches Glück

Szene 2: Das Fundament wird gelegt

Szene 3: Letztes Aufbäumen

Szene 4: Das Liebespaar

Szene 5: Der Komplott

Szene 5: Fortsetzung

Szene 6: Die Gefahr

Szene 7: Die Pressekonferenz

Szene 8: Ein glückliche Paar

Szene 9: Schön ist es auf der Welt zu sein Part 1

Szene 10: Schön ist es auf der Welt zu sein Part 2 (ein paar Tage später)

Szene 11: Der Untergang

Szene 12: Die Prophezeiung

Szene 13: Wahlkampf

Personen:

Thorsten Freigeist, Kulturreferent

ein junger, ehrgeiziger, gutaussehender Politiker

Susanne van Golem, Marketingspezialistin

eine sehr gut aussehende Buisinesslady

Franz Wonnegut, Journalist

ein alternativer, handyverliebter Mitvierziger

Professor Doktor Doktor Bernhard Altmann

ein in die Jahre gekommener, angegrauter Historiker

Elias Holl, etwa sechzig Jahre alt

Elias Holl, Sohn von Elias Holl, bei Auftritt Mitte 20

Professor Altmann und Elias Holl können vom selben Schauspieler gespielt werden.

Szene 1: Vergängliches Glück

Ein Raum im Rathaus des Jahres 1631. Elias Holl tritt vor das Publikum

ELIAS HOLL:

Sie wollen wissen, was der glücklichste Moment in meinem Leben war? Warum interessieren Sie sich für mein Glück, wo Sie doch für mein Unglück verantwortlich sind? Sie wollen mich meiner Ämter entheben, Sie stürzen mich und meine Familie in Armut und Unglück und nun wollen Sie wissen, was mein größtes Glück gewesen ist?

Nicht, was die meisten und auch Sie, geehrter Rat, glauben. Als ich mit 29 Jahren Stadtwerkmeister wurde, war ich stolz. So jung und so viel Vertrauen der Stadt. Damals waren einige unter Ihnen, die mich dazu machten, obwohl es jetzt schon bald dreißig Jahre her ist. Aber was nützt es mir heute?

Natürlich war ich zufrieden mit dem Rathaus. Es steht, es wird bewundert, es ist gewaltig, ich wurde dadurch wohlhabend, fast reich. Aber was nützt es mir?

Der wirklich glücklichste Moment war vor fünfzehn Jahren, am 17. August 1615. An diesem Tag gipfelte mein Glück im wahrsten Sinne des Wortes. Es war beschlossene Sache, die Glocken aus dem Alten Rathaus in den Perlachturm umzuhängen, Sie erinnern sich, Hoher Rat. Ohne ein einziges Loch für die Gerüste in die Wände zu schlagen, gelang dies und ich sage auch heute noch, dass dies eine Meisterleistung war. 45 Zentner wog eine Glocke, der Turm im Alten Rathaus war einsturzgefährdet, einige unter Ihnen wissen es noch genau. Aber es gelang ohne Schwierigkeiten, die Glocken abzuhängen und im Perlachturm, der damals noch niedriger war, aufzuhängen. Viele von Ihnen haben es gesehen, von diesem Raum aus. Dann setzten wir innerhalb von nur drei Monaten das Turmoktogon auf. Nun strebt er in den Himmel, dieser Turm. Am 17. August setzten wir dort oben in diesen schwindeligen Höhen den goldenen Knopf auf, fast bei den Wolken. Und genau in diesen Knopf setzte ich meinen kleinen Elias hinein. Er war vier Jahre alt. Anschließend durfte er sich auf den goldenen Knopf draufsetzen.

Er jubelte und winkte hinunter, Rosina, seine Mutter, meine Frau, schaute mit Angst und Wut hinauf, aber er jubelte und winkte.

Das war der glücklichste Moment in meinem Leben. Denn ich sah die Zukunft. Meinen kleinen Sohn.

Wenn ich jetzt hier im Rathaus stehe, denke ich an die Zukunft. An das, was hier alles gesprochen und beschlossen wird. Und es beschleicht mich Angst bei der Vorstellung, dass es nicht immer die klügsten Gedanken und Sätze sind, die hier gedacht und gesprochen werden. Wie Sie es mir jetzt hier beweisen!

Szene 2: Das Fundament wird gelegt

Ein Raum im Rathaus des Jahres 2023, das Büro des Kulturreferenten. Der Kulturreferent, die Marketingspezialistin, der Historiker und der Journalist treffen sich und nehmen Platz.

KULTURREFERENT:

Meine lieben Damen und Herren, also, meine liebe Dame und liebe Herren

JOURNALIST:

Jetzt sei mal nicht so förmlich, alter Intrigant. Noch immer Franz für dich.

KULTURREFERENT:

Äh, ja, natürlich, also: Meine liebe Dame, lieber Herr Professor, lieber …

MARKETINGSSPEZIALISTIN:

Zu mir brauchst du auch nicht so förmlich sein, du weißt doch, wie ich …

KULTURREFERENT:

Ja natürlich, liebe Susanne …

MARKETINGSSPEZIALISTIN:

Für dich noch immer Susi!

KULTURREFERENT:

Liebe Susi, lieber Franz, lieber Herr Professor …

HISTORIKER:

Kennen sich hier alle schon?

MARKETINGSSPEZIALISTIN:

Mehr oder weniger gut.

JOURNALIST (mit eindeutigem Blick auf MS):

Weniger gut, aber hoffentlich bald mehr!

KULTURREFERENT:

Darf ich nun?

Ich danke Ihnen und Euch vielmals, dass Ihr meiner Einladung zu diesem kleinen, sehr informellen Treffen gefolgt seid. Ich darf betonen, dass es sich um eine wirklich völlig unverbindliche Einladung handelt, aber gestattet mir trotzdem, dass ich Euch heute hier zu einem Kaffee oder Tee oder ….

MARKETINGSSPEZIALISTIN:

Darf es auch ein Glas Champagner sein?

KULTURREFERENT:

Aber selbstverständlich, selbstverständlich.

JOURNALIST:

Ein Bier?

KULTURREFERENT:

Aber natürlich auch dies, mein lieber Franz. Alles was Ihr wollt.

Also, ein kleines informelles Treffen, bei dem aber die Weichen für ganz Großes gestellt werden sollen! Mit Ihnen und Euch … darf ich Euch sagen? Ja? Das macht alles einfacher.

MARKETINGSSPEZIALISTIN:

Aber natürlich, Thorsten. Susi für alle!

JOURNALIST:

Franz.

HISTORIKER:

Professor Doktor Doktor Altmann, aber wenn Sie unbedingt meinen: Bernhard.

KULTURREFERENT:

Ich danke Euch. Ich sehe schon, dass wir wunderbar zusammenarbeiten werden. Also, kommen wir gleich in media res …

HISTORIKER:

Medias in res.

KULTURREFERENT:

Ja, äh, Medias in res. Ich habe es in meinem Einladungsschreiben ja schon kurz angedeutet.

HISTORIKER:

Könnten wir zuerst die Formalitäten klären?

KULTURREFERENT:

Was meinen Sie, äh, was meinst Du, Bernhard?

HISTORIKER:

Ein Historiker hat kein Stundenhonorar wie ein Arzt oder ein Rechtsanwalt

KULTURREFERENT:

Äh, ja, hähä, natürlich, natürlich. Da wollte ich ja gleich dazu kommen. Nicht das einzige Treffen, nein. Ich wollte Ihnen, äh Euch also zuerst vorstellen, was ich …

JOURNALIST:

Könnten wir uns nicht zuerst gegenseitig vorstellen? Du kennst ja alle, Thorsten, aber mir sind die beiden Herrschaften, also insbesondere die Dame, nicht bekannt, hoffe aber, dass sie mir bald näher bekannt sein wird (mit entsprechend anzüglichem Blick auf sie, die den Blick erwidert).

KULTURREFERENT:

Äh, ja, Franz, natürlich, du hast ja so recht. Immer Fragen stellen, immer über alles Bescheid wissen. Genau dein Metier. Also, dann fang doch gleich an: Gestatten: Franz Wonnegut, seines Zeichens einer der innovativen Journalisten für den Kulturbetrieb, aber auch für die Politik in unserer schönen Stadt bei der führenden hiesigen Zeitung, bitte!

JOURNALIST:

Ja!

KULTURREFERENT:

Und, Franz?

JOURNALIST:

Und was?

KULTURREFERENT:

Du wolltest dich vorstellen.

JOURNALIST:

Franz Wonnegut, investigativer Journalist für Kultur, Politik und Lokales bei der hiesigen, führenden Zeitung.

KULTURREFERENT:

Das habe ich ja schon gesagt.

JOURNALIST:

Ja, und dem gibt es nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass ich immer an verdammt guten neuen Stories, also neuen Geschichten mit offenem Ausgang interessiert bin (Blick auf sie).

KULTURREFERENT: