Mallorca Tribunal - Karl Heinz Volkmann - E-Book

Mallorca Tribunal E-Book

Karl Heinz Volkmann

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Beschreibung

Nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund Ronnie, verlässt Andrea verärgert die populäre Diskothek in Dortmund. Danach läuft sie durch sehr starken Regen zurück in ihre Wohnung. Eine schlaflose Nacht hilft ihr bei der Entscheidung, keine Verbindung mehr zu Ronnie aufzunehmen. Kurz entschlossen plant sie eine siebentägige Lastminute- Reise nach Mallorca. Obwohl sie keinen Kontakt zu Männern haben will, lernt sie Mark kennen. Er lädt sie ein, die schöne Insel zu zeigen. und Mit dem Ehrenwort "Ich tue nur das, was du willst." überredet er sie. Sie willigt nach längerem Zögern ein. Der wunderbare Tag endet in einer Bodega. Nach Genuss einer weißen Sangria und Andreas Trunkenheit, enden sie im Bett. Morgens wird sie mit einem Kater wach und findet zu ihrer großen Überraschung, Mark nackt neben sich. Trotz der weiteren Bemühungen von Mark, kommt es zu keinem weiteren, sexuellen Kontakt. Einen Tag später, bekommt Andrea zum Abflug ein Päckchen von Mark überreicht, mit der Bedingung, sie soll es erst im Flieger öffnen. Als sie das Päckchen erfreut öffnet, fällt ihr eine Flamenco Puppe mit einer Aidsschleife auf den Boden runter, und auf dem beigefügten Zettel steht: Willkommen im Club. Eine Stewardesse hilft ihr und überzeugt sie, wieder nach Mallorca zu fliegen um nach Mark zu suchen. Eine elende Zeit beginnt mit ihren Recherchen auf Mallorca und dem Treffen mit den möglichen, ebenfalls geschädigten Frauen. Sie verbünden sich zum Mallorca Tribunal und wollen sich rächen.

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Seitenzahl: 358

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Karl- H. Volkmann

Mallorca Tribunal

Roman

* * *

1. Auflage September 2016

2. Auflage - überarbeitet Februar 2023

Impressum

Texte: © Copyright by Karl- H. VolkmannUmschlag: © Copyright by Karl- H. Volkmann

* * *

Karl- H. Volkmann

1942 in Dortmund geboren, lebt heute in Lünen. 1992 bis 1996, auf Montage in Dresden und Leipzig, nutzte er freie Zeit um Romane zu schreiben. Auf das Manuskript >Nach Krieg und Wende<, reagierte kein Verlag darauf. 1996 sein Versuch mit >Mallorca Tribunal<, scheitert ebenso. Später klärte ihn ein Lektor auf: „Wir bekommen Jährlich bis 2000 Manuskripte von unbekannten Autoren, auf die wir nicht reagieren können. Werbe-Kosten für Noname- Autoren sind zu hoch. Lieber kaufen wir für ein paar Millionen einen bekannten Autor. Da wissen wir, dass wir damit Geld verdienen können.” Auf Grund der Erklärung stellte er seine Bemühungen ein. 2015 lernte er >Self-publishing<, und veröffentlichte sofort die beiden Romane. 2016 stoppten ihn zwei Schlaganfälle. 2017, in der Reha, schrieb er wieder. Inzwischen erschienen vier Bände der Adrian Metz Kriminalroman Reihe, und drei Tatsachenberichte. In den Erzählungen verbindet er Erlebnisse des Hobbys: Reisen, mit fiktiver Handlung.

* * *

Die Handlung ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit existierenden Personen sind nicht beabsichtigt oder rein zufällig. Orte sind mit existenten Namen benannt, um der Handlung einen realen Bezugspunkt zu geben. Dafür bitte ich um Verständnis. Ich besitze keine medizinischen Kenntnisse über HIV und Aids, oder von der historischen Inquisition und den damit verbundenen Gottesurteilen. Diese Informationen habe ich den entsprechenden Webseiten im Internet entnommen. Einige Seiten der Aidshilfe sind an den Schluss auszugsweise angefügt.

Alle Rechte vorbehalten.

* * *

Irgendwann kann sich so ein Albtraum

so oder ähnlich, irgendwo und für

irgendjemandem zutragen.

* * *

Zum Buch

Nach dem heftigen Streit mit ihrem Freund Ronnie, verlässt Andrea verärgert die populäre Diskothek in Dortmund und läuft durch starken Regen zurück in ihre Wohnung. Eine schlaflose Nacht hilft ihr bei der Entscheidung, ab sofort, keine Verbindung mehr zu Ronnie aufzunehmen. Kurz entschlossen plant Sie eine siebentägige Lastminute- Reise nach Mallorca. Obwohl sie keinen Kontakt zu Männern haben will, lernt sie dort Mark kennen. Er lädt sie ein, ihr die schöne Insel zu zeigen und mit seinem Ehrenwort „Ich tue nur das, was du willst.“ überredet er sie und sie willigt nach langem Zögern ein. Der wunderbare Tag endet in einer Bodega. Nach Genuss der weißen Sangria und Andreas Trunkenheit, enden sie im Bett. Morgens wird sie mit einem Kater wach und findet zu ihrer großen Überraschung Mark, nackt neben sich. Trotz der weiteren Bemühungen von Mark, kommt es zu keinem weiteren, sexuellen Kontakt. Einen Tag später, bekommt Andrea zum Abflug ein Päckchen von Mark überreicht, mit der Bedingung, sie soll es erst im Flieger öffnen. Als sie erfreut das Päckchen öffnet, fällt ihr eine Flamenco Puppe mit der Aidsschleife auf den Boden, auf dem beigefügten Zettel steht: Willkommen im Club. Eine Stewardesse hilft ihr und überzeugt sie, wieder nach Mallorca zu fliegen um nach Mark zu suchen. Eine elende Zeit beginnt mit ihren Recherchen auf Mallorca und dem Treffen mit den möglichen, ebenfalls geschädigten Frauen. Sie verbünden sich zu einem Mallorca Tribunal und wollen sich an Mark rächen.

* * *

Prolog

An dem Tage war es selbst für spanische Verhältnisse unnatürlich heiß. Die Wärme flimmerte, wie ein Schleier in diffusen Hitzestreifen in der Luft.

Bis auf gelegentliches Vorbeifahren einiger Autos oder vereinzelter Busse, die ständig Urlaubsgäste zum Flugplatz brachten und abholten, lag die Hauptstraße

von Playa de Palma um diese Tageszeit verwaist.

Lebenshungrige Menschen, mit überquellender Lust, belebten jeden kleinsten Fleck dieser Lustmeile.

Und am Abend steppt hier der Bär.

Der junge Mann lehnte lässig an dem grellgelben Schild der Autovermietung. Mit riesigen Buchstaben bot der einen supergünstigen Tagespreis der kleinsten Leihwagen an: „Typ Seat- Ibiza für nur zwanzig Euro am Tag“

Bei Anmietung einer ganzen Woche wollten sie sogar nur sechs Tage berechnen.

Der Standort des Beobachters lag im Schatten einer der hohen Palmen, die auf der anderen Straßenseite gegenüber, nur einige Meter vom Hotel Bona Vista entfernt standen.

Interessiert beobachtete er nun die junge Frau. Sie schien durch die Hitze abgekämpft und näherte sich aus einer Seitenstraße langsam mit schlürfenden Schritten. dem Haupteingang des Hotels. Sie schien so erschöpft, dass sie zunächst eine kurze Pause im tropischen Vorgarten des Hotels, mit den herrlichen Pflanzen und einem Mosaik- Springbrunnen, einlegte.

Zur frühen Nachmittagszeit lag der ganze Bereich vor dem Hotel, jetzt vollständig im Schatten des fünfzehnstöckigen, schlanken Gebäudes.

Vom Meer wurde ein leichter böiger Wind herüber geblasen, dadurch wirkte das Gebäude außen, wie eine Klimaanlage. Durch den Schattenspendenden Hoteltrakt wurde der Platz davor über der gesamten Straßenlänge um ein paar Grade heruntergekühlt.

Die Frau hockte sich auf die niedrige Mauer nieder und streckte ihre schlanken Beine erwartungsvoll und weit gespreizt auseinander. Sie nutzte die Kühle des Windes aus und ließ sich die erfrischende Kühle unter den Rock blasen. Dabei schloss sie die Augen, lehnte sich auf beide Arme an eine Palme zurück und genoss die wohltuende Ruhe im Wind.

Nach einigen Augenblicken fühlte sie sich unruhig und von irgendjemandem beobachtet.

Sie erspähte den Auslöser des ungemein erregenden und prickelnden Gefühls auf der gegenüberliegenden Straßenseite, durch ihre Augenschlitze.

Neugierig fixierte sie sehr ihn und kam zu einem erstaunenden Ergebnis, der sieht aber gut aus. Sollte er mich ansprechen, sage ich dieses Mal nicht nein. Er ist der erste interessante Typ, der mir bisher über den Weg gelaufen ist.Hoffentlich ist er auch anders als die anderen Gipsköpfe, nicht ganz so plump, direkt und primitiv. Teilweise waren sie so schlimm, dass ich den Urlaub schon abbrechen wollte.

Auch er hatte sich ein Urteil gebildet und dachte: sie ist gut Mitte Zwanzig, geht langsam auf die Dreißig zu. Eigentlich ist sie genau im richtigen Alter und weiß bestimmt, warum sie hier ist und um was es geht. Also ist sie es bestimmt wert, mit ihr in der Kiste zu landen.

Entschieden löste er sich aus dem Schatten der Palme und ging zielstrebig über die Straße auf sie zu. Als er sein späteres Opfer erreichte, ließ er sich neben ihr nieder und stellte sich vor: „Maurice, und? Der Wind tut dir bestimmt gut?“

Langsam drehte sie sich zu ihm um, und tat, als sähe sie ihn erst jetzt zum ersten Mal. Jetzt aus nächster Nähe betrachtet, fand ihn noch sympathischer: „Ich heiße Ulrike, ja, der Wind erfrischt mich, es ist

aber nur äußerlich.“

Es war nur eine knappe Antwort, aber er hatte sie gut verstanden und lud sie ein: „Dann sorge ich jetzt dafür, dass dein Inneres auch ein wenig abgekühlt wird. Wie wäre es drinnen mit einem Bacardi- Cola an der Bar?“

Sie blickte ihn erwartungsvoll an.

„Einverstanden, ich glaube aber, das wird uns sonst auch noch ein wenig weiterhelfen“, deutete sie ihm zweideutig an.

Maurice erkannte daran, dass sie nicht abgeneigt war und wohl auch zu weiteren Späßen bereit sei. Es war für ihn die klare Zustimmung von ihr, und sie zeigte eindeutig an, dass sie mehr von ihn wollte.

Wortlos gingen sie ins Hotel.

Ulrike war nervös und überdachte danach erst, in dem Moment ihr übereiltes forsches Vorgehen, bisher habe ich meinen Mann nicht betrogen, aber er hat es nicht anders verdient. Seit einiger Zeit komme ich mir nur wie seine Putzfrau vor. Außerdem ist unser Sex weniger und langweilig geworden. Anscheinend ist ihm seine Arbeit wichtiger als ich. Und dann schickt er mich auch noch allein nach Mallorca. Jetzt bekommt er dafür seine Quittung. Naja, bisher haben mich ja nur Nieten angebaggert, und es fiel mir leicht, sie abzulehnen, aber dieser Maurice ist nett und charmant und den lasse ich mir auf keinen Fall entgehen, den will ich haben.

Zunächst saßen sie eine Weile an der Bar. Jedoch nicht mehr allzu lange. Nach einem weiteren Bacardi erhob sich Ulrike, forderte Maurice provokativ auf: „Ich glaube, es ist besser, wir trinken nichts mehr. Vielleicht würde ein weiterer Drink verschiedene der Körperteile aufweichen und die Nacht verderben. Lass uns auf mein Zimmer gehen, ich habe eine volle, gekühlte Flasche Freixenet in der Minibar.“

Maurice willigte begeistert ein, er bezahlte die Getränke und sie eilten, eng umschlungen zum Lift. Er brachte sie nach oben, zur der ersten von zwei erfüllten, unvergessenen Liebesnächten.

* * *

1. Kapitel

Bei strahlendem Sonnenschein, war es der erste, heiße Samstag im Juli unter vierzig Grad. Aber gleichzeitig auch der schwülste Tag des Jahres.

In Dortmund, wie in anderen Städten des Landes war diese Hitze nahezu unerträglich.

Alle frei herumstreunenden Hunde suchten mit heraushängenden Zungen instinktiv laut hechelnd, nach schattigen Plätzen. Katzen und anderes Getier verkrochen sich in die dunkelsten Ecken. Einzelne, herumsurrende Fliegen vergaßen sogar ihre Suche nach paarungsbereiten Partnern.

Manche Bewohner flüchteten sich in die kühlsten Räume ihres Hauses, suchten unter Sonnenschirmen nach Schatten oder zogen in überfüllte Biergärten, um sich wenigstens von innen zu erfrischen.

Trotz der unerträglichen Hitze und aufkommender Schwüle hatten sich Andrea und Ronnie nach einem kleinen Streit und längerer Diskussion entschieden, das Bingo, die zurzeit aktuellste Disko, aufzusuchen. Der Abend würde in dem klimatisierten Tanzlokal schon noch kühler werden.

Außerdem hofften beide darauf, dass sie sich der Temperatur dort anpassen und ihr Disput dadurch beendet würde.

Leider kam es in letzter Zeit nicht oft zu geglückten gemeinsamen Entschlüssen. Immer wieder hielt sie hier und da ein mittelprächtiger Streit zurück, mal wollte sie nicht, oft hatte er dann keine Lust. Diese Spannungen hatten eine einfache Ursache, Juliane.

Juliane war die ehemalige Lebensgefährtin Ronnies, Andreas unmittelbare Vorgängerin. Von Zeit zu Zeit, sorgte sie ohne persönliches Dazutun und meist auch ohne Grund, für Andreas Eifersucht.

Versteckte Äußerungen Ronnies oder auch gezielt vorgebrachte Anspielungen aus der Zeit mit Juliane sorgten immer öfter für neue Reibereien.

Damit brachte er Andrea sofort auf die Palme. Eigentlich waren sie ein apartes Liebespaar, die sich harmonisch präsentierten und in jeder Gesellschaft angenehm auffielen. Beide kleideten sich modisch und chic, ohne dabei groß zu übertreiben. Dadurch passten sie ausgezeichnet mit dem Outfit zusammen.

Ronnie war mit seinen siebenundzwanzig Jahren, einen Meter achtzig groß, ein sportlicher Typ mit brünettem Haar und intelligenten Gesichtszügen. An dem Abend trug er, trotz der irrsinnigen Hitze, sogar, die in der Disko geforderte Krawatte.

Andrea war soeben Zwanzig geworden, maß einen

Meter siebzig, eine zierliche Figur, mit gewünschten Rundungen und besaß blondes mittellanges Haar.

Für den Abend in der Disko hatte sie sich für ein leichtes, luftiges Sommerkleid entschieden, um so die Hitze besser zu ertragen.

Als sie aufbrachen, war das Thermometer gerade um einige Grade gefallen und die Temperatur inzwischen auf ein erträgliches Maß gesunken. Von den Medien schon vorhergesagt, kündeten sie für den Abend die unnatürliche Schwüle an, und dann wiesen sogar auf Schauer oder Gewitter hin.

Ein sie kritisch musternden Türsteher am Eingang der Diskothek ließ sie problemlos eintreten. Es gab keinen Grund ihnen den Zutritt zu verweigern, da sie den Auswahlkriterien entsprachen.

Ronnie zahlte das Eintrittsgeld, sie bekamen den Stempel mit dem Tagesdatum auf den Handrücken gedrückt. Der berechtigte sie zum Verlassen der Disko und mehrfachen Betreten am gleichen Abend. Bei Eröffnung der Disko wurden erst Eintrittskarten ausgegeben, die man sonst auch leicht auf andere Personen übertragen konnte.

Häufig verschwanden einige Paare für sinnliche Momente nach draußen und es gab manchmal ein Problem beim erneuten Betreten des Bingo gegeben. Die häufigen Auseinandersetzungen bei Kontrollen wurden durch Körperstempel von den Betreibern, ein für alle Mal beseitigt.

Es war eine regionale Investorengruppe, die in der kurzen Bauzeit von nur vier Monaten, aus einem ehemaligen Druckhaus der größten Tageszeitung des Ruhrgebiets, die überregional gefragte Diskothek mit mehreren Sälen und Nebenräumen errichtet hatte.

Andrea und Ronnie traten zuerst durch den hell erleuchteten Eingang und kamen in einen Zweck bezogenen Vorraum mit der Garderobe an der Seite.

Danach betraten sie zunächst den kleineren Saal, in dem alte, teils historische Druckmaschinen hinter dickem Sicherheitsglas als Dekoration aus Überresten der alten Zeit präsentiert wurden. Dahinter schloss sich die Tanzhalle des Diskotheken- Komplexes an.

Die zwei überdimensional langen Tresen lagen im Halbdunkel rechts und links entlang den Wänden.

Am Ende der Halle wurden zwei DJ- Plätze durch farbige Spots nur schummrig angestrahlt.

Die restlichen Flächen des riesigen, mittleren Saales und sämtliche Nebenräume präsentierten sich meist im Halbdunkel. Verschiedene, der alten Maschinen im Vorraum waren geschickt, hinter Glas teilweise durch Neonmotive oder Laser erhellt.

Außer dem mit Halogen beleuchteten Eingang wurden nur noch die Sanitärräume und Fluchtwege durch helles Licht ausgeleuchtet. Dazu gab es auch einige dunklere, diskrete Ecken, in denen man sich leicht näherkommen konnte. Diese wurden erst nach Mitternacht ausgiebig genutzt, wenn sich einige neue Paare gebildet hatten.

Seit zwanzig Minuten war das Bingo geöffnet.

Die einzeln eintretenden Neuankömmlinge wurden beim Betreten von den früher eingetroffenen Gästen wie bei Fleischbeschau begutachtetet. Diese schätzen sie interessiert ab, ob sich mit ihnen etwas ergeben könnte. Dann beobachteten sie sich intensiv, suchten gegenseitigen Augenkontakt und flirteten ohne sich dabei zu unterhalten.

Frühestens in einer Stunde würde hier die Post richtig abgehen, der Bär steppen und die Stimmung langsam überkochen.

Wumm- wumm- wumm, dröhnte aktueller Techno- Sound in harten Takten aus einer viel zu mächtig ausgelegten Beschallungsanlage. Oberhalb der beiden Bars hämmerten die vier riesigen Bässe, in Form von langen Rohren.

Mittel- und Hochtoner in herkömmlichen Boxen, bestimmten durch ihre Membranen den Rhythmus und boten dadurch besondere Showeffekte.Mit jedem Hub ihrer beachtlichen Durchmesser, bis zu neunzig Zentimetern wirkten sie wie nervös tanzende und bunte Regenbögen. Die tieferen Lamellen der Boxen waren in Prisma- Neonfarben bemalt.

Wumm- wumm- wumm, hoch unter der Decke hing meterdick installierte Spiegelkugeln, die durch farbige Scheinwerfer, aus verschiedenen Winkeln angestrahlt. Sie ließen immer wieder interessante Reflektionen an der Decke und im Kreis aufflackern. An Wänden hingen halbhoch angeordnet,Blitzmaschinen und unterschiedliche Lichtorgeln. Diese Effekte gehörten alle zum elektrischen Equipment.

Wumm- wumm- wumm, zu dem frühen Zeitpunkt würgte die Lautstärke fast jedes Gespräch unter den Besuchern der Diskothek ab. Gelangweilt standen männliche Singles an den Bars, erwachten aber schnell aus ihrer Lethargie, wenn sie die Frauen beobachteten. Die meisten von ihnen bewegten schon ihre Hüften und Brüste im Takt der Musik. Sie hatten mit ihren leicht schwingenden Armen und schnipsenden Fingern den Rhythmus aufgenommen.

Andrea und Ronnie waren zwei der früheren Gäste. Leider versuchte Ronnie noch an Ort und Stelle, die am Nachmittag mit Andrea begonnene Diskussion fortzusetzen.

Er wollte unbedingt mit ihr streiten.

Wumm- wumm- wumm, mit aller Kraft versuchte Ronnie noch einmal erfolglos gegen die Lautstärke der Anlage anzuschreien.

Plötzlich wurde zwischen zwei Songs sein Schreien durch die Stille der Pause überrascht.

Alle Besucher im Saal hörte ihn schreien:„Unterlass doch diese unbegründete Stänkerei und belästige mich nicht ständig mit deiner Eifersucht“, fauchte er Andrea hysterisch an.

Einige, näher um sie herumstehende Gäste, wurden unfreiwillig Zeugen seines Ausbruchs und konnten sich ein hämisches Grinsen einer Schadenfreude nicht verkneifen. Die plötzlich, eingetretene Stille verfehlte auch nicht ihre Wirkung auf Ronnie, sie hatte ihn überrascht und er redete sofort in gemäßigtem Ton weiter auf Andrea ein, „oder willst du uns den ganzen Abend verderben?“

„Iiiich, du hast sie ja nicht mehr alle“, reagierte Andrea entgeistert auf seinen Vorwurf, der aus ihrer Sicht völlig unberechtigt war.

Sie blickte Ronnie verständnislos an.

„Aber, das ist absolut die Höhe! Ich, ich soll dir den

Abend verderben? Jetzt spinnst du wohl. Seit Wochen verdirbst du mir jeden Spaß. Jedes Mal, wenn ich mit dir hierhin wollte, warst du dagegen.“

Andrea hatte Recht, es entsprach tatsächlich der Wahrheit, dass sich Ronnie wochenlang geweigert hatte, mit ihr die Disco zu besuchen.

Wie umgewandelt, war er plötzlich die Triebfeder. Mit neuem Lustgefühl drängte er bei jeder Gelegenheit und freien Minute hierher. Dafür schien es nur einen einzigen Grund zu geben, den er gegenüber Andrea niemals zugeben würde.

Sie hatte ihn durchschaut und warf ihm vor: „Du gehst erst wieder hierher, nachdem hier deine Verflossene ständig auftaucht, stimmt doch, oder?“,

„Jetzt spinnst du aber gewaltig, du wolltest doch hier abtanzen“, betonte Ronnie das DU und zog es bewusst und zu stark übertrieben in die Länge.

Es misslang ihm und es hörte sich wie das Heulen eines Hundes an, der bei Vollmond in der Nacht den Mond anbellt.

Er drehte sich abrupt zur Seite und murmelte etwas in seinen Bart, jedoch laut genug, dass ihn Andrea, wenn auch undeutlich, aber klar verstehen konnte, „Blödes Weib, einmal hü, das andere Mal hot, dämlich meckern, niemals wissen, was sie will“, und dann trieb er es etwas zu gemein auf die Spitze, „Da erfülle ich dir jeden Wunsch und erweist dir jeden Gefallen. Aber nichts ist dir gut genug, alles ist und bleibt nach wie vor falsch.“

Seine bodenlose Frechheit machte sie sprachlos, ihr blieb die Luft weg. Erst nachdem sie sich halbwegs von der Lüge erholt hatte und wieder gleichmäßiger atmen konnte, überschlug sich ihre Stimme vor Zorn: „Du, du linke Bazille, wir kennen uns länger als ein halbes Jahr, jedes Mal, wenn ich dich fragte, lass uns ins Bingo gehen, hattest du keine Lust“, sie betonte den Satz mit offensichtlichem Bedauern.

Danach fuhr sie mit bewusst mitleidigen, ironischem Unterton betont langsam fort, „das eine Mal war der gnädige Herr nicht in der richtigen Stimmung, oder besser gesagt, es war ihm unpässlich. Es ging ihm nicht gut, er war ja so schlecht zu Recht und schon kurz vor dem Sterben.“

Ronnie reagierte empört darauf und maulte, für sie hörbar, „Du biegst es dir alles solange ausgiebig zurecht, wie du es gerade haben willst“, sie hatte ihn trotzdem verstanden. Sie konterte, „Nein, das machst du, gib es endlich zu. Wie ich schon sagte, von dir kamen immer wieder neue Ausreden, aber nur, bis du erfahren hattest, dass deine verflossene Juliane wieder hier verkehrt. Seit diesem Zeitpunkt ist alles total anders, seitdem gehst du immer gerne hierhin. Glaubst du etwa, nur, weil ich blond bin, bin ich auch blind oder blöd?“

Ronnie machte zunächst eine leichte wegwerfende Handbewegung in ihre Richtung. Im gleichen Moment sah er sich vorsichtig in der Disko um, die sich jetzt langsam füllte. Gleich darauf drohte er Andrea etwas zerfahren und übernervös an: „So, jetzt pass bitte genau auf, ich gebe dir einen guten Rat. Wenn du heute noch einen netten Abend verleben willst, dann halte endlich deine Klappe und unterdrücke

deine unbegründeten Vorwürfe.“

Soweit war es mit der Liebe gekommen, sie gerieten sich immer öfter in die Haare und Andrea überlegte, was erwartete er von mir?Soll ich nur um deslieben Friedens willen, ihm gegenüber klein beigeben. Oder, werde ich aufs Ganze gehen und ihn weiter provozieren? Aber es heißt, dieklügere gibt nach! Danach will ich in Zukunft handeln.

„Gut, mein lieber Ronnie, ich werde mich jetzt etwas zurückhalten. Aber nur, dass ich mir nicht selber den ganzen Abend verderbe“, begann sie erst nach einer kurzen Pause, ironisch einzulenken.

Nach außen wirkte sie noch kühl, aber ein Vulkan der in ihr brodelte stand kurz vor dem Ausbruch und sie ergänzte hart, „sollte aber deine alte Liebe, die heiße Juliane, tatsächlich hier auftauchen, und du siehst sie nur einmal flüchtig an, bin ich restlos sauer. Wenn du dann noch mit ihr sprichst, gehe ich davon aus, dass ihr verabredet seid. Dann bin ich weg, das verspreche ich dir hoch und heilig.“

Ronnie ersparte sich dazu jeden Kommentar.

Um sie kurz zu unterbrechen und vom Thema abzulenken, holte er zwei frische Drinks von der Bar. Er stellte sie vor Andrea auf den Tisch, er versuchte, sie etwas zu besänftigen. Als es ihm nicht gelang, wollte er sie mit einem versöhnlichen Ton einlullen: „Bitte Andrea, sei doch vernünftig. Juliane ist für mich lange und endgültig abgehakt, wir beide sind zusammen und das bleibt so.“

Andrea hob ihr Glas, glitt mit dem Zeigefinger, ein wenig gedanklich abwesend, über den Rand. Dabei schaute sie Ronnie prüfend in die Augen. Nach dem bekannten Motto aus Casablanca, schau mir bitte in die Augen, Kleine, können diese Augen lügen?

Und ihr Blick tauchte tief in seine Augen, als könnte sie den Gehalt seiner Aussage erkennen.

Unsicher nuckelte sie am Cocktailglas, zerkaute dabei zerstreut den Plastiktrinkhalm und dachte, kann ich ihm das wirklich glauben? Er wird Juliane bestimmt nicht vergessen haben! Warum gibt er es nicht zu? Ich würde seinem Glück doch nie im Wege stehen, sie war verzweifelt und nahm sich ernsthaft vor, sollte Juliane heute wirklich erscheinen, und er sich nach ihr nur kurz umdrehen, lasse ich ihn stehen und bin weg.

Andererseitshoffte sie verzweifelt, der Streit mit ihm wäre damit endgültig beigelegt. Fröhlich und ausgelassen tanzte Andrea nach der fetzigen Musik, sie glaubte bald wieder an Harmonie, an die heile Welt und alles sei in Ordnung.

Wie ferngesteuert wendete Ronnie plötzlich seinen Blick zum Eingang und erstarrte.

Mit großen Augen erblickte er die gerade eingetretene, blendend aussehende Juliane an. Einige der anderen Gäste, die schon ungeduldig auf das Ende des Disputs warteten, folgten neugierig seinem Blick.

Aber leider auch Andrea.

Sie erstarrte ebenfalls, aber aus völlig anderen Gründen.

Zunächst blieb sie kalt wie Eis, anschließend lief ihr Gesicht rot an, sie zitterte, zornig vor Wut. Wie ein Weltwunder, glotzte sie Juliane an, die ihren Auftritt, wie „La Belle de Jour“, die Schöne des Tages genoss.

Juliane glitt sofort und ohne lange zu zögern, auf die Tanzfläche und zog ihren pickligen Begleiter wie ein Schoßhündchen hinter sich her. Offensichtlich nahm sie ihn nur deshalb mit, um andere Männer zu einem Angriff zu ermutigen. Typisch, für eine Frau, die sich, wenn sie neue Bekanntschaften sucht, gerne von unscheinbaren Knaben begleiten lässt. Damit sollten auch andere den Mut finden, ihn auszustechen oder sich durch weniger hübsche Freundinnen in den Mittelpunkt bringen lassen. Plötzlich war Juliane im „Bingo“ der Mittelpunkt geworden und die attraktive Offenbarung des Abends. Sie zog eine Show ihrer Selbstdarstellung mit überzogenem Selbstbewusstsein ab. Allerdings, und das musste sogar Andrea neidlos anerkennen, war sie außerordentlich gut gebaut und mit hervorstechenden Merkmalen ausgestattet. Ihre festen Brüste benötigten noch keinen BH und die durchsichtige, rote Spitzenbluse gab weitaus mehr frei als sie verbergen sollte.

Sie hatte jede Menge Holz zu verstecken. Wie Juliane sich allerdings in den kurzen, schwarzen Gürtel zwängen konnte, war Andrea unbegreiflich. Anders konnte man ihren knappen Minirock nicht bezeichnen. Der bedeckte ihren wohlgeformten Po nur bis kurz unter den Schritt. Zum Anziehen musste sie einen Schuhanzieher zur Hilfe genommen haben. Mit Sicherheit wäre ihre hübsche Erscheinung, weniger aufgetakelt, nicht in so ein hurenhaftes Aussehen abgeglitten, das sie leider ausstrahlte. Dabei thronte über ihrem attraktiven Körper ein apartes, waches Gesicht mit Kurzhaarfrisur. Es hinterließ vermutlich diesen stark arroganten Touch, der möglicherweise von ihrer Lebensweise stammte.

Alles in Allem, eine geringere Schaustellung ihrer körperlichen Vorteile, wäre für sie besser gewesen und dazu auch überall positiv angekommen.

Zugegeben, sie sieht toll aus. Aber leider kennt sie auch ihre Wirkung auf Männer und wie sie diese verrückt machen kann, urteilte Andrea fair, aber restlos verärgert. Julianes Auftritt, nach all den Geschichten, die mir Ronnie erzählt hat, verstehe ich ihn wirklich nicht. Was kann er bloß an der verlebten Person finden? Oder ist es gerade deswegen?

Inzwischen vergnügten sich mehr als achthundert Gäste in der übervollen Diskothek und allen war vollkommen egal. Welch unheilvolle Entwicklung der Aufbruch der Karawane für eine der drei Beteiligten heraufbeschwören würde.

Als Juliane sich offensichtlich die Nase pudern ging, und Ronnie das tun musste, was Männer stattdessen auf der Toilette verrichteten, folgte ihnen Andrea unbemerkt mit sicherem Abstand. Jedenfalls nahm sie das an. Sie wollte ein mögliches Treffen der beiden beobachten.

Bevor Ronnie sie möglicherweise bei ihrem Tun bemerken würde, hastete sie kurz vor ihm an den Tisch zurück. Als er sich wieder zu ihr zurückgesellte, konnte sie sich nicht länger beherrschen. Wütend schrie sie ihn an, dabei versuchte sie, die dröhnende Musik zu übertönen,

„Ich wusste es doch, kaum taucht deine abgelegte Hure auf, denkst du nur noch mit deinem Schwanz. Was sollte ich auch anderes von dir denken.“

Ihre Äußerung war gerade nicht Lady- like, absolut nicht die feine Dame und bis dahin auch nicht die normale Umgangssprache Andreas. Aber mit ihrem emotionalen Ausbruch bereitete sie die Flucht vor, die sie Ronnie vorher angedroht hatte: „Geh doch zu ihr zurück und behalte sie für immer. Denke aber daran, sie lässt dich nur dran, wenn sie vorher von deinen Freunden ordentlich gefickt wurde. Und merke dir dazu noch Eins, ab jetzt bin ich nicht mehr deine Matratze, ein bequemer Ersatz für Juliane, der immer verfügbar sein soll, wenn du es brauchst. Ab jetzt nicht mit mir! Dazu bin ich mir wirklich zu schade.“

Für Ronnie kam es vollkommen unerwartet.

Plötzlich landete ihre geballte Faust in seinem Gesicht und hinterließ auf der Wange ein sichtbares Abschiedsgeschenk.

Es würde sich wahrscheinlich in den nächsten Tagen zum einem farbenfrohen, ausgewachsenen Veilchen entwickeln.

Aber das war Andrea in dem Moment egal. Einige der schadenfrohen Gäste, die im näheren Umfeld standen, nahmen die Szene belustigt auf.

Einer meinte dazu sehr trocken: „Das hätte sehr stark ins Auge gehen können!“

Andrea trat ab wie eine Königin, wie die Siegerin nach einem gewonnenen Zweikampf. Mit hocherhobenem Haupt schritt sie davon, und trat ihren angekündigten Abschied aus der Diskothek an.

Zum Ausgang schwebte sie mehr als sie lief.

Abfällig lächelnd zog sie an der arrogant, dreinblickenden Juliane vorbei. Im ersten Moment konnte sie ihre Tränen der Enttäuschung noch unterdrücken. Als sie aber an Juliane vorbei war, ließ sie ihrem Gefühl freien Lauf.

Ronnie war leider etwas zu unvorsichtig gewesen. Obwohl er vorher von Andrea gewarnt war, hatte er einige Worte mit Juliane gewechselt. Zur Strafe war er deshalb, völlig unvorbereitet, in die voll geballte Faust der sichtlich verletzten Andrea gelaufen. Er hatte allerdings nicht mit einer solchen plötzlichen Attacke rechnen können. Sein blessiertes Auge war durch den überraschenden Angriff nicht in der Lage, Andreas triumphalen Abgang genau zu verfolgen. Regungslos stand er, wie die Salzsäule von Sodom, oder war es die von Gomorrha, oder die von beiden.

Als er sich gesammelt und den überraschenden Schlag verdaut hatte, war Andrea längst durch den Ausgang nach draußen verschwunden. In jedem Fall kam Ronnies Reaktion zu spät, ihr sofort, noch im gleichen Moment, nachzulaufen.

Dazu hielten ihn sein verletzter Stolz und Trotz davor zurück. Hätte er die leiseste Ahnung von den entsetzlichen Folgen gehabt, er wäre Andrea noch kilometerweit auf den Knien hinterher gerutscht. Aber der dumme Stolz bewirkte, es zu unterlassen, ihr sofort nachzulaufen und um Verzeihung zu bitten.

* * *

2. Kapitel

Vor der Tür der Disco wurde Andrea vom amtlich vorausgesagten Regen und den zusätzlichen starken Windböen überrascht. Die Hitze des Tages war weiterhin vorhanden und erwärmte den Regen, der wie eine warme Dusche auf sie herabprasselte. Die dicken Tropfen schlugen ihr ins Gesicht und vermischten sich mit ihren Tränen.

Sie waren bei der warmen Julitemperatur mit Ronnies Auto hierher ins „Bingo“ gefahren. Dabei nur locker, leicht und attraktiv für den Tanzabend im Bingo gekleidet. Deshalb hatte Andrea fest mit der gemeinsamen Rückfahrt mit Ronnie gerechnet. Auf gar keinen Fall war sie auf einen feuchten Heimweg zu Fuß eingestellt. So wurde sie durch die Ereignisse der letzten Minuten von dem ungemütlichen Wetter überrascht. Leider passte es nur zu gut zu ihrer deprimierten Stimmung.

Hilfesuchend blickte sie um sich.

Ausgerechnet jetzt war niemand in der Nähe, der sie hätte mitnehmen können. Taxen hatten durch den Regen Hochkonjunktur. Es waren keine zu erblicken.

Plötzlich war Andrea alles egal.

Sie ließ den Tränen freien Lauf. Kein schlechtes Wetter hätte sie jetzt vom Heimweg abhalten können.

Zuerst legte sie noch ein hohes Tempo vor, um möglichst schnell einen großen Abstand zwischen sich und die Disko, dem Ort ihrer größten Enttäuschung zu bringen. Später verlangsamte sich wieder ihr Schritt. Auf Außenstehende mochte ihr Gang noch zielstrebig wirken, aber sie fühlte sich außerordentlich unsicher. So lange sie in Dortmund lebte, war sie nie in diese Gegend des Ostteils gekommen, geschweige denn, durch diese Straßen gelaufen. Sie kannte sich hier nicht aus, ahnte aber wage, wo sie sich möglicherweise befand.

An der nächsten Straßenkreuzung bemerkte sie eine Straßenbahn, die in einen östlichen Vorort fuhr. Sofort fühlte sie sich etwas sicherer. Sie schlug die entgegengesetzte Richtung zum Zentrum ein und. näherte sich langsam der Stadtmitte. Nachdem sie die Kaiserstraße und den Brüderweg hinter sich gebracht hatte, erkannte sie durch den Regen die diffusen, dunklen Umrisse der Reinoldikirche. Schnell überquerte sie die Kleppingstraße, und lief zwischen der Reinoldi- und Marienkirche durch.

Nach dem Westenhellweg erreichte sie schon bald den Alten Markt. Am Nachmittag waren alle Stühle der umliegenden Cafés und Restaurants hoffnungslos

überbelegt. Jetzt, bei dem Regen am Abend, war dieser Platz trostlos und menschenleer.

Der Alte Markt ist ein Mittelpunkt der ehemaligen Altstadt Dortmunds. In den letzten Kriegsmonaten wurden über neunzig Prozent des alten, historischen Stadtzentrums zerbombt. Die zerstörten Ruinen der mittelalterlichen Häuser konnten später leider nur in modernem Stil wieder aufgebaut werden. In der Mitte des Platzes befindet sich ein Überbleibsel aus der alten Zeit, der Bläserbrunnen.

Bei gutem Wetter und Sonnenschein sind alle Tische der Cafés rund um den Brunnen von zahllosen Passanten begehrt. Nach dem plötzlichen, starken Regen standen dort die Gartenmöbel nur noch verwaist herum.

Das nahm Andrea alles aber nicht wahr.

Von alldem merkte sie nichts und lief automatisch ihren Weg allein, fast blind durch die Tränen ihrer Enttäuschung. Endlich wurde das instinktive Irren durch verregnete Straßen beendet. Jetzt kannte sie sich besser aus, sie hätte den weiteren Weg mit verbundenen Augen laufen können.

Nur noch wenige Minuten, dann war sie schon bald und endlich zu Hause.

Ein Taxi stoppte, der Fahrer forderte sie freundlich Einzusteigen, sie lehnte unwirsch dankend ab.

Jetzt, nachdem sie schon mal nass war, dann könnte sie die restliche Strecke auch noch laufen. Statt in das Taxi zu steigen, beschleunigte sie ihr Tempo und lief im Eilschritt weiter. Die dicken Regentropfen vermischten sich mit ihren Tränen und hinterließen zwei schwarze, vertikale Streifen des Mascaras auf ihrem Gesicht. Das leichte, dünne Sommerleid klebte, transparent durch die Nässe geworden ihr am Körper wie eine zweite Haut. So lief sie fast nackt durch die Straßen, wie einst Lady Godiva, die allerdings nackt auf einem Pferd ritt. Da sie ein hohes Tempo vorgelegt hatte, vermied sie es so, sich zu unterkühlen. Die Körpertemperatur war durch den schnellen Schritt leicht erhöht und konnte die Kühle der nassen Kleidung auf ihrer Haut fast ausgleichen.

Aber auch das fühlte sie nicht.

Wäre ich ihm vorhin doch bloß nicht zur Toilette gefolgt, beschäftigte sie sich noch lange nachträglich mit dem Vorgefallenen, sie machte sich dafür große Vorwürfe. dann hätte ich nicht mitbekommen, wie er sie herzlich begrüßte und zärtlich seinen Arm um sie legte. Möglicherweise hat er mich vorhergesehen?Vielleicht war es deshalb nur ein gemeiner Spaß von ihm? Wollte er mich möglicherweise damit ärgern? Verdammter Mist, jetzt ist es passiert, vielleicht war es sogar gut. Jetzt weiß ich endlich, woran ich bei ihm bin.

Der Regen hatte sich verstärkt, ergoss sich wie aus Kübeln über sie und hüllte sie vollkommen ein. Offensichtlich hatte er Mitleid mit Andrea und wollte ihr sogar die Tränen wegspülen. Bei jeder Windböe platschen ihr die kirschgroßen, aber warmen Tropfen in das verweinte, geschwollene Gesicht. Sie glichen einer zu groß eingestellten Massagedusche.

Ihre Haare hingen nass und strähnig herunter. Bald konnte sie nicht mehr einschätzen, wie lange sie für den Weg von der Disko bis hierhin benötigt hatte.

Den ersten Teil des Heimweges hatte sie noch unbewusst, aber sehr zielstrebig eingeschlagen. Endlich bog sie von der Hauptstraße ab, um die letzte Ecke, sie stand vor der eigenen Haustür, froh und glücklich darüber, dort zu sein.

Ihre Finger hatten durch die Nässe des Regens gelitten, waren steif und leicht geschwollen. Erst nach mehreren Versuchen, gelang es ihr mit großer Mühe, umständlich den Haustürschlüssel in das Schloss zu bekommen. Endlich war die Tür geöffnet.

In ihrer Wohnung angelangt, zog sich Andrea, unter erheblichen Problemen das nasse Kleid vom Leib. Es klebte wie eine zweite Haut an ihrem Körper und sie konnte das klebende Etwas zunächst nicht über ihre Schultern bekommen. Nachdem es endlich gelungen war, trocknete sie sich langsam ab und massierte mit dem Badetuch die Kälte aus ihren Gliedern. Wütend warf sie sich auf ihr Bett. Da der unbefriedigende Verlauf dieses Abends sie maßlos enttäuscht hatte, schlug sie zornig unzählige Male auf das unschuldige Kopfkissen ein.

Es musste als adäquaten Ersatz für den treulosen Ronnie hinhalten. Sie steigerte sich immer mehr in eine Schlussmachenphase. Nicht Schluss mit ihrem Leben, nein, das war der Mistkerl nicht wert, das war ein Mann niemals wert. Auf jeden Fall aber Schluss mit diesem falschen und treulosen Ronnie.

Bald darauf erhob sie sich trotzig, und bereitete sich mit einer doppelten Portion Badesalz ein heißes Bad zu.Im Wasser liegend huschten ihr die gemeinsamen, wunderschönen Zeiten mit Ronnie durch den Kopf. Zunächst dominierten nur die schönen Momente. Es war die erste Zeit, als sie ihn damals in der Firma bei der Weihnachtsfeier kennen lernte. Bei der Feier sie sich Hals über Kopf in ihn verliebte.

Nach weiteren vier Wochen blieb sie das erste Mal bei ihm und sie schliefen miteinander. Obwohl sie da schon zwanzig Jahre alt war, war sie noch immer unberührt. Sie wartete zu der Zeit immer noch auf den Prinzen auf dem Schimmel, die große Liebe. Bis dahin hatte sie nicht den Richtigen gefunden. Dann glaubte sie, Ronnie sei der richtige Mann für sie.

Wie sollte es bei ihr anders sein, als bei den meisten Liebespaaren, auch ihr Liebesleben begann mit der üblichen kleinen Katastrophe beim Ersten Mal. Aber dann wurde es sehr schön mit Ronnie, er war erfahren und bei den weiteren Begegnungen gab er sich Mühe. Er war au0erordentlich zärtlich und brachte sie von da an meist auch zum Höhepunkt. Die ersten Monate ihres Zusammenseins verliefen durchaus harmonisch. So lange, bis Ronnie zu diesem Zeitpunkt Juliane, seine alte Liebe wieder in der Diskothek Bingo, traf. Bald darauf verschwammen die wunderbaren Momente und unangenehme Gedanken verdrängten die Erinnerungen an die schönste Zeit.

Warum tauchten diese unnötigen Spannungen auf? Für Andrea war zunächst alles unbegreiflich.

Irgendwann erwartete Ronnie ähnliche Turnübungen und Leistungen von ihr. Er schwärmte ihr mit Juliane von außergewöhnlichen sexuellen Praktiken vor.

Er beschrieb Julianes unendliche Phantasie, und den Ideenreichtum, danach musste sie angeblich über ein unerschöpfliches sexuelles Repertoire verfügen. Er beschrieb ihr alles bis ins kleinste Detail und begeistert erklärte er sehr naiv, Juliane ließ sich sogar von mir und zwei meiner Freunde gleichzeitig befriedigen. Ich wünsche mir auch mal so etwas in der Richtung und erwarte dazu mehr Bereitschaft von dir.

Aber das war Andrea dann doch alles zu viel.

Immer häufiger äußerte Ronnie, eindeutige Wünsche, auf die er diesbezüglich hinauswollte.

Andrea konnte nie darauf eingehen. Vielleicht wäre sie im Laufe der Zeit sogar zu verschiedenen Variationen bereit gewesen, aber niemals gleichzeitig mit anderen Männern. Deshalb machte sie ihm für alle Zukunft klar, dass sie sexuell nur ziemlich normal gestrickt sei und er diese oder andere Praktiken nicht von ihr erwarten könne. Beleidigt zog sich Ronnie in ein emotionales Schneckenhaus zurück, sie dachte, wenn dir das Normale nicht reicht, wende dich an Juliane, oder suche eine Hure woanders, die dir das und vielleicht noch mehr geben kann.

Jedenfalls war Andrea zu dieser Art Sex zu keiner Zeit kompromissbereit und lehnte ihn grundsätzlich ab. Eine Entscheidung, mit unübersehbaren Folgen?

Genau von dem Abend an, war ein Streit an der Tagesordnung und all die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen wurden immer häufiger.

Sein Verlangen nach einem Wiedersehen mit Juliane belastete offensichtliches ihre Beziehung.

Für Andrea begann trotz aller Hoffnung das Feuer der Leidenschaft vor Enttäuschung langsam zu erlöschen. Die Flamme loderte nicht mehr so stark wie zu Beginn ihrer Beziehung. Es glomm noch ein kleiner Funke und sie ahnte, wenn es so weiterging, würde auch der sehr bald erlöschen.

Dennoch, sie liebte ihn immer noch, sie klammerte sich an ihn und wollte ihn auf keinen Fall verlieren.

Bis zu dem unseligen Ausgang des Abends.

Irgendwann, bei einem Männergespräch über die Frauen im Allgemeinen, hatte sie scherzhaft einen Arbeitskollegen sagen hören:

eine perfekte Frau muss ganz einfach gestrickt sein:

erstens, die Motivation für die Arbeit des Mannes,

zweitens, eine treusorgende, liebende Mutter,

drittens, eine gute Köchin und ordentliche Hausfrau,

viertens, eine clevere Finanzministerin und

fünftens, eine hemmungslose Hure im Bett,

und alle Männer suchen danach, solange sie leben.

Die Behauptung, obwohl nur scherzhaft aufgestellt, bekam für Andrea erst im Zusammenhang der letzten Ereignisse ein Verständnis und bedeutsamen Sinn.

Inzwischen war Andrea auch klargeworden. Wenn ich es mir recht überlege, ist Ronnie danach ehrlicher als der durchschnittliche Mann, der sich immer auf der Suche nach der Traumfrau befindet. Er suchte jetzt, vor seiner Ehe nach der Idealfrau und nicht danach, sein ganzes, späteres Leben. Also, gut, so ist es nun einmal, schloss sie ihre Überlegung an dem Abend mit der tiefsinnigen Erkenntnis über Ronnie und die anderen Männer endgültig ab, möglicherweise können Erfahrungen und Beobachtungen meine Meinung später einmal ändern oder anders beeinflussen, aber heute war und bleibt es so, und damit basta!

Das heiße Bad sollte sie erfrischen, und zu neuem Leben erwecken, sowohl psychisch und physisch den tauben Körper regenerieren. Mit einer Wurzelbürste rubbelte sie ihre Haut, bis sie merkte, wie das Blut wieder heiß durch ihre Adern pochte. Mehrere Male tauchte sie den Kopf unter Wasser, und hielt die Luft solange an, wie sie es ertragen konnte. Anschließend, nach gut einer Stunde ausgedehntem Badegenuss, trocknete sie sich in aller Ruhe ab. Entspannt verließ sie ihr Traumbad, das sie sich selbst entworfen, und mit viel Freude, Eigenleistung und der Hilfe einiger Freunde auf eigene Kosten umgebaut hatte.

Ihr persönlich gestaltetes Badezimmer war der Stolz ihrer kleinen Wohnung. In der Mitte des Ensembles dominierte die extragroße, ovale Wanne, ausreichend für zwei Personen. Die Dusche mit der halbrunden Echtglasduschtür und ein passendes Waschbecken. Die Wände hatte sie ganz in weiß fliesen, mit der schwarzen Bordüre und dem dazu passenden Sockel absetzten lassen.

Mit dem Vermieter konnte sie eine Verrechnung über mehrere Jahre vereinbaren, wobei die Miete, festgesetzt um fünfzig Euro monatlich reduziert war. Es war weiter vereinbart, sollte sie früher ausziehen, bekäme sie eine angemessene Entschädigung.

Zunächst kuschelte Andrea sich auf ihre Couch, da sie keinen Appetit verspürte begab sie sich zu Bett.

Es wurde eine grauenhafte Nacht für sie.

Noch lange Zeit wurde sie von einem Alptraum in den nächsten und einige weitere gehetzt. Bis in die frühen Morgenstunden wälzte sie sich ruhelos im Bett herum, ihre Gedanken rotierten ständig im Kreis und fanden kein Ende. Unendlich lange überlegte sie hin und her. Zu allem Ärger und zum eigenen Leidwesen musste sie sich selber eingestehen,

Verdammt noch mal, ich liebe ihn immer noch, das steht fest.Er war mein erster Mann und ich werde ihn so leicht nicht vergessen. Es hat aber keinen Sinn mit uns, wenn er sofort auf Juliane oder irgendeine andere Frau abfährt und sie uns leicht trennen kann. Auf Dauer kann das nichts werden und deshalb muss ich endgültig Schluss machen. Aber wie kann ich mich bloß von Ronnie trennen?

Plötzlich, im dämmrigen Halbschlaf hatte sie die Idee, ihr fiel die einfache Lösung für das Problem ein.

Mein Gott, ich blöde Gans. Seit einer Woche habe ich Urlaub

und nur, weil Ronnie nicht gleichzeitig frei bekam,haben wir nichts unternommen. Jetzt bleiben mir volle zehn Tage, warum sollich nicht irgendwohin fahren? Allein! Eine Woche etwas Anderes sehen und erleben, und aus der misslichen Situation heraus traf sie einen spontanen Entschluss, der für sie, mit entsetzlicher Tragweite endete.

Das konnte sie zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Egal, welchen Versuch zur Versöhnung Ronnie in den nächsten Tagen unternehmen würde. Egal, mit welchen Schmeicheleien er ankäme, er würde vor verschlossener Tür stehen, Andrea nicht antreffen.

Sie überlegte, ich werde keinem davon erzählen. Nicht einmal Gisi, meiner besten Freundin den Hauch einer Andeutung machen. Ich bin einfach nicht erreichbar, für niemanden. Schluss ist Schluss und damit basta. Bin ich zurück, besteht so viel Abstand, möglicherweise eine zu große Kluft zwischen uns und meinem Gefühl zu ihm.

Glücklich, mit sich selbst zufrieden und durch ihre spontane Entscheidung schlief sie erschöpft gegen Morgen ein.

Andrea verlebte nur noch eine kurze Nacht.

Nach quälenden Alpträumen und Herumwälzen im Bett, stellte sie sich morgens übermüdet die Frage, bleibe ich liegen? Schlafe ich einfach durch? Das Beste ist, gar nicht aufstehen und weiterschlafen, und hätte sie diese Gedanken in die Tat umgesetzt, dann wäre wahrschein-

lich alles noch gut geworden.

Aber was machte sie stattdessen?

Sie überlegte es sich einmal. Sie änderte ihre Meinung und wollte ihren Plan mit der spontanen Reise durchführen. Entschlossen sprang sie aus dem Bett und stürzte sich in das unbekannte Abenteuer. Es war Anfang eines verhängnisvollen Erlebnisses.

Nach einem hastigen Frühstück, nach zwei trockenen Keksen und einem Glas Milch, setzte Andrea ihre nächtliche Überlegung in die Tat um.

Obwohl sie immer noch starke Zweifel an dem Tun empfand, verwarf sie diese, durch Trotz und einem gestärkten Selbstvertrauen. Anschließend fuhr sie mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof Dortmund zum Flughafen Düsseldorf. Vom S- Bahnhof lief sie zur Abflughalle und wanderte langsam von einem Reiseveranstalter zum nächsten. Sie studierte aktuelle Angebote für eine Lastminute- Reise.

Fast eine Stunde dauerte ihre Suche, bis sie nach mehreren Vergleichen beim angeblich, günstigsten Reiseveranstalter das Geeignete gefunden hatte. Wie sie glaubte.

Ein preiswertes Angebot für eine Woche Sonne, die Reise in ihre persönliche Freiheit. Sie buchte kurz entschlossen eine Last- Minute-Roulette-Reise in ein drei Sterne Hotel nach Mallorca. Zu dem Zeitpunkt gab es keine verbindliche Information über das Hotel vom Veranstalter. Nur so viel, dass es sich um das Bona Vista in Playa de Palma handeln könne. Und, dass es bei vielen Singles sehr beliebt sei, was immer es auch bedeuten mochte. So hoffte sie bei ihrer Wahl

auf etwas Glück und das Bona Vista.

Aber der Flug sei in jedem Fall mit dem deutschen Charterflieger mit Sitz in Düsseldorf und Abflug sei noch am gleichen Abend um neunzehn Uhr.

Da musste sie sich aber mächtig beeilen.

Als sie zurück in ihrer Wohnung war, stellte sie das Nötigste für eine Woche etwas überhastet zusammen und warf es planlos in einen kleinen Koffer.

Erneut fühlte sie sich verunsichert und sie überlegte ein allerallerletztes Mal. Soll ich jemanden unterrichten? Aber warum denn? Und wenn? Dann wen? Höchstens Gisi, aber die will ich in den Streit mit Ronny nicht hereinziehen, er ist ja auch wie ich ein Arbeitskollege von ihr. Wenn Gisi nichts weiß, kann sie Ronny nichts sagen. Niemand braucht zu wissen, wo ich bin. Ich habe weder Kind, noch Katzen oder Fische zu versorgen, und so viel Post wird in der Woche nicht anfallen. Alles andere ist unwichtig und kann erledigt werden, wenn ich zurück bin.

So verwarf sie endgültig jeden anderen Gedanken.Spitzbübisch grinste sie ihr Selbstbildnis im Spiegel an und lachte befreit über ihre eigene Courage auf, endlich unternehme ich etwas einmal spontan, ohne lange zu planen oder darüber unnötig nachzudenken.

Ausgestattet mit neuer Energie und einem gestärkten Selbstbewusstsein, verriegelte sie die Wohnung.

So schlenderte sie zu Fuß gemächlich zum Hauptbahnhof Dortmund. Am späten Nachmittag stieg sie in die S- Bahn um zu ihrem neuen Ziel, wiederholt nach Düsseldorf zu fahren.

Immer häufiger blickte sie sich unsicher nach allen Seiten um, mögliche Bekannte wollte sie rechtzeitig entdecken und notfalls ausweichen. Sie wollte jetzt niemandem begegnen. Weil sie nicht lügen konnte und sich bei dem Gespräch garantiert verraten hätte.

Aber alles ging gut.

Als sie endlich, unentdeckt in der S- Bahn saß,