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Eine Sammlung erlebter Geschichten und Versen zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten. Ein Vorlesebuch mit Humor. Was der Autor - Jahrgang 1942- erlebt hat bringt den Leser zum Lachen, Grinsen, Nachdenken...
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Seitenzahl: 83
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Impressum:
Copyright: ©2012 Michael J.Bergmann
Druck und Verlag: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de
ISBN 978-3-8442-4627-8
ist eine Sammlung
erlebter Geschichten
und Versen zu den
unterschiedlichsten Gelegenheiten.
Geschrieben von
gewidmet meinen Enkeln
Camilo, Danièl
Jakob, Elias
Als Oberschüler, damals um 1956 herum - hatte ich mir ein Fahrrad aus Einzelteilen selbst zusammen gebastelt. Mit diesem fuhr ich in das Realgymnasium Nürnberg (heutiges Willstätter Gymnasium). Der kürzeste Weg heimwärts war über Rathenauplatz, unter der Bahnbrücke am Milchhof durch und die Münchner Strasse nach Süden. Als ich mich auf den Sattel schwang, war es immer noch so kalt, wie morgens. Die Straßen waren gefroren und glatt, und ich stieg in die Eisen, um mich dabei aufzuwärmen.
Unter der Brücke durch, die ich ebenfalls unterqueren mußte, waren Straßenbahnschienen. Der Straße folgend, mußte ich parallel zu den Schienen eine Rechtskurve machen und nach der Brücke wieder links hinaus. Da - soeben wollte ich mich in die Kurve neigen - sah ich auf der Gegenspur unter der Brücke einen großen Lastwagen mit Anhänger ankommen. Einen kleinen Moment war ich abgelenkt und schon - war mein Vorderrad in die Schienen geraten. Nun weiß jeder Stadtbewohner, daß der Fall zum Fall wird. So auch bei mir. Ich rutschte geradeaus durch die Kurve und vor den Lastwagen. Zum Aufstehen war keine Zeit mehr. Ich erfaßte, wie der Fahrer bremste und der Laster trotzdem mit unveränderter Geschwindigkeit auf mich zu rutschte.
Mit einem Schlag krallte ich meine Fingernägel in das dünne Eis der Strasse und zog mich vorwärts. Das Fahrrad war an einem Bein hängen geblieben und schwang um mich herum, bis es an der Bordsteinkante anschlug. Ich drehte den Kopf und sah in dem Moment, wie das rechte Vorderrad des Lasters an meinem rechten Bein vorbei rutschte. -Ich war in Sicherheit-. Der Fahrer kam gelaufen, Leute blieben stehen. Zitternd (kalt war mir nicht mehr!) hob ich mein Rad auf und schob es langsam durch die Brücke. Ich fragte mich später, wieso meine Fingernägel in dem Eis halten konnten - ich hatte Wollhandschuhe an. Ich muß sie wohl durchstoßen haben.
Ich war als Physiklaborant- Lehrling bei Siemens. Zentralabteilung für Sonderwerkstoffe im Transfor-matorenwerk in Nürnberg. Dort lernte ich viele interessante Dinge über Halbleiter, Peltier-Elemente, Quarzglas- Blasen, Fotolabor im mikro-/makroskopischen Bereich, Zusam-mensetzung und Erschmelzen von Gläsern imkleinen und grösseren Stil. Eines Tages- mein Chef war jene Woche nicht da, machte ich mir Gedanken über die Herstellung von Glasproben zur Ermittlung des Ausdehnungskoeffizienten und anderer Eigenschaften. Hierzu musste man bisher einen Glasrohling (das war Glas, das im flüssigen Zustand aus einem Platin- Schmelztiegel in Grösse einer Kaffeetasse auf ein Stahlblech gegossen worden war und dort erkaltete) zunächst mit der Diamant-Trennscheibe in Streifen schneiden und anschliessend schleifen, so dass man ein kleines Stäbchen von ca. 5x4x50 mm herausbekam. Jetzt wurde mit dem Gasgebläse ein Ende flüssig gemacht, und eine Platinelektrode (Draht, ca 0,5 mm Durchmesser) hinein geschmolzen. Am anderen Ende passierte dasselbe, jedoch mit einem Thermoelement (zwei zusam-mengeschmolzene Drähte: Platin /Platin- Rhodium). Dann wurde diese Probe mit den Zuleitungen in einen Ofen gegeben, erhitzt- je nach Glasart mehrere 100 Grad - und über die Drähte die Eigenschaften gemessen.
Meine Idee beruhte darauf, dass der ganze Her-stellungsaufwand für diese Probe- mit herausschneiden, schleifen, Drähte anbringen- ersetzt wurde durch eine kleine 2-teilige Stahlform, in die man die Drähte einlegen konnte. Diese Form mit den Drähten wurde dann in das flüssige ausgegossene Glas gedrückt, so dass man nach erkalten und Öffnen die fertige Probe in der Hand hatte. Ich liess in der Werkstatt eine solche Form bauen und pro-bierte es aus. Es funktionierte auf Anhieb.
Mein Chef war begeistert, als er wiederkam und sagte, ich solle es als Verbesserungsvorschlag einreichen, was ich auch tat. Anfang des folgenden Jahres bekam ich eine Mitteilung von der Zentrale in Erlangen, mein Vorschlag sei unter den drei besten des Jahres und ich bekäme einen Preis. Der Preis bestand in einem 3-tägigen Ausflug nach Berlin in einer Linienmaschine (amerikanische 2-Prop), mit Hotel, Essen, Führungen etc.
So flog ich, als Lehrling (18 Jahre), also nach Berlin. Die dortigen Manager waren zwar über mein Kommen und –warum - informiert, aber nicht über mein Alter. So wurde ich dann am Flughafen mit allen Ehren empfangen von den höchsten Bossen auch gleich zum Mittagsmahl begleitet. Sehr „pomfortionös“, das kann ich sagen. Anschliessend bat man zum Kaffee mit Zigarre- die ich rauchte. Alle amüsierten sich heimlich über die Szenerie, und ich mich über sie, denn ich wusste ja nun, in welcher „Klemme“ sie steckten: sie hatten ein Programm gemacht und das wollten sie jetzt nicht mehr umwerfen. Abends ging’s in das Musical „Irma La Duce“- eine fantastische Aufführung. Und danach- und wieder wird man es nicht glauben - in ein Nachtlokal mit halbnackten Tänzerinnen. Es war eine Welt, die ich vorher natürlich nicht kannte, aber ich spielte meine Rolle, als ob ich mein Leben lang nichts anderes gemacht hätte. Den nächsten Tag wurde ich durch das Siemenswerk in Berlin geführt (immer in Begleitung mehrerer Kollegen- wie bei einer Arztvisite, nur dass ich als Arzt behandelt wurde) und den nächsten flog ich wieder zurück.
Im Herbst 1962 - ich hatte mich bei der Bundeswehr zunächst für die Offizierslaufbahn entschieden - war ich in Neubiberg bei München stationiert. Da ich bis dahin nur ein Moped mein eigen nannte, aber in Nürnberg wohnte, war die Überlegung, sich einen anderen fahrbaren Untersatz anzuschaffen naheliegend. Führerschein hatte ich keinen. So meldete ich mich also nach München bei einer Fahrschule an, um den Einser (damals für Motorräder aller Art) zu machen. Wie kam ich jetzt nach München? Die Zeit war immer knapp bemessen und Pünktlichkeit war absolutes Muß, wollte man nicht bestraft werden.
Von den Kameraden - wußte ich - wollte einer seinen Roller verkaufen. Da das Angebot günstig war, kaufte ich diesen und besaß dann einen Roller der Marke GLAS, mit 125 ccm. Und siehe da, (fast) alle Transportprobleme waren gelöst. Ich fuhr mit dem Roller - bar jeden Scheines- nach Nürnberg und auch zur Fahrschule, wo ich ihn jeweils außer Sichtweite abstellte. Eines Tages, es war wieder Wochenende und eine Fahrt nach Nürnberg stand an, schwang ich mich also in Bundeswehrklamotten (wärmere hatte ich nicht) auf das Fahrzeug und fuhr durch München in Richtung Auto-bahneinfahrt Nürnberg. Plötzlich - ich traute meinen Augen nicht - war von Ferne eine Polizeistreife am Strassenrand zu sehen, die jeden aufhielt und kontrollierte. Jetzt war guter Rat teuer! Einer Eingebung folgend, steuerte ich den erstbesten Polizisten an, noch bevor dieser seine Hand erhoben hatte, um mich zu stoppen. Mit dem unschuldigsten Gesicht der Welt fragte ich:" Bitte, Herr Wachtmeister, ich suche die Autobahn nach SALZBURG, bin ich denn hier richtig?" Natürlich wußte ich genau, daß das die entgegengesetzte Richtung war.
"Do san's hier ober ganz verkehrt" sagte der Wachtmeister und fuhr fort: "drahn's um und fohrn's do umi, dann sehn's scho die Schilder für Salzburg!" Mehr wollte ich nicht hören. Sofort wendete ich gekonnt auf der Strasse und fuhr in entgegengesetzter Richtung davon. Müßig, zu sagen, daß ich später auch zur Führerschein-prüfung noch mit dem Roller fuhr. Ja, heute würde ich mir das nicht mehr erlauben!
Zu meiner Studienzeit hatten wir Studenten in einem Semester eine Zeichnung mit allem Drum und Dran, also Berechnung, Stückliste, Gesamt- und Einzelteilzeichnungen, anzufertigen. Mein Thema war ein sogenanntes UHF-Dämpfungsglied. Es war vom Dozenten vorgegeben, jeden Mittwoch Nachmittag im Zeichensaal mindestens 2 Stunden zu zeich-nen. Da mir dieser Aufwand mit Anfahrt und Heimfahrt zu aufwändig war und ich ausserdem gegen diese Regulierung grundsätzliche Einwände hatte, setzte ich mich hin und arbeitete mit geringen Pausen 3 Tage fast ununterbrochen an der Aufgabe. Dann war ich fertig. Am darauffolgenden Mittwoch erschien ich im Zeichensaal und legte das Ergebnis dem Dozenten vor. “ Ja so geht das nicht!" war seine Reaktion. "Ich nehme dieArbeiten erst Ende des Semesters entgegen". Darauf packte ich meine Sachen wieder zusammen und fuhr nach Hause. Die kommenden Mittwochs sass ich im Kaffeehaus, gab in der letzten Stunde des Semesters die Arbeit ab, erhielt nach einer Weile ein "gut" als Bewertung zugesprochen und das Problem war beendet. Ich ging wieder ins Kaffeehaus........
Es war ebenfalls wärend des Studiums, als ein Thema eines Semesters die Differentialrechnung im Rahmen der Kon-struktionslehre war. In der ersten Stunde informierte uns der Dozent darüber, dass in diesem Semester die DIN- Norm XYZ durchgenommen würde. Nun, dachte ich mir, lesen kannst du selbst. Man muss nur kontrollieren, ob der durchgenommene Stoff noch dem entsprach, was in der Norm stand. Ich beschaffte mir also diese Norm und verglich mit den Be-richten der Komilitonen. In der jeweiligen Semesterstunde besuchte ich meinen Lieblingsort, das Kaffeehaus. Das Semester ging zu Ende, ohne dass Abweichungen von der Norm festzustellen gewesen wären. Die letzte Stunde vor Schluss erschien ich wieder in der Vorlesung, um möglicherweise noch Hinweise zur Prüfung zu erhalten. Dann setzte ich mich zwei Tage vor dieser auf den Hosenboden und ackerte die Norm einschliesslich aller Beispiele von vorn bis hinten durch. So präpariert ging ich zur Prüfung. Und - was soll man sagen: ich schrieb das einzige "Sehr Gut" ohne Fehler. Das nannte ich dann "Effektivität".
Es war zu der Zeit um etwa 1972, als wir noch keine Ahnung vom Vorgang des Grillens hatten. Zu Weihnachten hatten wir, meine Frau und ich, uns einen Grill geschenkt, und zwar einen Holzkohlengrill . Als ansässige Nürnberger wussten wir natürlich die Spezialitäten der Region in Form von Nürnberger Rostbratwürsten zu schätzen. Wir beschlossen also, den Genuß des ersten Grillens mit unseren damaligen Nachbarn, Bärbel und Ewald, zu teilen. Der Vorschlag wurde mit freudiger Zustimmung angenommen. Wir packten also ein paar Tage später den Grill, Holzkohle und jede Menge Würste zusammen und begaben uns in Nachbars Küche. Da sie genau so wenig Ahnung von der Technik des Grillens hatten, wie wir, war also bald der Küchentisch abgeräumt und das Gerät aufgestellt.
