3,99 €
Auf einer Länge von hundert Kilometern wurden in Spanien, neben der wichtigen carretera nacional (Nationalstraße N 340), drei Frauen ermordet. Und zusätzlich werden zwei junge Frauen noch vermisst. Ein Jahr zuvor wurde Adrian Metz von einem Offizier der spanischen Guardia Civil, von seinem Einsatz in Valencia, unbegründet zum BKA nach Deutschland zurück geschickt. Die besagten drei Frauen wurden beim damaligen Einsatz ermordet. Plötzlich fordert ein anderer Mitarbeiter der GEO, Adrian Metz zur persönlichen Unterstützung an. Er soll dieses Mal in einem neuen Fall, in der Stadt Castellón de la Plana ermitteln. Nachdem Adrian seinen Einsatz auf Bali erfolgreich beendet hatte (Roman "Auszeit auf Bali"), könnte dieser neue Fall eventuell im unmittelbaren Zusammenhang zu den Vorgängen des Vorjahres in Valencia stehen. Als Verstärkung wird ihm seine neue Kollegin, KOK Myriam Bruhn, beim ersten Einsatz als Profilerin und Analytikerin beistehen. Dabei geraten sie in Verwicklungen der örtlichen Polizei und müssen Probleme bewältigen, mit denen sie nicht rechnen konnten.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 197
Veröffentlichungsjahr: 2023
Karl- H. Volkmann
N 340
Ein Adrian Metz Krimi
Band 2
*
NEU - visuell begleitet mit
Google Earth – Street View
*
1. Auflage Januar 2019
Impressum
Texte: © Copyright by Karl- H. Volkmann
Umschlag: © Copyright by Karl- H. Volkmann
*
Inhalt
Auf einer Länge von hundert Kilometern wurden rechts und links im Bereich der wichtigen carretera nacional(NationalstraßeN 340) in Spanien drei Frauen ermordet aufgefunden und zwei weitere vermisst. Ein Jahr zuvor schickte ein Offizier der spanischen Guardia Civil den KHK-(KriminalHauptKommissar), Adrian Metz unbegründet von seinem Einsatz in Valencia zum BKA zurück. Beim damaligen Einsatz wurden ebenfalls drei Frauen ermordet. Plötzlich verlangt ihn ein Mitarbeiter der GEO, Grupo Especial de Operaciones (spanische Interpoleinheit), erneut zur Unterstützung für diesen Fall nach Castellon la Plana, siebzig Kilometer nördlich von Valencia. Zwischenzeitlich konnte er einen Einsatz auf Bali, Roman “Auszeit auf Bali“ erfolgreich beenden. Der neue Fall soll eventuell in unmittelbarer Verbindung zu den Vorgängen des Vorjahres in Valencia stehen. Seine Kollegin Myriam Bruhn KOK- (KriminalOberKommissarin) wird ihm als Verstärkung bei ihrem ersten Einsatz zur Profilerin und Analytikerin beistehen. Dabei geraten sie in Verwicklungen der örtlichen Polizei und bewältigen Probleme, mit denen sie vorher nicht rechnen konnten.
*
Karl- Heinz Volkmann
1942 in Dortmund geboren und lebt heute in Lünen. Während seiner Montagetätigkeit nutzte er in der Zeit von 1992 bis 1996 jede freie Minute für sein Hobby >Romane schreiben<. Leider wurden die eingereichten Manuskripte von den angeschriebenen Verlagen abgelehnt oder nicht beantwortet. Durch einen TV- Bericht erfuhr er 2016 von >Self-Publishing> und veröffentlichte seit 2017 schon mehrere Romane. In seinen Erzählungen verbindet er die Handlungen immer mit Erlebnissen seines zweiten Hobbys >Reisen<.
*
Die Handlung ist frei erfunden, Ähnlichkeit mit existierenden Personen ist weder beabsichtigt, wäre rein zufällig. Sollten trotzdem enge Verbindungen zu einer Person entstanden sein, bittet sie der Autor hiermit um Toleranz. Um der Handlung einen realen Bezug zu geben, wurden Orte und Begebenheiten mit existenten Namen belegt. Seine persönlichen Reiseerfahrungen in Spanien ergaben sich aus über vierzig Jahren Urlaub. Ereignisse, die er nicht real erlebte und zeitgeschichtliche Beschreibungen, wurden durch Internetartikel ergänzt und eingebaut. Alle Rechte vorbehalten. Auch ein auszugsweiser Nachdruck bedarf immer der Genehmigung des Autors.
*
Herzlichen Dank an:
meine Frau Hannelore, die mich nach über fünfzig
Jahren noch erträgt.
die Stroke Unit des Marienhospitals Lünen,
dass ich noch bin.
*
Prolog
Donnerstag, 23. März - 8:10 h
BKA Wiesbaden - Interpol
Abteilung organisierte Kriminalität
mit Schwerpunkt Menschenhandel
In heftigen, böigen Wellen peitschten Regentropfen gegen die Fensterscheiben des oberen Geschosses der BKA Zentrale in Wiesbaden.
Ungeduldig blickte Abteilungsleiter PolDir. Klaus Wolffe ins Halbdunkel und betrachtete die Spuren, die der Regen auf dem Glas hinterließ.
Gereizt trommelten seine Knöchel im Takt des Regens auf die Fensterbank.
Als Vorgesetzter genoss er hohe Kompetenz und war bei seinen Mitarbeitern beliebt. Aber an dem Tag wirkte er ein wenig gereizt.
„Eigentlich bin ich von Adrian Metz mehr Pünktlichkeit gewohnt“, wandte sich Klaus Wolffe enttäuscht der neuen Mitarbeiterin Myriam Bruhn zu.
Als er sich zu ihr an den Konferenztisch setzten, und mit ersten Informationen über den anstehenden Einsatz beginnen wollte, wurde die Tür aufgestoßen und Adrian Metz hetzte atemlos herein.
„Ist’s very terrible; it raining like dogs and cats, (Es ist sehr schrecklich, es regnet Hunde und Katzen), würden die Engländer bei dem Sauwetter sagen.
Ich wurde leider eine halbe Stunde durch einen Unfall aufgehalten. Entschuldigt bitte.“
Mit seiner rechten Hand schüttelte er die letzten Regentropfen aus dem Haar, platzierte den feuchten Aktenkoffer neben sich auf einen Stuhl, entnahm ihm einen Notizblock, legte einen Stift daneben und signalisierte somit seine aufmerksame Bereitschaft.
Klaus Wolffe betrachtete seine beiden Mitarbeiter fragend und erwartete ihre Antwort:
„Kaffee, mit Milch und Zucker?“, als sie zustimmend nickten, ergriff er das Telefon, „Ich wünsche Kaffee komplett, für uns drei und anschließend nicht mehr gestört zu werden, auf gar keinen Fall“, betonte er noch ausdrücklich.
Bevor seine Sekretärin mit dem Kaffe hereinkam, machte er beide miteinander bekannt: „Also Adrian, dies ist deine neue Mitarbeiterin, KriminalOberKommissarin Myriam Bruhn, die dir in diesem speziellen Fall zur Seite stehen wird“, um sich, er hatte sich inzwischen ein wenig beruhigt, Myriam Bruhn zuzuwenden, „Adrian Metz, KriminalHauptKommissar, eigentlich ist er sonst pünktlich“, konnte er sich eine kleine Spitze nicht verkneifen.
Die Sekretärin kam herein, servierte den Kaffee und verließ lautlos den Raum.
*
Kapitel 1
„Also, Adrian. Dann fangen wir mit dir an. Was war vor einem Jahr in Valencia geschehen? Warum wurde auf deine weitere Mitarbeit verzichtet? Erkläre es uns kurz und bündig, ohne lange Umschweife.“
Erstaunt blickte Adrian seinen Chef an.
Er hinterfragte sich, habe ich irgendetwas falsch gemacht?
Wieso lag da eine hinterschwellige Kritik in der Frage seines Chefs?
Er überlegte lange und ging den Fall in Gedanken in Ruhe durch.
Da er sich keiner Schuld bewusst war, begann er trotzig: „Ich weiß es bis heute nicht, außerdem meine ich, einen umfassenden Bericht erstell zu haben. Aber gut, wie es sei, dann berichte ich noch einmal.“
Adrian Metz lehnte sich pikiert zurück. Dafür beschäftigte er sich abschätzend mit seiner neuen Mitarbeiterin Myriam Bruhn.
Er wandte sich ausschließlich an sie: „Seit zwei Jahren existiert dieses internationale Abkommen der Interpol, Kollegen der anderen Länder, miteinander kooperieren zu lassen. Wie ich leider feststellte, war es nicht die beste Idee. Was macht ein Bayer in Ostfriesland? Er sitzt am Deich, ein Ostfriese setzt sich daneben. Beide langweilen sich und schauen in die Nordsee. Ein Gespräch zwischen ihnen ist aufgrund der unterschiedlichen Sprachen unmöglich. Genauso erging es mir in Spanien. Mein Spanisch reicht gerade für einen Restaurantbesuch, das Englisch ist passabel, aber spanische Kollegen sprechen weder Englisch noch Deutsch. Da hätte vorher eine Anfrage nach sinnvoller Kommunikation mehr Erfolg gehabt“ gab er eine Retoure an seinen Chef zurück.
„Am einundzwanzigsten März wurde ich über die Interpol- Zentrale zum damaligen Einsatz in Valencia eingesetzt. Die Anfrage geschah auf Bitte der Guardia Urbana, auch Policía Municipal genannt. Grund dafür war; am achtzehnten März wurden an drei der markantesten Orte von Valencia die Leichen von drei jungen Frauen gefunden. Diese drei Orte haben sich durch ihre hohe Publikumfrequenz als Touristenmagnet besonders ausgezeichnet. Drei Tage nach dem berühmten >Fallas Fest< vermutete die Guardia Urbana, nach kurzfristig erstelltem Täterprofil, die widerliche Tat eines Serienmörders. Schon im letzten Jahr sollen sich ähnliche Morde, weiter südlich, während der >Semana Santa<, Heilige Woche, in Malaga zugetragen haben. Jedes der Opfer in Valencia war auf eine besonders, ekelhafte Art geschändet. Sie wurden nicht versteckt, sondern für alle sichtbar präsentiert. Die erste Leiche fand man verstümmelt auf den Stufen eines Seiteneingangs des >Mercat Central<01, der wunderschönen, historischen Markthalle von Valencia. Man hatte ihr die Augen ausgestochen, Figur und Gesicht nach Vorbild einer größeren Fallas Darstellung, in einen Clown verkleidet. Die zweite Frau fand man etwas weiter, im unteren Teil der Parkanlage des trockengelegten Turia Flussbettes auf einer Treppe des Kinderspielplatzes des >Parc Gulliver<02. Ihre Lippen waren bestialisch, mitsamt der Zunge herausgetrennt. Die dritte lag auf der Promenade neben dem >Palau de les Arts<03, dem Kunstmuseum am Ende des >Turia- Park<. Diese Frau war wie ein Engel in ein Kostüm drapiert, ihr waren beide Ohren abgeschnitten. Die Leichen zeigten in Anlehnung auf das bekannte Symbol der drei Affen hin; >nichts sehen, nichts hören, nichts reden<, und sollte wahrscheinlich als eine Warnung an andere gemeint sein. Was immer es auch für wen bedeuten mochte. Das Ergebnis der Pathologie ergab, alle drei Frauen waren exakt zur gleichen Zeit, nachts um zwei Uhr ermordet worden. Voraussichtlich aber am späteren Fundort, erst zur gleichen Zeit, gegen fünf Uhr abgelegt. Der jeweilige Fundort konnte auf keinen Fall der Tatort sein. Es gabt keine Blutspuren, bei keiner der Frauen hatte weder anal noch vaginal, eine Penetration stattgefunden. Zwei der jungen Frauen waren nicht einmal defloriert. Die >Investigación Criminal Policia de Valencia<, KTU der Polizei von Valencia, konnte keinen Hinweis auf einen einzelnen Täter oder eine Gruppe finden, die ein spezielles Motiv zu diesen Untaten begründete. Auch nach tagelanger Suche nach Zeugen, konnte niemand gefunden werden, der den kleinsten Hinweis erbringen konnte.“
Zum ersten Mal wurde er von Myriam heftig unterbrochen.
Obwohl sie nicht den glockenklaren Klang eines Engels besaß, den ihr Adrian Metz ohne weiteres zugetraut hätte, kam ihm das Gegenteil, ihre dunklere, tiefe Stimme harmonisch, sympathischer herüber.
„Hat dich danach der Ausgang des Falles nicht mehr interessiert?“ fragte sie.
„Selbstverständlich, das hat er schon, wie für jeden anderen Ermittler auch. Als sich die Führung der Polizei nach drei Tagen entschloss den Fall zu beenden, war für mich die Demission aber abgeschlossen. Am Tag darauf durfte ich Heimfahren.“
Erstaunt hatte er auf ihren versteckten Vorwurf reagiert.
Was ist mit ihr denn los? dachte Adrian.
Es war nicht ihr Fall. Was mischt sie sich da ein?
Sie hakte sofort nach: „Aber ich wäre mindestens neugierig auf die Identität der Frauen gewesen.“
Jetzt wurde er ungehalten und antwortete barsch: „So viel in Kürze zu den Fakten. Reicht es, oder soll ich doch tiefer ins Detail gehen?“
Klaus Wolffe schüttelte unbefriedigt den Kopf.
Er forderte ihn auf: „Du solltest genauer werden. Vor allem interessiert uns der wahre Grund deiner Demission. Warum wurdest du nach Hause geschickt? Es muss mehr dahintergesteckt haben. Was mich wundert, jetzt hat man dich zu einem neuen Fall verlangt. Wieso? Kann der mit dem alten in engerer Verbindung stehen?“
Adrian schaute seinen Chef erstaunt an und agierte sauer: „So etwas Kompliziertes muss du die Spanier fragen, dazu bin ich vielleicht zu blöd.“
Ihm war in dem Moment egal, wie Klaus Wolffe darauf reagieren würde.
Sie kannten sich schon einige Jahre und sagten sich immer die Wahrheit.
Nun betrachtete er seine neue Partnerin Myriam Bruhn in aller Ruhe.
Von oben bis unten.
Erst nur das harmonische Gesicht.
Dann ihren mittelgroßen, gut geformten Busen.
Danach den Teil ihrer Figur, soweit er über dem Tisch sichtbar war.
Sie trug einen dunkelblonden Kurzhaarschnitt. Ihre braunen Augen, wirkten wachsam und selbstbewusst. Er schätzte sie auf Anfang bis Mitte vierzig.
Sie war ihm trotz oder wegen der forschen Art sympathisch und er freute sich insgeheim auf die gemeinsame Arbeit mit der attraktiven Kollegin.
Andererseits war etwas unklar.
Weshalb wurde sie für diesen Einsatz zugeteilt?
Vielleicht zur Kontrolle?
Schätzte man seine Demission als ein persönliches Versagen ein?
*
Kapitel 2
Nach kurzem Verschnaufen startete er erst jetzt mit der Erklärung: „Ich wurde selbst überrascht und erkenne bis jetzt keinen konkreten Zusammenhang oder triftigen Grund.“
Adrian wollte unbedingt das Thema wechseln.
Deshalb wandte er sich versöhnlich seiner Kollegin Myriam zu: „Vorab einige Informationen über Valencia. Die >weiße Stadt< ist die drittgrößte in Spanien. Das Trockenlegen des Turia Flusses können die Einwohner der damaligen >alcaldesa<, der Bürgermeisterin verdanken. Vor der Zeit durchfloss er Valencia und trat jedes Jahr über seine Ufer. Dabei überschwemmte er die Innenstadt und das nähere Umfeld. In den Fünfzigern entstanden im hinterlassenen Flussbett eine Parkanlage, und im unteren Teil die moderne Architektur der letzten Jahre. Diese beliebte >alcaldesa< schaffte es später, auch für einige Jahre die >Formula Uno<, das Formel1 Autorennen und den >America's Cup<, einen internationalen Segelwettbewerb nach Valencia zu holen. Wenn auch beide Sportveranstaltungen kurz nacheinander eingestellt wurden, blieben ihr und der Stadt ein wichtiger Rest Popularität. Zuvor war Valencia durch die jahrelange Tradition, die im März stattfindenden >Fallas< weltberühmt und zog hunderttausende Touristen in die Stadt. Die >Fallas< dienen zu Ehren von >Josef, dem Schutzheiligen der Zimmerer< und sind attraktive Fiestas in jedem, einzelnen Stadtviertel. Fast vierhundert organisierte >Falleros y Falleras< basteln monatelang daran und formen aus Pappmaché, Holz und Styropor wunderschöne Figuren. Auf satirische Art karikieren diese Künstler aktuelle, herausragende Ereignisse aus dem gesellschaftlichen und politischen Leben. Sie erreichen oft eine Höhe von dreißig Metern. Die Fallas beginnen Anfang März und erreichen den Höhepunkt vom fünfzehnten bis neunzehnten. Sie werden durch Umzüge durch die jeweiligen Stadtviertel in traditionellen Trachten, Feuerwerken und Festessen gefeiert. Es gibt zwei verschiedene Kategorien von Feuerwerken: die einen sind die >Mascletàs< die täglich um vierzehn Uhr in allen Vierteln stattfinden. Die mit Abstand größte, ist die von der Stadt organisierte Mascletá auf dem Rathausplatz, der >Plaça de l’Ajuntament<04. Dort stehen oft hunderttausend Zuschauer und mehr. Das andere sind die >Castillos de fuegos artificiales< Schlösser darstellende Feuerwerke, die in den vier Nächten vor dem neunzehnten März in den Nachthimmel geschossen werden. Das wichtigste und eindrucksvollste ist aber die >Nit del foc<, Nacht des Feuers, in der Nacht vom achtzehnten auf den neunzehnten März. Am siebzehnten, achtzehnten wird die >Virgen de los Desamparados<Jungfrau der Obdachlosen, durch Blumen- Umzüge geehrt. An einem zehn Meter hohen Gerüst werden, mit dem Abbild der Jungfrau Maria als Kopf, Blumen zu einem zehn Meter hohen Marienbild zusammengesteckt. Das geschieht hinter der Basilika auf der >Plaça de la Virgen<05.Schließlich werden alle Fallas- Figuren in der Nacht vom neunzehnten zum zwanzigsten März in einem Akt namens >Cremà< verbrannt. Die Fallas sind auf jeden Fall erlebenswert.“
„Was willst du noch viel erzählen. Aber der neue Auftrag hat nichts mit Valencia und dem alten Fall zu tun. Ihr werdet in einer anderen Stadt, in Castellon de la Plana eingesetzt, die liegt siebzig Kilometer weiter nördlich“, schob Klaus Wolffe seinen Kommentar dazwischen.
Adrian ließ sich nicht beirren.
Er war immer noch etwas verärgert und fuhr nach einer Pause unbeirrt fort: „Warum oder ob ausgerechnet ein Zusammenhang zwischen dem Falla- Fest, der Semana Santa, Heilige Woche, vor Ostern in Malaga und diesen Morden bestehen sollte, konnten wir derzeit nicht ermitteln. Es schien uns allen unwahrscheinlich, dass sich ein Massenmörder an den drei Frauen vergehen wollte und er allein, zur gleichen Zeit die Morde begehen konnte. Dann soll er sie auch noch, wenige Stunden später, jeweils zwei bis drei Kilometer voneinander entfernt, an drei weit auseinanderliegenden Fundorten abgelegt haben. Ne, das erschien uns unmöglich. Aber damals keimte schon ein vager Verdacht auf eine bestimmte Familienfehde oder einen Bandenkrieg auf. Leider kam unser Team über weitere Erkenntnisse nicht hinaus. Nach drei weiteren Tagen wurde unsere Arbeit von der >GEO; Grupo Especial de Operaciones< der spanischen Interpol oder auch Geheimdienst genannt, ohne Angaben irgendwelcher Gründe abgebrochen. Offensichtlich sollten einige bestimmte, prominente Personen gedeckt werden. Ein Mitglied der damaligen SoKo äußerte sich nebenbei ungefähr so: ein gewisser Teil der GEO stammt noch aus Verbindungen der alten Generalität Franco- Diktatur und verfügt heute noch über ungeahnte Macht in Spanien.“
Beide Zuhörer blickten Adrian irritiert an.
Dann registrierten sie seine weitere Erklärung: „Wie bei uns nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland, es die alten NAZI`s gab, oder nach der Vereinigung mit der DDR weiterhin die STASI- Seilschaften jahrelang in politischen Schlüsselpositionen tätig waren. So blieben nach Francos Tod in Spanien noch bis heute, einige dieser alt gedienten Militärs, ihre Söhne, Töchter, oder andere Mitglieder der Familien in führenden politischen Positionen tätig.“
Adrian ihre zweifelnde Blicke.
*
Kapitel 2
Er beharrte fest auf seiner Meinung: „Mein Gott, jeder weiß: der größte Teil der Menschheit ist korrupt, egal welches Land wir meinen. Nicht umsonst werden überall die Institutionen gegen Korruption installiert. Wie gesagt, plötzlich gab es für mich die überraschende Abreise und der Einsatz Valencia war damit abgehakt. Na gut, zum Glück bekam ich sofort den neuen Einsatz auf Bali, wo ich meine Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Klaus, jetzt frage ich dich ernsthaft, was soll der neue Einsatz in Valencia?“
„Das weiß ich nicht genau. Wie gesagt, es gehört zum internationalen Austausch der europäischen Polizeiorganisationen unter dem Schutzschild der Interpol. Aber hör endlich mal genauer zu Adrian. Ich sagte dir vorhin schon, es geht nicht nach Valencia. Das Thema scheint für dich endgültig abgehakt. Nördlich von Valencia sind zwei ähnliche Morde geschehen. Auf einer Länge bis zu neunzig Kilometern, immer rechts und links neben der wichtigsten Hauptverkehrsstraße Spaniens der N 340. Die Guardia Civil sehen darin möglicherweise in Art und Weise einen Zusammenhang zum alten Fall in Valencia. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, dich erneut anzufordern. Tja, und wie ich es aus meiner Sicht sehe, sollst du, bzw. ihr beiden euch, am Dienstag mit einem Señor Manuel Huertas zur Besprechung an einem von ihm angebotenen Punkt in der Nähe von Castellon de la Plana treffen. Zunächst erstmal Undercover von einem Campingplatz aus operieren, wahrscheinlich wegen der Vorkommnisse im letzten Jahr und deiner übereilten Heimreise. Aus Grund einiger rivalisierender Reibereien unter den verschiedenen Polizeiorganisationen vermutet der spanische Kollege einen Maulwurf in eigenen Reihen. So, hier sind eure genauen Instruktionen.“
Klaus Wolffe reichte ihnen die Papiere mit dem Dossier.
Zum Schluss erklärte er, Adrian leicht amüsiert: „Du reist ja gerne in die Sonne und für diesen Fall in Spanien, kommt Myriam mit. Sie ist Profilerin und Analytikerin, hinzukommt, dass sie neben Englisch, perfekt Spanisch und auch Französisch spricht. Na, dann wünsche ich euch eine angenehme Reise.“
Mit verstecktem Grinsen drehte er sich zur Seite.
Er wollte es ihnen nicht offen zeigen.
Komisch, irgendwie ging es plötzlich Ruck- Zuck.
Das Thema war schnell beendet.
Zusammen verließen sie den Besprechungsraum.
Adrian ließ Myriam vor sich hergehen.
Diese günstige Gelegenheit wollte er nutzen, endlich auch den unteren Teil ihres Körpers beurteilen zu können.
Dabei kam Myriam ausgesprochen günstig weg.
Ihre Figur, ihr sportlich geformter Körper überzeugte ihn voll und ganz. Eine gut proportionierte schmale Taille und runde Hüfte. Leider waren die Beine in ihrer Hose versteckt. Aber die Gelegenheit, diese zu bewerten, würde sich irgendwann ergeben.
Vor der Tür verabredeten sie sich für die Abfahrt am nächsten Tag: „Ich hole dich Morgen früh um acht Uhr unten an der Pforte ab. Ich denke, es reicht, wenn du dich auf Kleidung für zwei Wochen einstellst. Wenn nicht, ich habe mich informiert. In Castellon del la Plana es gibt einige hervorragende Geschäfte, wie das >Centro comercial da Salera<06, mit kleinen Boutiquen oder auch das >El Corte Ingles<07, ein riesiges Einkaufszentrum. In denen kannst du eine Auswahl für den Nachschub deiner Garderobe treffen.“
*
Kapitel 3
Freitag, 24. März - 8:10 h
BKA Wiesbaden - Interpol
Abreise nach Spanien
Myriam blickte erstaunt, besser gesagt, geschockt nach draußen.
Mit aufgerissenen Augen starrte sie auf das Campinggespann, das von Adrian gesteuert, direkt vor der Behörde anhielt.
Adrian sprang elastisch aus dem SUV Citroen- Crosser und eilte zur Pforte.
Er begrüßte Myriam flüchtig.
Er nahm ihr das Gepäck aus den Händen und trug es zum Caravan.
Myriam folgte ihm, zunächst zwar noch immer überrascht, aber noch sehr beherrscht.
Bis zur Tür des Caravans riss sie sich zusammen.
Der Anblick des Gespanns hatte sie geschockt. Mit solch einem Untersatz für die Reise hatte sie nicht gerechnet. Schon eher mit dem Flugzeug, allenfalls solo mit dem Auto.
Kaum hatte Adrian ihre Koffer in den Caravan gehoben, da explodierte sie: „Das ist wohl ein schlechter Witz. Habe ich gestern bei dem Meeting nicht aufgepasst oder sogar geschlafen?“
Er schaute sie an und lächelte belustigt: „Offensichtlich nicht genau oder sogar beides. Klaus hat eindeutig vom Undercover- Einsatz und Operation vom Campingplatz ausgeredet. Außerdem war ich schon einmal auf >Torre la Sal 2<, es ist ein toller Platz“, sein Grinsen wurde um eine Grimasse breiter.
„Jetzt hör mir bitte in Ruhe zu. Wir müssen ein Team werden, bleiben trotzdem zwei erwachsene Menschen, die ihre eigene Meinung vertreten können. Egal was wir tun, du kannst jederzeit für dich und ich für mich entscheiden. Es klappt nur, wenn wir auf Dauer gut zusammenarbeiten. Wir müssen uns immer aufeinander verlassen können. Wenn du im Hotel schlafen willst, bitte, dann schläfst du eben im Hotel. Was immer passieren mag, du entscheidest für dich. Oder, hast du etwa Angst, dass ich dich in der Nacht im Caravan vergewaltige?“
*
Kapitel 4
Nach kurzer Pause fuhr er fort: „Einen Vorteil hat diese Art zu reisen in jeden Fall, wir lernen uns auf der Fahrt besser als Partner kennen.“
Sie errötete vor Verlegenheit über ihren Ausbruch.
Plötzlich lenkte sie ein: „Entschuldige bitte, damit hatte ich nicht gerechnet. Für mich ist es eine neue, völlig ungewohnte Situation.“
„Vergiss es, aber ich muss dem Einsatz entsprechend planen. Meine Frage vorab: schläfst du heute Nacht im Caravan oder Hotel?“
„Ich versuche es zunächst mal mit dir im Caravan, wenn du mich aber in Ruhe lassen solltest, muss ich mir echt überlegen, ins Hotel zu wechseln. Einverstanden?“
Myriam scherzte wieder und es freute ihn.
Dadurch lockerte sie die Spannung auf diplomatische Art auf.
Gemeinsam lachten sie und hörten den besagten Stein von ihren Herzen plumpsen.
Anschließend setzten sie die Unterhaltung wesentlich entspannter fort.
„Also, wir müssen ungefähr eintausendsiebenhundert Kilometer fahren und dafür haben wir ganze drei Tage Zeit“, begann Adrian und erklärte ihr von seiner weiteren Planung: „Ich kenne eine landschaftlich sehr schöne Strecke ohne Mautgebühren, die führt uns über Dijon, Clermont- Ferrand, Millau, Béziers. Vorbei an Barcelona, durch die Berge über Vic und Manresa. In Vilafranca del Penedés stoßen wir auf die N 340 Richtung Oropesa del Mar. Nicht, dass du glaubst, ich will unserem Arbeitgeber die Autobahn- Gebühren ersparen, aber diese Route ist interessant, nicht die ganze Strecke nur Autobahn, dafür dauert sie allerdings etwas länger. Übrigens, eine Frage, hast du schon mal ein Gespann gefahren?“
„Bisher noch nicht, aber ich kann es versuchen. Soll ich dich ablösen?“
Adrian blickte sie amüsiert von der Seite an und schlug ihr vorsichtig vor: „O.k., wir werden es auf einem ruhigen Streckenteil versuchen. Der erste Teil heute, geht auf den Campingplatz >la clos aroy< nach Orcet bei Clermont- Ferrand. Das sind achthundert Kilometer und für einen Fahrer allein, als Tagesstrecke mit einem Gespann etwas viel. Deshalb wäre ich für einen Wechsel sehr dankbar.“
Myriam fühlte in sich eine zufriedene Bestätigung.
Der nimmt mich ernst, das gefällt mir! Es tut mir gut, Adrian braucht mich, dachte sie.
Er fuhr mit seiner Erklärung fort: „Dafür haben wir am zweiten Tag bis Vilanova y la Geltru, sechshundert und am dritten Tag nur dreihundert Kilometer. Bis wir auf dem Campingplatz >Torre la Sal< eingecheckt haben, der Caravan richtig ausgerichtet und feststeht, ist schon Nachmittag. Danach können wir duschen, irgendwo eine Kleinigkeit essen. Entweder hast du dich bis dahin endgültig für den Caravan oder ein Hotel entschieden, und ich bringe dich hin. Das ist kein Problem. Oder wir gönnen uns am Abend ein Gläschen Vino tinto, gemütlich am Caravan.“
*
Kapitel 5
Innerhalb der nächsten zwanzig Minuten verhielten sie sich still.
Währenddessen ging jeder den eigenen Gedanken nach.
Das Radio spulte leise deine Schnulze herunter.
„Darf ich das Gedudel abschalten?“ fragte Myriam, drückte es im gleichen Augenblick aus, ohne seine Entscheidung abzuwarten.
Plötzlich fragte sie unvermittelt: „Sag mal, was sagt eigentlich deine Frau zu solchen Einsätzen?“
Adrian schaute sie überrascht an: „Ist das vielleicht die spezielle Art einer Profilerin, jemanden von hinten herum so auszufragen? Ich schlage vor, wir sprechen uns immer sofort klar aus, ohne solche hinterhältigen Umwege. Bist du einverstanden?“
„Entschuldige bitte. Du hast Recht. Von jetzt an soll es keine Geheimnisse zwischen uns geben. Also, noch mal, du bist verheiratet, du hast Kinde und wie kommt deine Familie mit unserem ehezerstörenden Job klar?“
Er benötigte eine kurze Bedenkzeit.
Trotzdem, ihre Offenheit gefiel ihm.
Adrian begann über sein bisher gestörtes Privatleben zu reden: „Zu beiden Fragen ein klares Nein. Meine erste und einzige Ehe hielt drei Jahre, vier Monate, zwei Tage und einige Minuten. Kind Fehlanzeige. Nach genau dieser Zeit konnte meine Frau die Ängste und permanenten Überstunden nicht länger ertragen. Es kam noch die Ungewissheit dazu, kommt er heute wohl heile nach Hause oder bekam er irgendwo eine Patrone verpasst? Wir sind heute noch befreundet, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Danach gab es einige LAG´s, kürzere Kontakte die aber in letzter Zeit nur zu Onenight- Stands reichten. Mir wurde es langsam zu anstrengend, da mir die Zeit und Energie zu ständiger Suche fehlte. Bis vor zwei Jahren hatte ich mit der Mutter von Marion eine letzte, längere Lebens- Abschnitts- Gefährtin. Wir lebten ein paar Jahre glücklich, wie eine intakte Familie. Aber, was soll ich dir noch dazu erklären.“
Myriam redete für ihn: „Aber, auch diese Beziehung wurde durch unseren Beruf zerstört?“
Er lächelte, sie hatte seine Begründung getroffen.
