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***Das kleinste Buch über das spanischste Bundesland*** Kuriose Daten und Fakten über das beliebteste Reiseziel der Deutschen: Wie viele Tonnen Sand verschwinden jedes Jahr von mallorquinischen Stränden? Was hat die Hymne Mallorcas mit Spinnen zu tun? Welche Lieder singt man, wenn man auf der Schinkenstraße unterwegs ist? Und wer ist eigentlich wirklich König von Mallorca? Hola! Was haben Boris Becker, Annie Lennox, Pierce Brosnan, Til Schweiger, Peter Maffay und 31.000 deutsche Auswanderer gemeinsam? Sie alle haben eine Finca oder eine Wohnung auf Mallorca. Der Journalist Jürgen Mayer berichtet von Bekanntem und Unbekanntem auf der Insel mit der höchsten Promidichte. Er erklärt alles, vom Ballermann über die schönsten Strände zu den spannendsten Museen Mallorcas, von den risikoreichsten Rekorden zurück zu den größten Bierkönig-Hits von Tim Toupet, Peter Wackel, Jürgen Drews & Co.
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Seitenzahl: 213
Veröffentlichungsjahr: 2015
Jürgen Mayer
Was Reiseführer verschweigen
Hola! Was haben Boris Becker, Annie Lennox, Pierce Brosnan, Til Schweiger, Peter Maffay und 31000 deutsche Auswanderer gemeinsam? Sie alle haben eine Finca oder eine Wohnung auf Mallorca. Der Journalist Jürgen Mayer erklärt Bekanntes und Unbekanntes über die Insel mit der höchsten Promidichte. Er berichtet von den spannendsten Museen, von kulinarischen Herausforderungen, risikoreichen Rekorden, hartnäckigen Ohrwürmern und der Tatsache, dass Mallorca immer noch das schönste Reiseziel ist.
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Coverabbildung: Geviert unter Verwendung von Motiven von Shutterstock
Originalausgabe
Erschienen bei FISCHER E-Books
© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2015
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Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-403367-9
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Vorwort
Hinterm Horizont ist Wasser: über das Wesen einer Insel
Insel
Mallorca ist der Mittelpunkt der Welt
Rekordverdächtig
Die Insel in Zahlen
Stadt, Land, kein Fluss
Die zehn größten Städte
Falsch ausgesprochene Ortsnamen
Santa Pongka liegt gleich bei Perega: Ortsnamen, die Zungen brechen
Elfmal tausend Meter Berg: Mallorcas Thron im Nordwesten
Mallorcas höchste Gipfel
Warum der höchste Berg einen Kopf kürzer gemacht wurde
Exklusives Zuhause für Tiere und Pflanzen
Meer und Strand
Strände, Buchten, Felsenküste
Wasser
Strände in Zahlen
Wie kommt der Sand zum Strand?
Strände mit Blauen Flaggen (Stand 2014)
Sandraub in der Badehose
Industrie- und Fährhäfen
Der Hafen von Palma in Zahlen (Stand 2013)
Der Hafen von Alcúdia in Zahlen (Stand 2013)
Politik und Gesellschaft
Die kleine und die große Regierung
Die Präsidenten der Balearen
Politiker in Haft
Wer ist wirklich der König von Mallorca?
Mallorcas Könige
Als der König auf Mallorca Weltpolitik machte
Flagge: Mehr Katalonien als Spanien
Hymne
La Balanguera
Die Balanguera
Frei für alle: gesetzliche Feiertage
Von hüben und drüben: Hier kommen die Mallorquiner her
Sag mir, wie du heißt … Die häufigsten Namen
Die beliebtesten Vornamen 2004–2014
Umzingelt von Wasser und dem Rest der Welt: Mallorquiner und die, die es nicht sind
Ausländer auf den Balearen und ihre Herkunft
Ausländer und richtige Fremde: Der feine Unterschied
Eine Insel zum Wohlfühlen
Entdecker, Erfinder, Heilige: Mallorcas große Söhne und Töchter
Bekannte Gesichter: Hier wohnen die Promis
Die Sprache: Was reden die eigentlich?
Kultur
Museen in Zahlen (Stand 2010)
Top Ten: Mallorcas Museen
Studieren, wo andere Urlaub machen
Akademische Zahlen (Stand 2011)
Forschungsarbeiten über die Insel
Mallorquinische Begriffe
Eine ganze Bibliothek voller Inselgeschichten
Lesen, hören, sehen: Die Insel-Medien
Tageszeitungen
Radio
Fernsehen
Fünf filmische Geheimtipps, die auf Mallorca spielen
Immer eine Schlagzeile wert
»Bild«-Schlagzeilen von 1964–2014
Journalistische Ehrenrettungen
Mallorca fett gedruckt: 20 »Bild«-Schlagzeilen
Tourismus
Der erste Tourist: Ludwig Salvator (1847–1915)
Der Tourist im 21. Jahrhundert (Stand 2014)
Von der Erfindung des Tourismus …
… zum Ferienziel Nummer 1
Touristische Zahlen
S’Arenal entsteht: Die Geburt von Europas größter Badewanne
Was das wieder kostet
Flughafen Son Sant Joan: Nadelöhr mit langen Wegen
Der Flughafen in Zahlen
Der Flughafen, historisch
Fast immer nach oben: Passagierzahlen
Das geht auch ohne Fliegen
Die Insel im Handtuchkrieg
Millionär für eine Sommerwoche: Die teuersten Luxus-Fincas zum Mieten
Party
Wo ist eigentlich der Ballermann?
Wo überall Ballermann draufsteht
Gewinner des Ballermann Awards
Party, Party, Party: Feiern für Fortgeschrittene
Das richtige Outfit
Beliebte T-Sprüche
Schluss mit allzu lustig: die neuen Benimmregeln
Was dürfen Urlauber nicht mehr?
Zu den kostenpflichtigen Tabus gehören an der Platja de Palma außerdem:
Von Sängern und Königen
Die Ballermann-Stars
Textsicher am Ballermann
Mallorca Megacharts (Stand Oktober 2014)
Wo die Deutschen Party machen
Die Clubs an der Platja
Wo die Spanier Party machen
Die Clubs in Palma
Wo die Briten Party machen
Die Clubs in Magaluf
Wirtschaft
Hoffnungsschimmer: Die Arbeitslosigkeit lässt nach
Wo arbeiten die Mallorquiner?
Made in Mallorca: Exportschlager
Import
Berühmte Etiketten: Mallorquinische Marken
Fischers Fernando fischt frische Fische
Mallorca-Fisch in Zahlen
Weine der Insel: Erfolg nach lausigen Zeiten
Rosinen statt Wein
Mit Gütesiegel
Wein mit schwarzer Seele
Und Weißwein?
Wein in Zahlen (Stand 2013)
Das Gold wächst an den Bäumen
»Oli de Mallorca« in Zahlen
Die Windmühlen der Insel
Exportschlager Gastfreundschaft: mallorquinische Hotelketten
Hotelgiganten in Zahlen
Vom Tellerwäscher zum Hotelkönig
Finca, Villa, Ferienwohnung
Immobilienkäufer aus dem Ausland (Stand 2013)
Die vier teuersten Villen
Die große Lust der Mallorquiner am Einkauf
Die Outdoor-Variante
Mallorcas Wochenmärkte
Die acht schönsten Märkte
Das Hochamt der Einkaufslust
Erfolgreich Feilschen
Alles wie zu Hause
Klima und Saisonales
Feuchte Luft und ganz viel Sonne
Das Durchschnittswetter von 2009–2013
Schwierigkeiten einer Prognose
Wetterphänomen 1: der kalte Tropfen
Wetterphänomen 2: der pünktliche Wind
Wetterphänomen 3: der kleine Sommer
Die unterschätzte Jahreszeit
Adventszeit
Heiligabend
Dreikönigstag
Straßen
Eine Insel – drei Autokennzeichen
Autos made in Mallorca und Hemingways Sardine
Vorbeugen für die Vorfahrt
Startsignal »Blinkendes Männchen«
Saftige Strafzettel
Freikaufen vom ORA-Parkknöllchen
Bußgeld im Drei-Minuten-Takt
Multas in Zahlen
Bußgelder für Falschparken und Co.
Sport
Wenn ein echter Gegner fehlt: Spitzensport auf der Insel
Erfolg in Zahlen
Mallorcas beste Sportler
Radtouristen: die Macht im Frühjahr
Welche Räder kommen mit?
Radeln für die Wirtschaft
Beliebte Steigungsfahrten:
Regeln und Tipps fürs Radfahren auf Mallorca
Gründe für den Radurlaub
Wenn Promis schwitzen: TUI-Marathon in Palma
Wassersport
Steinschleuderer: Artillerie der Antike
Steinschleuderer heute
Schleuder-WM
Kulinarisches
Mit jeder Stunde wachsen die Portionen: die traditionellen Essenszeiten
Kulinarisches Vokabular
Andere Länder, andere Tischsitten
Deftig, ländlich, rustikal
Das kommt nur auf mallorquinische Tische
Was drin sein muss:
Die beliebtesten Kaffee-Variationen
Die edelsten Kaffeehäuser
Auswärts Essen und Trinken in Zahlen
Wie der Baum in die Flasche kommt: das Geheimnis eines guten Hierbas
Das Rezept
Palo: Medizin vor dem Essen
Was der Likör über ein Restaurant aussagt
Sieben Sterne strahlen über Mallorcas Küchen
Hier funkelt jeweils ein Stern
Wem Sterne egal sind: die üblichen Verdächtigen
Bonuslevel für Experten
Mallorca ohne Muskelkater entdecken
Mallorca anders entdecken
Der schönste Sundowner
Das Wunder der sprudelnden Quelle
Der Zauber der farbigen Kathedrale und das magische Auge
Die beste Schokolade der Welt in der Tasse
Frischer Fisch
Nervenkitzel mit Hai
Tanz mit dem Teufel
Zu Fuß durch den Canyon
Über Mallorca reden
Quellen
Literatur
Nützliche Links
Meine Schwiegermutter stand zum ersten Mal auf unserer Terrasse, in unserer neuen Wahlheimat, dem Dörfchen Alaró auf Mallorca. Sie drehte sich einmal um die eigene Achse. Rat- und etwas orientierungslos sagte sie dann den entscheidenden Satz, über den wir noch oft reden und lächeln sollten: »Das Meer, in welcher Richtung liegt denn jetzt das Meer?« Wir unternahmen für die Antwort die gleiche 360°-Rotation und zeigten in sämtliche Himmelsrichtungen: »Da, da, da und da ist das Meer!«
Damit wäre die erste Lektion gelernt: Ja, Mallorca ist eine Insel. Seit Jahrtausenden. Abgeschnitten vom Rest der Welt durch Wasser. Tiefes Wasser. So etwas prägt, macht eigensinnig, manchmal auch eigenartig. Auf jeden Fall aber besonders. Das kennen wir von allen Insulanern, und die Mallorquiner sind da keine Ausnahme.
Wobei diese Insel tatsächlich etwas Besonderes ist. Besonders abwechslungsreich. Besonders schön. Besonders sauber. Besonders sicher. Für Deutsche ist sie auch besonders gut erreichbar, besonders nah. Und bei fast vier Millionen deutschen Besuchern pro Jahr darf sie sich auch völlig zu Recht »Lieblingsinsel der Deutschen« nennen. Weder Sylt noch Rügen locken auch nur annähernd so viele Menschen an.
1993 forderte der CSU-Bundestagsabgeordnete Dionys Jobst sogar, dass Mallorca das 17. Bundesland Deutschlands werden sollte. 50 Milliarden Mark sollte die Bundesregierung dafür zahlen. Wer auch nur ein einziges Mal auf der Insel war, der wird diesen Vorschlag verstehen können. Wenn Mallorca auch nie zu Deutschland gehören wird, so ist es doch das spanischste Bundesland.
Dafür spricht auch die ungeheuerliche Präsenz der Insel in den deutschsprachigen Medien. Ein Wasserrohrbruch mit Straßenüberschwemmung in Artá schafft es manchmal schneller ins Fernsehen als ein abgerutschter Berg nach Unwettern in den Alpen. Auch das sorgt dafür, dass Mallorca niemals in Vergessenheit gerät.
Oft wird über Mallorca auch gestritten und diskutiert. Man regt sich über den Ballermann auf. Oder über die angeblich so reichen Angeber mit ihren Yachten in Port d’Andratx. Oder über die Mallorquiner, die gerissen, korrupt, unfreundlich oder je nach Tagesbefindlichkeit die liebenswürdigsten Menschen unter der Mittelmeersonne sein sollen. Alles falsch! Alles Vorurteile!
Partytouristen, Yachtbesitzer, Mallorquiner – alle sind so verschieden, so individuell, so einzigartig und abwechslungsreich wie die Insel selbst. Und sie gehören alle dazu wie die Kathedrale zu Palma oder der »Rote Blitz« nach Sóller.
In diesem Buch finden sich alle wieder. Betrachtet aus der Perspektive eines Deutschen, der seit vielen Jahren auf Mallorca lebt und diese Insel liebt. Und der sich jeden Tag freut, begeistert und gespannt ist, was es noch zu entdecken gibt.
Obwohl Mallorca noch immer das beliebteste Reiseziel der Deutschen ist und über 30000 deutsche Auswanderer dort leben, besteht scheinbar eine gewisse Ahnungslosigkeit zumindest über die geographische Lage Mallorcas. Wenn man nachschaut, was die Autovervollständigung vorschlägt, wenn man »Ist Mallorca …« bei Google eingibt, kann man sich nur wundern. Die ersten Vorschläge lauten nämlich: Ist Mallorca … ein Land? Oder sogar ein deutsches Bundesland? Vielleicht eine kanarische Insel? Und wie groß ist Mallorca überhaupt? Um die Antworten sofort zu liefern: Mallorca ist etwa achtmal so groß wie der Bodensee. Aber kein Land, sondern eine spanische Insel. Dies müssen Sie also jetzt schon nicht mehr googeln.
Ach ja. Falls Sie tatsächlich direkt nach Ihrer Ankunft auf dem Flughafen von Son Sant Joan danach suchen sollten: Das Meer ist wirklich überall. Da, da, da. Und da!
Irgendwas stimmt da nicht. Das Ding ist absolut windschief. Eine schiefe Raute. Genauso sieht Mallorca aus, wenn man aus dem All darauf schaut.
Vom Himmel aus müsste man Mallorca eigentlich sofort finden. Denn der Legende nach ist der Mittelpunkt der Insel gleichzeitig auch der Mittelpunkt der Welt. Die wurde, so die Sage, jahrtausendelang von vier Säulen getragen. Inzwischen sind jedoch drei Säulen unter der Last zerbrochen. Und die letzte verbliebene Säule liegt genau unter der Inselmitte, exakt unter der mächtigen Kirche im Dorf Sineu.
Die ganze Verantwortung für das Gleichgewicht der Welt lastet also auf Sineu, auf dem Mittelpunkt Mallorcas. Damit ist aber immer noch nicht geklärt, warum die windschiefe Form der Insel so viele Menschen irritiert. Warum es manchmal so schwierig ist, genau zu sagen, wo jetzt noch mal gleich welche Himmelsrichtung liegt.
Daran ist tatsächlich die Raute schuld. Diese merkwürdige Form. Mallorquinische Kartographen galten im 13. Jahrhundert als die Besten der Welt, sie führten spanische Seefahrer über den Atlantik bis tief in den Süden Afrikas. Vermutlich hat ihnen damals die verwirrende Geografie ihrer Heimat das Talent zum Kartenzeichnen in die Wiege gelegt. Wer sich auf Mallorca zurechtfindet, kann locker auch durch den Rest der Welt navigieren.
Auf Landkarten sieht es so aus, als sei Mallorca an der oberen Spitze dieser Raute aufgehängt, als habe man einen Nagel genau durch das Cap Formentor gehämmert. Das ist der nördlichste Punkt. Womit das eigentliche Problem erst beginnt: Für eine Insel ist so ein einzelner Punkt verdammt wenig Norden.
Die Nordküste, die Costa Nord, die gibt es strenggenommen gar nicht. Dieser Norden, der mit seiner zerklüfteten Steilküste und seinen spektakulären Blicken auf das Mittelmeer beeindruckt, ist eigentlich eine Mischung aus Norden und Westen. Fährt man immer die Costa Nord von der Spitze aus entlang – also vom Leuchtturm am Cap Formentor ausgehend –, dann kommt man vorbei an Sóller, Deià, Estellencs. Und landet direkt im Südwesten. Geographisch eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Und wo ist dabei der Westen geblieben? Der existiert für die Mallorquiner nicht. Klar, der wunderbare Küstenort Sant Elm ist der westlichste Teil der Insel, direkt an der Spitze. Doch auch ihn zählen die Mallorquiner zum Südwesten. Noch nicht mal einen Leuchtturm haben sie der Westspitze gegönnt. Der steht südlich nebenan, bei Port d’Andratx.
Das Gegenstück dazu ist Cala Ratjada – östlichster Punkt der Raute, unumstritten, selbstverständlich mit Leuchtturm und Blick bis nach Menorca bei gutem Wetter.
Und der südlichste Punkt? Viele glauben, das sei der Strand Es Trenc, das karibischste Stück Mallorcas. Aber Es Trenc liegt viel zu westlich, um der Süden zu sein. Die wirkliche Südspitze ist das Cap de Ses Salines – ein zerklüftetes, felsiges Stück Küste. Man erreicht es über eine kleine Landstraße, die zu einem Leuchtturm führt.
Wenn man all diese Ecken miteinander verbinden und einmal jede Himmelsrichtung der Insel persönlich erfahren will, von Leuchtturm zu Leuchtturm, dann ist man lange unterwegs. 410 Kilometer Strecke. Und die ist nicht an einem Tag zu bewältigen. Dafür sind die Straßen zu eng, zu steil, zu kurvig. Aber wer es geschafft hat, vielleicht in zwei oder drei Tagen, der darf mit Fug und Recht behaupten: »Ich bin einmal um den Mittelpunkt der Welt gefahren!«
Auf Mallorca sammeln sich viele Besonderheiten und Talente. Zwar sind die Mallorquiner nicht führend in den bekanntesten Kategorien, einige Weltrekorde, die in ihrer Vielfalt den Abwechslungsreichtum der Insel widerspiegeln, haben sie aber in der Tasche.
Weltrekord im Eisverkauf am Wagen – Antonio Prados Pertínez hat 54 Jahre lang in Palma aus seiner Karre Eis verkauft – immer an der gleichen Stelle zwischen Kathedrale und Meer. Das gilt als inoffizieller Weltrekord. Ende Januar 2005 ist er mit 68 Jahren gestorben, drei Monate nach Aufgabe seines mobilen Eisgeschäfts.
Ältestes Bahnhofsgebäude – 1606 wurde das Herrenhaus mitten in Sóller gebaut, das seit 1912 als Bahnhof des Sóller-Zuges genutzt wird. Das Baujahr steht über dem Haupteingang. Noch immer gibt es auch den Verteidigungsturm aus dem 17. Jahrhundert.
Teuerster Frischfisch – Der raor – zu Deutsch: Rasiermesserfisch – ist äußerst selten, kommt nur an ganz wenigen Küsten Mallorcas vor und kann nur gegen Ende des Sommers gefangen werden. Er soll einen ganz außergewöhnlichen Geschmack haben. Weil besonderer Geschmack auch immer ein bisschen teurer ist, kostet der Rasiermesserfisch pro Kilo mindestens 90 Euro.
Ältester Fremdenverkehrsband – Der Unternehmer und Journalist Enrique Alzamora Gomà gründete 1905 die Institution, die Mallorca als touristisches Ziel bekannt machen sollte: Fomento del Turismo. Dies ist damit der älteste Fremdenverkehrsverband der Welt. Und er existiert noch heute. In jedem Jahr erstellt er Statistiken zu den Urlauberzahlen. Er verlegt Landkarten, Broschüren und Inselführer, organisiert Reisen und leitet geführte Exkursionen. Der Verband ist nach wie vor außerordentlich einflussreich.
Teuerste Tunnel-Maut – Drei Kilometer kosten pro PKW 5,05 Euro, Motorradfahrer werden mit 2 Euro zur Kasse gebeten. Man zahlt diesen Betrag pro Strecke, wenn man von Palma nach Sóller fährt und umgekehrt. Wer das Geld sparen will, muss über den Pass Coll de Sóller. Das bedeutet: Sechzig Kurven, 400 Meter Höhenunterschied und zwanzig Minuten längere Fahrzeit. Der Tunnel wurde 1997 von einem Privatunternehmen gebaut, das Mautgebühren kassieren darf. In jedem Jahr dürfen diese um die Inflationsrate erhöht werden. Knapp 1,70 Euro kostet inzwischen jeder Kilometer Tunnel.
Höchste Zahl von Starts und Landungen – In der Hauptsaison hat der Flughafen jedes Jahr an mindestens einem Wochenende die höchste Zahl aller Starts und Landungen pro Bahn. Im August etwa kommt es vor, dass von Freitag bis Sonntag rund 2600 Flugzeuge abheben oder aufsetzen. Da sich bei stabilem Wind fast alle Flugbewegungen auf die gleiche Start- und Landebahn konzentrieren, hält diese eine Bahn, die am Wochenende in Betrieb ist, regelmäßig den weltweiten Wochenend-Rekord.
Ältester Kinderchor der Welt –Els Blauets ist der Kinderchor des Heiligtums Lluc. Er tritt regelmäßig in der Kirche des Klosters auf – und das seit 1450, dem Jahr seiner Gründung. Damit gilt er als der älteste Kinderchor der Welt, der ohne Unterbrechung existiert.
Teuerster Salat – Jedes Blatt ist fast Gold wert. Cames roges wächst nur von Herbst bis Winteranfang und ist sehr schwer zu finden. In Deutschland kennt man ihn als wilden Zichorie oder Wegwarte. Er wird an brach liegenden Feldern geerntet und zeigt seine typische Geschmacksnote nur, wenn er tatsächlich wild gewachsen ist. Das hat allerdings seinen Preis: In den Gemüseläden bezahlt man für jedes Kilo rund 30 Euro.
Größtes Straußenei – Simba heißt die Straußenmutter auf der Farm Artestruz bei Campos, die dieses Rekordei am 13. Mai 2004 gelegt hat. Sie war damals fünf Jahre alt – und ihr Ei ist das schwerste, das je gewogen wurde. Ein Notar hat bestätigt: Das Ei wog exakt 2371 Gramm und war damit fast ein Kilo schwerer als ein übliches Straußenei. Den vorherigen Rekord eines Straußeneis aus China hat Simba um 21 Gramm überboten.
Die meisten sabrierten Champagnerflaschen in einer Minute – Sabrage nennt man das Köpfen von Champagnerflaschen mit dem Degen. Napoleon Bonaparte hat es erfunden. Er ließ nach jeder gewonnen Schlacht von seinen Dienern den Champagner vor seinen Augen mit einem Degen öffnen. Seitdem wird das Sabrieren an guten Hotel- und Restaurantschulen gelehrt. Am 8. August 2014 stellte der Deutsche Andreas Rousseau bei einem Fest im Nuevo Pueblo Español in Palma einen neuen Weltrekord auf, der ihm einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde bescherte: Er köpfte innerhalb einer Minute 39 Champagnerflaschen. Andreas Rousseau arbeitet als »Food and Beverage«-Manager in einem Luxushotel in Bendinat auf Mallorca.
Nun aber zu den harten Fakten: Nur sechs Inseln im gesamten Mittelmeer sind größer als Mallorca. Sizilien, Sardinien, Zypern, Korsika, Kreta und auch Euböa laufen Mallorca locker den Rang ab, was die reine Fläche angeht. Aber sie alle können Mallorca nicht das Wasser reichen, was Urlauberzahlen, Hotelbetten und Flugbewegungen angeht. Der Airport Catania auf der größten Insel Sizilien beispielsweise fertigt pro Jahr nicht mehr als 6,24 Millionen Passagiere ab (Stand 2012). Das schafft Son Sant Joan in zwei guten Sommermonaten.
Auch die Bevölkerungsdichte ist rekordverdächtig. Auf jeden Quadratkilometer Mallorca kommen 243 Einwohner. Verglichen mit Sardinien (68 Einwohner/km2) oder Kreta (72 Einwohner/km2) müsste auf Mallorca eigentliche drangvolle Enge herrschen – selbst ohne Urlauber. Aber es verläuft sich, auf die Städte und Dörfer, auf kleine Urbanisationen, wie die Siedlungen außerhalb der Gemeinden genannt werden.
Wobei ein Rekord auch nicht immer nur eine schöne Sache ist. Mallorca hält auch die Rekordfahne in Sachen Autos ganz hoch. Nirgendwo in Europa sind so viele PKW zugelassen. Auf 1000 Mallorquiner kommen 900 Autos. Und da spielen die Mietwagen keine so große Rolle, dass sie die Statistik wesentlich beeinflussen würden. Offenbar steht ein Großteil der Autos in alten Schuppen herum oder wurde längst verschrottet – es hat sie nur niemand abgemeldet.
3603 km2
Einwohner:876147
Bevölkerungsdichte:243,1 Einwohner/km2
Pro-Kopf-Einkommen:24200 Euro/Jahr
Amtssprachen:Spanisch und Katalanisch
Höchste Erhebung:1445 Meter
Ost-West-Ausdehnung:98 km
Nord-Süd-Ausdehnung:78 km
Küstenlinie:554 km
Entfernung nach Barcelona:245 km
Entfernung nach Valencia:259 km
Entfernung nach Marseille:532 km
Straßennetz:4400 km
Zugelassene PKW:630000
Gemeinden:53
Müllmenge:550000 Tonnen/Jahr
Mallorca besteht aus 53 selbstverwalteten Städten und Gemeinden. Die mit Abstand größte ist Palma, das kleinste Dorf ist Búger in der Inselmitte mit nur gut acht Quadratkilometern Fläche und gerade mal 1029 Einwohnern. Alles außerhalb Palmas wird als »fremder Teil« der Insel bezeichnet – als part forana. Sogar in den seriösen Tageszeitungen ist das die Überschrift für jene Seiten mit Reportagen und Meldungen, die sich nicht um die Hauptstadt drehen.
Einen Fluss sucht man auf der Insel vergebens. Es gibt auch keinen natürlichen See. Die beiden großen Seen Cúber und Gorg Blau im Gebirge sind künstlich gestaut und dienen als Trinkwasser-Reservoire. Überall findet man dagegen ausgetrocknete Flussbäche. Sie heißen torrentes und führen nur nach extremen Regenfällen Wasser. Dann aber richtig. Die trockenen Gräben verwandeln sich in regelrechte Sturzbäche. Die torrentes dienen dem Hochwasserschutz und bedürfen aufwendiger Pflege. Einmal im Jahr bekommt jeder torrent Besuch von einem Trupp Arbeiter, der Büsche und Gräser entfernt und eingebrochene Kanten ausbessert.
Und die Landschaft auf Mallorca? Ist vielfältig. Genauer gesagt: sechsfältig. Es gibt sechs Zonen, sechs comarques, die wie ein großes Puzzle die Insel Mallorca bilden. Das sind keine Verwaltungsbezirke, sondern geologische Zonen, geschaffen von Mutter Natur bereits im Erdmittelalter. Seit mehr als 100 Millionen Jahren schiebt sich die afrikanische unter die eurasische Platte. Dort, wo die Erdkruste diesem Druck nachgegeben hat, faltet sie sich nach oben. Kontinentaldrift nennen Geologen das Ganze. Mallorca ist ein Faltengebirge, das aus dem Meer ragt. Die sechs comarques haben sich aus dem ergeben, was bei der Faltung an unterschiedlichen Landschaften herausgekommen ist. Sie sind meist nach den Winden der jeweiligen Himmelsrichtung benannt.
Llevant – Liegt ganz im Osten und umfasst die Orte Artá, Manacor und Cala Ratjada. Etwa 75000 Menschen leben hier. Leichte Hügel prägen die Landschaft, nur drei Berge schaffen es über die 500-Meter-Marke. Der höchste davon ist der Puig Morei mit 561 Metern.
Migjorn – Mallorcas Süden. Reicht von Felanitx, Santanyí und Llucmajor bis nach S’Arenal. Im Zentrum liegt Campos. Die Zone mit rund 76000 Einwohnern ist eigentlich flach wie ein Teller, deshalb sticht der einzige Berg mit seiner riesigen Jesus-Figur hervor wie in Rio der Zuckerhut: Der Puig de Sant Salvador bei Felanitx mit 509 Metern.
Es Pla – Die Mitte. Flach. Fruchtbar. Ursprünglich. Die Gipfel der Tramuntana thronen wie eine riesige Fototapete im Hintergrund der Landschaften, bieten aber auch sicheren Schutz vor Winden. Hier wachsen Kartoffeln, Mais, Reis und Gemüse, aber auch Wein, Mandeln und Oliven. Das Gebiet mit der alten Hauptstadt Sineu als Zentrum wird oft als Kornkammer Mallorcas bezeichnet, doch Getreide wird nur noch selten angebaut. Die rund 52000verteilen sich auf viele kleine Dörfer. Fast von der ganzen Insel kann man die höchste Erhebung am Rand des Pla sehen: den 542 Meter hohen Tafelberg Puig de Randa bei Algaida.
Raiguer – Direkt am Südhang der Tramuntana gelegen. Ein langer Streifen, der von Alcúdia bis an Palmas Stadtgrenze nach Marratxí reicht. Mehr als 124000 Einwohner sind hier gemeldet. Die Lederstadt Inca liegt genau in der Mitte. Es gibt sehr viel Wasser in dieser Landschaft, aber der landwirtschaftliche Anbau ist wegen des unebenen Geländes oft schwierig. Dafür gedeiht der Wein hier umso besser, vor allem rund um die Ortschaften Binissalem und Santa Maria.
Serra de Tramuntana – Die Berge im Nordwesten und ihre Ausläufer. 90 Kilometer lang, 15 Kilometer breit, rund 100000 Bewohner. Schroff, oft unwirtlich, feucht. Ein Naturparadies. Reicht von der Gemeinde Calvià bis zum Cap Formentor bei Pollença. Mit Port de Sóller gibt es nur eine wirklich große Bucht zwischen den Felsen der Steilküste. Wegen des Steigungsregens ist die Niederschlagsmenge mit großem Abstand die höchste der Insel. In den fruchtbaren Tälern wird viel Obst angebaut.
Bucht von Palma – Das Gebiet der Hauptstadt. Von der Fläche her die kleinste Zone, aber auch die mit den meisten Menschen. Und die werden mehr und mehr und mehr. Noch vor einhundert Jahren lebten hier 67500 Menschen, heute sind es über 400000, mehr als jeder zweite Inselbewohner.
10. Sóller(14229 Einwohner) – Die Orangenhauptstadt hinter den Bergen. Abertausende Orangen- und Zitronenbäumen säumen das Tal bis hin zum Naturhafen Port de Sóller. Über Jahrhunderte war Sóller durch das Tramuntana-Gebirge vom Rest der Insel getrennt. Der Weg über den Pass war beschwerlich. Im 18. Jahrhundert siedelten sich zahlreiche Franzosen dort an, die vor der Revolution geflohen waren. Sie organisierten den Zitrushandel mit Frankreich und bescherten der Stadt den Wohlstand, den man ihr noch heute ansieht. Die Plaça mit dem mächtigen Rathaus und der Kirche Sant Bartomeu gilt als eine der Schönsten der Insel. Quer über den Platz fährt der »Orangenexpress« bis zum Hafen, eine historische Straßenbahn, deren ältester Wagen aus dem Jahr 1931 stammt. Zu Sóller gehört auch das malerische Bergdorf Fornalutx. Es wurde mehrfach zum zweitschönsten Dorf Spaniens gekürt.
9. Pollença(16200 Einwohner) – Idylle ganz im Norden. Das stille Städtchen in den Bergen gehört zu den stimmungsvollsten der Insel. Die Bewohner der Stadt Pollentia – dem heutigen Alcúdia – haben die Siedlung nach der Zerstörung durch die Vandalen gegründet. Sie wollten in einiger Entfernung vom Meer leben, um besser vor Angreifern geschützt zu sein. Die mächtige Dorfkirche und die beeindruckende Plaça locken vor allem sonntags Besucher an. Wegen der zahlreichen Zypressen gilt Pollença auch als die kleine Toskana Mallorcas.
