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Die 25 biblischen Geschichten erzählen in Kurpfälzer Mundart neu und anders von bekannten Personen der Bibel. Dem Mundartpfarrer Oskar Ackermann gelingt dabei eine erfrischende Mischung aus nötigem Respekt und schmunzelndem Humor. Wer genau hinhört, kann Parallelen zu unseren heutigen vielfältigen Lebensgeschichten erkennen. Die Titelerzählung will anregen, auch eigene Wege des Glaubens zu gehen und wie ein schwungvoll geworfener Stein über das Wasser zu tänzeln.
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Seitenzahl: 171
Veröffentlichungsjahr: 2019
Oskar Ackermann
Üwwer’s Wasser dänzle
Üwwer’s Wasser dänzle
25 biwwlische Gschichtenei verzählt im symbadische Kurpfälzischvum Mundartpfarrer
Oskar Ackermann
Fotos aus de Region vumMichael Anselm
© 2019 Oskar Ackermann
Redaktion: Wiebke Möhr-Ackermann
Fotos: Michael Anselm
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44,
22359 Hamburg
ISBN
Paperback ISBN
978-3-7497-8032-7
Hardcover ISBN
978-3-7497-8033-4
e-Book ISBN
978-3-7497-8034-1
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Kapitel I
Babylonisch’s Gebabbel
Kapitel II
Sara zieht mit
Kapitel III
Jakob – vum Erzgauner zum Erzvadder
Kapitel IV
D’Rut will unner d’Haub
Kapitel V
Hanna singt wie e Engele
Kapitel VI
Awwel dud’s
Kapitel VII
Du bischd bei mer (Psalm 23)
Kapitel VIII
Absalom verrennt sisch
Kapitel IX
Was macht de Daniel in de Lööwegrub?
Kapitel X
Sannsche geht bade
Kapitel XI
Jona will nix wie weg
Kapitel XII
Elsbeth löffelt weiße Kees aus ihrm Haffe
Kapitel XIII
D’Weihachtsgschicht
Kapitel XIV
Wer macht jetzerd die Kass?
Kapitel XV
Geb endlisch Ruh!
Kapitel XVI
Sin des wirklisch mei Kinner?
Kapitel XVII
Pass doch uff!
Kapitel XVIII
S’Ledzschde gewwe
Kapitel XIX
Mer muss sisch bloß z’helfe wisse
Kapitel XX
Bartimäus muss jetzerd saumäßig brielle
Kapitel XXI
De Kephas dud üwwer’s Wasser dänzle
Kapitel XXII
Rachel dud’s verspreche
Kapitel XXIII
Paulus sieht jetzerd sein neie Weg
Kapitel XXIV
Kephas hipfd üwwer sein Schatte
Kapitel XXV
So solld’er bete
Worterklärungen
Biblische Fundstellen
Über den Autor
Vorwort
„Uff de Gass“ lernte ich als Kind die Kurpfälzer Mundart, zu Hause wurde in der Regel Hochdeutsch gesprochen. „Uff de Kanzel“ predigte ich im Mai 1989 zum ersten Mal auf Kurpfälzisch. Ich verstand es zunehmend zu schätzen, dass die Mundart eine lebendige Sprache mit aussagekräftigen und einfachen Bildern ist, die viele Zwischentöne und Andeutungen ermöglicht und näher am Leben der Menschen ist.
Meine mundartliche Heimat sehe ich in Mosbach-Neckarelz in der sog. Kleinen Kurpfalz, wo die Familie meiner Mutter seit Jahrhunderten ansässig ist. Wenn ich in meiner Universitätsstadt Heidelberg bin, den Neckar rieche und die bewaldeten Höhen des Kleinen und des Großen Badischen Odenwalds sehe, fühle ich mich ganz einfach glücklich.
In 36 Berufsjahren als Pfarrer lernte ich viele Teile der badischen Heimat kennen und schätzen: das Neckartal und den Kraichgau, das Murgtal und Baden-Baden, das Wiesental im Südschwarzwald und zuletzt das Kurpfälzer Kernland mit Brühl. Überall begegnete ich Menschen, die ihre jeweils eigene Muttersprache pflegten. Wenn ich mit ihnen ins Gespräch kam, nahm ich gerne die Eigenarten und Redewendungen ihres Dialekts auf. So kam es, dass meine Mundart sich nicht allein auf einen Ort festlegen lässt. Die anderen badischen Regionen sind immer noch herauszuhören. Ich sage darum gerne, dass ich ein „symbadisches“ Kurpfälzisch pflege.
Für die Umsetzung in Schriftform erfand ich eigene Regeln, die ich aber nicht immer konsequent eingehalten habe.
Insgesamt siebzehn Jahre war ich im südbadischen Wiesental, der Heimat des Johann Peter Hebel, tätig. Die alemannische Mundart hörte ich zunächst einmal nur staunend, lernte aber bald, sie zu verstehen und dann auch etwas zu sprechen. Die Selbstverständlichkeit, mit der dort dieser Dialekt auch bei offiziellen Anlässen verwendet wird, faszinierte mich. Ich lernte im Wiesental zwei Pfarrer kennen, die auch auf Alemannisch predigten. Das ließ in mir einen geheimen Wunsch aufkommen. Ich erfüllte ihn mir, als im Mai 1989 meine Mutter an einem Sonntag Geburtstag hatte und ich darum in meiner Heimatgemeinde Neckarelz den Gottesdienst in der Martinskirche übernahm. Während meiner Predigt wechselte ich zur Überraschung der Gemeinde in die heimatliche Mundart über. Zahlreiche Rückmeldungen bestärkten mich. Nur meine Mutter meinte: „Muss des sei?!“
Im Sommer 1990 zog ich vom badischen Oberland zurück ins Unterland nach Brühl. Hier begann ich im Mai 1991 zu bestimmten Gelegenheiten in Kurpfälzer Mundart zu predigen. Im Lauf der Jahre sammelten sich 32 Predigten an, die ich in insgesamt 23 Gemeinden der Kurpfalz hielt. Im Oktober 2017 beendete ich nach 50 Jahren endgültig meinen Predigtdienst. „Nix wie weg“ hieß das Thema meiner letzten Mundartpredigt über den Propheten Jona. Ich beherzigte damit den altbewährten Rat, mit einer Sache aufzuhören, solange sie (noch) gut und schön ist.
Die Idee, Teile meiner Mundarttexte zu veröffentlichen, trug ich lange mit mir herum. Im Frühjahr 2018 wurde die Planung zu diesem Buchprojekt konkret. Ich begann, die Hälfte meiner Mundartpredigten zu kürzen und zu biblischen Nacherzählungen umzuarbeiten. Einige Geschichten schrieb ich ganz neu. Sie haben zwar noch einen biblischen Bezug, sind aber in freier Phantasie ausgestaltet. Ein Prediger ist zur Texttreue verpflichtet, ein Erzähler darf sich Freiheiten erlauben.
ALTE BRÜCKE & SCHLOSS | HEIDELBERG
Zu meiner großen Freude konnte ich Michael Anselm zur Mitarbeit an dem Buchprojekt gewinnen. Er ist seit vielen Jahren ein exzellenter Fotograf, dessen Arbeiten ich sehr schätze. Gemeinsam entwickelten wir das Konzept für die Bilder in diesem Buch. Es sind in der Regel aktuelle Aufnahmen aus der Region in und um Brühl und Schwetzingen, die alle einen – manchmal verdeckten – Bezug zu den Erzählungen haben.
Meine Frau Wiebke war von Anfang an in mein Vorhaben mit eingebunden. Mit ihrer fachlichen Kompetenz gab sie mir manchen Rat, übernahm redaktionelle Aufgaben und stellte zuletzt eine druckfertige Vorlage zusammen. Ich bin ihr wie auch Michael Anselm zu großem Dank verpflichtet.
Ich wünsche allen, die dieses Buch in die Hand nehmen, viel Freude und manches Schmunzeln beim Lesen der Texte und Betrachten der Fotografien. Es möchte anregen zum Nachdenken „über Gott und die Welt“, zum Erinnern an bekannte und vielleicht vergessene biblische Geschichten. Vielleicht erinnert es auch daran, dass unser Glaube uns befähigen kann, wie ein Kephas-Stein „üwwer’s Wasser z’dänzle“.
Brühl / Baden, im November 2019
I
Babylonisch’s Gebabbel
De Turmbau vun Babel
Als alles vor gonz langer Zeit ogfange hod, do hawwe sich die paar Mensche, die’s gewwe hod, gut mitenanner verstanne. Es gab bloß ä Sprooch. Die Familie sin immer größer gworre. Jäger un Sammler ware se. Un so sin die eene do un des annere dort hänge gbliewe an jeweils annere Ort.
Dann uff ä Mol sächd sich so en Stamm: Mir suche uns ganz neie Siedlungsplätz, wu mer besser lewe kenne. Alla, Leit, mir gehe jetzerd Rischdung Oste. Des war die erschd Völkerwanderung. Sie sin gloffe, hawwe gsucht, Entbehrunge uff sich gnomme, Hunger un Dorschd ghabt, bis se was Gscheits for sisch gfunne hawwe: e groß Ebene, die Talebene im Land Schinar, des mer aa Zweistromland heiße dud. Die Menschheitsgschicht hod so in de Biwwel ihrn erschde geografische Fixpunkt gkriegt.
War des e Freud for den Stamm, dass se sich jetzerd do hawwe wohlfühle kenne. Noch ner Weil üwwerlege se sich: Wemmer schun do bleiwe welle, dann baue mir uns was, ebbes was gonz Großes. Do sage e paar kreative Köpp: Aus dem Lehm, den mir in de Flußewene gfunne hawwe, konn mer was Neues mache – so was wie Stoiner: den Lehm in kleene Stickle forme, streichle, brenne un schun hod mer Zieggel, mit dene was gebaut were konn. Des is viel oifacher als Stoiner z’sammle oder aus em Fels z’breche. Un donn hawwe mer noch was entdeckt: Erdharz, Asphalt, des is besser als Mörtl. Was kenne mer dodemit mache?
Sie hawwe ned long üwwerlege müsse: Mir baue uns jetzerd Häuser, feschde Häuser, e groß Stadt soll’s were. Wohnraum for alle, e Dehoim, wu mer zsamme un sicher lewe kenne, sei Ruh hod un gschützt is. Alles werd greglet, alles soll sei Ordnung hawwe. Un wenn mer scho dabei sin beim Baue, muss aa noch en große Turm her. Kee Wachtürmle, nee, en gonz große Turm, dem sei Spitz soll hoch naus gehe – bis in de Himmel nuff. Alles soll er üwwerrage. Mer sod aa noch viel später sage: Die Bauleit, die des gschafft hawwe, die hawwe ihr Sach kenne, so was Gwaltisches und Mächdisches; dene ihrn Nome muss mer sich merke. Un so hawwe se ogfange, mordsmäßig zu schaffe. Klor, so sage se sich, mir kriege des hi, des gonz Große, mir älloi.
Doch bei dene Allmachtsphantasie is ne ned in de Sinn kumme, dass do noch ebber sei keend, der wu mäschdischer is als sie. Der im Hinnergrund de Herr is üwwer alle un alles, de Schöpfer un Vollender vun allem, was is, was war un was sei wird. Korzum: Gott.
„Der Herr im hohen Himmel wacht“ heißt’s in dem Lied „Kein schöner Land“. Des stimmt. Drum sächd sich de Herrgott: Do unne bei de Mensche dud ebbes was schebb laafe! Ich geh hordisch mol runner un du nochgugge, was die alles so treiwe.
MERKURTEMPEL I SCHLOSSGARTEN SCHWETZINGEN
Gott guggt sich des alles gnau o, macht sisch sei Gedanke üwwer des, was die Strewer do alles rumwerkle un treiwe, un kummt zu dem Entschluss, dass des so ned weiter gehe konn. Un er lässt seine Gedanke glei Tate folge. Er dud jetzerd in seiner groß Vollmacht handle, die er hod. Er regiert un reagiert, bevor sich d'Mensche in ihre Allmachtsphantasie selwer zgrund richte. Er will se vor sich selwer schütze. Die Mensche, dene er bei de Schöpfung so viel mitgewwe hod, so viel Fähischkeite, Kreatives un aa ebbes was Göttlisches. Die Mensche awwer gehe dodemit ned gut um. Sie sin lieblose Egoiste gwore. Gott sieht voraus: Des mit dem Turm un de Stadt, des is nur de Ofang. Wenn die sich immer eenisch sin un so viel Macht, Wisse un Könne sisch bei ganz wennische konzentriere dud, do muss was schief laafe. Es geht d’gut Ordnung verlore: Rücksicht, Toleranz un Liewe bleiwe uff de Streck. De Herrrgott hod e Ahnung, dass er mit de Mensche noch viel Zoores hawwe werd, weil die uff de Erd unne liewer verrückt spiele als sich an des zu halte, was er ihne an Gutem ogebote hod. Odder welle se gar ihn abserviere?
Es war donn koi Dunderwetter, mit dem er dezwische fahre dud. Un es is koi Blut gflosse. Er dud oifach ihr Sprooch dorchenanner wirble. Jedes babbelt uff ä Mol ganz annerschd.
Mir kenne uns des so vorstelle: Als se am Morje wieder an ihr Ärwet gehe, entsteht uff de Großbaustell e saudumms Kuddelmuddel:
„Nu gugg ä Mol! Die krieschen geen rischdisches Wort raus!“
„Pfui Deifi! Was moinschd? Kriegschd glei a Waotschn!“
„He, horsch ä Mol, wenn du mit deim blöd Gebabbel ned uffhöre duschd, falle glei fünf Zieggel uff doin Quadratschädel!“
„Na wat’en, wat’en! Mensch Meester, ick vasteh nur Bahnhof!“
„Jo nai, so öbbis, mir chönne die Lüt gar nümme verstoh!“
„So'n Schietkrams, de sin ol duun.“
„Mir kehret uns en Dreck drum, was die so saudomm deherschwätzet. Mir machet dapfer weiter: Schaffe, schaffe, Türmle baue.“
Oh babbel-mer-doch-keen-schwätz-mer-ned! Do gibt’s aa for d’Schwobe nix mehr zu schaffe. Des Kuddelmuddel is z'groß. Werkzeig un Zieggel, Stange un Küwwel liege kreuz un quer rum. Drum ziege alle Leit frustriert fort, jedes wu annerschd no. Zrückbleiwe die halwe Häuser `un vor allem de ogfangene große Turm.
Mer hod später soddische Tempeltürm gfunne zsamme mit große Paläst – un zwar in de Stadt Babel, die noch später Babylon heiße dud. So is die ganz alte Gschicht zu ihrm Nome kumme: Turmbau vun Babel.
Beim allererschde Pfingschdfeschd domols in Jerusalem hawwe die Mensche wieder erfahre, dass se dursch de heilische Geist üwwer die Grenze vun Länder un Sprooche kumme un in de Liewe sisch wieder verstehe kenne.
AUSGIESSUNG DES HEILIGEN GEISTES | FLÜGELALTAR SCHUTZENGELKIRCHE BRÜHL
II
Sara zieht mit
Sara un Abraham
Is de e scheene Fraa, sächd mer üwwerall, wu d’Sara nokummt. Klug is se un nimmt mit großem Intresse alles uff, was se sehe un erlewe dud. Resolut setzt se sich ned nur in ihre Beduinenzelt dursch. Sie is ewe – wie ihr Nome Sara sage dud – e Förschdin.
Ihr Monn Abraham lebt als reicher Beduinescheich in de Gegend vun Ur in Chaldäa. Des is im Zweistromland vum Euphrat und Tigris, dem heutische Irak. Sei große Herde lässt er mol do un dort weide. Es is for ihn alles noch üwwerschaubar.
An em sterneklore Owed hoggd er mit seine Leit ums Lagerfeuer rum un sächd donn wie aus heiterem Himmel: „Leit, horchd e Mol her! Packt in de näschde Täg alles sauwer zsamme, mir mache nämlisch jetzterd en longe un große Marsch. Des Ziel kenn ich zwar noch ned, doch de Herrgott werd mer’s zeige. Er hod nämlisch zu mer gsproche. Es war wie en gwaldische Ruf an misch, dem ich jetzerd ubedingt folge muss. Gott hod mer was versproche, jo, Verheißunge hod er mer gewwe. Mer sod’s ned glaawe: Nochkomme krieg ich, mehr als gnug, e neies Land un große Reichtümer, wirklich! Un ich soll en Sege sei vor viele annere. So was!“
Sei Sara hört sich des aa o. „Alla gut, prima“, denkt se sich. „Schee for de Abraham, der schafft des. Sei Gottvertraue is groß. Doch des mit dene viele Nochkomme, ob des noch klappe konn? Ich bin schun so alt. Do dud doch nimmer viel laafe, aa wenn’s schee wär."
Sara un Abraham gugge sich frogend o un denke noch: Welle mer wirklich oifach losgehe un unser Wege Gott overtraue? Ha, eigendlisch scho, aa wenn’s koi Zuggerschlegge werd. Awwer wie sächd mer? Geh mit Gott – awwer geh! Mir were gwieß unnerm Schutz un Schirm vum Allmächdische bleiwe, aa wenn’s mol ned so gut laafe dud. Mir ziehe des zsamme dursch.
Bal druff war’s so weit, alles oigepackt un grichtet. Die groß Karawan vum Abraham zieht los gege Weste. De Neffe Lot wird aa mitgnomme.
Mühselisch ziehe se durch d’arabisch Wüst un üwwerquere de Fluss Jordan. Abraham horcht immer uff Gott un weist donn d’Richtung.
Sara is im Hinnergrund bsorgt, dass jedes was z’esse un z'trinke hod un niemeds groß meckere dud.
Die Karawan is im Land Kanaan ogkumme. Dort is alles nei un annerschd. Als Fremme müsse’se sisch erschd e Mol zrecht finne. Uff de Such nach Weideplätz ziehe se im ganze Land rum: von Sichem nach Bethel un bis runner ins Südland, am Rand vun de Wüste Negev. Sie begegne monche oiheimische Kanaaniter, nemme awwer koin große Kontakt zu ne uff.
Dann is uff ä Mal alles knapp gworre im Land. D'Leit hawwe Hunger un aa for d’Viecher is nix mehr zum Knabbere do. Drum macht sich de Abraham mit seiner Karawan wieder uff en weite Weg, des Mol nach Ägypten dorch de Sinai. Do soll alles besser sei, hod er ghört.
Korz vor de Grenz nimmt de Abraham sei Sara uff d’Seit un sächd zu rer: „Moi liewe Sara, dass Du e wunnerschee Fraa bischd, hab ich schun oft zu der gsagt. Du weeschd des. Awwer wenn mer jetzerd nach Ägypten kumme un ich do mei ausghungert Herde weide losse will, werd des zu em große Problem. Ich hab nämlich ghört, dass d’Ägypter scheene Fraue raube. Wenn die Dich sehe, schlage se mich als Dein Monn oifach dod. Drum sag doch, bittschee, dass Du mei Schwester bischd. So were ich un Du un unsre Herde üwwerlewe kenne."
Es war em ned wohl bei seiner fiese Lischd. Dass ihm de Herrgott häd helfe kenne, is em ned in de Sinn kumme.
Die gonz Karawan kommt nei nach Ägypten un sucht nach Weideplätz. Awwer glei werde se vum Pharao seine Leit inspiziert un ausgfrogt – wer, wie, was, wo, warum. Die schee Fraa Sara nemme se sofort mit, weil se ihrm Herrn mit so em hübsche Gsicht e Freud mache welle. Im Palast wird se in de Harem uffgnomme. Wie’s üblich is, wird de vermeintliche Bruder for den Verlust von seiner Schwester reichlich entschädigt mit viel Viecher, mit Schöf, Küh, Esel, Kamel un aa Knecht un Mägd. Dodemit hod de Abraham eigentlich ned grechelt. Doch er nimmt all die Gschenk gern o un üwerlässt d’Sara ihrm Schicksal.
Doch Gott will d’Sara, die des alles in stiller Wut mit sisch mache lässt, rette.
Im Haus vum Pharao were von heit uff morje ganz viel Leit krank. Aa de Pharao bleibt vun dene Maleschde ned verschont. Wu kommt des plötzlisch her, frooge sich alle un denke noch. Dodebei kummt raus, dass die Neie im Harem, die Sara, ned die Schwester, sondern die Fraa von sellem Abraham is. De Pharao bstellt den sofort zu sich. Wie en begossene Pudel steht der do vor em ägyptische Herrscher. „Warum hoschd Du mer des ogedu?“, fängt der o. Er sagt’s ned bös. Doch so wie’s klingt, muss sich de Abraham arg schäme for sei Verhalte. Alloi des is em Strof gnug.
Er muss s'Land wieder verlosse. E Schutzkommando bringt de Abraham, sei Karawan un aa d’Sara bis zur Grenz.
Sara hod bei dem ägyptische Abenteuer immer ihrn Kopp hochghalte un ihr Würde bewahre kenne. Die folgende Schwierigkeite, mit dene ihr Mann zu kämpfe hod – die Trennung vum Neffe Lot, den gonze Zoores um Sodom un Gomorra – kriegt se mehr am Rand mit.
Awwer die göttlich Zusag un Verheißung, dass sie un de Abraham Nochkomme hawwe solle – so zahlreich, wie d’Stern am Himmel sin, – liegt schwer uff rer. Sie hod immer noch koi Kinner. Drum wird se von annere Fraue scheel ogeguggt; oder sie spekuliere, ob mer doch endlich ebbes was sehe kennd. Des macht rer Stress.
Gott wiederholt sei Verheißunge immer wieder. Abraham denkt derweil drüwwer noch, dass wohl sein Knecht Eliezer alles von ihm erwe keend. Doch Gott weist en zrecht: Nee, so ned, moin Liewer, hab Geduld un ward noch zu; des mit dem Bu, des werd scho.
Do kummt d’Sara in ihrer große Not uff e Idee, von der se moint, dass se allene irgendwie helfe däd. Sie hod nämlich mol ghört, dass schun annere Fraue in ihrer gleiche Not sich so gholfe hawwe. Moi Dienerin Hagar, denkt se sich, hod moi Vertraue. Die geb ich em Abraham als Newefraa, der soll mit rer schlofe. Als so e Art Leihmutter soll se for mich e Kind austrage, des donn als moi eiges Kind gelte dud. So due mer em Herrgott e bissele nochhelfe, ich als Fraa hab moi schwere Nöt los un de Abraham derf stolzer Vadder sei.
Der Plan klappt zunächst e Mol un Hagar werd bal schwanger. Doch donn kummt’s uverhofft zu em hefdische Ziggekrieg. D’Hagar spielt sich mächtisch uff, doch d’Sahra hält mit gleicher Münz degege un gwinnt. Hagar flieht in d’Wüste un werd dort vun em Engel gfunne. Sie kehrt wieder zrügg un bringt noch ner Weil ihrn Bu uff d’Welt, den de Abraham Ismael heiße dud.
Doch de Herrgott lässt sich vun de Sara ihr raffiniert Nochhilf ned erridiere. Er hod sein Plan, an dem er ubeirrt feschdhalte will. Was er verspreche un verheiße dud, geht aa in Erfüllung. Er is de Schöpfer vun Himmel und Erde un aa de Herr üwwer alles un jedes. Er schafft, wenn’s sei muss, Neues un Uvorstellbares aa gege all menschlich Vernunft.
Als de Abraham im Hain Mamre wieder sei Zelte uffgschlage hod un an em heiße Tag sich e bissele ausruhe will, bsuche ihn drei fremme Männer, die er freundlisch begrüßt. Hordisch dud Sara ihne ebbes was Feins ufftische. Als se mit em Esse fertig sin, sächd eener von dene: „Wenn ich s'Johr druff wieder vorbei kumm, werd dei Fraa Sara en Sohn hawwe.“ Die awwer steht hinnerm Zelt, lauscht helinge un fängt verbittert z'lache o. „Mir sin doch beide e alts Pärle un ich hab mei Wechseljohr längst hinner mer. Do bassiert nix mehr!“ So denkt se sisch. Der Herr awwer hört s'Lache un is drüwer erstaunt. „Em Herrgott is nix umöglich!“, stellt er richdisch. „Die Sara werd schwanger un en Sohn gebäre.“ Sara verschlägt’s Sprooch un dud ihr Lache leugne.
Doch bal druff konn d’Sara endlisch wieder fröhlisch lache. Sie is schwanger! E ganz groß Gschenk, des sie un ihr Abraham in tiefer Dankbarkeit onemme. Den Sohn, den se uff d’Welt bringt, gibt de Kindsvadder den Nome Isaak, was „Lacher“ bedeute dud.
„Des basst“, moint d’glücklisch Mudder, „denn des Lache hod mer de Herrgott gschenkt. Oh, wer häd des noch gedenkt, dass ich, die Sara, in dem Alter noch e Kind stille derf! Es is wirklisch wohr: ich hab meim Abraham en Bu gschenkt! Jedes, des wu dodevu z'höre kriegt, lacht mer zu. Oh, wie schee, – oh wie dankbar derf ich sei!“
