MAFIA DARLING - Mila Finelli - E-Book

MAFIA DARLING E-Book

Mila Finelli

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Beschreibung

Buch 2 von 2 – kein eigenständiges Buch! FAUSTO In meiner Welt ist Loyalität alles. Ich hätte sie nicht an mich heranlassen dürfen. Ich hätte nicht zulassen dürfen, dass sie mir unter die Haut geht. Aber das bedeutet nicht, dass ich sie mir wegnehmen lassen werde. Er wird mit seinem Leben dafür bezahlen, denn nichts wird mich davon abhalten, das zurückzufordern, was mir genommen wurde. Francesca gehört mir, und sie wird bei mir bleiben. FRANCESCA Ich habe einen gefährlichen Mann gefunden, der mich vor Verlangen brennen lässt, einen Mann, ohne den ich nicht leben konnte... bis er mich des Betrugs beschuldigte und mich wegschickte. Dann wurde ich von seinem Rivalen gekidnappt. Fausto denkt, er kann mich retten und mich wieder zu seinen Füßen betteln lassen. Aber ich bin fertig mit dem Betteln. Dieses Mal wird es der König selbst sein, der zerbricht. ****** MAFIA DARLING ist der zweite Teil der Serie „Könige von Italien“ und ist kein eigenständiges Buch. Es muss mit dem ersten Teil zusammen gelesen werden.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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MAFIA DARLING

KÖNIGE VON ITALIEN

BUCH 2

MILA FINELLI

Urheberrecht

Copyright © 2022 by Mila Finelli

Alle Rechte vorbehalten.

Ohne schriftliche Genehmigung der Autorin dürfen keine Teile dieses Buches in irgendeiner Form oder mit elektronischen oder mechanischen Mitteln, einschließlich Informationsspeicher- und -abrufsystemen, reproduziert werden, mit Ausnahme der Verwendung kurzer Zitate in einer Buchbesprechung.

Dies ist ein Werk der Fiktion. Alle Namen und Charaktere, Unternehmen oder Orte, Ereignisse und Vorfälle sind fiktiv. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen lebenden oder toten Personen sowie tatsächlichen Ereignissen ist rein zufällig.

Cover: Letitia Hasser, RBA Designs

Edition: Jennifer Prokop

Übersetzer: Martin Wick

Quando il diavolo ti accarezza, vuole l'anima.

Wenn der Teufel dich streichelt, will er die Seele.

—Italienisches Sprichwort

INHALT

1. Fausto

2. Giulio

3. Francesca

4. Fausto

5. Fausto

6. Francesca

7. Francesca

8. Francesca

9. Fausto

10. Fausto

11. Francesca

12. Francesca

13. Fausto

14. Francesca

15. Francesca

16. Fausto

17. Fausto

18. Francesca

19. Fausto

20. Francesca

21. Fausto

22. Enzo

23. Francesca

24. Francesca

25. Fausto

26. Francesca

27. Fausto

28. Francesca

29. Francesca

Epilog

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Hier bekommen Sie mehr von Fausto!

Vorschau auf Mafia Madman

Über die Autorin

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Ebenfalls von Mila Finelli

FAUSTO

Ich träumte oft von Blut.

Von Strömen davon, die meinen Mund füllten und mich erstickten. Sie ertränkten mich und alle, die mir wichtig waren, ohne Hoffnung auf Überleben.

Die Träume hatten begonnen, als ich noch ein einfacher Soldat gewesen war und unter dem wachsamen Auge meines Vaters ausgebildet wurde. Damals hatte sich der Sohn des capos nicht vor den grausameren Aufgaben drücken können. Nein, die Männer meines Vaters nutzten diese Aufgaben, um mich abzuhärten und mich von einem Jungen in einen Mann zu verwandeln.

In einen Mann, der in der Lage war, die gefährlichste Mafia der Welt anzuführen. Die 'Ndrangheta.

Ich hatte keine Wahl, für mich gab es kein anderes Leben, das ich in Betracht ziehen konnte. Im Laufe der Jahre folgte ich allen Befehlen und wagte es nie, auch nur einen Anflug von Schwäche zu zeigen. Das Foltern und Töten gingen mir in Fleisch und Blut über. Es war eine Arbeit, die ich zu lieben lernte. Sie brachte mir den Respekt meiner 'ndrina-Brüder und die Angst meiner Feinde ein. Die Leute raunten, wohin ich auch ging, und Geschichten über meine Grausamkeit verbreiteten sich schnell.

Ich machte meinen Vater damit sehr stolz.

Er sagte es mir oft, besonders nachdem er mich in meinen schlimmsten Momenten beobachtet hatte. Sie riefen ihn herbei, wenn ich zu begeistert mit meinem Messer umging und das Blut unserer Feinde mich von oben bis unten rot färbte wie den Teufel. So entstand die Legende von il Diavolo. Ich zerstückelte, weidete aus, schlachtete… Der Schmerz, den ich austeilte, kam in der Liebe meines Vaters zehnfach zu mir zurück.

Doch ich geriet in einen Teufelskreis. Je mehr ich tötete, desto mehr Lob verdiente ich, bis ich aufgrund der Albträume kaum noch schlafen konnte. Selbst Jahre später schlief ich nur drei oder vier Stunden, bevor ich schweißgebadet mit einem erstickten Schrei aufwachte. Dann stand ich auf, trainierte und rannte, bis ich fast umfiel.

Das war mein Leben gewesen, bevor sie aufgetaucht war. Ich hatte mehr, als sich die meisten Männer jemals erträumen konnten, auch wenn mich die Erschöpfung jeden wachen Moment verfolgte. Aber ich würde dieses Leben niemals gegen ein reines Gewissen eintauschen.

Dann kam sie, mit ihrem Feuer und ihrer Frechheit. Meine Albträume hörten auf, wenn sie bei mir war. Für ein paar glückselige Wochen bekam ich eine Verschnaufpause von den Gespenstern meiner Vergangenheit. Zum ersten Mal in Jahrzehnten schlief ich gut.

Dann schickte ich sie fort.

Die Träume kehrten zurück, wurden aber noch schlimmer, weil sie sie jetzt einschlossen. Ich sah meine dolcezza, allein und verängstigt, wie sie vor meinen Augen verblutete, und ich konnte nichts dagegen unternehmen. Meinen Albträumen war es egal, dass Francesca mich betrogen hatte und dass sie nicht die Person war, für die ich sie gehalten hatte. Nein, meine Albträume quälten mich, trieben mich Nacht für Nacht in den Wahnsinn und brachten mich an die Grenzen meiner Belastbarkeit.

Mein Sohn tauchte ebenfalls in meinen Träumen auf und jedes Mal fand ich ihn tot auf. Sie töteten ihn immer, bevor ich ihn retten konnte, und dann ließen sie seinen leblosen Körper zurück, damit ich ihn finden würde. Mein guter Junge, geschlachtet wie ein Schwein.

So viel Blut. So viel Tod.

Chi male comincia, peggio finisce.

Ein schlechter Anfang birgt ein noch schlimmeres Ende.

Das war das Leben, für das ich mich entschieden hatte. Was auch passierte, es gab kein Zurück mehr.

GIULIO

Ich wartete an einer Ampel, nahm einen weiteren Zug von meinem Joint und hielt den Rauch, solange ich konnte. Dann atmete ich aus und Benommenheit strömte durch meinen Blutkreislauf wie ein warmes Bad. Cazzo, das tat gut.

Ich lehnte mich gegen die Kopfstütze und schloss die Augen. Dieses Gefühl war viel besser als Alkohol, mit dem ich mich nur noch mehr wie mein Vater fühlte. Seit Frankie weg war, trank er zu viel, und Fausto und ich hatten ohnehin schon genug gemeinsam. Es war nicht nötig, dieser Liste noch ein geteiltes Alkoholproblem hinzuzufügen.

Hinter mir hupte ein Auto. Ich öffnete die Augen und zeigte dem Fahrer den Mittelfinger. Stronzo. Dann gab ich mit meinem Ferrari Gas und raste in den mittäglichen Strandverkehr. Musik dröhnte aus meiner Stereoanlage, ein Lied, das ich seit Ewigkeiten nicht mehr gehört hatte. Ich trommelte mit den Händen gegen das Lenkrad und schaltete schnell die Gänge, während ich laut mitsang. Dio, fühlte ich mich gut. Durstig, aber gut.

Ich wünschte, ich könnte Paolo jetzt ficken.

Der Gedanke ruinierte fast meine Freude, also schob ich ihn beiseite. Wenn ich Paolo am Leben erhalten wollte, durfte ich ihn nicht wiedersehen. Aber ich wollte niemand anderen ficken. Ich liebte ihn immer noch.

Meine Brust zog sich zusammen, und mein Herz pochte so heftig, dass es lauter war als der Bass in dem Lied. Ich hatte seit drei Wochen keinen Sex mehr gehabt. Es war eine Tortur. Trotzdem war mein Schwanz letzte Nacht im Stripclub schlaff geblieben, sehr zur Enttäuschung des Mädchens, das sich auf meinen Schoß gesetzt hatte. Das Leben wäre so viel einfacher, wenn ich Frauen mögen würde.

Oder wenn ich Paolo haben könnte.

Mein Vater hielt die Dinge für einfach. Der große Fausto Ravazzani gab einen Befehl und erwartete, dass wir alle spurten.

Ich habe dir gesagt, dass du tun kannst, was du willst, sobald du eine Familie gegründet hast.

Aber Paolo würde nicht warten, bis ich meine Frau oft genug gefickt hatte, um den Stammbaum zu erweitern. Und ich erwartete das auch nicht von ihm.

Cristo, fickte Paolo vielleicht schon jetzt mit einem anderen?

Der Gedanke ließ mein Blut trotz der Wirkung meines Joints gefrieren. Hatte er mich bereits vergessen und in den letzten drei Wochen ein neues Leben begonnen? Bestimmt hatte er das. Zwar hatte er traurig gewirkt, als ich Schluss gemacht hatte, aber vielleicht waren seine Tränen nur vorgetäuscht gewesen. Hatte er schon angefangen, in den Dating-Apps zu posten und andere Männer zu treffen?

Ich musste es herausfinden.

Ich fuhr in die Einfahrt des Strandhauses und trug eine Kiste voll von Zias cornetti und sfogliatelle zur Haustür. Frankie aß immer noch nicht genug, aber vielleicht konnte ich sie zu ein paar Bissen überreden. Wenigstens teilten wir unser Leid. Obwohl ich es hasste, sie traurig zu sehen, hielten mich die täglichen Besuche bei ihr nach meiner Trennung bei Verstand. Die Besuche und das Gras.

Ich schickte Sal, ihrem Bodyguard, eine SMS, um ihm zu sagen, dass ich hier war, und öffnete dann die Tür mit meinem Schlüssel, für den Fall, dass Frankie schlief. Ich ging zuerst in die Küche. Sie war leer und still, und Geräusche vom Strand waren im Hintergrund zu hören. Eine kalte Tasse Kaffee stand auf der Kücheninsel, Frankies Tablet ruhte ebenfalls dort. War sie wieder ins Bett gegangen?

„Sal“, rief ich leise. Normalerweise saß der große Mann an der Hintertür, nicht ganz im Haus, aber in der Nähe, falls es Probleme gab. Aber sein Sessel war leer. Ich warf einen Blick auf meine Uhr. Zwei Uhr. Sal sollte hier sein.

Waren sie am Strand? Ich warf einen Blick nach draußen und suchte das Ufer ab. Frankie war schon lange nicht mehr fit genug für lange Spaziergänge oder Schwimmrunden gewesen. Es waren viele Leute am Strand, aber Frankie oder Sal waren nicht unter ihnen.

Das war seltsam.

Ich wählte Sals Nummer und zog meine Waffe aus der Innenseite meiner Jacke. Absolut ruhig ging ich nach oben, um nachzusehen, ob sie im Bett war.

Ihre Bettlaken waren zerknittert, aber leer. Sie war auch nicht im Badezimmer. Ma che cazzo?

Schweiß bedeckte meinen Rücken und jeder Teil von mir war inzwischen in höchster Alarmbereitschaft. Ich überprüfte schnell den Rest des Obergeschosses und kehrte dann nach unten zurück. Ich rief Sals Ersatz, Luca, an. Er antwortete nach dem zweiten Klingeln. „Wo bist du?“, fragte ich.

„Ich will gerade das Haus verlassen, warum?“

„Hast du heute von Sal gehört?“

„Ja, heute Morgen. Er wollte wissen, ob wir morgen die Schichten tauschen können.“

„Er ist nicht hier.“ Ich fing an, Schranktüren zu öffnen und hinter Möbeln nachzusehen. „Sowohl von Sal als auch Frankie fehlt jede Spur.“

„Das ist unmöglich“, erwiderte er, und ich konnte hören, wie er sich in Bewegung setzte. „Ich komme gleich, aber du solltest Marco anrufen. Er kann sich die Sicherheitsaufnahmen vom castello aus ansehen.“

Ich legte auf, kehrte in die Küche zurück und steuerte auf die Speisekammer zu. Als ich die Tür öffnete, wurde mir flau im Magen. Sal lag am Boden, reglos. Minchia! War er tot?

Schlimmer noch, wo zum Teufel war Frankie?

Das alles verhieß nichts Gutes.

Ich musste meinen Vater anrufen.

* * *

Fausto

Ich rieb mir die Augen hinter meiner Brille. Die Worte auf dem Bildschirm verschwammen und ich war zu müde, um mich zu konzentrieren.

Seufzend nahm ich meinen Campari mit Tonic in die Hand. Ich hatte angefangen, bereits früh am Nachmittag zu trinken, eine Angewohnheit, die Marco verabscheute, die ich aber für notwendig hielt, um den Schmerz in meiner Brust zu dämpfen. In den letzten zwei Nächten war ich betrunken ins Bett gesunken und hatte wenigstens ein paar Stunden geschlafen.

Das war eine wesentliche Verbesserung gegenüber den wochenlangen schlaflosen Nächten.

Marco saß in der Ecke und tat so, als würde er mich ignorieren, während er mich in Wirklichkeit genau beobachtete. Aber mir konnte er nichts vormachen.

Ich las noch einmal die Zahlen auf meinem Bildschirm, um zu beweisen, dass ich mein Imperium voll im Griff hatte. „Toni hat uns gerade über zwei Millionen Euro eingebracht, indem er eine Tech-Aktie leerverkauft hat.“

Marco brummte.

„Vielleicht brauchen wir D'Agostino gar nicht für diese Computersache.“

Er antwortete nicht.

Ich trommelte mit den Fingern auf dem Schreibtisch und nippte an meinem Cocktail. Wenn ich trank, schweiften meine Gedanken oft zu ihr zurück, auch wenn ich versuchte, es zu verhindern.

Sie hatte mich zum Narren gehalten. Ich hatte für sie geschwärmt wie ein liebeskranker Teenager, der seinen ersten Vorgeschmack auf eine Muschi bekommt. Und während all dieser Zeit hatte sie ein Geheimnis vor mir bewahrt, das alles zerstören konnte, was ich aufgebaut hatte. Das würde ich ihr nie verzeihen.

Ich sah meinen Cousin mit zusammengekniffenen Augen an. „Warum nimmst du dir nicht den Rest des Tages frei?“

„Nein, danke.“

Er babysittete mich, als wäre ich ein Kleinkind, und das gefiel mir nicht. „Marco...“ Im selben Moment leuchtete mein Handybildschirm auf und Giulios Name erschien. Ich hatte ihn seit unserem Streit nicht mehr gesehen.

Ich hob ab und hielt das Handy an mein Ohr. „Pronto.“

„Sie ist nicht hier.“

Ich hörte seine Panik, bevor ich seine Worte verstand. Ich richtete mich in meinem Stuhl auf und schaltete sofort den Lautsprecher ein, damit Marco mithören konnte. „Was meinst du? Wo ist sie?“

„Das Haus ist leer. Frankie ist nicht hier und auch keine Wachen.“

Marco und ich wechselten einen Blick. Was zum Teufel…? War sie etwa weggelaufen?

Oder war etwas Schreckliches passiert?

Meine Brust verkrampfte sich, und mein Herz vergaß plötzlich, wie es zu schlagen hatte, und ich stand auf. Marco fing an, auf seinem Handy zu tippen. Wahrscheinlich versuchte er, die Männer zu erreichen, die ich im Strandhaus stationiert hatte, aber ich konzentrierte mich weiterhin auf meinen Sohn. „Zeig es mir“, bellte ich.

Giulio schaltete das Video ein. Er war in der Küche und hielt seine Waffe in der anderen Hand. „Als ich hier ankam“, erklärte er, „stand die Hintertür offen. Ich fand Sal in der Speisekammer.“

Er zeigte mir Sal, der bleich und reglos am Boden lag. „Ist er tot?“, fragte ich.

„Er lebt“, antwortete mein Sohn. „Neben ihm liegt eine Spritze am Boden.“

„Wo ist sie?“, rief ich und zog mit einer Hand an meiner Krawatte, um sie zu lockern. Hatte Francesca Sal irgendwie unter Drogen gesetzt und war dann geflohen?

Egal, was passiert, ich werde von hier fortgehen. Irgendwie werde ich dir entkommen.

„Durchsuche jeden Zentimeter des Hauses. Ich bin schon unterwegs.“ Ich legte auf und stürzte los.

Marco hob eine Hand und sprach schnell in sein Telefon. Dabei packte er mich am Arm, um mich aufzuhalten. „Sie war am Strand spazieren. Nichts Außergewöhnliches. Sal blieb zuerst zurück, dann ging er ihr nach. Vic schaut sich gerade die Kameraaufnahmen an.“

Ich sprintete zur Tür hinaus und den Korridor entlang. Der Sicherheitsraum befand sich im östlichen Teil des castello und ich rannte wie ein Verrückter dorthin.

Vic saß am Schreibtisch, und vor ihm ragte eine Wand aus Bildschirmen hoch. Er war unser bester Techniker, ein Hacker mit besonderen Fähigkeiten, die wir auf der ganzen Welt einsetzten. Sein Blick war auf den Bildschirm gerichtet, auf dem Sal auf dem Stuhl am Strandhaus saß und seinen Blick auf etwas am Strand gerichtet war. Francesca.

„Sie ist seit etwa zehn Minuten weg“, sagte Vic und spulte das Video weiter vor. „Sal beobachtet sie und steht dann auf, um ihr zu folgen.“

„Warum hast du die Kameraaufnahmen heute nicht beobachtet?“, knurrte ich. „Wie zum Teufel konnte das passieren?“

Er schluckte, erwiderte meinen Blick aber nicht, sondern richtete seine Aufmerksamkeit weiter auf den Bildschirm. „Es tut mir leid, Don Ravazzani. Ich habe an einem Sicherheitsupdate gearbeitet. Ich habe nicht genau auf die Kameras geachtet.“ Auf dem Monitor schlich eine dunkle Gestalt in die Küche. Ein Mann, der Sal über der Schulter trug.

„Wer ist das?“ Ich beugte mich vor und beobachtete, wie der Mann mit einer schwarzen Maske Sal in die Speisekammer warf. Ein paar Sekunden später nahm ihn eine andere Kamera beim Verlassen des Hauses auf. War das jemand, den sie angeheuert hatte, um ihr zu helfen? Oder war es einer meiner Feinde? „Ist sie noch am Strand? Können wir die Aufnahmen der Überwachungskameras bekommen?“

Vic wechselte zu einem Laptop und begann zu tippen. „Das kann einige Zeit dauern.“

Ich schlug mit der Faust auf den Schreibtisch. „Wir haben keine Zeit. Du bist doch angeblich ein Technologie-Genie, also beschaff die verdammten Aufnahmen. Ich muss wissen, was mit ihr geschehen ist…“

„Rav.“ Marco hielt mir sein Handy vors Gesicht. „Du solltest den Anruf annehmen.“

„Nicht jetzt.“

„Rav“, betonte er mit so ernster Miene, wie ich es noch nie gesehen hatte. „Es ist D'Agostino. Er sagt, er habe etwas, das dir gehört.“

FRANCESCA

Schon wieder hatte mich einer dieser italienischen Bastarde entführt.

Der Kofferraum öffnete sich plötzlich und helles Licht blendete meine Augen. Hatten wir angehalten? Ich war zu sehr nach innen gewandt gewesen, zu verängstigt, um es überhaupt zu bemerken. Meine Brust hob sich, als ich verzweifelt versuchte, Luft durch meine Nasenlöcher zu saugen, die vom Schreien und von der Angst verstopft waren. Tief in meinem Hinterkopf wusste ich, dass ich hyperventilieren würde, wenn ich meine Panik nicht in den Griff bekam, aber ich konnte meinen Körper nicht kontrollieren.

„Calmati”, hörte ich Enzo sagen, während er sich vorbeugte und das Handy in seiner Hand auf mich richtete. Herrgott nochmal. Machte er etwa Fotos von mir? Hatte die Mafia etwa ihre eigenen Social-Media-Kanäle, auf denen sie mit ihren Morden und Entführungen prahlte?

Er wechselte den Winkel und machte weitere Fotos. „Entschuldige, Francesca. Das war notwendig, aber jetzt ist es vorbei.“

Mit einer schnellen Bewegung riss er mir das dicke Klebeband vom Mund. Meine Haut brannte vor Schmerz und mir schossen Tränen in die Augen. Scheiße, das tat weh. Er öffnete ein Klappmesser und ich spannte mich an. Wollte er mich erstechen? Mich vergewaltigen? Mir die Zunge herausschneiden?

Mit einem gekonnten Schwung durchschnitt er den Kabelbinder um meine Handgelenke. Ich zog meine Hände sofort an meine Brust und rieb die roten Vertiefungen in meiner Haut. Das Kribbeln begann an meinen Schultern und arbeitete sich meine Arme hinunter, als wieder Blut in meine Glieder floss. Ich zuckte zusammen und wartete darauf, dass der Schmerz nachließ.

Enzo hob mich aus dem Kofferraum, weil ich zu schwach war, um mich zu wehren, was mich wütend machte. Es war wie in dem Augenblick, in dem Giulio mich im Kerker vorgefunden hatte. Ich war die leere Hülle einer terrorisierten Frau. Mafia-Männer waren offiziell die schlimmsten.

Mariella und Enzo stützten mich, als meine Beine nachgaben und ich fast umgekippt wäre. Zitternd und verschwitzt befeuchtete ich meine Lippen. „Du verdammtes Arschloch.“

Er grinste ohne jede Reue. „Ich weiß. Dai, andiamo. Du kannst dich auf den Rücksitz setzen.“

„Wohin bringst du mich?“

„Nach Neapel. Niemand wird dir wehtun, das verspreche ich.“

„Du hast mich mit vorgehaltener Waffe überfallen und in einen Kofferraum gestoßen. Für Versprechen ist es ein bisschen spät, Enzo.“

„Ich entschuldige mich, aber ich musste es für die Kameras überzeugend aussehen lassen.“ Er führte mich zur Passagiertür und legte mir Handschellen an. „Steig jetzt ein.“

„Warum sollte ich mit euch beiden durchgeknallten Irren mitgehen?“

Er hob sein Hemd und zeigte mir die Pistole, die in seinem Hosenbund steckte. „Ich ziehe es vor, das hier auf die nette Tour zu machen, aber ich stecke dich gern wieder in den Kofferraum, wenn dir das lieber ist. Du kommst so oder so mit mir.“

Ich wollte mich wehren. Ich wollte fliehen und ihm entkommen. Aber wir befanden uns auf einem verlassenen Straßenabschnitt, mit nichts als flachen Ebenen um uns herum. Ich würde nicht weit kommen.

Und wie könnte ich mein Kind in Gefahr bringen? Wenn er auf mich schoss, würde ich wahrscheinlich in der heißen Augustsonne verbluten.

Du wirst schon noch einen Weg finden, zu entkommen, Frankie. Spiel vorerst mit.

Ich rutschte auf den Rücksitz und Enzo schaute mich scharf an. „Ich werde dich fesseln und wieder in den Kofferraum stecken, wenn du irgendetwas Dummes versuchst. Benimm dich, dann kannst du neben Mariella fahren.“

Mariella stieg neben mir ein, während Enzo zur Fahrertür ging. „Es gibt keinen Grund zur Sorge“, beteuerte Mariella. „Enzo wird dir nicht wehtun. Es geht ihm nur darum, das zu bekommen, was er von Ravazzani will.“

Großartig. Das war doch endlich mal eine beruhigende Nachricht.

Wenn sie dachte, dass ich noch ihre Freundin war, täuschte sie sich mächtig.

Enzo stieg ein und startete den Motor. Ich lehnte mich gegen die Tür und schloss erschöpft die Augen. Wie spät war es? Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich in diesem Kofferraum gewesen war.

Mariella stupste mich mit einer Flasche Wasser an. „Hier. Trink das. Ich habe auch einen Proteinriegel für dich dabei.“

Ich war nicht zu stolz, um abzulehnen, immerhin war ich schwanger. „Danke.“ Enzo schrieb eine SMS auf seinem Handy und ich fragte: „Wie weit ist es noch?“

„Vier Stunden.“

Oh, fantastisch. Mich erwartete eine endlose, miserable Autofahrt. Wenigstens war ich nicht mehr im Kofferraum.

Enzo fuhr los. „Du wohnst schon lange am Strand, Francesca. Hängt etwa der Haussegen schief?“

Obwohl ich ihn beschimpfen und anschreien wollte, sagte ich nichts. Wenn er das Strandhaus beobachtet hatte, wusste er, dass Fausto mich nicht besuchte und ich dort allein war.

„Fausto hat ein ziemliches Temperament“, fuhr Enzo fort. „Er muss ganz schön angepisst sein, wenn er dich zum Strandhaus geschickt hat.“

„Du kannst aufhören zu versuchen, irgendwelche Informationen aus mir herauszuholen. Es wird ihm egal sein, dass du mich entführt hast, wenn das deine Absicht gewesen ist.“

„Oh, ich denke, dass es ihm alles andere als egal sein wird.“ Er grinste mich im Rückspiegel an. „Den Beweis dafür werde ich bald bekommen.“

Was auch immer das bedeutete… „Hör zu, Enzo. Du scheinst ein anständiger Kerl zu sein, für Mafia-Verhältnisse jedenfalls. Lass mich dir unnütze Kopfschmerzen ersparen. Selbst wenn Fausto mich zurückhaben will – was er nicht tut – bin ich nicht mehr an ihm interessiert. Er und ich sind Geschichte, weshalb dein kleiner Entführungsplan nicht aufgehen wird. Um ehrlich zu sein, hast du mir sogar einen Gefallen damit getan, mich da rauszuholen.“

Sein Grinsen erstarb.

„Das kann nicht dein Ernst sein“, warf Mariella ein. „Ihr wart doch so verliebt auf dem Boot.“

Ich schaute zu ihr hinüber und hob eine Braue. „Tja, weißt du was? Er hat mich rausgeschmissen, ohne Abschiedsgeschenke.“

„Ich verstehe nicht. Was meinst du mit Abschiedsgeschenken?“

„Ich durfte weder mein Telefon noch irgendetwas anderes von ihm behalten.“ Außer einem Baby. Hurra. „Von mir aus kann Fausto tot umfallen.“ Ich wollte nicht wirklich, dass er starb; ich wollte ihn einfach nur aus meinem Leben verbannen. Und zwar endgültig.

Mariella schnappte nach Luft und Enzo runzelte die Stirn. Sie wechselten einen Blick über den Rückspiegel, und ich merkte, dass sie mit dieser Wendung nicht gerechnet hatten.

„Ich kann es kaum erwarten, Neapel zu sehen“, sagte ich und wechselte das Thema. „Was kann man dort alles unternehmen?“

Sie fingen an, sich schnell auf Italienisch zu unterhalten, und ich kam bei dem Tempo nicht mit. Ich war ohnehin zu müde, um mich besonders darum zu kümmern. Die Aufregung und das Adrenalin hatten mich erschöpft. Ein Baby in mir heranwachsen zu lassen, war anstrengend. Ich beugte mich vor, stützte meinen Kopf auf meine Arme und schloss die Augen. Vielleicht würden sie mich einfach irgendwo absetzen, jetzt, da sie wussten, dass sie nichts für mich bekommen würden.

In diesem Fall könnte ich den nächsten Ort aufsuchen und meine Schwestern anrufen. Ich könnte versuchen, ein Flugticket von hier fort zu beschaffen, irgendwohin, wo ich meinem beschissenen Leben einen Sinn geben konnte.

Aber irgendetwas sagte mir, dass Enzo mich nicht einfach so irgendwo absetzen würde.

Das bedeutete, dass ich fliehen musste. Wieder einmal.

Ich könnte es schaffen. Ich könnte sie überlisten. Ich würde überleben. Zweifellos hielten sie mich für schwach und dumm. Ich war nur das Mädchen im schwarzen Bikini von der Yacht. Die puttanella.

Sie unterschätzten mich – wie es auch mein Vater und Fausto getan hatten –, aber ich würde dieses furchtbare Land verlassen. Ich würde an einen Ort verschwinden, an dem mich niemand finden würde, nicht einmal meine Familie. An einen Ort mit viel offenem Land und wenigen Menschen. Ich konnte Gemüse anbauen und Schafe züchten. Nein, keine Schafe. Sie waren zu niedlich. Vielleicht Hühner.

Ein Telefon klingelte über das Audiosystem des Autos. „Pronto“, sagte Enzo.

Tiefes, schnelles Italienisch füllte das Auto und meine Muskeln waren sofort in Alarmbereitschaft. Seine Stimme war abgehackt und förmlich, aber unverkennbar.

Fausto.

Ich hatte sein sexy italienisches Grollen seit Wochen nicht mehr gehört. Meine Brust bekam einen Knacks und kleine Risse meines Elends öffneten sich wieder. All die Schmerzen, die ich zu begraben versucht hatte, quollen hervor. Ich wollte ihn nicht vermissen. Ich musste ihn weiter hassen. Er hatte meine Vergebung nicht verdient, dieser Bastard.

„Nur zu“, ermunterte mich Enzo auf Englisch. „Du bist über den Lautsprecher meines Autos zu hören.“

„Frankie“, sagte Fausto ruhig. „Geht es dir gut?“

Frankie. Nicht Francesca oder dolcezza. Frankie, als wäre ich eine Bekannte oder eine alte Freundin. Traurigkeit stach in meine Haut ein und bohrte sich wie Nadeln in meine Brust. Wenn er es so haben wollte, dann bitte sehr. „Mir geht es prächtig, il Diavolo. Und dir?“

Er schwieg lange. „Enzo wird sich um dich kümmern. Ich werde dafür sorgen, dass er dich dorthin schickt, wohin du willst – mit meinem Segen, versteht sich.“

Ein Kloß bildete sich in meinem Hals und ich konnte nicht sprechen. Er wollte mich loswerden, diesmal endgültig. Ich hätte nicht überrascht sein sollen. Es war genau so, wie ich es Enzo gesagt hatte. Fausto wollte mich nicht zurück, und es war ihm egal, dass ich entführt worden war.

Wenigstens waren wir uns jetzt alle einig.

Ich hörte, wie er ruhig atmete, so gleichmütig, als wäre dies nur ein kleiner Punkt auf der Liste von Aufgaben, mit denen er sich heute befassen musste.

Ich ändere meine Meinung nicht, nachdem mich jemand verraten hat. Du bist für mich tot, Francesca Mancini.

Gott, warum tat das immer noch so weh?

Ich zwang die nächsten Worte heraus. „Prima. Sag Lamborghini Tschüss von mir. Und hey, tu mir einen letzten Gefallen und fahr zur Hölle, okay?“

Fausto sagte etwas auf Italienisch zu Enzo, und die beiden diskutierten einen Moment lang hin und her. Machten sie etwa Geschäfte? Gott, war das abgebrüht. Aber ich hätte nicht überrascht sein sollen. Alles, was Fausto interessierte, war sein Imperium. Sein kostbares Vermächtnis.

Nun, mein Kind würde er mit seinen mörderischen Händen nicht anrühren. Was auch passierte, dieses Kind würde weit weg von Fausto und von der 'Ndrangheta aufwachsen.

Irgendwie würde ich aus diesem gottverdammten Land rauskommen und sie würden mich nie finden.

* * *

Diese Fahrt war unbeschreiblich langweilig.

Niemand sprach, nachdem das Telefonat mit Fausto beendet war. Enzo schien in Gedanken versunken zu sein und Mariella spielte mit ihrem Handy. Ich konzentrierte mich darauf, mich nicht zu übergeben, was mit jeder Minute, die verging, schwieriger wurde.

Ich musste aus diesem Auto aussteigen.

„Können wir bitte anhalten? Ich muss auf die Toilette.“

Enzo fragte Mariella, ob sie anhalten wolle, worauf sie mit den Schultern zuckte, ohne von ihrem Handy aufzublicken. Enzo erwiderte meinen Blick durch den Rückspiegel. „Ich werde am Straßenrand anhalten. Es gibt genug Büsche und Bäume.“

„Vergiss es. Ich will ein richtiges Bad mit einer richtigen Toilette oder ich schwöre, dass ich dir die Lederpolster in diesem Auto ruiniere.“

Er funkelte mich an, dann machte er einen Anruf. Wer auch immer am Telefon war, nannte ihn Don D'Agostino, weshalb ich annahm, dass es einer von Enzos Angestellten war. Seltsam, dass er nicht mit dem gleichen Maß an Sicherheit und Paranoia reiste, die andere Mafia-Bosse plagte. War das Selbstvertrauen oder Dummheit?

Als wir schließlich an einer Tankstelle hielten, parkten dort bereits zwei schwarze Geländewagen. Aus beiden stiegen jeweils vier Männer, eine kleine Armee von Schlägern, die wie Militärs aussahen. Sie trugen schwarze Cargohosen, schwarze T-Shirts und schwarze Kampfstiefel. Sie bildeten einen Kreis um die Tankstelle und suchten mit Adleraugen die Umgebung ab. Das war also D'Agostinos Armee. Hatte ich ihn gerade noch für dumm gehalten?

Es war offensichtlich, dass Enzo alles andere als dumm war, denn er schickte zwei Männer mit Mariella und mir zur Damentoilette. Ein Fluchtversuch war hier unmöglich. Die Männer warteten draußen, während Mariella und ich hineingingen. Ich schloss die Kabinentür und atmete tief durch. Der Drang, mich zu übergeben, war stark, aber ich kämpfte dagegen an, weil ich nicht wollte, dass Mariella von meiner Schwangerschaft erfuhr. Als ich fertig war und hinausging, um mir die Hände zu waschen, war Mariella gerade dabei, ihr Make-up im Spiegel aufzufrischen.

Sie wühlte in ihrer Handtasche herum und hielt einen Stift hoch. „Für deine Augen.“

Ich betrachtete mich im Spiegel und war entsetzt über das, was ich da sah. Das Leid der letzten Wochen, das durch die Entführung noch verschlimmert wurde, hatte meiner Haut ziemlich zugesetzt. Ich sah müde aus, mein Teint war fahl. Dunkle Ringe hatten sich unter meinen Augen gebildet, die perfekt zu den Qualen passten, die sich dort widerspiegelten.

Ich werde dafür sorgen, dass er dich dorthin schickt, wohin du willst –mit meinem Segen, versteht sich.

„Guck nicht so traurig“, bemerkte Mariella. „Viele wichtige Männer in Neapel arbeiten für meinen Enzo. Du wirst einen anderen finden.“

Ich hätte fast geschnaubt. Nein danke. Ich wollte keinen neuen Mafia-Mann. Ich wollte einen Buchhalter oder einen Architekten. Einen Barista vielleicht. Jemand mit einem ganz normalen Job, bei dem es nicht darum ging, Leute zu töten.

„Nein danke“, erwiderte ich und lehnte ihr Angebot mit einem Wink ab. „Ich gehe zurück nach Toronto. Oder nach New York. Ich bleibe nicht hier.“

Mariella zeichnete die Ränder ihrer Lippen nach. „Ich könnte nie von hier weggehen. Es gibt nichts Besseres als einen mächtigen Mann zwischen den Beinen. Warum würdest du etwas anderes wollen?“

Ähm, aus Selbsterhaltungstrieb vielleicht?

„Außerdem“, fuhr sie fort, „wird Fausto bald alles verlieren. Mein Enzo kann sehr geschickt mit Computern umgehen und hat überall Augen und Ohren.“

Was sollte das denn bedeuten? Fausto hatte Enzos Computerbetrugsgeschäfte auf der Yacht erwähnt, aber das hier klang direkter, so als hätte Enzo es persönlich auf Fausto abgesehen. Wie? Hatte es etwas mit meinem Lösegeld zu tun?

Nein, darüber wollte ich mir im Moment keine Gedanken machen. Ich hatte meine eigenen Probleme. Als ich Mariella dabei zusah, wie sie an ihrem Lippenstift drehte, kam mir eine Idee.

„Kann ich mir deinen Lippenstift ausleihen?“

Begierig, den furchtbaren Anblick meines ungeschminkten Gesichts zu korrigieren, übergab sie mir den Stift. Ich nahm ihn an, ließ ihn dann aber fallen, und er rollte unter einer Toilettentür hindurch. „Verdammt“, schimpfte ich und eilte in die Toilette, um Mariellas Lippenstift zu holen. Sobald ich ihn in der Hand hatte, öffnete ich die Kappe und schrieb hastig auf die alte Metallwand.

Rufen Sie die Polizei. E. D'Agostino hat mich entführt.

Dann trug ich schnell etwas Lippenstift auf und ging wieder hinaus. „Wie sehe ich aus?“, fragte ich Mariella, die sich gerade die Wimpern tuschte.

„Das ist der falsche Farbton für dich.“ Sie holte ein Päckchen mit Make-up-Reinigungstüchern hervor. „Hier, wisch ihn damit ab und ich gebe dir einen anderen.“

Na klar, warum nicht? Zwei Mafia-Geliebte hingen zusammen in einer Tankstellentoilette ab, tauschten Make-up-Tipps aus und machten sich für Mörder schick.

Wach auf, Frankie. Du bist keine Mafia-Geliebte mehr.

Stimmt. Und wen kümmerte es schon, wie ich aussah?

Ich wischte mir den Lippenstift mit dem Tuch von den Lippen und warf es dann weg. „Nein, danke. Ich brauche keinen Lippenstift.“

„Wie du meinst.“ Sie schüttelte ihr perfektes Haar auf. „Komm. Enzo wartet nicht gern.“

Ich folgte ihr nach draußen. „Hast du etwas zu essen?“

„Ich habe noch ein paar Proteinriegel im Auto.“

Die Männer folgten uns zurück zum Auto, neben dem Enzo stand und die Stirn runzelte. Er gab den Männern hinter uns einige Befehle, und die zwei Soldaten drehten sich um und kehrten zur Damentoilette zurück. Scheiße. Würden sie meine Nachricht finden?

Ich versuchte, nicht in Panik zu geraten, als ich mich auf dem Rücksitz niederließ. Enzo stand reglos draußen und Mariella reichte mir einen Proteinriegel und eine weitere Flasche Wasser, bevor sie sich wieder ihrem Handy zuwandte. Ich aß schnell, in der Hoffnung, dass sich dadurch mein Magen während der Fahrt beruhigte, und schaute aus dem Fenster.

Die beiden Soldaten tauchten wieder auf, und einer ging zu Enzo hinüber und sprach leise mit ihm. Als Enzo einstieg, fiel sein finsterer Blick durch den Rückspiegel auf mich. „Eine Botschaft an der Toilettentür. Sehr klug, Frankie.“

Mein Magen verkrampfte sich und diesmal hatte es nichts mit den Hormonen zu tun.

Enzo fuhr fort. „Weißt du, du und Ravazzani ziehen eine gute Show ab, aber ich glaube keinem von euch.“

Dann war er also doch dumm. „Nur weil Fausto und ich nicht mehr zusammen sind, heißt das noch lange nicht, dass ich mit dir gehen will. Lass mich frei, Enzo.“

„Noch nicht.“ Er startete den Wagen und verließ die Tankstelle. „Ich brauche dich noch.“

FAUSTO

Die meisten Mafia-Soldaten trugen Schwarz, wenn sie töteten, weil diese Farbe Blutflecken besser als jede andere verbarg.

Ich hingegen zog es vor, Weiß zu tragen, denn ich wollte den nächsten Mann in der Reihe wissen lassen, was mit seinem Vorgänger passiert war. Ich wollte die Angst in seinen Augen sehen, wenn er erkannte, wozu ich fähig war.

In diesem Moment war mein weißes Hemd mit Blut getränkt. Der metallische Geruch erfüllte den Kerker und meine Nasenlöcher. Der Boden unter meinen Lederschuhen war klebrig. Es war schon lange her, dass ich die Dunkelheit die Oberhand über mich hatte gewinnen lassen, und ich begrüßte diese Empfindung. Ich musste töten und spüren, wie das Leben unter meiner Klinge davonsprudelte, die Schreie der Männer hören, wenn sie mich anflehten, aufzuhören.

Mein Herz raste und mein Körper erwachte nach Wochen der Taubheit. Ich hatte jetzt ein Ziel vor Augen: Ich musste meine dolcezza zurückbekommen, und jeder, der sich mir in den Weg stellte, würde es bitter bereuen.

Zwei Männer lagen leblos in roten Pfützen auf dem Steinboden zu meinen Füßen. Sie hatten nicht gesungen, aber ich wettete, dass der dritte es tun würde.

Wir hatten am Vortag drei von D'Agostinos Männern gefangen genommen, sie nach Siderno gebracht und sie gefoltert, um Informationen über das Strandhaus ihres Chefs zu erhalten. Dort wurde Francesca festgehalten, und ich wollte so viel wie möglich über dieses Haus herausfinden. Wie viele Räume es hatte, wo sich die Überwachungskameras befanden, wer dort wohnte. Mich interessierte alles bis hin zu den Wandfarben und Teppichmustern.

Mit einem Lächeln setzte ich mich vor D'Agostinos Soldaten. Obwohl er sich nicht bewegen konnte, wand er sich in seinen Fesseln und versuchte, zurückzuweichen.

Reine Zeitverschwendung. Für diesen Mann gab es kein Entrinnen, und der Schrecken in seinen Augen verriet mir, dass er das auch wusste.

Ich legte mein Messer auf meinen Oberschenkel. Die silberne Klinge war blutverschmiert. „Glaubst du, dass du lebend hier rauskommst?“

Der Mann, der nur wenige Jahre älter zu sein schien als mein Sohn, zitterte und schüttelte den Kopf. „Nein, Don Ravazzani.“

„Gut erkannt. Aber du hast die Wahl: Du kannst mich warten lassen und leiden wie deine Brüder hier“ – ich deutete auf den Boden – „oder du kannst mir helfen und einen ehrenvollen Tod sterben. Schnell und schmerzlos. Ich werde dafür sorgen, dass dein Leichnam zu deiner Familie nach Neapel zurückgebracht wird.“

Er schluckte schwer und eine Schweißperle rann ihm über die Schläfe.

„Also“, fuhr ich fort, als er nicht antwortete, „Wirst du mir sagen, was ich wissen will?“

„Ich habe Don D'Agostino einen Eid geschworen.“

„Wenn du mir nicht hilfst, macht uns das zu Feinden. Bist du sicher, dass du mein Feind sein willst?“

„Nein, aber ich bitte Sie. Ich werde bald Vater.“

Seine Worte erinnerten mich an mein eigenes ungeborenes Kind, das Francesca trug. Enzo hatte sie und mein Kind entführt, und diese frische Wut ließ mich nach vorn springen, um dem Mann mein Messer an die Kehle zu halten. „Du und dein Kind interessieren mich nicht. Ich werde die Haut von deinen Muskeln schälen, bis du mir sagst, was ich wissen will. Siehst du diese Infusionsbeutel da?“ Ich deutete auf die Stelle, an der Marco mit der medizinischen Ausrüstung stand. „Sie dienen dazu, dich am Leben zu erhalten, bis ich die Informationen bekomme, die ich brauche. Du wirst nicht verbluten. Du wirst zusehen, wie ich deine Eingeweide aus deinem Bauch ziehe und sie auf den Boden werfe.“

Mein Gefangener schüttelte erschrocken den Kopf, schwieg aber weiter.

Ich versuchte weiter, ihn zum Reden zu bringen. Irgendwann fiel er in Ohnmacht und Marco musste ihn mit Riechsalz wachrütteln. Schließlich befahl ich Marco, dem jungen Mann die Hose auszuziehen, während ich einen Bohrer holen ging.

In der Sekunde, in der der Metallaufsatz seine Eier berührte, begann der Soldat zu sprechen. Seine Worte kamen langsam und kaum hörbar, aber schließlich erhielten wir die nötigen Informationen über das Haus, in dem Francesca festgehalten wurde. Wer sich noch darin aufhielt, wie viele Wachen es gab.

Als wir hatten, was wir brauchten, bekam ich Mitleid mit ihm und befahl Giulio, sich um ihn zu kümmern. Mein Sohn jagte dem Soldaten eine Kugel zwischen die Augen, und während ich so dastand, warf mir Marco einen langen Blick zu. „Geht es dir gut?“

„Frag mich das noch einmal und ich schneide dir die Zunge aus dem Mund.“

„Es wird schwer, einen consigliere zu haben, der nicht sprechen kann, Rav.“

„Du könntest immer noch schreiben.“ Ich schritt auf die Treppe zu. „Holt ein paar Männer hier runter und räumt auf. Ich muss duschen und dann telefonieren.“

„Papà, warte.“ Giulio stand nun neben Marco, seine Waffe noch in der Hand. „Du musst schlafen. Du hast dich schon zu lange nicht ausgeruht. Zia steht kurz davor, dir Schlaftabletten in deine Drinks zu mischen. Ohne einen klaren Kopf kannst du Frankie nicht zurückholen.“

Das wusste ich auch, aber ich konnte nicht schlafen. Albträume plagten mich und Reue schnürte mir die Kehle zu. Jedes Mal, wenn ich meine Augen schloss, sah ich sie vor mir und stellte mir ihr Gesicht an dem Tag vor, an dem ich sie weggeschickt hatte. Die Traurigkeit, die Wut. Die Fassungslosigkeit, dass ich mich ihr gegenüber so grausam verhielt.

Ich bin das Beste, was dir je passiert ist. Aber wenn dir das klar wird, wird es zu spät sein.

Ihre Worte waren wahr. Sie war das Beste in meinem Leben gewesen und ich hatte sie wie Abfall behandelt.

„Das werde ich“, log ich und zog meine Sachen aus. Zia hasste es, wenn ich Blut ins Haus trug. „Macht euch an die Arbeit, ihr beide.“

In Unterhose und mit getrocknetem Blut bedeckt machte ich mich auf den Weg aus dem Kerker in die dunkle Küche. Sobald ich eintrat, gingen die Lichter an und erschreckten mich.

Zia stand da und blickte finster drein.

Ich war nicht in der Stimmung für eine Diskussion. „Fang gar nicht erst an, alte Frau.“

„Sieh dich doch an. Du siehst aus wie ein Monster. Deshalb hat sie dich verlassen. Welche Frau würde schon das Baby eines Monsters auf die Welt bringen wollen?“

Sie hatte ja Recht. Ich war ein Monster, geboren aus einer langen Reihe von Monstern. Erzogen und ausgebildet, um ein Mörder, ein König zu sein. Rund um den Globus gefürchtet und respektiert, mit einem Reichtum, der sogar den vieler Länder übertraf. Aber ich würde mich nicht dafür entschuldigen.

Nur um sie zu ärgern, schnappte ich mir ein Glas und die offene Flasche Cirò von der Küchenplatte und füllte das Glas bis zum Rand. „Dein Mann war ein Monster. Einer der besten Killer der 'ndrina. Mein Vater prahlte damit, dass niemand besser folterte als Zio Dario.“

„Und wie viele Kinder haben wir bekommen?“

Ich trank einen langen Schluck Wein und versuchte, den Blutrausch und die Wut in mir abzukühlen. „Ich nahm an, dass er genug Bastarde hatte, dass du es nicht für nötig hieltest, eigene Kinder zu bekommen.“ Dario hatte, soweit ich mich erinnerte, sechs Kinder von drei verschiedenen Frauen. Die Männer waren nun alle Mitglieder meiner 'ndrina, ebenso wie ihre kleinen Söhne.

Sie bekreuzigte sich und blickte zum Himmel. Zweifellos sprach sie ein Gebet für mich. „Du wagst es, in diesem Haus so respektlos mit mir umzugehen? Ich sollte dich mit einem Fluch belegen.“

„Ich bin schon verflucht. Was könnte noch schlimmer werden?“ Meine erste Frau war ermordet worden und die Frau, die ich liebte, war entführt worden. Mord und Herzschmerz waren alles, was ich je gekannt hatte, abgesehen von meiner kurzen Zeit des Glücks mit Francesca.

„Du hast noch nie so mit mir gesprochen. In all den Jahren, in denen ich dich kenne, habe ich immer gesagt, dass du ein guter Junge bist. Jetzt schäme ich mich für dich, weil du Wein trinkst, statt da draußen unterwegs zu sein, um dein ungeborenes Kind sicher zurückzubringen.“ Sie klatschte zweimal in die Hände. „Gib diesem Mann, was er will, und bring Francesca nach Hause.“

Als ob es so einfach wäre.

D'Agostino ließ Francesca wie ein Stück Fleisch vor meiner Nase baumeln, in der Hoffnung, dass ich anbeißen würde. Der Preis, den er mir genannt hatte, die Hälfte meines Drogengeschäfts an der Westküste, war lächerlich. Ich würde mich weder seiner Erpressung noch Einschüchterung beugen. Ich war il Diavolo. Ich war derjenige, der einschüchterte, nicht andersherum.

Ich trank meinen Wein aus und stellte das Glas auf die Marmorplatte. „Ich werde mich rächen und sie nach Hause bringen. D'Agostino wird das mit seinem Leben bezahlen.“

„Pah! Ihr Männer macht euch so viele Sorgen um euren Stolz, dass ihr nicht sehen könnt, worauf es wirklich ankommt.“

Wahrscheinlich stimmte das, aber ich kannte es nicht anders. „Mein Stolz und ich gehen jetzt duschen. Du kannst mich morgen weiter rügen.“

Ich ließ sie in der Küche stehen und stapfte die Stufen hinauf. Plötzlich fühlte sich mein Körper erschöpft und meine Muskeln schwer an. Jeder Schritt wurde schwieriger, als würde ich durch Treibsand laufen. Ma che cazzo?

Ich stützte eine Hand gegen die Wand und stolperte den Korridor entlang. Dabei hatte ich Mühe, mich aufrecht zu halten. Irgendetwas stimmte nicht. Ich war zwar in Blut und Schweiß gebadet, aber ich war nicht verletzt. Ich sollte mich nicht so fühlen.

Als ich mein Zimmer erreichte, flog mir mein Bett praktisch entgegen, und als ich meine Augen schloss, wurde mir klar, was geschehen war.

Zia und ihre Schlaftabletten. In meinem Wein.

Minchia!

* * *

Francesca

Enzos helles, modernes Strandhaus war das komplette Gegenteil des castello. Das Anwesen erstreckte sich entlang des Golfs von Neapel und jedes Zimmer bot einen herrlichen Blick auf das Meer und den Vesuv. Mariella lebte hier, denn Enzos Frau und Kinder wohnten in einem anderen Haus, und der betrügerische Bastard genoss den Luxus, einfach von einem Haushalt zum anderen zu wechseln.

Obwohl Enzo kaum da war, waren seine Wachen und Mariella immer anwesend, was bedeutete, dass ich nie allein war. Das erschöpfte mich. Die meiste Zeit verbrachte ich damit, mich zu fragen, ob der Tag gekommen war, an dem sie mich aus Rache an Fausto foltern oder vergewaltigen würden. Oder schlimmer noch, der Tag, an dem Enzo merkte, dass ich wertlos für ihn war, und mir eine Kugel ins Hirn jagte.

Ich schlief kaum. Ich aß, um meinen Magen zu beruhigen, aber ich machte mir bei jedem Bissen Sorgen, dass er vergiftet sein könnte. Jedes Geräusch ließ mich aufspringen und meine Nerven lagen blank. Wie viel mehr könnte ich ertragen? Wie lange dauerte es noch, bis sie merkten, dass ich Faustos Baby erwartete? Was würde dann passieren?

Die Möglichkeiten waren zu beängstigend, um sie auch nur in Betracht zu ziehen.

Trotz Mariellas wiederholter Versuche, Freundschaft mit mir zu schließen, blieb ich für mich. Ich musste nachdenken und einen Ausweg finden. Alles, was ich brauchte, war ein Augenblick, ein Zeitfenster, um mich davonzuschleichen oder einen Fehler Mariellas zu nutzen, indem sie zum Beispiel ihr Handy herumliegen ließ.

Irgendwann würde etwas derartiges passieren. Sie würden mich, die puttanella, unterschätzen und dann würde ich abhauen.

Ich schnitt gerade einen Pfirsich in der Küche, als sich die Haustür öffnete. Enzo kam herein, gefolgt von drei seiner Männer. Im Gegensatz zu Fausto trug er nie einen Anzug, zumindest hatte ich ihn nie in einem gesehen. Stattdessen trug er enge Designerhemden und Jeans oder Stoffhosen, wie ein Hollywood-Filmstar im Urlaub. „Guten Tag, Frankie. Ich möchte mich mit dir unterhalten.“

Der Pfirsich in meinem Mund fühlte sich plötzlich staubtrocken an, und ich beobachtete Enzo misstrauisch, während ich schluckte. „Okay.“

Enzo setzte sich auf einen Hocker an der Kücheninsel und schnappte sich ein Stück Pfirsich von meinem Teller. Ich mochte es nicht, wie seine Augen beim Kauen über meinen Körper schweiften. Er fragte: „Wie gefällt dir mein Strandhaus?“

„Für ein Gefängnis ist es ganz schön.“

„Danke. Ich würde dir ja gern sagen, dass du dich dafür bei Fausto bedanken kannst, aber er scheint in letzter Zeit nicht sehr gesprächig zu sein.“

Ich sollte Fausto dafür danken, dass er mich verstoßen und zugelassen hatte, dass Enzo mich entführte? Ha, eher würde die Hölle zufrieren. „Ich habe dir ja gesagt, dass er sich nicht um mich schert.“

Enzo sagte nichts dazu. „Kümmert sich meine Mariella gut um dich?“

„Ja, aber wenn ich einen Vorschlag machen darf, dann hätte ich gern ein eigenes Handy.“

Seine Lippen zuckten. „Seltsam, dass wir nichts von Ravazzani gehört haben, findest du nicht?“

Nein, ich fand es nicht seltsam. Ich kannte ihn besser als jeder andere. Fausto sagte niemals etwas, was er nicht meinte. Er war fertig mit mir. Ich versuchte, mutiger zu klingen, als ich mich fühlte. „Du solltest mich gehen lassen.“

„Oder vielleicht sollte ich ihm ein Souvenir schicken.“

Ich griff so fest nach der Marmorplatte, dass meine Finger weiß wurden. War dies der Moment, in dem er mir einen Zeh abschnitt und ihn Fausto schickte? Ich schob den Pfirsichteller fort, denn Enzo hatte mir den Appetit verdorben. „Das ist reine Zeitverschwendung.“

„Das sehe ich anders.“ Sein Blick war durchdringend. „Ich denke, dass er sich immer noch sehr um dich sorgt.“

Ich wollte keinen meiner zehn Zehen hergeben, ich mochte sie alle sehr gern an meinen Füßen. „Du hast ihn gehört, oder? Er hat dir seinen Segen gegeben, mich dorthin zu schicken, wohin ich gehen möchte. Nun, ich möchte bitte nach Toronto.“

„Amore mio!“, rief Mariella und stürzte mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht in den Raum.

Er drehte sich um und öffnete seine Arme. Sie eilte zu ihm, glitt zwischen seine Schenkel und küsste ihn leidenschaftlich. Als sie sich schließlich voneinander lösten, sprach er in schnellem Italienisch mit ihr. Ich konnte bei diesem Tempo nicht mithalten, aber Mariella nickte und verschwand wieder. Mir wurde flau im Magen. Was auch immer er vorhatte, es musste wirklich schrecklich sein, wenn er nicht wollte, dass sie es sah.

„Hör zu, Enzo. Signore D'Agostino. Es gibt keinen Grund, deine Zeit mit mir zu verschwenden. Ich bin sicher, dass du Besseres zu tun hast. Lass mich gehen und wir vergessen einfach, dass das alles jemals passiert ist.“

Er grinste mich an. „Du musst ihn in den Wahnsinn getrieben haben. Ich verstehe, warum er dich an jenem Tag auf der Yacht wie ein hungriger Wolf angestarrt hat.“

Dieser Ausflug schien eine Ewigkeit her zu sein. „Ich weiß nicht, wovon du sprichst, aber das macht nichts. Fausto und ich sind Vergangenheit.“

Mariella kehrte zurück und ein langes Seil baumelte von ihren Fingerspitzen. Oh, verdammt. Ich fing an, zurückzuweichen, als Enzo aufstand. Aber ich war zwischen Küchenschränken und Edelstahlmixern gefangen. Ich müsste an den beiden vorbeisprinten und auf das Beste hoffen.

Jetzt oder nie.

Sofort schoss ich los. Ich flitzte um die Insel herum und rannte auf die Glasschiebetüren zu, die zum Strand führten. Niemand versuchte, mich aufzuhalten, also rannte ich weiter. Meine Füße klatschten über das Holzdeck – und da sah ich zwei Wachen von beiden Seiten des Hauses auftauchen. Sie hatten ihre Waffen gezogen und auf meinen Kopf gerichtet. Ich zögerte. Würden sie mich tatsächlich erschießen? Ich war mir nicht sicher, ob ich es darauf ankommen lassen sollte.

Mein Stocken reichte, damit mich die Männer umzingeln konnten. Ich versuchte, mich zu befreien, aber sie ließen nicht locker und zogen mich zurück ins Haus.

Enzo schien völlig ruhig zu sein. „Hast du die frische Luft genossen?“

So viele Erwiderungen brannten mir auf der Zunge. Die meisten waren kreative Versionen von „Fahr zur Hölle“, aber ich musste vorsichtig mit diesem Mann sein. „Was hast du vor?“

„Komm. Stell dich hier hin, Frankie.“ Er trat mit dem Seil in der Hand in die Mitte des Raumes, sah über seine Schulter und befahl seinen Wachen, mich zu ihm zu bringen. Ich wusste, dass mir keine andere Wahl blieb, aber ich wehrte mich trotzdem.

Es half nichts. Die Wachen hatten mich fest im Griff und zerrten mich zu Enzo hinüber. „Haltet ihre Hände hinter dem Rücken fest“, befahl Enzo.

„Nein, bitte.“ Ich hasste mich dafür, dass ich bettelte, aber ich wollte das hier nicht. Mein Herz raste und meine Gedanken überschlugen sich. Wozu brauchte er ein Seil? Wollte er mich vergewaltigen? Mich foltern? Oh Gott. Ich bekam keine Luft mehr.

Als das Seil um meine Handgelenke gelegt und festgeknüpft worden war, wickelte Enzo den Rest um meinen Oberkörper, wobei seine Finger über die Unterseite meiner Brüste strichen. Ich versuchte, nicht zu reagieren, obwohl mich Ekel erfüllte. Begrapschte er mich etwa gerade, dieser perverse Lüstling?

---ENDE DER LESEPROBE---