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Andrea Stadler hat selbst einige Jahre als Volksschullehrerin gearbeitet und erlebt, wie sehr Notengebung und starre Lehrpläne an den Bedürfnissen der Kinder vorbeigehen. Anstatt dem natürlichen Antrieb des Menschen, etwas lernen zu wollen, Nahrung zu geben, wird dieser ausgebremst: durch einen starren Lehrplan, der entweder überfordert oder unterfordert und Neugier und Wissensdurst in Langeweile umschlagen lässt. In ihrem Buch schreibt Andrea Stadler sehr persönlich über ihre Erfahrungen und wie sehr sie auch als Lehrerin unter den Zwängen des Schulsystems gelitten hat. Und sie fragt sich: Muss das so sein? Muss es sein, dass es einen starren Lehrplan gibt? Muss es sein, dass der Unterricht keine Freude macht? Muss es sein, dass die Lehrer nicht auf die Kinder, auf ihre Fragen und Interessen eingehen, sondern bloß ihr Pensum abspulen, um das Leistungssoll der Schüler zu erfüllen? Ein Kind ist begierig zu lernen, wenn wir sein Potential sehen und fördern, es seinen Rhythmus leben und seinen Interessen folgen lassen. So ist dieses Buch nicht nur eine grundlegende Kritik an der heutigen Schule, sondern auch eine Aufforderung, die Freiräume des Bildungssystems zu nutzen, um bloße Wissensvermittlung zu einem echten Lernen mit Verstand und mit Herz zu machen.
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Seitenzahl: 262
Veröffentlichungsjahr: 2025
Andrea Stadler
Andrea Stadler
Ein Plädoyer für kindgerechtes Lernen
Bücher haben feste Preise.
2. Auflage 2025
Andrea Stadler
Macht Schule dumm?
© Neue Erde GmbH 2018
Alle Rechte vorbehalten.
Titelseite:
Foto: Guillermo del Olmo (Tafel), MicroOne (Männchen), beide shutterstock.com
Gestaltung: Dragon Design, GB
Satz und Gestaltung:
Dragon Design, GB
Gesetzt aus der Minion
eISBN 978-3-89060-294-3
ISBN 978-3-89060-745-0
Neue Erde GmbH
Cecilienstr. 29 · 66111 Saarbrücken
Deutschland · Planet Erde
www.neue-erde.de · [email protected]
In Liebe für jedes Kind auf dieser Welt.
Du bist einzigartig, wunderbar – genau richtig, so, wie du bist. Sei die beste Version deiner selbst, aber niemals der Versuch, jemand anders zu sein.
Persönliche Vorbemerkung
Warum ich dieses Buch geschrieben habe
Auf dem Herzensweg zu diesem Buch
Teil 1 Meine subjektive Bestandsaufnahme – Potentialvernichtung
Mein persönliches Erwachen – weshalb ich keine Lehrerin mehr sein will
Der Begriff Schule – wofür er heute steht und wohin wir zurückkehren sollten
Die Aufgabe der Schule
Was in der Schule gelernt und worüber nicht gesprochen wird
Was die heutige Schule als ihre Aufgabe erachtet – und die Wirklichkeit
Warum Schule aufrecht erhalten wird, wie sie ist – das kollektive Streben nach Anerkennung
Was die Aufgabe der Schule sein muss
Das alte Wissen und was wirklich wichtig wäre
Schulfächer, die niemanden interessieren oder: Über die Entstehung der Volksschule
Der erfolgreiche Schüler
Das Kind seinen Weg gehen lassen – ohne Vorgaben von Inhalten und Zielen
Das erloschene Leuchten
Worauf freuen sich die Kinder?
Was das Kind dann tatsächlich erfährt oder: Das Leuchten erlischt
Beschneiden der Lebensenergie und was heißt lernen?
Was heißt denn nun Lernen? Was verstehen wir unter Lernen?
Gewalt am Menschen
Wo beginnt Gewalt?
Vom Opfer zum Täter
Gewalt im Bildungssystem – das Kind wird in eine Form gedrückt
Das Bedürfnis nach Macht – Der Lehrer über dem Kind
Teil 2 Meine persönliche Vision – Potentialentfaltung statt Bildung
Wir brauchen keine Ausbildung – wir haben schon alles in uns
Was müssen wir von außen lernen?
Kreativität
Talente erkennen und sie kreativ zum Ausdruck bringen
Perfekt so, wie du bist
Kein Kind kommt böse auf die Welt, aber jedes will gesehen werden
Chancengleichheit
Kinder und der Weltfrieden
Potentialentfaltung gegen das Elend in der Welt
Die schmerzhafte Erfahrung des Nicht-geliebt-Seins – Auslöser für Zerstörung
Teil 3 Mein Herzensanliegen – echte Lehrer-Schüler-Beziehung
In Beziehung sein versus einen Job machen
Selbstreflektion und Selbstwahrnehmung
Schulsystemische Probleme
Eine echte Beziehung führen
Weshalb leiden wir unter unehrlichen Beziehungen?
Und was, wenn ich den Schüler nicht mag?
Ansprechen! Aussprechen, was in mir vorgeht
Wünsche aussprechen!
Tabu und Natürlichkeit von Berührungen
Mein Ideal vom Lehrer – der Wegbegleiter
Der Lehrer
Der Wegbegleiter
Teil 4 Mein Mutmacher – für alle, die mit Kindern unterwegs sind
Tipps für ein leichteres Sein im Schulsystem
Erlauben Sie sich höheres Verständnis für die Prinzipien unseres äußeren Systems und unseres inneren Glückes
Vertrauen Sie Ihrem Kind
Seien Sie in Kontakt mit Ihrem Kind
Vertrauen Sie Ihrem Gefühl – und handeln Sie danach!
Seien Sie ein Vorbild
Nicht optimale Umstände bergen hohes Lern- und Entwicklungspotential
Schlusswort
Über die Autorin
Weitere Bücher von Neue Erde
Was ich in diesem Buch schreibe, ist Ausdruck meiner persönlichen Wahrnehmung, meiner Erfahrung und meines Wissens. Ich erhebe nicht den Anspruch, »korrekt« oder »politisch korrekt« zu sein.
Mit diesem Buch will ich keine besänftigende Bettlektüre bieten, sondern meinen Teil dazu beitragen, dass die Menschen endlich aus ihrem Tiefschlaf erwachen.
Ich mache der Menschheit keinen Vorwurf dafür, dass sie lange geschlafen hat. Es wird ja auch alles getan, damit die Gesellschaft im Tiefschlaf verweilt. Ich wünsche mir allerdings von Herzen, dass mehr und mehr Menschen bereit sind, aufzuwachen, die Augen zu öffnen und zu erkennen, was abläuft. Ich wünsche mir, dass mehr und mehr Menschen aufstehen und sich darauf besinnen, wer sie sind und worum es wirklich geht, und dass sie auch den Mut haben, ihre eigenen Schritte in ihre Wahrheit zu gehen und ihr Leben entsprechend auszurichten.
Wir haben viel zu lange »mit uns machen lassen«, uns betäubt und betäuben lassen, uns abgelenkt und ablenken lassen. Aber nun ist es wirklich höchste Zeit aufzuwachen!
Auf den ersten Blick schreibe ich über das Schulsystem, aber im tieferen Sinn geht es mir um den Zustand unseres Planeten und die Gesundheit der Menschheit. Das kranke Schulsystem ist nur ein Ausdruck unseres ungesunden Daseins.
Wie gesagt, denke ich, wir haben alle lange genug geschlafen, und, na ja, aufwachen geschieht im Idealfall sanft und aus sich selber heraus. Aber wer nicht aufwachen will, der wird spätestens, wenn es brennt, dankbar dafür sein, dass er rechtzeitig geweckt wurde!
Ich bin mir absolut bewusst, dass es wunderbare Lehrpersonen gibt, die ganz tolle menschliche Arbeit leisten. Es geht mir nicht im entferntesten darum, Lehrer anzuklagen. Ich will die Situation der Kinder aufzeigen – aufzeigen, wie es anders laufen könnte. Wie man die Kinder begleiten kann, wenn man daran interessiert ist, ihnen zu ermöglichen, in Liebe ihr Potential zu entfalten! Ich will helfen, verständlich zu machen, wie der Mensch in Frieden und Harmonie seine Einzigartigkeit leben kann.
Und dann möchte ich noch anmerken, dass ich der Einfachheit halber – und nur der Einfachheit halber! – die männliche Form verwende.
Andrea Stadler
Die Autorin spricht in diesem Buch von der »Volksschule«. Sie bezieht sich damit auf das schweizerische Schulsystem und spricht von den Jahrgangsklassen 1 bis 6.
Dieses Buch habe ich geschrieben, weil ich nicht anders konnte. Seit ich die Stimme meines Herzens wieder höre, kann ich nicht mehr anders, als ihr zu folgen. Sie führte mich die letzten Jahre zu vielen Kindern, zu Heilern und zu Weisen, zu Herzensmenschen und Engeln auf Erden. Von allen durfte ich die Lektionen lernen, für die ich bereit war, und mich Schritt für Schritt wieder an die Wahrheit erinnern. Mein Weg war schon immer ein Auf und ein Ab, aber ganz gleich, wie steinig er war, je mehr ich der Stimme meines Herzens vertraute, je mehr ich dem Leben vertraute und spürte, dass ich getragen bin und dass ich die Kontrolle abgeben darf, desto leichter und freier konnte ich mich bewegen, desto farbenfroher, intensiver und phantastischer wurde mein Leben. Dass ich dieses Buch geschrieben habe, verdanke ich meinem Vertrauen in die Stimme meines Herzens. Ihr zu folgen, bedeutet für mich, die Erfahrungen gemacht zu haben, die nötig waren, so klar zu werden, dass ich diese Gedanken teilen kann. Seit dieses Wissen und diese Klarheit da sind, ist auch dieses Gefühl in mir, alles aufschreiben zu müssen.
Ich habe keine Untersuchungen und Befragungen durchgeführt, keine Studien betrieben und mich auch mit keinen bestehenden Theorien und Studien befasst – sie interessieren mich nicht und sind für dieses Buch nicht von Bedeutung.
Ich bewege mich mit offenem Herzen und offenen Augen durch die Welt, und damit spüre und sehe ich, was ich erkennen muss. Ich sehe, wie Kinder, Eltern und Lehrpersonen gleichermaßen leiden, wie sie sich gefangen fühlen in einem System, das unserer Natur nicht gerecht wird. Ich sehe, dass alle tun, wozu sie momentan in der Lage sind, und ich sehe, dass auch »das System« tut, wozu es derzeit fähig ist. Es ist mein Herzensanliegen, Alternativen in die Welt hinauszutragen, die von den Personen, die dazu bereit sind, angenommen werden können.
Für den einen oder anderen Leser mögen meine Texte »esoterisch« und »weltfremd« klingen. Dieses Buch resultiert aus meinem persönlichen Aufwachen, und es ist daher auch aus dem Herzen geschrieben und nicht aus dem Kopf.
Dass es mir als Lehrerin in dem bestehenden Schulsystem nicht gut geht, das weiß ich schon lange. Dass das Schulsystem viele Mängel aufweist und dass im Bildungswesen die Prioritäten sehr falsch liegen, das ist mir längst klar. Ich ging im wahrsten Sinne des Wortes jedes Mal innerhalb weniger Monate kaputt, wenn ich fest angestellt als Lehrerin arbeitete. Ich litt mit den Kindern mit und konnte hinter vielem, was die Schule macht, nicht stehen. Natürlich habe ich damals an mir und meiner Belastbarkeit gezweifelt. Heute sehe ich es als ein Zeichen wahrer Menschlichkeit, wenn man (Schüler oder Lehrer) den ungesunden Belastungen dieses Systems nicht standhalten mag.
Diese Klarheit in mir, dieses: »Ich sehe genau, wie es läuft«, habe ich aber erst seit einem besonderen Ereignis, das auf eine Serie von Erfahrungen und Beobachtungen folgte und für mich einen krönenden Abschluss oder – vielleicht treffender gesagt – einen neuen Anfang darstellte.
Diesen »Durchblick«, wie es läuft und wie es laufen sollte, das alles kam innerhalb weniger Tage. Es war im Sommer 2016, nachdem ich meine schwierigste und liebste Klasse verabschiedet hatte.
Ich erlebte damals eine tiefe Trauer. Die Trauer setzte sich zusammen aus dem Gefühl dieses unnatürlichen Abschieds, zu dem es ja nur kam, weil das Schuljahr zu Ende war. (Ich unterrichtete damals befristet für nur ein Jahr eine dritte Primarschulklasse.) Ein weiterer Teil der Trauer kam daher, dass ich spürte, dass ich diesen Kindern nicht voll und ganz so begegnet war, wie wenn ich mich innerhalb der Schulstruktur frei gefühlt hätte. Aus dem Denken heraus, Regeln, Normen und Bestimmungen entsprechen zu müssen, und aus der Angst heraus, Grenzen zu überschreiten, die man nicht überschreiten darf, habe ich in diesem Jahr oft nicht getan, was ich für richtig hielt und bin meinen Impulsen viele Male nicht gefolgt. In diesem Jahr litt ich darunter, dass mein Herz mir sagte, was zu tun war, und mein Kopf dagegen entschied, weil man das doch schließlich »nicht tut«. Einen Drittklässler spontan in die Arme schließen, mit den Kindern einfach den ganzen Morgen nach draußen gehen und Spiele spielen, sich einfach einmal zusammen hinlegen und durchatmen, keine Hausaufgaben geben, weil es so viel Wichtigeres zu erfahren gibt, keine Prüfungen mehr machen, weil sie weder das Wissen der Kinder vertiefen, noch etwas über ihre Fähigkeiten aussagen!
Diese Konflikte zu erleben, das waren meine Schlüssel! Ich habe gelitten, war mehrere Monate schlaflos, habe geweint, als ich die Zeugnisse schreiben musste, aber das alles war es wert. Dank der Erfahrung, Kopf und Herz im bestehenden Schulsystem nicht vereinen zu können, ist mir das Ausmaß des ganzen Dilemmas klar geworden und ich konnte bewusst entscheiden: Ich will keine Lehrerin mehr sein!
Es ist meine Wahrheit, dennoch bin ich mir bewusst, dass einige Leser sich durch meine klaren, systemkritischen und freidenkenden Aussagen und von diesem Gedankengut, (zu dem es bereits zahlreiche Literatur gibt) sehr vor den Kopf gestoßen fühlen werden. Es wird Leser geben, die denken: »Die spinnt doch«, oder: »Die ist ja komplett ›verblendet‹.« Das nehme ich in Kauf. Wenn meine Gedanken ein Anstoß für eine aktive Auseinandersetzung mit dem heutigen System sind, dann bin ich schon mehr als zufrieden.
Ich habe dieses Buch wohl geschrieben, weil ich mir von Herzen wünsche, dass sich unsere Gesellschaft Schritt für Schritt in eine gesunde Richtung verändert. Die Schule ist ohne Frage ein Abbild der Gesellschaft, und an ihr kann man die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Werte, Ideale und Ziele ablesen. Schule hat allerdings auch das Potential, der Anfang einer Veränderung zu sein. Meine Vision ist eine Gesellschaft, in der Glücklichsein einen höheren Stellenwert hat als materieller Reichtum, Zusammensein und Für-einander-da-Sein wichtiger ist als kompromisslos sein Ding durchzuziehen, und in der das Heranwachsen, Lernen und Leben so natürlich wie möglich eine Selbstverständlichkeit sind. Ich glaube, wir sind uns oft gar nicht bewusst, wie sehr unsere Schulzeit uns alle geprägt hat und wie sehr sie mitverantwortlich dafür ist, mit welcher Weltanschauung wir durchs Leben gehen. Und dann glaube ich, wir haben noch gar nicht begriffen, welch enormes Potential die Schule birgt! Sie kann der Ort sein, an dem jedes Kind erfährt, wie erfüllend es ist, das zu tun, was Freude macht, und sich dadurch ganz natürlich zum Experten entwickelt. Sie kann der Ort sein, an dem das Kind erfährt, dass es als Mensch und mit seinem Tun Bedeutung und die Wahl hat, wie es sich in der Welt ausdrücken und sie dadurch mitgestalten will.
Ich werde keine Aktivistin werden, die mit Demonstrationen und Initiativen das System verändern will. Dazu sind mir meine Energie und mein Leben viel zu schade und dafür bin ich viel zu sehr im Vertrauen, dass alles zur rechten Zeit geschehen wird. Was ich will und hoffentlich bei dem einen oder anderen Leser erreichen werde, ist, Zusammenhänge aufzeigen. Ich möchte aufwecken, aufrütteln und die Leser zum Hinschauen, Umdenken und Handeln bringen.
Für mich persönlich weiß ich mittlerweile, dass es meine Aufgabe ist, für Kinder da zu sein. Ich bin zur Klarheit gekommen, dass ich wenig verändere, wenn ich das System verlasse, sondern dass ich im Gegenteil ein Licht sein kann für junge Menschen und vielleicht sogar Teil einer großen Veränderung, wenn ich im Schulsystem arbeite – mit dem Fokus auf das Wohl der Kinder. So arbeite ich aktuell wieder an einer Primarschule in der Stadt Zürich, allerdings nicht mehr als Lehrerin.
Mir liegt am Herzen noch einmal zu betonen, dass es mir nicht darum geht, Lehrpersonen und ihr Tun zu kritisieren oder sie anzuklagen – überhaupt nicht!
Lehrpersonen handeln im Glauben, ihr Bestes zu geben. Ich weiß, es unterrichten viele, viele wunderbare Lehrer, die Kinder gerne haben und, genau wie deren Eltern, nur »das Beste« für sie wollen. Es ist nicht das Versagen einzelner (auch wenn wir alle wissen, dass es ebenso wirklich schreckliche Lehrer gibt), es ist unser kollektives Sein, das so weit entfernt davon ist, gesund und natürlich zu sein.
Es ist die Lebensweise unserer Gesellschaft als Ganzes, die die Schule zu dem macht, was sie heute ist.
Wie können wir erwarten, dass irgendjemand an der Potentialentfaltung von Kindern interessiert ist, wenn wir alle, mit wenigen Ausnahmen, uns doch selber nicht so entfalten konnten, wie es in uns vorgesehen gewesen wäre?! Die meisten von uns mussten mit dem Kopf bestimmen, oder andere Köpfe haben über unseren hinweg bestimmt, was wir lernen und werden sollten.
Auch wenn wir noch so gerne klug davon reden, so wie wir als Gesellschaft ticken und jeder einzelne in ihr funktioniert, finden wir das Glück nicht in uns selber, denn wir suchen es im Außen. Zwei Fehlverhalten halten uns davon ab, unser wahres Glück zu erfahren: erstens die Tatsache, dass wir das Glück suchen, und zweitens, dass wir das im Außen tun.
Dieses Verhalten ist überall zu beobachten. Menschen, die da draußen herumrennen und schon fast verzweifelt hinter dem Glück herjagen. Sie suchen es in einer Karriere, im Schuhgeschäft, in der Yogastunde, in der Bar, in einer neuen Beziehung, in einer neuen Diät, im luxuriösen Eigenheim oder beim Sonntagsspaziergang im Naherholungsgebiet. Aber sie werden es dort niemals finden! Denn das Glück liegt nicht am Wegrand, es entspringt nicht einem neuen Gegenüber und es entstammt auch nicht einem Kopfstand! Kein Zweifel, ein Kopfstand kann höchste Glücksgefühle auslösen, genau wie ein angeregtes Gespräch bei einem Glas Wein oder das Gefühl des Aufgehobenseins in der Natur. Aber dies ist kein permanentes Glück. Es ist ein Glück von außen. Ein Stimulus, der uns von außen glücklich fühlen lässt. Er hat aber einen Anfang und ein Ende. Und was kommt nach dem Ende? Die Suche geht von neuem los!
Und das alles nur, weil wir so im Außen, so aufs Außen fixiert sind. Wir sind gefangen im Denken, dass ich mir etwas Gutes tun muss, dass ich mir etwas Schönes gönnen muss, dass ich nur dem richtigen Menschen begegnen muss, damit ich endlich glücklich werde.
Und ja, an dem Punkt, an dem wir uns befinden in unserem Leben, mag sich das so anfühlen.
Wir haben uns so weit von uns selber entfernt, dass wir schlicht vergessen haben, dass wir das Glück sind und nur wir selber uns glücklich machen können!
Wobei »machen« nicht korrekt ist. Wir müssen gar nichts machen. Wir müssen uns nur erlauben, wir selbst zu sein. Und wenn wir uns das erlauben, dann führt der Kopfstand, das fesselnde Gespräch, das sich Daheimfühlen in der Natur dazu, dass sich unser Glück schier unerträglich anfühlt.
Wie erlaube ich mir denn, glücklich zu sein? Wie geht das?
Es scheint das Einfachste und gleichzeitig das Schwierigste überhaupt zu sein.
Ich lasse mein Glück zu, in dem ich in jedem Moment das tue, was mich glücklich macht!
Das ist ganz einfach, nicht? In jedem Moment das tun, was mir gut tut.
Oh, ich höre Sie schon rufen: »Egoistin! Das Leben ist nicht so leicht! Stell dir vor, jeder würde einfach nur tun, was ihm gut tut.«
Das hat übrigens eine Lehrerin in einer Runde am Mittagstisch in etwa so zu mir gesagt. Sie erwiderte empört, als ich über meinen Lebensstil sprach: »Stell dir vor, jeder würde einfach nur tun, was er gerne tut! Wo wären wir denn da?! Wo kämen wir da hin?!« Ich saß da und wusste, dass ich jetzt nichts mehr sagen musste. Wir leben in zu verschiedenen Welten.
Aber ja, wo wären wir denn da?! – Dem Paradies einen großen Schritt näher! Wir wären nämlich so viel genügsamer, gesünder, ausgeglichener, offener und entspannter!! Aber ich schweife zu weit ab. Ich werde auf dieses Denken zurückkommen.
Worauf ich hinaus will: Wenn wir selber nicht erfahren, was es bedeutet, das zu leben, was uns glücklich macht, wie wollen wir dann auf die Idee kommen, dass eben das der Schlüssel zum Glück und somit zum Erfolg unserer Kinder ist?
Wie bereits angetönt, ist mir absolut klar, dass wir das Schulsystem nicht losgelöst vom ganzen System betrachten können. Das tue ich auch nicht. Ich sehe die Zusammenhänge, ich sehe, dass niemand wirklich daran interessiert ist, Schule so zu verändern, dass Kinder eine glückliche Schulzeit erleben, eine Zeit, in der sie erfahren, dass sie vollkommen und richtig sind, so wie sie sind, und man sie dabei unterstützt, ihren persönlichen Weg zu gehen. Mit Ausnahme einiger Denkanstöße beschränke ich mich in diesem Buch dennoch auf die Betrachtung der Volksschule.1
Ich lege kein Modell für die perfekte Schule vor. Natürlich habe ich eine klare Vision, wie Lernen geschehen sollte. Sollte ich einmal danach gefragt werden, werde ich mich gerne ausführlich dazu äußern.
Und noch einmal: Ich sage nicht, dass meine Aussagen richtig sind, dass es die Wahrheit ist. Es ist meine Wahrheit, und die mag schlicht eine alternative Betrachtungsweise sein, die hoffentlich dem einen oder anderen Leser einige Aha-Erlebnisse bescheren wird.
1Die Jahrsgangsklassen 1 bis 6 heißen in der Schweiz auch heute noch Volksschule, ein Begriff, der in Deutschland und teils auch in Österreich nicht mehr gebräuchlich ist. Wenn die Autorin in diesem Buch von der Volksschule spricht, sind Schulkinder von 6 bis 13 Jahren gemeint.
»In 37 Monaten wirst du ein Buch über psychological, emotional learning veröffentlichen.« Ich wisse, worum es gehe, und ich werde dieses Wissen teilen wollen.
Das waren so ziemlich die ersten Worte, die ich von diesem wunderbaren Mann im Februar 2015 im Norden Thailands gehört habe. Ich lächelte und antwortete, da habe er nicht schlecht geraten, ich sei Lehrerin. Aber dass ich ein Buch zum Thema Lernen schreiben werde, das sei unmöglich. Mein Weg führe mich immer weiter weg von der Schule. Zu diesem Zeitpunkt wusste Sunun nicht, dass ich Volksschullehrerin bin. Überhaupt wusste er nichts über mich und hat dennoch einiges gesagt, was mich abwechselnd erschaudern und aufhorchen ließ.
Hätte Sunun an diesem Abend nicht meinen Fuß geheilt, hätte ich ihm wohl keinen Glauben geschenkt. In einer zwar äußerst schmerzhaften Behandlung, bei der er mit seiner Handkante und einem Horn auf meinen Fuß einschlug, schaffte er, was in der Schweiz weder den Ärzten noch dem Physiotherapeuten gelang. Er haute auf meinen Fuß ein, so dass ich mich vor Schmerzen fast übergeben musste, und an den darauffolgenden Tagen wechselte mein Fuß mehrmals die Farbe. Schmerzen hatte ich jedoch seit dieser Begegnung nie mehr! Meinen Fuß hatte ich ein Jahr zuvor bei einem Sturz im Dunkeln in Indien gebrochen, und nun, vierzehn Monate nach diesem Unfall, schleppte mich ein Mann aus Russland, den ich zwei Monate zuvor an der pakistanischen Grenze in Indien kennengelernt hatte und nun per Zufall in Nordthailand wieder traf, zu diesem very special man, den ich unbedingt kennenlernen müsse.
Sununs Vorhersagen über mein Leben habe ich, wie alles Wichtige und weniger Wichtige, was mir auf meiner Reise durchs Leben widerfährt, in mein Tagebuch notiert und dann erst einmal vergessen.
Mitte März desselben Jahres bin ich aus meinem Winterdaheim Indien nach hause gekommen. Für eine Stellvertretung bin ich an die Schule zurückgekehrt, die ich trotz meiner Kündigung zwei Jahre davor doch nie ganz verlassen hatte. Durch Yogaunterricht den ich Kindern und Lehrpersonen erteilte, und diverse Stellvertretungen, die ich machte, bin ich doch irgendwie immer in dieser Schule »zu hause« geblieben – wie mir scheint, um alle die Erfahrungen zu machen, die ich machen musste…
Bereits am ersten Tag meiner aktuellen Vertretung kam der Schulleiter im Teamzimmer auf mich zu. Er wirkte etwas unruhig und meinte, ich wisse doch, dass eine Kollegin gekündigt habe. Er sei sich sicher, er werde keine Lehrperson für diese Klasse finden, die das ein Jahr mitmachen würde. Einer Junglehrerin könne er diese Problemklasse nicht zumuten, und eine andere Person würde er wohl nicht finden. Ob ich mir vorstellen könne, die Klasse zu übernehmen. Ich hätte diese drei Wochen Vertretung damals vor einem halben Jahr so gut gemacht. Man habe gemerkt, dass das funktioniert habe mit mir.
Eigentlich hätte mir da der Kiefer herunterfallen und die Alarmglocken läuten sollen. Wie kommt der auf die Idee, dass ich tue, was sonst niemand freiwillig machen würde?
Seine Worte zauberten mir allerdings ein Lächeln ins Gesicht, und mein Herzschlag intensivierte sich. Ich meinte, ich werde es mir überlegen.
Zwei Wochen später sagte ich zu, und die Vorstellung, wieder Klassenlehrerin zu sein, löste zwei Jahre nach meiner Abkehr aus dem festen Lehrerdasein Entzücken in mir aus! Ich war selber überrascht und beinahe verstört darüber, fand ich das Bildungssystem doch fürchterlich und den Zustand, in einer festen Anstellung zu sein, mindestens genauso.
Diese »schwierige Klasse« mit diesen »problematischen« Knaben, die hatte ich aber eben gerne, und die Aussicht, ein Jahr mit ihnen zu verbringen, machte mich glücklich.
Ja, und dieses turbulente, super intensive, von Hochgefühlen bis zu schlimmen Erschöpfungszuständen geprägte Jahr ging im Sommer 2016 zu Ende und bildete den Anfang des Entstehungsprozesses dieses Buches.
Mein Herz hat keine Minute an der Arbeit mit diesen wunderbaren Kindern gezweifelt. Auch wenn mein Kopf mir eine Zeitlang gesagt hat: »Hör auf«, »Spar dir deine Kräfte«, »Wozu machst du das?«, mein Herz hätte einen Abbruch nicht zugelassen. Es war unglaublich anstrengend, bis meine Stellenpartnerin und ich alle Kinder an Bord hatten, bis das Miteinander für alle irgendwie geregelt war. Anfangs konnte man kaum arbeiten, die Kinder störten sich gegenseitig. Lärm, Streitereien, Unachtsamkeit, Respektlosigkeit untereinander und uns gegenüber – natürlich »funktionierten« einige Kinder von Anfang an einwandfrei – ausnahmslos alle Mädchen und auch einige Buben! (Zu dieser Tatsache später auch noch ein, zwei Sätze.)
Wonach schrien die Buben, die nicht »funktionierten«? Was brauchten sie? Wonach verlangten sie? Weshalb funktionierte es irgendwann doch? Und warum fällt mir nun nach diesem Jahr der Abschied so unglaublich schwer? Diesen Fragen musste ich mich stellen. Für mich persönlich war es wichtig, auf diese Fragen die Antwort zu finden, und genau darum war es für mich so wichtig, dieses Jahr mit dieser Klasse zu verbringen.
Eines ist mir ganz klar: Genau diese Kinder haben in mir alles auf einen Punkt gebracht. Sie haben mir geholfen, alles klar zu sehen. Ich musste dieses aufreibende, anspruchsvolle Jahr mit ihnen durchleben, damit jetzt alles greifbar ist und alles so viel Sinn ergibt.
Es ist Oktober 2016, und soeben habe ich meinen wohl letzten Lehrerjob gekündigt, eine Stellvertretung, die ich über sieben Wochen hinweg machen wollte. Es war ein Pensum von einem Schultag mit sechs und zweien mit fünf Schulstunden, also sechzehn Stunden pro Woche in einer Schule, an der ich sehr gerne über mehrere Jahre hinweg immer wieder gearbeitet habe. Einige der Schüler, die ich jetzt wieder unterrichtete, besuchten vor vier Jahren bei mir die erste Klasse. Ich kenne einen großen Teil der Lehrerschaft, ich schätze die Schulleitung, ich kenne sehr viele Kinder dieser Schule. – Aber dennoch: Ich will nicht mehr! Ich will nicht mehr unterrichten, ich will nicht mehr Lehrerin sein! Alles in mir sträubt sich dagegen. Seit fünf Wochen schlafe ich keine Nacht, bevor ich unterrichten muss. Und das kommt nicht von Lampenfieber, Unsicherheit oder hohen Erwartungen an mich selber. Nein, es kommt einzig daher, dass sich so vieles schrecklich falsch anfühlt, was ich als Lehrerin tun muss.
Ich kann nicht mehr um Ruhe bitten, wenn ich sehe und spüre, dass Kinder unter- oder überfordert sind, dass es so vieles gibt, was sie brennend interessiert, das wenigste davon aber im Lehrplan steht oder schlicht und einfach innerhalb der vorhandenen Strukturen nicht vorgesehen und umsetzbar ist.
Nebeneinander sitzen sie auf ihren Stühlen, vor ihnen der Mathematik-Plan, der ihnen quasi als Fahrplan dienen soll. Mit diesen Plänen erarbeiten sie sich Thema für Thema die Mathematikfähigkeiten, die man von einem Kind in der Mittelstufe erwartet. Ich helfe ihnen, wenn sie nicht weiterkommen, und zeichne die gelösten Aufgaben ab, um zu bestätigen, dass das Kind die Aufgabe gelöst, selber korrigiert, verbessert und schließlich als erledigt abgehakt hat.
Das alles fühlt sich einfach falsch an. Ich unterstütze sie individuell, wenn sie ein Problem haben, das könnte ich ebenso lassen, denn diese Art des »Lernens« ist nicht nachhaltig. Die Kinder können wohl mit meiner Hilfe die gestellten Aufgaben lösen, aber wirklich verstehen tun viele sie dennoch nicht. Dieses Vorgehen ist nicht fundiert. Thema für Thema wird das Pensum abgearbeitet. Innerhalb kürzester Zeit (nicht selten ist pro Thema eine Woche, was etwa fünf Lektionen bedeutet, vorgesehen) geht es von der oft mangelhaften, meist ausschließlich theoretischen Einführung (oder auch ohne Einführung) zum Üben, zur Prüfung und dann zum nächsten Thema. Es findet keine wirkliche Auseinandersetzung statt, kein Eintauchen, keine Vertiefung, kein Alltagsbezug, keine Verknüpfung. Alles ist und bleibt für viele Kinder bis zum Schluss abstrakt und unverständlich. Sie lernen, wie sie die Aufgaben lösen müssen, aber sie verstehen nicht, weshalb das so geht – und weshalb sie das tun müssen, schon gar nicht! Somit beherrschen sie natürlich auch den Stoff nicht wirklich.
Würde dieses System funktionieren, dann würden nicht zwei Lehrer gleichzeitig in einer Klasse mit zweiundzwanzig Schülern nicht damit fertig werden, allen zu helfen, die nicht zurechtkommen. Ich finde es absolut irrsinnig, dass zwei Lehrer gemeinsam rastlos von Schüler zu Schüler eilen und mit ihnen Probleme lösen, wobei ein großer Teil der Klasse irgendwann nur noch dasitzt und wartet.
Natürlich ist das ein individuelles Beispiel aus dieser Klasse. Aber solche Leerläufe sieht man überall. Und bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Es ist nicht so, dass ich das hier schreibe, um aufzuzeigen, wie schlau ich das System durchschaut habe und wie kläglich die meisten Lehrpersonen scheitern – ganz und gar nicht! Es geht mir hier nur darum, dass ich an einem einzigen Schultag unzählige Beispiele dafür finde, weshalb unser Schulsystem krank, ineffizient und vor allem ungesund für Kinder und Lehrer ist.
Ich weiß, dass nicht nur ich so empfinde. Ich weiß, dass ganz viele Lehrpersonen das spüren, dass sie es oft jedoch nicht sehen und wahrhaben wollen. Was hätte das denn zu bedeuten?
Ich bin also in der Klasse und muss Einträge schreiben: für unerledigte Hausaufgaben, für zu viele Verstöße gegen die Klassenregeln und dafür, dass Klassenarbeiten daheim nicht unterschrieben wurden.
Ich kann aber keine Einträge schreiben für Hausaufgaben, die nicht gemacht wurden, wenn ich weiß, mit welchen Schicksalen und Sorgen einzelne Schüler schon umgehen müssen. Ich kann es nicht, wenn ich doch sehe, dass die Kinder nach Schulschluss oft fix und fertig sind, die Hälfte nicht wirklich verstanden haben und jetzt auch noch Hausaufgaben machen und für Klassenarbeiten lernen müssen! Ich kann keine fünfzig Minuten Hausaufgaben pro Tag geben, nur weil es Fünftklässler sind, wenn ich doch sehe, wie wichtig es wäre, dass sie nach Schulschluss ihre selbstbestimmten Erfahrungen machen könnten.
Ich kann keine Noten unter eine Klassenarbeit schreiben, weil… weil es mir einfach nicht zusteht, einen anderen Mensch zu bewerten! Es steht mir nicht zu, vorzuschreiben, womit sich ein Mensch zu beschäftigen hat, und dann auch noch zu bewerten, wie er dies getan hat! Es zerreißt mir das Herz, wenn ich Tests mit ungenügenden Noten zum Unterschreiben nach hause geben muss.
Wozu denn? Werden die Schüler besser dadurch? Kurbelt das ihre Motivation an oder vielleicht sogar ihr Verständnis? Nein, ganz sicher nicht! Es demotiviert, frustriert und gibt ihnen immer zu verstehen, dass sie nicht genügen! Dass sie das, was sie können müssten, nicht können, und das, was sie können, niemanden interessiert!
Ich kann alle diese Dinge nicht mehr tun, denn ich bringe sie nicht übers Herz. Ich kann nicht und ich will nicht!
Nun, das schreibe ich, damit Sie, werter Leser, verstehen, woher ich komme. Im Laufe des Buches werde ich auf die angeschnittenen Themen zurückkommen. Vorher lade ich Sie ein, mit mir an meinen Anfang mitzukommen.
Meine Lehrerlaufbahn begann wohl schon 1990, als ich als eben sechs Jahre alt gewordenes schüchternes kleines Mädchen in die erste Klasse kam.
Wenn ich mich zurückversetze und mich in dieses kleine Mädchen einfühle, dann stelle ich fest, dass mich die Schule überhaupt nicht interessiert hat. Ich bin hingegangen, weil ich hin musste, weil alle hin sind und weil ich keine Wahl hatte. Ich habe die Dinge getan, die von mir verlangt wurden. Wie sehr mir bewusst war, was ich da eigentlich tat und lernte, das sei dahingestellt. Mit Sicherheit weiß ich, dass ich den großen Zusammenhang jeweils nicht verstanden habe. Es war auch nicht wichtig. Wichtig war, was außerhalb der Schule passierte – im Dorf mit den Nachbarskindern, im Wald, am Bach und im Sport, den ich betrieb. Daran änderte sich bis in die Oberstufe nichts.
Ich verstand also die Zusammenhänge nicht, entweder weil ich durch meinen frühen Schuleintritt zu unreif war, vielleicht auch, weil es mir an Intelligenz mangelte, vielleicht aber auch, weil die Inhalte nicht so vermittelt wurden, dass ich sie verstand und somit hätte als interessant einstufen können, vielleicht aber auch, weil es einfach nicht mein Ding war.
Was sehr wohl wichtig war und woran ich mich erinnere, als sei es gestern gewesen, das war der Umgang meiner Lehrer mit ihren Schülern. Ihren Schülern, das schreibe ich so, als sei ich selber nicht betroffen gewesen und genauso fühlt es sich auch an. Bis zur sechsten Klasse finde ich mich in meinen Erinnerungen eigentlich nur in der Rolle der Beobachterin. Ich war still in der Klasse, angepasst und unauffällig, aber wahrgenommen habe ich alles –zumindest alles, was für mich schon immer wichtig war. Das waren nie die Lerninhalte. Das war, so weit ich zurückfühlen kann, immer schon das Sozialverhalten, die Art und Weise, wie uns die Lehrer begegnet sind. Ich weiß noch, wie sie zu uns gesprochen haben, was sie für Gesten gemacht haben, wie sie uns angeschaut haben und das am meisten Prägende: wie sie ihre Schüler bestraft haben!
Ich kann mich nur an eine Strafe erinnern, die ich selber erfahren habe. Damals war ich sechs Jahre alt und in der ersten Klasse. Wir waren dabei, den Buchstaben M zu lernen, und die Aufgabe bestand darin, dazu aus Knete den Buchstaben sowie eine M
