Mehrsprachigkeit in der frühen Kindheit: Chance oder Risiko? - Yelena Rörig - E-Book

Mehrsprachigkeit in der frühen Kindheit: Chance oder Risiko? E-Book

Yelena Rörig

0,0
29,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Die Bedeutung der Sprache für die individuelle intellektuelle Entwicklung als Mensch zeigt sich auch in den nachfolgenden Zitaten: „Jede neue Sprache ist wie ein offenes Fenster, das einen neuen Ausblick auf die Welt eröffnet und die Lebensauffassung weitet“ (Frank Harris (1856–1931)). Und: „Je mehr Sprachen Du sprichst, desto größer bist Du als Mensch“ deutlich (Hammes-Di Bernardo 2008, S. 6). Die Bundesrepublik Deutschland zieht aus verschiedenen Gründen wie zum Beispiel Wohlstand oder auch nur als kriegsfreie Zone zahlreiche Migranten an. Dies führt dazu, dass Deutschland weltweit eines der beliebtesten Zuwanderungsländer geworden ist. Aus diesem Grund wachsen immer mehr Kinder mehrsprachig auf, indem sie sowohl die Sprache der Eltern als auch Deutsch lernen. Viele dieser Eltern mit Migrationshintergrund sind jedoch unsicher, ob sie ihre Kinder zweisprachig erziehen oder aufwachsen lassen sollen. Sie fragen sich, welchen Einfluss die Zweisprachigkeit auf die Kinder hat und ob sie deren Entwicklung fördert, verzögert oder gar erschwert (vgl. Soultanian 2012, S. 7). Mehrsprachigkeit ist weltweit sicherlich keine Ausnahme und auch circa ein Drittel der in Deutschland aufwachsenden Kinder ist bilingual. Nichtsdestotrotz wird die Fähigkeit, in zwei Sprachen zu kommunizieren, in der schulischen Praxis und der Gesellschaft tendenziell eher kritisch, wenn nicht sogar negativ gesehen. Kinder, die beispielsweise türkisch sprechen, werden in der Öffentlichkeit als Problemfälle wahrgenommen, da sie statistisch gesehen zu den Verlierern des Bildungssystems gehören. Der Kern des Problems liegt jedoch nicht in der Mehrsprachigkeit selbst, sondern im Umgang mit ihr. In Deutschland herrscht weiterhin überwiegend die Meinung, dass semilinguale Mehrsprachige und ihre Eltern selbst an der unterentwickelten sprachlichen Kompetenz schuld seien, da sie sich nicht integrieren wollen. De facto ist es dem Bildungssystem indes nicht gelungen, die sprachlichen Qualifikationen sowohl der Mutter- als auch der Zweitsprache so zu fördern, dass in beiden Sprachen ausreichende Fähigkeiten erworben werden (vgl. Belke 2012, S. 2). Auf Basis dieser Überlegungen lautet das Thema dieser Arbeit: Stellt Mehrsprachigkeit in der frühen Kindheit eine Chance oder ein Risiko dar?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
PDF

Seitenzahl: 108

Veröffentlichungsjahr: 2016

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Impressum:

Copyright (c) 2015 GRIN Verlag / Open Publishing GmbH, alle Inhalte urheberrechtlich geschützt. Kopieren und verbreiten nur mit Genehmigung des Verlags.

Bei GRIN macht sich Ihr Wissen bezahlt! Wir veröffentlichen kostenlos Ihre Haus-, Bachelor- und Masterarbeiten.

Jetzt beiwww.grin.com

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Schlüsselwörter

1. Einleitung

2. Grundsätzliches zum Erstspracherwerb

2.1 Zum Begriff Sprache

2.2 Die Phasen des Spracherwerbs

2.3 Die Erstsprache als Fundament für den Erwerb der Zweitsprache

2.4 Die Rolle der Erstsprache für die Identitätsentwicklung

2.5 Zusammenfassung

3. Grundlagen zur Mehrsprachigkeit

3.1 Zum Begriff Mehrsprachigkeit

3.2 Fakten und Zahlen über Mehrsprachigkeit

3.3 Mehrsprachigkeit aus neurologischer Sicht

3.4 Familien- und Umgebungssprache

3.5 Starke und schwache Sprache

3.6 Wie eine Zweitsprache von den Kindern erlernt wird

3.7 Zusammenfassung

4. Die Mehrsprachigkeit beeinflussende Faktoren

4.1 Art des sprachlichen Angebotes

4.2 Form der Förderung

4.3 Motivation und Emotionalität

4.4 Familiärer Sprachgebrauch

4.5 Alter bei Spracherwerbsbeginn

4.6 Zusammenfassung

5. Arten der Mehrsprachigkeit

5.1 Simultane versus sukzessive Mehrsprachigkeit

5.2 Natürliche versus gesteuerte Mehrsprachigkeit

5.3 Additive versus subtraktive Mehrsprachigkeit

5.4 Zusammenfassung

6. Pro und Kontra früher Mehrsprachigkeit

6.1 Vorteile der Mehrsprachigkeit

6.1.1 Steigerung der Kommunikationsfähigkeit

6.1.2 Interkulturelle Kompetenz

6.1.3 Bessere Berufschancen

6.1.4 Kognitiver Aspekt

6.1.5 Erhöhung der Aufmerksamkeitskontrolle

6.2 Nachteile der Mehrsprachigkeit

6.2.1 Sprachverweigerung

6.2.2 Doppelte Halbsprachigkeit

6.2.3 Sprachverlust bei Mehrsprachigkeit

6.2.4 Negativer Transfer beim Zweitspracherwerb

6.2.5 Kindlicher Sprachwechsel und Sprachmischungen

6.3 Zusammenfassung

7. Fazit

Abstract

Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob Mehrsprachigkeit in der frühen Kindheit eine Chance oder vielmehr ein Risiko darstellt.

Das erste Kapitel beinhaltet die Einleitung mit einer allgemeinen Einführung in die Thematik.

Im nachfolgenden zweiten Kapitel werden grundsätzliche Überlegungen zum Erstspracherwerb sowie die Verknüpfungen von Erst- und Zweitsprache diskutiert. Hierbei wird explizit darauf eingegangen, wie wichtig die Erstsprache für alle weiteren Spracherwerbe ist.

Das dritte Kapitel enthält die Grundlagen zur Mehrsprachigkeit. Neben verschiednen Begriffsdefinitionen von Mehrsprachigkeit werden auch Fakten über diese aufgezeigt. Neurologische Grundlagen werden ebenso vorgestellt wie die Begrifflichkeiten Familien- und Umgebungssprache sowie starke und schwache Sprache. Zum Abschluss des Kapitels wird beschrieben, wie eine Zweitsprache von Kindern erlernt wird.

Der Erwerb von Mehrsprachigkeit erfolgt naturgemäß nicht losgelöst von Umweltfaktoren, die den Kompetenzerwerb maßgeblich beeinflussen. Die Art des sprachlichen Angebotes und die Form der Förderung sind wesentliche Bestandteile des vierten Kapitels. Zudem werden Motivation und Emotionalität, der familiäre Sprachgebrauch sowie das Alter bei Spracherwerbsbeginn thematisiert.

Die verschiedenen Arten der Mehrsprachigkeit mit gegensätzlichen Begriffspaaren werden im fünften Kapitel dargelegt.

Die Vorteile der Mehrsprachigkeit, die insbesondere in der Steigerung der Kommunikationsfähigkeit, der höheren interkulturellen Kompetenz und besseren beruflichen Chancen bestehen, werden im folgenden Kapitel erläutert. Weitere Vorteile wie verbesserte kognitive Fähigkeiten und eine erhöhte Aufmerksamkeitskontrolle stellen ebenfalls positive Aspekte der Mehrsprachigkeit dar.

Sprachverweigerung, doppelte Halbsprachigkeit oder Sprachverlust können hingegen Nachteile von Mehrsprachigkeit sein, ebenso wie ein negativer Transfer aus anderen Sprachen oder Sprachmischungen.

Ein abschließendes Fazit mit der Beantwortung der Eingangsfrage rundet diese Arbeit ab.

Schlüsselwörter

1. Einleitung

Die Geschichte der Mehrsprachigkeit reicht bis weit in die Vergangenheit zurück. Bereits vor etwa sechstausend Jahren lebten bei den Akkadern und Sumerern zweisprachige Menschen, die sogar schon damals zweisprachige Lexika erstellten. Während dieser Epoche entstanden auch in Babylon und Assyrien königliche Sprachschulen, die es den Schülern ermöglichen sollten, innerhalb von drei Jahren eine Zweitsprache zu erlernen. Das Alte Testament beinhaltet ebenfalls bereits zahlreiche Kapitel über zweisprachige Individuen oder ganze Personengruppen. In diesen Aufzeichnungen werden auch die schon seinerzeit bestehenden sprachlichen Missverständnisse zwischen verschiedenen Kommunikationsteilnehmern anschaulich beschrieben (vgl. Triarchi-Hermann 2012, S. 12). Auch die Römer erkannten bereits die Vorteile der Mehrsprachigkeit. Aus diesem Grund ließen sie ihre Kinder durch griechische Sklaven in Fremdsprachen unterrichten (vgl. Abendroth-Timmer/Breidbach 2000, S. 11).

Wir leben in dem politischen Gebilde der Europäischen Union, in welchem die Menschen zahlreiche unterschiedliche Sprachen sprechen. Eine Kommunikation der verschiedenen möglichen Gesprächspartnerinnen untereinander ist jedoch nur möglich, wenn die Menschen eine gemeinsame Sprache sprechen und sich auf diese Weise verständigen können. Auch im Zuge des Zusammenwachsens der unterschiedlichen europäischen Völker ist Mehrsprachigkeit unabdingbar. Mit ihrer Hilfe ist es einfacher, sich in anderen Ländern zu integrieren und eine Bindung zu der dort bereits lebenden Bevölkerung herzustellen, da Sprachkompetenz stets mit einer interkulturellen Kommunikationsfähigkeit einhergeht (vgl. Nardon-Schmid 2010, S. 4, online).

Sprache eröffnet uns die Möglichkeit, unsere Gedanken und Gefühle anderen Menschen mitzuteilen und diese an unserem Leben teilhaben zu lassen (vgl. Jampert et al. 2005, S. 17). Das Erlernen von Sprachen ist demzufolge auch eine Notwendigkeit, um erfolgreich in der Welt agieren zu können. Inzwischen ist infolgedessen allgemein anerkannt, dass der Erwerb von Sprachkompetenz einen wichtigen Beitrag zum Bildungserfolg leistet (vgl. Albers 2009, S. 264).

Die Bedeutung der Sprache für die individuelle intellektuelle Entwicklung als Mensch zeigt sich auch in den nachfolgenden Zitaten: „Jede neue Sprache ist wie ein offenes Fenster, das einen neuen Ausblick auf die Welt eröffnet und die Lebensauffassung weitet“ (Frank Harris (1856–1931)). Und: „Je mehr Sprachen Du sprichst, desto größer bist Du als Mensch“ deutlich (Hammes-Di Bernardo 2008, S. 6).

Die Bundesrepublik Deutschland zieht aus verschiedenen Gründen wie zum Beispiel Wohlstand oder auch nur als kriegsfreie Zone zahlreiche Migranten an. Dies führt dazu, dass Deutschland weltweit eines der beliebtesten Zuwanderungsländer geworden ist. Aus diesem Grund wachsen immer mehr Kinder mehrsprachig auf, indem sie sowohl die Sprache der Eltern als auch Deutsch lernen. Viele dieser Eltern mit Migrationshintergrund sind jedoch unsicher, ob sie ihre Kinder zweisprachig erziehen oder aufwachsen lassen sollen. Sie fragen sich, welchen Einfluss die Zweisprachigkeit auf die Kinder hat und ob sie deren Entwicklung fördert, verzögert oder gar erschwert (vgl. Soultanian 2012, S. 7).

Mehrsprachigkeit ist weltweit sicherlich keine Ausnahme und auch circa ein Drittel der in Deutschland aufwachsenden Kinder ist bilingual. Nichtsdestotrotz wird die Fähigkeit, in zwei Sprachen zu kommunizieren, in der schulischen Praxis und der Gesellschaft tendenziell eher kritisch, wenn nicht sogar negativ gesehen. Kinder, die beispielsweise türkisch sprechen, werden in der Öffentlichkeit als Problemfälle wahrgenommen, da sie statistisch gesehen zu den Verlierern des Bildungssystems gehören. Der Kern des Problems liegt jedoch nicht in der Mehrsprachigkeit selbst, sondern im Umgang mit ihr. In Deutschland herrscht weiterhin überwiegend die Meinung, dass semilinguale Mehrsprachige und ihre Eltern selbst an der unterentwickelten sprachlichen Kompetenz schuld seien, da sie sich nicht integrieren wollen. De facto ist es dem Bildungssystem indes nicht gelungen, die sprachlichen Qualifikationen sowohl der Mutter- als auch der Zweitsprache so zu fördern, dass in beiden Sprachen ausreichende Fähigkeiten erworben werden (vgl. Belke 2012, S. 2).

2. Grundsätzliches zum Erstspracherwerb

Zum Verständnis dieser Arbeit ist an dieser Stelle noch zwischen den Begriffen Erst- und Zweitsprache zu differenzieren: Die Erstsprache ist diejenige Sprache, die chronologisch zuerst erlernt wird. Als Synonyme werden in dieser Arbeit auch Mutter- und Familiensprache verwendet, wenngleich sich die Verfasserin der geringfügigen Abweichungen zwischen Erst- und Muttersprache bewusst ist. Alle zeitlich nach der Erstsprache gelernten Sprachen sind bei der Anwendung obiger Definition demnach Zweitsprachen (vgl. Krafft 2014, S. 9).

In diesem Kapitel erfolgt zunächst eine allgemeine Begriffserklärung der Sprache. Es wird beschrieben, in welchen Phasen der Spracherwerb vonstattengeht. Anschließend wird die unverzichtbare Rolle der Erstsprache sowohl für den Zweitspracherwerb als auch für die Identitätsentwicklung thematisiert.

2.1 Zum Begriff Sprache

„Sprache macht stark, sie eröffnet die Möglichkeit, sich einzubringen, Neues zu erforschen, miteinander zu sprechen und voneinander zu lernen. Je früher Sprachbildung aktiv gefördert, aber auch gefordert wird, desto leichter wird es Kindern fallen, Sprachvermögen zu entwickeln und ihr Potenzial auf einem erfolgreichen Bildungsweg zu entfalten“ (Spengler 2010, S. 8).

Mithilfe von Sprache wird eine verschlüsselte Botschaft vom Sender an den Empfänger übermittelt, die dieser wiederum decodieren muss. Die Form der Übermittlung kann aus Worten Sätzen oder auch nur aus Lauten bestehen. Ebenfalls wichtig für das Verständnis sind die gewählte Betonung und die Sprachmelodie. Das Ausbilden der Sprache war auch ein entscheidender Bestandteil in der Evolutionsgeschichte für die Entwicklung des heutigen Menschen vom affenartigen Wesen zum Homo sapiens. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, Informationen an andere weiterzugeben, Gefühle oder Bedürfnisse zu äußern, Beziehungen zu knüpfen und diese aufrechtzuerhalten. Sprache ist ein Mittel der Kommunikation, welches sowohl verbal als auch nonverbal über Gesten, Mimik oder Körpersprache genutzt werden kann (vgl. Vollmer 2012, S. 90).

Mit etwas anderen Worten umschreibt Kühnle seine Auffassung vom Begriff Sprache folgendermaßen: „Sprache ist das umfassendste und differenzierteste Ausdrucksmittel des Menschen, zugleich die höchste Erscheinungsform sowohl des subjektiven wie auch des objektiven Geistes. Die Sprache hat sich aus Naturlauten entwickelt. Jeder Schrei ist schon eine Art Sprache. An der Verbesserung dieses wichtigen, wenn auch noch primitiven Verständigungsmittels arbeitete der Mensch, indem er den Schrei zu gestalten suchte“ (Kühnle 2006, S. 29).

2.2 Die Phasen des Spracherwerbs

Neugeborene können noch nicht mithilfe von Sprache kommunizieren. Sie erlernen diese Fähigkeit erst im Laufe ihres Entwicklungsprozesses. Aus diesem Grund ist es erforderlich, sich mit den verschiedenen Phasen des Spracherwerbs auseinanderzusetzen. In der Literatur werden zu diesem Thema verschiedene Ansätze vertreten; in diesem Teilkapitel wird der Schwerpunkt auf den Spracherwerbsprozess nach Vollmer gelegt, der zunächst beschrieben wird.

Vor der eigentlichen Entwicklung der Sprache findet bereits eine vorsprachliche Entwicklung beim Säugling statt. In den ersten Lebenswochen beschränkt sich diese jedoch ausschließlich auf das Schreien des Säuglings. Nach etwa sechs bis acht Wochen ist das Neugeborene in der Lage, zu gurren. Gleichzeitig entwickeln die neuen Erdenbürger ab dem zweiten Lebensmonat die ersten Formen des Lachens sowie weitere Laute. Nach circa einem halben Jahr setzt das Lallstadium ein. Im Gehirn werden von nun an die phonetischen Merkmale der Muttersprache verarbeitet sowie die ersten Wörter herausgefiltert. Es ist in diesem Stadium besonders wichtig, dass die Bezugsperson die Sprache über Emotionen an das Kind weitergibt, denn dieses wird ausschließlich bei einem emotionalen Bezug auf die ihm übermittelten Worte achten. Grundvoraussetzung für eine gute sprachliche Entwicklung ist somit die emotionale Hinwendung zu den Lernenden (vgl. Vollmer 2012, S. 91).

Die eigentliche sprachliche Entwicklung setzt Vollmer zufolge nach circa zehn Monaten ein. Hierbei unterscheidet er die nachfolgend genannten Phasen:

Ab dem zehnten Monat: Ab diesem Alter beginnt die eigentliche Sprachentwicklung. Das Kind ist in der Lage, die ersten Wörter zu bilden. Der Inhalt einzelner Begriffe wird erkannt. Ohne noch selbst sprechen zu können, beginnen die Kinder, die Sprache zu verstehen.

Ab dem 18. Monat: Das Kind kann die ersten Einwortsätze bilden. Der Wortschatz umfasst inzwischen ungefähr fünfzig Wörter und wächst schnell. In diesem Lebensalter werden Wörter für Objekte und Merkmale von Objekten erlernt. Fragen werden durch Betonung gebildet. Einfachste Sachverhalte können ausgedrückt werden, zum Beispiel „Ball“.

Ab zwei Jahren: Die ersten einfachen Zwei- und Dreiwortsätze werden gebildet, jedoch noch ohne feste grammatikalische Strukturen. Sie bestehen häufig aus einfachen Substantiven, Verben oder Adjektiven. Die Verwendung von Artikeln oder Hilfsverben erfolgt noch nicht. Ein Beispiel hierfür ist „Papa schlafen“.

Ab zweieinhalb Jahren: Das Kind ist inzwischen fähig, Mehrwortsätze zu bilden. Es kann sowohl seinen Namen als auch „ich“ sagen. Der zur Verfügung stehende Wortschatz hat sich deutlich erweitert.

Ab drei Jahren: Der Wortschatz sollte inzwischen auf bis zu tausend Wörter erweitert sein. Nicht so leicht zu artikulierende Lautverbindungen wie zum Beispiel „kn“ oder „bl“ können inzwischen gemeistert werden. Es beginnt das Fragealter, in dem die Kinder immer wieder fragen: „Was?“, „Wieso?“, „Warum?“ Die Bildung einfacher Sätze einschließlich Nebensätzen ist möglich, wobei auch Sachen benannt und Fürwörter benutzt werden können. Mengenbegriffe wie „viel“ oder „wenig“ sowie Zeitbegriffe wie „gestern“ oder „morgen“ werden verwendet.

Von vier bis fünf Jahren: Zusammenhänge können beschrieben und Präterita-Formen gebildet werden. Die grundlegenden Satzmuster können, auch wenn noch nicht alle grammatikalischen Regeln beherrscht werden, angewandt werden. Es erfolgt die erste Bildung von komplexeren Sätzen.

Ab fünf Jahren: Sätze mit Haupt- und Nebensatz können sowohl grammatikalisch korrekt gesprochen als auch Laute und Lautverbindungen zutreffend artikuliert werden.

Ab sechs Jahren: Es ist den Kindern jetzt möglich, sich differenziert auszudrücken und auch schwierigere Gedankengänge korrekt wiederzugeben. Geschichten können erzählt oder erfunden werden. Die Grammatik wird größtenteils sicher angewandt (vgl. ebd., S. 92).