Mein Hund macht nicht, was er soll - Katharina Henf - E-Book

Mein Hund macht nicht, was er soll E-Book

Katharina Henf

4,9

Beschreibung

Das Buch bietet die Möglichkeit, gezielt an einem bestehenden Alltagsproblem mit dem Hund zu trainieren. Als Grundlage für die verschiedenen Lösungsvorschläge dient das Prinzip der positiven Verstärkung, das in einem kurzen Theorieabschnitt erläutert wird. Der Praxisteil geht konkret auf häufige Probleme ein und stellt mögliche Lösungen vor. Er ist dabei so aufgebaut, dass ein bestimmtes Hundeproblem nachgeschlagen werden kann, ohne das Gesamtwerk durcharbeiten zu müssen. Bei Überschneidungen verschiedener Techniken helfen Querverweise dem Leser, schnell ergänzende Informationen zu finden. Die Abfolge der Probleme ist so gewählt, dass einfache, grundlegende Basisübungen als Lösungen für die ersten Probleme stehen, diesen schließen sich fortgeschrittene Techniken an, bis hin zum Profiproblem "Aggression". So ist gewährleistet, dass auch für Leser des Gesamtwerks ein logischer Aufbau mit Spannungssteigerung vorhanden ist.

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Autorin und Verlag haben den Inhalt dieses Buches mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für eventuelle Schäden an Mensch und Tier, die als Folge von Handlungen und/oder gefassten Beschlüssen aufgrund der gegebenen Informationen entstehen, kann dennoch keine Haftung übernommen werden.

   IMPRESSUM

Copyright © 2014 by Cadmos Verlag, Schwarzenbek

Gestaltung und Satz: Pinkhouse Design, Wien

Titelgestaltung und Layout: www.ravenstein2.de

Coverfoto: Madeleine Franck

Fotos im Innenteil: Katharina Henf, sofern nicht anders angegeben

Lektorat der Originalausgabe: Dorothea von der Höh

Konvertierung: S4Carlisle Publishing Services

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten.

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

eISBN: 978-3-8404-6213-9

INHALT

Einführung

Hunde als Familienmitglieder – eine Lebenseinstellung

Wie sag ich’s meinem Hund?

Typische Hundeprobleme und mögliche Lösungen

Mein Hund kommt nicht, wenn ich ihn rufe!

Mein Hund zieht an der Leine!

Mein Hund pöbelt Artgenossen an!

Mein Hund jagt Jogger, Radfahrer oder Autos!

Mein Hund kann nicht allein bleiben!

Mein Hund knurrt und beißt!

Anhang

Zur weiteren Information

(Foto: Shutterstock.com/Yuri Kravchenko)

EINFÜHRUNG

(Foto: Shutterstock.com/Pressmaster)

Hunde als Familienmitglieder – eine Lebenseinstellung

Hunde und Menschen haben eine gemeinsame spannende Geschichte. Zunächst nur „Resteverwerter“ erster menschlicher Siedlungen, wurde der Hund im Laufe der Zeit ein wichtiger Begleiter mit ernst zu nehmenden Aufgaben. Spezialisierungen bildeten sich heraus und wurden zu Zuchtkriterien. So entwickelten sich Hütehunde, Wachhunde, Treibhunde, Apportierhunde, Herdenschutzhunde, Vorstehhunde, Rattenfänger und viele Arbeitsschläge mehr. Auch den einen oder anderen reinen Gesellschaftshund mit längerer Geschichte gibt es inzwischen.

Das Verhältnis von Mensch und Hund war an vielen Orten geprägt von Nützlichkeit. Heute sieht diese Beziehung vielfach anders aus. Die anpassungsfähige Spezies Hund erfreut sich neuer Aufgaben, allen voran, ein liebevoller Familienhund zu sein. Und auch der Mensch ist anpassungsfähig und muss heute kein Rudelführer mehr sein. Stattdessen darf er Schutz und Fürsorge für ein vierbeiniges Familienmitglied übernehmen. Seine Rolle ist der Idee einer Hunde-Elternschaft ähnlicher denn je.

Daraus ergeben sich zahlreiche Chancen und Risiken zugleich. Der große Vorteil einer Vermenschlichung des Hundes für alle Seiten ist das Wiedererkennen von Emotionen, Gefühlen und Stimmungen, und damit entstehen bessere Möglichkeiten für den Menschen, Verständnis aufzubringen und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu befriedigen. Die Nachteile einer Vermenschlichung können allerdings verheerend sein. So sind die Emotionen des Hundes meist ursprünglich, natürlich, direkt und ohne Hintergedanken. Das oft hineininterpretierte schlechte Gewissen oder böswillig geplante Weltherrschaftsbestrebungen kennt der Hund nicht.

Hunde sind heutzutage mehr als nur Haustiere: Sie sind echte Familienmitglieder!

Sie dürfen sich also frei machen von der Pflicht der Rudelherrschaft und einfach „Hunde-Eltern“ sein. Und genau diese Tatsache ist in Hundehalterkreisen zur echten Lebenseinstellung geworden.

SANFTE ERZIEHUNG MIT POSITIVEN MITTELN

Die Methodenvielfalt im Hundetraining gleicht einem Dschungel, in dem sich viele Hundehalter nicht mehr zurechtfinden. Vielleicht wissen auch Sie nicht wirklich, was sich hinter den jeweiligen Strömungen verbirgt? Im großen Bereich der positiven Verstärkung sind Sie als „Hunde-Eltern“ schon einmal angekommen, und dazu darf ich Sie und Ihren Hund herzlich beglückwünschen!

Was spricht für eine sanfte Erziehung? Die theoretische Grundlage hinter der positiven Verstärkung im Hundetraining ist die Erkenntnis, dass Lernen am Erfolg langfristig gesehen zielorientierter ist als Lernen am Misserfolg. Der Hund wird freiwillig immer wieder Angebote machen, die Ihnen gefallen, wenn Sie genau diese belohnen. Sie haben es viel einfacher, wenn Ihr Hund und Sie dasselbe möchten, statt darüber zu diskutieren, was Ihr Hund eigentlich anders machen soll. Legen Sie den Fokus darauf, was Sie und Ihr Hund können, und nicht darauf, was Sie beide noch nicht können; dann kommen Sie zu einer positiveren Lebenseinstellung.

Ihr Hund trifft wahrscheinlich von Ihnen unbemerkt immer wieder sehr gute Entscheidungen, die viele Hundebesitzer einfach umkommentiert verpuffen lassen. Genau diese guten Entscheidungen mit den dazugehörigen Verhaltensweisen sind jedoch absolut lobenswert und sollten von Ihnen positiv wahrgenommen und verstärkt werden.

Belohnen beeinflusst aber nicht nur Verhalten, sondern auch Emotionen. Orte, Personen, Umstände und Situationen können im Hund unangenehme Gefühle hervorrufen, das ist übrigens beim Menschen nicht anders. Denken Sie an Ihren letzten Zahnarztbesuch und überlegen Sie, wie Sie sich fühlen. Dann denken Sie an den letzten Sonnenuntergang, den Sie in aller Ruhe betrachten konnten, und versuchen Sie nachzufühlen, wie es Ihnen bei diesem Anblick ging. Ich vermute, Ersteres werden viele als eher unangenehm abgespeichert haben, das Zweite als angenehm.

Viele unerwünschte Verhaltensweisen beim Hund entstehen aus einem ungünstigen Gefühl heraus. Hier ein Beispiel: Vielleicht hat der Hund einmal große Angst vor anderen Hunden gehabt (warum, ist erst mal irrelevant) und irgendwann beschlossen, Angriff sei die beste Verteidigung. Mögliches Ergebnis: Unruhe, Nervosität, Bellen und Scheinattacken an der Leine beim Anblick anderer Hunde. Die Ursache für das unerwünschte Verhalten ist damit eine unangenehme Emotion. Für uns im Training heißt das, dass es effektiv sein wird, die Gefühlswelt des Hundes zu beeinflussen, um damit als logische Folge das Verhalten zu verändern.

Ihr Hund wird es Ihnen danken, wenn Sie gewaltfrei mit ihm trainieren!

In der Praxis gehen die Empfehlungen von Hundetrainern allerdings oft in eine andere Richtung. Von sogenannten Alpha-Würfen, Stachelhalsbändern und Leinenrucken mag ich eigentlich gar nicht schreiben, aber leider ist das immer noch die Realität. Strafe kann aber das Problem noch massiv verschlimmern, denn der Hund fühlt sich damit noch schlechter und elender, womit wir zum dritten Argument für eine sanfte Erziehung kommen: eine positive Beziehung zwischen Hund und Mensch als Ziel! Eine Belohnung (und ebenso eine Strafe) wird auch immer mit dem Menschen verknüpft, der sie ausführt. Schauen wir uns das Beispiel noch einmal an: Der Hund hat Angst vor fremden Hunden, und diese Angst verselbstständigt sich zum beschriebenen Begegnungsproblem. Reagiert der Mensch darauf mit einem positiv orientierten Lösungsweg (siehe Kapitel „Mein Hund pöbelt Artgenossen an!“), macht er sich zu einer Art Anker in der Not, einer Instanz der Sicherheit und des Schutzes. Die Vertrauensbasis wird weiter ausgebaut. Reagiert der Mensch mit strafbasiertem Training, tritt genau das Gegenteil ein. Das Symptom wird man mit Strafe irgendwie verringern (ansonsten wäre Strafe heutzutage ja längst abgeschafft), aber für wie lange und um welchen Preis? Und die eigentliche Frage, die sich jeder selbst stellen sollte, ist: Was für eine Beziehung möchte ich zu meinem Hund? Und welche Rolle hat jeder Einzelne in dieser Beziehung? Möchte ich selbst ein autoritärer Befehlsgeber sein und einen kleinen Soldaten erziehen, der kuscht und aus Angst vor mir gehorcht? Oder möchte ich einen in sich ruhenden Hund, der mir vertraut und selbst entscheiden kann, sich so zu verhalten, dass alle damit glücklich sind? Ich denke, Sie als „Hunde-Eltern“ werden sich so entscheiden, dass Ihnen dieses Buch viel Freude bereitet!

Aber noch einmal ganz abgesehen von allen Argumenten: Mir persönlich bringt es einfach riesengroßen Spaß, meinem Hund zu sagen, wie toll er ist, und ihn immer wieder zu belohnen! Mit Loben und Belohnen kann man grundsätzlich nichts Schlimmes bewirken. Natürlich kommt es dann auch auf das „Wie“ und „Wann“ an, um echten Erfolg zu haben und nicht aus Unwissenheit doch etwas zu verstärken, was eigentlich nicht das Ziel war.

Was positive Verstärkung konkret im Alltag heißt, lesen Sie im Praxisteil des Buches: „Typische Hundeprobleme und mögliche Lösungen“.

WARUM BEREITEN HUNDE UNS OFT PROBLEME?

Noch einmal: Hunde handeln natürlich, ursprünglich, direkt und ohne Hintergedanken. Ich meine, dass wir Menschen im Vergleich zu Hunden ziemlich „verkopft“ sind. Oft liest oder hört man, dass Hunde dieses oder jenes Problemverhalten zeigen, weil „ihnen der nötige Respekt vor dem Menschen fehlt“, weil „der Mensch nicht zeigt, wer das Sagen hat“ oder weil „der Hund die Rudelführung an sich genommen hat“. Solche Begründungen halte ich für schlichtweg falsch und nicht tragbar. Rudel- und Dominanztheorien halten sich seit vielen Jahren in der Gesellschaft, obwohl sie von vielen Wissenschaftlern und praktischen Trainern längst infrage gestellt und widerlegt worden sind. So zum Beispiel auch kurz dargestellt von Rolf C. und Madeleine Franck in ihrem Buch Das Blauerhund®-Konzept, Teil 1.

Für mich viel logischer, einleuchtender und passender zu meinen Erfahrungen sind andere Erklärungsmodelle. Die richtige Antwort auf die Frage, warum Hunde Problemverhalten zeigen, ist in meinen Augen: „Weil es sich für sie lohnt!“ So einfach ist in der Regel jedes Problemverhalten zu erklären, auch wenn dadurch eine weitere Frage entsteht: Warum lohnt es sich denn für sie? Und diese Antwort kann bei jedem Problem und jedem Hund unterschiedlich ausfallen.

Ein ganz einfaches Beispiel: Sie haben Ihren Hund an der Leine und treffen unterwegs jemanden, mit dem Sie kurz sprechen möchten. Sie halten an und Ihr Hund langweilt sich ein wenig. Anstatt Ihren Hund zu loben, wenn er brav wartet, sind Sie so in das Gespräch vertieft, dass Sie leider immer erst reagieren, wenn Ihr Hund Sie vor Langeweile anbellt. Um den Hund zu beruhigen, geht Ihr Griff in die Futtertasche und Sie erreichen erst mal das kurzfristige Ziel, den Hund ruhig zu stellen. Somit hat Ihr Hund gelernt, bei Langeweile mit Bellen zu reagieren, denn es hat sich für ihn gelohnt.

Und ein etwas komplexeres Beispiel: Ein Hund liebt es, mit anderen Hunden zu spielen, und freut sich riesig, andere Hunde zu treffen. In vielen Fällen darf er auch direkt losflitzen zum Spielen, in sehr wenigen Fällen nicht. Irgendwann kippt die Situation um: Der Hund pöbelt andere Hunde an, sobald er an der Leine ist und nicht an die Hunde heran darf. Was ist passiert? Vermutlich hat der Hund eine extrem positive Erwartungshaltung gegenüber anderen Hunden aufgebaut (frei nach dem Motto: Hunde sind zum Begrüßen und Spielen da). Sobald er aber nicht heran darf, baut sich Frust auf. Der Mensch erkennt dies oft sehr spät, sodass sich die Frustration von Begegnung zu Begegnung steigert. Irgendwann ist das Maß voll, der Hund explodiert und entlädt seine Frustration über einen Pöbelanfall. Während der Hund sich seinen Frust von der Seele bellt, fühlt er sich erleichtert. Wir wissen, dass die Definition von Belohnung im Training wie folgt lautet: Belohnung führt zu einer individuellen Verbesserung einer spezifischen Situation. Das Gefühl der Erleichterung ist genau eine solche Verbesserung. Damit ist das Pöbeln – beziehungsweise das

Zieht der Hund an der Leine und kommt so ans Ziel, ist das Ziehen selbstbelohnend.

Gefühl der Erleichterung beim Pöbeln – die Belohnung für das Pöbeln selbst. Ein Teufelskreis, den man nur mit guten Alternativen unterbrechen kann.

Wenn man jedes in unseren Augen problematische Verhalten so aufschlüsselt, kommt man seiner Lösung auf die Spur. Die Frage lautet damit: Welche Art von Verstärker hält das Problem aufrecht?

Ein weiterer Aspekt kommt bei der Frage nach dem „Warum lohnt sich ein Problemverhalten?“ zum Tragen, nämlich die Frage, ob der Hund in der Lage ist, in der problematischen Situation klar zu denken. Es gibt bestimmte Stufen von Aufregung, in denen Hunde nicht mehr ansprechbar wirken. In einem solchen Erregungszustand sind sie auch nicht bereit für effektives Training. Eine Ursache für problematisches Verhalten kann also durchaus ein zu hoher Erregungszustand sein, der damit eine zugrunde liegende Emotion erst recht nach oben transportiert. In solchen Fällen müssen Trainingsräume geschaffen werden, in denen der Hund sich nicht so sehr aufregt oder in denen es gelingt, den Hund zu beruhigen.

Schließlich dürfen wir auch nicht vergessen, dass viele Unstimmigkeiten zwischen Hund und Mensch entstehen, wenn beide Individuen unterschiedliche Dinge möchten. Ein Hund versteht nicht, dass er jetzt lieber an der Leine gehen sollte, weil direkt neben dem Weg eine stark befahrene Straße verläuft. Für uns Menschen ist diese Tatsache aber logisch.

Unsere Aufgabe sollte es sein, unserem Hund genau die Dinge attraktiv zu machen, die auch wir gut finden. Der Hund wird dadurch freiwillig genau die Entscheidungen treffen, die zu einem entspannten Zusammenleben führen. Läuft der Hund gern an lockerer Leine, zieht er nicht. Kommt der Hund gern zu uns, lässt er sich auch aus schwierigen Situationen abrufen. Hat der Hund keine Angst vor neuen Dingen, braucht er Unbekanntes im Alltag nicht anzuknurren. Mit anderen Worten: Je mehr Stabilität Sie ihm bieten und je besser Sie schauen, welche Verstärker automatisch wirken und wie Sie diese bewusst streichen oder auch einsetzen können, desto schneller werden Sie sich mit Ihrem Hund einig.

IST MEIN HUND GLÜCKLICH?