Maddrax 680 - Michael Edelbrock - E-Book

Maddrax 680 E-Book

Michael Edelbrock

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Beschreibung

Der nächste Auftrag führt unsere beiden Helden in die Region um Nageezi, New Mexico. Die Bahnstrecke, die bereits durch Oklahoma City verläuft, soll durch die Berge bis zur Westküste geführt werden. Allerdings gibt es Meldungen über gewaltige Löcher im Boden, verschwindende Menschen und kuriose Relikte. Als Matt und Aruula ankommen, treffen sie auf eine Frau, die gerade aus einem dieser Löcher zurückgekehrt ist - mit einem atemberaubenden Fund ...

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Seitenzahl: 152

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

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Die Schwertmaid

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Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet »Christopher-Floyd« die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse, und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert.

In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Fliegerstaffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 versetzt wird. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn »Maddrax« nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler, der sich als lebende, schlafende Entität entpuppt – zur Erde gelangten und schuld sind an der veränderten Flora und Fauna und der Verdummung der Menschen. Nach langen Kämpfen mit den Daa'muren erwacht der Wandler, weist sein Dienervolk in die Schranken und zieht weiter. Mit zwei Daa'muren, die auf der Erde zurückblieben – Grao und Ira – haben sich Matt und Aruula sogar angefreundet.

Bei einem Abstecher zum Mars, auf dem sich eine Expedition aus dem Jahr 2010 zu einer blühenden Zivilisation entwickelt hat, erfährt Matt von der Spezies der Hydree, die vor 3,5 Milliarden Jahren hier lebten und mittels eines Zeitstrahls zur jungfräulichen Erde umzogen, als ihr Planet seine Atmosphäre und Ozeane verlor. Mit ihren Nachkommen, den telepathisch begabten Hydriten, die von den Menschen unentdeckt am Meeresgrund leben, hatte Matt schon Kontakt und nennt einen von ihnen, Quart'ol, einen guten Freund.

Diese »Tunnelfeldanlage«, die wie ein Transporter funktioniert, in dem die Zeit unendlich gedehnt werden kann, ist bis heute in Betrieb und verursachte auch den Zeitsprung von Matts Flugstaffel um 504 Jahre, als die den Strahl querte. Dabei legt der Strahl einen Tachyonenmantel um lebende Zellen, der den Altersprozess fünfzig Jahre lang drastisch verlangsamt.

Seither ist viel Zeit vergangen – wir schreiben inzwischen das Jahr 2555 –, und all die Erlebnisse unserer Helden an dieser Stelle zu schildern, wäre unmöglich. Es gibt sogar eine Erdkolonie in einem fernen Ringplanetensystem, zu dem allerdings der Kontakt abgebrochen ist. Ihre Freunde Tom, Xi und deren Tochter Xaana (die eigentlich Matts Kind ist) leben dort auf dem Mond Novis.

Nicht nur einmal haben Matthew Drax und Aruula die Erde vor dem Verderben gerettet und mächtige Feinde bekämpft – zuletzt die vampirhaften Nosfera, die die WCA (World Council Agency, kurz: Weltrat) übernehmen wollten. Auf diese Organisation traf Matt schon früh. Momentan steht ihr General Aran Kormak vor, ein in der Vergangenheit eher zwielichtiger Charakter, der sich aber gewandelt und großes Interesse zu haben scheint, Meeraka (ehem. USA) und danach andere Länder friedlich zu einen.

Auch um Kormak weiterhin im Auge zu halten, geht Matt auf seinen Vorschlag ein, zusammen mit Aruula im Auftrag des Weltrats eine schnelle Eingreiftruppe zu bilden und für ein Bündnis unter dem Dach der WCA zu werben.

Dies sind ihre Abenteuer...

Weitere Informationen und Hintergründe zur Serie findet ihr unter https://de.maddraxikon.com im Internet!

Die Schwertmaid

Teil 1

von Michael Edelbrock

»Sie haben uns doch nicht ins Pentagon geholt, nur um uns das zu zeigen?«, fragte Matthew Drax.

Corporal Snyder sah ihn tadelnd an, während der Retrologe namens Abberton an dem Metallscharnier hantierte, das auf dem Tisch lag. »Nein, das soll nur Ihre Neugier wecken. Auf dem bronzefarbenen Metall sehen Sie festgebackenen Sandstein und ein paar weniger alte Fossilien.« Der Retrologe nickte sie an, fuhr sich stolz über den grauen Bart und drückte einen Knopf auf der angeschlossenen Energiezelle.

Matt setzte sich im Sessel auf, als das fossilisierte Scharnier gleichmäßige Bewegungen zeigte. »Wie alt, sagten Sie, ist dieses ... Relikt?«

Snyder lächelte. »Einige zehntausend Jahre.«

»Gut, jetzt bin ich neugierig.«

Snyder goss ihnen Kafi ein, während Abberton sprach.

»Das Metall ist eine erstaunliche Legierung, nicht unbekannt, aber ungebräuchlich, da schwer herzustellen. Viel interessanter ist, dass die darin enthaltene Technik heute noch funktioniert – und dass es sie anscheinend vor weit mehr als zehntausend Jahren gab.«

»Das Alter machen Sie an den Fossilien fest?«, fragte Matt und warf einen Seitenblick zu Aruula.

Sie waren vor einer halben Stunde in den Pentagon-Bunker gerufen worden. Der Weltrat habe ein Anliegen, wie es so schön hieß. Jetzt saßen sie hier und schauten sich Technik an, die es in dieser Form gar nicht geben dürfte.

Das Relikt war groß wie eine Faust und von dunkler bronzener Farbe. Obwohl es von Fossilien und versteinerten Pflanzenresten bedeckt war, bewegte es sich noch immer munter und völlig sinnlos auf dem Besprechungstisch.

»Nun«, räumte Abberton ein, der sich ihnen als Retrologe im Stab des Pentagons vorgestellt hatte, »natürlich gibt es Umstände, bei denen biologisches Material schneller fossilisiert. Die waren hier aber nicht gegeben.«

Matt trank von seinem Kafi. »Gut. Also haben Sie keine Erklärung. Wo kommen wir ins Spiel?«

»Bei der Eisenbahn«, sagte Snyder. Die attraktive schwarze Frau genoss sichtlich die kurze Verwirrung. Sie aktivierte den Projektor und zeigte eine Karte.

»Natürlich wissen wir, dass Landnahme seit Ihrem Auftrag in Oklahoma City ein heikles Thema ist.1 Aber General Kormak lässt Ihnen versichern, dass es hier um das Zusammenwachsen des Kontinents geht.«

»Das geht es immer«, sagte Aruula kühl.

Die Corporal blieb gelassen. »Sie haben in Oklahoma City einen Teil der Ost-West-Verbindung gesehen. Dank des allseitigen Engagements sind die Planungen für eine Strecke entlang des alten Highways 40 weit gediehen. Wir kommen dem Pazifik näher.«

»Ein paar hundert Meilen sind das noch«, warf Matt ein, dem der Enthusiasmus ihrer Verbindungsoffizierin etwas zu weit ging.

»Bis Albuquerque in New Mexico ist jeder Meter vermessen und gesichert. Dort ist man gerade in Überlegungen zur Streckenführung. Die Prospektoren stießen auf eine interessante Region nordwestlich, hundert Kilometer entlang des alten Highways 550.«

Matt schaute auf das Projektionsfeld, wo ein bergiges, sonnenüberflutetes Gelände und schwitzende Prospektoren zu sehen waren. Die Hügel bestanden aus beigerotem Sandstein. Bisweilen bildeten sie schattige Überhänge, halb verborgen von dornigen, ausgedörrten Büschen.

»Die Menschen dort sind hart, aber nicht feindselig«, sagte Snyder, als lese sie aus einem Reiseführer vor. »Sie warnten die Prospektoren vor Höhlen und Tieren. Immer wieder verschwinden Leute in der Region. Und sie wollten ihnen sofort Relikte verkaufen. Es scheint dort Volkssport zu sein, sie in den Höhlen zu sammeln. Die meisten sind wohl unbewegliche Metallreste. Dieses Scharnier war anders – und das teuerste weit und breit.«

»Es ist mehr als erstaunlich«, sagte Abberton. Er sah es an wie ein Kind ein neues Spielzeug. »Bei Anlegen von geringen Spannungen bewegt es sich. Da müssen piezoelektrisch angetriebene Aktuatoren im Metall verborgen sein. Niemand konnte das vor mehreren zehntausend Jahren konstruieren.«

»Und was will der Weltrat?«, stellte Aruula die entscheidende Frage.

Snyder schien darauf vorbereitet. Sie legte die Arme auf dem Tisch ab und beugte sich vor. »Dass keine Menschen mehr verschwinden. Einen schnellen und sicheren Ausbau der Strecke, damit der Kontinent zusammenwachsen kann. Und er möchte wissen, ob es dort etwas gibt, bei dem sich eine Bergung lohnt.«

Matt ahnte, dass sie die Gründe in der Reihenfolge aufsteigender Wichtigkeit genannt hatte. Aber er wollte es Kormak nicht vorwerfen, wenn er oder seine Retrologen fasziniert waren. Er war es selbst.

»Zoomen Sie mal ran! Was ist das für ein Ort auf den alten Karten?«

»Nageezi, New Mexico«, sagte Snyder. »Heute bekannt als Nagii. Dort befindet sich der äußerste Punkt der Prospektion – und Ihr Ziel!«

»Sie erwarten hoffentlich nicht, dass wir den Zug nehmen, oder?«

Snyder lächelte zum ersten Mal in dieser Unterhaltung.

»Zeit genug wäre dafür. Aber wir wollen es für Sie so bequem wie möglich halten. Die DARK FORCE FIVE steht für Sie und PROTO bereit, sobald Sie es sind.«

Matt sah Aruula an.

»Auf nach New Mexico«, meinte sie schulterzuckend.

Aruula saß angespannt in PROTOs Copilotensitz. Gestern waren sie von Waashton nach Albuquerque geflogen. Maddrax hatte den ganzen Tag die alten Karten studiert. Er hoffte, die Reste des Highways 550 nutzen zu können.

»Natürlich wird vom Highway nichts übrig sein«, hatte er gesagt, »aber die Fahrspur ist vielleicht frei.«

Nun fuhren sie seit Stunden auf einer unvergleichlichen Buckelpiste.

Sandstein beherrschte hier alles, Berge und Hügel reihten sich aneinander. Die beigen bis rotbraunen Schichten waren je nach ihrer Härte ausgewaschen, sodass sie kuriose Unterstände und Höhlen passierten.

Maddrax hatte ihr erzählt, dass die unterschiedlichen Lagen die Zeitalter der Region zeigten. Von trockenen und regenreichen Äras bis hin zu Vulkanausbrüchen – und ja, auch Kristofluu.2 Das letzte Zeitalter war das dunkelste, zumindest wenn man nach dem aschedurchtränkten Erdreich ging, das es zurückgelassen hatte.

Die Landschaft lag wie unter einer trägen Decke nachmittäglicher Hitze. Zikaden summten, und einige Tiere verschwanden in den Tälern und Canyons, wenn PROTO wie ein urzeitliches Ungeheuer vorüberzog.

Dennoch, so sehr ihr die Umgebung gefiel – hier gab es etwas wie einen Druck auf den Ohren, einen beginnenden Zahnschmerz, der sie quälte. Sie wäre gerne umgedreht.

Maddrax fuhr an einer breiten Felsformation vorbei, deren Überhänge Schatten auf die alte Strecke des Highways warfen. Auf der anderen Seite ragten Hügel auf, staubig und von Steinen übersät.

Die scharfe Bremsung riss sie aus ihrer Lethargie.

»Was?«, fragte sie.

Zwei Personen rannten an der Flanke der Formation entlang auf sie zu. Die Kleidung aus Leder und gewebten Stoffen fiel hier kaum auf, einzig die dunkelroten Brust- und Schulterpanzer setzten sich ab.

Der rechte Läufer, ein Mann, zielte mit einer Büchse nach hinten und feuerte donnernd. Die Frau neben ihm hielt einen Speer in der einen und eine Machete in der anderen Hand. Auch sie blickte kurz zurück.

Verfolger kamen um die Rundung des Berges: mutierte Skorpione, die den Menschen bis zum Knie reichten – der Stachel bis auf die Höhe des Rippenbogens! Jedes der ein Dutzend Tiere musste zwei Meter lang sein und bewegte sich verdammt schnell!

Maddrax schwenkte und hielt auf den Mann und die Frau zu. Als diese sie bemerkten, stockten sie nur kurz und rannten dann mit neuem Elan auf sie zu.

»Aruula, die Kanone!«

»Okee!« Sie hatte das Pult der Waffenphalanx vor sich. Als sie die 20-mm-Vulkankanone aktivierte und herumschwenkte, hörte sie das Surren der elektrischen Motoren. Sie zog an dem Mann und der jüngeren Frau vorbei und zielte. Die Scorpocs erschienen im Fadenkreuz. Ihre roten Panzer waren die Gleichen, die die Verfolgten auf Brust und Rücken trugen.

Sie drückte ab.

Das Pärchen schien darauf nicht gefasst, stoppte und hielt sich die Ohren zu. Die Vulkankanone zog eine Spur zerfetzter Skorpione die Straße entlang. Die restlichen Tiere spritzten auseinander und verschwanden zwischen den Felsen.

Der Amphibienpanzer kam vor den beiden zum Stehen. Aruula sah eine junge Frau von zwanzig Jahren, braungebrannt und in gut verarbeitete Stoffe und Leder gehüllt. Der rote Panzer vor ihrer Brust stammte tatsächlich von einem Scorpoc.

Der Mann neben ihr war älter, mit wirrem grauschwarzen Bart und Lederhut auf dem Kopf. Er lud eilig seine Büchse nach, obwohl die Tiere längst weg waren.

Aruula kletterte zur oberen Luke hoch und auf das Dach. Als sie eine Bewegung zwischen den Felsen sah, nahm sie ihr Schwert vom Rücken. Die junge Frau rannte bereits darauf zu.

»Yahzeera!«, rief der Ältere alarmiert.

Sie erreichte den Findling, sprang zur Seite, als ein Scorpoc aus dem Schatten auf sie zukam. Gleichzeitig tauchte ein zweiter aus dem Dickicht hinter dem Mann auf.

Aruula sprang von PROTOs Nase hinunter und nahm sich das Tier bei dem Mann vor, das mit tänzelnder Leichtigkeit herankam. Aus der Nähe sah es fürchterlich aus, schien nur aus glattem Panzer, scharfen Scheren und dem bedrohlichen Stachel zu bestehen. Es bewegte sich lautlos – auch als es jetzt im Krabbengang zur Seite auswich.

Aruula schwang das Schwert und ließ es auf den Rückenpanzer krachen. Die Mandibeln griffen danach, kamen aber nicht hoch genug. Sie wirbelte herum, als der Stachel zustieß.

Der Mann war heran. »Nicht den Panzer zerstören!«, rief er und rammte dem Biest ein Messer in die Seite, wo zwei Segmente aufeinandertrafen. Wieder stieß er zu, hielt die Beine von den Scheren fern und zog sich eilig zurück.

»Handu!«, rief die junge Frau, Yahzeera. Sie hatte »ihrem« Scorpoc den Speer durch den Rachen gestoßen und versuchte gerade, ihn am Boden zu fixieren. Das Tier war stark, drohte auszubrechen und schnappte mit den Scheren nach der Waffe.

Handu rannte zu ihr, hob auf dem Weg die fallengelassene Büchse auf und legte an. Das Projektil riss die Seite des Tieres auf, und schwarzer Schleim spritzte auf den festgetretenen Sand.

Der Stachel zuckte ohne Vorwarnung. Aruula wollte noch schreien –

- da schoss ein gleißender Strahl heran. Handu und Yahzeera schrien auf. Der Stachelschwanz fiel zu Boden, abgetrennt vom Laser der Waffenphalanx. Maddrax gab ihr aus dem Cockpit den hochgereckten Daumen.

Ein Blick in die Runde zeigte ihr, dass die übrigen Tiere schon fort waren. »Wir sollten hier weg«, sagte sie zu den beiden.

Der ältere Mann sah sie irritiert an, schnaufte noch von den Anstrengungen des Kampfes und lud seine Büchse nach. »Und die Reichtümer hier liegen lassen? Keine Sorge, ihr bekommt auch euren Anteil. Vielen Dank übrigens!«

Aruula wartete auf PROTOs geöffneter Luke, während Maddrax mit dem Scanner die Umgebung nach versprengten Tieren absuchte. Die junge Frau, Yahzeera, setzte sich zu ihr und nahm ein paar tiefe Schlucke aus einer blechernen Flasche.

»Nagii ist in der Nähe«, sagte sie unvermittelt. »Wir waren auf der Jagd nach Scorpocs. Waren bloß zu viele.«

Aruula verzog den Mund. »Was macht dein Partner dort?«, fragte sie und zeigte auf Handu.

»Er ist mein Onkel, hat mir die Jagd beigebracht. Er erntet von den Scorpocs. Ihr seid ja nicht von hier. Ihr kennt das nicht. Grauzeug. Ein Tipp von jemandem, der dankbar ist. Wir sprechen nicht viel darüber. Es ist sehr wertvoll und selten.«

Aruula sah die Jüngere an, die sich anscheinend bei ihren Worten wichtig vorkam. »Grauzeug? Was ist das?«

»Na, graues Zeug«, sagte Yahzeera und lachte. »Es heilt dich.« Sie fasste dabei an ihre Seite und verzog das Gesicht wie in einer schmerzhaften Erinnerung. »Komm, lass uns ihm helfen.«

Aruula folgte ihr zu Handu in die Sonne. Der Ältere zeigte nur zu gerne, wie sie ihm zur Hand gehen konnten. Gemeinsam nahmen sie die Biester aus, trennten die Rückenpanzer ab und legten sie wie Schalen über ein großes Feuer, das er aus trockenen Büsche entzündete. In die Schalen gaben sie ausgewählte Organe der Tiere.

»Ihr wollt das doch nicht essen, oder?«, fragte Aruula skeptisch. »Es gibt Leckereres als Scorpoc-Innereien.«

»Essen?«, fragte Handu und machte eine wegwerfende Geste. »Die Mägen und Lebern vielleicht. Aber eigentlich wollen wir alles zu Kohle braten. Grauzeug brennt nicht, und so können wir es anschließend herausbröseln.«

Bei diesen Worten sah er sie strahlend über das Feuer hinweg an. »Die Tiere leben in den Höhlen, wo es mehr davon gibt. Sie nehmen es auf, tragen es in ihren Mägen und den anderen Organen. Aber dort unten gehe ich nicht auf die Jagd, ist es zu gefährlich.«

»Ist auch hier schon gefährlich genug«, sagte Aruula.

»Ja«, gab er zu. »Unser Köder war zu gut. Zum Glück kamt ihr. Wir teilen die Beute, ja?«

Aruula sah zu PROTO, wo Maddrax ihren Standort und die Geschehnisse durchgegeben hatte. Nun kam er herüber und setzte sich zu ihnen ans Feuer.

»Sie bieten uns Grauzeug an«, sagte Aruula und erklärte ihm, was sie erfahren hatte.

Als sie fertig war, bot Handu ihm scherzhaft einen durchgebratenen Scorpoc-Magen an. Maddrax lehnte dankend ab.

»Ihr solltet es wirklich nicht essen«, sagte Yahzeera. »Grauzeug macht süchtig. Das dauert lange, aber fangt besser nicht damit an.«

»Bist du süchtig?«, fragte Aruula, der der schwermütige Ton der Frau aufgefallen war.

»Ja«, sagte sie. »Aber das hat einen anderen Grund.«

»Sie hat mehr aufgenommen als die meisten hier oben«, erklärte Handu. »Meine Nichte wurde vor einem Jahr schwer verletzt. Wenn der Heiler sie nicht versorgt hätte, wäre sie gestorben. Du bist etwas Besonderes!« Den letzten Satz richtete er an Yahzeera, die darüber nicht glücklich schien.

»Was ist passiert?«, fragte Maddrax.

»Ein Grausammler in Nagii«, sagte Yahzeera und stocherte mit ihrem Speer im Feuer. »Er meinte, er könnte mir mein Zeug wegnehmen. Nun, ich habe mich gewehrt. Er zog eine Handbüchse und drückte ab.«

Sie legte ihre Waffe auf den Bogen und griff nach ihrem Oberteil. Ohne Scham zog sie es hoch bis zur Achsel.

Die Narbe war fürchterlich. Sie reichte vom vorderen Rippenbogen bis zur Schulter. Schlimmer noch war aber die unerklärliche Form des Wundverschlusses. Es sah aus, als wäre fremdes weißes Fleisch in der Wunde gewachsen.

»Ich will mich nicht beschweren«, sagte Yahzeera und zog ihr Oberteil zurecht. »Ezra hat mir das Leben gerettet. Meine Eltern sagen, die halbe Seite war offen. Er musste die Rippen richten. Es wäre gar nicht wieder zugewachsen. Aber Ezra hat sein gesamtes Grauzeug verwendet und Fleisch und Haut von einem Piig3 eingesetzt. ›Das passt am besten zum Menschen‹, hat er gesagt. Oink-oink!«

Sie lachte bei den letzten Worten.

Maddrax starrte sie immer noch an. »Das ist erstaunlich!«

»Grauzeug heilt«, sagte Yahzeera. »Aber er hat mehr verbraucht, als Handu und ich in einem Jahrzehnt sammeln können. Ich stehe für den Rest meines Lebens in seiner Schuld.«

Handu legte ihr die Hand auf die Schulter. »Es ist gut, dass du da bist. Und Narben sehen an einer verwegenen Grausammlerin gut aus.«

Sie schnaufte, sah ihn aber dankbar an.

Als der Abend kam, waren die Organe zu Kohle verbrannt. Handu zerstampfte sie, bearbeitete sie in der Schale mit Sand und Wasser. Aruula fühlte sich zugleich an die Herstellung eines Brotteigs und Goldwaschen erinnert.

Handus Gesicht wurde konzentrierter, erwartungsvoller. Sie schätzte ihn nicht mehr ganz so alt, vielleicht Mitte dreißig. Diese Gegend verlangte einem anscheinend einiges ab.

»Ich hatte noch nie so viele Tiere auf einmal«, sagte er. »Es ist gut, dass ihr kamt. Das ist der Fang eines Jahres. Wisst ihr, in den Höhlen gibt es mehr. Wenn man tief reingeht, sogar viel mehr. Manche Grausammler gehen hinein und kommen nicht wieder. Jene, die dort unten überleben, nennen sich Visores.«

»Sucher?«, übersetzte Maddrax aus dem Spanischen.

»Schatzsucher! Nach Relikten!«

Maddrax warf Aruula einen Blick zu.