Medizinische Versorgungszentren -  - E-Book

Medizinische Versorgungszentren E-Book

0,0
59,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Der BBMV vertritt überregionale Betreiber Medizinischer Versorgungszentren der haus- und fachärztlichen Versorgung in Deutschland. Er ist Interessenvertretung der Medizinischen Versorgungszentren, der dort beschäftigten ärztlichen und nicht-ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie der Unternehmensgruppen, die die Medizinischen Versorgungszentren mit Unterstützung privater Kapitalpartner betreiben. Struktur, Organisation, Ziele wie auch die Besonderheiten und Vorteile von MVZ-Gruppen sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Das gilt auch für die hohe Ergebnisqualität, die aufgrund der gemeinschaftlichen Qualitätsstandards, des optimalen Wirtschaftens und der Investitionen in qualifiziertes Personal und moderne Medizingeräte erzielt werden können. In diesem Fachbuch kommen Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitssystems zu Wort. Neben Basiswissen zu den Entwicklungen, den Handlungsfeldern und den Herausforderungen in der ambulanten Gesundheitsversorgung sowie Beiträge zu rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen für MVZ, wird auch der Finanzierungsbedarf in der ambulanten Versorgung durch private Kapitalpartner beleuchtet.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 315

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



D. Knüppel | G. Neubauer | S. Stauch-Eckmann (Hrsg.)

Medizinische Versorgungszentren

Versorgungs- und Unternehmensform mit Zukunft

mit Beiträgen von

B. Augurzky | A. Beivers | F. Dastych | S. Finke | F.-U. Fricke | C. Hagist | J. Harnecker | A. von Heissen | H. Hildebrandt | A. Höhmann | M.G. Hügel | B. Jochimsen | F. Knieps | W. Köhler | S. Kortendick | K. Lange-Kulmann | C. Minartz | S. Müller | G. Neubauer | W. Oggier | J. Prütting | S. Rau | S. Seyler | H. Sturm | U. Werner

Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft

Das Herausgeber-Team

Dr. Dr. Dirk Knüppel

Bundesverband der Betreiber

medizinischer Versorgungszentren e.V.

Marienstraße 15

10117 Berlin

Prof. Dr. Günter Neubauer

Institut für Gesundheitsökonomik

(IfG) München

Frau-Holle-Straße 43

81739 München

Sibylle Stauch-Eckmann

Bundesverband der Betreiber

medizinischer Versorgungszentren e.V.

Marienstraße 15

10117 Berlin

MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

Unterbaumstr. 4

10117 Berlin

www.mwv-berlin.de

ISBN 978-3-95466-813-7    (eBook: ePDF)

ISBN 978-3-95466-814-4    (eBook: ePub)

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Informationen sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Berlin, 2023

Dieses Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten.

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.

Im vorliegenden Werk wird zur allgemeinen Bezeichnung von Personen nur die männliche Form verwendet, gemeint sind immer alle Geschlechter, sofern nicht gesondert angegeben. Sofern Beitragende in ihren Texten gendergerechte Formulierungen wünschen, übernehmen wir diese in den entsprechenden Beiträgen oder Werken.

Die Verfasser haben große Mühe darauf verwandt, die fachlichen Inhalte auf den Stand der Wissenschaft bei Drucklegung zu bringen. Dennoch sind Irrtümer oder Druckfehler nie auszuschließen. Der Verlag kann insbesondere bei medizinischen Beiträgen keine Gewähr übernehmen für Empfehlungen zum diagnostischen oder therapeutischen Vorgehen oder für Dosierungsanweisungen, Applikationsformen oder ähnliches. Derartige Angaben müssen vom Leser im Einzelfall anhand der Produktinformation der jeweiligen Hersteller und anderer Literaturstellen auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden. Eventuelle Errata zum Download finden Sie jederzeit aktuell auf der Verlags-Website.

Produkt-/Projektmanagement: Lisa Maria Pilhofer, Berlin

Copy-Editing: Monika Laut-Zimmermann, Berlin

Layout, Satz und Herstellung: zweiband.media, Agentur für Mediengestaltung und -produktion GmbH, Berlin

Coverbild: © lenets_tan/Adobe Stock

E-Book: Zeilenwert GmbH, Rudolstadt

Zuschriften und Kritik an:

MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Unterbaumstr. 4, 10117 Berlin, [email protected]

Vorwort

Die Einführung Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) in die vertragsärztliche Versorgung vor fast 20 Jahren kam einem revolutionären Akt gleich. Auch wenn heute häufiger von „revolutionären“ Gesetzen mit Blick auf die Gesundheitsversorgung gesprochen wird, trifft es auf das GKV-Modernisierungsgesetz im Rückblick tatsächlich zu.

Zum ersten Mal wurden generell Leistungserbringer in die ambulanten Versorgungsstrukturen eingeführt, bei dem ärztliche Tätigkeit und organisatorische Inhaberschaft nicht zwangsläufig kongruent sein müssen. Mit der neuen Versorgungsform des MVZ verbanden sich die Ziele eines stärkeren qualitätsorientierten Wettbewerbs, der Flexibilisierung des Vertragsarztrechts, die Modernisierung der Versorgungsstrukturen sowie die Stärkung der integrierten Versorgung und interdisziplinären Zusammenarbeit. Es sollte nicht zuletzt auch die Möglichkeit nach der Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung geschaffen werden, ohne dass die mit der selbstständigen Niederlassung einhergehenden wirtschaftlichen Risiken eingegangen werden müssen.

Damit war das MVZ eine Reaktion auf die bereits vor 20 Jahren absehbaren Entwicklungen. Nämlich die, die auch heute Haupttreiber des erlebbaren Umbruchs in der ambulanten Versorgung sind: Ein gesellschaftlicher Wandel zu Beruf und Arbeit, Ambulantisierung und Digitalisierung sowie eine doppelte demografische Herausforderung und den dadurch entstehenden Druck auf Versorgungsstrukturen und Kosten.

Diesen Themen widmet sich der vorliegende Sammelband im ersten Abschnitt „Basiswissen“. Hier legen die Autor:innen den Fokus auf die „Zeitenwende in der Gesundheitsversorgung“, wie der Übersichtsbeitrag von Prof. Dr. Günter Neubauer betitelt ist. In drei weiteren Beiträgen werden die Treiber des Umbruchs – oder der „Zeitenwende“ – näher beleuchtet. Dr. Helmut Hildebrandt, Dr. Dr. Heidrun Sturm und Ulf Werner beleuchten die sektorübergreifende Versorgung und die Rolle, die MVZ hier spielen.

Von den Potenzialen und Hürden bei der Ambulantisierung handelt der Beitrag von Prof. Dr. Boris Augurzky und Sabine Finke. Dabei machen die Autor:innen auch konkrete Handlungsvorschläge, wie das deutsche Gesundheitssystem bei der Ambulantisierung modernisiert werden könnte.

In einem Exkurs widmet sich Dr. Willy Oggier am Beispiel der Schweiz der Frage, wie eine Gesundheitsversorgung ohne Bedarfsplanung aussehen könnte.

Prof. Dr. Andreas Beivers und Dr. Annette Höhmann zeigen in ihrem Beitrag die Anforderungen an das Gesundheitssystem durch den demografischen Wandel auf. Die Knappheitsdebatte wird in einer älter werdenden Gesellschaft schärfer geführt werden. Dabei regen die Autor:innen an, über eine „Gesundheitsökonomie 2.0“ nachzudenken und den Werkzeugkoffer der Gesundheitsökonomie zu modernisieren.

Nach der Einführung der MVZ setzt der evolutionäre Prozess der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Ausgestaltung der neuen Versorgungsform ein. War das MVZ noch als „fachübergreifende ärztlich geleitete Einrichtungen“ zum 1. Januar 2014 in die vertragsärztliche Versorgung eingeführt worden, so veränderte der Gesetzgeber im Laufe der letzten Jahre mehrfach insbesondere die Gründungsmöglichkeiten von MVZ, die zulässigen Rechtsformen und die organisatorische Ausgestaltung.

Im zweiten Abschnitt des Sammelbandes werden die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für MVZ intensiv aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Franz Knieps skizziert die Diskussion über MVZ, insbesondere mit nichtärztlichen Trägern, seit der Einführung von MVZ mit dem GKV-Modernisierungsgesetz. Aus seiner Sicht wird in der politischen Debatte Evidenzbasierung durch Ideologie ersetzt.

Prof. Dr. Frank-Ulrich Fricke, Dr. Stephan Rau und Werner Köhler zeichnen die historische Entwicklung der MVZ nach und tragen die aktuellen Evidenzen zusammen, um die Frage zu beantworten, ob noch weiterer regulatorischer Handlungsbedarf besteht. Dabei prüfen die Autoren zahlreiche in der Diskussion befindlichen Vorschläge auf die juristische, ordnungspolitische und versorgungspolitische Machbarkeit.

Prof. Dr. Beate Jochimsen und Susanne Müller beschäftigen sich in ihren Beiträgen mit verschiedenen Aspekten der vorliegenden Datengrundlage. Prof. Dr. Beate Jochimsen geht dabei der Frage nach, welche Datenbasis für eine Evaluierung von MVZ-Gruppen überhaupt benötigt wird und wie Qualitätsparameter einbezogen werden können. Einen konkreten Vorschlag zur Schaffung von Strukturtransparenz einerseits und Transparenz für Patient:innen andererseits skizziert Susanne Müller in ihrem Beitrag.

Frank Dastych bewertet die Diskussion über MVZ mit nichtärztlichen Kapitalgebern aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Richtschnur ist dabei der Versorgungsauftrag der KV. Dabei sieht der Autor Potenzial für die Hebung von Qualitäts- und Produktivpotenziale durch Flexibilisierung der Versorgungsstrukturen.

Karolina Lange-Kulmanns Beitrag handelt von der Unabhängigkeit ärztlicher Entscheidungen in MVZ-Gruppen. Sie stellt den aktuellen rechtlichen Rahmen zum Schutz der ärztlichen Weisungsfreiheit dar und macht konkrete Vorschläge, wie MVZ-Gruppen diese in der Praxis umsetzen sollten.

Prof. Dr. Christian Hagist beschreibt in seinem Beitrag, warum private Investitionen in der ambulanten Versorgung benötigt werden. Dabei spricht er sich für einen marktwirtschaftlichen Weg vor dem Hintergrund eines hohen finanziellen Drucks im System aus.

In einem Exkurs behandelt Stefan Seyler verschiedene Finanzierungsmodelle in der ambulanten Gesundheitsversorgung. Er stellt die Unterschiede und Rahmenbedingungen vom klassischen Bankkredit bis hin zur Beteiligung nichtärztlicher Kapitalgeber dar.

Einem wichtigen rechtlichen Aspekt widmen sich Dr. Max Georg Hügel und Prof. Dr. Jens Prütting. Sie untersuchen die Repräsentation von MVZ in der Selbstverwaltung und stellen ein „Demokratiedefizit“ fest, für dessen Beseitigung sie sich aussprechen.

Der letzte Abschnitt des Sammelbands wagt einen Blick in die praktische Arbeit von MVZ-Gruppen. Prof. Dr. Günter Neubauer und Dr. Christof Minartz geben einen gesundheitsökonomischen Überblick über deren Funktions- und Arbeitsweise. Konkrete Einblicke in die Praxis geben Dr. Jutta Harnecker und Annette von Heissen am Beispiel des Qualitätsmanagements. Dr. Susanne Kortendick zeigt in ihrem Beitrag auf, wie professionelles Personalmanagement in einer MVZ-Gruppe aufgebaut sein kann und welche Vorteile für die Arbeit der Beschäftigten daraus resultieren.

Wir hoffen mit diesem Sammelband einen weiteren substanziellen Debattenbeitrag über die Rolle von MVZ als Versorgungs- und Unternehmensform unter Berücksichtigung der zentralen Herausforderungen für die ambulante Versorgung leisten zu können und wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Dirk Knüppel, Günter Neubauer und Sibylle Stauch-Eckmann

Berlin, März 2023

Das Herausgeber-Team

Dr. Dr. Dirk Knüppel

Dirk Knüppel ist CEO der Primärmedizin TMVZ GmbH, zu der u.a. die Kielstein-Gruppe gehört. Zuvor war er Group-CEO der evidia, Deutschlands größtem Radiologie- und Strahlentherapie-Netzwerk und Geschäftsführer bei den Artemis-Augenkliniken sowie der Labco Deutschland GmbH. Zudem war er als Kaufmännischer Direktor der Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden sowie als Senior Berater bei Booz & Company beschäftigt. Sein Studium der Humanmedizin absolvierte er in Gießen, Australien und den USA. Zudem studierte er Betriebswirtschaft in Mannheim und Philadelphia.

 

 

 

Prof. Dr. Günter Neubauer

Günter Neubauer ist seit 1990 der Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik München. Er ist Mitglied im Vorstand von Health Care Bayern e.V. und Mitglied in div. wissenschaftlichen Bei- und Aufsichtsräten. Von 1978 bis 2006 lehrte er als Professor für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt auf Gesundheitsökonomik an der Universität der Bundeswehr in München. Von 1987 bis 1990 war er Mitglied der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Reform der GKV“. Von 1990 bis 1998 war er Sachverständiger für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen.

 

 

 

Sibylle Stauch-Eckmann

Sibylle Stauch-Eckmann gründete zusammen mit sieben weiteren Geschäftsführern aus MVZ-Gruppen 2019 den BBMV mit dem Ziel, die politisch Debatte mit praxisorientierten Inhalten vonseiten der MVZ-Betreiber mit privater Trägerschaft zu bereichern.

Sie selbst war bis über fünf Jahre als Geschäftsführerin und Beirätin der Ober Scharrer Gruppe GmbH (ambulante Augenheilkunde) mit Sitz in Fürth aktiv. Derzeit ist sie Geschäftsführerin der Ortheum Gruppe (ambulante Orthopädie und Sportmedizin) sowie Aufsichtsrätin der amedes Gruppe (Labormedizin).

Stauch-Eckmann studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Maschinenbau an der TU Darmstadt. Ihre berufliche Laufbahn begann sie 1995 als Trainee bei den Drägerwerken in Lübeck in den Bereichen Marketing und Vertrieb in der Sparte Medizintechnik. 2001 wechselte sie auf die Seite der Leistungserbringer, um über zehn Jahre die ENDO-Klinik in Hamburg, eine weltweit renommierte Spezialklinik für Endoprothetik, zunächst unter der Trägerschaft der Damp Holding und später der Helios Kliniken zu leiten.

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

IBasiswissen

1Zeitenwende in der Gesundheitsversorgung: Entwicklungen, Herausforderungen und AntwortenGünter Neubauer

2Welche Integrations- und Innovationsgrade sind in modernen ambulanten Versorgungslösungen angelegt?Helmut Hildebrandt, Heidrun Sturm und Ulf Werner

3Ambulantisierung der Medizin – Potenziale, Hürden und HandlungsvorschlägeBoris Augurzky und Sabine Finke

EXKURS:Wie geht Versorgung ohne Bedarfsplanung?Willy Oggier

4Demografie, Morbidität und die Anforderungen an ein modernes GesundheitssystemAndreas Beivers und Annette Höhmann

IIPolitische und rechtliche Rahmenbedingungen

1Die Ersetzung der Evidenzbasierung durch Ideologie – Anmerkungen zur politischen DebatteFranz Knieps

2Die Rolle von MVZ in der ambulanten medizinischen Versorgung – Besteht regulatorischer Handlungsbedarf?Frank-Ulrich Fricke, Stephan Rau und Werner Köhler

3Datenlage zu MVZ-Gruppen: Status Quo und Handlungserfordernisse zur EvaluierungBeate Jochimsen

4Transparenz und Datenanalysen im MVZ-Kontext – Warum ein Strukturregister dringend gebraucht wirdSusanne Müller

5Zukünftige Versorgungsstrukturen im KV SystemFrank Dastych

6Unabhängigkeit ärztlicher Entscheidungen in MVZ-Gruppen: rechtlicher Rahmen und praktische UmsetzungKarolina Lange-Kulmann

7Finanzierung des Gesundheitssystems und die Notwendigkeit privater InvestitionenChristian Hagist

EXKURS:Finanzierungsmodelle in der ambulanten Gesundheitsversorgung – Wer trägt die Investitionen, wer verteilt das Geld?Stefan Seyler

8Repräsentation von MVZ in der SelbstverwaltungMax Georg Hügel und Jens Prütting

IIIMedizin in MVZ-Gruppen

1Gesundheitsökonomische Aspekte der Versorgung durch MVZ mit BeteiligungskapitalGünter Neubauer und Christof Minartz

2Qualitätsmanagement in MVZ-Gruppen am Beispiel der Ober Scharrer GruppeJutta Harnecker und Annette von Heissen

3Professionelle Personalarbeit im MVZSusanne Kortendick

I

Basiswissen

1

Zeitenwende in der Gesundheitsversorgung: Entwicklungen, Herausforderungen und Antworten

Günter Neubauer

Die Zeitenwende, die für Deutschland insgesamt, für Europa, ja für die ganze Welt angesagt ist, trifft auch für den Sektor Gesundheit zu. Vor diesem Hintergrund wollen wir uns gezielt mit der „Zeitenwende“ im deutschen Gesundheitssystem auseinandersetzen. Im Mittelpunkt steht dabei zwar die ambulante Gesundheitsversorgung, doch kann diese nicht ohne einen Blick auf die gesamte Gesundheitsversorgung erfolgen, da wir es mit einem wenig geordnetem interdependenten System zu tun haben.

Was sind nun die dominanten Treiber für die Zeitenwende in der Gesundheitsversorgung Deutschland?

An erster Stelle ist hier die demografische Alterung zu nennen, hinzu kommen die medizinisch-technologischen Innovationen, die der ambulanten Versorgung eine neue Rolle zuweisen.

Eine dritte Veränderungsgröße sehen wir in den sozio-ökonomischen Trends. Diese betreffen sowohl die Globalisierung, und als auch die Mobilität der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital und damit einhergehend eine zunehmende Ökonomisierung, die auch den Gesundheitssektor nicht links liegen lässt.

Eine sehr gegenwärtige und heute schon soziologische Herausforderung liegt in dem Wertewandel der jüngeren Generationen! Das Schlagwort „Work-Life-Balance“ signalisiert den Wunsch nach einer reduzierten, für Männer und Frauen gleichberechtigten Stellung. Dies verlangt für Gesundheitsberufe, insbesondere dem Arztberuf, neue Organisationsmodelle, wie sie schon heute die medizinischen Versorgungszentren (MVZ) als Gegenentwurf zu der Einzelpraxis darstellen. Eine zweite, schon sichtbare Folge des Wertewandels ist die Wanderung der jüngeren Bevölkerung, insbesondere der akademisch ausgebildeten in die Ballungsräume, was zu einer Ausdünnung insbesondere der medizinischen Versorgung führt.

1.1Herausforderungen der Demografie an die ambulantmedizinische Versorgung und Antworten

Die wohl langfristig wichtigste Einflussgröße stellt die schon heute absehbare demografische Entwicklung dar. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2035 etwa 4–6 Millionen Arbeitskräfte fehlen (Statistisches Bundesamt 2019) werden, gleichzeitig steigt der Anteil der Betagten an der Bevölkerung und damit der Bedarf an Gesundheitsleistungen.

Für die Gesundheitsversorgung bedeutet dies, dass der Personalmangel noch weiter zunehmen wird, bei gleichzeitig wachsenden Versorgungsbedarf. Um mit dieser sich öffnenden Schere zurecht zu kommen, muss die Produktivität der Beschäftigten insgesamt und auch in den Gesundheitseinrichtungen deutlich angehoben und gleichzeitig die Lebensarbeitszeiten verlängert werden. Die Produktivität der Arbeitskräfte hängt vom Ausbildungsstand und der technischen Ausstattung der Arbeitsplätze ab. Dies gilt für Ärzte ebenso wie für Pflegekräfte! Die heute noch vorherrschende Meinung für die Gesundheitsberufe, weil Dienstleistungsberufe, gelte dies nur beschränkt, können nicht weiter beibehalten werden, wenn man den künftigen Behandlungsbedarf befriedigen möchte.

Dabei stößt man auf ein permanentes Problem der deutschen Gesundheitsbetriebe: den Mangel an Investitionsmitteln! Dies trifft sowohl für den stationären als auch für den ambulanten Versorgungssektor zu. Ein Grund für diese Mangelsituation sind die Vergütungssysteme, die von der Grundidee der Kostenerstattung beherrscht werden. Demnach werden Rationalisierungsinvestitionen bestraft, ja geächtet, wenn man dadurch Gewinne erzielt. Gewinne sind aber neben Krediten die wichtigste Finanzierungsquelle für Investitionen. Aber auch Kredite werden zu annehmbaren Konditionen nur vergeben, wenn für Kreditgeber die Aussicht besteht, dass die Kredite über spätere Gewinne zurückgezahlt werden können. Von daher ist es schwer verständlich, weshalb Investoren im Gesundheitssektor auf so viel Ablehnung stoßen wie es in den letzten zwei Jahrzenten in Deutschland zu beobachten ist.

Um den demografischen Risiken in der ambulanten medizinischen Versorgung zu begegnen ist es u.a. erforderlich, Beschäftigte in diesem Sektor möglichst produktiv einzusetzen. Eine höhere Produktivität eines Arztes oder einer Ärztin wird zum Beispiel dadurch sichtbar, dass in einer Stunde mehr Patient:innen betreut werden können, was wiederum mit Unterstützung technischer Assistenzsysteme, aber auch durch einen hohen Grad an Spezialisierung erreicht werden kann. Beide Voraussetzungen sind beispielsweise in MVZ leichter zu realisieren als in Einzelpraxen. Dies bestätigen die Ergebnisse unserer Befragung von 180 Ärzt:innen, welche in MVZ mit Kapitalbeteiligung tätig sind. Insbesondere sind die Antworten von vorher in einer niedergelassenen Einzelpraxis beschäftigten aufschlussreich (s. Abb. 1). Die genannte Befragung wurde durch das Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) im ersten Halbjahr 2022 durchgeführt und wird im Weiteren als IfG (2022) zitiert.

Abb. 1 Einschätzung zur Modernität der Ausstattung im MVZ mit Kapitalbeteiligung im Vergleich zur vorhergehenden Tätigkeit (IfG 2022)

Neben der allgemeinen Frage nach der Modernität der Ausstattung am Arbeitsplatz, haben wir spezifisch nach der Ausstattung mit Medizintechnik gefragt. Medizintechnik wird vor allem zur Diagnostik im ambulanten Bereich eingesetzt.

Die Abbildung 2 zeigt eindrucksvoll, dass Ärzt:innen, die vorher vorwiegend in der selbständigen Niederlassung tätig waren, zu 60% eine Verbesserung der Ausstattung im MVZ, in dem sie jetzt angestellt arbeiten, konstatieren. Dies sind in der Regel ältere Ärzt:innen, die ihre Praxis an ein MVZ abgegeben haben und wenig in moderne Ausstattung investieren konnten oder wollten. Hingegen stellen 45% der Ärzteschaft, die aus einem Angestelltenverhältnis in das MVZ wechselten, keine Verbesserung der Ausstattung der Medizintechnik fest. Diese Gruppe setzt sich zu etwa der Hälfte aus ehemaligen Krankenhausärzt:innen zusammen. Krankenhäuser haben freilich in der Regel, aufgrund ihres Versorgungsauftrages, eine technisch höhere Ausstattung.

Abb. 2 Einschätzung zur Ausstattung mit Medizintechnik im MVZ im Vergleich zur vorhergehenden Tätigkeit (IfG 2022)

Ob die technische Ausstattung auch als adäquat zu ihrer Tätigkeit empfunden wird und nicht überflüssig oder gar hemmend ist, lässt sich aus der Abbildung 3ableiten. Nur 5% zeigen sich eher unzufrieden, während mehr als 80% der vormals Niedergelassenen und 72% der aus einem Angestelltenstatus kommenden Ärzt:innen sehr zufrieden oder eher zufrieden sind.

Abb. 3 Zufriedenheit mit der technischen Ausstattung im Rahmen der Tätigkeit im MVZ (IfG 2022)

Vor dem Hintergrund der demografisch bedingten Knappheit an Arbeitskräften und damit auch an ärztliches Personal, sind MVZ im Wettbewerb um Fachkräfte relativ gut positioniert. Zudem deutet die gute technische Ausstattung an, dass Fachkräfte im MVZ produktiver arbeiten können und so der Knappheit an Arbeitskräften entgegenwirken!

1.2Medizinisch-technische Innovationen führen zur Ambulantisierung und Domestizierung

Schon seit geraumer Zeit entwickelt sich die Medizin von der offenen Chirurgie hin zu minimalinvasiven Eingriffen und weiter zur konservativen Medizin. Dies entspricht nicht nur den Präferenzen der Patient:innen, sondern auch die medizinischen Ergebnisse verbessern sich. Dies zeigt sich durch geringere Hospitalisierungen nach solchen Eingriffen wodurch letztlich ein Krankenhausaufenthalt entbehrlich wird! Ob Patient:innen dennoch stationär behandelt werden, wird wesentlich von den Vergütungsbedingungen bestimmt. Vergütet man, wie es in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gehandhabt wird, stationsersetzende Leistungen nicht leistungsgemäß, sondern nach den niedrigeren Kosten, so haben die Krankenhäuser kein Interesse, solche Krankenhausleistungen an eigene oder kooperierende MVZ abzugeben. Diese können zwar die Leistungen mit gleicher Qualität erbringen, erbringen aber für das Krankenhaus keinen ökonomischen Vorteil, sondern einen Patientenverlust und damit einen Erlösverlust.

Auch Patient:innen, insbesondere ältere, bevorzugen eine stationäre Behandlung. Zum einen sind die direkten Aufenthaltskosten lediglich als Ersatz für die ersparten häuslichen Kosten kalkuliert und zum anderen fehlt oft eine adäquate häusliche Nachbetreuung. Länder in denen die Ambulantisierung voll genutzt wird, beteiligen die Patient:innen an den Hospitalkosten (z.B. USA) und organisieren die häusliche Nachbetreuung der Patient:innen (z.B. Schweden) verbindlich. Doch zwingt die Mittelknappheit die GKV, die Ambulantisierung voranzutreiben, wenn auch mit bürokratischen Kontrollmechanismen.

Gewinner der nicht aufhaltbaren Ambulantisierung werden nicht die Einzelpraxen sein, sondern technisch und ärztlich gut ausgestattete MVZ, deren medizinisch-technisches Leistungsvermögen das untere Leistungsspektrum von Kliniken in der Grundversorgung erreicht. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 20% bis 30% der gesamten Krankenhausleistungen ohne Bett erbracht werden können. Ein Teil davon wird in die tagesklinische Behandlungseinheit großer Krankenhäuser wandern, ein anderer Teil in entsprechend eingerichteten MVZ.

Der Ambulantisierung folgt die Domestizierung der Patientenbehandlung! Darunter verstehen wir die professionelle Patientenversorgung zuhause. Bislang haben lediglich die Hausärzt:innen durch Hausbesuche bei immobilen Patient:innen solche Leistungen erbracht. Doch durch die Digitalisierung und rasche Entwicklung von digitalen Kommunikationssystemen können sowohl diagnostische als auch therapeutische Dienste digital im Haus der Patienten erfolgen. Durch die Corona Krise konnten wir lernen, dass viele Arbeitsleistungen im Homeoffice erledigt werden können. Im Bereich der Gesundheitsversorgung hinken wir in dieser Entwicklung hinterher. Ein Grund dafür ist, dass die Mehrzahl der Patient:innen und auch der ambulant tätigen Ärzteschaft mit den digitalen Medien wenig vertraut sind. Gleichwohl werden sich die vielfältigen Möglichkeiten der Telemedizin Schritt für Schritt den Weg bahnen.

Im Bereich der Notfallversorgung gibt es bereits vielversprechende Angebote. Ein Beispiel hierfür ist die Notfallversorgung durch das schweizerische Unternehmen Medgate. Nach Angaben des Unternehmens können bis zu 60% der Patient:innen telemedizinisch versorgt werden und ersparten sich, eine ärztliche geführte Notfalleinrichtung aufzusuchen (siehe auch www.medgate.de).

Die Finanznot ebenso wie die Bequemlichkeit und wegfallende Wege- und Wartekosten drängen zu einer vermehrten Domestizierung der Patientenversorgung.

Ein aktuelles Beispiel für die Wanderung der Patientenversorgung aus dem Krankenhaus in die Praxis und von dort weiter in die häusliche Versorgung, ist die Dialysebehandlung. Während das Krankenhaus schon lange allenfalls eine teilstationäre Behandlung durchführt, konzentrierte sich die Behandlung immer mehr auf die ambulante Dialyse, die in Zentren durchgeführt wird, wo in der in der Regel mehrere Beschäftigte kollegial zusammenarbeiten. Seit etwa fünf Jahren verlagert sich langsam, aber stetig, die Behandlung ins Haus bzw. in die Wohnung der zu Behandelnden. Treiberfaktoren hierfür sind einerseits die Kostenvorteile, andererseits die technologische Weiterentwicklung des Dialyseverfahrens selbst und schließlich die digitalisierte Kommunikation der Ärzt:innen mit den Patient:innen. So können nach jeder Dialysesitzung die medizinischen Daten digital an das Zentrum gesendet und auch gespeichert werden.

Hinzu kommt, dass die sogenannte Heimdialyse auch eine geringere Umweltbelastung auslöst. Allein die wegfallenden Fahrten bringen einen finanziellen Vorteil für die Krankenkassen und Behandelnde, da weniger Personalkosten anfallen. Die Knappheit an Personal, insbesondere an Pflegepersonal, zwingt auf das effizientere Versorgungsverfahren „Heimdialyse“ umzustellen. Dabei werden in erster Linie neu hinzukommende Patient:innen auf Heimdialyse umgestellt, was einen entsprechend langsamen Prozesses bedeutet. Ähnlich wie die Arbeit im Homeoffice erst durch die Corona-Pandemie quasi erzwungen wurde, wird auch die Heimdialyse durch äußere Bedingungen beschleunigt. Außerdem ist gerade in Zeiten von Corona der wegfallende Besuch einer Arztpraxis zugleich auch eine Präventionsmaßnahme gegen allgegenwärtigen Infektionsrisiken, die insbesondere in diesem Umfeld bestehen. Das gilt nicht nur für den Covid-Virus, sondern für alle ansteckenden Erkrankungen, wie z.B. für die alljährlichen Grippewellen.

Bezieht man die ökologischen Vorteile, vor allem die verringerten Verkehrswege, noch in die Betrachtung ein, so dürfte ein verstärkter Schub in die telemedizinische Patientenversorgung zu Hause zu erwarten sein. So soll es bereits erste MVZ geben, die nur noch telemedizinisch Patient:innen behandeln.

Die Wanderung der medizinischen Versorgung in den Wohnort der Patient:innen wird auch durch den zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) sowie der vermehrten Nutzung der Robotik bei der Behandlung und Betreuung von Patient:innen unterstützt. KI’s ermöglichen es, Diagnostik und Therapie – zumindest Teilweise – zuhause durchzuführen, wobei eine professionelle Supervision ergänzend hinzukommen muss. Die Diagnostik durch KI in der diagnostischen Radiologie ist in vielen Fällen der menschlichen Intelligenz ebenwürdig, wenn nicht sogar überlegen. Schließlich nutzt die KI eine Vielzahl an Daten und somit Erfahrungen, die ein einzelner Arzt in diesem Umfang kaum erwerben kann. Die Robotik wiederum kann alle Gesundheitsberufe, wie auch viele Patient:innen und Pflegebedürftige direkt unterstützten. Gerade für die Gruppe der Pflegebedürftigen kann die Einrichtung eines Smart-Homes viele Tätigkeiten abnehmen bzw. erleichtern, sodass eine selbstständige Lebensführung viel länger möglich bleibt.

Für die ambulante medizinische Versorgung bieten die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der KI verbunden mit Robotiksystemen, die Möglichkeit, Patient:innen zuhause medizinisch zu betreuen. Dadurch werden Fahrtkosten eingespart, die Produktivität des ärztlichen Personals gemessen an der Zahl der Patient:innen erhöht, und letztlich die Versorgung insgesamt kostengünstiger.

1.3Globalisierung und Ökonomisierung

Die Gesundheitsversorgung wird weitgehend als nationale Aufgabe verstanden, d.h. die jeweiligen nationalen Staaten sind im Bereich der Ausgestaltung ihrer Gesundheitsversorgung souverän. Dieses Prinzip gilt auch für die Mitgliedsstaaten der EU. Doch hat gerade die Corona-Krise gezeigt, dass Krankheitserreger sich nicht durch nationale Grenzen aufhalten lassen. Dies nicht zuletzt, weil die hohe globale Mobilität der Menschen die Pandemien unterstützt, ja erst ermöglicht.

Die globale Mobilität der Menschen beinhaltet aber auch eine Mobilität der Arbeitskräfte, sowie einen internationalen Austausch von Behandlungs- und Managementstrategien im Gesundheitssektor allgemein und für den ambulant medizinischen Sektor im Besonderen. Generell ist die Krankenhausgestaltung in Deutschland stärker internationalisiert als die ambulant-medizinische Versorgung.

Im Krankenhaussektor hat nicht zuletzt die Einführung des international angewandten DRG-Systems dazu geführt, dass die medizinische und ökonomische Ausgestaltung der Krankenhausstrukturen sich annähern. So ist beispielsweise international zu beobachten, dass sich die Verweildauern für definierte Behandlungen generell verkürzen.

Im ambulant-ärztlichen Sektor hingegen gibt es in Deutschland eine Reihe spezifischer Regularien, die international so nicht anzutreffen sind. Hierzu gehören z.B. die Bedarfsplanung durch die Kassenärztlichen Vereinigungen, sowie die Kassenärztliche Vereinigung selbst. Gleichwohl ist das deutsche Gesundheitssystem ein beliebtes Zielland für Investoren trotz – und gerade weil – die vielfältigen Regulierungen immer wieder Lücken offenbaren, die für mobile Investoren attraktiv sind. Hierzu zählen u.a. die Bildung von Unternehmen, welche die Vorteile von großen Organisationen – „economies of scale“, gezielt nutzen. Die hochfragmentierte ambulant ärztliche Versorgung in Deutschland in Form von inhabergeführten Praxen verspricht Rationalisierungsgewinne für Unternehmen, denen es gelingt, die aktuellen Strukturen durch eine Konzernstruktur abzulösen.

International aufgestellte Investoren nutzen ihre weltweitern Erfahrungen mit Fremdkapital gestützten Gesundheitseinrichtungen. Dies führt zu der heutigen Situation, dass sich international agierende Kapitalfonds auch vermehrt in dem deutschen Gesundheitsmarkt engagieren. Mit dem Eintritt solcher Investoren wird nicht nur Kapital für innovative Investitionen in die Versorgung mit eingebracht, sondern zugleich entsprechendes Management-Know-How. Damit nähert sich der Gesundheitssektor den Regeln der Privatwirtschaft an, in der Investitionen aus dem Ausland (Kapitalimport) und Investitionen im Ausland (Kapitalexport) eine wichtige Rolle für die internationale Arbeitsteilung spielen. Gerade Deutschland ist mit seiner stark vom Außenhandel abhängigen Wirtschaft in diese Arbeitsteilung tief eingebettet. Doch wie für die gesamte Wirtschaft gelten auch für den Gesundheitssektor Begrenzungen. So wird gerade durch die Energiekrise deutlich sichtbar, dass eine zu tiefe Arbeitsteilung zu einer hohen Abhängigkeit von einem oder wenigen Wirtschafspartnern und somit zur Erpressbarkeit der nationalen Politik führen kann.

Mit der Globalisierung geht die Ökonomisierung der Gesundheitsversorgung einher. Die knappen Ressourcen, insbesondere der Fachkräftemangel, verlangen einen möglich effizienten Einsatz der verfügbaren Mittel. Dies führt dazu, dass im gesamten Gesundheitswesen das Wirtschaftlichkeitsgebot, d.h. mit knappen Mitteln eine möglichst hohe Leistung zu erzielen, zur Regel wird. Ein Instrument, um die Wirtschaftlichkeit zu steuern, sind Wirtschaftspläne, die Leistungsziele für die einzelnen Leistungserbringer festlegen. Solche ökonomisch definierten Zielvorgaben, wie z.B. die Zahl der behandelten Patient:innen, drohen die Entscheidungsfreiheit der Ärzt:innen in Diagnose und Therapie zu beschränken. Insbesondere dort, wo Investoren die ökonomische Letztverantwortung für Gesundheitsbetriebe übernehmen, wird befürchtet, dass die ärztliche Therapiefreiheit unverhältnismäßig beengt wird. In der schon vorher zitierten Befragung des IfG (2022) haben wir gezielt danach gefragt, inwieweit die im MVZ mit Kapitalbeteiligung beschäftigte Ärzteschaft ökonomische Zielvorgaben haben und wie weit sie sich in ihren ärztlichen Entscheidungen beschränkt fühlen. Die Abbildung 4 zeigt, dass 61% der befragten Ärzteschaft ökonomische Zielvorgaben haben.

Abb. 4 Ökonomische Zielvorgaben im MVZ mit Kapitalbeteiligung (IfG 2022)

Allerdings beeinflussen solche ökonomischen Vorgaben nach Einschätzung der Befragten die Tätigkeit in der Einzelpraxis noch stärker als dies in MVZ mit Kapitalbeteiligung der Fall ist. diese Einschätzung teilen sowohl diejenigen, welche vorher selbständig in der Niederlassung tätig waren, als auch solche, die aus einer angestellten Position in das MVZ gewechselt haben.

Ein differenziertes Bild ergibt sich bei der Frage nach dem Vergleich der ökonomischen Zielvorgaben in der vorherigen und der jetzigen Tätigkeit. Während die vorher angestellte Ärzteschaft – die zu einem großen Teil aus dem Krankenhaus kommen – angibt, dass die ökonomischen Zielvorgaben stärker ins Bewusstsein gerückt sind, ist das Wahrnehmen ökonomischer Begrenzungen großenteils gleichgeblieben. Eine Erklärung hierfür kann sein, dass sich im Krankenhaus die ökonomischen Zielvorgaben vor allem an die ärztliche Abteilungsleitung richten. Nachgeordnete hingegen werden nur peripher mit ökonomischen Vorgaben konfrontiert. Ärzt:innen, die aus der Niederlassung kommen, also vorher selbständig waren, sind hingegen nahezu täglich mit ökonomischen Vorgaben konfrontiert. Vorgaben dieser Art werden z.B. von den Kassenärztlichen Vereinigungen bzw. Krankenkassen in Form von Arzneimittelbudgets oder Honorarkürzungen gemacht.

Es überrascht beim Vergleich der Abbildungen 5 und 6, dass zwar im MVZ ökonomische Vorgaben stark ausgeprägt sind (s. Abb. 5), gleichwohl beide Gruppen, also die mit und ohne Einzelpraxis-Erfahrung, angeben, dass die Therapiefreiheit im MVZ besser gesichert ist als in der Einzelpraxis (Abb. 6).

Abb. 5 Ökonomische Vorgaben im MVZ mit Kapitalbeteiligung vs. in Einzelpraxis differenziert nach vorheriger Tätigkeit (IfG 2022)

In der Abbildung 6 wird sichtbar, dass nach Einschätzung der befragten Ärzteschaft im MVZ mit Kapitalbeteiligung die Therapiefreiheit besser gesichert ist als in der selbständigen Praxis. Dies ist ein überraschendes, aber doch verständliches Ergebnis. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass im MVZ die Teamarbeit und der fachliche Austausch zu konsentierten Entscheidungen führt, die nicht als Vorgaben empfunden werden. Der hohe Anteil an Enthaltungen könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Antwortkategorie „In beiden gleich“ fehlt.

Abb. 6 Therapiefreiheit im MVZ mit Kapitalbeteiligung vs. in Einzelpraxis, Einschätzung differenziert nach vorheriger Tätigkeit (IfG 2022)

Es zeigt sich also im Spiegelbild unserer Befragung, dass die Ökonomisierung in der Gesundheitsversorgung Deutschlands weit fortgeschritten ist, unabhängig in welcher Form medizinische Dienstleistungen erbracht werden. In kleinen Inhabergeführten Praxen wird der ökonomische Druck noch intensiver empfunden als in MVZ mit Kapitalbeteiligung.

1.4Wertewandel bei der jungen Ärzteschaft: MVZ als adäquate Antwort!

Seit der Jahrtausendwende wurde ein weitreichender Wertewandel in der jüngeren Generation sichtbar und spürbar. Nicht zuletzt durch die sozialen Medien hat sich die gesellschaftliche Kommunikation, ebenso wie die allgemeine Informationsgewinnung, an Schnelligkeit und Reichweite deutlich zugenommen. Nationale Begrenzungen verlieren weitgehend an Bedeutung, der internationale Austausch in nahezu allen Lebensbereichen bereichert einerseits und vereinheitlicht andererseits.

In der Arbeitswelt setzt sich der Trend durch, dass eine Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gefordert wird. Die Absolutierung der beruflichen Karriere hat an Dominanz verloren. Insbesondere durch die verstärkte Beteiligung der Frauen am Berufsleben wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu einer Forderung an die Betriebe und die Arbeitgeber, und dies gilt nicht zuletzt deswegen immer mehr, weil der Fachkräftemangel ohne die Einbeziehung der Frauen in das Berufsleben heute nichtmehr zu bewältigen ist.

Die kurz skizzierte Entwicklung trifft auch mit voller Wucht die Einrichtungen der Gesundheitsversorgung. Der aktuell bestehende Mangel an Pflegekräften wird durch einen sich abzeichnenden Mangel an Ärzt:innen noch weiter verstärkt. Das Bild von der sich aufopfernden Ärzteschaft, die nahezu ohne zeitliche Begrenzung für ihr Klientel erreichbar ist, hat ausgedient. Gefordert ist vielmehr unter dem Stichwort „Work-Life-Balance“ eine Abstimmung zwischen beruflichem Engagement und privatem Familienleben. Arbeitgeber, seien es Krankenhäuser oder Arztpraxen, die auf diese Zielorientierung keine Antwort finden, tun sich schon heute – und noch mehr in Zukunft – schwer studierte Arbeitskräfte zu gewinnen.

Gleichzeitig erhöhen geregelte Arbeitszeiten und risikolose Einkommen in Form von Gehalt die Attraktivität. Die Entwicklung der angestellten Ärzteschaft in der ambulanten Versorgung zeigt deutlich eine zunehmende Präferenz der jungen Ärzt:innen für ein Tätigwerden im Angestelltenstatus. So stieg im Zeitraum von 2004 bis 2020 die Zahl der in MVZ angestellten Ärzt:innen von 107 auf nahezu 22.000, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV 2021) berichtete.

Das bedeutet, dass die angestellte Ärzteschaft einen Anteil von 13,6% an der vertragsärztlichen Versorgung und 5,9% der Ärzteschaft, die in der Summe in der ambulanten und stationären Versorgung tätig waren, ausmachen.

Demnach zählen MVZ für Ärzt:innen heute zu den attraktivsten Arbeitgebern im Gesundheitssektor.

Wir haben nach den Gründen für diese hohe Präferenz für MVZ in der IfG Befragung (2022) gefragt. Alle 180 befragten Ärzt:innen sind in MVZ mit Kapitalbeteiligung tätig. In den Abbildungen 7 und 8 haben wir sieben mögliche Gründe zur Bewertung vorgegeben.

Wir haben die Antworten nach Altersgruppen differenziert, um näherungsweise den Wertewandel erfassen zu können. Tatsächlich zeigen sich bei den Gründen zwischen den gebildeten Altersgruppen deutliche Unterschiede, die wir oben als Erscheinungsformen des Wertewandels beschrieben haben. Am Häufigsten wurden geregelte Arbeitszeiten neben der Vereinbarkeit von Beruf und Familie genannt. Auch bei dem Wunsch nach einem festen Gehalt unterscheiden sich die Altersgruppen deutlich. Hingegen unterscheiden sich die Altersgruppen in ihren Präferenzen weniger beim Vermeiden eines Investitionsrisikos, welches mit einer Niederlassung verbunden ist, sowie in der Scheu vor administrativen Aufwand.

Für die unterschiedlichen Beweggründe der beiden Altersgruppen dürfte auch der unterschiedliche Anteil an Frauen eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Lange Zeit waren angestellte Ärztinnen in der ambulant-ärztlichen Versorgung in Deutschland eine kleine Minderheit. Erst mit der Gründung von MVZ stieg die Zahl der angestellten Ärztinnen rasch an. So fand in den letzten Jahren eine Vervielfachung der angestellten Ärztinnen statt, wobei MVZ die weitaus wichtigsten Arbeitgeber in der ambulanten Versorgung sind. Offensichtlich verbindet sich für viele junge Ärztinnen eine Tätigkeit im Angestelltenverhältnis in einem MVZ mit weiteren Vorteilen, die sie in der eigenen Niederlassung oder auch im Krankenhaus nicht sehen.

Abb. 7 Gründe für Tätigkeit als Angestellte:r im MVZ mit Kapitalbeteiligung differenziert nach Altersgruppen, (IfG 2022)

Abb. 8 Gründe für Tätigkeit als Angestellte(r) im MVZ mit Kapitalbeteiligung differenziert nach Geschlecht (IfG 2022)

Differenziert man die Antworten nach Geschlecht (Abb. 8), so zeigt sich, dass für Frauen v.a. das Arbeiten im Team, der fachliche Austausch, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, geregelte Arbeitszeiten und das nicht vorhandene Investitionsrisiko den Arbeitsplatz im MVZ attraktiv machen. Hingegen spielt die Höhe des Gehaltes eine wesentlich weniger große Rolle als bei Männern.

Für die Männer sind ebenfalls das fehlende Investitionsrisiko, geregelte Arbeitszeiten und ein geringerer administrativer Aufwand wichtige Gründe für eine Anstellung in einem MVZ.

Die hohe Präferenz von Ärztinnen für Teamarbeit begünstigt die MVZ als Arbeitgeber gegenüber inhabergeführten Praxen, da sie oft fachübergreifend besetzt sind.

Bei einer weiteren Differenzierung der Antworten nach der vorherigen Tätigkeit (s. Abb. 9) fällt besonders auf, dass bei vorher Selbständigen in einer Niederlassung das fehlende Investitionsrisiko und der geringere administrative Aufwand die Arbeit im MVZ attraktiv machen. Wohingegen diejenigen, die aus einem Angestelltenstatus in das MVZ gewechselt sind, die Teamarbeit und den damit verbundenen fachlichen Austausch als wichtigsten Beweggründe nannten. Dicht gefolgt sind hier geregelte Arbeitszeiten und das nicht vorhandenen Investitionsrisiko, welches ein MVZ bieten kann.

Abb. 9 Gründe für Tätigkeit als Angestellte:r im MVZ mit Kapitalbeteiligung differenziert nach vorheriger Tätigkeit (IfG 2022)

Auch Befragungen des Marburger Bunde (Marburger Bund 2022) und des Instituts der deutschen Zahnärzte (Kettler 2021) kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Bei einer Befragung von 570 jungen Zahnärzt:innen nach den Gründen, die für eine Niederlassung bzw. für eine Anstellung sprechen, kristallisierte sich als wichtiges Pro-Argument für die Anstellung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf heraus. Dabei unterscheiden sich die Antworten von Männern und Frauen nicht so deutlich, wie man es vermuten würde: Etwa 40% der Männer und etwa 55% der Frauen nannten dies als wichtiges Argument gegen eine Niederlassung. Der fachliche Austausch mit Kolleg:innen wird ebenfalls als wichtige Grund für eine Anstellung, etwa 35% der Frauen und 30% der Männer, angegeben.

Hingegen überrascht es wenig, dass die Befragten als Argument für eine zahnärztliche Niederlassung die Verdienstmöglichkeiten angeben. Auch hier gibt es einen geschlechtsspezifischen Unterschied derart, dass Männer den Verdienstmöglichkeiten einen höheren Stellenwert einräumen als Frauen.

In entsprechenden Befragungen von Zahnärzt:innen der APO Bank (2014 und 2017) (Kettler 2021), werden neben den genannten Gründen für ein Anstellungsverhältnis auch die Bürokratie sowie das finanzielle Risiko als Hürden auf dem Weg in die Existenzgründung benannt. Damit decken sich die Befragungsergebnisse der jungen Zahnärzteschaft mit unseren Ergebnissen weitgehend.

Der gesellschaftliche Wertewandel, welcher auch voll bei der jungen Generation angekommen ist, führt zu weitreichenden Konsequenzen für die ärztliche Berufsausübung. Wer heute, und noch mehr in der Zukunft, genügend ärztliches Fachpersonal gewinnen will, muss diesem Wertewandel Rechnung tragen. Die betriebliche Organisationsform von MVZmB kommt dem bereits nach. MVZmB kann demnach ein positiver Trend vorausgesagt werden. Diese Einschätzung teilen auch die von uns befragte Ärzteschaft, wie der Abbildung 10 zu entnehmen ist.

Abb. 10 Zukünftige Bedeutung von MVZ für die ambulant ärztliche Versorgung (IfG 2022)

Eine Gesundheitspolitik, die sich diesem Trend widersetzt und den Wertewandel in der jungen Generation missachtet, muss mit erheblichem Widerstand rechnen. Dies kann sich auch in einem schwindenden Interesse an einem medizinischen Studium, und insbesondere an einer ärztlichen Berufsausübung niederschlagen!

1.5Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Die Zeitenwende in der Gesundheitsversorgung wird von mehreren fundamentalen Veränderungen bestimmt. Aus unserer Sicht sind neben den technisch-ökonomischen Treiberfaktoren vor allem der Wertewandel in der jungen Generation, dominierend. Dies trifft in besonderem Maße für die Gesundheitsberufe und hier wiederum für den ärztlichen Beruf zu.

Der Wertewandel der jüngeren Generation hinterlässt auch in der Demografie Fußspuren. Das Streben nach stärkerer Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei gleichzeitig sinkender Kinderzahl, verbunden mit einer höheren Lebenserwartung, führt in der Konsequenz zu einem Arbeitskräftemangel und einer schwierigen Finanzierungssituation der Sozialversicherungssysteme in den kommenden 25 Jahren.

Ein zweiter Anstoß für eine grundlegende Veränderung liegt in der Digitalisierung aller Lebensbereiche. Hier hinkt das Gesundheitswesen eher den Möglichkeiten hinterher, wobei MVZ mit Kapitalbeteiligung eine Vorreiterrolle zufällt. Doch treibt die Digitalisierung auch die Ambulantisierung und Domestizierung der medizinisch ärztlichen Versorgung voran. Immer mehr diagnostische und therapeutische Leistungen wandern aus dem Krankenhaus in die ambulante Versorgung, wobei die inhabergeführte Einzelpraxis gegenüber einem MVZ mit durchschnittlich sechs Beschäftigten Ärzt:innen ins Hintertreffen kommt.

Der allgemeine Kostendruck im Gesundheitssystem, ausgelöst durch steigende Vergütungsforderungen der Beschäftigten, in Verbindung mit einer Reduktion der Arbeitszeiten, treibt die Ökonomisierung in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung an. Es gilt die Dualität von Wirtschaftlichkeit und Versorgungsqualität nicht als konkurrierende, sondern als komplementäre Zielsetzungen zu verstehen. Auch hier zeigt eine Befragung des IfG im Jahr 2022 von 180 Ärzt:innen, beschäftigt in MVZ mit Kapitalbeteiligung, dass dies im MVZ mit Kapitalbeteiligung besser gelingt als in inhabergeführten Praxen.

Einen dominanten Einfluss auf die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Deutschland übt der schon angesprochene Wertewandel der jungen Ärzteschaft aus. Die vorrangigen Ziele, besonders von Ärztinnen, eine geregelte Arbeitszeit und eine hohe Vereinbarkeit von Beruf und Familie, können derzeit am besten in MVZ-Strukturen erfüllt werden. Ein Beleg dafür sind die rasch steigende Zahl an angestellten Ärzt:innen in Medizinischen Versorgungszentren, wohingegen die Zahl der Ärzteschaft in Einzelpraxen sinkt und derzeit auch junge Assistenzärzt:innen dem Krankenhaus den Rücken kehren.

Wenn also die Politik die attraktivsten Arbeitgeber für die jüngere Ärzteschaft eingrenzen will, so muss ihr bewusst sein, dass sie hierbei auch für viele Ärzt:innen berufliche Entwicklungsmöglichkeiten behindert und letztlich den Arztberuf weniger attraktiv macht. Konsequenzen auf die Patientenversorgung sind daraus leicht ableitbar.

Literatur

Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) (2022) MVZ mit Kapitalbeteiligung im Meinungsbild der dort beschäftigten Ärzt:innen: Ergebnisse einer Befragung aus dem Jahr 2022, München

Kettler N (2021) Junge Zahnärztinnen und -ärzte. Deutscher Zahnärzte Verlag Köln

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) (2021) Entwicklungen der Medizinischen Versorgungszentren, Statistische Informationen zum Stichtag 31.12.2020. URL: https://www.kbv.de/media/sp/mvz_entwicklungen.pdf (abgerufen am 22. September 2022).

Marburger Bund (2022) MB-Monitor 2022: Zu wenig Personal, zu viel Bürokratie, unzulängliche Digitalisierung. URL: https://www.marburger-bund.de/bundesverband/themen/marburger-bund-umfragen/mb-monitor-2022-zu-wenig-personal-zu-viel-buerokratie (abgerufen am 13. September 2022)

Statistisches Bundesamt (2019) Bevölkerung im Erwerbsalter sinkt bis 2035 voraussichtlich um 4 bis 6 Millionen (Pressemitteilung Nr. 242 vom 27. Juni 2019). URL: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/06/PD19_242_12411.html (abgerufen am 28. September 2022)

Prof. Dr. Günter Neubauer

Günter Neubauer ist seit 1990 der Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik München. Er ist Mitglied im Vorstand von Health Care Bayern e.V. und Mitglied in div. wissenschaftlichen Bei- und Aufsichtsräten. Von 1978 bis 2006 lehrte er als Professor für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt auf Gesundheitsökonomik an der Universität der Bundeswehr in München. Von 1987 bis 1990 war er Mitglied der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Reform der GKV“. Von 1990 bis 1998 war er Sachverständiger für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen.

 

2

Welche Integrations- und Innovationsgrade sind in modernen ambulanten Versorgungslösungen angelegt?

Helmut Hildebrandt, Heidrun Sturm und Ulf Werner

2.1Einleitung