Mafia Geliebte - Mila Finelli - E-Book

Mafia Geliebte E-Book

Mila Finelli

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Beschreibung

Buch 1 von 2 (Duo) FAUSTO Ich bin die Dunkelheit, der Mann, dessen illegales Imperium sich rund um den Globus erstreckt. Nicht viele haben den Mut, das zu tun, was getan werden muss, um die Macht zu erhalten... ich schon. Und ich bekomme immer, was ich will. Einschließlich der Verlobten meines Sohnes. Sie gehört jetzt mir, und ich werde Francesca benutzen, wie ich es für richtig halte. Sie passt perfekt zu meinen verruchten Wünschen, und ich werde sie stets in meiner Nähe haben, bereit und zu meiner Verfügung. Auch wenn sie sich bei jeder Gelegenheit gegen mich wehrt. FRANCESCA Ich wurde entführt und in Italien gefangen gehalten, als Braut für den einzigen Erben eines Mafiakönigs. Aber ich bin nicht unschuldig, und es ist der König selbst – der Mann, der sich il Diavolo nennt – der mich auf sündige Weise anzieht, wie ich es mir nie hätte träumen lassen. Faustos Verruchtheit zieht mich an, seine Macht ist wie eine Droge. Und als dieser Teufel beschließt, dass er mich will, kann ich ihm nicht widerstehen – selbst wenn das bedeutet, dass ich mich ihm mit Leib und Seele hingebe. Er mag denken, dass er mich kontrollieren kann, aber dieser König wird bald herausfinden, wer wirklich der Boss ist. ****** MAFIA GELIEBTE wurde von einer USA Today Bestseller-Autorin geschrieben. Es ist das erste Buch der Serie „Könige von Italien“. Es ist KEIN in sich abgeschlossenes Buch, sondern muss mit dem zweiten Teil zusammen gelesen werden.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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MAFIA GELIEBTE

KÖNIGE VON ITALIEN

BUCH 1

MILA FINELLI

Copyright © 2021 by Mila Finelli

Alle Rechte vorbehalten.

Ohne schriftliche Genehmigung der Autorin dürfen keine Teile dieses Buches in irgendeiner Form oder mit elektronischen oder mechanischen Mitteln, einschließlich Informationsspeicher- und -abrufsystemen, reproduziert werden, mit Ausnahme der Verwendung kurzer Zitate in einer Buchbesprechung.

Dies ist ein Werk der Fiktion. Alle Namen oder Charaktere, Unternehmen oder Orte, Ereignisse oder Vorfälle sind fiktiv. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, lebenden oder toten, oder tatsächlichen Ereignissen ist rein zufällig.

Cover: Letitia Hasser, RBA Designs

Lektorat: Sabrina Darby

Übersetzer: Martin Wick

„Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier.”

– William Shakespeare, Der Sturm

INHALT

1. Francesca

2. Fausto

3. Francesca

4. Francesca

5. Francesca

6. Fausto

7. Francesca

8. Fausto

9. Francesca

10. Francesca

11. Francesca

12. Francesca

13. Francesca

14. Fausto

15. Francesca

16. Francesca

17. Fausto

18. Fausto

19. Francesca

20. Francesca

21. Francesca

22. Fausto

23. Francesca

24. Francesca

25. Francesca

26. Francesca

27. Francesca

28. Francesca

29. Francesca

Probekapitel Mafia Darling

Eine Anmerkung von Mila

Über die Autorin

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FRANCESCA

Toronto, Ontario

Ich begegnete dem Teufel am Morgen nach meinem achtzehnten Geburtstag.

Verkatert und müde wälzte ich mich im Bett umher, wobei meine Zehen über warme Haut und lockiges Körperhaar strichen. Eine Freundin von mir hatte am Vorabend eine Abschlussparty an ihrem Pool veranstaltet und mein Freund David hatte danach bei mir übernachtet. Normalerweise gingen wir in seine Wohnung, aber ich war letzte Nacht zu betrunken gewesen und hatte darauf bestanden, hierherzukommen.

Es war nicht einfach gewesen, ihn an den aufmerksamen Linsen der Kameras, die von Papàs Männern überwacht wurden, vorbei ins Haus zu schmuggeln, aber ich war ein Profi. Immerhin überlistete ich die Wachen und die Kameras schon seit Jahren. Was mochten Wachen am liebsten? Routine. Sobald du ihre Routine kennst, kannst du unbemerkt alles tun, was du willst.

Papà war das Oberhaupt einer der sieben Familien der 'Ndrangheta in Toronto, einem kriminellen Netzwerk, das sich von Kanada über Südamerika bis nach Italien erstreckte. Das Geschäft meines Vaters war gefährlich, weshalb meine beiden Schwestern und ich nicht wie typische Teenager aufwuchsen. Wohin wir auch gingen, wurden wir von Leibwächtern mit Waffen in ihren Westen begleitet – auch zur Schule. Unsere außerschulischen Aktivitäten waren stark eingeschränkt und unser Leben wurde jede Sekunde beobachtet.

Deshalb konnte ich gar nicht anders, als mich gelegentlich davonzuschleichen.

Ich war diejenige mit der Verantwortung, die große Schwester, die sich um meine beiden jüngeren Schwestern kümmerte, seit unsere Mutter gestorben war. Ab und zu verdiente ich eine Pause.

Es klopfte an meiner Tür. „Frankie. Bist du wach?“

Mein Vater.

Scheiße. Panik erfüllte mich. Das war das erste Mal, dass ich es wagte, meinen Freund bei mir übernachten zu lassen, und prompt stand mein Vater vor meiner Tür. Das konnte nichts Gutes bedeuten.

Mein Kater war sofort vergessen und ich packte David an den Schultern. „Du musst hier raus“, zischte ich leise. „Sofort.“

David nickte und beeilte sich, sich anzuziehen, während ich ihm seine Kleider reichte. Ich schaute zur Tür. „Papà, komm nicht rein. Ich habe nichts an.“

„Steh auf und zieh dich an“, befahl er aus dem Flur. „Wir haben Gäste.“

Gäste? Es war kaum neun Uhr. „Ich brauche mindestens eine Stunde“, brauste ich auf.

„Du hast zehn Minuten.“

Seine Stimme hatte den üblichen Befehlston. „Okay“, rief ich.

David zog den Reißverschluss seiner Jeans zu und warf sich sein T-Shirt über. Ich öffnete das Fenster und schaute nach unten. Mein Schlafzimmer befand sich im ersten Stock, also war es hoch, aber der Sprung war nicht lebensgefährlich. „Lass dich von der Fensterbank baumeln, dann sollte dir nichts passieren.“

Seine raue Hand glitt über meinen nackten Hintern. „Vielleicht ist es an der Zeit, dass ich deine Familie kennenlerne, Babe.“

Die Idee brachte mich fast zum Lachen. Mein Vater würde David mit bloßen Händen erwürgen, weil er es gewagt hatte, seine geliebte Tochter anzufassen. „Du musst gehen. Halte dich an die Hauswand und außer Sichtweite. Auf der linken Seite befindet sich ein Weg, der zu einer Mauer führt. Die Kameras werden dich dort nicht sehen. Beeil dich.“

Er drückte mir einen harten Kuss auf den Mund und kletterte dann aus dem Fenster. Ich beobachtete, wie er sich langsam am Fenstersims herunterhangelte und sich sein Bizeps vor Anstrengung spannte. Bis zu unserem Abschluss letzten Monat war er einer der beliebtesten Jungs in unserer Klasse und Captain der Eishockeymannschaft gewesen. Ich würde ihn vermissen, wenn ich im August aufs College ging.

David landete auf den Füßen und winkte mir. Ich warf ihm einen Kuss zu und schloss das Fenster, denn meine Gedanken rasten bereits zu Papà und seinen Gästen.

Nach einer kurzen Dusche flocht ich meine nassen Haare und tupfte etwas Abdeckstift unter meine Augen. Mit hastig getuschten Wimpern zog ich ein schlichtes Kleid an, das den größten Teil meines Körpers bedeckte, wie es mein Vater bevorzugte. Anstelle von flachen Schuhen schlüpfte ich in meine High Heels. Ich war zwar groß, aber ich mochte es, wie ich in High Heels aussah. Als ob mich nichts aufhalten könnte. Einschüchternd. Wild.

Im Haus war es still, denn meine Schwestern schliefen noch. Die sechzehnjährigen Zwillinge Emma und Gia blieben meist bis spät in die Nacht wach, schauten Filme und unterhielten sich online mit ihren Freunden. Ich würde sie ebenfalls vermissen, wenn ich aufs College ging, aber sie brauchten mich nicht mehr so sehr wie früher. Es würde ihnen auch ohne mich gut gehen.

Meine Absätze klapperten über den Marmorboden, als ich mich dem Büro meines Vaters näherte. Ich betrat es selten, da ich die meiste Zeit lieber nicht wissen wollte, was Papà wirklich tat. Unwissenheit war ein Segen, wenn man einen Familienangehörigen in der Mafia hatte, geschweige denn wenn der eigene Vater ein führendes Mitglied war.

Ich klopfte an und wartete, bis ich hörte, wie mich die Stimme meines Vaters hereinrief. Er saß hinter seinem Schreibtisch und der Raum war voller Männer in Anzügen. Einige Gesichter kamen mir bekannt vor, wie Onkel Reggie und mein Cousin Dante, aber die anderen waren mir unbekannt. Und alle starrten mich an.

„Francesca, komm herein.“ Mein Vater stand auf und knöpfte sein Jackett zu.

Ich schluckte meine Nervosität herunter und näherte mich seinem Schreibtisch. „Du wolltest mich sehen?“

„Ja. Das ist Fausto Ravazzani.“

Ein Mann erhob sich aus einem Sessel und mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Ich hatte noch nie zuvor einen so gutaussehenden Mann gesehen, mit so dichtem, gewelltem dunklem Haar und so durchdringenden blauen Augen. Er war schlank, hatte einen markanten Kiefer und breite Schultern und sein Anzug passte ihm perfekt. Er sah aus, als wäre er Ende dreißig und unter allen anderen Umständen hätte ich ihn für ein Model oder einen Schauspieler gehalten. Niemand sah so aus und kleidete sich so, es sei denn, er war für seinen Lebensunterhalt von seinem Aussehen abhängig.

Aber dieser Mann war keine Primadonna. Kraft strömte in Wellen von seinem straffen Körper aus, als hätte er die Kontrolle über alles und jeden um ihn herum. Die Männer, die ihn begleiteten, waren eindeutig nicht seine Freunde, sondern seine Bodyguards. Er war wichtig. Er war jemand, der es wert war, beschützt zu werden.

Und er schien... gefährlich.

Ich nickte einmal. „Mr. Ravazzani.“

Seine Augen wanderten über mein Gesicht und an meinem Körper hinunter, als wäre ich ein Pferd, das er kaufen wollte. Ich bekam Gänsehaut, wohin er auch schaute, aber ich konnte nicht sagen, ob es aus Aufregung oder Verlegenheit geschah. Noch verwirrender war, dass sich meine Brustwarzen in meinem dünnen BH verhärteten. Hoffentlich bemerkte er das nicht.

Doch das Grinsen auf seinem Gesicht, als er meinem Blick begegnete, sagte mir, dass er sich des Zustands meiner Brustwarzen durchaus bewusst war.

„Du bist achtzehn?“

Die Worte rollten mit italienischem Akzent aus seinem Mund und mein Herz klopfte bedrohlich in meiner Brust. Waren diese Männer aus Toronto? Ich bezweifelte es. Niemand im Dienst meines Vaters hatte einen so starken Akzent. „Ja, Sir.“

Er nickte meinem Vater knapp zu. „Sie ist okay.“

Sie ist okay? „Okay wofür?“, fragte ich.

Mein Vater warf mir einen kurzen Blick zu, bevor er sich an Ravazzani richtete. „Ausgezeichnet. Wir setzen die Hochzeit für nächsten Monat an.“

„Hochzeit?“, kreischte ich. Nein, nein, nein. Ich sollte zuerst aufs College gehen. Meine Mutter hatte meinen Vater versprechen lassen, dass er seinen drei Töchtern vor der Heirat eine anständige Ausbildung zukommen ließe. Ich hatte mich auf dieses Versprechen verlassen. „Was für eine Hochzeit?“

„Sei still, Francesca“, zischte mein Vater.

Ich warf meinem Cousin einen Blick zu, in der Hoffnung, bei ihm Antworten zu finden, aber Dante wollte mir nicht in die Augen sehen. Was nichts Gutes verhieß. Wirklich nichts Gutes. Normalerweise genoss er mein Leid.

Da trat einer von Ravazzanis Männern ein und beugte sich vor, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern. Ravazzanis Mund kräuselte sich, während er zuhörte, dann winkte er den Mann fort. Er wandte sich wieder meinem Vater zu und sagte: „Nein. Die Hochzeit findet bei mir zu Hause in Siderno statt, wo Giulio wohnt. Wir reisen morgen ab.“

Giulio? Und Moment mal, Siderno? In Italien?

Was zum Teufel war hier los?

Die Falten auf der Stirn meines Vaters vertieften sich. „Aber was ist mit mir und meiner Familie? Wir haben ein Recht auf...“

Ravazzani starrte meinen Vater an, und die Stimmung im Raum wurde eisig. „Sei sehr, sehr vorsichtig, Roberto“, mahnte er leise. „Du hast deine Rechte verloren, als du meine Fracht verloren hast.“

Huch.

Niemand rührte sich, und der Moment zog sich in die Länge. Ich hatte noch nie gesehen, wie jemand meinen Vater in die Schranken wies. Niemand hatte sich das je getraut. Ich hielt den Atem an, bis mein Vater endlich die Hände hob. „Mi dispiace“, entschuldigte er sich.

Das schien Ravazzani zu besänftigen, aber ich hatte immer noch keine Ahnung, wovon sie sprachen. „Kann mir bitte mal jemand sagen, was hier los ist?“, platzte ich heraus und konnte mich nicht länger zurückhalten.

Ravazzani trat rasch näher und baute sich vor mir auf. Seine Iris war unglaublich blau, mit einem Hauch von Grau, aber er schien nicht wütend zu sein. Stattdessen wirkte er erheitert. „Du hast Mumm. Das ist gut. Du wirst ihn brauchen, piccolina.“

Er ging um mich herum zur Tür, gefolgt von fünf seiner Männer. „Ich erwarte, dass sie bereit ist, Mancini“, sagte er noch über die Schulter.

Wut brannte in meiner Brust. Er erwartete, dass ich bereit wäre? Als wäre ich ein Gepäckstück? Niemand verschickte mich einfach so nach Italien. Ich würde in New York City das College besuchen und nicht irgendeinen beängstigenden Italiener heiraten, der definitiv zur Mafia gehörte.

Als sich die Tür schloss, wirbelte ich zu meinem Vater herum. „Papà, was ist hier los?“

Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und ließ sich auf seinen Stuhl fallen. Onkel Reggie und Dante rührten sich nicht, aber der Rest der Männer meines Vaters verließ den Raum. „Setz dich, Frankie.“

„Nein, danke. Ich stehe lieber, bis ich weiß, was gerade passiert ist.“

Papà schlug mit der flachen Hand auf die Oberfläche seines Schreibtisches. „Um Himmels Willen. Tu, was man dir sagt!“

Ich hasste es, wenn er so kalt mit mir sprach, als wäre ich einer seiner Männer. Dante schüttelte den Kopf, was deutlich zeigte, dass er mich für eine Idiotin hielt, und Onkel Reggie runzelte wie üblich die Stirn. Meinen Schmerz und meine Verwirrung beiseite schiebend sank ich auf einen Stuhl. „So. Jetzt erklär mir bitte, was los ist.“

„Du bist auserwählt worden, Ravazzanis Sohn Giulio zu heiraten. Es ist eine gute Verbindung, Frankie. Eine Ehre, um ehrlich zu sein.“

Eine Ehre? Ich starrte den Mann an, der mir versprochen hatte, dass ich vor der Heirat einen College-Abschluss machen durfte. Der gesagt hatte, dass ich mir meinen Ehemann selbst aussuchen darf. Leere Lügen. Jedes Wort. „Auf keinen Fall. Ich werde keinen Fremden in Italien heiraten. Ich will keinen Mafia-Ehemann. Ich gehe im Herbst aufs College.“

Das Gesicht meines Vaters verhärtete sich zu einer beängstigenden Maske, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Vermutlich war dies sein 'ndrina-Gesicht. Das Gesicht des Mafia-Bosses, der ohne Reue schreckliche Dinge tat. „Du wirst tun, was dir gesagt wird, sonst werden Menschen sterben. Menschen aus dieser Familie. Ist es das, was du willst?“

Die Drohung blieb in der Luft zwischen uns hängen, und ich dachte an meine Zwillingsschwestern, die oben unschuldig schliefen. Die keine Ahnung hatten, dass ich dazu gezwungen wurde, ein Leben zu wählen, das ich nicht wollte, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Es ist überhaupt keine Wahl. Ich würde alles für sie tun.

Obwohl ich nur zwei Jahre älter war, war ich diejenige gewesen, die sich nach dem Tod meiner Mutter um sie gekümmert hatte. Ich hatte ihnen alles über Jungs und die Periode beigebracht. Hatte ihnen geholfen, BHs zu kaufen. Hatte ihre Tränen getrocknet und darauf geachtet, dass sie nicht zu viel Zeit am Handy verbrachten. Meine Augenlider fingen an zu brennen. „Warum passiert das alles?“

„Bündnisehen sind Teil unserer Welt. Niemand kann etwas dagegen tun. Ich erwarte von dir, dass du deine Pflicht erfüllst und Giulio glücklich machst.“

Ich drückte eine Hand auf meinen Bauch und versuchte, die plötzlichen Krämpfe zu lindern. Wie hatte mein Leben eine so drastische Wendung nehmen können? „Aber du hast es versprochen“, jammerte ich schwach und kämpfte mit den Tränen.

Sein Gesichtsausdruck blieb hart. „Meine Versprechen an die 'Ndrangheta haben Vorrang. Nun entehre mich nicht. Dies ist eine Gelegenheit für uns, durch die Familie deines Mannes mehr Macht zu erlangen. Ravazzani ist einer der reichsten Männer Italiens, das Oberhaupt eines der größten Clans, der 'ndrina, die seinen Namen trägt.“

Macht. Reichtum. War das alles, woran sie alle interessiert waren? Ich rieb mir die Augen und kümmerte mich nicht darum, ob ich meine Wimperntusche verschmierte. „Das ist nicht fair.“

„Werde erwachsen, Frankie“, höhnte Dante. „Ravazzani ist einer der ranghöchsten Männer in der gesamten 'Ndrangheta. Du heiratest seinen Sohn, der eines Tages alles erben wird. Jede Frau in unseren Kreisen würde für diese Chance töten.“

„Fick dich, Dante. Ich will keinen Boss heiraten“, schnauzte ich. „Ich will aufs College gehen und einen Abschluss machen.“ Wie es mir versprochen worden war.

Das College bedeutete Freiheit von meinem Vater und seinen Männern. Es bedeutete, in New York City zu leben und in Clubs und Bars zu gehen, mich mit Jungs zu verabreden und zu viel zu trinken. Ich würde studieren und Karriere machen und ein normales Leben führen, bevor ich heiraten musste.

Das war alles, was sich meine Mutter für ihre Töchter gewünscht hatte.

Sei eine unabhängige Frau, Francesca. Mach nicht meine Fehler.

Sie war ein italienisches Topmodel gewesen, bevor sie meinen Vater kennengelernt und geheiratet hatte. Auch wenn ihre Ehe zunächst aus Liebe erwachsen war, hatte sie gesagt, dass sie es immer bereut habe, ihre Karriere für ihn aufgegeben zu haben.

„Hör auf“, entgegnete mein Vater. „Du benimmst dich kindisch. Die Sache ist entschieden. Geh nach oben und packe deinen Koffer. Ich erwarte, dass du morgen früh reisefertig bist.“

„Aber…“

„Kein weiteres Wort, Francesca. Du gehst mit Fausto Ravazzani. Ende der Diskussion.“

Ich presste meine Lippen aufeinander und erhob mich. Die Männer sagten nichts, als ich hinausging, weil sie dachten, ich hätte nachgegeben. Sie glaubten, dass ich bereitwillig einen Ozean überqueren und einen Mann heiraten würde, den ich nicht einmal kannte, nur weil mein Vater irgendeine mysteriöse Fracht vermasselt hatte.

Sie hätten mich besser kennen sollen.

FAUSTO

Der Wagen bog auf den Parkplatz der Lagerhalle ein. So wie es aussah, war der Ort seit Jahren nicht mehr benutzt worden, was perfekt für unseren Zweck war. Sobald die Räder zum Stillstand kamen, öffnete ich die Tür des Mietwagens und stieg aus. Marco stieg ebenfalls aus und öffnete den Kofferraum.

Der Junge wurde herausgerissen und auf den Boden geworfen, wo er wie ein Häufchen Elend in billiger Kleidung zusammensackte. Meine Männer hatten den stronzo an diesem Morgen dabei erwischt, wie er aus ihrem Schlafzimmerfenster geklettert war. Ich starrte ihn an und wollte verstehen, was sie in ihm sah. Warum sollte eine so schöne Frau wie Francesca Mancini jemals Zeit mit einer so erbärmlichen und gewöhnlichen Kreatur wie dieser verschwenden?

Sie war göttlich. Die Gerüchte über ihr Aussehen waren nicht übertrieben. Alle drei Mancini-Töchter ähnelten angeblich ihrer Mutter. Sofia Mancini war ein berühmtes Model gewesen, bevor sie Roberto geheiratet hatte. Ich erinnere mich gut daran, wie ich mir als Teenager zu ihren Fotos einen runterholte. Francesca war das Ebenbild ihrer Mutter, nur mit größeren Titten.

Dio, wie gern würde ich diese Titten ficken.

Hör auf. Sie heiratet deinen Sohn.

Ich war wütend über meine verruchten Gedanken und übertrug meinen Zorn auf den Jungen am Boden. „Du bist also ihr Freund.“

Seine verängstigten Augen huschten zwischen mir und meinen Männern hin und her. „Wer sind Sie? Warum bin ich hier?“

Ich nickte Marco zu, der dem Jungen einen Tritt in die Rippen verpasste. „Ich stelle hier die Fragen“, erklärte ich, als der Junge wieder zu Atem kam. „Ich will wissen, ob du sie gefickt hast.“

Der Junge hob die Brauen. „Was?“

Nach einem weiteren Tritt von Marco keuchte der Junge zwei volle Minuten lang. Ich seufzte. „David, mir wird langweilig. Sag mir einfach, ob du sie gefickt hast.“

„Moment, sprechen Sie von Francesca?“

Marco hob sein Bein, um erneut zuzutreten, aber David hob die Hände. „Stopp, hören Sie auf. Ich erzähle Ihnen alles, was Sie wissen wollen.“

Endlich. Ich beugte mich vor und sah ihm in die Augen. „Hast du die Verlobte meines Sohns gefickt?“

Mein Ton schien David den Ernst der Lage klarzumachen. Seine Brauen schossen hoch und er fing an zu stammeln. „Ich hatte keine Ahnung, dass sie verlobt ist. Wirklich. Es tut mir leid. Sie hat es mir nie gesagt. Ich hätte nie mit ihr geschlafen, wenn ich das gewusst hätte. Bitte, Sie müssen mir glauben.“

„Wie lange, David?“

Er befeuchtete sich die Lippen. „Wir sehen uns seit sieben Monaten.“

Ich erhob mich und gab Marco ein Zeichen, dann stemmte ich meine Hände in die Hüften. Sieben Monatelang hatte dieser brutto figlio di puttana bastardo seinen Schwanz in sie gesteckt. Cazzo, was hatte sich Mancini nur dabei gedacht, seine unglaublich heiße Tochter auf den Straßen Torontos frei herumlaufen zu lassen?

Marco gab sich bei diesem Tritt etwas mehr Mühe, und David rollte sich zu einem winzigen Ball zusammen und schnappte nach Luft. „Bitte, hören Sie auf“, flehte er. „Ich glaube, Sie haben mir eine Rippe gebrochen.“

Ich wechselte einen amüsierten Blick mit Marco. Wir wussten beide, dass er sich zurückgehalten hatte. „Hebt ihn hoch“, befahl ich.

Marco und Benito packten jeweils einen Arm und hoben David auf die Beine. Der Junge stöhnte und sein Kopf hing herab, also packte ich ihn an den Haaren und zog sein Gesicht nach oben, damit er mich ansah. „Hör mir gut zu. Vergiss, dass sie existiert. Wenn sie dich kontaktiert – heute, morgen, in einem Jahr, wann auch immer – ignoriere sie. Wenn du das nicht tust, werde ich dir die Haut von deinem Körper abziehen, während du zuschaust. Hast du verstanden?“

Er wimmerte und ich konnte die Pisse riechen, die durch seine Jeans drang. Cristo santo, ich wollte nach Hause. „Hast du verstanden?“, wiederholte ich.

David war so klug zu nicken. „Ja.“

„Gut.“ Ich trat einen Schritt zurück und ging zum Auto. „Lasst ihn hier.“

Ich hörte, wie David zu Boden fiel, als ich die Tür öffnete. Marco und Benito, beide meine Cousins zweiten Grades, stiegen ein, und wir fuhren los, während David seinen Weg alleine nach Hause finden musste. Ich rieb mir den Kiefer und starrte aus dem Fenster. Mancini hatte seiner Tochter offensichtlich alle Freiheiten erlaubt. Sie hatte wahrscheinlich mit einer Handvoll Männern geschlafen. War es mir egal? Obwohl wir die meisten unserer Bräuche in Siderno beibehielten, starb die Tradition, auf der Jungfräulichkeit einer Braut zu bestehen, aus. Das Ritual der blutigen Laken schien heutzutage fast archaisch.

Meine Hochzeit vor zwanzig Jahren hatte sich an alle Bräuche gehalten, an all die Dinge, die einem Paar Glück bringen sollten. Dennoch war meine Braut nach nur fünf Jahren Ehe gestorben und hatte mir einen kleinen Sohn hinterlassen. Wir hatten kein Glück gehabt. Nur Kummer und Sorgen.

Ich hatte Lucia nicht geliebt. Wir waren beide noch sehr jung gewesen, und unsere Ehe war als Bündnis mit den Lombardo 'ndrina arrangiert worden. Ich dachte, sie verstünde ihre Rolle als meine Ehefrau und würde meine lange Abwesenheit und meine Geliebte in der Stadt tolerieren. Schließlich waren diese Dinge in unserer Welt üblich. Giulio war nach unserem ersten Ehejahr geboren worden, und ich war immer davon ausgegangen, dass wir noch viele weitere Söhne und Töchter haben würden. Wie töricht ich doch gewesen war. Wie naiv zu glauben, dass sich die Gewalt meiner Welt nicht auf meine Familie auswirken würde.

„Glaubst du, Giulio wird sie mögen?“, fragte Marco. „Er war nicht glücklich darüber, dass du hergereist bist, um seine Braut auszuwählen.“

„Giulio wird heiraten, wen auch immer ich für ihn aussuche.“ Um ehrlich zu sein, hatte ich keine Ahnung von Giulios Frauengeschmack. Selbst mit seinen achtzehn Jahren war mein Sohn mir ein Buch mit sieben Siegeln. Eine Eigenschaft, die er von mir gelernt hatte. Aber wer würde Francesca Mancini nicht wollen?

Letztlich spielte es keine Rolle. Ihre Ehe würde ein starkes Band zwischen unseren Familien knüpfen und eine Schuld begleichen. Ein Gewinn für beide Seiten.

Marco schaute mich im Rückspiegel an. „Sollen wir ins Hotel zurückfahren?“

„Ja, kurz, aber sie wird abhauen, also müssen wir uns bereithalten.“ Mancini hatte seinen Töchtern offensichtlich zu viel Freiraum gelassen, ohne Disziplin oder Konsequenzen. Die Art und Weise, wie Francesca mit ihrem Vater und mit mir gesprochen hatte, zeigte, dass sie ihren Platz nicht kannte. Ich beneidete meinen Sohn fast um seine Aufgabe, sie gefügig zu machen.

Ich mochte Frauen mit Temperament. Es machte viel mehr Spaß, sie zu ficken, und eine starke Frau meinem Willen zu beugen, machte meinen Schwanz immer hart.

Benito drehte sich um. „Du glaubst, dass sie abhauen wird?“

Ein Lächeln zuckte um meine Lippen. „Oh, darauf kannst du wetten. Aber wir werden sie erwarten. Sag dem Piloten, dass wir schon heute abfliegen.“

* * *

Francesca

Es war Nachmittag, als ich meine Schminktasche in einen Rucksack stopfte. Ich konnte auf meiner Flucht nicht viel mitnehmen, hatte aber meine allerliebsten Sachen eingepackt, wie die Ohrringe, die Mama mir hinterlassen hatte. Ein Foto von Gia, Emma und mir am CN Tower. Die Leggings, die meine Beine und meinen Hintern perfekt betonte. Und natürlich meinen Pass und Geld.

„Das ist eine schlechte Idee“, meinte meine Schwester Emma. „Wovon willst du leben?“

„Vergiss es, wie soll sie Papà und den Wachen entkommen?“ Gia blätterte in ihrer Zeitschrift und beachtete uns kaum. „Du wirst es nicht mal bis zur Straße schaffen, Frankie.“

„Doch, das werde ich.“

Vor zwei Jahren hatte ich entdeckt, dass die Kameras ein Stück an der Steinmauer, die unser Haus umgab, nicht erfassten, also hatte ich mir kleine Trittlöcher in den Stein gehauen, was es mir ermöglichte, mich so oft davonzuschleichen, wie ich es wagte. So hatte ich mich auch im vergangenen November fortgestohlen, um meine Jungfräulichkeit an David zu verlieren.

Meine Schwestern wussten allerdings nichts davon, denn dieser Fluchtweg war für jeden außer mir zu gefährlich.

Gia schnaubte, als würde sie mir nicht glauben. „Papà wird stinksauer sein, wenn er dich erwischt.“

Mit meinem fertig gepackten Rucksack setzte ich mich neben sie auf das Bett. „Es ist schrecklich, dass ich euch beide zurücklassen muss, aber ich muss fort. Ich kann keinen Fremden heiraten und eine Mafia-Ehefrau werden, die zu Hause mit einer Zillion Kindern gefangen ist, während mein Mann nebenbei seine Geliebte fickt.“

„Die Ravazzanis sind steinreich“, warf Gia ein. „Ich habe sie gegoogelt. Sie leben in einem Schloss, Frankie. In einem echten Schloss. Und der Sohn sieht heiß aus. Ich weiß nicht, worüber du dich beschwerst.“

Gott, Gia war so verwöhnt. Sie hatte keine Ahnung, wie schlimm es für Mafia-Ehefrauen werden konnte. „Mama hat ihre Modelkarriere für Papà aufgegeben, und sie hat es immer bereut. Du erinnerst dich nicht so gut an sie wie ich, aber ich kann die Chance auf ein normales Leben unmöglich aufgeben. Nicht für alles Geld der Welt. Das ist es nicht wert.“

„Ich verstehe dich“, räumte Emma ein, immer die Besonnene der beiden. „Und ich denke auch, dass du nicht heiraten solltest. Der Typ, der hier war, sein Vater, sie nennen ihn il Diavolo.“

Der Teufel.

Das glaubte ich gern. Niemand stieg an die Spitze der kalabrischen Mafia auf, ohne erbarmungslos und furchteinflößend zu sein.

Emma berührte meine Hand. „Ich habe tausend Dollar gespart. Sie sind in meinem Zimmer. Willst du sie?“

Mir war zum Heulen zumute. Schon wieder. Ich schlang meine Arme um sie. „Ich kann dein Geld nicht annehmen, Emma. Vielleicht brauchst du es eines Tages selbst, aber es ist sehr nett von dir, es mir anzubieten.“ Ich hatte mehr als fünftausend Dollar plus ein paar Goldmünzen in meinem Rucksack. Das würde nicht ewig reichen, aber es wäre genug, um unterzutauchen. Das hoffte ich jedenfalls.

Ich umarmte Gia, die die Geste fast missmutig erwiderte. „Ich werde dich in weniger als einer Stunde wiedersehen, wenn Papàs Männer dich zurückschleifen“, betonte sie.

„Nun, umarme mich bitte, nur für den Fall, dass das nicht passiert.“

Nun drückten Gias Arme mich doch ein wenig fester an sich. „Viel Glück, Frankie.“

„Ich liebe euch beide. Nutzt die nächsten zwei Jahre, um einen Ausweg zu finden. Er wird euch nicht verheiraten, bevor ihr achtzehn seid.“

„Kann sein“, erwiderte Emma. „Gabriella Pizzutos Vater hat ihre Heirat arrangiert, als sie erst dreizehn war.“

Widerlich. Ich stand auf und nahm meine Sachen. „Ihr könntet beide mit mir kommen, wisst ihr?“

Gia runzelte die Stirn. „Das erhöht nur dein Risiko, erwischt zu werden. Außerdem werden sie uns nichts antun, um sich an dir zu rächen, wenn wir hierbleiben.“

Ich hoffte, dass sie damit Recht hatte. Frauen und Kinder sollten zwar in jedem Mafia-Konflikt tabu sein, aber ich würde es mir nie verzeihen, wenn eine meiner Schwestern meinetwegen zu Schaden käme. „Überzeugt Papà davon, sein Versprechen zu halten, dass ihr beide aufs College gehen dürft.“

„Geh jetzt“, drängte Emma. „Es ist dunkel genug, dass du nicht gesehen wirst.“

Sie hatte Recht. Ich musste los. Die Wärter aßen nur noch zwanzig Minuten zu Abend.

Ich schaute auf mein Handy auf der Kommode. Es nicht mitzunehmen, fühlte sich falsch an, aber wenn ich es behielte, würden sie mich leicht finden. Ich musste es hierlassen, wie ich es immer tat, wenn ich mich aus dem Haus schlich.

Nachdem ich das Fenster geöffnet hatte, nahm ich das Seil, das ich unter meinem Bett aufbewahrte, befestigte es am Bettpfosten und ließ es über die Fensterbank fallen. Ich warf meinen Rucksack hinaus und kletterte dann in den Hof hinunter. Meine Schwestern sahen zu, wie ich sicher abstieg, bevor sie das Seil wieder einholten. Ich warf ihnen einen Kuss zu und rannte dann zu den Bäumen. Papà hatte keine Ahnung von Davids Existenz, also wäre er meine erste Anlaufstelle für heute Abend. Morgen würde ich mir überlegen, wie es weiterging. Vielleicht würde ich nach Vancouver fahren. Oder nach Colorado. Irgendwohin, wo ich bergsteigen und Ski fahren konnte. Ich konnte es nicht ertragen, drinnen eingesperrt zu sein, nicht, seit ich mich als kleines Mädchen versehentlich in einem Schrank eingeschlossen hatte.

Es hatte vier Stunden gedauert, bis mich jemand gefunden hatte. Zu diesem Zeitpunkt war ich fast gelähmt vor Angst gewesen. Nach diesem Vorfall hasste ich das Haus und Mama nahm mich immer nach draußen in ihren Garten mit. Sie hatte Gemüse und Blumen angepflanzt, und es schien immer, als wäre alles um sie herum schön. Seitdem liebte ich Erde, Steine und frische Luft.

Zuerst musste ich vom Anwesen fliehen. Dann müsste ich mich verstecken, meinen Namen ändern und durfte meine Schwestern nicht kontaktieren. Ich konnte nicht zulassen, dass Papà mich fand, nicht, ehe die Bedrohung vorüber wäre. Aber ich könnte es schaffen. Nein, ich musste es schaffen. Ich musste das alles hinter mir lassen und auf eigenen Beinen stehen. Ich musste mein eigenes Glück finden, wie meine Mutter mich ermahnt hatte.

Mach keine Kompromisse, Francesca. Sei eine unabhängige Frau.

Ich war noch sehr jung gewesen, als sie diese Worte gesagt hatte, und ich hatte sie damals noch nicht verstanden. Aber jetzt tat ich es – und ich würde ihren Rat beherzigen.

Ich folgte dem ausgetretenen Pfad zur Mauer und durch die Bäume, die die Kameras nicht erfassten. Ich warf zuerst meinen Rucksack über die Mauer, dann benutzte ich die kaum sichtbaren Trittlöcher, um nach oben zu klettern. Dort angekommen, warf ich meine Beine auf die andere Seite und ließ mich an den Armen baumeln, um dann hinunterzuspringen.

Doch da schlangen sich plötzlich Finger um meine Beine und ich zuckte zusammen. Sie ließen nicht los.

Ich strampelte wild, aber es nützte nichts. Die Hände packten nur härter zu. „Hören Sie auf damit! Lassen Sie mich gehen.“

„Vergiss es, Francesca.“

Nein, nein, nein. Das konnte nicht sein. Wie hatte Ravazzani mich hier gefunden? Das war unmöglich.

Ich versuchte, wegzukommen, aber meine Arme wurden schwächer, und ich war schon bald gezwungen, die Mauer loszulassen. Ich fiel gegen eine harte Männerbrust und zwei Arme schlossen sich wie Stahlbänder um mich. „Lassen Sie Ihre Finger von mir. Ich gehe nicht mit Ihnen.“

Er rührte sich nicht. „Doch das tust du. Und wenn ich dich dafür betäuben muss.“

Ich schnappte nach Luft. „Mich betäuben? Ist es das, was ihr Italiener mit widerspenstigen Frauen tut?“

Seine Lippen streiften mein Ohrläppchen. „Diese Frage kann ich nicht beantworten. Es gibt nämlich keine widerspenstigen Frauen in meinem Leben, Francesca.“

Meinte er das... sexuell? Mein Verstand war verwirrt, aber mein Körper schien ihn eindeutig zu verstehen, denn er ging in Flammen auf. Er war mir nah genug, dass ich ihn riechen konnte – Zitrone, Minze und vielleicht grüner Apfel – und meine Brustwarzen zogen sich zusammen. Ich schloss gedemütigt die Augen. Warum reagierte ich so, wo mich dieser Mann doch entführen und zwingen wollte, seinen Sohn zu heiraten?

Mit aller Kraft stemmte ich mich gegen ihn. „Lassen Sie mich los, Sie Arsch.“

Er gluckste leise. „Also doch eine Betäubung.“

Ich versuchte, mich von ihm weg zu stemmen und sein Gesicht zu sehen. „Nein, bitte. Tun Sie das nicht…“

Einem scharfen Stich in meinem Nacken folgte ein kaltes Rauschen in meinen Adern. „Was war das? Haben Sie mich gerade wirklich…“

Und dann wurde die Welt um mich herum schwarz.

FRANCESCA

Die Müdigkeit ließ einfach nicht nach, und als ich mich bemühte, aufzuwachen, fühlte sich mein Gehirn an, als würde es in klebriger, zäher Melasse treiben. Wo war ich?

Ich hörte Gemurmel und Rumpeln unter mir. War ich in einem Auto? Mein Körper fühlte sich schwer an und meine Gliedmaßen waren wie aus Blei. Ich konnte meine Augen nicht öffnen.

Was war nur los mit mir?

Dann erinnerte ich mich wieder. Die Mauer, Ravazzani, die Nadel. Scheiße! Er hatte mich betäubt. Dieses Arschloch!

Ich konzentrierte mich auf meine Atmung und wollte die Medikamente aus meinem Körper verjagen. Ich musste mich wehren, was auch immer mit mir passierte.

„Gut. Du bist wach.“

Ich wäre ja zusammengezuckt, wenn ich in der Lage gewesen wäre, meine Gliedmaßen zu bewegen. Hatte er mich beobachtet, während ich schlief? Natürlich musste ausgerechnet ich das Glück haben, von einem Mörder entführt zu werden, der noch dazu ein Spanner war. Großartig.

Ich lag auf einem Bett, unter mir ein kühles frisches Laken. „Sie... haben… mich entführt“, stieß ich hervor. „Und... mich betäubt.“

Kräftige Finger strichen mir die Haare aus dem Gesicht. „Ich habe die Verlobte meines Sohnes mit den notwendigen Mitteln mitgenommen. Lass dir das eine Warnung sein.“

Ein kleiner Schauer durchlief mich. Nichts davon ergab einen Sinn. Ravazzani konnte sich jede Frau für seinen Sohn aussuchen und die meisten würden wahrscheinlich bereitwillig mit ihm gehen. „Warum... ich?“

„Weißt du nicht, dass du und deine Schwestern legendär seid? Eure Mutter war sehr schön und berühmt. Die Geschichten über ihre Töchter haben sich auf der ganzen Welt verbreitet.“

Ich schluckte. Meine Kehle war trocken. Meine Mutter hatte sich nicht das für mich gewünscht, für keine ihrer Töchter. Leb dein eigenes Leben, Frankie, und gib es niemals für irgendeinen Mann auf.

Ich wusste, dass ich wie sie aussah. Alle sagten mir das, und ich hatte genug von ihren Modelfotos online gesehen, um die Ähnlichkeit zu bemerken. Trotzdem war das kein ausreichender Grund, mein Leben zu ruinieren.

Mit einem Blinzeln riss ich endlich meine Lider auf. Ravazzanis attraktives Gesicht füllte mein Blickfeld aus. Seine Lippen verzogen sich zu einem selbstgefälligen Lächeln, als ob ich ihn amüsieren würde. Als ob mein Widerstand nur ein Scherz wäre. Ich erwiderte seinen Blick fest. „Ich werde Ihren Sohn niemals heiraten.“

Sein Lächeln verschwand augenblicklich. „Niemals ist eine lange Zeit, Francesca, und vergiss nicht, dass du mir ausgeliefert bist. Du tätest gut daran, mich nicht zum Feind zu haben.“

Die Drohung kam ihm so leicht von der Zunge, dass ich keine Sekunde an ihrer Ernsthaftigkeit zweifelte. Trotzdem würde ich nicht nachgeben. Er konnte versuchen, mich zu brechen, mich in eine Ehe zwingen, die ich nicht wollte, aber ich würde nie aufhören, mich zu wehren. „Was haben Sie vor? Wollen Sie mir drohen, mich zu erschießen? Mich zu foltern?“

„Das hängt ganz von dir ab, monella. Wenn du Widerstand leistest, betrachte ich die Schulden deines Vaters als nicht beglichen. Ich werde gezwungen sein, mich an deiner Familie zu rächen. Ist es das, was du willst?“

Gör. Ich kannte dieses Wort, denn Papàs Männer hatten mich schon öfter so genannt. „Sie werden meinen Schwestern nicht wehtun.“

Seine dunkelbraune Braue schoss in die Höhe. „Ach nein?“

Wir starrten uns wortlos an, und ich versuchte, in seinen Kopf zu sehen, um herauszufinden, ob er bluffte. Ich konnte es nicht sagen. Der Mann war zu gut darin, seine Gedanken zu verbergen. Aber selbst wenn er versprechen würde, Emma und Gia nicht zu verletzen, könnte er immer noch Papà töten. „Was hält Ihre Frau davon, dass Sie ein Mädchen entführen, um Ihren Sohn zu heiraten?“

„Meine Frau ist vor vielen Jahren gestorben.“

Mir wurde flau im Magen. Hatte er sie etwa getötet? Oder war sie von einer rivalisierenden Familie getötet worden? Die Mafia war gewalttätig und grausam, weshalb meine Mutter auch versucht hatte, uns vor ihr zu schützen. „Das tut mir leid“, murmelte ich.

Er wich meinem Blick aus, stand auf und glättete seine Hemdsärmel. „Es ist lange her. Giulio ist mein einziger Sohn, weshalb er die beste Frau bekommen wird, die Tochter der berühmten Sophia Romano Mancini. Eine Frau, mit der er alle anderen Männer neidisch machen wird.“

„Und wenn ich ihn nicht heirate?“

„Zwing mich nicht, darauf zu antworten, Francesca.“ Er ging zur Tür. „Wir landen in zwei Stunden. Du solltest schlafen.“

Er hatte noch viel über Entführungen zu lernen, wenn er glaubte, dass ich jetzt schlafen könnte. „Ich brauche eine Toilette und meinen Rucksack.“

„Da hinten.“ Er deutete auf eine kleine Tür im hinteren Teil der Kabine. „Ich werde die Flugbegleiterin bitten, dir etwas zu essen zu bringen. Du hast sicher Hunger.“

Ich wollte ihm nicht danken, also wiederholte ich nur: „Und meinen Rucksack.“

„Du bekommst deine Sachen erst zurück, wenn du kooperierst.“

Ich starrte ihn an und versuchte, mit meinen Augen Löcher in seine Haut zu brennen. „Es gibt Leute, die sich Sorgen um mich machen werden. Ich muss sie irgendwie wissen lassen, dass es mir gut geht.“

„Meinst du David?“, höhnte er und eisige Furcht ergriff mich. „Er macht sich keine Sorgen um dich, Francesca. Du bist ihm nicht mehr wichtig.“

„Oh, mein Gott. Haben Sie ihn getötet?“

Er hatte die Frechheit, auf mich herabzuschauen. „Du siehst zu viel amerikanisches Fernsehen. Er ist am Leben und wohlauf – vorerst – aber du wirst ihn nicht wiedersehen.“ An der Tür hielt er inne und fixierte mich mit einem finsteren Blick, der mich bis ins Mark erschütterte. Da war kein Mitgefühl in seinen Augen. Er war ein Mann, der es gewohnt war, seinen Willen zu bekommen. „Oh, und mach dir nicht die Mühe, nach einer Waffe zu suchen. Ich habe dafür gesorgt, dass du keine findest.“

Ich wartete, bis er verschwunden war, bevor ich seinen Rat ignorierte. Ich sprang vom Bett und machte mich auf die Suche. Es musste doch etwas im Schlafzimmer oder im Bad geben, mit dem ich mich verteidigen konnte, sobald wir gelandet waren. Papà hatte uns widerwillig Selbstverteidigungskurse nehmen lassen, und der Ausbilder hatte gesagt, dass viele gewöhnliche Gegenstände als Waffe eingesetzt werden konnten.

Die Suche im Bad war erfolglos. Der Medizinschrank war leer und die Dusche enthielt nur Plastikflaschen. Ich ging schnell zur Toilette und wusch mir das Gesicht, dann stellte ich fest, dass im anderen Raum bereits ein Tablett auf dem Bett auf mich wartete. Ich aß gierig, weil ich wusste, dass ein Hungerstreik mich nur schwächen würde. Ich musste meine Kräfte aufrechterhalten, um nach unserer Landung zu kämpfen. Ich nahm den Geschmack des Essens jedoch kaum wahr, weil meine Eile und Angst im Moment alles andere überwogen. Leider war selbst das Besteck aus Plastik, ebenso wie das Weinglas und die Wasserflasche.

Ich suchte weiter. Auf dem Schreibtisch befand sich nichts als leere Papierseiten, im Nachttisch lagen nur Kondome bereit. Extra groß, natürlich. Angewidert schlug ich die Schublade zu und ließ mich dann unter das Bett fallen, um mich dort umzusehen.

In einer Ritze zwischen dem Teppich und der Wand entdeckte ich etwas. Einen Stift. Ich schnappte ihn mir und steckte ihn in meine Hosentasche.

Als Waffe war er zwar nicht sonderlich geeignet, aber ich müsste eben auf die richtige Gelegenheit warten, um ihn einzusetzen.

* * *

Fausto

Ich hörte, wie sich die Schlafkabinentür öffnete, und mein Körper war sofort in Alarmbereitschaft. Ich gab es ungern zu, aber ich hatte auf Geräusche von ihr gelauscht. Eifrig wie ein Schuljunge. Ich schüttelte den Kopf, angewidert von mir selbst. Auch wenn ich nicht zu alt für sie war, war sie schließlich mit meinem Sohn verlobt.

Ich musste den Tatsachen in die Augen sehen.

Meine Männer drehten sich alle um, um sie dabei zu beobachten, wie sie sich ihren Weg zu einem leeren Sitz bahnte, wobei ihre Titten bei jedem Schritt auf und ab hüpften. Sie hatte lange Beine und wohlgeformte Hüften, und ihre blonden Haare flossen in Wellen über ihren Rücken. Ihr liebliches Gesicht hätte einen Engel zum Weinen bringen können. Dio, sie war heiß.

Als ich mich abwandte, sah ich, wie Marco mich angrinste. War ich so leicht zu durchschauen? Als mein Vater vor zehn Jahren gestorben war und ich capobastone geworden war, hatte ich meinen Cousin zu meiner rechten Hand ernannt. Tatsächlich gab es niemanden, dem ich mehr vertraute. Wir waren zusammen aufgewachsen, hatten zusammen getötet und waren gemeinsam in den Rängen der 'ndrina aufgestiegen.

Aber das bedeutete nicht, dass er das Recht hatte, mich anzugrinsen.

„Hast du deinem Capo etwas zu sagen?“, fragte ich ihn.

Er schien nicht im Geringsten eingeschüchtert zu sein. „Wirst du mich erschießen, wenn ich es sage?“

„Wahrscheinlich, sobald wir gelandet sind.“

Marco hob die Hände und schwieg. Ich widmete mich wieder meinem Telefon und las meine E-Mails und Notizen. Es ging um die legalen Geschäfte, die mir als öffentliche Fassade für den Reichtum meiner Familie dienten. Mein Cousin Toni kümmerte sich zwar für mich um den größten Teil des Ravazzani-Konzerns, aber ich hielt mich trotzdem auf dem Laufenden. Schließlich musste ich die Antworten geben, wenn die Guardia di Finanza mir einen Besuch abstattete.

Ich hatte Giulio bereits eine SMS geschrieben, um sicherzustellen, dass er heute Abend zu Hause blieb. Ich wollte, dass er Francesca kennenlernte, sobald wir ankamen. Je früher sich die beiden begegneten, desto eher würde sie die Heirat akzeptieren. In der Zwischenzeit konnte Giulio sich um ihr Wohlergehen kümmern und sie an das Leben in Siderno gewöhnen.

Obwohl mein Sohn erst achtzehn Jahre alt war, musste er bald heiraten und eine Familie gründen. Es war an der Zeit, dass Giulio seine Rolle als mein Nachfolger erfüllte, was bedeutete, dass er eigene Erben zeugen musste. Ich war ein Einzelkind, ebenso wie mein Sohn, und solange ich keine Enkel hatte, war die Zukunft der Ravazzani 'ndrina in Gefahr.

Das wiederum brachte mich zurück zu Francesca, die aus dem Fenster in den Nachthimmel starrte. Nahm sie die Pille? Ich müsste Giulio über ihren ehemaligen Freund informieren und über die Möglichkeit, dass sie das Kind eines anderen Mannes erwartete. Am besten warteten wir mit der Hochzeit, bis sie ihre Tage bekommen hatte.

Ihr Blick traf den meinen durch das Spiegelbild im Fenster, aber sie sah nicht weg. Das mochte ich an ihr. Die meisten Frauen fürchteten mich oder zumindest meinen Ruf. Francesca schien dieses Problem nicht zu haben. Sie bewies mehr Mumm, als die meisten Menschen mir gegenüber in den letzten zehn Jahren zu zeigen gewagt hatten. Wäre sie im Bett genauso lebhaft?

Ich musste damit aufhören! Diese Gedanken waren nicht sinnvoll, und ich konnte mir keine Ablenkung leisten. Außerdem war sie zu jung, selbst wenn sie nicht die Verlobte meines Sohns wäre. Ich hatte bereits eine Geliebte, die mir keinerlei Schwierigkeiten bereitete, und ich war nicht daran interessiert, sie zu ersetzen.

Entschlossen, Francesca zu ignorieren, sah ich wieder auf mein Handy und für den Rest des Fluges unterhielten Marco und ich uns über Geschäftliches und gingen alles durch, was nach dieser Reise meine Aufmerksamkeit erforderte. Die crimine in San Luca stand in zwei Monaten an. Wie jedes Jahr sollten sich alle Anführer versammeln, um unsere Operationen zu besprechen. Sogar die Capos aus Toronto, wie Mancini, würden daran teilnehmen. Das bedeutete, dass die Gewinne steigen und alle unsere Schulden eingetrieben werden mussten. Wir würden einige Männer von anderen Jobs abziehen müssen, um die 'ndrina-Bücher zu bereinigen.

Ich rieb mir den Nacken, denn die Erschöpfung zehrte an mir. Ich schloss meine Augen, aber ich konnte weder in Flugzeugen noch in Hotels entspannen. Das war der Grund, warum ich das castello in Siderno nur selten verließ. Wenigstens dort war ich in Sicherheit.

„Du solltest hinten schlafen“, meinte Marco. „Jetzt, wo sie wach ist.“

„Wir sind bald da. Ich warte, bis ich zu Hause bin.“

„Schade. Ich wette, die Laken riechen nach ihr.“

„Fick dich.“

Marco kicherte. „Glaubst du, Giulio wird mit ihr fertig?“

Ich riss eine Augenbraue hoch. „Willst du damit sagen, dass er ein Schlappschwanz ist?“

„Nein, aber er ist nicht wie du. Sie wird ihm nicht so leicht aus der Hand fressen. Ich habe noch nie einen anderen Kerl gesehen, bei dem die Frauen so schnurren wie bei dir.“

Nun, ich hatte mein Temperament, keine Frage. Giulio hingegen war etwas ruhiger, wie seine Mutter. „Das Mädchen wird schon Einsicht zeigen“, erwiderte ich.

Der Pilot kündigte unsere Landung an, und Francesca schnallte sich schweigend an, während auch ich meinen Gurt schloss. Ihr ruhiges Benehmen störte mich. Sollte sie jetzt nicht schreien und in Panik geraten? Sollte sie mir nicht irgendetwas an den Kopf schleudern oder versuchen, den Piloten zu überwältigen? Mein Instinkt, der mich fast neununddreißig Jahre lang am Leben erhalten hatte, war hellwach und schrie mir zu, dass ich in ihrer Nähe auf der Hut sein musste. Sie führte etwas im Schilde.

Ich unterdrückte ein Grinsen. Was auch immer sie plante, ich war vorbereitet. Sie hatte keine Chance.

Wenige Minuten später landeten wir. Als ich die Treppe hinunterstieg, vergewisserte ich mich, dass Francesca mit Marco im Gefolge direkt hinter mir war. Mein Wagen wartete bereits, also packte ich ihren Arm, um sie mit mir zu ziehen, spürte aber plötzlich einen stechenden Schmerz in meiner Hand.

„Cazzo!“ Ich zischte. Sie hatte mit einem Stift auf mich eingestochen, und die Spitze steckte nun in meiner Hand. Ich knurrte, riss mir das Ding aus der Haut und warf es zu Boden. Diese stronza.

Francesca schoss in der Sekunde, in der sie die Gelegenheit dazu hatte, los, aber sie war Marco nicht gewachsen, der immer noch täglich joggte. Ich hatte noch nicht einmal das Blut von meiner Hand gewischt, als er sie bereits wieder zurück zu meinem Auto schleppte.

„Hilfe!“, rief sie der Crew zu, die ich auf der privaten Landebahn aufgestellt hatte. „Hilfe! Ich werde entführt.“

Meine Männer kicherten. Niemand im Umkreis von fünfzig Kilometern würde hier einer Person helfen, die entführt wurde. Sie wussten es alle besser. Ich riss die Passagiertür des Wagens mit einem Ruck auf. „Steig verdammt noch mal ein, Francesca.“

Ich stieg auf der anderen Seite ein. Wut kochte in mir, bis ich fast daran erstickte. Sie hatte mich vor meinen Männern in Verlegenheit gebracht. Sie hatte mich bluten und mich schwach aussehen lassen.

Sie würde dafür büßen, wenn wir zu Hause ankamen.

Sie kämpfte gegen Marco, aber es war vergeblich. Er schob sie auf den Sitz neben mir und der Wagen raste los. „Ich werde mich nicht entschuldigen“, fauchte sie wie ein bockiges Kind.

Ausnahmsweise versuchte ich nicht, zivilisiert zu wirken, sondern gewährte ihr einen Blick auf die Dunkelheit, die ich normalerweise verborgen hielt. „Gut, denn ich freue mich jetzt schon darauf, dich zu bestrafen.“

Sie schluckte und sah angestrengt aus dem Fenster. Eine Viertelstunde später erreichten wir mein Zuhause, das Castello di Ravazzani. Ich liebte jeden Winkel des Anwesens, die Olivenhaine, die Weinberge, das Ackerland und die Weiden, aber in diesem Augenblick konnte ich nichts davon genießen, und das steigerte meine Wut nur noch.

Als der Wagen vor dem steinernen Eingang anhielt, rührte ich mich nicht. „Lasst uns allein“, sagte ich zu Marco und meinem Fahrer. Die Türen schlossen sich und Francesca zuckte wie ein verängstigtes kleines Kaninchen zusammen. Ich neigte mich leicht zu ihr. „Weißt du, was mir am besten daran gefällt, ein Schloss zu besitzen?“

„Nein“, antwortete sie mit gebrochener Stimme.

„Nicht einmal eine Vermutung?“

„Die Geschütztürme?“

Grinsend stieg ich aus und ging zu ihrer Tür. Nachdem ich sie aus dem Auto gezogen hatte, beugte ich mich vor. „Mein Lieblingsteil dieses Schlosses ist der Kerker.“

Sie schnappte nach Luft. Meine Geduld war am Ende, und ich gab ihr keine Möglichkeit mehr zu fliehen, sondern warf sie über meine Schulter und machte mich auf den Weg zum Hintereingang, der unter die Erde führte.

Sie fing sofort an, um sich zu schlagen und zu strampeln. „Lassen Sie mich runter! Hören Sie bitte auf.“

Ich ignorierte sie und ging weiter.

„Nein, bitte. Sie können mich nicht in einen Kerker sperren. Bringen Sie mich nicht da runter. Bitte, Signore Ravazzani.“

Signore? Das waren ja ganz neue Töne.

Aber ich tobte innerlich und war jenseits jeglichen rationalen Denkens. Wir nutzten den Kerker für geschäftliche Zwecke, obwohl ich es vorzog, keine Leute auf meinem Grundstück zu töten. Es richtete zu viel Unordnung an. Francesca könnte ein paar Stunden in einer der feuchten Zellen schmoren, dann wäre sie vielleicht zugänglicher für meine Gastfreundschaft.

Als ich die schwere Tür aufstieß, weinte sie. Gut. Vielleicht würde ihr das helfen, ihren Platz hier zu erkennen.

„Bitte, Signore. Ich kann das nicht... Sie können mich nicht hier einsperren.“

Meine Schuhsohlen schlurften über den alten Stein, als ich die Stufen hinabstieg. Hoffnungslosigkeit strahlte von den Wänden ab, der Geruch von Blut und Verzweiflung hing in der Luft – zwei vertraute Düfte, die mir immer wieder Freude bereiteten. Ich hatte an diesem Ort schreckliche Dinge getan und mein Sohn würde noch unzählige weitere tun. Das Vermächtnis der Ravazzani 'ndrina wurde hier mittels Angst und Einschüchterung, Zorn und Folter aufrechterhalten.

Ich nahm einen Schlüsselring von der Stange neben der Tür und ging zur ersten Zelle. Es war unmöglich, den Eisenstangen zu entkommen, obwohl es viele versucht hatten. Ketten waren in die Wand eingelassen, aber sie waren bei ihr wohl nicht nötig. Zumindest noch nicht.

Ich stellte sie auf die Beine. Tränen liefen ihr über die Wangen, und ihre Augen waren panisch, als sie sich an meine Jacke klammerte. „Bitte. Tun Sie das nicht. Ich werde im wahrsten Sinne des Wortes ausflippen.“

Diese junge Generation. Immer so verdammt dramatisch.

Ich schüttelte sie ab und trat einen Schritt zurück. Meine Absicht stand fest. Ein capo machte nie einen Rückzieher von einem Befehl. Wir zeigten keine Schwäche oder Reue. Ich würde die Oberhand über diese Frau behalten und sie würde sich fügen.

Ich trat aus der Zelle und schlug die schwere Metalltür zu, bevor sie durch den Spalt schlüpfen konnte. Als die Tür zufiel, schüttelte sie panisch den Kopf und umklammerte die Eisenstangen. „Bitte, Signore. Tun Sie das nicht. Ich werde tun, was Sie wollen. Ich werde lieb sein.“

Die Worte ließen meinen Schwanz zucken, als ich mir vorstellte, wie sie auf ihren Knien äußerst lieb zu mir war.

Minchia! Es musste einen besonderen Höllenkreis für einen Mann geben, der unreine Gedanken über die Verlobte seines Sohnes hatte.

Mit einer wütenden Drehung meines Handgelenks verriegelte ich die Tür mit dem alten Schlüssel. Oberirdisch waren wir vielleicht im High-Tech-Zeitalter, aber hier unten funktionierte das Mittelalter weiterhin perfekt. „Vielleicht lernst du hier, wer das Sagen in diesem Haus hat, piccola monella.“

Sie rüttelte mit einem schmerzerfüllten Schrei an den Gitterstäben, und für einen kurzen Moment hatte ich Zweifel, was mir so gut wie nie passierte.

Ein capo darf keine Schwäche zeigen.

Mein Vater hatte mir das jahrelang eingebläut, fast von Geburt an. Es lag uns im Blut, in unserer Geschichte. Schließlich stammte das Wort „'ndrina“ aus dem Griechischen und bedeutete „Mensch, der sich nicht beugt“.

Was hieß, dass es keine Gnade gab, nicht einmal für sie.

Ich drehte mich um und machte mich auf den Weg zum Ausgang. „Ich wünsche einen angenehmen Aufenthalt.“

FRANCESCA

Ich schrie, bis meine Kehle schmerzte und wund war. Es machte keinen Unterschied. Die Tür blieb verschlossen, Dunkelheit umgab mich. Ich war eingesperrt und niemand kam, um mich zu retten. Oh Gott. Ich würde das nicht überleben.

Meine Kehle war trocken und meine Lungen brannten. Das war mein schlimmster Albtraum. Eingesperrt unter der Erde, wo mich niemand finden würde. Gab es hier unten überhaupt Sauerstoff? Mit brennender Brust sank ich auf die Knie. Wie lange würde es dauern, bis ich erstickte? Ein paar Stunden?

Ich konnte fühlen, wie Hysterie die panische Angst in meinem Kopf verdrängte. Der Therapeut, bei dem ich wegen meiner Klaustrophobie in Behandlung war, hatte gesagt, ich solle atmen und bis hundert zählen und dass Ruhe der Schlüssel sei.

Ich schloss die Augen und begann zu zählen.

Ich versuchte, mich auf die Zahlen zu konzentrieren, auf den Rhythmus meiner Atmung, aber die muffige Luft erinnerte mich nur daran, wo ich war und wer mich eingesperrt hatte. Wie viele Leute waren in diesen Mauern bereits gestorben? Hatte Ravazzani hier jemanden getötet?

Natürlich hat er das, Frankie. Er ist der capo eines der legendärsten Mafia-Clans Italiens.

Gab es Geister in diesem Kerker?

Oh, verdammt. Ich ballte meine Hände zu Fäusten und meine Nägel gruben sich tief in meine Haut. Es brannte, aber ich war froh über den Schmerz, weil er mich daran erinnerte, dass ich noch am Leben war. Ich war noch nicht tot. Er würde mich irgendwann hier rausholen. Schließlich sollte ich seinen Sohn heiraten.

Bitterkeit füllte meinen Mund. Wenn sie mich freilassen, wird es um meinen Verstand wahrscheinlich längst geschehen sein. Bis dahin bin ich wahnsinnig geworden. Ich lachte hohl. Vielleicht würde er mich dann wenigstens nach Toronto zurückschicken und mich für zu untauglich erklären, den kostbaren Ravazzani-Erben zu heiraten.

Oder vielleicht würde er mich einfach umbringen.

Ich schaukelte hin und her und versuchte, nicht daran zu denken. Was war nur mit meinem Leben passiert? Vor zwei Tagen war ich ein achtzehnjähriges Mädchen mit einem Freund gewesen, kurz davor, ein angesehenes College zu besuchen. Ich hatte Botanik studieren wollen. Etwas mit Pflanzen und Naturwissenschaft, wo ich draußen sein konnte. Jetzt war ich in einem Kerker in Italien eingesperrt und sollte gezwungen werden, einen Mafia-Prinzen zu heiraten, den ich nicht einmal kannte.

Winzige Krallen kratzten über den Steinboden und ich erstarrte. Oh, mein Gott. Was war das? Eine Maus? Nein, es klang groß, eher nach einer Ratte. Ich rollte mich so fest zusammen, wie ich konnte, und zog meine zitternden Knie an meine Brust. Ich hoffte, dass Ravazzani persönlich meine rattenzerfressene Leiche fand.

---ENDE DER LESEPROBE---