Schneegänse - Karl Heinz Volkmann - E-Book

Schneegänse E-Book

Karl Heinz Volkmann

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Beschreibung

Nach dem kurzen, aber erfolgreichen Einsatz in Castellon de la Plana in Spanien, bekamen Adrian Metz und Myriam Bruhn einen wichtigen Auftrag in Frankreich. An den Stränden der Cote de Azur, im Umfeld der Stadt Antibes Juan-les-Pins wurden in einem Umkreis von 50 km und innerhalb der letzten zwei Jahre, Leichen und Reste von verstümmelten, jungen Frauen angespült. Vor wenigen Wochen schien die junge Commissaire divisionnaire de police von der Polizeistation in Antibes, Nicole Denise Bastian-Bach überfordert zu sein. Endlich führt ein erster Verdacht zu einer Quelle ins Darknet. Um in der Sache Fortschritt in zu erzielen, bat sie die Interpolzentrale in Lyon um schnelle Hilfe. Deshalb werden Myriam und Adrian, die sich schon auf halben Rückweg zum BKA Wiesbaden befanden, von ihrem Chef Klaus Wolffe von Millot direkt nach Antibes umgeleitet. Können sie wohl in ihrer gewohnt, akribischen Arbeit, die Drahtzieher dieser mysteriösen Morde mit der neu gebildeten SoKo Schneegänse aufspüren und den Fall klären?

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Seitenzahl: 301

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Karl- H. Volkmann

Schneegänse

Ein Adrian Metz Krimi

Band 3

* * *

NEU

visuell begleitet mit

Google Earth – Street View

Hinweis für die visuelle Nutzung von

Google Earth mit Street View

am Schluss des Buches.

* * *

1. Auflage Juli 2019

Impressum

Texte: © Copyright by Karl- H. Volkmann

Umschlag: © Copyright by Karl- H. Volkmann

überarbeitet im März 2024

* * *

Karl- H. Volkmann

1942 in Dortmund geboren, lebt heute in Lünen. 1992 bis 1996, auf Montage in Dresden und Leipzig, nutzte er freie Zeit um Romane zu schreiben. Auf das Manuskript >Nach Krieg und Wende<, reagierte kein Verlag darauf. 1996 sein Versuch mit >Mallorca Tribunal<, scheitert ebenso. Später klärte ihn ein Lektor auf: „Wir bekommen Jährlich bis 2000 Manuskripte von unbekannten Autoren, auf die wir nicht reagieren können. Werbe-Kosten für Noname- Autoren sind zu hoch. Lieber kaufen wir für ein paar Millionen einen bekannten Autor. Da wissen wir, dass wir damit Geld verdienen können.” Auf Grund der Erklärung stellte er seine Bemühungen ein. 2015 lernte er >Self-publishing<, und veröffentlichte sofort die beiden Romane. 2016 stoppten ihn zwei Schlaganfälle. 2017, in der Reha, schrieb er wieder. Inzwischen erschienen vier Bände der Adrian Metz Kriminalroman Reihe, und drei Tatsachenberichte. In den Erzählungen verbindet er Erlebnisse des Hobbys: Reisen, mit fiktiver Handlung.

* * *

Die Handlung ist frei erfunden, und mögliche Ähnlichkeiten mit existierenden Personen sind nicht beabsichtigt und rein zufällig. Um der Handlung einen realen Bezug zu geben, wurden alle Orte und verschiedene Vorgänge mit realen Namen belegt. Seine Erfahrungen über Frankreich, erlebte der Autor durch häufige Reisen, und einer großen entwickelten Affinität zu dem schönen Land. Ereignisse der Handlung, sowie mögliche Beschreibungen zeit- oder geschichtlicher Art, sind teilweise durch Hörensagen oder Internetartikel begründet. Hiermit bedankt er sich bei dem jeweiligen Verfasser. Ein auszugsweiser Nachdruck bedarf einer Genehmigung des Autors.

* * *

Zum Buch

Nach ihrem kurzen, erfolgreichen Einsatz in Castellon de la Plana in Spanien, bekamen Adrian Metz und Myriam Bruhn einen wichtigen Auftrag in Frankreich. An Stränden der Cote de Azur, im Umfeld der Stadt Antibes Juan-les-Pins wurden in den letzten zwei Jahren, im Umkreis von 50 km, mehrere Leichen und Reste verstümmelter, junger Frauen angespült. Vor wenigen Wochen schien die junge Commissaire divisionnaire de police von Antibes, Nicole Denise Bastian-Bach überfordert zu sein. Endlich führte ein erster Verdacht zu der Quelle ins Darknet. Um in der Sache Fortschritt in zu erzielen, bat sie die Interpolzentrale in Lyon um Hilfe. Adrian und Myriam, die sich auf halben Rückweg zum BKA Wiesbaden befanden, wurden deshalb von ihrem Chef Klaus Wolffe von Millau nach Antibes umgeleitet. Können sie in gewohnt, akribischer Arbeit, die Drahtzieher dieser mysteriösen Morde mit der SoKoSchneegänse aufspüren? Den Fall restlos aufklären?

* * *

Prolog

Vor 5 Tagen

Dienstag 4.April

Schon zwei Tagen waren vergangen, seitdem die beiden BKA Kommissare Myriam Bruhn und Adrian Metz von Castellon de la Plana in Spanien, nach der erfolgreichen Klärung des letzten Falles abgefahren waren, und sich noch ein paar Tage in Millau, auf dem Campingplatz Les deux Riverès 01 aufhielten.

Am Ufer des wildromantischen Tarnflusses, gegenüber der Stadt, wollten sie einige Tage entspannen, bis sie einen neuen Auftrag übernehmen würden.

Den Einsatz in Spanien konnten sie schon nach acht Tagen abschließen. Der spanische Kollege, mitdem sie zusammengearbeitet haben Manolo Huertas, verabschiedete sich mit einem gut gemeinten Ratschlag von ihnen: „Gönnt euch ein paar Tage Ruhe“, und mit Augenzwinkern meinte er, „gute Entspannung, euer nächster Einsatz kommt auf jeden Fall.“

* * *

Kapitel 1

Montag 10.April

Antibes Juan-les-Pins

Central Police Station

Eine lange Irrfahrt durch die Straßen der historischen Altstadt von Antibes Juan-Les-Pins ging endlich seinem Ende zu.

„So ein Mist, auf der Hinfahrt zu unserem Einsatz nach Spanien bemerkte ich schon, dass ich es versäumt hatte ein Update des Navis durchzuführen“, meinte Adrian, Myriam erkundigte sich jetzt bei ihm: „Wieso, wie kommst du darauf?“

„Hast du es nicht bemerkt? An verschiedenen Stellen der Strecke führte uns das Navi rund achtzig Meter neben der Straße über Felder und durch Flüsse. Das ist jetzt die vierte oder fünfte Straße, die wahrscheinlich schon neu, oder als Einbahnstraße von dieser Seite gesperrt ist. Jedes Mal jagte uns das Navi in eine andere Richtung. Jetzt wird es noch etwas knapp mit unserer Ankunftszeit.“

Miriam grinste, der sonst fehlerfreie Adrian hatte endlich auch einmal einen Bock geschossen. Sie amüsierte sich nicht über ihn aus Schadenfreude, sondern aufgrund des Spaßes, weil sie ihn gerne häufig neckte.

Obwohl die Naiv-Angaben nicht präzise waren, im Gegenteil sogar ungenau, standen sie nach langer Zeit intensiven Suchens endlich vor ihrem Ziel, dem Gebäude der Central Police Station Commissioner 42, in der Avenue des Fréres Olivier 5.

Leider waren es jetzt schon über fünfzehn Minuten nach der vereinbarten Zeit.

Adrian stellte den C4 Crosser auf einem der sechs freien Parkplätze ab. Als sie ausstiegen und Adrian das Auto abschließen wollte, stürmte im gleichen Moment ein Polizist mit einer Kalaschnikow auf sie zu.

„Das Kennzeichen hat ihm wohl verraten, dass es sich um ein deutsches Auto handelte. Offenbar ein ärgerlicher Tourist, der dort frech und unerlaubt parken will“, zischte Myriam ihm zu.

Bedrohlich hob der Flic seine Knarre an, und deutete mit ihr auf das riesige Schild an der Wand.

Parking interdit!

Seulement, pour les véhicules de police!

Myriam übersetzte Adrian erst den Hinweis, (Parken verboten!nur für Polizeifahrzeuge!) las sie zur Erklärung Adrians vor. Dann versuchte sie, dem Beamten den Grund, jetzt dort parken zu wollen, freundlich zu erklären und begann mit ihrem gewinnenden Lächeln, mit dem sie bei vielen Männern sonst erfolgreich war:„Désolé, Madame Bastian-Bach, nous avons rendez-vous avec elle. Peut-on se garer ici maintenant?"(Endschuldigung. Wir haben einen Termin mit Madame Bastian- Bach, dürfen wir hier parken?)

Trotz des zauberhaften und gewinnenden Lächelns wirkte der Flic nicht sehr erfreut, eher sogar leicht verärgert. Nun musste er einen der wertvollen, grundsätzlich freizuhaltenden Parkplätze vor seiner Polizeistation, auch einem „Boche“ (abwertende Bezeichnung für die Deutschen im Allgemeinen) überlassen.

Widerwillig nickte er, und musste sich geschlagen geben. Nachdem Adrian den Wagen abgeschlossen hatte, gab er ein Zeichen und ließ sie ihm folgen, dann ging voraus zum Eingang der Polizeistation.

Vor ihnen öffnete sich eine dunkel getönte Automatiktür, dahinter saß auf einem etwas erhöhten Stuhl, ein Polizist, der ebenfalls mit einer Kalaschnikow ausgerüstet war, die er sich quer über seine Schenkel, mit der Waffe im Anschlag gelegt hatte. Auf dem ersten Blick erreichten sie, durch gleiche Barbes à lèvres(Lippenbärte) das identische Aussehen eineiiger Zwillinge.

Hinter ihnen überwachte ein weiterer Flic einen von acht Monitoren, die sich automatisch, wechselweise umschalteten.

Durch häufige Störfälle in den letzten Jahren, die Überfälle auf Polizeistationen, und andere wichtige Behörden in Frankreich, waren sie überall zum Schutz und Sicherheit der Polizei installiert. Mit festgelegten und in regelmäßigem Rhythmus kontrollierten die Kameras alle Richtungen, von oben nach unten, und viele Winkel am Haus von rechts nach links.

Niemand wundert sich darüber, dass nach den vielen terroristischen Anschlägen der letzten Jahre in Frankreich, sämtliche Police Stationen entsprechend bewacht werden. Vor allem nach den Anschlägen in Paris- dem Attentat auf das Satiremagazin Charlie Hebdo; - einem Mord im Pariser Vorort Villejuif; - auf das Industriegaswerk in Saint-Quentin-Fallavier;- im Thalys-Schnellzug auf der TGE Schnellstrecke Brüssel-Paris; - dem Inferno in der Konzerthalle Bataclan mit über 130 Toten;- nach einer Großrazzia in Saint-Denis erstach ein Mann im westlichen Umland, in Magnanville einen Polizisten;- in Nizza fährt nach dem großen Feuerwerk an Frankreichs Nationalfeiertag ein Lastwagen in feiernde Menschen; - im Umland unweit von Paris wird ein Polizist erstochen;- der Ermordung eines Priesters in der Normandie, zwei Männer überfallen die katholische Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray;- ein Soldat stoppt einen irren Messerangreifer vor dem Eingang des Pariser Louvre; - ein 26-jähriger Islamist überfällt in Carcassonne ein Auto und tötet den Beifahrer; - zwei Bomben explodieren neben dem Stade de France, in Saint-Denis, dem nördlichen Stadtteil von Paris; - ein Anschlag wird auf den Straßburger Weihnachtsmarkt verübt, dabei entkommt ein verurteilter 29-jähriger Gefährder seiner geplanten Verhaftung und tötet in Straßburg drei Personen. Hinzukommen die teilweise äußerst brutalen Übergriffe der Gelbwesten in ouest jaune, die in den letzten Monaten, Frankreich fast in eine Anarchie versetzten. Wie sonst auch in den anderen europäischen Ländern, traf eine gesteigerte Vorsicht nach terroristischen Anschlägen in Frankreich auf sämtlichen Behörden überall auf viel Verständnis.

Nach der kleinlichen, gewissenhaften Überprüfung ihrer Ausweise, und erst nach telefonischer Rücksprache mit der Commissaire divisionnaire de police (Kommissarin), ließ sie ein elektronischer Scanner in einen weiteren Raum. Dort wurden sie noch genau auf mögliche Waffen überprüft.

Erst danach durften sie in einem Empfangsraum, hinter den Kontrolleinrichtungen auf einer harten Holzbank Platz nehmen und weitere Minuten warten.

* * *

Kapitel 2

Endlich erschien eine junge, attraktive Adjoint de sécurité. Adrian betrachtete lange Zeit ihren Körper sehr genau und verglich sie im Stillen mit Myriam. Nach Beendigung des Vergleichs kam er zu dem Ergebnis, dass sie gegenüber Myriam nur einen kleinen Vorteilbesaß, dass sie jünger war. Trotz der Mitte vierziger, warMiriams Körper an allen erforderlichen Stellen wesentlich besser gebaut, und wo Myriam die nötigen Formen brauchte, besaß sie diese. Darüber hinaus ließ sie ihr interessanter Kurzhaarschnitt wesentlich jünger als Vierzig erscheinen.

Zudem hatte Adrian sich in der kurzen Zeit während ihrer Zusammenarbeit auch in sie verliebt.

Adrian beendete den Vergleich zwischen beiden Frauen, als die Beamtin ihnen zur Wahl anbot: „Voulez-vous prendre les escaliers ou l'ascenseur jusqu'au premier étage?” (Möchten Sie die Treppe oder den Aufzug zum ersten Stock nehmen?)

Myriam entschied sich für die Treppe und die Polizistin führte sie hinauf in die erste Etage. Zuerst folgten sie ihr durch einen durchaus respektablen Besprechungsraum, der mindestens für zwanzig, Notfalls noch mehreren Personen Platz bot. Danach ging es zu dem dahinter befindlichen bureau. Die Beamtin klopfte drei Mal an die Tür, und nach einem energischen entrertraten sie ein. Sie zeigte mit dem Arm auf den mächtigen Schreibtisch, der die junge Frau dahinter fast verschluckte, doch unsichtbar erscheinen ließ. Endlich stellte sie ihnen moi patron,ihre Chefin Madame Bastian-Bach vor. Sie blieb abwartend an der offenen Tür stehen. „Bonjour, mesdames et messieurs, je suis NicoleDenise Bastian-Bach, veuillez-vous asseoir là-bas?“ (Hallo, meine Dame und mein Herr, mein Name ist Nicole Denise Bastian-Bach, nehmen Sie bitte dort drüben Platz), sie deutete auf zwei wesentlich bequemere Sessel, als die harten Bänke unten im Kontrollraum. Anschließend fragte sie beide, und blickte sie dabei mit Intéresse an: „Café noir ou au lait? “ (Kaffe schwarz oder mit Milch?) Myriam antwortete:„Avec du lait et du Sucre, s'il vous plaît“ (mit Milch und Zucker bitte).

Die femme policier verließ sofort ihren Platz an der Tür um den georderten Kaffee zu besorgen.

Adrian war vom Anblick der Madame Bastian-Bach zuerst ein wenig überrascht und fragte sie: „Wie kann eine Frau diese verantwortungsvolle Position einer Polizeichefin innehaben?“

Dann berauschte er sich an ihrer außergewöhnlichen Schönheit und überlegte für den Moment krampfhaft: Woher kenne ich sie? Sie kommt mir bekannt vor, Irgendwo habe ich sie schon gesehen. Bekomme ich gerade ein déjà vu,ich habe sie (schon gesehen/ eine angenehme Erinnerung).

Der dampfende Kaffee wurde auf einem Tablett hereingetragen, sofort serviert, und lenkte Adrian von seinen Überlegungen ab. Die femme policier verschloss lautlos die Tür und verließ diskret den Raum.

Schwerfällig erhob sich die Blondine plötzlich aus ihrem Sessel, trat mit schlurfenden Schritten, und zunächst noch mit misstrauischem Blick auf ihre deutschen Kollegen zu. Myriam schätzte sie jetzt auf knappe dreißig, allerhöchstens Mitte dreißig Jahre.

Dann hellte sich ihre Mine etwas auf und Madame Bastian-Bachbegrüßte ihre Gäste mit schelmischen Ausdruck, und grinste Adrian listig an: „Haben Sie ein Problem mit mir? “fragte sie in bestem Deutsch, zum Glück aber mit einem „avec un errlisch fransösischen accent“, den die deutschen Freunde mit frankophiler Neigung sehr gerne hörten und genossen.

Sie taxierte Adrian, der sie immer noch erstaunt und fragend anstarrte und danach auch Myriam.

„Herzlich Willkommen in Antibes“, überspielte sie seine Verblüffung: „Sie wollen uns also bei unserem aktuellen Problem helfen?“

Myriam und Adrian waren überrascht.

Bisher wussten sie noch nicht, dass Madame Bastian-Bach ein perfektes Deutsch sprach.

Woher denn auch? Klaus Wolffe hatte es ihnen gegenüber zu keinem Zeitpunkt erwähnt, vielleicht wusste er es selber nicht. Für Myriam wäre es kein Problem, sie sprach ein sehr gutes Französisch, aber Adrian war dadurch irgendwie doch ein wenig erleichtert. Außer:Bonjour, je veux deux croissants et un café au lait, je veux douze escargots ou cuisses de grenouilles, tu veux dormir avec moi ce soir et au revoir,auf Deutsch übersetzt heißt es: Guten Morgen, ich möchte zwei Hörnchen und einen Kaffee mit Milch; oder ich möchte zwölf Schnecken oder Froschschenkel; möchten Sie mit mir heute Nacht schlafen. Auf Wiedersehen!

Möglicherweise sprach er noch einige Worte mehr.

Aber damit war sein Wortschatz wohl endgültig, und bis zum letzten Deut voll kommen ausgereizt.

* * *

Kapitel 3

Die verbindliche Art, sofort Deutsch mit ihnen zu sprechen, glich einer fairen Geste von Madame Bastian-Bach. Damit kamen sie sich augenblicklich in Windeseilen einen gewaltigen Schritt näher.

Madame Bastian-Bach begann mit einem Angebot: „Ich möchte, damit wir uns sofort besser kennenlernen, sollten wir uns von Beginn gleich an duzen. Also, ich heiße Nicole Denise, mein Mann, den ihr auch gleich kennen lernen werdet, kürzt leider alle Namen ab. Rechnet damit, dass er mit euch keine Ausnahme macht. Mich nennt er nur Nico, daran habe ich mich inzwischen gewöhnt. Also, zuerst werde ich erst etwas über mich erzählen, danach seid ihr dran. Einverstanden? Habt ihr sonst noch eine Frage?“

Sie blickten sich gegenseitig etwas unschlüssig an, bis Myriam sich vorsichtig traute, Nico zu fragen: „Eigentlich schon, mich wundert, dass du in deinem Alter auf so einem wichtigen Posten sitzt. Normalerweise sind solche Positionen durch halbe Greise bis kurz vor ihrer Pension blockiert. Wieso aber du, ich schätze dich gerade auf knapp dreißig.“

Nicos Antwort kam umgehend, und sie wurde ausführlich lang, wie auch der größte Teil ihrer späteren Erklärungen: „Da ich wirklich glaube, ein Sonntagskind zu sein, hatte ich deshalb in meinem bisherigen kurzen Leben meist viel Glück.“

Dabei sah sie für einen kurzen Moment, leider ein wenig bedrückt aus, als wolle sie sich überlegen, ob sie überhaupt weiter über sich reden sollte.

Dann begann sie, aber schon ein wenig verhaltener: „Also, Myriam, du hast dich um zwei Jahre verschätzt, ich bin achtundzwanzig. Bis gut vor drei Jahren war ich noch Assisstentin des jetzigen de la police nationale, meines alten Vorgesetzten hier in der Police Station. Er wurde zum Directeurde Departement, obersten Chef des Departments Alpes-Maritimes an der Côte d’Azur befördert. Durch seine Protektion stieg ich vom Major de police in sein Amt nach. Es gab zwar mehrere Kollegen, die vor mir dran gewesen wären, und auch einige Neider, zwei von ihnen ließen sich sogar zu anderen Stationen versetzen. Aber, wie du schon sagtest, meine Beförderung war nicht so ganz normal, und sogar etwas ungewöhnlich. Mein Chef wollte aber unbedingt mich haben. Obwohl ich ihn kurz vorher, wenige Monate vor dem Beginn über meine schwere Erkankung in Kenntnis setzen musste.“

Nico unterbrach sich, da sie Myriams fragenden Blick aufgefangen hatte, die sich anschließend erkundigte: „Entschuldige, wenn ich dich danach frage. Hattest du einen Unfall? Oder darf ich überhaupt fragen, was dich behindert? Wir konnten soeben feststellen, dass du sehr starke Beschwerden beim Aufstehen, und auch mit dem Laufen hast.“

Nico lächelte leicht, beantwortete Myriams Frage nun aber ein wenig zurückhaltender, jedoch mit einem makabren Humor: „D´accord! Zwar hetzten einige der Kollegen gegen mich, und ich bekam wegen meiner dicken Beine, von Anfang an gleich einen tollen Spitznamen. In Anlehnung an die großen Ohren des kleinen Elefanten Dumbo aus einem Disney Film, hieß ich bei ihnen, zuerst immer nur hinter einer vorgehaltenen Hand, Clumbo. Nach einer gewissen Zeit legte es sich aber. Ich hatte es immer schon nach kürzester Zeit heraus, wie auch Alles andere, was im Amt geschieht. Was ich wissen will, und unbedingt erfahren muss, weiß ich schon nach kürzester Zeit! Das hat für mich immer die absolute Bedeutung. “

Was zuerst nur wie ein skurriler Witz zu ihnen herüberkommen sollte, beschäftigte sie doch offensichtlich sehr hart.

Plötzlich gab sie sich einen Ruck:„Wie ihr an dem graziösen Schweben einer kleinen Elfe bemerken konntet, leide ich seit einer gewissen Zeit im Anfangsstadium an der Krankheit Elephantiasis.“

Nach der ernsten, längeren Pause plauderte sie wie ein Wasserfall endlos über ihre Erkrankung weiter: „Elephantiasis ist eine erhebliche Störung in unserem Lymphgefäßsystem, das ähnlich wie beim Blutkreislauf in unserem Körper funktioniert, leider weitaus unbekannter. Unser Körper wird wie ein Netz von den Lymphen durchzogen, die damit viele wichtige Funktionen erfüllen. Täglich entsorgen sie bis zu vier Litern Lymphe aus dem Gewebe. Die gefährliche Krankheit der Elephantiasis ist leider schleichend. Kommt es erst zu einer Erkrankung des Systems, dann ist ein Abtransport der angestauten Lymphflüssigkeit nicht mehr gewährleistet. Die Lymphe sammelt sich und kann so zu enormen Schwellungen der betroffenen Körperregionen kommen. Bei mir sind die unteren Extremitäten betroffen, vor allem meine Beine. Die Elephantiasis ist die absolut schlimmste Form eines Lymphödems. Also eigentlich der eines Wasserergusses. So müsst ihr das verstehen!“

„Wie äußert sie sich, oder wie bekommt man sie?“ fragte Adrian jetzt etwas interessierter: „Die Krankheit kann als eine Spätfolge durch verschiedene Infektionen ausgelöst werden. Durch mehrere gefährliche Fadenwürmer,zum Beispiel die: Brugia malayi, Wuchereria malayi oder Filaria malayi, oder Wuchereria bancrofti. Selten jedoch durch Lepra. Bei mir weiß man es bisher noch nicht genau, was es eigentlich ist. Möglicherweise gelangten die Würmer durch Stich einer Stechmücke in mein lymphatisches System. Durch die schleichende Entzündungsreaktion wurde ein starker chronischer Lymphstau verursacht. Die schreckliche Folge davon ist, mit der Zeit kommt es zu Vergrößerungen und Verhärtung der Haut.“

„Gibt es diese gefährlichen Mücken denn hier in Europa?“ fragte Myriam dazwischen, „und, behindert sie dich sonst nicht? Ich meine, kannst du damit problemlos arbeiten?“

Sie bekam umgehend die Antwort, „Zum meinem großen Glück haben wir hier in Antibes Les-Pins eine Spezialklinik mit erstklassigen Ärzten. Jeden Fall sind die Therapeuten hervorragend. Die Behandlung ist für mich einsame Spitze. Zu meiner Linderung bekomme ich jede Woche drei Lymphdränagen.“

Nico überlegte einen Moment und berichtete weiter: „Also, ich informierte meinen Chef vorher rechtzeitig, dass ich möglicherweise durch eine Verschlimmerung meiner Krankheit ausfallen könnte. Er reagierte darauf fantastisch, wie ich es eigentlich nicht von ihm erwarten durfte. Seine Antwort machte mir deshalb viel Mut. Mon petit ange, so nannte er mich zeitweise, höre zu, mein kleiner Engel. Ich will mit dir nicht für den Marathonlauf bei den nächsten Olympischen Spiele trainieren, sondern ich benötige hier deinen fähigen Kopf, und klaren Verstand. Egal was mit dir passiert, du wirst meine Nachfolgerin, und wir lassen es einfach darauf ankommen. Damit war das Thema für ihn, und auch für mich zunächst für diesen Fall, und danach, für alle Tage, bis heute erledigt“

Ihre Atempause wurde plötzlich etwas kurzatmig, Nico sprang vom Stuhl hoch: „Entschuldigt mich bitte nur eine Minute, die heutige Drainage wirkt jetzt. Spätestens nach ein bis zwei Stunden treiben die Lymphen das Wasser aus dem Körper, es muss raus.“

Sie lief in einem watschelnden Gang schnell auf die kleine WC Tür an der seitlichen Wand zu und verschwand dahinter.

Myriam war durch Nico´s Schicksal sichtlich betroffen, und von der Entscheidung ihres Chefs tief beeindruckt, bei uns wäre so eine Situation kaum denkbar, da gäbe es zu viele unfähige Machos, die den Anspruch durchklagen würden, dachte sie und musste tief schlucken.

* * *

Kapitel 4

Trotz allen Ernstes an der Sache konnte Myriam es nicht lassen, Adrian mal wieder richtig zu necken: „Ich weiß, mein Liebster, manchmal bist du wirklich ein wenig zu spät dran. Jetzt denkst du schon längere Zeit nach, überlegst und grübelst hin und her, und weißt immer noch nicht, woher du sie kennst, stimmst?“

Er reagierte leicht eingeschnappt: „Du weißt es natürlich besser, dann sag es mir.“

„O.k. ich helfe dir, bevor ich dich dumm sterben lassen muss. Du denkst möglicherweise an eine, ältere Schwester von Nico. Im französischen Film Und ewig lockt das Weib spielte sie die Hauptrolle, und verführte dabei unseren normannischen Kleiderschrank Kurt Jürgens. Später war sie ein paar Jahre mit dem deutschen Playboy Gunther Sachs verheiratet. Heute lebt sie in Saint Tropez, und ist im internationalen Tierschutz aktiv tätig. Na, hilft es dir etwas weiter?“

„Das hättest du mir auch einfacher erklären können. Nicht so herablassend und großkotzig. Jetzt aber wirklich, stimme mir bitte ausnahmsweise einmal zu, sie hat doch wirklich eine verblüffende Ähnlichkeit mit Brigitte Bardot“, brachte er gerade noch zu Ende.

Als Nico die Tür öffnete, bekam sie die letzten Worte Adrians gerade noch mit, und sie bedankte sich bei ihm: „Vielen Dank für dein süßes Kompliment Adrian, aber ich habe nichts Familiäres mit Brischitt zu tun“. Sie sprach Brischitt dabei so süß, in dem dunklen Timbre aus, und brachte Adrian damit noch tief in eine arge Verlegenheit.

Die beiden Frauen amüsierten sich sehr über ihn.

„Das ist für mich auch so ein wichtiges Privileg, meine eigene Toilette. Wenn ich schnell muss, darf der Weg nicht weit, und sie muss immer frei sein“, erklärte sie.

„Und, wie geht es dir jetzt? Entschuldige bitte meine dumme Frage. Ich fragte jetzt damit natürlich nicht nach deiner augenblicklichen Erleichterung, sondern nach der Krankheit im Allgemeinen. Wenn sie keine genetische Ursache bei dir hat, wie hast du sie dir tatsächlich zugezogen?“

„Vermutlich vor sechs Jahren, auf einer Reise in den Senegal. Ich bekam die Reise als Belohnung von meinen Eltern für mein mit Sehr Gut bestandenes Examen für den oberen Dienst der Polizei geschenkt. Manchmal frage ich mich noch heute: was wäre wohl passiert, wenn ich die Prüfung besser nicht mit gut abgeschlossen hätte? Nur auf dieser Reise konnte ich mich infizieret haben. Die Ärzte wissen leider noch nicht, um welche Art Wurm es sich handelt, aber sie haben sofort, und sehr gut darauf reagiert. Bei meinen jetzigen Behandlungen spricht man im Moment noch von einer Kuration. Eine mögliche Verschlechterung soll verhindert werden und durch die spezielle Therapie auch gleichzeitig auf eine vollständige Wiederherstellung der Gesundheit abzielen. Leider können auch noch so viele dieser Medikamente den entstandenen Schaden nicht rückgängig machen, aber sie bewirken wenigstens, dass die Krankheit sich nicht weiter verschlimmern wird.“

„Wie und wann hast du sie überhaupt bemerkt?“ Nico nahm nun umgehend den roten Faden des unterbrochenen Gesprächs wieder auf „Andere Frauen kommen von solchen Reisen mit viel schlimmeren Problemen im Gepäck zurück. Sie haben sich dort entweder mit HIV infiziert, oder sie sind von einem Einheimischen schwanger geworden. Anfangs bestand bei mir so ein ähnlicher Verdacht. Nach ungefähr vier Monaten nahm ich gewaltig zu, nach drei weiteren, wog ich schon fünfunddreißig Kilo mehr als zuvor.

Mein Arzt vermutete zuerst, ich sei schwanger. Bis er sich die unförmig veränderten Beine näher angesehen hatte. Die Schenkel besaßen da schon einen drei- bis vierfachen Umfang gegenüber dem früheren halben Jahr. So ging es leider weiter. Aber, wie gesagt, wir haben hier in Antibes Les-Pinseine hervorragende Spezialklinik für Phlebologie-Erkrankungen mit Spitzenärzten für Venen und Lymphen. Die drei Lymphdränagen,bekomme ich montags um acht, mittwochs achtzehn, und freitags immer um achtzehn Uhr. Wegen des vorberechneten Zeitabstandes muss ich diese Termine sehr genau einhalten und deshalb bemühe mich auch sehr gewissenhaft darum.“

Nun entstand eine längere Pause, bis sich Nico selbst fragte: „Ich wunderte mich, wieso ich euch alles über mich so haarklein erzähle. Vielleicht hat es mit Sympathie zu euch zu tun. Aber, um meiner Neugier nach zu kommen, jetzt wisst ihr fast alles über mich und ihr seid dran.“

Myriam nickte Adrian aufmunternd zu, er solle mit sich beginnen, schließlich war er der Dienstälteste.

„Und er begann mit seiner beruflichen Laufbahn.

Ich bin schon seit mehreren Jahren beim BKA Wiesbaden, am 23. März kam Myriam dazu.“

Adrian erzählte Nico die wichtigsten Fakten und Daten ihrer beider Karieren.

Beim Einsatz in Spanien unterbrach ihn Nico: „Den brauchst du nicht erwähnen, ich weiß Bescheid.

Euer Chef und der spanische Kollege aus Castellon de la Plana haben mir ausreichend Auskunft erteilt.“

Adrian reagierte erstaunt: „Uns hatte man bis vor vier Tagen noch nichts gesagt.“

Nico lächelte: „Ihr wisst ja wie das bei Interpol geht. Du musst dein Problem anmelden, und jedes Detail genau erklären. Dann wird es geprüft, und noch einmal geprüft, wer wohl für den Fall in Frage kommen könnte. Danach bekam ich euch avisiert, aber zu dem Zeitpunkt war euer Einsatz in Spanien noch voll im Gange. Wir wussten nicht, wie lange euer Einsatz dauern würde. Euer Chef gab mir die Telefonnummer von Manuel Huertas. Der bestätigte mir, dass ihr jetzt frei, und schon auf der Fahrt nach Wiesbaden unterwegs währet. So kamen wir zusammen. Aber mich interessiert noch, wie lange ihr euch schon kennt?“

Dabei schaute sie Myriam zuerst interessiert länger an, und danach auch Adrian. Anschließend fragte sie: „Ich meine. Ihr wirkt beide frisch verliebt, na sag es, wie lange schon?“

Myriam fühlte sich von Nico direkt überfahren, ihr Teint veränderte sich leicht, sie errötete und gestand: „Es sind jetzt erst zwei Wochen, ich konnte ihm einfach nicht widerstehen“, dabei lächelte sie Adrian liebevoll an, „er besitzt einen humorvollen Charme.“

Nico unterbrach sie erneut und bekannte: „Ich habe es an den glänzenden Augen erkannt. Entschuldige, glaubst du, es wird etwas für eine längere Zeit?“

Sie erwartete eigentlich Myriams Antwort, stattdessen antwortete ihr Adrian: „Ich hoffe es schon, wir haben bisher in unseren Beziehungen schon lange genug negative Erfahrungen gesammelt. Vielleicht wird es jetzt besser, und geht dieses Mal gut aus.“

Für einen längeren Zeitraum betrachtete Nico nun Myriams attraktiven, voll durchtrainierten Körper, und bemerkte auch ihre besondere erotische Ausstrahlung, dann meinte sie: „Ich gönne es euch jedenfalls von ganzem Herzen. Aber wer weiß vorher schon, wie es weitergeht, die Gefahr einer Verführung lauert hinter jeder Ecke und auch überall. Aber einmal kurz zu eurer beruflichen Laufbahn zurück.“

Adrian erklärte ihr: „Bei mir war es eine ganz normale Karriere, mittlere Laufbahn zum Kommissar, dann LKA Düsseldorf, und das BKA Wiesbaden. Abteilung organisierte Kriminalität mit Schwerpunkt Menschenhandel. Ich wurde mehrere Male über Interpol zu Auslandeinsätzen, meistens in Europa und zu einem auf Bali abgestellt. Jetzt bist du dran, Myriam.“

„D´accord! Ich wollte es nur wissen. Leider müssen wir unser Gespräch jetzt und hier beenden. Es ist gleich zwölf, wir machen später weiter. Ich habe für immer und alle Bereiche festgelegt, dass sämtliche anwesenden Mitarbeiter vor der Mittagspause zu mir, zur Besprechung kommen. Jeder Fall wird angesprochen, und wenn es erforderlich wird, neue Order und Einsätze dazu ausgegeben. Zudem kann jeder Mitarbeiter zu allen Zeiten, damit meine ich Tag und Nacht zu mir kommen. Das ist mein Gesetz, und gilt für mich natürlich an erster Stelle. Deshalb halte ich meine Order selbst auch genau ein.“

Nico stand auf und im Herausgehen lud sie beide zum Essen nach dem Meeting ein: „Bei dem déjeuner lernt ihr beiden auch unseren IT-Fachmann kennen, er ist zufällig mein Mann. An euch, und uns beiden kann man immer wieder einmal feststellen, dass man in unserem Beruf nur sehr wenig Chancen hat, einen passenden Partner kennen und lieben zulernen, deshalb verstehe ich eure Liebe auch nur zu gut“.

* * *

Kapitel 5

Im großen Besprechungsraum waren inzwischen vierzehn oder fünfzehn Mitarbeiter versammelt.

Nachdem Nico mit Myriam und Adrian zusammen in den Raum getreten waren, verstummten sofort alle Gespräche, und sie stellte die Beiden ihrer Équipe vor: „Miriam et Adrian sont des collègues allemands qui nous soutiendront en tant qu’agents infiltrés dans notre affaire >oies desneiges<“ Myriam flüsterte die deutsche Übersetzung ins Ohr: „Miriam und Adrian sind deutsche Kollegen, die uns bei diesem schrecklichen Fall Schneegänse jetzt mit ihren Kenntnissen unterstützen werden“.

Danach wurde tatsächlich jeder einzelne Einsatz mit dem neuesten Ergebnis, und des augenblicklichen Stands mit dem Mitarbeiter kurz, und im militärischen Rapport vorgetragen. Nach einer anschließenden Diskussion nickte Nico ihn ab oder sie erteilte, wenn es erforderlich war, neue Anweisungen.

Zum Schluss beendete Nico die Besprechung, und sie gingen in ihr Büro zurück.

Irgendein unbekannter Dienstgeist hatte inzwischen den Tisch gedeckt und Nico erklärte ihnen: „Un bol de soupe à l'oignon avec du pain, du beurre et diverses spécialités de saucisses et de fromages“, (Eine Schale Zwiebelsuppe mit Brot, etwas Butter und diverse Wurst- und Käsespezialitäten.)

Ohne Kommentar stellte Nico die Fasche Rotwein und Wasser auf den Tisch, wie es in Frankreich zu fast allen Speisen üblich ist.

Zehn Minuten später trat ein annährend zwei Meter, hoch aufgeschossener Mann mit hellblauen Augen, einer dunkelblonden, strubbeligen Hippiefrisur und rötlichem Vollbart ins Büro.

Er ging mit langen Schritten auf Nico zu, küsste sie auf den Mund, und streichelte ihr dabei zärtlich über die Wange.

Myriam verspürte schlagartig, wie ihr Körper auf ihn reagierte, und sich der ganze Raum durch Pits Anwesenheit im gleichen Moment, in eine Testostéron geschwängerte Athmosphäre veränderte.

Solche Kapriolen erlaubt sich das Schicksal nur mit mir. Da lerne ich nach all den Jahren drittklassiger Kerle, endlich vor Wochen einmal Adrian kennen, und heute läuft mir dieses Schmuckstück von Mann über den Weg. Zum Glück ist er für mich absolut tabu, er ist ja mit Nico verheiratet.

Dachte sie für einen kurzen Moment, aber auch nur solange, bis er ihr die Hand reichte, und sich ihre Blicke auch intensiv trafen.

Dabei wurden beide von Nico schon misstrauisch beobachtet. „Darf ich euch den Chef unserer IT- Abteilung und meinen Mann Peter Bach vorstellen.“

Nico lächelte dabei zuerst ihn und anschließend ihre deutschen Kollegen glücklich an.

„Wir lernten uns damals, während meiner Reise in den Senegal kennen. Er war damals das zweite, aber wesentlich bessere Anhängsel für mich. Ihn hat es über den Senegal nach hierher verschlagen. Pit studierte damals Informatik in Dortmund auf der Wilhelm Büchner Hochschule, und schloss in zwei Fächern mit Bachelor und Master ab. Mit meiner Liebe zu ihm konnte ich einen ungezähmten viking, privat für mein Herz und unsere Internetüberwachung gewinnen“, erklärte sie mit einem gewissen Besitzerstolz.

„Da muss ich dich leider etwas berichtigen Nico, wenn schon, dann ist dein Mann Normanne oder Germane.

Die Wikinger lebten doch viel weiter nördlich in Dänemark und Norwegen.“

Dafür bekam Myriam ihre Lacher von Adrian und Pit. Aber Nico gefiel Myriams Korrektur nicht besonders, man merkte ihr an, sonst erteilte sie Befehle und duldete keinen Widerspruch!

Sie begannen mit dem Essen.

Alle waren noch recht locker und lustig drauf, und es fiel schon einmal die einen oder anderen nette Bemerkungen über den kleineren Unterschied zwischen den Franzosen und Deutschen.

Nico und Pit, wie sie ihn außer meinen Viking immer noch nannte, tuschelten einen Moment miteinander, dann fragte sie Adrian: „Wo steht euer Caravan?“

„Auf dem Camping du Pylône", beantwortete er ohne große Ausführung ihre Frage.

„Das ist nördlich von hier, zu weit vom Zentrum, und gefällt mir überhaupt nicht. Da müsst ihr weg. Erstens herrscht dorthin, je nach Tageszeit zu viel Verkehr und es dauert zu lange bis ihr hier sein könnt.

Außerdem habe ich meine wichtigsten Mitarbeiter gern in meiner nächsten Nähe“, dann trug sie mit leichtem Lächeln ihr Angebot vor: „Wie sehr ich mir die Nähe wünsche, erkennt ihr daran, dass ich und Pit innerhalb der Woche im Haus hier ein Dienst-Apartment bewohnen. Natürlich bezahlen wir dafür Miete, die sparen wir aber bei den Fahrtkosten ein. Nur an unseren freien Tagen und Wochenenden fahren wir nach Hause, nach La Colle-sur-Loup bei Saint Paul-de-Vence. Es sind zwar nur zwanzig Kilometer, aber, je nach Stau sind wir oft über eine Stunde unterwegs. Das können wir knicken. Wir haben hier neben unserem, ein zweites Apartment für kurzfristen Polizeischutz. Das Apartment könnt ihr gerne in der Zeit benutzen, solange ihr hier im Einsatz seid. Ist das gut oder ist das vielleicht sogar sehr gut?“

Die harte Art, wie sie sich ihnen gegenüber ausdrückte, ließ keinen Widerspruch zu und nach kurzem Nicken zu Pit fuhr sie fort: „Der Caravan und euer Auto können hinten im Hof abgestellt werden. So habt ihr auch den Wagen bei Bedarf schnell zu eurer Verfügung. Andererseits werdet ihr ihn selten benötigen, da das gesamte Gebiet, auf dem wir recherchieren, bequemer zu Fuß zu erreichen ist. Für heute Abend seid ihr unsere Gäste, Pit wird sich eine nette Überraschung für uns einfallen lassen.“

Nico wartete keine Zustimmung ab.

Für sie war alles gesagt, und damit auch endgültig.

„So, ich habe leider noch einen etwas stressigen Job zu erledigen. Pit wird jetzt mit euch das Gespann zusammen abholen. Wie gesagt, ihr könnt es hinten im Hof parken und Pit wird euch anschließend in seiner Abteilung in die aktuelle Problemlage einführen.

Dann bis heute Abend.“

* * *

Kapitel 6

Nico wandte sich wieder einer Akte zu und Pit ging mit den beiden zum Lift. Sie fuhren hinunter, stiegen in den Wagen, und fuhren anschließend hinaus zum Campingplatz.

Inzwischen war es nach vier, dennoch bestand Pit darauf, dass sie nur die eine Nacht bezahlen mussten.

Der Platzwart war davon nicht gerade begeistert, da er schon mit mehreren Tagen Aufenthalt der beiden gerechnet hatte und knurrte noch so lange, bis sie endlich abfuhren.

Während der Rückfahrt saß Myriam auf dem Rücksitz hinter Adrian und schwieg. Pit beobachtete sie bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bot, diagonal über den Rückspiegel.

Dabei lief ihr jedes Mal ein erregender Schauer der Lust über den Rücken und ihre Wangen glühten.

Will er etwa mit mir anbändeln, fragte sie sich, teilweise mit bangem Zweifel, oder ungeduldiger Hoffnung.

„Welche Ausstattung hast du für solche Einsätze wie diesen dabei?“ erkundigte sich Pit, nach dem technischen Equipment.

Adrian informierte ihn über seine Geräte: „Eine neueste Version der hochmodernen Drohne, sie ist extrem klein, und ein Speziallack verhindert Reflektionen. Damit ist sie erst auf eine Entfernung von zwanzig Metern gut zu erkennen. Sie kann ununterbrochen bis zehn Stunden in der Luft bleiben, und während der ganzen Zeit filmen. Das konnte ich schon bei dem letzten Einsatz testen. Sie hat leider einen Nachteil, durch das geringe Gewicht wird sie schon bei Windstärken über fünf Beauforts instabil, das entspricht ungefähr fünfzehn Kilometern. Im Zubehör befindet sich eine zweite Kamera mit einer digitalen Superlupe, die alles Gesehene in Echtzeit auf den Recorder des PCs projektiert.“

„Schade, leider wehen hier bei uns manchmal auch schon oft etwas stärkere Winde. Zum Glück haben wir überwiegend sonnige Tage, an denen verspüren wir nur einen leichten Hauch. Und was hast du sonst noch dabei?“ wollte Pit weiter erfahren, „Nur noch die üblichen Spielereien, einen PC mit europaweitem WLAN, und integriertem GPS. Dazu mehrere unterschiedliche Linsen für die Kamera. Ein Nachtglas, das mit Drohne und PC kompatibel ist. Ein Begleitcomputer, er reicht für acht GPS Sender.

Es waren anfangs einmal zwölf, davon musste ich vier in drei Einsätzen abschreiben. Das ist alles. Ach ja, wir haben keine Waffen dabei, die dürfen wir ohne die hoheitrechtliche Genehmigung nicht benutzen, es sei denn, es liegt eine Erlaubnis vor.“

„Das hört sich alles sehr gut an“, bemerkte Pit, während sie sich mühsam durch den zähen Berufsverkehr der Police Station näherten.

Vor dem Sektionstor mussten sie lange warten.

Sie wurden von zwei schwenkbaren Kameras erfasst, und genauer unter Augenschein genommen.

Pit stieg aus dem Wagen, und stellte sich breit vor die Kamera. Es dauerte geraume zehn Minuten, bis ein Flic gemächlich, im Schneckentempo von der Rezeption zu ihnen nach draußen kam. Dort betätigte eine Fernbedienung, darauf fuhr das Tor hoch.

Myriam beobachtete das ganze Manöver aus dem Wagen heraus und dachte: in Spanisch hätte man es wohl: lentamente hasta mañana, Französich hieße es: Lentement jusqu'à demain, und der Deutsche würde sagen: schön langsam, bis morgen.

Der Hof war sehr geräumig, sie konnten mit dem ganzen Gespann vorwärts durch die Einfahrt nach hinten fahren. Allerdings konnten sie den Caravan dort erst abhängen, und ihn durch gemeinsame Muskelkraft drehen. Dann wurde er von ihnen rückwärts in die äußerste Ecke des Platzes geschoben. Er stand dort sicher, gut aufgehoben in der letzten Ecke.

„Den Wagen parkt ihr am besten vor dem Caravan. Hier, das hier ist eure Fernbedienung, dann seid ihr jeder Zeit startklar“, erklärte ihnen Pit, „allerdings müsst ihr euch bei jeder Abfahrt und Ankunft, vorne an der Rezeption melden. Ihr versteht, das ist eine besondere Sicherheitsmaßnahme! Dafür wird euch hier im Gebäude bestimmt nichts geklaut“, fügte er lachend hinterher.

„Sollen wir unser nötigstes Gepäck sofort nach oben mitnehmen?“ fragte Myriam und ihr wurde heiß, als sie ihn ansah.

„Das wäre nicht schlecht, dann erspart ihr euch einen unnötigen, zusätzlichen Gang. Ach so, wir können vom Hof hier hinten direkt ins Haus, aber…“, Myriam schnitt ihm den Satz ab und vollendete ihn, „…dann müssen wir uns aber drinnen anmelden. Eine Frage, wenn wir rausfahren, geht dann immer ein Flic zur Toreinfahrt mit?“

„Na klar“, gab Pit eine knappe Antwort, obwohl er sich von Myriam veräppelt fühlte, blickte er ihr erneut tief in die Augen, und ihr wurde wieder heiß.

* * *

Kapitel 7