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Um Matt und Aruula etwas Erholung zu gönnen, stellen wir uns im nächsten Band die Frage: "Wo sind eigentlich Grao und Ira abgeblieben?" Erledigen die beiden Daa'muren wirklich einen Geheimauftrag für General Kormak, zu dem Grao'sil'aana ein gespanntes Verhältnis hat? Matt befürchtet, dass sein Verbündeter die beiden mit einem Selbstmord-Kommando betraut hat. Diesmal aber stürzen sich die Daa'muren auf eigenen Wunsch ins Verderben...
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Seitenzahl: 142
Veröffentlichungsjahr: 2026
Cover
Inhalt
Was bisher geschah...
Die Fresser kommen!
Leserseite
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Impressum
Cover
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Am 8. Februar 2012 trifft der Komet »Christopher-Floyd« die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse, und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert.
In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Fliegerstaffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 versetzt wird. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn »Maddrax« nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler, der sich als lebende, schlafende Entität entpuppt – zur Erde gelangten und schuld sind an der veränderten Flora und Fauna und der Verdummung der Menschen. Nach langen Kämpfen mit den Daa'muren erwacht der Wandler, weist sein Dienervolk in die Schranken und zieht weiter. Mit zwei Daa'muren, die auf der Erde zurückblieben – Grao und Ira – haben sich Matt und Aruula sogar angefreundet.
Bei einem Abstecher zum Mars, auf dem sich eine Expedition aus dem Jahr 2010 zu einer blühenden Zivilisation entwickelt hat, erfährt Matt von der Spezies der Hydree, die vor 3,5 Milliarden Jahren hier lebten und mittels eines Zeitstrahls zur jungfräulichen Erde umzogen, als ihr Planet seine Atmosphäre und Ozeane verlor. Mit ihren Nachkommen, den telepathisch begabten Hydriten, die von den Menschen unentdeckt am Meeresgrund leben, hatte Matt schon Kontakt und nennt einen von ihnen, Quart'ol, einen guten Freund.
Diese »Tunnelfeldanlage«, die wie ein Transporter funktioniert, in dem die Zeit unendlich gedehnt werden kann, ist bis heute in Betrieb und verursachte auch den Zeitsprung von Matts Flugstaffel um 504 Jahre, als die den Strahl querte. Dabei legt der Strahl einen Tachyonenmantel um lebende Zellen, der den Altersprozess fünfzig Jahre lang drastisch verlangsamt.
Seither ist viel Zeit vergangen – wir schreiben inzwischen das Jahr 2555 –, und all die Erlebnisse unserer Helden an dieser Stelle zu schildern, wäre unmöglich. Es gibt sogar eine Erdkolonie in einem fernen Ringplanetensystem, zu dem allerdings der Kontakt abgebrochen ist. Ihre Freunde Tom, Xi und deren Tochter Xaana (die eigentlich Matts Kind ist) leben dort auf dem Mond Novis.
Nicht nur einmal haben Matthew Drax und Aruula die Erde vor dem Verderben gerettet und mächtige Feinde bekämpft – zuletzt die vampirhaften Nosfera, die die WCA (World Council Agency, kurz: Weltrat) übernehmen wollten. Auf diese Organisation traf Matt schon früh. Momentan steht ihr General Aran Kormak vor, ein in der Vergangenheit eher zwielichtiger Charakter, der sich aber gewandelt und großes Interesse zu haben scheint, Meeraka (ehem. USA) und danach andere Länder friedlich zu einen.
Auch um Kormak weiterhin im Auge zu halten, geht Matt auf seinen Vorschlag ein, zusammen mit Aruula im Auftrag des Weltrats eine schnelle Eingreiftruppe zu bilden und für ein Bündnis unter dem Dach der WCA zu werben.
Dies sind ihre Abenteuer...
Weitere Informationen und Hintergründe zur Serie findet ihr unter https://de.maddraxikon.com im Internet!
von Christian Schwarz
Shannan, Tibet
Sherab Pelden schritt durch den breiten Gang auf das große, blau flirrende Portal zu, den Ausgang aus der Parallelwelt. Lasergewehre ruckten hoch, die Wachen starrten ihr entgegen.
»Ah, Sie sind es, Große Rätin Pelden«, sagte der Unterführer. Die Erleichterung entspannte sein Milchgesicht. Er war so jung. Und nannte sie noch immer »Große Rätin«. Aber das würde ihn nicht retten. Und die anderen auch nicht. »Sie sind allein, Große Rätin? Das ... ist doch sehr gefährlich.«
Ich bin nicht allein, dachte Sherab. Und erschoss mit ihrer Laserpistole alle vier Wachen. »Ihr könnt kommen!«, rief sie dann. Eine Horde Fresser drängte sich durch den Gang. »Bedient euch.«
Die Zombies fielen über die Toten her. Das grausige Schmatzen weckte Sherab. Sie grinste. Denn sie liebte diesen immer wiederkehrenden Traum nach Rache.
Agartha, Vergangenheit
Die Wut drohte sie immer noch zu zerreißen, auch zwei Jahre, nachdem das Ungeheuerliche geschehen war. König Wangmo, dieses stinkende Yakk, hatte sie einfach aus dem Großen Rat geworfen. Wegen Subordination. Schon diese schwachsinnige Begründung zeigte, dass eine Verschwörung gegen sie stattgefunden hatte. Eine größere Demütigung konnte es gar nicht geben. Und Tashi Dawa, diese kleine Schlampe, hatte ihr Ziel endlich erreicht. Ihre Erzfeindin konnte jetzt über sie triumphieren. Aber nicht mehr lange.
Sherab Pelden ging durch den nächtlichen Stadtteil Felsengarten-Südstadt. Ihr Ziel war der Nachtclub Drölma. Nach dem Austausch Agarthas mit einem ähnlichen Parallelwelt-Areal und dem gerade noch abgewehrten Fresser-Angriff1 normalisierte sich das Leben in einigen Bereichen langsam wieder. Der Wiederaufbau des Königreichs war hart und mühevoll, die Menschen gierten nach ein wenig Abwechslung. Auf Unterhaltung aller Art.
Die beleuchteten Straßen führten an langgezogenen Häuserfronten vorbei, die nur kleine Vorgärten besaßen. Alles wirkte heruntergekommen, doch in dem einen oder anderen Fenster brannte tatsächlich Licht.
Das Drölma lag auf einem Felsplateau, gute zwanzig Meter unterhalb der Hochbahnstrecke. Ein Felsüberhang schützte es vor Steinschlag. Bunte Lichter empfingen Sherab. Das Haus war wie ein riesiger Drachenkopf gestaltet, dessen weit aufgerissenes Maul zum Hereinkommen einlud. Mut zum Eintreten brauchte sie nicht. Der Hass trieb sie an. Und ihr großer Plan, der nun stand und der das Königreich der Welt grundlegend verändern würde.
Sherab betrat eine Welt aus schummrigem Rotlicht, drangvoller Enge und einer Luft, die zum Schneiden dicht war. Der leicht süßliche Geruch von Opium waberte durch den Raum und kitzelte ihre Nase. Angewidert verzog sie das Gesicht. Zahlreiche Menschen, viele mit einem Becher in der Hand, musterten sie, manche Männer abschätzend. Natürlich, sie war noch nie hier gewesen. Und sie hielt sich mit ihren siebenunddreißig Jahren für eine sehr gut aussehende Frau im allerbesten Alter. Großartig war sie ohnehin.
Die Männer interessierten sie alle nicht. Sie hatte es auf einen ganz Bestimmten abgesehen. Jirki Düdjom stand ganz vorne an der Bar und beobachtete die leicht bekleideten Tänzerinnen, die sich zu schriller Musik verbogen. Düdjom schien gelangweilt zu sein. Den Becher mit Reiswein, der vor ihm stand, rührte er nicht an.
Sherab streifte ihn von hinten mit ihren großen Brüsten. Erstaunt drehte er sich um.
»Entschuldigung«, sagte Sherab und lächelte ihn an. »Ist bei dir an der Theke noch ein Plätzchen frei? Da hinten ist es so eng.«
»Bitte, gern«, erwiderte Düdjom und musterte sie forschend. »Kann es sein, dass ich dich schon mal gesehen habe? Ja, jetzt weiß ich es wieder. Du bist doch die ehemalige Große Rätin Sherab Pelden.«
Sie bildete mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand einen Kreis, das Zeichen der Zustimmung. Wangmo, das Aas, hatte ihren Rausschmiss nie offiziell gemacht – so viel Anstand besaß er immerhin –, sondern verlauten lassen, dass sie auf eigenen Wunsch ausgeschieden sei. Deswegen konnte sie sich überall stolz erhobenen Hauptes blicken lassen.
Düdjom war ein stämmiger Mann in den mittleren Jahren, blass und wenig attraktiv. Sein Beruf machte ihn aber überaus interessant für sie.
Sherab ging gleich aufs Ganze. Sie ließ sich von ihm ein Chhaang-Biir ausgeben und machte ihm mit vielen »zufälligen« Berührungen deutlich, dass sie ein Abenteuer suchte. »Ich habe diese langen einsamen Nächte satt«, gurrte sie. »Und als ich hier reinkam, dachte ich sofort, der da vorne ist mein Typ, ob du es nun glaubst oder nicht.«
Düdjom glaubte es zunächst nicht, weil er es sich einfach nicht vorstellen konnte. Er verhielt sich wie ein Vollidiot, aber das nahm sie gerne hin. Vielleicht war es sogar gut so. Diesen Typus konnte man deutlich besser handhaben.
Bald schon nannten sie sich beim Vornamen. Sie entlockte ihm, dass er als Luftschiffführer arbeitete, obwohl sie das längst wusste. Sherab riss in gespieltem Erstaunen den Mund auf. »Luftschiffführer? So wie der legendäre Lhündrub? Den habe ich mir immer im Funkbildbetrachter angeschaut. Auf solche Männer stehe ich.«
So landeten sie noch vor Mitternacht in Jirkis Wohnung in Felsengarten-Südstadt. Sein Stil, wenn man das Chaos denn so bezeichnen konnte, ekelte sie an. Trotzdem begann sie ihn zu küssen und ihm die Kleider vom Leib zu reißen. Er grunzte wie ein Lhaase-Schwein. Plötzlich hatte er seine Hände überall. Sherab ließ ihn gewähren, während sie keuchte und stöhnte. Schließlich warf sie ihn aufs Bett und stieg auf seinen Pfahl. Sie schrie, als sie auf den höchsten Gipfeln der Lust ritten.
Denn was sie kaum für möglich gehalten hätte, trat ein: Sie empfand tatsächlich echte Lust. Jirki verstand es, der Liebe zu frönen.
Als sie beide fertig waren, bedeckte sie sein Gesicht mit feuchten Küssen. »Du Teufelskerl. Das will ich unbedingt noch mal machen«, flüsterte sie ihm ins Ohr und lutschte an seinem Ohrläppchen.
»Ich auch. Gleich jetzt.« Er wollte sie aufs Bett werfen und über sie kommen. Das duldete sie nicht. Sherab unterwarf sich niemandem. Sie hatte die Kontrolle. Immer.
Das zweite Mal wurde noch besser. Spätestens ab da war Jirki verrückt nach ihr. Und Sherab hochzufrieden. Der erste Teil ihres Plans klappte besser, als sie zu hoffen gewagt hatte.
Hochland von Tibet, Gegenwart
»Alles im Griff, Grao?«, fragte Gal'hal'ira, die sich in den Kopilotensitz drückte. Sie starrte durch die Cockpitscheibe hinaus in den tobenden Schneesturm, der die Flocken fast waagerecht vor sich hertrieb und den Gleiter immer wieder bedrohlich wackeln und durchsacken ließ. Das Reißen und Zerren des Sturms an der Maschine erzeugte seltsam knarrende Geräusche, die Iras Sicherheitsgefühl auf eine harte Probe stellten.
Grao'sil'aana, der den Dark-Force-Gleiter über die abgrundtiefen Schluchten und an himmelhohen senkrechten Felswänden vorbei lenkte, die sie aber nur schemenhaft erkennen konnten, wandte kurz den Kopf. »Selbstverständlich. Warum fragst du?«
Beide Daa'muren hatten menschliche Gestalt angenommen, weil das in diesem für Primärrassenvertreter konzipierten Fluggerät am ergonomischsten war. Ein schlanker hochgewachsener Mann mit gebräunter Haut und Vollbart in Technokleidung sah Ira an.
»Hm«, erwiderte sie nur. Ira kannte Graos Hang zur Selbstüberschätzung. Das letzte Mal hatten sie Agartha auf Graos Betreiben hin überstürzt und gegen alle Bedenken in einem technisch unzureichenden Luftschiff verlassen, weil er unbedingt einem zugegeben mysteriösen Todesruf des Wandlers folgen wollte. Und prompt waren sie abgestürzt.2
»Wenn nur der verdammte Schneesturm endlich aufhören würde«, murmelte Ira. »Wie weit ist es noch bis Agartha? So langsam habe ich die Nase voll von diesem ewig langen Flug.«
»Zwölftausendeinhundertdrei Kilometer von Waashton bis hierher«, präzisierte Grao. »Bis Lhaase sind es laut Bordcomputer noch zweihundertvier Kilometer. Verbleibende Flugzeit: dreiundvierzig Minuten.«
»Wenn das keine gute Nachricht ist ...« Ira, die mit ihrem Erscheinungsbild eine Kriegerin der Dreizehn Inseln nachahmte und wie Grao in Technokleidung steckte, fuhr sich durch das schulterlange schwarze Haar. Als hätte sie Macht über den Schneesturm, ebbte dieser fast schlagartig ab. Der Gleiter flog in eine plötzlich strahlende Bergwelt hinein. Die Sonne ließ die weiten Schneefelder funkeln und glitzern.
Die Daa'murin atmete auf. »Was glaubst du, lebt König Wangmo noch? Und Tashi Dawa?«, fragte sie, während Grao den Gleiter beschleunigte. »Ob sie die Fresser zwischenzeitlich komplett unter Kontrolle haben?«
»Es macht wenig Sinn, darüber zu spekulieren«, konterte ihr Gefährte. »Wie die Dinge wirklich stehen, werden wir vor Ort sehen.«
»Ob das Portal in die Parallelwelt wohl noch existiert? Oder haben sie es geschlossen? Einerseits kommen da ja die Fresser durch, andererseits müssen die Agarther das Material von der anderen Seite herüberschaffen, um hier ihr altes Reich wieder aufzubauen ...«
»Ist bekannt. Und?«
Ira hatte das Bedürfnis, sich zu unterhalten. Gab es gar kein Thema, mit dem sie Grao aus der Reserve locken konnte? »Ich bin froh, dass wir aus Waashton weg sind«, versuchte sie es auf diesem Weg. »General Kormak ist ein durch und durch unangenehmer Mensch. Ich konnte ihn noch nie leiden, und das beruht auf Gegenseitigkeit ...«
»Ich kann ihn noch weniger leiden als du. Aber das ist völlig irrelevant. Entscheidend ist nur, dass unsere verschiedenen Ansichten, wie Waashton am besten wiederaufgebaut werden soll, eine Zusammenarbeit beinahe unmöglich machen.«
Ah, klappt doch ...
»Darum war deine Idee, Kormak vorzuschlagen, die Agarther mit ins Boot zu holen, wirklich genial. Ich glaube, er hat uns nur deshalb beauftragt, um uns möglichst schnell loszuwerden. Und es war sogar sein Angebot, uns den Dark-Force-Gleiter zur Verfügung zu stellen.«
Grao nickte. »Da spielte aber auch Eigennutz mit hinein. Warum sonst hätte er uns den Prototypen des Satelliten-Funkgeräts zum Testen mitgeben sollen? Eine bessere Chance, es vom anderen Ende der Welt aus zu testen, konnte er gar nicht bekommen. – Und jetzt lass mich in Ruhe steuern. Die Windverhältnisse sind schwierig.«
Sie schwiegen sich noch eine Weile an. Lhaase kam immer näher, und Ira spürte allmählich die Aufregung in sich hochsteigen.
Der Gleiter schoss über einen breiten Felsriegel hinaus. Unter ihnen fiel eine Steilwand mehr als zweihundert Meter in die Tiefe ab. Vor ihnen erstreckte sich das weitläufige Hochgebirgstal, das ihr so vertraut erschien.
Ira sah die kreisrunde, von GRÜN geschaffene Spalte, gut zwanzig Meter breit und beinahe bodenlos, die sich in weiter Ferne verlor. Die ersten Löcher im Schnee tauchten auf. Sie waren von riesigen Würmern gebohrt worden, die mit dem Parallelwelt-Areal hierher versetzt worden waren. In der ungefähren Mitte des Tals erhob sich Lhaase. Zumindest den Potaal-Palast, der in der Stadtmitte auf einem Berg thronte, konnte sie bereits erkennen.
»Da, was ist das?«, fragte Ira erstaunt.
»Was meinst du?«
»Da vorne links, Grao. Siehst du die breite Spur im Schnee? Sie führt direkt auf die riesige Brücke über den Spalt zu. Die Agarther scheinen ihren Plan, ihn passierbar zu machen, um den zurückgesiedelten Bewohnern von Lhaase wieder den Handel mit ihren Nachbarn zu ermöglichen, schon in die Tat umgesetzt zu haben.«
Darauf ging Grao nicht ein. »Jetzt sehe ich es«, erwiderte er stattdessen. »Als ob zehn riesige Doozer nebeneinander gefahren wären. Die Spur kommt zwischen den Felsen dort hervor ...«
»Ja. Und sie führt weiter, direkt auf Lhaase zu«, ergänzte Ira. »Und da ist noch was: Dieser riesige Krater dort, westlich von Lhaase – ich bin sicher, dass er beim letzten Mal noch nicht da war.«
»Ich stimme zu.«
Gleich darauf überflogen sie die Stadt, unter der sich tief im Bergmassiv das Königreich Agartha erstreckte. Iras Verwunderung wuchs. »Die ganze Stadt ist voller Menschen«, stellte sie fest. »Was hat das zu bedeuten? Das müssen fast zweitausend Leute sein. Normalerweise verlieren sich nicht mal zweihundert Bewohner zwischen den Häusern.«
»Wirklich seltsam«, stellte Grao fest. »Es ist nur logisch, anzunehmen, dass diese Primärrassenvertreter die breite Spur gezogen haben. Von wo sind die gekommen? Haben sie vielleicht auch etwas mit dem riesigen Krater zu tun?«
»Möglich. Schauen wir ihn uns mal näher an?«
Grao flog darüber hinweg. Dort schien wirklich einiges weggebrochen zu sein. Zumindest auf den ersten Blick führte der breite gezackte Spalt in unergründliche Tiefen. Weil zahlreiche Felsvorsprünge in ihn hineinragten, konnte Ira es nicht mit Sicherheit ausmachen. Sie glaubte jedoch ein verbogenes Metallgestell zu sehen, das aus der Felswand ragte.
»Was immer das ist, es kann warten«, sagte Grao. »Ich fliege jetzt weiter in das Seitental, in dem sie den Luftschiffhafen neu aufgebaut haben.«
»In der Parallelwelt hat ja nie einer existiert«, nahm Ira den Faden auf. »Und die identische Stelle erwies sich als völlig ungeeignet, weil GRÜNS Spalt und zahlreiche Wurmlöcher diesen Bereich durchziehen. Wenn ich mich recht erinnere, sagte König Wangmo, dass der neue Luftschiffhafen strategisch sogar günstiger liegt, weil er sich deutlich näher am Zentrum der Welt befindet und es einen Anschluss an die Agartha-Bahn gibt.«
»Ich erinnere mich ebenfalls. Über die Präfektur können wir Kontakt mit den Agarthern aufnehmen. Mach schon mal das Funkgerät bereit und melde uns an.«
»Natürlich.«
Grao drehte ab, überflog eine Bergkette und ein Hochplateau und schwebte schließlich mit stark gedrosseltem Tempo in ein Seitental ein.
Die Koordinaten, die ihnen die Agarther während ihres letzten Besuchs genannt hatten, stimmten genau. Ira sah bereits den Luftschiffhafen. Langgezogene flache Bauten duckten sich in den Schnee. Ihr Herz schlug höher, als sie fünf verschieden große Luftschiffe im Freien und eines halb aus einer der Baracken ragen sah. Bei ihrem letzten Abschied hatten die Agarther nur über das eine verfügt, dessen Absturz Graos unbedachtem Verhalten zu verdanken war.
Die Freude schlug sofort wieder in Erstaunen um. Ein gutes Stück vom Luftschiffhafen entfernt machte Ira einen weiteren Krater aus, den sie definitiv zum ersten Mal sah. Er ähnelte dem ersten, war aber noch ein ganzes Stück größer. »Was bei Sol'daa'muran ist hier los?«, rief sie die oberste daa'murische Gottheit an.
»Wir werden es erfahren, Ira. Stell endlich Funkkontakt her!«
»Ja, bin schon dabei«, murrte sie und aktivierte das Funkgerät. Ein Rauschen war zu hören. »Hm, scheint nicht die richtige Frequenz zu sein.«
»Probier sie alle durch.«
Die Daa'murin drehte am Regler. Es rauschte und knackte weiter. Der Luftschiffhafen war nur noch einen guten Kilometer entfernt. Grao ging bereits in den Sinkflug.
»Ah, jetzt ...«, murmelte Ira. Das Rauschen ging in eine menschliche Stimme über.
»Abdrehen! Um Buddhas willen, sofort abdrehen!«, schrie sie panisch.
»Was ...?«, schnarrte Grao.
In diesem Moment stieg eine Rakete vom Luftschiffhafen auf. Auf einem feurigen Schweif ritt sie in den Himmel. Und flog direkt auf den Gleiter zu!
Ira wurde es angst und bange. »Was tun die denn?«, rief sie und sprang auf.
Die Rakete raste heran. Grao versuchte noch auszuweichen, legte den Gleiter in eine waghalsige Kurve. Ira wurde durch das Cockpit geschleudert.
