Med ana schwoazzn dintn - H.C. Artmann - E-Book

Med ana schwoazzn dintn E-Book

H.C. Artmann

4,6

Beschreibung

Auch erhältlich mit CD (H.C. Artmann liest H.C. Artmann)! Der 1958 erstmals im Otto Müller Verlag erschienene und heute wohl bekannteste Gedichtband H.C. Artmanns liegt als Buch bereits in der zwölften Auflage vor. "Artmann, dem skurrilen Kauz und echten Dichter, ist hier mehr als ein Augenblickserfolg gelungen." Gerhard Fritsch, "Die Presse" am 11. Mai 1958 "Das Neue, das Einzigartige an seinen Mundartgedichten ist: Artmann hält die Sprache im Augenblick des Entstehens fest. Er hat den Dialekt an den Wurzeln gepackt, wo er aus sich selbst dichtet, wo er bei jeder Konfrontation mit der Wirklichkeit originär eine bildhafte, plastische Wendung hervorbringt, in der dieses Stück Wirklichkeit enthalten ist. So kommen uns alle seine Erfindungen ganz selbstverständlich vor: die Sprache erfindet für ihn, er braucht nur den Mund aufzumachen." Wieland Schmid, "Wort in der Zeit", Jänner 1959 "... unerhört für einen Lyrikband - ein Bestseller." Paul Kruntorad, "Täglich Alles", Jänner 2000

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C. ARTMANN: MED ANA SCHWOAZZN DINTN

H. C. ARTMKANN

med ana schwoazzn dintn

gedichfa r aus bradnsee

OTTO MÜLLER VERLAG SALZBURG

© 1958 BY OTTO MÜLLER VERLAG, SALZBURGAlle Rechte vorbehalten. Printed in Austria

10. AuflageISBN 3-7013-0227-8eISBN 978-3-7013-5939-4

Einband und typographische Gestaltung:Prof. Friedrich PolakovicsDruck und Bindung: Ueberreuter Print

Die Kunst liebt es, überraschend zu kommen, und sie sucht sich gern konträre Eltern. Nach Nestroy hat der Holzhacker die Geometrie umarmt und da ist der Zimmermann daraus geworden. Die Kunst des Zimmermanns kann man aus der Welt nicht mehr wegdenken.

In Breitensee hat sich neulich die Wiener Vorstadt mit dem Surrealismus eingelassen und daraus ist – ein Dichter entstanden, ein wirklicher. Soll einer behaupten, daß man das hätte voraussehen können!

Ein Dichter, das ist ein neuer Ton, gerade der, auf den man am wenigsten gefaßt gewesen ist. Wenn man auch nur drei Zeilen eines einzigen dieser Gedichte liest, steigt in neuer Farbe eine neue Wiener Welt auf, die noch niemand besungen hat und die doch immer schon neben uns dagewesen ist: neue Häuser, Gassen, Bäume, Gegenden, makabre, traurige, seltsam anziehende. Und in dieser neuen Landschaft sind dann die starken alten Gefühle, die sich nie ändern, die jeder kennt, auf einmal so frisch wie der neueste Schnee.

Wie das der Dichter fertigbringt, das hätte mancher schon gern herausfinden wollen, aber es wirklich zu sagen, ist noch niemandem gelungen. Sicherlich kommen diese Gedichte ganz aus dem Wort, dem Wiener Wort – ins Hochdeutsche könnte man sie schwerlich übersetzen. Und doch sind sie weit mehr als Dialektgedichte. Sie sind in der Empfindung oft so einfach wie die ältesten Volkslieder, in der Form oft so kunstvoll wie der modernste vers libre, in der Entsprechung von Sinn und Klang oft vollkommen wie klassische, in der Fülle überraschendster kühner Bilder so reich wie barocke Dichtung. Im Grunde aber lassen sie sich mit gar nichts vergleichen, sind ganz und gar aus unserer Welt und Zeit.

Denn das Eigentlichste der Breitenseer Gedichte kommt, glaube ich, eben aus der unwahrscheinlich glücklichen Ehe der surrealistischen und der Wiener Sphäre. In ihr streift der Surrealismus das Kalte und Zerebrale ab, wird wirklich geheimnisvoll und sogar märchenhaft, und zwar in einer Umwelt, in der das Märchenhafte gar nicht vorkommen könnte. Das Wiener Leben und die Wiener Landschaft aber wird, ohne das Volksmäßige aufzugeben, eigentümlich schwebend und schwerelos. Und wie gut verbindet sich das Gruselige des Surrealismus mit dem ganz anders Gruseligen, das zu einer bestimmten Art Volksdichtung von jeher gehört.

Die Breitenseer Gedichte sind die Entdeckung eines neuen Wiener Kontinents und neuer Möglichkeiten der Dichtung. Man kann sich jetzt Wien ohne sie nicht mehr denken.

HANS SEDLMAYR

nua ka schmoez how e xogt!

nua ka schmoez ned ..

reis s ausse dei heazz dei bluadex

und haus s owe iwa r a bruknglanda!

fomiaraus auf d fabindunxbaun

en otagring ..

daun woat a wäu

bis s da wida zuaqoxn is des loch

des bluadeche untan schilee

und sog:

es woa nix! oda: gemma koed is s ned!

waun s d amoe so weid bist

daun eascht schreib dei gedicht

und ned eea!

nua ka schmoez ned how e xogt!

nua ka schmoez ..

heit drong s as nua z gean

eana heazz (de dichta

de growla de schmoezxön)

bei jeda glengheid

untan linkn goidzaun

oda r iwa n lean briafdaschl

wia r a monogram ..

waun owa r ana r a gedicht schreim wüü

und iwahaubt no a weanaresch dazua

daun sol a zeascht med sein heazz

med sein bozwachn untan goidzaun

nua recht schnöö noch otagring ausse

oda sunztwo zu an bruknglanda gee!

„Jede Provinz liebt ihren Dialekt: denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft.“

Goethe

Zwischen Breitensee und Ottakring, an der Dreiländerecke mit Fünfhaus, gar nicht weit von jenem bruknglanda in H. C. Artmanns programmatischem Gedicht, stand bis vor wenigen Monaten ein Stück Wiener Vorstadtprater. Es stand dort seit den Neunzigerjahren, wurde für uns Schulbuben ein über die Väter vererbter Begriff und bleibt, auch nach seiner Demolierung, mit dem schöneren Teil unserer Jugend verbunden. Auch in unserem Buch wirkt diese Erinnerung fort. Auf untergründige Weise hat sie Themen- und BildWahl seiner Gedichte mitbestimmt, und wenngleich das auf den ersten Blick nicht erkennbar ist – ein zweiter auf den Bucheinband wird helfen, die Zusammenhänge zu klären.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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