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Willkommen in Glennyfey – wo Melodien zu Zaubern werden Um mit ihrer Band durchstarten zu können, brauchen Tristan und Mel unbedingt einen Schlagzeuger. Da kommt eigentlich nur Jack Murphy infrage. Der Sohn des Konditors trommelt im Unterricht immer auf dem Tisch herum. Doch Jack scheint Sorgen zu haben. Sein Vater hat einen Online-Shop für seine berühmten klingenden Törtchen eröffnet, aber die magische Wirkung bleibt außerhalb von Glennyfey aus und es hagelt Beschwerden. Tristan und Mel ist klar: Da hilft nur ein Zauberlied aus dem Buch der Barden! Entdecke alle magischen und humorvollen Abenteuer von Michael Petrowitz bei Ravensburger: Magic Music - magische Kinderbücher ab 8 Jahre über Freundschaft, Zusammenhalt und die zauberhafte Kraft der Musik: Band 1: Der rätselhafte Rückwärtszauber Band 2: Die klingenden Törtchen (Frühjahr 2026) Band 3 erscheint im Herbst 2026 Band 4 erscheint im Frühjahr 2027 Dragon Ninjas - drachenstarke Kinderbücher ab 8 Jahre über Mut, Freundschaft und Selbstbewusstsein: Band 1: Der Drache der Berge Band 2: Der Drache des Feuers Band 3: Der Drache des Himmels Band 4: Der Drache der Erde Band 5: Der Drache der Schatten Band 6: Der Drache des Wassers Das wilde Uff (als E-Book erhältlich) - zum Wegschmeißen lustige Kinderbücher ab 8 Jahre über ein freches Urzeitwesen mit großer Klappe: Band 1: Das wilde Uff sucht ein Zuhause Band 2: Das wilde Uff fährt in den Urlaub Band 3: Das wilde Uff jagt einen Schatz Band 4: Das wilde Uff braucht einen Freund
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Seitenzahl: 107
Veröffentlichungsjahr: 2026
Als Ravensburger E-Book erschienen 2026 Die Print-Ausgabe erscheint im Ravensburger Verlag © 2026 Ravensburger Verlag Text: Michael Petrowitz Vermittelt durch die Literaturagentur Arteaga, Berlin. Covergestaltung und Illustrationen: Hannah McCaffery Alle Rechte dieses E-Books vorbehalten durch Ravensburger Verlag GmbH, Postfach 2460, D-88194 Ravensburg. Der Nutzung für Text- und Data-Mining wird ausdrücklich widersprochen.
ISBN 978-3-473-51295-9
ravensburger.com/service
„Das war’s!“, seufzte Lady Frost und legte ein Buch mit dem Titel „Schlürfen für Fortgeschrittene – Suppen aus aller Welt“ auf einen Stapel neben sich. „Hier ist es also auch nicht.“
Sie schaute auf die kleine silberne Uhr an ihrem Handgelenk. Es war sieben Minuten vor Mitternacht. Sie gähnte und rieb sich die Augen. Wie jede Nacht hatte sie im Keller unter der Bibliothek von Glennyfey gesucht – nach dem einen Buch. Dem Buch der Barden. Ihre einzige Gesellschaft war ihre Katze Morrigan, die ihr unentwegt um die Beine schlich.
Frust stieg in Lady Frost auf. Warum konnte sie das Buch nicht finden? Es musste doch hier sein! Diese Kinder hatten es schließlich auch gefunden!
Sie zog ein herzförmiges Amuletthervor, das sie an einer Kette unter ihrer Bluse trug.
Sie klappte es auf. In dem Amulett war ein Foto. Es zeigte einen zehnjährigen Jungen. Das Foto war schon sehr alt und ausgeblichen. Lady Frost betrachtete es liebevoll und seufzte: „Wenn ich das Buch doch nur finden könnte! Vielleicht würdest du mich dann endlich …“
Sie stockte, legte ihre Brille beiseite und wischte sich die Tränen aus den Augen. Sie klappte das Amulett wieder zu und steckte es zurück unter die Bluse. Dann kramte sie ein Taschentuch hervor, schnäuzte sich die Nase und erhob sich. Lady Frost schaltete das Licht aus und stieg die Stufen der Treppe aus dem Keller empor, zurück in die Bibliothek. Morrigan folgte ihr maunzend.
Im Lesesaal war alles dunkel. Nur die kleinen Lämpchen, die den Notausgang anzeigten, leuchteten schwach. Lady Frost fasste sich an die Stirn und tastete nach ihrer Brille. Aber sie fand nichts. Wie sollte sie auch? Die Brille hatte sie im Keller vergessen. Schnell ging sie noch einmal zurück zur Harfe. Sie ahnte nicht, dass sie beobachtet wurde.
Draußen vor der Bibliothek stand ein Junge und starrte gebannt durch das Fenster in den Lesesaal. Es war Conor. Er beobachtete, wie Lady Frost auf die Harfe zuging und … darin verschwand!
Zumindest sah es aus seinem Blickwinkel so aus. Woher sollte er wissen, dass unter der Harfe eine Klappe im Boden war? Conor eilte zu einem Fenster auf der gegenüberliegenden Seite des Lesesaals. Von dort aus konnte er die andere Seite der Harfe sehen. Aber Lady Frost war nicht zu entdecken. Nun war er sich sicher: DAS war also das Geheimnis dieser Harfe – Lady Frost konnte in ihr verschwinden!
Conor machte sich auf den Heimweg. Er kannte nun das Geheimnis der Harfe. Und er würde dieses Wissen zu seinem Vorteil einsetzen – irgendwann.
In der Küche der kleinen Fischerhütte roch es ganz herrlich nach frisch gebackenem Brot. Tristan saß am Frühstückstisch und musste blinzeln. Die Sonnenstrahlen, die ihn durch das Fenster im Gesicht kitzelten, blendeten ihn von Morgen zu Morgen stärker.
Die Fischerhütte von Mr Murphy, in der Tristan und seine Mutter Betty seit ein paar Wochen wohnten, befand sich in der Nähe des Strands. Ein kleiner Garten mit Gemüsebeeten und allerlei bunten Blumen umsäumte die Hütte. In der Mitte des Gartens stand ein prächtiger Apfelbaum. Auf der anderen Seite der Bucht konnte man Opa Bellys Leuchtturm sehen.
Betty Bach schlüpfte in ihre dicken Ofenhandschuhe, öffnete die Klappe des Backofens und zog den schweren gusseisernen Topf aus der Röhre.
Tristan griff nach der Butter auf dem Esstisch. Er konnte es kaum erwarten, eine noch warme Brotscheibe damit zu bestreichen.
„Mmh, dein Brot durftet köstlicher als je zuvor!“, schwärmte Tristan.
Betty lächelte und nahm den Deckel vom Topf.
„Ich könnte den ganzen Tag lang backen!“ juchzte sie. „Und ich habe mir bei Mr Murphy schon einige Tricks abgeguckt.“
„Aber wie er diese klingenden Törtchen herstellt, hat er dir noch nicht verraten, oder?“
„Nie im Leben wird er mir sein Geheimrezept für die berühmten klingenden Törtchen verraten“, antwortete Betty. „Mir würde schon reichen, wenn er mir wenigstens verrät, wie er es schafft, seine Krokant-Röllchen so knusprig zu glasieren.“
Betty hob den lecker duftenden Brotlaib aus dem Topf und wenig später saßen die beiden am gedeckten Frühstückstisch.
„Ach, ich habe das Teewasser vergessen!“, sagte Betty, während sie die ersten Scheiben vom Laib schnitt. „Kannst du bitte den Kessel aufsetzen?“
Tristan sprang auf, nahm den Teekessel vom Herd und hielt ihn unter den Hahn. Das Wasser gluckste in der Leitung. Dann spritzte es in alle Richtungen, weil plötzlich ein ganzer Schwall herausschoss.
„Du musst es erst ein bisschen laufen lassen!“, mahnte Betty. „Mr Murphy hat uns doch vor den alten Wasserleitungen gewarnt.“
„Ach ja, vergesse ich jedes Mal“, antwortete Tristan und kippte das bereits in den Kessel gelaufene Wasser in den Ausguss. Er ließ das Wasser aus dem Hahn laufen, bis es in einem fortlaufenden Strahl floss. Dann füllte er den Kessel mit Wasser.
Als er den Kessel auf den Gasherd gestellt hatte, setzte er sich wieder an den Tisch und schmierte sein Brot mit Butter. Plötzlich gluckste es im Abfluss. Erst ganz zaghaft, dann lauter. Aus dem Glucksen wurde ein Gurgeln. Zu dem unangenehmen Geräusch gesellte sich ein ebenso unangenehmer Geruch, der sich kurzerhand zu einem ekelhaften Gestank entwickelte.
Betty sprang sofort hoch und riss das Fenster auf.
„Schon wieder“, fluchte sie und wedelte mit einem Handtuch vor dem Fenster umher.
„Das hilft doch nicht“, seufzte Tristan. „Wolltest du Mr Murphy nicht fragen, ob er das reparieren kann?“
„Ich habe ihm schon wegen des Abflusses Bescheid gegeben“, sagte Betty.
„Auch wegen der kaputten Fensterläden?“
„Ja.“
„Und dem klemmenden Türschloss?“, hakte Tristan nach.
„Ja, habe ich. Er hat versprochen, dass er heute vorbeikommt und alles repariert.“
„Perfekt!“, freute sich Tristan und nahm seine Scheibe Brot. Gerade als er abbeißen wollte, zog wieder eine stinkende Schwade aus dem Abfluss.
Tristan verzog das Gesicht und legte das Brot zurück auf den Teller. „Ich glaube, ich nehme mein Brot lieber mit auf den Weg.“
„Wo willst du denn hin? Es ist doch noch so früh!“
Tristan stand auf und steckte sich das Brot in den Mund, ohne davon abzubeißen. „Ich treffe mich gleich mit Mel.“
„Willst du schon wieder in die Schule gehen?“ wunderte sich Betty. „Du hast doch Ferien!“
„Ja, aber hier in Glennyfey ist Schule irgendwie anders. Ich gehe gern dorthin. Auch in den Ferien.“
Tristan trat vor die Tür. Er nahm einen tiefen Atemzug. Die Seeluft war kühl und frisch und zauberte ihm sogleich ein Lächeln ins Gesicht. Der Wind zerzauste seine Haare und blies so stark und scharf an seinen Ohren vorbei, dass Tristan ein Pfeifen vernahm.
Guuuhuuuhuuuten Mooohooohooorgen!
„Guten Morgen, Glennyfey!“, antwortete Tristan und rannte los.
Mel wartete bereits an der Ecke. Sie kritzelte etwas in ihr Notizbuch, als Tristan sie begrüßte.
„Schreibst du einen neuen Song? Schon vor der Schule?“, trällerte Tristan.
„Mhm.“ Mel war vollkommen in ihre Notizen vertieft.
Tristan lugte ihr über die Schulter. „Reichweitenoptimierung“, las er. „Was soll das sein?“
Mel schlug das Notizbuch zu und sah ihn mit einem strengen Blick an. Während sie es in ihrer Schultasche verstaute, sagte sie: „Wieso kommst du so spät?“
„Spät? Ich bin doch pünktlich!“, wunderte sich Tristan.
„Pünktlich ist manchmal auch zu spät!“, antwortete Mel.
Dann liefen sie eine Weile schweigend nebeneinander her.
Tristan dachte über Mels Worte nach. Pünktlich ist manchmal auch zu spät? Wieso sagte sie immer wieder so komische Sachen?
„Denkst du eigentlich auch noch jeden Tag an unseren Auftritt?“, fragte Mel und riss Tristan aus seinen Gedanken.
„Nö“, antwortete Tristan.
„Woran denkst du dann den ganzen Tag?“, hakte Mel nach.
„Darüber, dass wir in unserem neuen Zuhause eine Menge reparieren müssen“, erklärte Tristan. Von seinen Gedanken über sie, Mel, sagte er lieber nichts.
Mel hörte ihm gar nicht zu. Tristan sah, dass irgendetwas sie offenbar sehr bewegte. Hinter ihren Augen schienen die Gedanken wie ein Feuerwerk zu explodieren.
„Ich denke jeden Tag an unseren Auftritt“, sagte Mel. „Unser Magic Music Club ist genau das, was ich mir immer gewünscht habe.“
„Mhm“, kommentierte Tristan.
„Mehr hast du nicht dazu zu sagen?“, fuhr Mel ihn an.
„Doch. Ich meine. Ich …“, stammelte Tristan, der merkte, dass Mel ein wenig mehr Begeisterung erwartete. „Ich fand es auch toll. Aber ich denke nicht jeden Tag daran.“
Mel starrte ihn mit ernster Miene an.
Tristan spürte, dass sie ganz und gar nicht zufrieden war mit seiner Antwort, also fuhr er fort: „Ich hatte ja gar keine Zeit, daran zu denken. Der Umzug, der Abschied von zu Hause, diese Hütte, in der wir jetzt wohnen – da war einfach kein Platz für diese Gedanken!“
„Soso, Tristan Bach! Ist dir also nicht so wichtig, unsere Band, ja?!“, antwortete Mel. Sie beschleunigte ihre Schritte und sprang auf ihren Roller.
Tristan hatte Mühe, mit ihr Schritt zu halten. Offenbar hatte er nicht das Richtige gesagt, obwohl es die Wahrheit gewesen war.
Mel drehte sich um und rief: „Wird das heute noch was?“
„Jaja!“, antwortete Tristan, spurtete ihr hinterher und sprang ebenfalls auf den Roller. So fuhren sie zur Schule.
Vor der Schule herrschte ein fröhliches Gewusel. Direktor McGowan stand wie jeden Morgen am Eingang und begrüßte die Schüler mit seinem Flötenspiel.
Bevor Tristan das Schulgebäude betrat, warf er noch einen kurzen Blick zur Bibliothek hinüber. Das Abenteuer, das er vor einigen Wochen mit der magischen Harfe erlebt hatte, beschäftigte ihn jedes Mal, wenn er in der Nähe der Bibliothek war. Tristan hatte die Bibliothek seitdem nicht mehr betreten. Lady Frost hatte ihm Hausverbot erteilt.
In der ersten Stunde stand Mathematik auf dem Stundenplan. Die Aufgaben, die Direktor McGowan für die Viertklässler an die Tafel kritzelte, waren kein Problem für Tristan. Mel hingegen schien sich überhaupt nicht für die Aufgaben zu interessieren. Sie hatte ihr Notizbüchlein neben dem Mathematikheft aufgeschlagen und schrieb eifrig hinein.
Im Klassenraum war es bis auf das Kritzeln der Stifte absolut still. Tristan blickte nach vorn. Direktor McGowan saß an seinem Tisch und hatte die Augen geschlossen. Schlief er etwa?
Klack, klack, klack.
Tristan schaute zum Nachbartisch. Conor saß so tief über sein Heft gebeugt, dass seine Nase fast das Papier berührte. Er schrieb sehr langsam. Seine Augen fielen ihm immer wieder zu. Er gähnte und kämpfte gegen die Müdigkeit an. Jack hingegen saß aufrecht und wippte beim Schreiben auf seinem Stuhl auf und ab. In kurzen Abständen klopfte er nervös mit seinen Stiften auf die Tischplatte.
Klack, klack, klack.
Dann widmete er sich wieder den Aufgaben. Kaum hatte er eine gelöst, begann er erneut zu wippen und zu trommeln.
„Ruhe!“, flüsterte Direktor McGowan, ohne die Augen zu öffnen. Jack fühlte sich nicht angesprochen.
Klack, klack, klack. Klack, klack, klack, klack, klack …
Nun öffnete der Direktor die Augen und blickte zu Conor und Jack. „Was ist los dahinten?“, fragte er. „Wollt ihr mir etwas morsen? Und wenn ja, was? Diese Klopfzeichen kann ich einfach nicht verstehen!“
„Das ist Jack!“, antwortete Conor, der nicht ungerecht beschuldigt werden wollte. „Das macht er immer. Er ist so nervös!“
Jack sagte nichts.
„Nervös?“, wiederholte Direktor McGowan und stand von seinem Stuhl auf. „Ist alles in Ordnung bei dir, Jack?“
Jack schaute den Direktor an und zuckte nur mit den Schultern. „Ja, alles gut“, antwortete er verwundert. „Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich geklopft habe. Tut mir leid. Entschuldigen Sie bitte!“
Klack, klack, klack.
„Jetzt hast du schon wieder geklopft“, schnauzte Conor Jack an.
„Entschuldigung“, sagte Jack in Richtung von Direktor McGowan. „Ich merke das nicht. Es passiert einfach so.“
Direktor McGowan nickte. „Ja, so ist das mit der Nervosität. Sie ist einfach da.“
Nach der Stunde zog Tristan Mel beiseite.
„Du, Mel, ich wollte dir noch sagen, dass mir die Band wichtig ist, auch wenn ich nicht die ganze Zeit daran denke. Aber unsere Freundschaft, die ist mir sehr wichtig! Und daran denke ich die ganze Zeit!“
Mel lächelte. „Siehst du, mit den richtigen Worten ist es wie mit der Nervosität. Manchmal sind sie einfach da!“
Nach der Schule schlenderten Tristan und Mel noch einen Teil des Heimwegs zusammen. Mel schob ihren Roller. An manchen Tagen gingen sie gemeinsam zum Leuchtturm. Wenn Opa Belly einen leckeren Eintopf gekocht hatte, war Tristan ein gern gesehener Gast. An anderen Tagen nahm Tristan Mel mit zu sich in die Fischerhütte. Dann ließen sie sich die von Betty gebrutzelten Boxty Pancakes schmecken, eine Art Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Natürlich hatte sie auch immer kleine Köstlichkeiten aus dem Törtchenglück bereit. Aber in dieser Mittagspause war es anders.
„Mel, wieso kommst du heute nicht mit zum Essen?“, fragte Tristan.
„Ich habe es dir doch erklärt“, antwortete Mel. „Ich muss alles für unsere Probe heute Nachmittag vorbereiten!“
