Magierin der Sterne: Band 3 - Werner Knauer - E-Book

Magierin der Sterne: Band 3 E-Book

Werner Knauer

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Beschreibung

Felicitas Schicksal ist besiegelt: Lebenslange Verbannung in den Minen auf Titan. Und Präsidentin Parzela kennt kein Erbarmen, sie plant, Felicitas ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen – sie soll niemals auf dem Titan ankommen. Es bleibt nur ein Ausweg, mit Hilfe von Botschafterin Teleria öffnet sich Felicitas ein magisches Portal und flieht, den Mars vor Augen, aus der Gefangenschaft. Doch statt auf dem Mars findet sie sich in einer endlosen, rotbraunen Wüste wieder. Über ihr schwebt ein gewaltiger Gasriese – und fernab von allem, was sie kennt, trifft sie auf Alven, die isoliert auf ihren neun Monden ein Leben im Einklang mit der Natur führen. Allein die Königin der mächtigen, uralten Alven erkennt ihr verborgenes Potenzial und ahnt, Felicitas könnte diejenige sein, die in der Prophezeiung genannt wurde. Gemeinsam mit zwei Vertrauten der Königin begibt sich Felicitas auf eine gefährliche Reise zu den legendären Eryennen – denn nur mit ihnen gibt es Hoffnung. Währenddessen übernehmen die Schergen Parzelas die Kontrolle über die terranischen Streitkräfte und zerschlagen jeden Widerstand mit eiserner Faust. Verzweifelt versuchte Mathias, die Mannschaft der Elysion vor den Übergriffen des neuen Kapitäns zu schützen und hofft auf Admiral Higgins. Doch der einzige Hoffnungsträger ist seiner Macht beraubt. Nur die Shima könnten noch helfen, doch der Himmel über deren Welten verdunkelt sich, die Flotten der Dunkelalven und ihrer Schergen drohen, alles Menschliche in Finsternis und Sklaverei zu stürzen. Admiral Slag und Imperator Beraid führen Seite an Seite ihre Flotten gegen den übermächtigen Feind, der erbarmungslos die Menschen an den Abgrund führt. Ihre Welten brennen und nur die Hoffnung nährt ein kleines Licht. Wird Felicitas es schaffen, die Eryennen zu finden und das Schicksal der Galaxis zu wenden? Begib dich auf ein Abenteuer zwischen Magie, fremden Welten und epischen Schlachten – und entdecke, wie viel Hoffnung selbst im dunkelsten Zeitalter noch glimmen kann. Tauche ein in eine Saga voller Geheimnisse, Machtspiele und dem ultimativen Kampf um die Freiheit der Menschheit!

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Werner Knauer
Magierin der Sterne – Bd.3
Sol
Magierin der Sterne
Band 3 - Sol
Werner Knauer
Impressum: Copyright © 2026 Werner Knauer
ISBN: 9783819446054
All rights reserved
The characters and events portrayed in this book are fictitious. Any similarity to real persons, living or dead, is coincidental and not intended by the author.
No part of this book may be reproduced, or stored in a retrieval system, or transmitted in any form or by any means, electronic, mechanical, photocopying, recording, or otherwise, without express written permission of the publisher.
Werner Knauerc/o netlogix GmbH & Co.KGNeuwieder Straße 10, 90411 Nürnberghttps://www.netlogix.de
[email protected]: https://www.instagram.com/wernerknauerautorhttp://www.magierin-der-sterne.de
Cover design by: W. KnauerLektoriert by: Viola
Druck und Distribution im Auftrag des Autors: tolino media GmbH & Co. KG, Albrechtstr. 14, 80636 München, Deutschland 
Inhalt
Titelseite
Vorwort
Prolog
Das Urteil ist gesprochen
Das Grauen erwacht
Eine neue Allianz
Du Chessa
Spurensuche
Szeele Teles
Objekt 2002 VE 68
Kämpfe überziehen die Galaxis
Das Vorrecht einer Königin
Nekropolis
Widerstand
Siege und Niederlagen
Ein Licht durchdringt die Dunkelheit
Epilog
Appendix
Danksagung
Vorwort
von Jörg Märker
Band 3: "Magierin der Sterne – Sol“
Nach der für mich völlig überraschenden Inhaftierung von Felicitas Heubauer, die doch gerade noch die Erde vor der völligen Zerstörung gerettet hatte, war ich sehr auf die Fortsetzung gespannt. Dieser dritte Band der Serie knüpft nahtlos an diese Handlung an und führt die Geschichte um den uralten Konflikt und die erbitterten Schlachten um die Galaxie fort.
Gleich zu Beginn des Buches bekomme ich nach und nach die Antworten auf das Ende des letzten Buches. Doch Zeit zum Ausruhen bleibt nicht. Die rasanten Abenteuer von Felicitas Heubauer gehen ohne Verschnaufpause weiter. Besonders schön finde ich die Weiterentwicklung des Charakters. Sie beginnt, an ihren Abenteuern zu wachsen, und gewinnt endlich Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Trotz allem behält sie ihre reine Seele und menschliche Art. Aber auch ihre Gegner, denen sie sich stellen muss, werden immer mächtiger. Nur durch den geschickten Einsatz ihrer Kräfte, ihrer Intelligenz und durch das Netzwerk aus Allianzen kann sie dem etwas entgegensetzen. Felicitas Freundinnen, Freunde und Verbündeten sind ebenfalls gefordert und kommen dabei keinesfalls zu kurz.
In diesem dritten Band wächst Werner Knauer, der Newcomer unter den Science-Fiction-Autoren, weiter über sich hinaus und schafft es, noch einmal die beiden ersten Bände zu übertreffen. Ihm gelingt es nicht nur, die Handlung der ersten beiden Bücher schlüssig und konsistent weiterzuentwickeln, sondern auch, mit neuen Welten und weiteren Völkern die Leserschaft zu fesseln. Die roten Fäden des über die ersten beiden Bände aufgebauten Spannungsbogens fügen sich nach und nach zu einem Strang zusammen, und es entsteht Stück für Stück ein faszinierendes Gesamtbild der Welten, Beziehungen und Spannungen unter den Völkern. Die perfekte Balance aus detailreich beschriebenen Szenen und einer rasanten Handlung, die Perspektivwechsel, welche die Geschehnisse aus der Sicht unterschiedlicher Akteure wirken lassen, sowie die überraschenden Wendungen, die aber keinesfalls konstruiert oder überzogen wirken, führen dazu, dass man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann.
Vielen Dank, Werner, für die gelungene Fortsetzung. Ich freue mich schon auf den vierten Band.
Prolog
Versonnen blickte ich durch das hochgelegene, kleine Fenster und betrachtete die silberglänzende Scheibe des abnehmenden Mondes. Kein Geräusch drang an meine Ohren, die Zellen des Gefängnisses waren schalldicht, und als ich den Mond beobachtete, dachte ich versonnen: Vor ein paar Tagen erst war Vollmond und heute müsste Sonntag, der 03. Juni 2170 sein. Oder ist es doch schon Montag? Verdammt, die Zeit hat in diesem Loch keine Bedeutung. Seit rund einem halben Jahr bin ich nun eingesperrt und von meinen Freunden getrennt, der Fraß hier ist schlimmer als die Flottennotrationen und der Fernseher geht auch jeden Tag nur ein paar Stunden. Mal abgesehen davon, dass da eh nur sinnfreie Informationen kommen. Vor allem nichts über mich und den laufenden Gerichtsprozess. Er wird totgeschwiegen. Warum, frage ich mich?  
Ruhelos begann ich erneut auf und ab zu gehen. Sechs Schritte entlang des Betts, noch zwei und bei der an der Wand befestigten Toilettenschüssel bog ich ab und ging zwei Schritte auf das Waschbecken zu. Wieder bog ich im rechten Winkel ab und ging die acht Schritte zurück. Der festgeschraubte Stuhl stand mir im Weg, also musste ich einen Schritt ausweichen. Am Ende der Zelle angekommen, hatte ich noch genau einen Schritt und ich stand wieder unter meinem Fenster. Seufzend begann ich meine Wanderung erneut und dachte: Diese Woche soll das Urteil gesprochen werden über die Farce von Verhandlung. Die „Terranische Föderation gegen Felicitas Heubauer“. Was man mir vorwirft? Verrat, Meuterei und Kollaboration mit dem Feind, dazu noch Mord in mindestens drei Fällen. Die haben einen Schaden, denn ich habe die Invasion abgewehrt und ohne mich gäbe es die Terranische Föderation vielleicht gar nicht mehr.
Bei dem Gedanken ballten sich meine Hände zu Fäusten. Vielleicht sollte ich doch ausbrechen, aber Admiral Higgins und Mathias sind dagegen. Na, die beiden müssen ja auch nicht hier rumsitzen und ihre Lebenszeit vergeuden. Ich bin mir sicher, die haben ihre Meinung zwischenzeitlich auch schon geändert. Obwohl, sie waren beide schon lange nicht mehr mit bei den Verhandlungen dabei …
Trübselig blieb ich stehen und gönnte mir einen der Momente, in denen ich mich von meinen Gefühlen übermannen ließ. Tränen kullerten meine Wangen hinunter und ich dachte: Mathias, du fehlst mir. Bald musst du Geburtstag haben und ich kann nicht bei dir sein. Wie gerne würde ich nun mit dir sprechen, kuscheln und einfach nur in deiner Nähe sein. Warum hast du mich davon abgehalten auszubrechen? Die Verhaftung und das ganze Gerichtsverfahren stellen sich doch immer mehr als manipuliert heraus.
Vor meinem inneren Auge erschien das Bild von ihm. Seine blaugrauen Augen lächelten mich verschmitzt an, gaben mir Mut und blickten liebevoll. In seiner Uniform der Kommando-Spezialkräfte sah er schneidig aus, das Abzeichen eines Majors glänzte auf den Schulterklappen. Erinnerungen an die Mitglieder meiner Brückencrew verdrängten das Bild. Lieutenant Commander Miller, der rotblonde Brite, Commander Moreau aus Frankreich mit ihrem akkurat geschnittenen Pagenschnitt und knallrot geschminkten Lippen. Die Schwedin Ilva Bengtsson mit ihren langen, zum Zopf geflochtenen blonden Haaren, der taktische Offizier Fernandez, seine Haare mit Gel verklebt, die beiden Japaner Lieutenant Ishida und Chief Morishita und die zur Korpulenz neigende, pausbäckige Lieutenant Junior Grade Orlofsky, meine Ordonnanz. Sie war eine echte Marsianerin. Ein Gefühl der Verbundenheit machte sich in mir breit und stolz dachte ich an unsere gemeinsam erlebten Abenteuer in den Tiefen des Weltraums. Ich war dabei, beim ersten Raumsprung eines terranischen Schiffs, der uns über 500 Lichtjahre von der Erde entfernt in das System Lesath führte. Wir fanden Spuren von einem Raumkampf zwischen den R’actor, einer Rasse kriegerischer, hochentwickelter Cyborgs, und Menschen. Wie sich herausstellte, lebten dort die Shima, ein menschliches Volk von Raumfahrern. Verzweifelt suchten wir nach einem Weg nach Hause und das Auftauchen der Shima ermöglichte es uns, unsere galaktischen Koordinaten zu ermitteln. Aber nicht nur das, was für eine Überraschung stand uns noch bevor! Die Shima nutzten Magie und hatten zudem magische Artefakte dabei. Und als ich eines davon berührte, erweckte es in mir die Eminentia Magi genannte Magie.
Bilder des Stabs Myrddin kamen mir in Erinnerung, wie der Kristall am Ende des Stabs anfing zu leuchten und sein Licht auf mich warf. 
Dann griffen uns die R’actor an, die Shima nennen sie Skuru-Ba, gerade als wir die Schäden an unserem Schiff, der Elysion, behoben hatten. Rani To Teleria, Tochter der Herrscherin des Sternenreichs To und zudem eine Magierin der Schwestern der wahren Magie, verblieb als Botschafterin im Auftrag ihrer Mutter Minirima Mandalez an Bord und wir flohen aus dem System. Doch die Cyborgs nahmen immer wieder unsere Spur auf und verfolgten uns. Eine wilde Hetzjagd von System zu System schloss sich in den nachfolgenden Monaten an. Es war zermürbend. Beim Kampf in Lesath wurde Captain Buluc getötet und so hatte ich zwischenzeitlich das Kommando über das Schiff. Die Verantwortung lastete schwer auf mir. Zudem unterrichtete mich Teleria in den Künsten der Magie. Hah, und ihr Berater Tenno Hiroken, der mich immer mit seiner fisteligen Stimme nervte. Nicht zu vergessen, dass Thalion, ein Nojim Krieger der Shima und persönlicher Leibwächter von Teleria, mich im Kampf mit Stab und Schwert unterrichtete. Und dann, eines Nachts, empfing ich die magischen Rufe von Hohepriesterin Tarbaial und ihren Schwestern des Lichts. Ihr Planet Geminorum wurde angegriffen und sie riefen mit Unterstützung eines mächtigen magischen Kristalls um Hilfe. Wir folgten dem Ruf und beendeten die Belagerung ihres Sanktuariums durch die Skuru-Ba. Teleria war überhaupt nicht begeistert, dass wir den Schwestern des Lichts halfen. Denn die hatten den magischen Kristall von den Schwestern der wahren Magie gestohlen und versteckt. Seitdem waren die beiden magischen Schwesternschaften zerstritten. Erst da erfuhr ich, dass es mehrere magische Ordensgemeinschaften gibt, welche fast alle im Rat der Ältesten auf dem Planeten Heron vertreten sind.
Ich konnte den eskalierenden Streit der beiden Magierinnen schlichten, aber nur weil ich verriet, dass ich eine Vision der Alven hatte. In dieser Vision beauftragte mich ein Vertreter dieses rätselhaften, verschollenen Volkes, die Insignien der Macht zu finden und nach Karidol zu bringen. Dabei soll es sich um vier Gegenstände handeln, das Schwert Gwalchafed, das Schild der Stärke, den Kristall der Macht und irgendetwas, was als Renga bezeichnet wird. Tarbaial glaubt seit dem, ich sei die Auserwählte, welche in einer Prophezeiung genannt wird und ich soll die alten Völker wieder vereinen, um die Dunkelheit zu besiegen. Es sind alles Legenden lang vergangener Zeiten. Die alten Völker sind schon vor Jahrtausenden verschwunden und niemand weiß, wo die Alven, Enkidu oder Eryennen leben, ja, ob diese überhaupt noch existieren.
Aber sie übergab den Kristall in meine Obhut, damit war Teleria erst einmal einverstanden und vor dem Rat der Ältesten soll über den Diebstahl entschieden werden. Das Seltsame war nur, dass der Kristall in meiner Nähe grell weiß aufleuchtete und ich eine seltsame Verbundenheit zu ihm fühle. Während die Magie der Magierinnen der Sterne in allen Farben des Regenbogens vorkommt, war meine Magie weiß, was noch ein Grund war, dass Tarbaial an die Erfüllung dieser Prophezeiung glaubt. 
Sie führte uns zu den Twerx und nach Tormhem, deren verlassenen Heimatplaneten. Die Twerx fanden heraus, wie uns die Skuru-Ba folgen konnten, und so konnten wir mit den Flüchtlingen aus dem Sanktuarium zurück zur Erde fliegen. Als wir eintrafen, griffen gerade die Skuru-Ba mit einer großen Flotte das Sol System an und wir konnten sie gemeinsam mit einer Flotte der Shima besiegen. Dabei vernichtete ich das Superschlachtschiff des Feinds mithilfe meiner Magie und fand in dem Zuge das Schwert Gwalchafed. Langsam glaube ich selbst, dass an der Legende was wahr sein könnte. Meine Güte, und all das wissen die Einwohner des Solsystems gar nicht, weil ich von der Präsidentin verhaftet und dann in dieses Loch gesteckt wurde. Ich frage mich immer noch, warum eigentlich? Doofe Nuss, meine Stimme bekommt die nicht noch einmal. Ich verstehe nicht, was man mir eigentlich vorwirft und …
Meine Gedanken begannen, sich im Kreis zu drehen. Ich kannte diese Situationen, die Einsamkeit konnte einen wahnsinnig machen. Ich lenkte meine Gedanken in eine andere Richtung: Ob ich es mal versuchen sollte, Teleria zu erreichen? Sie wirkte das letzte Mal so erschöpft. Eigentlich sollte ich ihr Ruhe gönnen, aber es ist so langweilig. Ich versuche es einfach. Wenn ich sie nicht erreiche, versuche ich zu schlafen. Irgendwann muss ich ja einschlafen …
Langgestreckt auf meinem Bett schloss ich die Augen und konzentrierte mich auf meine Magie. Sofort war der kleine Funke vor meinen Augen zu sehen, er begrüßte mich wie eine langjährige Freundin. So, dann wollen wir mal sehen. Teleria! Hörst du mich?
Ein magisches Band formte sich und strömte in die Ferne. Obwohl ich den Vorgang kannte, faszinierte er mich jedes Mal aufs Neue. Gelenkt durch meinen Willen suchte meine Magie die Magierin, die ich rief und ermöglichte einen Austausch unserer Gedanken.
Teleria, hörst du mich?
Verschlafen kam die Antwort: Felis, bist du es? Ja, ich kann dich hören!
Soll ich dich schlafen lassen? Du wirkst müde!
Ein Kichern ertönte in meinen Gedanken und Teleria antwortete: Erwählte, was kann ich für dich tun?
Erwählte! Jetzt kicherte ich und dachte: Du scheinst gute Laune zu haben.
Frag nicht, du kannst dich in deiner Zelle ja schön ausruhen, aber ich? Die terranische Regierung hält uns hin und die Verhandlungen sind noch keinen Schritt weiter.
Was? Du warst doch letzte Woche davon überzeugt, dass dir und Tenno Hiroken ein Durchbruch gelungen wäre. Was ist passiert?
Präsidentin Parzela geht mir aus dem Weg. Jeden Tag gibt es neue Auflagen oder Anfragen, Termine werden kurzfristig abgesagt und … Ach, lass uns von was anderem sprechen. Wie geht es dir?
Mir ist langweilig, wie du dir vorstellen kannst. Meine Anwältin ist der Meinung, dass die Regierung aus irgendeinem Grund, den ich nicht kenne, zeitnah ein Urteil fällen will. Vielleicht noch diese Woche! 
Diese Woche? Bis heute habe ich nicht verstanden, was sie dir vorwerfen. Doch ich bin mir sicher, dass Parzela Angst vor dir hat. Sie sieht dich als Gefahr, wenn ich auch nicht weiß, warum.
Das hast du schon öfter gesagt, ich kann das gar nicht glauben. Nun, was man mir auf jeden Fall vorwirft, ist Widerstand gegen die Staatsgewalt und Mord in drei Fällen.
Sie haben dich gefoltert! Und du hast dich gewehrt. Du kannst nichts für den Tod der drei Männer. Das ist nicht gerecht!
Ja, aber ich habe die drei Männer durch einen Feuerodem getötet. Die Folterung wurde im Prozess gar nicht erwähnt und es wird so dargestellt, als ob ich absichtlich meine magischen Fähigkeiten eingesetzt habe. Nicht, dass sie es nicht verdient hätten, aber ...
Das passt ins Bild, so leid es mir für dich tut. Parzela spielt ein Spiel und wir wissen noch nicht, warum. Ob sie mit den Skuru-Ba sympathisiert?
Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Warum sollte sie das tun? Die Cyborgs haben vor hundertfünfzig Jahren die Erde überfallen und Millionen von Menschen getötet. Und bei dem Überfall vor einem halben Jahr starben erneut Tausende von Menschen. Nein, das glaube ich nicht. Es muss einen anderen Grund geben.
Du bist unverbesserlich und glaubst immer an das Gute im Menschen. Wir werden es erfahren. So oder so, sie können dich nicht ewig festhalten. Was mir Sorge bereitet, ist, dass die Menschen nicht wissen, dass du die feindliche Invasion vor sechs Monaten aufgehalten hast. Die terranischen Medien verbreiten meiner Meinung nach falsche Informationen darüber. Sicherlich, sie danken meinem Volk für die entsendete Flotte und Unterstützung gegen die siebenhundert Schiffe der Skuru-Ba, doch dein Beitrag wird totgeschwiegen.
Hahaha, was sollen sie den Menschen auch erzählen? Ich, eine Commander der TSF, habe mithilfe unerklärbarer magischer Fähigkeiten einen kosmischen Sturm aus dunkler Materie aufgehalten und dabei das feindliche Flaggschiff zerstört? Das würde niemand glauben.
Aber du hast das getan und die Menschen sollten wissen, dass es Magie im Universum gibt.
Ich antwortete nicht darauf, die Debatte hatten wir nun schon öfter geführt, und wechselte daher das Thema:
Wie geht es Mathias? Hast du Kontakt zu ihm?
Nein, er ist an Bord der Elysion. Gelegentlich treffe ich Admiral Higgins in Gesprächen, doch ansonsten bekomme ich nichts mit, was an Bord der Schiffe passiert.
Schade. Morgen habe ich mich mit Tarbaial verabredet, vielleicht hat sie was von ihm gehört. Wir werden an meinen magischen Wuchtschlägen arbeiten. Oder an dem Feuerzauber, er hat ja schon einmal gewirkt und ich habe damit jemanden getötet.
Du musst dich von dieser Last befreien, es war ein Unfall. Eine andere Frage: Tarbaial erzählte mir von deinen Fortschritten und dass du in allen Menschen den Funken der Magie spüren kannst. Das ist fantastisch und du weißt, was das bedeutet, oder?
Nicht in jedem Menschen, es gibt welche, die strahlen so eine Dunkelheit aus, ich kann es nicht erklären, aber sie fühlen sich an, als ob sie die Magie aufsaugen würden. Und nein, was bedeutet es denn?
Du kannst andere Magiebegabte finden. Wir nutzen dazu magische Artefakte, wie den Stab Myrddin, der dich an Bord der Elysion erwählte. Aber du, du brauchst eine Frau nur anzusehen und schon kennst du ihr magisches Potenzial.
Ich sehe es auch in Männern, nicht nur in Frauen.
Du weißt, Männer dürfen Magie nur durch ihre magischen Waffen nutzen. Dieses Gesetz darfst du nicht brechen!
Ja, ich weiß. Angeblich ein Gendefekt, der Männer durch die Magie zu einem unberechenbaren Monster macht. Tarbaial hat es mir, glaube ich, schon Hunderte Male gesagt, seitdem sie weiß, dass ich Magie in ihnen sehen kann.
Nicht angeblich. Doch egal. Ich muss jetzt schlafen. Und du auch.
Du hast ja recht, schlaf gut. Gute Nacht, Teleria.
Gute Nacht, Felicitas. Alles wird gut, du wirst sehen.
Unser gewobenes Band löste sich auf und ihre Präsenz verblasste. Meine Gedanken fanden jedoch noch keine Ruhe und ich dachte: Die Menschen wissen gar nicht, was wir für ein Glück hatten, die Shima in Lesath zu treffen. Sie haben die havarierte Elysion wieder flott gemacht und mit uns gegen die Angriffsflotte der Skuru-Ba gekämpft. Und nach der Schlacht die Überlebenden geborgen und wieder nach Hause gebracht. Das Volk der Shima, menschliche Nachkommen, sind über weite Teile der besiedelten Galaxis verteilt. Es gibt viele Sternenreiche und Imperien, einen Rat der Ältesten und noch so vieles, was wir gar nicht wissen. Magie zum Beispiel. Und mächtige, magische Artefakte wie das Schwert Gwalchafed oder der Kristall der Macht. Wie ich von meinem Besuch auf Tormhem weiß, finden sich diese auf dem Planeten der Twerx und nur diese Kristalle interagieren auf geheimnisvolle Weise mit der Magie. Wo die Präsidentin meine Artefakte wohl verwahrt?
Ich konzentrierte mich auf meine Magie und suchte nach dem Schwert und dem Kristall. Wie immer spürte ich kurz darauf das magische Band, das mich mit den Gegenständen verband. Doch egal, was ich tat, ich konnte in dem abstrakten Raum der Magie nicht feststellen, wie weit sie weg waren. Nur, dass sie nicht in unmittelbarer Nähe waren. Ich seufzte erneut und öffnete die Augen. Der Mond war weitergewandert und die Zelle lag in fast undurchdringlicher Dunkelheit. Es wurde Zeit für mich, zu schlafen. Ich drehte mich um, schloss die Augen und schickte noch einen Kuss an Mathias.
Das Urteil ist gesprochen
Gemessenen Schrittes ging Eysgul durch die Gänge der Erweckungsstation hinter dem Lakaien des Imperators her. Das Konzil und der Imperator verlangten nach seiner Anwesenheit. Imperator Tor’medeu … bei dem Gedanken an ihn pressten sich seine Lippen aufeinander. Wie kann so ein Schwächling nur Imperator sein? Ich werde als mächtigster Feldherr in die Geschichte eingehen und alle würden verstehen, dass mir rechtmäßig der Thron zusteht. Tor’medeu würde vor mir im Staube kriechen und …
Die zwei aus dunklem Metall bestehenden Flügeltüren zum Thronsaal öffneten sich wie von Geisterhand vor ihm und er trat ein. Acht Konzilianten standen um den Thron des imperialen Souveräns und unterbrachen ihr Gespräch, als Eysgul an den Thron herantrat. Er kniete vor dem massiven Marmorstuhl nieder und wartete mit gesenktem Blick, bis der Herrscher der Dunkelheit ihn ansprach. Gefühlt nach einer Ewigkeit sagte Tor’medeu leise: „Wir haben auf dich gewartet!“
Eysgul knirschte mit den Zähnen und antwortete nicht auf den ausgesprochenen Tadel, sondern senkte sein Haupt noch ein wenig mehr. Der Herrscher blickte ihn mit kalten Augen an und sprach weiter: „Sikorcur tat recht daran, uns wecken zu lassen. Das Convent der Acht deutete die Zeichen und die Zeit ist gekommen, aus den Schatten zu treten und die Völker der Milchstraße daran zu erinnern, wer ihre Herren sind. Wir werden die Träger des Lichts richten und die wahre Magie verbreiten. Das Geschwür der Eminentia Magi wird ausgelöscht, ihre Träger unsere Sklaven und die Menschheit wird ihren angestammten Platz unter den Tieren einnehmen. Es ist unaufhaltsam, doch sie wissen es noch nicht.
Du hast deine Pflicht erfüllt und wir haben einen weiteren Auftrag für dich. Gehe und öffne die Tore der Apokalypse, fordere die Unterstützung unserer Verbündeten ein. Berichte ihnen, dass unsere glorreichen Armeen in die Schlacht ziehen! Die ewige Flotte macht sich bereit und fordert ihre Loyalität.“
„Ja, mein Gebieter. Ich werde sofort aufbrechen!“
Auf einen Wink des Souveräns hin erhob er sich und verließ rückwärtsgehend den Raum. Als sich die Tür vor ihm verschloss, drehte er sich ruckartig um und ging den langen Flur entlang zum Hangar. Bei dem Gedanken an die bevorstehenden Schlachten leuchteten seine Augen im typischen rötlichen Glanz auf. Er würde es allen beweisen, dass er ein rechtmäßiger Anwärter auf den Thron war.
* * *
Fünfmal ließ Parzela das Holoblet klingeln, bevor sie seufzend das Gespräch annahm. Ein wirres Muster erschien auf dem holografischen Display und eine kalte Stimme sagte: „Warum hat das solange gedauert?“
„Entschuldigt, Meister. Doch ich ...“
„Keine Ausflüchte, ich erwarte Gehorsam.“
„Ja, Meister, ich habe verstanden. Welche Befehle habt Ihr für mich?“
„Sie muss sterben.“
„Verstanden, Meister. Das Urteil steht fest, sie wird deportiert und auf dem Weg dorthin erleidet sie einen bedauerlichen Unfall.“
„Mir wäre lieber, sie würde sofort nach der Verhandlung hingerichtet.“
„Meister, wenn es Euer Wunsch ist, werde ich es entsprechend arrangieren. Aber ...“, Parzela zögerte, ihre Gedanken offen auszusprechen.
„Sprich!“, herrschte die Stimme sie an.
„Ja, Meister. Die Todesstrafe wurde vor über achtzig Jahren abgeschafft. Die Höchststrafe ist die Deportierung in die Minen von Titan, von dort kommt niemand mehr lebend zurück.“
Die Stimme lachte lauthals und sagte unvermittelt: „Also ist dem die Todesstrafe gleichzusetzen. Doch sie muss sterben, so bald wie möglich!“
„Ja, mein Meister. Ich werde entsprechende Instruktionen erteilen.“
„Du spielst deine Rolle gut, Präsidentin. Vergiss nicht, wer deine wahren Meister sind. Sonst werden wir dich töten!“
Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, wusste sie doch, dass es nicht nur eine Drohung war. Der Symbiont in ihrem Körper ließ keinen Zweifel daran, dass er ihr Herz anhalten konnte, falls er das wollte. Unterwürfig sagte sie: „Meister, ich diene Euch und Eurer Sache.“
Das Linienmuster verblasste und das Gespräch war beendet. Sie schauderte immer noch und bevor der Symbiont sie schmerzhaft daran erinnerte, dass sie einen Auftrag zu erfüllen hatte, wählte sie eine Nummer. „Ja, Präsidentin, hier ist Vorsitzender Richter Morris, was kann ich für Sie tun?“
„Unser Meister möchte, dass sie stirbt!“
„Ich verstehe. Sie wird deportiert, doch mehr kann ich nicht tun.“
„Das reicht. Sprecht das Urteil, um den Rest kümmere ich mich.“
„Verstanden, Präsidentin. Sie wird sofort danach zum Raumhafen gebracht. Und nun, gute Nacht. Ich muss morgen ein Urteil fällen.“
Die Verbindung brach ab und Parzela wählte eine weitere Nummer. Als am anderen Ende abgehoben wurde, sagte sie: „Sind die zehn Gefangenen bereit, für Hafterleichterungen einen „Unfall“zu arrangieren?“
„Ja, Frau Präsidentin. Die Männer sind von der übelsten Sorte und die Frau wird den Flug nicht überleben.“
„Gut, sorgt dafür, dass die Männer rechtzeitig zum Transporter gebracht werden. Gute Arbeit, Archibald.“
Archibald beendete das Gespräch und sie starrte noch eine Weile auf das Gerät. Sie dachte: Mein Gott, man möge mir verzeihen. Was habe ich nur getan?
Eine Stimme in ihrem Kopf antwortete: Du hast die Befehle des Meisters auszuführen, oder du wirst sterben.
Mit zitternden Händen legte sie das Holoblet zur Seite und widmete sich wieder dem vor ihr liegenden Aktenstapel.
* * *
Auf der Brücke der Elysion war es ruhig, nur das übliche Klicken, Summen und Fiepen der Überwachungssysteme war zu hören. Mit einem schleifenden Geräusch schoben sich die beiden Hälften des Brückenschotts in die Wand und Major Ries betrat die geräumige Brücke. Seit Wochen zeigte der große Panoramaschirm das gleiche Bild von der Mondwerft und er warf nur einen kurzen Blick darauf. Zielstrebig ging er zum Sitz des Kommandanten, auf dem sich Lieutenant Commander Miller leger räkelte und streckte. Gähnend und völlig ungeniert erwiderte er den vorwurfsvollen Blick des Majors mit einem frechen Grinsen. „Na, Lieutenant Commander, Ihnen ist wohl langweilig?“
„Für mich gibt es gerade nicht viel zu tun. Ich hatte gehofft, dass das Hauptquartier meinen Landurlaub genehmigt, aber nö, ich muss hier die Stellung halten.“
„Die Ingenieure und Techniker untersuchen noch die Schiffssysteme. Und da wir noch keinen amtierenden Kapitän an Bord haben, sind Sie eben der leitende Offizier.“
„Leidend, wollten Sie sicherlich sagen, Major. Die Routineüberprüfung ist doch schon seit ein paar Wochen abgeschlossen. Die versuchen nur, die an Bord genommene Shima-Technologie zu untersuchen. Schließlich sind die uns in der Entwicklung um Jahrhunderte voraus. Wenn ich nur an den Shima-Reaktor denke, den wir im Frachtraum T4 haben. Die würden ihn am liebsten ausbauen, doch Teleria gestattet es nicht. Die Entwendung von vier Stormcrows war ihr ja auch Warnung genug.“
„Die Sabrawa sind deswegen immer noch aufgebracht, sie haben recht. Der Pilotensprecher Ra`han befürchtet, dass die KI deswegen Dummheiten macht, mindestens aber die Kooperation mit uns verweigert.“
„Die Verantwortlichen gehen vermutlich davon aus, dass sich die KI wie die irdischen Systeme verhält. Aber eine KI mit eigenem Bewusstsein, die den Schiffsrumpf als ihren Körper betrachtet, ist zu hoch für die werten Herren!“
Miller redete sich in Rage und Ries spürte die angestaute Frustration in seiner Stimme. Schnell wechselte er das Thema: „Doch was anderes, warum haben Sie mich gerufen?“
„Warten wir noch auf die restlichen Offiziere, sie sollten jeden Augenblick eintreffen.“
So schnell, wie Miller sich aufregte, so schnell beruhigte er sich wieder. Ries hing seinen Gedanken nach: Die weit fortgeschrittene KI der Shima verweigert die Zusammenarbeit mit den terranischen Ingenieuren und hüllt ihre Schiffe in einen grünen Schutzschirm. Miller hat recht, irdische Maßstäbe treffen für die autonomen KI-Systeme der Shima nicht zu. Immer das Gleiche, wir maßen uns arrogant an, dass wir tun und lassen könnten, was wir wollen. Wenn ich Admiral Higgins treffe, werde ich ihm mal ein paar Takte dazu sagen, was ich davon halte!
Sein umherschweifender Blick fand Lieutenant Ishida, die junge Japanerin. Sie überwachte die Kommunikationssysteme des Schiffs und als sie seinen Blick bemerkte, lächelte sie still. Lärmend und schwatzend drängte sich die restliche Brückencrew durch das aufgleitende Schott. Lieutenant Bengtsson unterhielt sich mit Lieutenant Fernandez über ihren Ausflug auf die Erde, während Commander Moreau und Professor Kelp über ein Problem der vierdimensionalen Energieaufwendung bei einer Einstein-Rosen-Brücke fachsimpelten. Der Japaner Morishita ging ein paar Schritte in den Raum hinein und begrüßte Ries mit dem typischen asiatischen Lächeln. Hinter ihm betrat Lieutenant Orlofsky die Brücke. Als Ordonnanz und Verbindungsoffizier war sie eigentlich immer gut informiert und Ries fragte: „Hallo, was ist los? Starten wir, oder warum wurde die Brückencrew zusammengerufen?“
Sie zuckte mit den Schultern und antwortete: „Lieutenant Commander Miller hat uns herbestellt. Er wird wohl wissen, was los ist.“
Ries blickte Miller fragend an. Der stand von seinem Sitz auf und sagte: „Richtig, ich habe Sie alle rufen lassen, da sich unser neuer Kapitän angemeldet hat. Er wird in wenigen Minuten mit einer Fähre an Bord kommen. Chief Walker wird ihn empfangen und zur Brücke geleiten. Wir sollen derweil hier auf ihn warten! Bitte begeben Sie sich alle auf Ihre Posten!“
Nervosität breitete sich unter der Brückenmannschaft aus. Alle hatten gehofft, dass Commander Moreau in den Rang eines Captains aufsteigen und somit das Kommando übernehmen würde. Orlofsky nahm den Platz an der Steuerkonsole ein, Miller klemmte sich hinter die Überwachungskonsole des Ersten Offiziers und Moreau überprüfte gewissenhaft die Energiewerte des Schiffs. Die Navigation wurde von Bengtsson eingenommen, für die Ortungssysteme war Fernandez eingeteilt und die Flugkontrolle überwachte Morishita. Die Minuten vergingen, als das Schott sich wieder zischend öffnete. Chief Walker trat hindurch und schrie laut: „ACHTUNG! Captain auf der Brücke!“
Die Brückencrew richtete ihren Blick zum Schott. Sie salutierten und knallend schlugen ihre Hacken aneinander. Ries führte seine Hand an das schwarze Barrett eines KSK-Specialists und salutierte ebenfalls, dabei blickte er erwartungsvoll auf den Mann, der in einer schwarzen Uniform durch das Schott trat. Vier weitere, in die gleiche dunkle Uniform gehüllte Soldaten traten hinter ihm auf die Brücke und blickten sich grimmig um. Der neue Kapitän blickte die Anwesenden einen nach dem anderen an, bevor er eisig sagte: „Rühren!“
Die Crew nahm die Hände hinter den Rücken und stellte sich bequemer hin. Niemand sagte etwas. Ries betrachtete die Uniformen der Männer. Solche hatte er noch nie gesehen. Die Abzeichen waren die der TSF, aber der Schnitt, der dunkle Stoff und die breite Knopfleiste waren überhaupt nicht mit den aktuellen Uniformen der Flotte vergleichbar. Der Kapitän trug zudem ein goldenes Emblem am Kragen seiner Jacke. Der Major bildete sich ein, alle Abzeichen der EAD und der TSF zu kennen, aber dieses war ihm vollkommen unbekannt.
„Meine Damen und Herren, ich bin Captain Igor Straglovski, Ihr neuer Kommandant und Kapitän der Elysion. Ich bin hier, um der Verlotterung der Mannschaft ein Ende zu setzen und aus dem Saustall ein schlagkräftiges Instrument der Gerechtigkeitsgarde zu machen. Die Disziplinlosigkeit der Mannschaft hat ihren Ursprung in der Führungsschwäche der Offiziere dieses Schiffs. Damit hat es nun ein Ende! Sie werden sich mir nun jeden Tag beweisen und Ihre Anwesenheit auf dem Schiff verdienen. Ich erwarte von Ihnen Schnelligkeit, Disziplin und Einsatzbereitschaft. Haben Sie verstanden?“
„Ja, Sir!“, erschallte es im Chor.
„Soll das eine Bestätigung sein? Ich kann Sie nicht hören!“, schrie der Captain die Offiziere an.
„JA, SIR!“, riefen diese lauter.
„Lieutenant Commander Miller?“, fragte Straglovski.
„HIER, SIR!“
„Die Mannschaft der Elysion wird durch einhundertfünfzig Männer und Frauen der Gerechtigkeitsgarde verstärkt. Sie kümmern sich um die Unterbringung. Zudem kommen dreiundvierzig Piloten der Gerechtigkeitsgarde an Bord, um die Führung der Stormcrows zu übernehmen. Die Alien-Piloten haben zu kooperieren oder werden inhaftiert!“
Miller blickte verdattert und fand keine Antwort. Der Kapitän blickte ihn an und sagte: „Wollten Sie etwas sagen, Lieutenant Commander?“
Miller schüttelte den Kopf und Straglovski sagte: „Gut, Sie können wegtreten!“
„Commander Moreau, Sie weisen den neuen Ersten Offizier, Commander Trutzvolm, ein!“
Auf seinen Wink hin trat einer der vier Männer vor und blickte mit kalten Augen Miller an. „JAWOHL, SIR!“, rief Moreau.
„Steuermann Rabb, Sie übernehmen die Schiffsführung!“
Der Angesprochene trat vor und ging durch die verwundert dreinblickenden Offiziere hindurch zur Konsole des Zweiten Offiziers. Orlofsky trat einen Schritt beiseite, doch er beachtete sie gar nicht, sondern setzte sich in den Stuhl und überflog die Anzeigen. Miller blickte verdattert und sagte: „Äh, Captain Straglovski, ICH bin der Steuermann der Elysion!“
„Jetzt nicht mehr, Lieutenant Commander Miller. Sie sind ab sofort der Dritte Offizier und haben somit mit der Führung des Schiffs nichts mehr zu tun. Sie übernehmen zusammen mit Chief Walker die Bereiche Logistik und Mannschaftsführung.“
„Aber, Sir, ich bin …“
„RUHE! Sie können alle wegtreten bis auf Major Ries.“
Seine donnernde Stimme duldete keinen Widerspruch. Die Offiziere duckten sich weg und bedienten eifrig die ihnen zugewiesenen Stationen. Miller stand noch ein wenig verloren im Raum, bis Walker ihm winkte, ihm zu folgen. Der Kapitän schien es nicht zu bemerken und sagte scharf zu Ries: „Sie sind Ihres Kommandos enthoben. Major Grießner und Captain Schuller werden das Kommando über die Raumlandetruppen übernehmen. Aufgrund Ihrer Illoyalität werden Sie zum Captain degradiert und können sich als Zugführer eines taktischen Verbands neu behaupten. Sollten Sie Grund zur Annahme geben, dass die Liaison mit der Verräterin Heubauer Sie in der Ausübung Ihrer Pflicht behindert, werden Sie vor ein Militärgericht gestellt. Haben Sie verstanden?“
Ries knirschte mit den Zähnen, der scharfe Tonfall erregte seinen Widerstand. Doch ein warnender Blick von Orlofsky ließ ihn seinen aufkeimenden Ärger hinunterschlucken und er antwortete: „JAWOHL, SIR, ich übergebe das Kommando der Raumlandetruppen an Captain Schuller und Major Grießner! Welche Illoyalität wirft man mir vor, Sir?“
Dabei salutierte er und hielt seine Hand an sein Barrett. „Ihre Zuneigung zu einer Verräterin an der Menschheit sowie Ihre Verbundenheit mit Aliens geben der obersten Führung zu denken. Beweisen Sie Ihre Treue und Loyalität gegenüber der Terranischen Föderation und Ihrer militärischen Karriere wird wieder Genüge getan!“
Die beiden im Hintergrund verbliebenen Soldaten traten an ihn heran und entfernten die Schulterklappen eines Majors. Captain Schuller drückte ihm neue Abzeichen in die Hand. Ries knüllte diese zusammen und am liebsten hätte er dem höhnisch grinsenden Mann mit seiner Faust ins Gesicht geschlagen. Er zügelte seine Wut und salutierte. Captain Straglovski blickte ihn herablassend an, bevor er das Wort an die anwesenden Offiziere richtete: „Es beginnt eine neue Ära. Sie können sich beweisen und an einer glorreichen Zukunft teilhaben oder sich gegen die Veränderung wehren und unehrenhaft aus dem Dienst der TSF entlassen werden. Es liegt bei Ihnen. Sie haben bis morgen früh Bedenkzeit. Wegtreten!“
Die Offiziere salutierten und nacheinander verließen sie die Brücke. Ries blieb noch eine Sekunde unschlüssig stehen, bevor er Professor Kelp hinaus auf den Flur vor der Brücke folgte. Noch bevor er etwas sagen konnte, sagte der Professor: „Nicht hier, Ma ..., Captain. Nicht hier!“
Der Professor drehte sich um und ging durch die Tür des Treppenaufgangs.
* * *
Antriebslos schwebte die alte Korvette „Sky Thunder“ durch den Raum eines planetenlosen Doppelsonnensystems, ihre Ortung lief auf Hochtouren und scannte die Umgebung. Für CyVer, den Piloten, gab es nicht viel zu tun. Die vier Arme des Cyborgs lagen auf der Steuerungskonsole und seine Schaltkreise sinnierten über den schwierigen Anflug zur Shima-Festung Szeele, wie er mit der Korvette durch die trudelnden Asteroiden gekurvt und in gewagten Manövern den Felsbrocken ausgewichen war. Gelegentlich zuckte er mit seinen Fingern und die metallenen Glieder schabten über die Ablagen. Shima-Admiral Slag Flinn, Kapitän und Eigentümer der Korvette, reagierte nicht auf die nervigen Geräusche und blickte durch die elektronischen Fenster hinaus in die Tiefen des Raums. „Verdammt, wo bleibt sie?“, sagte er halblaut.
Den Cyborg riss es aus seinen Gedanken und mit schaurig quietschiger Stimme fragte er: „Hey Boss, was ist los?“
„Oh Mann, hat Aeher deine Stimmmodulatoren immer noch nicht repariert. Du weckst ja Tote auf!“
„Hier ist aber niemand gestorben! Daher kann ich auch niemanden aufwecken. Außer Chenze vielleicht. Die schläft eh immer.“
In einer Ecke der Zentrale lag eine große, mit schillernden Schuppen übersäte Katze. Als sie ihren Namen hörte, spitzte sie kurz die Ohren, blinzelte und hob den Kopf. Mit vorwurfsvollem Blick auf den Cyborg sank sie zurück auf die Decke, ein verärgertes Schnauben folgte. Scheppernde Geräusche weckten sie erneut und Chenze blickte zum Eingang. Eine junge Frau mit blauen Haaren hastete durch das Schott und die vielen Werkzeuge an ihrem schmuddeligen Overall klapperten aneinander. Eines verhakte sich am Rahmen, mit lautem Geräusch fiel es auf den Boden und kullerte davon. „Verflixt, so ein Mist!“, entfuhr es ihr und sie lief dem davonrollenden Werkzeug nach.
Gestört durch den Krach schnaubte Chenze erneut und blickte ihr mit noch vorwurfsvollerem Blick hinterher. „Hey Chenze, seitdem wir das terranische System verlassen haben, bist du irgendwie komisch. Geht es dir nicht gut? Du liegst nur noch faul herum“, fragte Aeher besorgt.
Die Katze reagierte nicht und Aeher blickte zu Slag. Als er ihren Blick bemerkte, sagte sie: „Kommt sie dir nicht auch komisch vor? So teilnahmslos, so als fehle ihr was.“
Barsch antwortete er: „Ach Quatsch, das bildest du dir nur ein. Sie liegt da wie sonst auch.“
Mit diesen Worten drehte er sich wieder um und blickte zum Fenster hinaus. Aeher steckte das Werkzeug weg, löste den Werkzeuggürtel und befestigte ihn mit der magnetischen Arretierung in einem der Wandschränke. Immer noch verärgert über ihr eigenes Ungeschickt nahm sie an der Energiestation ihren Platz ein und überprüfte die Anzeigen. Die Katze schloss wieder ihre Augen und begann zu dösen.
Erneut seufzte Slag und sagte: „Wo bleibt sie nur?“
Er sprach zu sich selbst und Aeher wusste, dass er keine Antwort erwartete. Doch CyVer mit seiner robotischen Logik antwortete: „Sie ist noch auf ihrer Mission, das Zeitfenster schließt sich erst morgen früh.“
„Als ob ich das nicht wüsste!“, fuhr ihn der Mann an.
„Nun, Slag, du hast doch gefragt, oder?“, hakte der Cyborg nach.
Slag zog es vor, nicht zu antworten, und blickte weiter aus dem Fenster. Ratternd begann ein altmodischer Ticker seine Arbeit, mehrere Signallampen blinkten hektisch und Aeher beeilte sich, zur Ortungsstation zu kommen. Sie ließ den langen Zettel durch ihre Finger gleiten und sagte: „Es öffnet sich ein Wurmloch, keine vier Millionen Klicks von uns entfernt!“
„Waffen aktivieren, Schilde hoch. Beschleunigen und Abstand halten!“
Slags Kommandos kamen schnell, die Lethargie fiel von ihm ab. Sofort auf eine neue Situation zu reagieren hatte ihm schon oft das Leben gerettet. Ein leichtes Flimmern legte sich über die Fenster und das Summen der Generatoren verstärkte sich, als CyVer die Korvette mit hohen Werten beschleunigte. „Waffen sind ausgefahren und aktiv!“, kam die Meldung von Aeher.
Slag beobachtete die Anzeige. Das Wurmloch stabilisierte sich und ein kleines Schiff trudelte hervor. „Ortung! Es ist ein Patrouillenboot der Skuru-Ba, Har'ak-Klasse. Der Reaktorkern brennt, starke Strahlenwerte. Hüllenbruch über die Längsseite des Schiffs. Antrieb bei 27 Prozent, fallend.“
„Geben wir ihm den Rest!“, rief Slag.
Die Zielvorrichtung der Korvette visierte das kleine Schiff an. „Feuern, wenn bereit!“, gab er den Befehl.
Aus dem Funkgerät ertönte schwach die Stimme einer Frau: „Nicht schießen, ich bin es, Melinda! Ich steige jetzt aus, ihr müsst mich bergen. Das Schiff explodiert gleich!“
Slag reagierte sofort und rief: „Nicht schießen! CyVer, Anpassungsmanöver fliegen. Funkpeilung des Helmsenders durchführen. Holen wir sie an Bord!“
Der Cyborg reduzierte bereits die Fahrt der Sky Thunder, derweil brachte Aeher die optischen Sensorendaten auf den Frontschirm. Die Außenhülle des Schiffs glühte an mehreren Stellen und es zog eine Rauchspur hinter sich her. Die glühenden Flecken wurden größer und heller, der Reaktorbrand weitete sich aus und als der Kern die kritische Temperatur erreichte, verging das Schiff in einem Funkenregen.
„Wo ist sie? Aeher, finde sie. Sie ist irgendwo da draußen!“, rief Slag besorgt.
Die junge Frau ließ den Ortungsschirm nicht aus dem Blick. Routiniert passte sie die Suchparameter an, der Taststrahl versuchte, zwischen den umhertrudelnden Trümmerteilen Melinda zu finden. Nach ein paar endlos wirkenden Minuten drückte sie mit dem Finger auf den Schirm und markierte einen der Ortungspunkte. Eine Reihe von Koordinaten erschien auf dem Navigationsschirm. „Das muss sie sein! Los, CyVer, fliegen wir hin!“
Langsam schwebte die Korvette zum Markierungspunkt. CyVer navigierte geschickt durch die umhertrudelnden Trümmerteile, während Aeher in das Mikrofon des Funkgeräts rief: „Melinda, hörst du uns? Hallo! Melinda, bitte melde dich!“
Sie schüttelte den Kopf und rief weiter: „Melinda, bitte kommen. Hörst du mich?“
Nach ein paar Versuchen sagte sie zum besorgt dreinblickenden Slag: „Nichts, nur Rauschen im Äther. Wir müssen aussteigen.“
„Ja, okay. CyVer, du übernimmst das Kommando, während wir versuchen, sie zu bergen. Halte das Schiff ruhig, egal was passiert! Verstanden?“
„Jawohl, Chef!“
Slag hörte gar nicht mehr zu, sondern war schon auf dem Weg in den Frachtraum. Hastig riss er den Raumanzug aus der Halterung. „Hey Boss, vorsichtig. Die können kaputt gehen. Warte, ich helfe dir!“
Nacheinander schlüpften sie in die geschmeidigen Anzüge, die Magnetverschlüsse rasteten mit leisen Klicken ein und die Energieversorgung wurde automatisch aktiviert. Der Helm entfaltete sich und immer mehr Symbole auf dem kleinen Steuergerät am Handgelenk leuchteten auf. Ein letztes, lauteres Klickgeräusch und der Helm war hermetisch geschlossen. Das Versorgungssystem öffnete die Sauerstoffzufuhr und im HUD erschien die Anzeige für die Sauerstoffsättigung. Alle Anzeigen zeigten grün, Slag drückte den Entlüftungsschalter, das Heulen der Turbopumpen nebenan war zu hören. Die Geräusche verstummten, die Frachtluke schwang auf und offenbarte einen überwältigenden Blick in die Unendlichkeit. Jeder klinkte eine der stabilen Kunststoffleinen ein und mit einem kleinen Schubser von der Kante schwebten sie hinaus in das Weltall. Ein Ortungsreflex leuchtete im HUD der Anzüge auf. Slag aktivierte die kleinen Steuerdüsen des Raumanzugs und schwebte in Richtung des Reflexes. Aeher hielt sich ein wenig links hinter ihm. Eine Gestalt in einem ähnlichen Raumanzug zeichnete sich vor der ewigen Dunkelheit des Alls ab. Vorsichtig manövrierte Slag näher, passte seine Geschwindigkeit an und griff nach der trudelnden Gestalt. Er packte zu, seine Hand rutschte an dem glatten Material des Anzugs ab und die Gestalt driftete weg. Erneut steuerte er hinterher, bekam den Sicherungsgurt des Anzugs zu fassen und klickte einen Karabiner in eine der Anzugsösen. Mit kleinen Impulsen der Steuerdüsen balancierte er den ausgelösten Drehimpuls aus, zog Melinda an sich heran und sicherte sie vor seiner Brust.
Die Seilwinden zogen sie zurück zum Schiff, viel zu langsam, wie es Slag schien. Er legte seinen Helm an ihren und sagte: „Hey, hörst du mich? Melinda, geht es dir gut?“
Keine Antwort. Direkt neben ihm, immer bereit einzugreifen, schwebte Aeher. Slag drückte weiterhin seinen Helm gegen Melindas und sagte: „Hallo Baby, hörst du mich? Wach auf!“
Entweder war ihr Anzug beschädigt und luftleer oder sie war bewusstlos. Über Funk sagte er: „Schneller, verdammt, schneller. Irgendwas stimmt mit ihr nicht. Los, bring uns rein!“
„Schneller is‘ nicht, Boss!“, gab Aeher zurück. „Es sei denn, du möchtest als Mus an der Wand des Frachtraums enden!“
Slag sagte laut: „Halte aus, Baby. Ich bin bei dir und gleich hole ich dich aus dem Anzug raus!“
* * *
Vor der Zellentür stand meine Anwältin, ich konnte sie spüren und erkannte den kleinen Funken Magie in ihr. Die elektronische Verriegelung ratterte und mit schleifendem Geräusch schob sich die schwere Stahltür in die Wand. Surrend fuhren die vier Kampfdroiden ihre Waffen aus und ließen die Frau im Range eines Obersts durch. Hinter ihr schloss sich geräuschvoll die Tür und die schweren Riegel schlugen in das Schloss. Wie immer trug sie die Ausgehuniform der TSF, ein dunkelblaues Kostüm mit knielangem Rock, einer weißen Bluse und einer Schirmmütze. Ihr Blick schweifte durch meine Zelle und blieb am gemachten Bett hängen. Bedächtig sagte sie: „Das Anwaltsprotokoll wurde aktiviert, niemand hört, was besprochen wird.“
Ich saß auf dem am Boden verschraubten Hocker und nickte nur. Dabei griff ich mit meinen Sinnen aus und untersuchte die Kamera und Mikrofone. Keine Energie, sie waren aus. Dennoch unterbrach ich routiniert die Verbindung. Nun war ich mir sicherer, dass man uns nicht belauschen konnte. Doch die modernen Überwachungsmöglichkeiten schienen schier unendlich. Vor ein paar Wochen hatte ich eine kleine Stechmücke auf der Wand gefunden. Sie war so winzig und doch war es ein fliegender Spion. Meine Anwältin stand immer noch ein wenig verloren im Raum, ihren kleinen Aktenkoffer in der Hand, und beobachtete mich. Sie schien sich unwohl zu fühlen und brachte vermutlich schlechte Nachrichten.
„Wollen Sie den Stuhl? Dann setze ich mich aufs Bett“, fragte ich.
„Danke, aber was ich zu sagen habe, kann ich auch im Stehen tun.“
Damit sie nicht auf mich herunterblicken musste, erhob ich mich und antwortete: „Okay, dann legen Sie mal los!“
Sie zögerte und ich sagte: „Sagen Sie es einfach frei heraus. Man wird mich meines Kommandos entheben und verurteilen.“
Sie nickte schwach und leise kam ihre Antwort: „Ja. Alle unsere Argumente wurden nicht gehört. Das Tribunal geht nicht auf die vorgelegten Beweise und Berichte ein. Ich weiß nicht, warum sie sich so verhalten, und ich befürchte das Schlimmste.“
„Und was wäre das, Ihrer Meinung nach?“
„Die Deuterium-Minen auf Titan. Ich versuche alles, um das zu verhindern oder das Strafmaß abzumildern, aber ...“
Resigniert ließ sie den Schluss des Satzes offen. Obwohl meine Zukunft auf dem Spiel stand, spürte ich Mitleid für die Frau, die hilflos mitansehen musste, wie Recht und Gesetz willkürlich außer Kraft gesetzt wurden, nur um mich loszuwerden. Weder sie noch ich konnten uns dabei erklären, warum eigentlich. Doch mir war klar, ihre Welt war zusammengebrochen und sie kämpfte für die Gerechtigkeit, die hier mit Füßen getreten wurde. Meine Stimme wurde sanft und ich fragte: „Konnten Sie mit Admiral Higgins sprechen?“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Sein Admiralsstab erklärte mir, dass er seit Wochen auf dem Mars ist, um dort die Reparaturen und Umbauten der Flotte zu überwachen.“
Also haben sie ihn aus dem Weg geräumt, damit er mich nicht unterstützen kann, dachte ich mir und sagte: „Sie trifft keine Schuld. Wenn das Tribunal mich verurteilt, dann nicht, weil Sie schlechte Arbeit geleistet hätten. Nein, Sie haben alles versucht, dessen bin ich mir sicher. Und ich danke Ihnen dafür.“
Meine Worte sollten sie trösten und ich sah, wie sie ihr nahe gingen. Ihre Augen flimmerten, als sie antwortete: „Noch ist nicht alles vorbei! Ich werde nun das Schlussplädoyer vorbereiten und versuchen, das Unvermeidliche abzuwenden!“
„Danke, das weiß ich zu schätzen. Wann wird das Urteil gefällt?“
„Wann es gefällt wird? Wenn Sie mich fragen, steht es schon fest. Der Abschluss des Possenspiels wird morgen früh sein. Ich lasse Ihnen eine frische Uniform bringen. Seien Sie also rechtzeitig fertig. Um 10:00 Uhr ist die Verhandlung und dieses Mal werden Sie in den Gerichtssaal gebracht. Zumindest das konnte ich erreichen. Commander, es tut mir leid, dass ich Ihnen keine bessere Hilfe war.“
„Es braucht Ihnen nichts leid zu tun! Nun gehen Sie und bereiten Sie sich vor. Wir sehen uns morgen im Gericht.“
Mit geballter Faust klopfte sie an die Stahltür, damit man ihr aufmachte, während ich bereits die Unterbrechung im Überwachungssystem aufhob. Die vier Kampfdroiden standen mit aktivierten Waffen vor der Tür und achteten darauf, dass nur die Anwältin die Zelle verließ. Sie warf mir noch einen letzten Blick zu, bevor sie ihre Schultern straffte und den Flur entlangging. Das Klack-Klack ihrer Absätze war noch zu hören, bis sich die Zellentür wieder geschlossen hatte.
Kaum war die Zelle geschlossen, setzte ich mich aufs Bett und begann zu meditieren. Für das, was ich vorhatte, brauchte ich mehr Konzentration als für die Unterbrechung eines stromführenden Kabels. Der Funke meiner Eminentia Magi erschien vor meinem geistigen Auge. Er zuckte hin und her. Schon Hunderte Male hatte ich nach meiner Kraft gegriffen und sie genutzt. Noch immer war es fast unmöglich, diesen Vorgang zu beschreiben. Doch ich spürte, wie die Magie mich durchströmte, wie sie jede Zelle meines Körpers ergriff und nur darauf zu warten schien, dass ich ihr sagte, was zu tun sei. Meine Gedanken wurden ruhiger, meine Atmung verlangsamte sich und vor meinem inneren Auge zog der Strom von Magie vorbei. Wie Wellen des Meeres oder der Hauch des Windes umgab sie mich, schien überall zu sein und doch hatte ich den Eindruck, dass sie stetig die Richtung wechselte, so als gäbe es eine Quelle ihrer Kraft, wenngleich es auch Querströme und kleine Strudel, manchmal auch richtige Ballungen von Energie gab. In den langen Stunden der Einsamkeit war es faszinierend zu beobachten, doch heute hatte ich keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Selbst meine Lehrmeister wussten keine Antwort darauf, woher die Kraft kam, und bis auf mich gab es anscheinend niemanden, der überhaupt diese Ströme erkennen konnte.
Nachdem meine Konzentration den höchsten Stand erreicht hatte, rief ich nach Tarbaial und Teleria. Tarbaial, Teleria, könnt ihr mich hören? Hallo? Tarbaial, Teleria, meldet euch!
Nach ein paar Augenblicken spürte ich, wie eine Präsenz sich in meinen Gedanken formte. Der Strom der Eminentia bündelte sich und zeigte mir die Richtung, aus der die Antwort kam. Hallo Erleuchtete, hier ist Tarbaial. Ich bin auf der „Herold der Verkündung“. Nach wie vor umkreisen wir den Planeten, den ihr Neptun nennt, bewacht von ein paar eurer Schiffe.
Sie lassen euch immer noch nicht landen?
Nein, nach wie vor dürfen wir nicht tiefer in das Sonnensystem einfliegen. Die Bevölkerung auf den Schiffen der zivilen Flotte verhält sich diszipliniert, aber niemand versteht, warum man sich vor uns fürchtet. Deridya Renoka, die Verwalterin der Gemeinschaft, drängt darauf, das System zu verlassen und ein anderes System anzufliegen.
Sie soll noch ein wenig warten. Ein paar von euch hatten doch die Einflugerlaubnis erhalten, oder?
Ja. Ein paar Hochenergietechniker und andere Fachkräfte durften einreisen.
Gut, wo ist Teleria?
Sie ist auf der Erde, nicht weit weg von dir. Rufen wir sie gemeinsam!
Teleria! Hörst du uns? Kannst du uns antworten?
Wir warteten einen Augenblick, dann wiederholten wir unseren gemeinsamen Ruf.
Eine weitere Präsenz tauchte auf. Interessiert beobachtete ich, wie sich die Magie zu einem Band formte und fast waagerecht von mir wegströmte. Die Magie bekam einen schwachen violetten Schimmer, als die Stimme von Teleria in meinen Gedanken erklang. Hallo, entschuldigt, aber ich war nicht allein. Eben war ein Adjutant aus dem Ministerium für Inneres bei mir. Er teilte mir mit, dass wir die Erde zu verlassen hätten.
Was?, entfuhr es mir in Gedanken und auch Tarbaial schickte einen erstaunten Ausruf.
Ja, erstaunlich, nicht? Tenno Hiroken, Thalion und ich waren uns sicher, dass wir als Repräsentanten der To Shima bleiben können, um den diplomatischen Austausch zu gewährleisten. Neben der militärischen Unterstützung boten wir der Erde auch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit an. Und einige Mitglieder der Wirtschaftsdelegation der Erde waren durchaus gewogen, diesem zuzustimmen. Doch seit vier Wochen werden alle unsere Anfragen von der Präsidentin abgelehnt oder bleiben unbeantwortet. Seltsam. Und nun das. Wir müssen morgen früh um 09:00 Uhr gestartet sein.
Das waren erstaunliche Neuigkeiten. Ich spürte die Konfusion in den Gedanken der beiden Erleuchteten, dann drängten sich die Gedanken von Tarbaial in den Vordergrund: Botschafterin, das kann kein Zufall sein, dass Ihr morgen die Erde verlassen müsst. Morgen wird das Urteil über Felicitas gesprochen. Ich schlage vor, falls sich Eure Abreise als unausweichlich herausstellen sollte, fliegt mit der Götterfunke zum Neptun. Anschließend beraten wir das weitere Vorgehen!
Eine gute Idee, Hohepriesterin, dachte ich und führte weiter aus: Und wenn die TSF euch tatsächlich zwingt, das Sonnensystem zu verlassen, dann geht! Springt mit der zivilen Flotte zu Benards Stern. Er ist weit genug entfernt, dass euch niemand folgt, und doch nahe genug, damit ich euch noch erreichen kann. Dann sehen wir weiter.
Ja, Erleuchtete. Ehrwürdige Tarbaial, wenn wir morgen starten müssen, erwartet unsere Ankunft. Gemeinsam werden wir auf das warten, was vor uns liegt, oder zu eben jenem Stern aufbrechen, von welchem Felicitas sprach.
Die Verbindung zu den beiden brach ab und ich war wieder allein mit meinen Gedanken.
* * *
Der Admiral beugte sich energisch vor und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Jetzt ist aber genug! Wir sind hier doch nicht im Kindergarten!“
Grimmig schaute er seine am Tisch sitzenden Offiziere an. „Meine Damen und Herren, ich möchte wissen, warum die Erdverteidigungsflotte Kurs auf die äußeren Systeme nimmt. Wer hat den Befehl hierzu an die einhundertfünfzig Schiffe gegeben?“
Im Tiefbunker unter der Marsoberfläche herrschte eisiges Schweigen. Nach ein paar Sekunden durchbrach Fregattenkapitän Niers die Stille und sagte: „Das wissen wir nicht, Sir. Wir haben keine entsprechenden Befehle vom Flottenhauptquartier mitbekommen. Allerdings ist die Verbindung zum Mond und zur Erde zurzeit nicht möglich. Wir wissen nicht, was los ist und wohin die Flotte fliegt.“
„Auch etwas, was mir niemand erklären kann. Ist unseren Technikern zwischenzeitlich bekannt, warum die Funkverbindung zur Erde unterbrochen ist?“
Erneut antwortete der Fregattenkapitän: „Nein, Sir. Unsere technischen Anlagen sind in Ordnung. Wir haben einen Aufklärungskreuzer ausgeschickt, der das FHQ anfliegt. Der Kreuzer sollte bald Rückmeldung geben.“
Die Tür zum Besprechungsraum ging auf und eine Ordonnanz des Admirals trat ein. Die Blicke des Admirals und der Ordonnanz trafen sich und Higgins sagte: „Meine Damen und Herren, vielen Dank. Captain Niers, ich bitte Sie, hier zu warten!“
Er stand auf und folgte der Ordonnanz in den Nebenraum. Die Anwesenden salutierten und warteten, bis er den Raum verlassen hatte.
Im Nebenzimmer angekommen, sagte die Ordonnanz: „Admiral, ein Agent des Militärischen Geheimdiensts hat eine Nachricht übermittelt. Sie wurde mit Ihrem persönlichen Code verschlüsselt. Ich übertrage sie auf Ihr Holoblet.“
Er aktivierte sein Gerät und mit einem Fingerwisch schob er die Nachricht in die Queue des Admirals. Als die Datei verschoben war, schlug er die Hacken zusammen, salutierte und verließ den Raum. Higgins wartete, bis er die Tür hinter sich geschlossen hatte, aktivierte das abhörsichere Schirmfeld um den Raum und spielte die Sprachnachricht ab. „Hier ist Agent 81. Wie von Ihnen, Rear Admiral Higgins, angeordnet, überwacht der Militärische Geheimdienst die Mitglieder der Regierung. Ihre Befürchtungen bestätigen sich. Der von Agent Smith gefundene Alienparasit, R’actor-Pest genannt, breitet sich auf der Erde aus. Es gilt als gesichert, dass die Zentralregierung mit ihm infiziert wurde. Neben der Legislative betrifft es einen Teil der Judikative und Exekutive. Richter und Funktionäre des irdischen Militärs wurden zwischenzeitlich befallen und unterliegen dem Einfluss des Feindes. Das Flottenhauptquartier sowie die Erdregierung müssen als verloren angenommen werden. In den kommenden Tagen wird ein Tribunal das Todesurteil für Commander Heubauer aussprechen. Die Präsidentin hat vor wenigen Stunden der Erdflotte den Auftrag erteilt, Kurs auf den Neptun zu nehmen. Dort befinden sich die zivile Flotte der Sabrawa und ein kleiner Verband der Shima. Botschafterin Teleria wurde mit ihrem Stab aufgefordert, die Erde unmittelbar, spätestens bis 9:00 Uhr New Yorker Zeit, zu verlassen.
Eine bisher nicht in Erscheinung getretene Sondereinheit, die Gerechtigkeitsgarde, übernimmt das Kommando in den Generalstäben. Sie untersteht nur dem Befehl der Präsidentin und hat volle Befugnisse. Einige Generäle, die Widerspruch einlegten, verschwanden spurlos. Der MGD hat Beweise dafür, dass die mit GG abgekürzte Gerechtigkeitsgarde von der R'actor-Pest Infizierte sind. Inzwischen gibt es Meldungen, dass die GG die Kommandanten der TSF ablöst und das Flottenhauptquartier unter ihre Kontrolle gebracht hat.
Vor rund sechs Wochen gruppierten sich die Earth-Defence-Streitkräfte auf Befehl der Präsidentin neu. General Park ist verschwunden. Kurz bevor er verschwand, empfing ein Ortungskreuzer einen Funkspruch, der an Sie adressiert ist. Er enthielt nur zwei Worte: November Rain! Der MGD hofft, Sie können mit dieser Nachricht etwas anfangen.
Ein Schiff der sogenannten Gerechtigkeitsgarde befindet sich auf dem Weg zum Mars. Wir nehmen an, dass sich an Bord Infizierte befinden, die die Seuche auf den Mars bringen sollen. Ende!“
Higgins hörte die Nachricht erneut ab, prüfte die Verschlüsselungssignatur und atmete dreimal tief durch. November Rain!, dachte er. Mein Gott, kann es wahr sein?
Er deaktivierte den Schirm und ging zurück zu dem wartenden Fregattenkapitän. Bei seinem Eintreten stand dieser auf, doch Higgins hob abwehrend die Hand und sagte: „Bleiben Sie sitzen!“
Der Mann nahm wieder Platz und sah den Admiral erwartungsvoll an. Higgins aktivierte den abhörsicheren Schirm und fragte: „Captain, wer befehligt die Truppen auf dem Mars?“
„Major General Sven Olofson!“
„Olofson? Kennen wir ihn?“
„Er kommt aus dem Bundesland Schweden, ist verheiratet, hat zwei Kinder und befehligt die Mars-Truppen seit zwei Jahren.“
„Wie viele Truppen sind auf dem Mars stationiert?“
„Eine Division mit etwas über fünfzigtausend Mann.“
„Eine Division? Informieren Sie ihn, dass ich ihn sprechen möchte. Ein Schiff von der Erde wird um Landeerlaubnis bitten. An Bord sind Mitglieder der Gerechtigkeitsgarde. Er soll alle Besatzungsmitglieder und die ankommenden Truppen festnehmen. Sie sind unter Umständen mit einer neuen, ansteckenden Krankheit infiziert.“
„Jawohl, Sir.“
Der Kapitän stand auf und verließ den Raum, ohne sich noch einmal umzudrehen. Higgins starrte ihm noch einen Augenblick nach, bevor er zum Interkom griff, der auf dem Tisch stand. Er wählte die Nummer seines Kommandostands. Als die Verbindung stand, sagte er: „Hier Admiral Higgins. Wie sind die Bewegungen der Flotte?“
„Rund einhundert der Schiffe befinden sich auf einem Anflugkurs zum Neptun. Drei taktische Gruppen mit jeweils einem Schweren Kreuzer befinden sich auf dem Anflug zum Merkur. Sir, dort befinden sich die beiden Werftschiffe der Twerx Dinthor und Barburri.“
Der Admiral überlegte kurz, dann befahl er: „Rufen Sie die beiden Werftschiffe in meinem Namen. Sie mögen sich sofort auf den Weg zum Mars machen und dabei der anfliegenden Flotte ausweichen!“
„Jawohl, Sir!“
„Gibt es Meldungen von dem Überwachungskreuzer bei der dunklen Wolke?“
So nannten sie die Überbleibsel einer vom Dunkelalven Eysgul herbeigerufenen Wolke aus dunkler Materie.
„Nein, Sir. Keine Meldungen und besonderen Vorkommnisse von der dunklen Materiewolke.“
„Weitere Schiffsbewegungen?“
„Ein paar Frachter einer südafrikanischen Bergbaugesellschaft wurden umgeleitet und befinden sich nun im Anflug auf die Venus.“
„Und warum sollte uns diese Schiffsbewegung interessieren?“
„Sir, normalerweise würde es uns nicht interessieren, aber der Befehl war mit dem privaten Schlüssel der Präsidentin signiert.“
„Interessant, danke!“
„Ein Leichter Kreuzer der Terraklasse befindet sich im Anflug zum Mars. Bei seiner jetzigen Geschwindigkeit wird er in fünf Tagen ankommen, er fliegt nur mit wenigen Prozent der Lichtgeschwindigkeit.“
„War das Schiff angekündigt?“
„Nein, Sir. Es reagiert auch nicht auf Funksprüche.“
„Gut. Informieren Sie mich, wenn der Kreuzer ankommt. Higgins Ende!“
Er unterbrach die Verbindung und runzelte die Stirn. November Rain, dachte er sich. November Rain!
* * *
Melinda stöhnte und würgte, erneut durchlief eine Welle von Übelkeit und Angst ihren Körper, begleitet von pulsierenden Schmerzen in der Stirnhöhle. Wie im Fieberwahn murmelte sie: „Wo bin ich? … Was ist passiert? … Mir ist schlecht! … Helft mir, bitte! … NEIN, tut das nicht! …“
Der pochende Schmerz nahm zu, zusammenhanglose Gedankenfetzen wirbelten durch ihren Kopf und die verschwommenen, schnell rotierenden Bilder lösten überwältigenden Schwindel aus. Etwas hielt die Bilder kurz fest, um anschließend neue heraufzubeschwören. Mit jedem Wechsel versank die Erinnerung an das vorherige Bild in Dunkelheit. Erneut würgte und stöhnte sie, ihre Zunge fuhr über spröde, raue Lippen. Unsäglicher Durst quälte ihre Kehle und sie lechzte: „Wasser! Gebt mir Wasser …“
Neue Bilder rasten durch ihren Kopf, schreckliche Szenen voller Pein und Gewalt. Das Bild einer Pritsche, Nadeln stachen durch die Haut und erneut durchlebte sie die Qualen, die Schmerzen und die Angst. „NEIN, lasst das! … Wo ist Efrenir? … Radela? Bist du es? …“
Gänsehaut bildete sich auf ihren Armen und fröstelnd versuchte sie, den Sturm von Gedanken und Gefühlen zu ordnen. Blitzschnell huschten die Erinnerungen weiter, wurden klarer und deutlicher. Sie sah - die Delegation der To-Shima auf Rhes. Wie eine Explosion im Kopf unterbrach ein stechender Schmerz alle Gedanken. Ihre Nackenmuskeln spannten sich an, doch etwas hielt sie fest. Ein melodisches Geräusch, auf- und abklingend wie Wellen, erreichte ihr Ohr. Dabei berührte etwas sanft ihren Arm. Der Schmerz ebbte ab, das Geräusch veränderte sich, jemand sprach zu ihr. Der Klang der Stimme beruhigte sie, gab ihr Halt, Geborgenheit und Liebe. Liebe! Slag! Er stand neben ihr und hielt ihre Hand, drückte sie sanft und sagte: „Melinda, wach auf. Du bist in Sicherheit.“
Sie blinzelte mehrmals, bis sich ihr Blick klärte, und er rief voller Freude: „Endlich, du bist wach! Wir dachten schon, dich verloren zu haben. Bleib ruhig liegen, Hohepriesterin Cirumbar versucht, die Sicherheitsblockade in deinem Gehirn zu lösen!“
Zwei Hände hielten ihren Kopf und zarte Finger drückten fest auf ihre Stirn. Um mehr zu sehen, verdrehte sie die Augen. Cirumbar stand am Kopfende ihrer Liege, hielt die Augen geschlossen und murmelte beschwörend vor sich hin. Melinda fühlte, wie etwas ihre Gedanken ordnete und wie durch ein Wunder verschwand der Schmerz. Erstaunt fragte sie: „Was ist passiert? Wie bin ich hierhergekommen?“
Mit ihren grünen Augen blickte sie in das besorgte Gesicht von Slag. Er lächelte und drückte erneut ihre Hand. „Gleich, warte noch. Du bist nun in Sicherheit.“
Cirumbar schritt beiseite und sagte mit sanfter, dunkler Stimme: „Der Hypnoseblock wurde von mir entfernt. Kannst du dich an die Botschaft erinnern, die du in dir trägst?“
Worte einer Fremden formten sich in Melindas Gedanken und wie unter Zwang sagte sie: „Rhes ist gefallen! Die Dunkelheit hat Einzug gehalten und das Licht ist fast verloschen. Der Feind ist erwacht und mit ihm das Grauen. Wie eine Krankheit verbreitet sich die Dunkelheit und macht alle zu Jüngern der Finsternis. Unser Widerstand schwindet, die letzten Verbliebenen verbergen sich in den Ruinen von Shar-Malak. Jede Hoffnung ist verloren und ihr könnt euch nicht sicher sein, wer der Dunkelheit verfallen ist! Rettet die Völker der Galaxis, indem ihr sie vor der Gefahr warnt! Rhes ist gefallen!“
Melinda atmete befreit auf, ein gewaltiger Druck war von ihr genommen. Die letzten Tage auf Rhes fielen ihr ein und Tränen rannen ihre Wangen hinab. Sie schlang ihre Arme um Slags Hals und sagte schluchzend: „Es war so grausam, so schlimm! Ich war von den anderen getrennt, wo sind sie? Wo sind die anderen?“
„Sch, sch, sch, alles ist gut, Melinda. Die anderen haben es anscheinend nicht geschafft, aber du bist hier, hier bei mir!“
Seine Stimme war sanft und gab ihr die verlorene Sicherheit zurück. Trotzdem würde sie nie mehr vergessen, was sie gesehen hatte. Behutsam drückte er sie an sich, beugte sich zu ihr und ihre Lippen verschmolzen. Ein Räuspern der anwesenden Hohepriesterin ließ beide innehalten. Verlegene Röte schoss Melinda ins Gesicht, dabei schob sie ihn ein wenig beiseite. Er richtete sich auf, hielt dabei ihre Hand fest und fragte: „Melinda, kannst du uns erzählen, was genau geschehen ist?“
Cirumbar reichte ihr ein Glas Wasser. Melinda trank es hastig aus und als sie der Frau das leere Glas reichte, antwortete sie: „Der Empfang war nicht gerade herzlich und wir wurden nicht zu Shi Rani Rhes gebracht, sondern zur Matriarchin. Eine eisige Kälte ging von ihr aus und sie klagte uns der Spionage an. Wir legten Protest ein, doch sie erkannte unseren Status als Gesandte von Shi Rani To Mandalez nicht an. Entgegen den interstellaren diplomatischen Gepflogenheiten wurden wir verhaftet. Direkt unter dem Tempel sperrte man uns in verschiedene Zellen. Jeden Tag brachten Roboter Essen und Trinken, doch ansonsten saß ich nur in der Zelle und wartete. Wartete, dass irgendetwas passiert oder mich jemand retten kommt. Ich wusste natürlich, dass die Zeit, die wir vereinbart hatten, noch nicht verstrichen war, aber trotzdem hoffte ich auf Rettung.