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Seine 30 neuen biblischen Kurzgeschichten in Kurpfälzer Mundart versteht der Mundartpfarrer Oskar Ackermann als "Drum-rum-Verzählunge". Sie möchten määner, d.h. mehr und anders sehen lassen, verlassen die gewohnten Perspektiven und nehmen einen anderen Blickwinkel auf die originalen Bibeltexte ein. Bei seinem Erzählen springt er zwischen der biblischen und der heutigen Zeit hin und her, fügt in die Handlungen Nebenfiguren oder ganz neue Akteure ein. So ist ihm beim Fabulieren seine Phantasie unter der Hand "drum-rum-gegangen"; bei alten Fragen stößt er auf neue und überraschende Antworten. So sieht sich der Noah beim Ausbau seiner Arche mit dem Problem konfrontiert, wo und wie er die Katzen und Mäuse, die Wölfe und Schafe unterbringen kann. Und hat Jesus bei seinem Besuch der Schwestern Maria und Martha nach dem Essen vielleicht beim Abwasch geholfen? Bei der Hochzeit zu Kanaa holt der Jünger Bartholomäus, de Barthel, für seine Mitjünger der Wein, der zunächst wie saurer Most schmeckt. Findet der junge Mann Gad nach seiner Heilung von der Lepra seine geliebte Esther wieder? Und der zwölfjährige Emil will nicht Trompete spielen, sondern wie die Israeliten vor den Mauern von Jericho die Posaune.
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Seitenzahl: 163
Veröffentlichungsjahr: 2022
Oskar Ackermann
Määner sehe
Määner sehe
30 biwwlische G‘schichtle drum-rum verzählt im symbadische Kurpfälzisch vum Mundartpfarrer
Oskar Ackermann
Fotos aus de Region vum Michael Anselm
© 2022 Oskar Ackermann
© 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Bibelzitate: Lutherbibel, revidiert 2017
Lektorat: Wiebke Möhr-Ackermann
Fotos: Michael Anselm
Verlag & Druck: tredition GmbH,
Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN Softcover: 978-3-347-69761-4
ISBN Hardcover: 978-3-347-69762-1
ISBN E-Book: 978-3-347-76583-2
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Inhalt
Vorwort
NOGUGGE
1 Oh, wie is des schee
Der Garten Eden: 1. Mose 2, 4b–9.15
2 Siehschd‘ aa de Regeboge?
Der Bund Gottes mit Noah: 1. Mose 9, 12–16
3 Gugg e Mol do no
Mose schaut das gelobte Land: 5. Mose 34, 1–8
4 Määner wie Spatze
Sperlinge: Matthäus 10, 29–31
Die Vögel unter dem Himmel: Matthäus 6, 26
5 Nunner schlupfe
Henne und ihre Küken: Matthäus 23, 37 b
6 Un dann kräht de Giggler
Die Verleugnung des Petrus: Markus 14, 29–31.66–72
7 Wer hod bei de Tauf die Tauwe g’sehe?
Jesu Taufe: Markus 1, 9–11
ZUHORCHE
8 Die schee Reis nach Jerusalem
Der zwölfjährige Jesus im Tempel: Lukas 2, 4–55
9 Er hod’s druff
Die Hochzeit zu Kana: Johannes 2, 1–11
10 So en gute Hirte
Vom verlorenen Schaf: Lukas 15, 3–6
11 Gott sei Ehr und Dank!
Die zehn Aussätzigen: Lukas 17, 11–19
12 Un d’Mardel dud s’Tischgebet spreche
Maria und Marta: Lukas 10, 38–42
13 Em Lensche sei G’schicht
Maria Magdalena: Johannes 20, 1–18
14 Ned bloß en Aadebei
Die Nachwahl des zwölften Apostels Matthias: Apostelgeschichte 1, 15–26
15 De Kämmerer pfeift e fröhlich Melodie
Der Kämmerer aus Äthiopien: Apostelgeschichte 8, 26–39
16 Versproche is versproche
Paulus auf der Insel Kreta: Apostelgeschichte 27, 4–8
Paulus, der Diener Christi: 2. Korinther 11, 2 –29
17 S’is aa so recht
Theophilus und Lukas: Lukas 1, 1–4; Apostelgeschichte 1, 1–2
18 Bist du des wirklich?
Timotheus: Kolosserbrief 1, 1–2; 3, 16
19 In d–moll
Jericho wird erobert: Josua 6, 1–5
UFFBASSE
20 Is’er des wirklich?
Der Hauptmann unter dem Kreuz: Markus 15, 22–39
21 Was hod mein Nachbar do uff Golgatha z’suche?
Joseph aus Arimathäa – Jesu Grablegung: Lukas 17, 11–19
22 Schlawiner bleibt Schlawiner
Judas Iskariot: Markus 14, 10–11.17–21.43–47
23 E Nervesäg?
Thomas: Johannes 20, 24–29
MITMACHE
24 So is’se, d‘Lydia
Die Bekehrung der Lydia: Apostelgeschichte 16, 14–15
25 Alle derfe kumme
Die Segnung der Kinder: Markus 10, 13–16
26 Uff’s Dach g’stiege
Heilung eines Gelähmten: Markus 2, 1–12
27 Wie geht des – barmherzig sei?
Der barmherzige Samariter: Lukas 10, 26–37
28 Sie sin halt Brüder
Die Familie Jesu: Markus 6, 3
Paulus trifft in Jerusalem Petrus und Jakobus: Galater 1, 18–20
29 Hättst du do de Noah sei welle?
Die Arche Noah: 1. Mose 6, 5–8.19
30 Jedes kann en Engel sei
Erzengel Gabriel und Michael: Lukas 1, 19.26–28;
Offenbarung 12, 7–12
Standortverzeichnis der Fotos
Worterklärungen
Über den Autor
Über den Fotografen
Vorwort
Määner sehe – unter diesem Titel fasse ich meine dreißig neuen biblischen Kurzgeschichten zusammen. Ich nenne sie gern Drum-rum-Verzählunge, in denen wir vielleicht mehr und anderes sehen können, wenn wir die gewohnte Perspektive verlassen und einen anderen Blickwinkel auf die Botschaften der bekannten biblischen Texte einnehmen. Ich stelle daher die Bibelzitate aus dem revidierten Luthertext meinen Mundartgeschichten voran.
Beim Erzählen meiner Geschichten springe ich zwischen der biblischen und der heutigen Zeit hin und her, ich lasse die Handlungen auch von Nebenfiguren und aus ihrer Sicht erzählen und füge ganz neue Gestalten hinzu. Ich stelle mir das soziale Umfeld der handelnden Personen vor und wie es sich durch die erzählten Ereignisse verändert haben könnte. Kurz, ich hatte meine Freude daran, wie beim Fabulieren meine Phantasie unter der Hand mit mir drum-rum gegangen ist; wie ich bei alten Fragen auf neue und überraschende Antworten kommen konnte. Wenn es mir dabei gelungen ist, die biblischen Texte spielerisch näher an uns Kurpfälzer heranzuführen – und sie damit verständlicher, lebendiger und menschlicher zu machen, so freue ich mich darüber. Glauben ist ja ein lebendig Ding, das an jedem Tag nicht nur aufs Neue bestätigt wird, sondern auch immer wieder seine Zweifel und Fragen erlebt und durch das Gebet hoffend und befreit wieder aufatmen kann. So bleibe ich als Mundartpfarrer auch bei meinen Drum-rum-Verzählunge meinem alten Auftrag verpflichtet, die Frohe Botschaft den Menschen auf meine besondere Weise zu verkündigen.
Die Mundart, die ich schreibe und spreche, lässt sich nicht auf einen einzelnen bestimmten Ort festlegen oder allein einer bestimmten Region zuordnen. In vielen Gegenden unserer badischen Heimat habe ich gelebt, gearbeitet und mich immer bemüht, mit den Menschen dort auch in ihrem Dialekt zu sprechen: im Neckar-, Main-, Murg-, Oos- und Wiesental, zuletzt in der Rheinebene. Ich verbrachte Jahre im Odenwald, Kraichgau und Südschwarzwald. Das alles hat in der Sprache meiner Mundarterzählungen seine Spuren hinterlassen. In den letzten dreißig Jahren ist das kurpfälzische Brühl mein Zuhause geworden. Aber meine Mundart nenne ich gerne ein symbadisches Kurpfälzisch, in dem viele Regionen sprachlich mitschwingen. Dass ich in der sog. Kleinen Kurpfalz aufgewachsen und darum eigentlich ein Neckartäler und Odenwälder bin, hören Kenner bei mir immer noch heraus.
Mundart in Buchstaben zu pressen, ist ein schwieriges Unterfangen. Mundart lebt vom gesprochenen Wort und dem lebendigen Gespräch, sie braucht die Zwischentöne und die unterstreichende Gestik. Das fehlt dem geschriebenen Text. Ihn still zu lesen, gelingt den wenigsten, doch ihn leise mitzusprechen und sich so hineinzuhören, wird von vielen erfolgreich praktiziert. Deswegen habe ich meine Schreibweise etwas vereinfacht. Dass ich meine eigenen Schreibregeln nicht immer konsequent eingehalten habe, ist der gelebten symbadischen Vielfalt und Liberalität geschuldet.
Auf den Seiten 145ff. habe ich für einige besondere Mundartausdrücke Worterklärungen angefügt.
Mein Freund Michael Anselm hat wieder seine Bilder zu diesem Büchlein beigetragen. Er ist mit seiner Kamera zu allen Tagesund Nachtzeiten unterwegs gewesen, um Bekanntes und weniger Bekanntes von Brühl und Rohrhof aus einem oft überraschenden Blickwinkel aufzunehmen. Selbst der Einheimische wird sich oft überlegen müssen, wo Michael mit seiner Kamera gestanden hat. Auch er will mit seiner fotografischen Arbeit määner sehe lassen und – wie ich mit meinen Erzählungen – ermutigen, Vertrautes und oft Unbeachtetes neu zu entdecken. Für die stets einvernehmliche Zusammenarbeit beim Entstehen dieses gemeinsamen Buchprojekts bin ich Michael zu großem Dank verpflichtet.
Auf den Seiten 143f. ist nachzulesen, was die Aufnahmen zeigen und wo sie entstanden sind.
Meine Frau Wiebke Möhr-Ackermann hat wieder das Lektorat übernommen. Es waren spannende Gespräche zwischen einer gebürtigen Bremerin und einem bekennenden Kurpfälzer beim gemeinsamen Korrekturlesen. Auch ihr danke ich ganz herzlich.
Oskar Ackermann
Mundartpfarrer
Brühl / Baden, im November 2022
Nogugge
1
Der Garten Eden 1.Mose 2, 4b–9.15
Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Feld war noch nicht gewachsen. Denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Strom stieg aus der Erde hoch und tränkte das ganze Land. Da machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.
Und Gott der Herr pflanzte einen Garten Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, die verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten in den Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen.
Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.
Oh, wie is des schee!
Des sin schon uendlich viel G‘schichtle, die üwwerall uff de Welt verzählt were, wie unser Erd un s’All entstande sei keend. Sie sin alle schee un interessant. Es wimmelt bei dene Schöpfungsmythe nur so vun Götter, Halbgötter, G‘stirne, Geister, Riese, Elfe un was sunst noch alles. Un unser heutig Wissenschaft dud uns erkläre, dass es en saumäßige Urknall g‘west sei. Alla gut.
Unsa Biwwel sieht die Sach so, dass Gott de Herr Himmel un Erde g‘schaffe hod un zwar allein durch sei mächtiges Wort. Des wird sogar uff zwee Arte im erste Buch Mose verzählt. Warum aa ned? Es bleiwe jo immer Froge offe. Drum kann die schee G‘schicht vum Garte Eden heitzutag scho e bissele anders verzählt, verstanne un g’hört were.
Uff ä Mol steht do de Adem, de erste Mensch. Er is noch e bissele dreckig vum Staub, aus dem’er g‘macht wore is. Mit große Auge un offener Gosch guggt’er irgendwie hilflos um sich. Vorsichtig berührt’er mit de Händ sei Nas’, in die de Herrgott, sein Schöpfer, grad ewe s’Lewe in’en neigebloose hod. Er wollt’en noch festhalte un paar Frooge stelle, doch des ging ned – er wor scho wieder fort. Noch paar tiefe un gründlische Schnaufer schüttelt’er sich un geht noch usischer sei erste Schritt ins Lewe. En Naturgarde un en Zoo dud’en do empfange.
Was’er ned alles sehe kann un entdecke dud! Do schießt Wasser aus’em Bode; er trinkt hordisch en Schluck dodevu. Dort uff de feuchte Erd wächst Grünzeug – Kräuter mit große un kleene Blätter, Salat, Gelberüwe, Bohne, Erbse, Peterle un noch määnder. Niedrische un hohe bunte Blume blühe; Biene un Mugge fliege rum. E Stickle weiter uff’em Feld, des mehr stauwisch is, stehe Sträucher un Bääm, an dene Frücht hänge. Er guggt un staunt un traut sich noch ner Weil, ebbes abz’pflücke un z’esse. Es schmeckt – un wie! Oh, wie is des alles schee, do lässt sich’s gut lewe, denkt de Adem.
Er entdeckt noch määnder: Mäus, Schnegge, Schnooge, Ameise, Vöggel, Fisch, Schlange, Reh, Schöf, Löwe; d’Vire un Bakterie kann’er noch ned sehe, sie sin awwer aa schun do! Verschregge dud’er ned. Er lässt alles uff sich wirke – die Luft un Düft, des Summe un Brumme, des Pfeife un Brülle. Was sich do vor’em enfalte dud, is Gottes gute Schöpfung, zu der de Mensch aa g’höre dud. Do hod jedes sei eige Plätzle un sein Lewensraum, den mer aa mit annere zu teile hod in de weite Natur. Jede Kreatur lebt ihr Lewe, dud sich fortpflanze un hod doch ihr begrenzt Zeit. De Herrgott werd’s scho richte, moint de Adem.
„Du musst awwer dodefier aa was du un selwer ebbes beitrage, damit’s so bleibt!“, hört’er de Herrgott sage. „Du lebst nämlisch vun de Natur un mit de Natur. Drum geb ich der den b’sunnere Ufftrag, des alles im Garde Eden zu bebaue, zu bewahre un in Schuss zu halte. Was’d jetzerd sehe tust, werd awwer alles noch größer un mächtiger were, wachse un sich prächdisch entfalte. Pass also gud uff un du dein Kopp eischalte. Ich halt mich jetzerd mol eher z’rück, b’halt awwer alles im Blick.“
So e groß Vertraue dud de Herrgott seit jeher in d’Mensche setze un werd doch immer wieder durch se enttäuscht. Doch sei Vertraue un sei uendlich Liewe zu’ene bleibt b’stehe. Hoffentlisch pagge se’s mol endlisch, die Erd mit wirklisch gutem, sauwere un friedliche Lewe zu fülle – wie es domols im Garde Eden war! Oh, wie wär des schee! De Herrgott däd’s aa freue.
(1) Es is Gottes gute Schöpfung.
2
Der Bund Gottes mit Noah Der Regenbogen 1. Mose 9, 12–16
Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe. Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist. Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet zwischen mir und allem Fleisch auf Erden.
Siehschd‘ aa de Regeboge?
Ich hab mol wieder in de Grundschul meine Kinner die G‘schicht vun de Arche Noah un dem Regeboge verzählt. Am End meldet sich en Bu, dem sei Familie aus Eritrea g’flüchtet wor, un sächd: „Wenn man in meiner Heimat einen Regenbogen sieht, sagt man, dass eine junge Gazelle geboren wurde.“
Des hab ich mer gut g’merkt un s‘zählt zu dene viele scheene Regebogeg’schichtle, die ich g’hört, g‘lese oder selwer erlebt hab. Unendlisch viel Regeboge hab ich schun beobachtet – uff de Höh, im flache Land, am Meer un in de Städt. Jeder war uff sei Weis schee un b‘sunnerscht, aa wenn er mol nur halb z’sehe war.
In Heidelberg bin ich mol uff de Neckarwies g’loffe un steig an de Theodor-Heuß-Brück d’Staffel nuff un gugg ins Tal hinner. Und do seh ich uff ä Mol en große un prächtige Regeboge, der sich vum Schloss üwwer de Neckar nüwwer zum Heiligeberg spanne dud. Die Farwe strahle ganz hell. Ich bleib stehe, du dief durchschnaufe un häd am liebste e lauts Halleluja g’sunge. Er strahlt so hell un klar, de Boge.
Was der jetzerd alles mitenanner verbinne dud, geht mer dursch de Kopp. An was alles des prächtig Farwespiel uns Mensche erinnere will. Vun uralte Zeite verzählt’s un verspricht uns, dass des, was mir heit erlebt un g’sehe hawwe, aa morje un for unendlich viele Generatione noch gelte soll.
Selles Mol hod jo Gott dem Noah des groß Verspreche g’macht, dass es uff de Erd kei Sintflut mehr gewwe soll, die alles ratzebutz zerstöre un vernichte dud. Also er will des uff jeden Fall nimmer. Er will bewahre un schütze. Des is sei Verspreche un de Regenboge dud’en immer wieder dro erinnere.
Awwer hej, ihr Mensche, gebt aa ihr euern gute Teil dezu, damit’s uff de Welt ned nur Fortschritt uff Fortschritt gewwe dud, immer mehr Rekorde un unnötische Firlefanz, Abfall, Dregg un Müll. D’Natur un d’Schöpfung brauche aa ihr Ruh un Zeit zum Lufthole. So wie mir Mensche aa.
Ich gugg wieder zum Neckar un mir falle die viele große un kloine Hochwasser oi, die ich selwer erlebt hab oder vun dene ich die Markierunge am Ufer ablese kann. Ich seh die Schiff uff em Neckar un denk an die viele Schleuse, die de Fluss gezähmt hawwe. Als Kinner hawwe mer noch ohne Problem im Wasser bade un schwimme kenne. Alla gut, s’Wasser is in de letzte Johr wieder sauwerer worre. Doch wer am Ufer uff dem alte Leinpfad spaziere gehe dud, der dud’s vermisse, dass do im un um’s Wasser nimmer so viel Fisch, Frösch, Libelle un viele annere Tierle sich rumtummle. Un d’Wiese hawwe viel vun de bunte Artevielfalt an Gräser un Kräuter, vun dem lebendische G’wussel an Biene, Käffer un Schmetterling verlore.
Laaf ich dann owwe am Berg un im Wald lang, erleb ich des Tal nur uff de erste Blick noch als so lieblich. Bal hör ich des Rausche vun dem fast endlose Autoverkehr. Un ich entdeck in de Bääm immer mehr Lügge durch Sturmbrüch un abg’storbene Äscht. Vor meine Auge steht wieder de Regeboge, der sich üwwer moin Neckar spanne dud. Jo, er is e scheens Zeiche un e klar Erinnerung, dass mir Mensche die gut Schöpfung mit allem bunte Lewe bewahre un erhalte solle. Ned nur bei uns dehoim, sondern in alle Landschafte weltweit – aa bei dene kleene Gazelle.
3
Mose schaut das gelobte Land und stirbt 5. Mose 34, 1–8
Und Mose stieg aus den Steppen Moabs auf den Berg Nebo, den Gipfel des Gebirges Pisga, gegenüber Jericho. Und der Herr zeigte ihm das ganze Land: Gilead bis nach Dan und das ganze Naftali und das Land Ephraim und Manasse und das ganze Juda bis ans Meer im Westen und das Südland und die Gegend am Jordan, die Ebene von Jericho, der Palmenstadt, bis nach Zoar. Und der Herr sprach zu ihm: Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe: Ich will es deinen Nachkommen geben. – Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber du sollst nicht hinübergehen.
So starb Mose, der Knecht des Herrn, daselbst im Land Moab nach dem Wort des Herrn. Und er begrub ihn im Tal, im Lande Moab gegenüber Bet-Peor. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag. Und Mose war einhundertzwanzig Jahre alt, als er starb. Seine Augen waren nicht schwach geworden, und seine Kraft war nicht verfallen. Und die Israeliten beweinten Mose in den Steppen Moabs dreißig Tage, bis die Zeit des Weinens und Klagens über Mose vollendet war.
Gugg e Mol do no
De Mose werd scho ins Schnaufe kumme sei, als er den 808 m hochen Berg Nebo nuff g’stiege is. Er weeß, was’en do owwe erwarte dud. Der Herrgott hod’sem jo selwer og’kündigt. Awwer was’em s’Laafe so schwer macht, sin die viele Erinnerunge, die er in sich drin trage dud – Bilder von Freud un Leid, Kämpf un Sieg, Verzweiflung un Hoffnung, Glaawe un Liewe. Es is aa selles Verspreche Gottes vum globte Land, in dem Milch un Honig fließe solle un in des sei Volk jetzerd neiziehe derf nach all dene Entbehrungen während de ledzschde värzisch Johr. Wie oft hod’er sich des ausg’molt! Wie werd’s wohl wirklich aussehe?
Wenn’er jetzerd scho g’wussd häd, was spätere Generatione alles üwwer’n verzähle were un was sie in’em sehe welle – Religionsstifter soll’er sei, G’setzgewer mit de zäh Gebot, Führer, Prophet, Werkzeug vun Gott, en leidende Gottesknecht, aa Wunnertäter un so – jo, do wär sein Buggel arg krumm g’west. Awwer er häd driwwer nochg‘denkt un sich g’sagt, dass alle Mensche G‘schichte, Bilder un Vorbilder brauche, in dene sie ihr’n ganze Glaawe an Gott, all ihr Lewenserfahrungen mit seine Höhe un Tiefe unnerbringe un fest mache kenne.
Er hod’s jetzerd g’schaffd un is owwe. Er dud erschd e Mol kräftig Luft holle un wischd sich dann de Schweiß vun de Stirn un aus de Auge. Er konn noch nix sehe un groß erkenne. Als’er awwer d’Stimm vum Herrgott höre dud, werd’em alles klar: „Gugg e Mol, Mose! Was siehschd’? Des do is selles Land, wu ich dem Abraham, dem Isaak un dem Jakob ganz fest versproche hab.“ In hellem Licht kann de Mose awwel des Jordantal un die dahinner liegend Gebirgszüg erkenne, aa Jericho un s’Tote Meer. Groß Freud un Dankbarkeit dud’en erfülle. „Do were also mei Kinner Israels künftig wohne, endlich; awwer ich werd des nimmer erlewe. Sehe derf ich s’globte Land, hod de Herrgott g’sagt, awwer drüwwe mit nei’gehe – des ned. Ich denk mer, dass’er sei Gründ dodefier hawwe dud.“ In stiller Demut nimmt’er aa des aus Gottes Hand.
Menscheseelealloi hod er dann for immer sei Auge zug’macht. Nur de Herrgott war bei’em. Er hod’en aa noch selwer begrabe unne im Tal. Koi groß Leich war’s, eher so e hordisch Versteggle. Niemeds hod’s je erfahre, wu gnau sei Grab sei keennd. Awwer d’Israelite hawwe noch dreißisch Täg mit Heule un Klage sein Tod betrauert.
Die Red un die Träum vum g’lobte Land, in dem alles scheener, besser un g‘rechter sei werd, hawwe sich bis in unser heitisch Zeit g’halte. In wieviel Lieder un Songs werd die tief Sehnsucht nach sellem versprochene Land b’sunge!
