Beschreibung

Leben Sie auch in einem chaotischen, aber glücklichen Haushalt mit Hunden? Tauchen sie ein in die mitreißenden, herrlich verrückten und zuweilen traurigen Geschichten über die Labradore und ihre von eigener Pfote einzigartig gut erzogene Familie. Haben Sie nachts auch Spanner am Bett, wenn es gerade richtig romantisch wird? Was tun, wenn eine Zecke am Labradödel ist? Gehen Sie mit auf eine Lesereise in unser total verrücktes Leben mit den Hunden und entdecken Sie die Antworten und weitere fast unglaubliche, aber reale Geschichten!

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Seitenzahl: 543

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Dieses Buch ist meiner Tochter Claire gewidmet, die viele der hier geschriebenen Geschichten mit er- und gelebt hat, sowie meiner Enkelin »Emma«, die am 5. November 2015 geboren wurde.

Bis Emmchen auf die Welt kam, wusste ich nicht, was meinem Leben noch wirklich fehlte…

Weiterhin ist dieses Buch unserem Enkel »Finn« gewidmet, dem kleinen Freund unseres Rüden Arthur. Finn hat es im Alter von nur 8 Monaten geschafft, unseren vierbeinigen Bengel um das kleine, dicke Fäustchen zu wickeln.

Ich hoffe, ich werde Euer Leben noch eine lange Weile verfolgen dürfen und dabei erleben, wie eine neue Generation mit unseren wundervollen Hunden aufwächst, Respekt vor den Tieren lernt und damit ihre Liebe, Treue und Anhänglichkeit verdient.

Ich habe Euch alle sehr, sehr lieb!

Herbst 2015

Inhalt

Kapitel 1

Wie das Landleben mit Labrador begann…

Kapitel 2

Die Sache mit der Verdauung…

Kapitel 3

Hunde im Schlafzimmer – oder: Wie geht das mit dem Sex?

Kapitel 4

Der abendliche Kampf um den besten Platz auf der Couch

Kapitel 5

Abby geht zum Tierarzt

Kapitel 6

Arthur und das Liebesleben eines Labradors

Kapitel 7

Kara geht über die Regenbogenbrücke

Kapitel 8

Gewitter

Kapitel 9

Abby plündert das Kuchen-Büffet

Kapitel 10

Nori … ein Leben ohne Geschichten

Kapitel 11

Wie Kara unter den Schreibtisch vom Chef kackte

Kapitel 12

Abby frisst Pizza

Kapitel 13

Sabber am Esstisch

Kapitel 14

Die Zecke am Labradödel

Kapitel 15

Kara und der Mittags-Sex

Kapitel 16

Die fiese Hausbesetzerin

Kapitel 17

Die Nacht nach Shari´s OP

Kapitel 18

Abby stirbt

Kapitel 19

Arthur, das rosa Luder

Kapitel 20

Abby und der »bunte« Teller

Kapitel 21

Hazel ist verschwunden

Kapitel 22

Das Shari-Mantra

Kapitel 23

Bettenkauf

Kapitel 24

Arthur in der Tierklinik

Kapitel 25

Shari und die Fress-Sucht

Kapitel 26

Kara in der Hundeschule

Kapitel 27

Nori stirbt

Kapitel 28

Arthur beißt Herrchen in den Daumen

Kapitel 29

Hazel, die Unterbux und der Frühstückraum

Kapitel 30

Arthur, ein ganzer Kerl

Kapitel 31

Abby ist heiß und mutiert zur Lebedame

Kapitel 32

Nori´s Kastration

Kapitel 33

Abby und das Tierschutz-Gesicht

Kapitel 34

Schornsteinfeger, Kundendienst und Co.

Kapitel 35

Shari wird teuer

Kapitel 36

Abby will fliegen und erklimmt eine Leiter

Kapitel 37

Arthur hat chronische Halsschmerzen

Kapitel 38

Shari pinkelt auf Designer-Schuhe

Kapitel 39

Nori – Die Bananen, der Semmel und mehr…

Kapitel 40

Kara stirbt im ersten Lebensjahr beinahe

Kapitel 41

Arthur der Stehpinkler blamiert uns

Kapitel 42

Kara und die zerkauten Schuhe

Kapitel 43

Nori, der abgeleckte Vogel und Candy verlässt uns

Kapitel 44

Arthur reihert in meinen Birkie

Kapitel 45

Kara wird zusammengetreten

Kapitel 46

Arthur – Kenn ich nicht, fress ich nicht

Kapitel 47

Kara läuft weg

Kapitel 48

Gewohnheitstiere

Kapitel 49

This is he end! Oder vielleicht doch eher nicht?

Kapitel 50

Die Protagonisten dieses Buches

Epilog

Zu diesem Buch…

Danke

Das kommende Projekt…

Kapitel 1

Wie das Landleben mit Labrador begann…

‚Eine Reise beginnt mit dem ersten Schritt vor die Tür…‘

In den letzten gut 15 Jahren begleitete uns eine stattliche Anzahl von Labradoren. Es waren nicht nur unsere eigenen Hunde, sondern auch Pflegehunde, die unseren Lebensweg- zumindest für eine kleine Zeitspanne- kreuzten.

Diese Jahre füllten unser Leben mit Geschichten, die erzählenswert waren und bis heute sind. Viele Abende mit Freunden wurde bei uns gelacht und geweint, wenn wir mal wieder über Begebenheiten mit den Hunden erzählten. Erinnerungen an verstorbene Tiere wurden herauf beschworen und Anekdoten über unsere derzeitigen Labbis zum Besten gegeben.

Immer wieder fiel dabei der Satz »Schreib es doch mal auf…« und mit diesem Satz tat ich dann irgendwann meinen persönlich ersten Schritt vor die Tür. Die Reise hatte begonnen…

Wer Hunde hat, kann in aller Regel auch immer Geschichten erzählen. Wer aber einen Labrador besitzt, der wird sicher von ganz besonderen Erlebnissen zu berichten wissen.

Labradore sind nicht nur stur und wundervoll zärtlich. Sie sind immer auch gut für Aktionen, die kaum zu toppen sind. Sei es, dass ihre Gefräßigkeit sie in fremde Küchen treibt, oder sie sich heimlich über das Mittagessen hermachen: Sie punkten durch ganz normalen Wahnsinn.

Ihre Sanftmut ist legendär und nicht umsonst möchten Hundehalter nach dem Besitz eines Labradors oft nie wieder eine andere Rasse besitzen. Uns ging und geht es da nicht anders.

Wir lieben die sanften Augen unserer Tiere und ihre Art, uns zu begleiten und zu manipulieren. Sie scheinen jedes unserer Worte zu verstehen und niemals werden sie es unterlassen, unsere kleinen menschlichen Schwächen schamlos auszunutzen. Ein unschuldiger Blick aus braunen Augen, lässt jeden unserer Vorsätze auf das absolute Minimum schrumpfen und sie machen in ihrer unendlichen Anhänglichkeit nicht mal vor unserem Bett halt.

Auch wir hatten irgendwann in den Anfängen die klare Vorstellung, dass ein braver Hund bei Tisch nie bettelt. Man sieht ihn, aber man hört ihn nie. Natürlich schläft das Tier immer brav an seinem Platz und hört selbstverständlich aufs Wort.

Kurz und knapp: Das alles hat nur eine begrenzte Zeit geklappt und dann hatten die haarigen Biester uns fest in der Pfote und so ist es auch heute noch.

In unserem Leben mit den Hunden erlebten wir Dinge, die uns fröhlicher stimmten, demütiger werden ließen und uns an unsere persönlichen Grenzen brachten. Wir erlebten Hundeleben in Teilen und ganz, damit leider auch den Tod und das vorangehende Leiden. Der Abschied war ein großes Thema. Immer im reichen Maß vorhanden, natürlich der Spaß mit unseren Tieren.

Da gab es unsere Hündin Shari, die genussvoll einen Hundert-Euro-Schein gefressen hat und die kleineren Scheine dabei stilvoll verschmähte. Bitte keine Peanuts!

Unsere Kara, die mit ihrer Vorliebe für Fahrersitze in Autos ein Liebespaar aufscheuchte und damit fast Auslöser dafür war, dass ich in eine mittägliche Schlägerei geriet.

Haben sie vielleicht einen gigantisch großen Rüden, der auf die Farbe »pink« steht? Unser Arthur heißt bei uns nur noch »rosa Luder« und damit ist durchaus mehr gemeint, als es scheinbar ausdrückt.

Hazel! Der Zwerg-Labbi-Pflegehund. Sie schaffte es, einen Hotel-Frühstücksraum zum Grölen zu bringen, weil sie mit Herrchens karierter Unterbux im Fang ihre Runde drehte und sich am Erfolg ihres Tuns mit wackelndem Hintern und Propeller-Wedeln riesig freute.

Das sind nur sehr wenige Beispiele aus unserem Hunde-Leben.

Oft hielt man uns für total überspannt, weil wir enorme Mengen an Zeit und auch Geld in unsere Hunde investierten. Sicher werden nur Hundehalter verstehen können, warum man so handelt und es dann auch noch selbstverständlich findet. Es geschieht aus Liebe.

Auch der Tod unserer Hunde begleitete unser Leben. Scheinbar unerträglicher Schmerz, das Gefühl riesiger Leere und des Verlustes. Ein Mensch ohne Hunde kann es nicht verstehen.

Wir sind Hundehalter, die sogar den privaten Wohnsitz nach den Bedürfnissen der Hunde aussuchen und weniger nach den eigenen Wünschen. Unsere Hunde – und davon begleiteten uns zeitweilig bis zu vier Stück gleichzeitig - waren letztlich auch immer bereit, unser Leben bedingungslos mit uns zu teilen und dieses Leben war wirklich recht turbulent.

Unsere erste Labrador-Hündin kam zu uns, als mein Mann und ich noch in der eigenen Versicherungsagentur arbeiteten. Kara war ein »Bürohund«.

Als wir dann einen Traum verwirklichten und uns ein Gästehaus im Sauerland kauften, wurde Kara zu unserem »Markenzeichen« und das Haus zu einer Anlaufstelle für Gäste mit Hund.

Zu diesem Zeitpunkt kamen dann die Labradore Nori und Abby aus dem Tierschutz in unseren Haushalt und das »Landleben mit Labrador« nahm langsam und unaufhaltsam Fahrt auf.

Viele Jahre später verkauften wir das Gästehaus und zogen uns mit den drei Labbi-Ladies in das wohlverdiente Privatleben zurück. Wieder war es ein Haus tief auf dem Land, auf das unsere Wahl fiel. Inmitten von Feldern und Wäldern gelegen, damit die Hunde sich wohlfühlen und ein artgerechtes und glückliches Leben zusammen mit uns haben.

Bedingt durch das Leben mit den doch sehr unterschiedlichen Hunden, interessierte ich mich mehr und mehr für Verhalten, Erziehung und Gesundheit der Tiere. Gebliebene Eindrücke von Hunden mit ganz unterschiedlichen Problemen aus unserem Gästehaus hafteten in meinen Erinnerungen, und so war es für mich eigentlich unvermeidbar, meine neue berufliche Freiheit dazu zu nutzen, das Hobby mit den Hunden zum Beruf zu machen. Ich studierte Kynologie und begann, mit verhaltensauffälligen Hunden zu arbeiten und mich medizinisch weiterzubilden. Ein zweites Studium folgte und mein Wissenshunger ist bis heute ungebremst.

In meinem Hinterkopf blieb dabei aber immer der Gedanke, die Geschichten unserer Hunde aufzuschreiben. Vielleicht einfach nur, um Menschen zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken zu bringen. Sicher aber auch, um anderen Hundebesitzern und speziell den Labrador-Liebhabern unter ihnen zu zeigen: Ihr seid nicht wahnsinnig – ihr liebt aufrichtig.

Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich von unseren Hunden erzähle. Unglaubliche, fröhliche und traurige Geschichten. Dabei erhalten meine Leser tiefe Einblicke in unser völlig verrücktes Landleben mit Labrador und es geht so weit, dass ich ihnen gestatte, sogar für eine kleine Weile unsere Betten zu teilen – natürlich mit den Hunden…

Begleiten sie mich für eine kleine Zeit durch unsere ganz normale Welt des Hunde-Wahnsinns mit all ihren Facetten, Eigenheiten und menschlichen Schwächen.

Ich hoffe, sie erkennen sich in manchen Geschichten wieder. Der Erfolg meines Buches liegt in ihren Händen. Wenn nur ein einziges Mal beim Lesen der Satz fällt, »das kenn ich doch auch«, dann hat mein Buch bereits seinen Zweck erfüllt.

Ich wünsche ihnen viel Spaß beim Lesen und die Selbsterkenntnis: Wir sind doch alle ein klein wenig verrückt…

Herzlichst

Ihre

Daniela Koppenhöfer

Kapitel 2

Die Sache mit der Verdauung…

Abby! Eine wunderschöne, gelbe Labrador-Hündin. Sie kam aus dem Tierschutz zu uns und ihr Alter war unbekannt.

Sie hatte ein ganz zauberhaftes Wesen und verfügte über großen Charme. Eigentlich glich sie viel eher einem verschmusten und liebesbedürftigen Kind, als einem Hund.

Als legendär galt ihre Verfressenheit, die die Grenzen dieser Unart jedes Labradors noch weit sprengte. Abby hätte lehrbuchmäßige Vorträge darüber halten können, wie ein Hund als Selbstversorger durch das Leben laufen kann und dabei kugelrund und satt wird. Ihr war kein Tisch zu hoch, kein Schloss zu fest und kein Versteck geheim genug.

Zum Zeitpunkt dieser Geschichte begannen wir gerade, unsere Hunde zu barfen.

Wir ernährten sie also »biologisch artgerecht« mit Frischfleisch, Gemüse und Beilagen. Die Umstellung der Ernährung führte bei Abby dazu, dass sie leichten Durchfall bekam und wir mussten überlegen, die Fütterung beizubehalten, und vorerst eine Möglichkeit der Abhilfe zu schaffen. Ich bekam den Tipp, Möhrenpellets zum Futter zu geben, da diese ein wenig »stopfen« und außerdem sehr vitaminreich seien.

Verfressen wie Abby nun mal war, fand sie die Möhrenpellets echt lecker und es gab keine Probleme, die Teile eingeweicht dem Futter zuzufügen. Leider fand sie die Pellets zu lecker…

Vorsichtshalber hatte ich einen 5-Kilo-Sack gekauft und in unserem Dielenschrank verwahrt. Ich hätte es einfach besser wissen müssen…

In einer Nacht im Spätsommer 2009 konnte mein Mann in den frühen Morgenstunden nicht mehr schlafen. Er stand auf, um in der Küche etwas zu trinken und eine Zigarette zu rauchen. Zu dieser Zeit schliefen unsere Hunde Kara und Nori immer auf ihren Plätzen im Wohnzimmer und Abby jede Nacht bei uns im Bett.

Da wir unseren Hotelbetrieb noch führten, schlief ich nach den langen Arbeitstagen meistens sehr tief und fest und bekam nur selten mit, wenn mein Mann nachts mal aufstand.

An diesem Morgen aber weckte mich der Alarmruf meines Mannes: »Elaaaaaaa!«.

Wann immer bei uns genau dieser Ruf ertönt und das in auch genau d i e s e r Stimmlage, weiß ich, etwas ist im Busch und so spute ich mich auch in dieser Nacht.

Fassungslos stand mein Mann in der Küche. Die Gesichtszüge schienen ihm total entglitten zu sein. Die Stirn lag in Falten. Entsetzen in Reinform. Ein spitzer Finger wies auf- und ab wippend anklagend Richtung Wohnzimmer.

»Was ist los Schatz? Was machst du hier um diese Uhrzeit?«

»Schau es dir selbst an. Was ist das? Wer war das?«

Ich schaute um die Ecke ins Wohnzimmer und traute meinen Augen nicht.

In der grauen Morgendämmerung sah ich zahllose kleine, braune Hügel überall auf dem Boden verteilt. Hundehaufen! Überall Hundehaufen und allesamt ziemlich riesig.

Nori lag in ihrem Korb und schaute uns fragend an.

»Warst du das?«, fragte mein Mann mit Blick auf Nori.

Nori tat das, was sie super gut konnte. Sie schaute uns vorwurfsvoll an, blickte um sich in die Kraterlandschaft und schüttelte den Kopf. Ein tiefer Seufzer und ein Blick, der klar ausdrückte, wir befänden uns mit dieser Annahme völlig auf dem Holzweg. Nein! Eine solche Sauerei würde sie niemals anrichten.

Kara erschien auf dem Plan. Sie kletterte aus ihrem Körbchen und lief Slalom um die Haufen. Sie wollte nur noch raus. Dabei machte sie ein so angewidertes Gesicht, dass auch sie automatisch als Verursacherin der Hügellandschaft ausschied.

Blieb also nur noch … Abby, die scheinbar ganz unschuldig in unserem Bett lag und den Schlaf der Gerechten schlief.

Bei einem Blick ins Schlafzimmer fiel auf, dass sie merkwürdig tief schlief.

Großes Kino! Von meinem Mann kam der übliche Satz:

»Ich kann das nicht!«

»WAS kannst du jetzt nicht?«, fragte ich.

»Na, den Scheiß hier wegmachen. Du weißt, mir wird schlecht. Ich kann das einfach nicht!«

Wahrscheinlich ist es in allen Beziehungen mit Hund, oder Hunden ähnlich: Sind es brave Hunde, sind es natürlich die Tiere des Gatten. Unartige Hunde und Wohnzimmer-Kacker gehören grundsätzlich Frauchen. Warum sollte es bei uns anders sein?

Jetzt kam mein großer Einsatz und der war vermutlich filmreif.

Bewaffnet mit Küchenrollen (Spar-Pack), Glasreiniger, einem riesigen Müllsack und einer Zigarette im Mundwinkel machte ich mich im Morgengrauen ans Werk. Dazu trug ich ganz stylisch einen wirklich gruseligen, blauen Bademantel mit dem Emblem des damaligen Lieblings-Fußballvereins meines Mannes. Ein Bild für die Götter, fraglos.

Innerlich betete ich, dass keiner der Nachbarn schon wach war und dieses Bild irgendwie beobachten könnte.

Morgens um 5.00 Uhr mit Zigarette im Mundwinkel Hundekacke aus einem Wohnzimmer räumen ist großes Kino – zumindest für den geneigten Zuschauer. Die Zigarette musste sein, denn der Gestank war unglaublich. Egal, wo ich hintrat, überall lagen Haufen: große Haufen, kleine Haufen, feuchte Haufen und zerlaufene Haufen. Lecker! (Sicher waren auch noch dampfende Haufen dabei. Das konnte ich nicht so genau erkennen.)

Mein Mann saß nun wieder fröhlich grinsend und rauchend bei einem ersten Kaffee in der Küche. Nicht zufällig hatte er genau d e n Stuhl ausgesucht, der ihm ungehinderte Sicht auf mein Arbeitsfeld bescherte. Mord war an diesem Morgen noch mein harmlosester Gedanke…

Unser Wohnzimmer war etwa 10 Meter lang. Eine enorme Angriffs-Fläche für mich und so arbeitete ich mich mit System von der Küche kommend langsam vor.

Haufen für Haufen in Küchenpapier »verpacken« und im Müllsack versenken. Ein einfacher Eimer hätte nicht mal das Fassungsvermögen für die Hälfe der Hinterlassenschaften geboten. Dann jeden Kack-Fleck mit Glasreiniger einsprühen und mit einem frischen Küchentuch trocknen.

Auf diese Weise fanden rund 30 Haufen ihren Weg in den Müllsack. Ich schmiss mich schon fast daneben. Angenehme Morgenarbeit sieht einfach anders aus. Selbst die heiß geliebte Schokolade verschmähte ich an diesem Morgen und das will bei mir was heißen.

Im Hintergrund der Gatte, der mit immer neuen, schlauen Tipps aufwartete. Da er bei mir im Rücken saß, konnte er nicht sehen, dass ich mit jedem Kommentar mehr Grimassen zog und mir auch langsam bissige Sprüche nicht mehr verkneifen konnte.

»Du wischt doch sicher nochmal alles, Schatz? Oder?«

»Nee, wird so schon reichen…! Natürlich wische ich das, oder glaubst du, das bleibt so?«

Also schnell Wasser aufgesetzt und zum Kochen gebracht und die Hütte anschließend gründlich mit Domestos gewischt.

DESINFIZIEREN! Vielleicht liegt ja ein Fall von Hunde-Cholera vor. Es gibt sie zwar nicht, aber vielleicht haben wir den ersten Hund mit dieser Krankheit und werden noch berühmt…

Abby? Nicht zu sehen, oder zu hören. Sie schlief die ganze Zeit scheinbar in totaler Ruhe und Friedlichkeit weiter…verdächtig. Sehr verdächtig.

Dennoch stellte sich die Frage, wie es zu diesem im wahrsten Sinne des Wortes »Shitstorm« hat kommen können. Diese Frage blieb nicht lange unbeantwortet.

Meinen Mann hatte die Morgenaktion ermüdet und so beschloss er, noch für ein Stündchen ins Bett zu gehen. Auf dem Weg zurück in unser Schlafzimmer lief er am Dielenschrank vorbei und dessen Tür war nur leicht angelehnt.

Eiserne Regel bei verfressenen Hunden? Alle Türen sind fest verschlossen!

»Schatz!« (schau an, es geht auch anders…kein Alarmruf) »Hast du den Dielenschrank offen gelassen?«

»Nö, da musste ich ja gar nicht ran. Der muss zu sein.«

In diesem Moment ging mir ein Licht auf! Abby muss den Schrank geöffnet haben, weil die blöden Möhrenpellets so fein gerochen haben.

Ich ging los, um den Inhalt des Pellet-Sacks zu überprüfen und es fehlte sicher gut ein Drittel der Menge, die zuletzt drin war.

Da die Pellets in Flüssigkeit zu mehrfacher Größe quellen und in einem Hundemagen und dem Darm nun mal Flüssigkeit aufnehmen, verursachten die Dinger in Abby´s Magen einen regelrechten »Hefe-Effekt«: Sie gingen auf und so wurde aus einem Drittel des Sacks eine halbe Schubkarre voll Hundehaufen.

Aber damit war das Drama noch nicht beendet.

Bei jedem Spaziergang des Tages gab das arme Tier alles. Naja – alles, was in ihr war. Haufen für Haufen spuckte Abby achtern aus, wo es offenbar noch immer quoll und gaste. Auch das Grundstück wurde nicht verschont. Gottlob gaben die Bomben keine Krater, sonst hätte uns nur noch ein Gartenarchitekt helfen können.

Dabei sah das arme Tier fast den ganzen Tag aus, wie ein Mastschwein. Im Laufe der weiteren etwa 10 Stunden nahm Abby wieder Labradorformat an. Aber: Man mag es glauben, oder auch nicht: Ihr Appetit war ungebrochen. Offenbar war noch immer genügend Platz im Magen für eine reguläre Mahlzeit. Okay! Labbis sind ja im Grunde auch niemals satt.

Was wir daraus gelernt haben? Bei uns gab es niemals wieder Möhrenpellets. Die Reste unseres Sacks verschenkte ich an eine Freundin (mit Labrador), jedoch nicht ohne den Hinweis, sehr sparsam zu dosieren und den Papiersack auch ja hoch genug zu deponieren…

Kapitel 3

Hunde im Schlafzimmer – oder: Wie geht das mit dem Sex?

Viele Hundehalter haben die Tiere nachts im Schlafzimmer.

Ehrlich? Nichts macht mehr Spaß, als in öffentlichen Netzwerken, Hundeforen oder in privaten Gesprächen zu verfolgen, wie Nächte mit Hund ablaufen und wie sich das ganz persönliche »Privatleben« gestaltet, sobald Hunde zu Bettgefährten werden. Wenn ich ehrlich bin, kann ich da meinen Mann und mich auch nicht ausklammern. Liebesleben mit Hunden ist… spannend und so gewähre ich jetzt nach kurzer Einführung ein paar persönliche Einblicke in unser dann nicht mehr privates Privatleben.

Eigentlich war es bei uns nie geplant, einen Hund mit uns im Bett schlafen zu lassen. Da waren die normalen hygienischen Bedenken. Platzprobleme, weil mein Mann und ich nur ein 1,40 m breites Bett hatten. Hundehaare sind in den Laken auch nicht lecker und überhaupt: Der Hund gehört einfach nicht ins Bett!

Unsere erste Labrador-Hündin Kara schlief nie bei uns. Wir machten scheinbar alles richtig, denn sie lag nachts brav in ihrem Körbchen und wir hatten das Bett für uns.

Wenn ich mal überlege, dann weiß ich im Grunde nicht mehr, mit welchem Hund das »Drama« seinen Lauf nahm, aber ich nehme an, Abby war unsere erste Bettgefährtin.

Zu diesem Zeitpunkt war Kara nur ein einziges Mal zu uns ins Bett geklettert und das geschah, als wir gerade unser Gästehaus bezogen hatten.

Die ungewohnte Umgebung machte Kara unsicher und so schlief sie in der ersten Nacht im neuen Zuhause zusammengerollt am Fußende unseres Bettes.

Abby war clever. Sehr clever. Sie wartete ab, bis wir fest eingeschlafen waren und stieg dann vorsichtig im Bett dazu. Dabei trat sie niemals auf eines unserer Körperteile. Wenn wir morgens in unserem eher schmalen Bettchen erwachten, lag eine quietschvergnügte Abby zwischen uns. Nicht selten in einem Arm liegend, der sich nachts vertraut im Schlaf um sie geschlungen hatte.

Damals frönten wir noch völlig ungestört und ungehemmt unserem Privatleben, da Abby ohnehin immer erst gegen 3.00 Uhr in der Nacht bei uns zustieg.

Im Zweifel konnte man sie auch ganz prima mit einem Kauknochen v o r der Schlafzimmertür für ein Weilchen beschäftigen. Ihre Zähne waren in keinem guten Zustand mehr. Da ging nichts mit »schlingen«. Sie fraß nach dem Motto »gut Ding will Weile haben«.

Im Herbst 2011 zog wieder ein Welpe bei uns ein. Shari, unsere schokoladene Schönheit. Bei Shari wollten wir mal wieder alles richtig machen, denn zwischenzeitlich hatten einige Generationen Pflegehunde unser Nachtlager geteilt und wir versuchten, einfach mal wieder ein wenig Ruhe in den heimischen Federn einkehren lassen.

Wir besaßen keinen Zimmer-Kennel mehr und so kam ich auf die glorreiche Idee, Baby Shari in einem Kinder-Gitterbettchen unterzubringen, welches neben unserem Bett stand.

DAS erwies sich als eine Kateridee. Shari fand es nicht besonders toll, allein in ihrem Bett zu schlafen, während mein Mann und ich ein gemeinsames Lager teilten. Fazit? Sie brüllte die ganze Nacht, quakte, polterte, bellte und ließ uns keine Ruhe.

Wie auch immer, aber das kleine Luder schaffte es eines Nachts, sich irgendwie in dem Gitterbett an den Stäben nach oben zu hangeln und sich über den Rand purzeln zu lassen. Mit einem satten »Plopp« landete sie mitten auf unserer Bettdecke und… da blieb sie fortan.

Wir unternahmen noch Versuche, Shari an eine Box zu gewöhnen, aber nachdem sie einmal das köstliche Flair eines menschlichen Bettes genossen hatte, ließ sie sich nicht mehr umpolen.

In den warmen Decken und Armen »ihrer« Menschen fühlte sich das Kleinchen einfach viel zu geborgen, um diese gastliche Stätte freiwillig jemals wieder zu verlassen.

Die kleine Krawallschachtel kostet uns jede Nacht den dringend benötigten Schlaf und so kapitulierten wir irgendwann. Shari schläft seit nunmehr vier Jahren im Bett und … bleibt auch da.

Was nutzt es zu schimpfen? Wir haben es gestattet und somit ist es unsere Schuld.

Sex? In dieser Zeit? Ich kann mich echt nicht mehr erinnern. Entweder war ich zu übernächtigt, oder ich habe die Erinnerungen… verdrängt. Vielleicht hatten wir ja auch gar keinen Sex? Ich weiß es einfach nicht mehr, denn die Ereignisse des Folgejahres nahmen viel Raum ein. Wir verkauften das Gästehaus und zogen uns aufs Land zurück. In unser Privatleben.

Auf jeden Fall schliefen Anfang des Jahres 2012 sowohl Abby, als auch Shari noch mit uns im 1,40 m Bett und das war dann verdammt eng – für uns Menschen. Die Hunde breiteten sich aus und ein Labbi wächst bekanntlich sehr schnell. Shari brauchte bald richtig viel Platz und den nahm sie sich auch unter Zuhilfenahme sämtlicher fairen, oder unfairen Mittel.

Mein Mann Michael und ich planten die Einrichtung unseres neuen Hauses.

Michael hatte kurz vor Weihnachten 2011 einen leichten Schlaganfall erlitten und brauchte noch viel Ruhe. Wir beschlossen, für das Schlafzimmer des neuen Heims getrennte Betten anzuschaffen. So hätte mein Mann etwas mehr Platz und könnte ruhiger schlafen. Den Gedanken an die Hunde vernachlässigten wir dabei vorerst. Das war ein Fehler. Man sollte nie die Rechnung ohne den Wirt, pardon den Hund machen.

Der Umzug erfolgte im Sommer 2012 und damit ergaben sich auch für unsere Hunde Kara, Abby und Shari ganz neue Gegebenheiten.

Abby war zu diesem Zeitpunkt sicher schon 12 oder 13 Jahre alt und fast komplett erblindet. Sie fand sich nur sehr schlecht in den neuen Räumen zurecht und weigerte sich, die Treppe ins Obergeschoss zu laufen, wo unser Schlafzimmer lag. Kara wollte sowieso lieber weiterhin unten im Wohnzimmer in ihrem Körbchen schlafen. Shari trabte munter die Treppe hoch und inspizierte alle Räume im Obergeschoss, befand diese für gut und… hielt wieder Einzug im Schlafzimmer. Sie war ein ruhiger Schläfer, also im Grunde kein Problem.

Alles war wunderbar geregelt – zumindest für eine kurze Weile. Kurz nach unserem Umzug verstarb Abby. Sie litt an Krebs. Wir mussten sie mit schwerem Herzen gehen lassen und es wurde leerer bei uns.

Kurze Zeit nach Abby´s Tod nahmen wir aus dem Tierschutz »Arthur« auf. Einen gigantisch großen Labrador-Dudley-Rüden. Arthurs Wesen zeigte sich etwas verhalten, er war nicht an uns gewöhnt und noch mit ein paar »Macken« behaftet. Ich verwehrte ihm den Zugang zum Schlafzimmer. Die Treppe ins Obergeschoss sperrten wir mit einem Kindergitter ab.

Nur sechs Monate nach Arthurs Einzug verstarb unerwartet unsere geliebte Kara im Alter von nur 10 Jahren. Nun lebten nur noch zwei Hunde im Haushalt. Ein für uns ungewohnter Zustand.

Arthur »entwickelte« sich und damit erhielt auch er Zutritt zum Obergeschoss.

Wir haben nur ein recht kleines Schlafzimmerchen. Zwei Betten für uns und je ein Hundebett für Shari und für Arthur. Klein, aber gemütlich. Shari schlief natürlich im Bett. Also… nicht in ihrem Bett. Mal bei mir und mal bei Herrchen. Arthur sind unsere Betten zu schmal – er braucht ein eigenes.

Im August 2012 hatte ich einen sehr schweren Autounfall, der mich fast das Leben kostete. Shari durfte nicht mehr in mein Bett, da ich mich kaum bewegen konnte, als ich aus der Klinik kam. Sie schlief also seitdem immer bei Herrchen. Liebesleben? Fand nicht statt. Ich war völlig außer Gefecht gesetzt. Aber irgendwann war ich wieder gesund…

Der Unfall hatte zu einem Erziehungseffekt geführt, der uns voll ins Ruder lief. Arthur schlief zwischen unseren Betten in seiner Kudde und Shari nur bei Michael. Mein Bett war zwischenzeitlich offenbar zu exterritorialem Gebiet erklärt worden – Bingo

Zumindest hatten wir jetzt einen kleinen Ort, wo wir von den Hundetieren verschont wurden.

Die »Operation Liebesleben« konnte endlich neu starten. Wo? Natürlich in meinem Bett, denn das »betrat« Shari ja nicht mehr.

Wir machten uns voller Vorfreunde an eine gewisse »Planung« des Geschehens, denn wir wussten ja nicht wirklich, wie die Hunde darauf reagieren, uns in so trauter Gemeinsamkeit zu erleben. Was für uns vergnüglich war, erzeugte bei den Hunden das Gefühl der Bedrohung.

Bisher hatten wir Sex in Gegenwart der Hunde vermeiden können. Nun dachten aber die haarigen Biester nicht die Bohne daran, das Schlafzimmer zu räumen, um uns wenigstens einen Hauch von Intimsphäre zu gewähren. Was also tun?

Einen Knochen für jeden Hund vor die Tür legen – Tür zu und ab dafür? Ging nicht! Shari frisst in Warp-Geschwindigkeit. Lutschen, saugen, kauen und schlucken. Da hätte es wohl schon eine komplette Rinderhüfte sein müssen, um sie kurzfristig adäquat zu beschäftigen.

Arthur frisst nachts nicht – der schläft und nebenbei passt er auf Herrchen auf. Mist! Gerade in diesem Bereich ist er absolut Labrador-untypisch.

Mittägliches Schäferstündchen? Naja – geht mal. Ist aber auch nicht der ganz große Bringer auf Dauer, zumal die Hunde unten vor der Treppe mit dem Kindergitter winseln und bellen.

Kommt dann zufällig noch der Postbote, dann ist ganz sicher Schluss mit lustig.

Mein Mann hatte eine tolle Idee. Wir haben ein gemütliches Gästezimmer. Wir verschwinden einfach ins Gästezimmer, während die Hunde weiterhin im Schlafzimmer tief und fest pennen.

Gesagt, getan. Nächtens schlichen wir uns -wie zwei verknallte Schüler im Landschulheim- über den Flur ins Gästezimmer. Tür zu und Klappe und… Action.

Man muss sich vorstellen: Ein großes Bett ganz für uns allein. Kerzenlicht, leise Musik und… Stimmung. Der Vollmond scheint durchs Fenster und wirft sanfte Schatten in den Raum. Romantik pur.

Wir kamen in Fahrt, aber sowas von in Fahrt und es versprach, eine wirklich prickelnde Nacht zu werden. Dieses Versprechen hielt aber nur eine verdammt kurze Zeit.

Gerade waren wir mächtig in Schwung, als wir verdächtige Geräusche an der geschlossenen Tür hörten. Irgendwie ein… Scharren und ein leises Rumpeln – ganz leise. Es schnaufte auch etwas und rutschte irgendwie an der Tür lang. Wir hörten hündischen Maulen und Geräusche des absoluten Unmutes.

Ich wurschtelte mich aus den Armen meines Mannes und ging leise zur Tür. Wir hatten im Flur Licht brennen lassen und ich schaute durch das Schlüsselloch und… prallte zurück. Ich schaute geradewegs in ein großes, hellbraunes Auge. Arthur! (Der hat sich aber auch ganz nett erschrocken.) Penetrant hielt er den Blick auf mich gerichtet, nicht bereit, auch nur einen Schritt zurück zu machen.

»Atze! Du alter Spanner! Zurück ins Bett mit dir. Du kannst hier jetzt nicht rein – hier sind wir und wir wollen auch nur »wir« bleiben!«

Vor der Tür hörten wir ein unwilliges Grunzen. Das gefiel Arthur offenbar nicht. Er wollte nicht wieder zurück ins Schlafzimmer. Er warf sich von außen gegen die Tür, kratzte und fing an, jämmerliche Töne von sich zu geben, die schließlich in Kriegsgeschrei gipfelten. Eigentlich fehlte nur noch sein Kommentar, dass er auch nicht stören würde, wenn er nur reinkommen dürfte. Eine kleine Beteuerung, sich ganz klein zu machen und auch Ruhe zu halten?

Ich bekam einen Lach-Flash und Michael auch. Wir lachten, bis uns die Tränen liefen und die romantische Stimmung nur noch im hemmungslosen Gelächter unterging.

Kerzen löschen und Rückzug in unser Schlafzimmer. D E R Drops war gelutscht. Arthur vor der Tür freute sich wie ein Schneekönig, uns unversehrt zu sehen. Der Große wackelte gemächlich ins Schlafzimmer, warf sich mit einem tiefer Seufzer in sein Körbchen und… schlief sang- und klanglos ein.

Danke Atze! Wenigstens einer, der befriedigt schlafen kann.

Aber wir gaben nicht auf. Liebe findet immer auch neue Wege. Uns war schon klar, für die Zukunft muss eine neue Möglichkeit gesucht werden und zwar schnell.

Wir kapitulierten nur vorerst. Wenn wir wenigstens ein halbwegs normales Liebesleben wollten, würde dieses letztlich im Schlafzimmer stattfinden müssen. Hunde hin, oder Hunde her.

Allein der Gedanke daran verursachte mir schon peinliche Gefühle. Was würden die Hunde tun, während wir…

Kopfkino! Mein erster ausgesprochener Gedanke?

»Ich kann das nicht. Nicht, wenn die Hunde zuschauen. Das ist dann wie in einer Peep-Show mit zwei Beteiligten!«

Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach. Wir taten »es« und im Grunde war es bis auf ein oder zwei Zwischenfälle gar nicht so übel (wenn man Hundeblicke ignorieren kann).

Okay! Es ist nicht prickelnd, wenn man mitten beim Liebesspiel ist und sich plötzlich eine Hundepfote auf den eigenen Arm legt, frei nach dem Motto« Tust du ihm was, tu ich dir was…«. Irgendwie hatte Arthur immer das Gefühl, ich würde Herrchen was tun und auf Herrchen hat der Bube ein ganz besonderes Auge.

Es ist auch nicht spaßig, wenn einem beim Sex die Füße »fremdgeleckt« werden, es sei denn, man steht auf diesen Fetisch. Ich würde das nicht mal mögen, wenn mein Mann es täte.

Shari nahm die Angelegenheit gelassen. Sie schlief in Michaels Bett. Zusammengerollt, zufrieden und nicht als Spanner agierend.

Arthur gewöhnte sich langsam an unser Tun. Zwischendrin hatte er mal so eine Phase, die ich noch heute so bezeichne »Arthur geht, wenn Herrchen kommt«.

Arthur konnte das offensichtliche Elend von Herrchen nicht mit ansehen. Sicher ging es Herrchen nicht gut und Frauchen griff nicht ein. Möglichst würdevoll verließ Arthur dann den Ort des Geschehens, bis endlich wieder Ruhe einkehrte und kam erst dann zurück. Er vergewisserte sich immer sofort, ob sein Herr und Meister noch lebt und munter atmet, um endlich friedvoll in seinem Körbchen einzuschlafen.

Sehr cool ist auch, dass Shari kurz nach Vollmond heult und genau das tut sie dann meistens gerade dann, wenn wir unsere Zweisamkeit genießen. Irgendwie fühlt es sich an, als würde jemand das Tun im Bett »besingen«. Minnegesang eben!

Fakt ist: Hat man Hunde und zwar egal ob direkt im Bett, oder nur am Bett – man muss einfallsreich sein. Man braucht Humor und davon eine wirklich große Portion und… man darf sich nicht an Spannern stören.

Wir haben mit dieser Situation unseren Frieden gemacht. Sicher wünschen wir uns manchmal ein wenig mehr Privatsphäre, denn wir sind ja noch im durchaus ausbaufähigen Alter, aber dann hätten wir keine Hunde haben dürfen.

Aber diese Situationen haben auch was Gutes! Wenn wir uns eine echte Freude machen wollen, schenken wir uns ein Wochenende in einem schönen Hotel mit allem Schnickschnack. Die Hunde sind daheim mit unserem Hundesitter und wir können es krachen lassen. Aber ganz ehrlich! O H N E unsere Hunde sind wir unglücklich und so sind diese Auszeit-Wochenenden bei uns eine echte Rarität.

Wir hätten nie gedacht, dass wir unsere menschliche Zweisamkeit genießen, wenn das gesamte Familien-Quartett dabei vollzählig ist und unsere Hunde gehören für uns natürlich zur Familie. Letztlich heißt es aber für uns: Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Augen zu und… durch. Der Spaß hört nur auf, wenn mit rauer Hundezunge dabei an meinen Zehen gelutscht wird, aber das passiert gottseidank nicht wirklich oft.

Kapitel 4

Der abendliche Kampf um den besten Platz auf der Couch

Wir haben wirklich alles gegeben, um unseren Haushalt hundefreundlich einzurichten. Wir haben nicht mal gezögert, das Wohnzimmer mit drei Sofas zu bestücken und der Hintergedanke dabei war: Je ein Sofa für meinen Mann und mich und ein Sofa für Arthur und Shari.

Irgendwie haben wir dabei aber die Rechnung ohne den Wirt, pardon… den Hund gemacht. Vermutlich hätten wir auch eine Wohnlandschaft wie in einem Hollywood-Film anschaffen können und es gäbe noch immer Theater um den »richtigen« Platz.

Die haarigen Biester sind infam, ausgekocht und mit allen Wassern gewaschen und so spielen sich allabendlich filmreife Szenen in unserem Wohnzimmer ab.

Feierabend im Hause Koppenhöfer. Ich schlüpfte auf mein Sofa und mein Mann bettete sich auf das angrenzende Teil. Die Möbel stehen bei uns in U-Form, mit einem Tisch im Mittelpunkt.

Shari bog um die Ecke. Ein kurzer, sondierender Blick und… hopp, zu Herrchen aufs Sofa. Einrollen, tief seufzen, mit dem Hintern drängeln und fertig. Nochmal kurz umbetten und den Kopf bei Herrchen auf den Schoß legen, damit besser gekrault werden kann. Erledigt!

Frauen sind fies und Hündinnen sowieso.

Shari warf einen triumphierenden Blick in Richtung Arthur, der gerade um die Ecke bog, auf der Suche nach einem geeigneten Sofa-Platz, bevorzugt bei Herrchen.

Shari seufzte nochmal tief und urgemütlich. Jede Pore des braunen Körpers strahlte Wohlbefinden und Triumph aus. »Ich habe den Platz auf Herrchens Schoß…«.

Arthur legte den großen Kopf auf die Couchlehne und starrte Shari an. DIE schaute demonstrativ weg. Andere Richtung, frei nach dem Motto »wenn ich ihn nicht sehe, dann sieht er auch mich nicht«. Arthur nöckerte rum. Er wollte zu Herrchen aufs Sofa. Eine feindliche Übernahme lag in der Luft.

Ich war abgemeldet und nicht undankbar. Freier Platz für freie Bürger!

Im Schädel des gelben Giganten begann es sichtlich zu arbeiten. Seine Stirn legte sich in zuckersüße, tiefe Falten. Okay! Der Schnellste ist er ja nicht immer, aber doof ist er auch nicht. Er verschwand in Richtung Ecke vom Esszimmer. Dort steht bei uns ein großer Leinensack für das Hundespielzeug.

Scheinbar wahllos stöberte Arthur in dem Spielzeugdepot rum. Nach einer kleinen Weile schlug er wieder auf – mit fröhlichem Blick. Im Maul trug er das große rosa Plüsch-Schwein. Das ist der ganz persönliche Favorit unter den Spielzeugen und es gibt immer Gerangel um das Schwein.

Mit der Sau im Rachen paradierte der Bube vor dem Fernseher auf und ab. Es blieb nicht aus, dass Shari ihm mit den Augen folgte. Sie war interessiert. Sehr interessiert.

Arthur stand ein wenig rum, grunzte und legte das Schwein vor seine Pfoten, ohne Shari dabei aus den Augen zu lassen. Langsam drehte er bei und entfernte sich etwas. Shari witterte die große Chance und sprang vom Sofa, raubte gewissenlos das Plüschtier und rannte damit weg.

Der Große rieb sich sichtlich die Pfoten vor Genugtuung und sprang mit elegantem Satz aufs Sofa zu Herrchen, der sich eins grinste. Ausgetrickst! Shari derweil machte ein ziemlich langes Gesicht. Sie schleuderte die Sau zu mir auf die Couch und stieg mit beleidigter Miene dazu. Naja – immerhin bot ich den zweitbesten Platz an und konnte schauen, wo ich meine Knochen hinlegte, denn Madame braucht Platz und ich hatte nur ein 2er Sofa erwischt. Mit dem Hintern drängelte sie sich in die Mulde meiner zusammengefalteten Knie, motzte und schlief ein.

Damit wären die Platzkarten ja gelocht, aber es war eben doch nicht so. Am Folgeabend nahm das Spiel seinen erneuten Lauf. Arthur feixte vermutlich, weil diese Nummer dann einige Abende optimal funktionierte. Leider nicht dauerhaft.

Shari erwies sich als sehr lernfähig (ich hatte es nicht anders erwartet) und so stand ein Kampf der Geschlechter ins Haus. Gut gegen böse? Aber wer war jetzt was?

Hündinnen sind ja irgendwie auch »Frauen« und so blieb es nicht aus, dass Shari einen Plan hegte, denn sie wollte unbedingt zurück auf Herrchens Schoß.

An Abend vier ignorierte sie die dargebotene Sau. Arthur machte ein langes Gesicht. Für diesen Abend war der Drops gelutscht und der Große suchte Halt und Trost auf meinem Schoß.

Ich war »schwer« erfreut. Ein Rüde von knapp 50 Kilogramm, der das komplette Welpen Programm abspult, auf meinen Knien liegt, sich auf den Rücken dreht und gekrault werden will? Große Unterhaltung! Alberne Spielchen mit einem Koloss, der meint, er wiegt nur fünf Kilo und ist winzig. Aber… ihm gefiel es scheinbar und so hatte ich Atze ein paar Abende auf der Pelle.

Klar genoss ich das, denn der Große favorisiert im Regelfall Herrchen. Man(n) ist da gern unter sich.

Ich liebe unseren Buben wirklich sehr. Fakt ist: Auch bei seiner Größe hat er tatsächlich viel von einem tapsigen Welpen. Umwerfend charmant ist er auch. Wenn er mich mit seinen hellblonden Wimpern anblinzelt, schmelze ich dahin.

Liebevoll zause und kraule ich den ganzen Abend sein weiches Fell und küsse den riesigen Schädel. Dann ist er »Mamas Junge« und er genießt es sichtlich.

Dennoch kratzte es ganz offenbar sein Ego an, dass eine Hündin, ein MÄDCHEN, ihm den Platz auf Herrchens Sofa abgegaunert hatte. Er fuhr schwerere Geschützte auf. Der Panda musste her…

Den Pandabären habe ich irgendwann mal ganz am Anfang, als Arthur zu uns kam, in einem schwedischen Möbelhaus gekauft. Arthur liebt seinen Panda und mit ihm schläft er auch nachts. Dieses Plüschtier wird auch verteidigt und genau das übt auf Shari natürlich einen ungeheuren Reiz aus. Verbotene Dinge sind besonders begehrt. Frauen wollen immer genau d a s haben, was sie scheinbar nicht haben sollen.

Nachdem Arthur also einige Tage darüber nachgedacht hatte, wie er Shari wirkungsvoll von Herrchens Seite bekommen kann, ging er eines Abends hoch ins Schlafzimmer.

Mein Mann und ich fragten uns, ob er aus Protest schon zu Bett gegangen war, oder ob er schmollte.

Kurz darauf kam der Große die Treppe runtergewandert. Im Maul trug er… den Panda. Er präsentierte Shari das Stofftier. Der Bär wurde auf die Couchlehne gelegt und bekam einen Schubs mit der Nase, wobei er genau vor Sharis Schnauze purzelte. Die fiel aber auf diese Nummer nicht rein. Sie ignorierte den Panda geflissentlich und tat, als wäre der pelzige Geselle gar nicht da.

Arthur hatte wieder den Schädel auf der Lehne und starrte. Shari schaute weg. Der Große fing an, gotterbärmlich zu fiepen. Shari ging es sichtlich am braunen Hintern vorbei.

Wir trösteten Atze, so gut wir eben konnten. Der wollte aber auf das Sofa und zu Herrchen. Ich hätte jetzt zum Kühlschrank gehen können und sofort wäre Shari mein treuer Anhang. Das schien mir aber unfair und so weigerte ich mich. Stattdessen gab ich Arthur den Panda zurück, was ihn nicht wirklich interessierte, denn er warf das Stofftier augenblicklich mit Schwung zurück zu Shari.

Wenn ich nicht auf den Platz darf, kannst du den Sch…-Bären auch behalten…

Überlegungen unsererseits, wie wir Abhilfe schaffen, ohne einem der Hunde auf die Füße zu treten.

Mein Mann resignierte und legte sich auf die dritte, noch leere Couch. Shari hatte jetzt Platz und Arthur? Naja, der könnte ja zu Herrchen auf das andere Sofa, wenn er wollte und schnell wäre.

Nix da! Michael hatte es sich gerade gemütlich gemacht (Arthur dachte noch immer nach), da hüpfte Shari vom ansonsten freien Sofa und bei Herrchen wieder dazu. Die Karte mit dem »A« bekam wieder Atze gezeigt, denn Herrschens Schoß war erneut besetzt.

Triefäugig beobachtete er die Szenerie und ich hätte gern mal gewusst, was in diesem Moment in seinem großen Schädel vorging.

Manchmal ist er eben nicht der Schnellste, es sei seiner Größe geschuldet.

Der Große gab auf und legte sich auf das nun frei gewordene Sofa. Er schaute zu mir rüber – vorwurfsvoll. Hallo? Kann ich was dafür?

Inzwischen probieren wir mehrere Trick-Varianten aus. Sobald mein Mann sitzt, brüllt er Arthur blitzschnell zu »schneeeellll«!

Aber Arthur ist dafür zu langsam und zu groß. Schon ist die braune »Erzfeindin« da und konfisziert den Platz auf Herrchens Schoß.

Die Trick-Kiste war zwischenzeitlich riesig geworden und der große Clou kam, als Arthur um die Ecke bog und tatsächlich ein Leckerchen in der Schnauze hatte. Woher auch immer. Vom Maul abgespart?

Er deponierte das Leckerchen in guter Sichtweite- und Reichweite von Shari, die ja nun mal notorisch verfressen ist und wartete ab. Dabei lief ihm der Sabber aus dem Maul und wer einen Labbi kennt, der weiß, welche unendliche Überwindung es den armen Buben gekostet haben mag, das Leckerchen nicht selbst zu verspeisen. Standhaft hielt er durch. Das Köder-Leckerchen blieb, wo es war. Ausgelegt, eine verfressene, braune Labbi-Perle anzulocken. Wir konnten förmlich sehen, wie es in Sharis Kopf arbeitete. Leckerchen? Der Brüller! Aber wie an das Ding rankommen, ohne den braunen Hintern vom Sofa schwingen zu müssen? Die Gier stand in ihren Augen und sie versuchte, sich gaaaaanz lang zu machen, um an die Köstlichkeit zu gelangen. Dabei stürzte sie vom Sofa ab.

Bauz – der Platz wurde unerwartet schnell frei. BINGO! Atze reagierte dieses Mal blitzschnell, rannte um den Couchtisch und hüpfte zu Herrchen. Shari landete weit abgeschlagen auf Rang zwei, ohne einen Platz zu haben.

Aus Protest wurde das Leckerchen zwar nicht verschmäht, aber eher gelangweilt und mit »langen Zähnen« in den Hundemagen transportiert.

Damit war die Büchse der Pandora geöffnet und Abend für Abend überboten sich unsere Hunde dabei, die Jagd auf den vermeintlich besten Platz auf dem Sofa abwechselnd zu eröffnen. Dabei wurden immer neue infame Tricks vorgekramt und es gipfelte letztlich in einem wahnsinnig klugen Schachzug von Arthur, der mich heute noch staunen lässt und schlussendlich nur zeigt, dass Hunde wirklich clever denken und kombinieren können.

Arthur weiß, dass Shari sofort beschwichtigend eingreift, wenn er irgendwen oder irgendwas nur laut genüg anbrüllt. Der Große ließ sich nun eine besonders perfide Masche einfallen. Ehrlich? Ich unterschätzte Arthur in dieser Hinsicht vollkommen. Große Verbeugung vor einem genialen Einfall.

Wann immer mein Mann aufstand, wurde Arthur wachsam. Ging mein Mann zur Toilette, oder holte sich ein Bier, begann der Große wie wild zu bellen, sobald er in der Entfernung Michael hörte, der auf dem Rückweg ins Wohnzimmer war. Dabei sprang Atze in scheinbar wildem Angriff nach vorne, rollte die Augen und machte auf ganz dicke Hose. Er toste und geiferte. Er giftete und brüllte, was die Hundelunge hergab. Zugegebenermaßen sah er wirklich beeindruckend bei diesen Vorstellungen aus.

Shari sah sich dabei jedes Mal genötigt, einzugreifen. Niemand brüllt Herrchen an und droht auch noch dabei! Niemand…

Mit einem jeweils riesigen Satz sprang sie vom Sofa (oder auch mal über dessen Lehne) und lief zu Arthur, um ihn zu beschwichtigen. Mit allem zur Verfügung stehenden weiblichen Charme ging sie ihm um die Lefzen. Er ließ sich das genau zwei Sekunden gefallen, drehte ab und jagte auf das Sofa zu. Ein großer Satz und schon lag er so, dass Herrchen nur zusteigen musste.

Da Shari nicht wirklich gern mit Atze auf e i n e m Sofa liegt, musste sie zwangsläufig klein beigeben. Wenn er könnte, würde Arthur ihr vermutlich genüsslich die Mittelkralle zeigen.

Er hat inzwischen gelernt, sich von Shari weder vom Sofa locken zu lassen, noch auf sonst irgendetwas zu reagieren. Er macht den Platzhalter ohne Wenn und Aber.

Shari hält es ebenso. Allabendlich belauern die Hunde sich gründlich. Jede Bewegung des Andren wird gründlich analysiert. Werden nur leiseste Anstalten gemacht, auf das Sofa von Herrchen zu hüpfen, entbrennt eine wilde Jagd um den besten Platz.

Ich rangiere mit meinem Sofa deutlich abgeschlagen auf Platz zwei. Anscheinend kann ich den Hundehintern nicht so gut kraulen, wie Michael? Vielleicht bin ich aber auch nicht so einfach zu manipulieren? Sie wissen sehr genau, wie man Herrchen einwickelt und sie scheuen sich nicht, genau das bei jeder sich passenden, oder unpassenden Gelegenheit auch zu tun.

Der Kampf geht aber weiter und grinsend warten wir nun jeden Abend, was die Trick-Kiste wohl noch so hergeben mag. Wir lassen uns überraschen. Noch ist es nicht vorüber…

Kapitel 5

Abby geht zum Tierarzt

Wann immer ich von Abby erzähle, gerate ich ins Schwärmen über diese so besondere und einzigartige Hündin. Sie hat unser Leben in einem Maß bereichert, welches sich kaum angemessen schildern lässt.

Sie war eine sehr zärtliche, gelbe Hündin mit einem unendlich liebevollen Wesen. Böse, konnten wir ihr nie sein, was auch immer sie angestellt hat und das war nicht wenig.

Abby gehörte zu den ganz wenigen Hunden, vor denen selbst Hundephobiker keinerlei Angst hatten. Ein Blick in ihre wunderschönen »Teestassen-Augen« genügte, um zu wissen: Hier ist eine harmlose und liebenswerte Kreatur, die keinem Menschen je etwas antun könnte.

Auch wenn unser Mädchen nun schon einige Jahre nicht mehr lebt, so gehören doch die Geschichten von ihr zu den meisterzähltesten und den fröhlichsten Erinnerungen…

Die Geschichte von Abby beim Tierarzt zeigt nur eine winzige Facette dieser spektakulär einzigartigen und liebenswerten Hundedame.

Abby kam im Sommer des Jahres 2008 zu uns. Eigentlich war sie eine Pflegehündin aus dem Tierschutz. Wir begleiteten damals solche Hunde für jeweils eine Weile, bis sie ein geeignetes Zuhause fanden und endgültig umziehen konnten.

Niemand wollte Abby haben. Es gab keine Bewerbungen für sie und wir konnten es überhaupt nicht verstehen. Kurzentschlossen wurde Familienrat gehalten und Abby hielt als dritter Labrador dauerhaft Einzug in unseren Haushalt.

Gleich nach ihrem Einzug sollte sie einen medizinischen Check erhalten. Man hatte uns im Tierschutz gesagt, sie sei 2-3 Jahre alt und aufgrund vieler Auffälligkeiten wurde schnell klar, dass Abby sicher eher 8-10 Jahre war und in diesem Alter achten wir verstärkt auf die Gesundheit unserer Hunde.

Ich vereinbarte also einen Untersuchungstermin bei unserer Tierärztin und als der Tag kam, packten wir Abby ins Auto und machten uns auf die Fahrt zur Praxis. Inzwischen kam sie mit den Fahrten im Auto gut klar und hatte sich daran gewöhnt.

Aufmerksam saß sie im Heck des Wagens und schaute gebannt nach vorne. Bellte sie anfangs noch jeden Hund im Vorbeifahren an, saß sie jetzt brav und ohne zu meckern. Dauerte die Tour zu lange, legte sie sich hin und schlief.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine Tierärztin mit einer kleinen Praxis, direkt bei uns im Ort. Die Ärztin konnte hervorragend mit Hunden umgehen und wir konsultierten sie auch mit unseren Angsthunden, bei denen sie eine wirklich gute Hand bewies.

Dort angekommen ließen wir Abby aus dem Auto hüpfen, leinten sie an und ich betrat mit ihr den Wartebereich. Die Anmeldung war auf einer anderen Etage und mein Mann ging kurz los, um unsere Ankunft zu melden.

Angst kannte Abby beim Arzt keine, was schon mal prima war. Eigentlich schien eher das Gegenteil der Fall zu sein.

Mit wackelndem Popo betrat sie das Wartezimmer und schaute sich um. Schnüffelte ein wenig durch den Raum, probierte das bereitgestellte Wasser im Napf und begutachtete ein Kaninchen, was verängstigt in seiner Box saß, während die Besitzerin des Tieres schon starr vor Entsetzen beim Anblick unserer Abby reagierte.

Nachdem unser Mädchen alles genau untersucht hatte sprang sie mit einem kleinen Satz auf einen Stuhl im Wartezimmer, drehte sich um und schob mit der Nase die Gardine in dem Fenster beiseite, welches hinter dem Stuhl war. Sie schaute in Ruhe raus und beobachtete die Leute die draußen herumliefen.

Die Frau mit dem Kaninchen sah fassungslos aus und wir – mein Mann war zwischenzeitlich auch wieder bei uns - brachen in schallendes Gelächter aus, angesichts Abby´s spaßigem Verhalten, denn die machte ein sehr interessiertes Gesichtchen und nahm das Drumherum im Wartezimmer überhaupt nicht mehr wahr.

Im Grunde hätte es nur noch gefehlt, wenn Abby sich eine der ausliegenden Zeitschriften genommen und etwas geblättert hätte.

Wenig später wurden wir aufgerufen. Ohne großes Getue marschierte Abby schon ohne Leine in das Untersuchungszimmer und begrüßte die Tierärztin und ließ sich erstmal ordentlich streicheln.

Wir unterhielten uns mit der Ärztin und erzählten das Wenige, was wir aus Abby´s Leben kannten.

Die Ärztin notierte alles im neu angelegten Krankenblatt und meinte:

»Die Maus macht aber einen absolut munteren und freundlichen Eindruck.«

Der Kardinalsfehler lag darin, dass niemand weiter auf den Hund achtete und das erwies sich sehr schnell als etwas, was wir in der Zukunft nie wieder tun sollten.

Abby hatte das gesamte Untersuchungszimmer durchstöbert. Dabei fand sie einen Stapel mit Rechnungen und einige waren bereits auf- beziehungsweise angefressen.

Sie hatte zwei Glasvitrinen geöffnet und begonnen, die unteren Regale auszuräumen. Dabei interessierte sie sich offenbar sehr speziell für Vitaminpräparate und Mittel gegen Zecken.

Einige Patienten-Leckerchen auf dem Schreibtisch fielen ihr gerade zum Opfer, als wir aufmerksam wurden.

Ich konnte mir noch so eben das laute Lachen verkneifen und gottseidank war die Ärztin sehr entspannt. Niemand konnte unserer Hündin wirklich böse sein.

Die Untersuchungen ließ Abby brav über sich ergehen. Sie hielt still, murrte nicht und wedelte die ganze Zeit fröhlich mit der Rute.

Als sie jedoch vom Untersuchungstisch durfte, war auch sie der Meinung, es sei nun wohl genug. Mit wieder wackelndem Popo marschierte sie zur Tür, sprang auf die Klinke, bis die Tür sich öffnete und ging zügig und ohne sich umzuschauen Richtung Ausgang.

Mir reicht´s, ich gehe. Ihr könnt zahlen und ich warte solange unten auf euch, schien sie zu sagen.

Tierarztbesuche entwickelten sich mit Abby in der Folge zu wahren Abenteuern, denn unser Mädchen war nicht nur überaus angstfrei und neugierig, sie hatte auch echte Anlagen zur Trickdiebin.

Richtig interessant wurde es, nachdem wir in unser Haus auf dem Land gezogen waren. Abby war schon sehr alt, fast blind und gesund alterte sie insgesamt leider auch nicht mehr. Besuche beim Tierarzt gehörten inzwischen für sie zu einer Art Routine.

Zu dieser Zeit besuchten wir mit ihr eine Tierklinik, die nicht so sehr weit entfernt von uns ist. Noch immer verhielt sich Abby äußerst geduldig beim Doc und auch die dort viel größere Praxis machte ihr keine Angst. Es gab mehr zu erkunden, mehr freundliches Personal und mehr Belohnungs-Leckerchen.

Aber es gab auch etwas, was Abby an genau dieser Klinik unendlich liebte und das war ein Warenständer direkt am Ein- und Ausgang.

Dort standen zum Verkauf kleine Tüten mit Leckerchen ausgelegt. Straußenleckerchen, kleine Kauknochen aus Pferdefleisch und vielerlei andere schmackhafte Dinge zu unverschämten Preisen. Das 100 Gramm Tütchen kostete mindestens 7 Euro und erwies sich damit als eine wirklich exklusive Nascherei. Das fand auch Abby...

Irgendwann hatten wir in der Klinik einen Routinetermin zum Impfen. Gleiches Spielchen wie immer.

Unser Mädchen begrüße alles und jeden, wurde gestreichelt und mit Leckerchen gefüttert. Sie kam auf die Waage und wurde für gut befunden, untersucht und bekam die Impfung. Sie nahm alles sehr gelassen und sah wie immer höchst unschuldig dabei aus.

Was dabei wirklich in ihrem Schädel vorging, zeigte sich kurz darauf, als unser Mädchen für sich beschloss, dieser Tierarztbesuch sei nun wohl beendet. Freundlich bekamen der Doc und eine Sprechstundenhilfe ein leckeres Schmätzchen und dann… ab dafür.

Wie gewohnt nach Arztbesuchen, strebte Abby selbstständig zielstrebig Richtung Ausgang, wo sie auf uns wartete, da sie die schwere Eingangstür aus Glas nicht selbst öffnen konnte.

Tür auf und Abmarsch Richtung Auto. Heck-Klappe hoch und Abby reinsetzen. Springen konnte sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Aber dieses Mal war es anders. Mein Mann hob Abby hoch und dabei fiel uns auf, dass sie total geschwollen Backen hatte. Der Hund sah aus, als hätte er Tischtennisbälle rechts und links in der Backe. Dabei mochte sie uns auch gar nicht so richtig anschauen.

»Aaaaabbby! Los – sofort das Maul auf!«

Abby sperrte und schaute demonstrativ beiseite.

»Entweder du machst den Schnabel jetzt freiwillig auf, oder ich mache es…«

Es nutzte nichts und ich riss dem Hund den Rachen auf. Oha – aus der Schnauze fiel eine an- gesabberte, nasse Tüte. Leckerchen!

Mein Mann brach in schallendes Gelächter aus. Abby hatte offenbar tatsächlich im Vorbeigehen eine Tüte Super-Sonder-Teuer-Leckerchen im Klinikeingangsbereich geklaut.

Ich bin ein ehrlich eingestellter Mensch und wollte sofort zurück in die Klinik und die Tüte bezahlen. Mein Mann teilte meine Auffassung in diesem Fall gar nicht.

Michael grinste »Hör mal Schatz! Wir lassen hier ein kleines Vermögen mit unseren drei Hunden. Da wird doch wohl eine Tüte Leckerchen bei rüberkommen, oder!«

»Aber es ist unehrlich und ich mag das nicht tun. Wir sind schließlich für Abby verantwortlich und können sie nicht einfach überall, wo sie Hunger bekommt, stehlen lassen. Und außerdem hat sie immer Hunger!«

Es entspann sich eine Diskussion darüber, ob ein Hund haftungsfähig sei und ob man ihm Vorsatz vorwerfen kann, oder ob der Halter einfach nur gut aufpassen muss. Kurzfristig wurde auch der Mundraub-Paragraph ins Feld geführt. Mundraub? Handelte es sich hier nicht eher um »Maulraub«? Per Definition gibt es das aber nicht und was es nicht gibt, das kann auch nicht strafbar sein.

Wir standen noch immer vor der Klinik und Abby warf begierige Blicke auf die Leckerchen-Tüte.

Mein Mann war letztlich der Auffassung, die Indizien auch einfach verschwinden zu lassen, zu »vernichten«. Er riss die Tüte auf und ließ Abby ordentlich zufassen, während ich nur noch den Kopf schütteln konnte.

Schon klar: Im Zweifel für den Angeklagten. Was es nicht mehr gibt, das kann auch nicht gestohlen worden sein.

Eine recht legere Auffassung der aktuellen Rechtslage, wie ich fand.

Leider entspann sich aus dieser Situation infolge bei Abby die Verknüpfung, ein kleiner »Maulraub« sei durchaus gestattet und sie verließ die Klinik niemals wieder, ohne zumindest ansatzweise einen schnellen Diebstahl zu probieren. Ihr Blick war dabei stets auf Herrchen gerichtet und wenn sie dessen schmunzelnde Billigung witterte, dann griff sie ungeniert zu.

Ich war jedoch meistens schneller und achtete darauf, dass sie sich (nach Möglichkeit) nicht wieder selbst bediente und wenn ich sie dabei erwischte, legte ich mit Schamesröte das angesabberte Tütchen brav zurück in das Verkaufsregal.

Angesichts dieser »Verknüpfung«, kam es immer wieder zu Übergriffen, bei denen Abby sich irgendwo mit Essbarem vollstopfte, welches einfach so »rumlag«.

Es gibt einen Handel für Heimtierbedarf, bei dem vor der Eingangstür Näpfe mit kleinen Hundekeksen stehen. Es sollte uns nie mehr so richtig gelingen den Laden zu betreten, ohne dass sich Abby blitzschnell die Backentaschen vollstopfte.

Wir verschweigen auch lieber, was passierte, als wir mit ihr in den Bereich kamen, wo man sich Leckerchen aus großen Schütten selbst abfüllen kann.

Gesetzlich betrachtet völlig »schmerzfrei«, fraß Madame sich bis zum Stehkragen voll, immer der Billigung des Tuns durch meinen Mann gewiss und nach dem Motto »frech siegt«.

Sicherlich kann man jetzt sagen, alles wäre nur eine Sache der Erziehung, was im Grunde ja auch völlig richtig ist.

Wir haben bei Abby´s Diebstählen jedoch immer daran denken müssen, welches Leben der Hund geführt haben mag, bevor er zu uns kam. Sie kam aus »Vermehrerhaltung« und ihre Aufgabe war es, Welpen in Massen auf die Welt zu bringen. Sie hat es getan, bis sie zu alt war. Aus unserer Sicht hatte sie einen Anspruch auf ein gutes und glückliches Leben.

Oft haben wir überlegt, ob Abby mal in einer Familie gelebt hat.

Ihre große Liebe zu allen Menschen war trotz ihres Vorlebens ungebrochen. Sie liebte und akzeptierte jeden Zweibeiner und hatte nie irgendwelche Vorbehalte gegen Menschen.

Sie muss Kinder gekannt und sehr geliebt haben. Wann immer sie auf Spaziergängen oder in unserem Gästehaus auf Kinder traf, schaute sie mit ihren großen, braunen Augen sehnsüchtig, lief auf die Kinder zu und schaute sie prüfend an. Nie war ihr ein Händchen zu schnell, oder vielleicht zu ungeschickt. Immer war sie geduldig und blieb ruhig und entspannt.

Kannte sie die Kinder nicht, kam sie irgendwann mit gesenktem Köpfchen und traurigem Blick zu uns. Ihr Anblick in diesen Momenten zerriss uns fast das Herz.

Wir wussten nur von Abby´s Befreiung durch den Tierschutz aus dieser schrecklichen Haltung. Vielleicht hat sie ja mal in einer Familie gelebt? Vorschnell und unüberlegt angeschafft und als sie größer wurde, musste sie einfach »weg«?

Vielleicht stieg sie irgendwann in das Auto ihrer Familie in Erwartung eines schönen Spaziergangs und wurde dann zu dem Massen-Vermehrer gebracht? Einfach… verkauft?

Das erste Foto, welches wir damals von Abby sahen, zeigte sie mit einer dicken Kette um den Hals.

Unser wundervolles, zärtliches und anhängliches Mädchen wurde an einer Kette gehalten. Bis heute bringt uns dieser Gedanke um den Schlaf und vielleicht macht es nachvollziehbarer, warum wir Abby nie böse sein konnten und Dinge duldeten, die wir bei unseren anderen Hunden nie zugelassen hätten.

Übrigens gab es einen Tag in der Tierklinik, an dem sie nichts stehlen wollte. Es war der letzte Tag ihres Lebens.

Abby wusste wohl darum, dass sie im Regenbogenland keine Leckerchen mehr brauchen würde…

Kapitel 6

Arthur und das Liebesleben eines Labradors

Eine Rückenhöhe von fast 70 cm und ein Gewicht von fast 50 Kilo sprechen für einen wirklich ziemlich großen Rüden. Unser Arthur ist so ein Rüde. Groß, gelb und imposant. Dabei ist er ein Lämmchen, aber das war nicht immer so.

Arthur kam »gebraucht« im Jahr 2013 aus dem Tierschutz zu uns. Nachdem wir bis zu diesem Zeitpunkt nur Hündinnen hielten, war mein Mann der Meinung, er bräuchte endlich mal männliche Verstärkung. Wir sahen ein Foto von Arthur und waren… begeistert.

Der Bube ist ein Prachtexemplar von einem Rüden. Ein Dudley-Labrador, also ein Hund ohne schwarze Pigmente. Alles an ihm ist gelb, oder leicht bräunlich. Sein Kopf ist deutlich größer als meiner und mindestens ebenso stur. Ein wohlerzogener und leichtführiger Rüde mit einem schönen Wesen und damals noch großen »Kronjuwelen«.

Als Arthur Einzug bei uns hielt, lebte unsere Hündin Kara noch und wurde gerade 10 Jahre alt. Unser Jungspund Shari mit gerade mal anderthalb Jahren, schien wenig beeindruckt von dem smarten neuen Familienmitglied, aber das sollte sich schon bald ändern.

So ein richtiger »Kerl« war für unsere Hündinnen eine echte Herausforderung. Nicht, dass er die Mädels sexuell bedrängt hätte, aber er spielte hier den »König der Löwen«. Die Damenwelt war kastriert und so konnte der Große gebührend auf dicke Hose machen, was vor allem Shari einstecken musste. Er legte ein schier unerträgliches Chef-Verhalten an den Tag, mit dem er aber nur die Kleine beeindrucken konnte.

Unserer alten Dame Kara ging der Rüde am schwarzen Hinterteil vorbei und sie strafte ihn im günstigsten Fall mit Missachtung. Wenn er ihr aber zu dicht auf die schwarze Pelle rückte, bekam er ein böses Grinsen aus altersschwachen Zähnen zu sehen.

Shari hatte schon deutlich mehr zu leiden. In den ersten Tagen beschloss sie, ihr weiteres Leben unter dem Küchentresen und hinter dem Kaminofen zu fristen. Die Rute fest unter den Bauch geklemmt, schlich sie geduckt an unserem »Big A« im großen Bogen vorbei. Der rannte nur noch mit geschwellter Brust rum und wusste sehr wohl, welche Wirkung er auf Shari ausübte.

Es dauerte nicht wirklich lange und ich war schrecklich genervt davon, stets und ständig im Auge haben zu müssen, ob der Große Shari mobbt, oder ob sie sich einfach nur anstellt und ziert. Die Situation bereinigte sich letztlich aber nach einigen Wochen. Zumindest vorerst…

Arthur kam als sogenannter »Abgabehund« zu uns. Wir wussten also recht viel über sein bisheriges Leben, welches er bei zwei Frauen, Mutter und Tochter, verbrachte. Als die Mutter schwer erkrankte, konnte Arthur nicht mehr behalten werden, weil seine permanente Betreuung nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Männer schien Arthur nicht so richtig gekannt zu haben. Vielleicht hatte er auch schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht? Er gab sich auf jeden Fall sehr verhalten im Umgang mit meinem Mann Michael und orientierte sich mehr an mir, was ich nicht gut und auch nicht richtig fand.

Kurzentschlossen regte ich an, dass die beiden »Männer« mal etwas gemeinsam machen sollten. Also irgendwie nur so… unter Kerlen halt. Mein Mann rieb sich innerlich die Hände und freute sich bereits.