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Ludwig (Louis) Stoffer (1889-1956) stammte aus Rufach (Rouffach) im Elsass. Seine Gesellenjahre als Schlosser und der Militärdienst führten ihn in die Welt hinaus. Mit einem Schiffs-Kameraden versuchte er sich in verschiedenen Bereichen in den USA, so als Handwerker in einer Goldmine, als Auto-Ausstatter und bei der Eisenbahn. In Tacoma fand er schließlich seine aus dem Burgenland stammende Frau Anna. Nachdem die Familie mit Mühe die Zeit der Wirtschaftskrisen durchgestanden hatte, gelang es Louis, eine eigene Schlosserwerkstatt aufzubauen, die heute noch in Centralia (Washington) existiert und von seinem Sohn und einem Enkel betrieben wird. Nachdem kürzlich eine Biographie Louis Stoffers erschienen ist, bringt der vorliegende Beitrag eine Auswahl der Ansichtspostkarten und Fotos aus seinem Nachlass. Viele sind nicht datiert, etliche der Absender nicht zu ermitteln, die Texte (sämtlich transkribiert) in teilweise ungewöhnlicher Orthographie, so dass das Material kaum in eine überzeugende Ordnung gebracht werden kann. Doch sind die visuellen und textlichen Dokumente auch außerhalb des familiären Kontextes sozialgeschichtlich von Interesse. Postkartensammler werden sich über die Reproduktion zahlreicher Ansichten freuen. Mit Registern. Ludwig (Louis) Stoffer (1889-1956) was born inRufach (Rouffach, Alsace). His apprentice years as a metalworker as well as his military service took him out into the world at an early age. He tried with various comrades to establish himself in different businesses in the USA, for example at goldmining, as an auto outfitter and for the railroad. In Tacoma, he finally found a wife, Anna from the Burgenland. After the family scraped through the Depression, he founded his own metal workshop, still existing today in Centralia, Washington and run by his son and grandson. A biography about Louis Stoffer was recently published; this volume presents a selection of postcards and photos from his past. Many are not dated, some of the consigners can't be identified, the texts - which have been transcribed into English - had unusual spelling and punctuation making them somewhat difficult to organize. Even so, the visual impact and nuggets of information make for interesting reading outside of the family circle. Collectors of postcards will also find the reproduction of the cards pleasing. Includes indices.
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Vorwort –
Preface
Transkription der Texte – Texts with Translation
Ansichtskarten und Fotos – Picture Postcards and Photos
Namenregister – Index of Names
Ortsregister – Index of Places
Chronologisches Register – Chronological Index
Kurze Zeit vor ihrem Ableben gab Helen T. Bell (1926–2013), Louis J. Stoffers Tochter, ein Bündel Postkarten aus dem Besitz ihres Vaters an ihre Tochter Christine Bell zur Durchsicht und Bearbeitung. Es handelt sich zumeist um an ihn gerichtete Ansichtskarten aus der Zeit von 1910 bis 1924, die Information über seine berufliche Situation und sein soziales Netzwerk geben. Darüber hinaus dokumentieren die Bilder Personen wie Orte. So entstand der Plan, dieses Material zu veröffentlichen – als ein Mosaiksteinchen zur Geschichte der Auswanderung.
Die Arbeit wurde erleichtert durch eine biographische Skizze seiner Eltern, die Louis J. Stoffer Jr. 2017 als Privatdruck veröffentlichte.1 So mag hier ein kurzer Abriß genügen.
Einige Worte zur Biographie
Ludwig (Louis) Johann Stoffer wurde am 19. Dezember 1889 in Rufach (frz. Rouffach) im damaligen Elsaß-Lothringen geboren. Seine Eltern waren Joseph Stoffer (Rufach 22. Nov. 1856–1910 ebda., Sohn von Sebastian Stoffer und Anna Maria Vogt) und Margarete Maria Imhoff (Dessenheim 12. Jan. 1859–1897 Rufach, Tochter von Ludwig, 1832–1903, und Margarete Imhoff, 1835–1911).2 Seine Mutter starb, als er acht Jahre alt war; der Vater heiratete wieder, und die neue Frau brachte einen Sohn, etwas jünger als Louis, Albert Fuchs, in die Ehe. Louis und sein Bruder Joseph (1888–1956) kamen in der Folge in ein Kinderheim3, wo die Behandlung wohl sehr schlecht war. Der Vater nahm schließlich die Jungen wieder zu sich. Louis lernte in einer Blechschlosserei in Gebweiler (frz. Guebwiller). Als Geselle ging er nach Paris zu einer Heizungsfirma, dann reparierte er Kerosinöfen. In Hamburg heuerte er auf einem Nordseefischer als Heizer an. Schließlich fuhr er als Öler auf der SS Uarda 1913 nach Kalifornien; dort desertierte die Hälfte der Mannschaft, in der Hoffnung, in den Goldminen reich zu werden. Louis und sein Freund Korbin Fichtner sowie der Rest der Mannschaft verließen das Schiff in Tacoma. Dort mieteten sie sich im Jefferson Hotel ein. 1914 schlossen sie sich der Commonwealth Mining Company an, die am Mt. St. Helens nach Gold schürfte. 1916 wurde jedoch der Mineningenieur zur Marine eingezogen, was das Ende der Schürfarbeit bedeutete. Louis arbeitete in der Folge auf einer Werft in Tacoma; als deutscher Staatsangehöriger wurde er nicht zum Militär eingezogen. Nach dem Krieg war er für die Chicago, Milwaukee St. Paul & Pacific Railroad, sowohl in Süd-Tacoma wie auch in Deer Lodge, Montana, tätig. Eine Weile war er Partner von John Dolge in einer Polsterei. Durch seinen deutschstämmigen Freund Steve Ketter, Bartender im Jefferson Hotel, lernte er seine künftige Frau, Anna Exner (geb. in Apetlon, Burgenland, 31. Mai 1899), eine Cousine von Frau Ketter, kennen und heiratete sie 1923. Das Paar hatte in der Folge zwei Kinder, Louis J., jr. (geb. 21. Dez. 1924) und Helen (geb. 6. Dez. 1926). Die Zeiten waren schwer, und die Familie erwarb gerade genug zum Lebensunterhalt. 1927 zog sie von Tacoma nach Centralia. Louis arbeitete aus seiner Garage heraus, indem er Werkzeug lieh. 1932 schließlich eröffnete er sein eigenes Geschäft in Centralia, das heute noch besteht und von seinem Sohn, Louis J. Stoffer, jr., und von seinem Enkel Gary geführt wurde und wird. Louis starb am 17. Dez. 1956, Anna Stoffer am 23. Dezember 1995 in Centralia.
Im Folgenden werden – gewissermaßen in Ergänzung zur erwähnten Biographie – die Bildpostkarten und Photos, vorwiegend aus den Jahren 1910 bis 1923, veröffentlicht. Dabei ist bewußt eine Auswahl vorgenommen worden: es wurden fast ausschließlich Karten mit Text ausgewählt und auf solche mit schlechter Reproduktionsqualität verzichtet.
Editionskriterien
Die Karten sind durchweg in schlechtem Zustand – Briefmarken wurden entfernt, notfalls durch Ausriß, sodaß vielfach eine Datierung anhand des Poststempels nicht möglich ist. Insofern ist die Anordnung eine willkürliche, wobei Karten derselben Absender teilweise zusammengeführt wurden; eine chronologische Anordnung war, zumindest a priori, nicht möglich. Erst im Laufe der Edition wurden manche Zusammenhänge deutlich und manche Personen waren in einen Zusammenhang einzuordnen. Daher sind drei Register beigefügt – Personennamen, Ortsnamen und Chronologie (soweit feststellbar). Diese erlauben eine gewisse Navigation durch das Material.
Für die ersten Karten wurden auch die Texte faksimiliert, sodaß ein Eindruck von den Handschriften vermittelt wird und auch die Schwierigkeiten bei der Entzifferung deutlich werden.
Nach Möglichkeit sind alle Texte transkribiert und auch übersetzt worden. Dabei bleiben naturgemäß manche Zusammenhänge ungeklärt.
Die Korrespondenten
Die meisten Absender der Postkarten fallen in drei Gruppen:
Familie – im Wesentlichen Joseph Stoffer, Louis’s Bruder, und Albert Fuchs, der Stiefbruder, die sich alle drei gut verstanden.
Freunde und Kollegen aus der Gesellenzeit
Freundinnen, wie Marie (Nachname nicht ermittelt) und Berthe und Jeanne Imhoff, die alle zumindest zeitweise, in Louis verliebt waren.
Die Orte
Absende-Orte entsprechen naturgemäß den Schreibern der Karten:
Im Bereich der Familie waren Joseph Stoffer und seine Freundin und spätere Frau Anna Herb die fleißigsten Korrespondenten. Sie waren in Bern ansässig, und so stammen auch die meisten Karten aus dem Berner Umfeld. Anlässe für Kartengrüße waren häufig Ausflüge oder sonstige Ortsveränderungen, die durch die Ansichten dokumentiert wurden..
Louis’ Freunde waren großenteils auch auf See, später in Washington. So stammen zahleiche Karten aus verschiedenen Häfen sowie Montana, wozu Tacoma (Jefferson Hotel) und Hamburg (Willi Bärwolf) als Anlaufadressen kamen.
Die Karten der Freundinnen (die Imhoff-Schwestern waren zugleich Cousinen) kamen aus Mülhausen (Elsaß); Maries Wohnort wurde nicht ermittelt.
Der Inhalt
Die meisten Korrespondenten waren keine geübten Schreiber – ihnen fiel es schwer, einen längeren Text zu verfassen, und so waren Ansichtspostkarten ein besonders geschätztes Kommunikationsmedium: Neben der Adresse gab es nur knappen Raum für Mitteilungen. So übermitteln die meisten Karten schlicht Grüße, die Frage nach dem Ergehen und kurze Bemerkungen wie: Ich habe einen Ausflug gemacht. Zugleich dienten sie Aktualisierung der Adreßinformation – Louis selbst war wie viele seiner Freunde und Kollegen ständig unterwegs.
Im Falle der Freundinnen besteht der Inhalt meist aus Liebesworten, aber gibt gelegentlich auch Einblick in die Arbeit in der Fabrik.
Darüber hinaus finden sich kurze Bemerkungen, die konkrete Information zur Biographie u.a. bieten. So erfährt man, daß Louis 1910 Wehrdienst leistete (007) und im November 1911 entlassen wurde (048-1). Er scheint dann auf der SS Heluan der DDG Kosmos angeheuert zu haben (017-2). 1912 befand er sich offenbar in Guayaquil, woraus zu schließen ist, daß er die Kap Hoorn-Route mindestens zweimal befuhr. „Kannst Du Mandoline spielen?“ fragte ihn sein Bruder Joseph Stoffer, wohl anläßlich eines Fotos, das ihn im Kreise der Besatzung mit Mandoline zeigt (Stoffer 2017, unpag.); die Antwort ist nicht überliefert. Léon aus Gebweiler berichtete über die Bekannten aus der Lehrlingszeit; hier wird ein J. Imhoff erwähnt – ob er zu Louis’ Verwandten gehörte, ist nicht bekannt.
1915 erreichte Louis eine Gratulation zur Verlobung (035-2); Näheres ist nicht bekannt, außer, daß aus der Sache weiter nichts geworden ist – vielleicht wegen des Krieges. Das Thema Heirat wird dann konkreter thematisiert in Mitteilungen von Berthe Imhoff – aber auch daraus wurde, trotz gegenseitiger großer Zuneigung (Jeanne beschwerte sich, daß Louis ihrer Schwester lange Briefe schreibe, ihr aber nicht), nichts. Über die Gründe läßt sich nur spekulieren. Am wahrscheinlichsten sind es praktische Erwägungen: Nach dem Krieg war das Elsaß wieder französisch und alles andere als deutschfreundlich; für einen deutschsprachigen Elsässer boten sich da keine optimalen Möglichkeiten; im benachbarten Deutschland waren die wirtschaftlichen Optionen wohl noch desolater. So dürfte sich Louis, der sich inzwischen im fernen Amerika gut akklimatisiert hatte, auf eine Zukunft in Washington eingestellt haben. Ob Berthe eine Auswanderung je in Erwägung gezogen hatte, bleibt ungewiß und ist eher unwahrscheinlich. So heiratete Louis 1923 Anna Exner, die er bei Steve Ketter kennengelernt hatte, und auch Berthe heiratete kurz darauf, 1924. Ob Maries liebevolle Karten aus der Zeit vor oder nach dem Kriege stammen, läßt sich nicht feststellen, Die Wahrscheinlichkeit spricht für vor 1914.
Es liegen noch Postkarten von zwei Frauen an Louis vor, von Ada aus Missoula (067-3) und von Josephine (070-2), doch scheint sich da keine nähere Beziehung angebahnt zu haben.
Einige Details lassen sich aus Joseph Stoffers Karten entnehmen. Er bewohnte ein Zimmer in Bern, und da später von einer Werkstadt in Türkheim die Rede ist, darf man annehmen, daß er als Handwerker, wahrscheinlich Schlosser, tätig war. Er spielte gern Zither (029-3). 1912 teilt er mit, daß er abstinent geworden sei (015-1); ob das lediglich eine Änderung im Lebensstil des Junggesellen andeutet oder auf gesundheitliche Probleme hinweist, bleibt ungewiß. Zum Kriegsbeginn wurde er zum Militärdienst eingezogen und diente im Militärdepot in Metz (027-2). Er wollte sich 1914 verloben, verschob dies aber wegen des Krieges; offenbar hat er aber dann noch während des Krieges eine Liebe Anna Herb geheiratet (072-2). Sie erwähnt, daß sie zwischenzeitlich aus Bern weggezogen sei und gibt das Sanatorium Hartlisberg als Wohnort an. Da nirgends auf gesundheitliche Probleme hingewiesen wird, darf man annehmen, daß sie als Angestellte, wahrscheinlich als Pflegerin, dort tätig war. Joseph und seine Frau zogen später nach Türkheim.
Albert Fuchs, der Stiefbruder, schickte über Joseph verschiedentlich Grüße an Louis mit. Er scheint eine Weile im Café-Restaurant Michelin (029-2) tätig gewesen zu sein. Er stand seinen Brüdern sehr nahe und unterschrieb sich in jüngeren Jahren gern auch als Albert Stoffer. Diese Anhänglichkeit hat er sein Leben lang bewahrt.
Für die von Louis Stoffer jr. mitgeteilte Vermutung, sein Vater sei auf seinen Seereisen auch nach China gekommen, hat sich kein Hinweis finden lassen. Die Schiffe der DDG, auf denen Louis nachweislich fuhr, bedienten die Route von Hamburg zur Westküste Amerikas. So wäre es allenfalls während seiner Militärzeit möglich gewesen sein.
Die Transkription bot einige Schwierigkeiten: Die Schreibweise ist vielfach unorthographisch, phonetisch und nicht mit Satzzeichen belastet, der Duktus erratisch. Manche Karten sind mit Bleistift geschrieben und sehr verblaßt. Namen und Zusammenhänge sind verschiedentlich unklar, und so mußten einige Lücken bleiben.
Insgesamt läßt sich sagen, daß sich die Mühe der Edition gelohnt hat, aus historischen wie auch menschlichen Gründen. Besonders interessant ist der sozialhistorische Aspekt: Während Korrespondenzen und Darstellungen von Angehörigen der Bildungsschicht zum Thema Auswanderung nicht selten sind, darf man das vorliegende Konvolut, das Einblicke in das Leben des Kleinbürgertums gibt, nicht häufig finden.
1Louis and Anna Stoffer. A biography by Louis J. Stoffer and Jonathan Stoffer. Centralia, WA: Stoffer 2017. Unpag. 4° Exemplare sind zugänglich in der Deutschen Nationalbibliothek (Frankfurt a.M., Leipzig) sowie in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.
2 Die Lebensdaten von Louis’ Eltern und Großeltern ermittelte freundlicherweise Frau Agnes Weiske, Grafing.
3 Hier liegt bei Stoffer 2017 wohl ein Irrtum vor; dort wird gesagt, Louis und Albert wären ins Heim gekommen. Joseph wird in der Darstellung nicht erwähnt.
Shortly before her death, Helen T. Bell (1926–2013) handed over to her daughter Christine Bell a bundle of postcards that had belonged to her father, Louis J. Stoffer for examination and editing. It was comprised mostly of cards received by him between 1910 and 1924 that provided information about his professional and personal situation. In addition these cards document other persons as well as places. The idea of publishing this material as a small stone in a mosaic of the history of immigration was born.
The work was made easier through a biographical sketch published privately by Louis J. Stoffer Jr. in 2017.4 Thus only a short summary of this biography is necessary.
Some biographical notes
Ludwig (Louis) Johann Stoffer was born on Dec. 19, 1889 in Rufach (French Rouffach) in the area formerly known as Alsace-Lorraine. His parents were Joseph Stoffer (Rufach, Nov. 22, 1856–1910, the son of Sebastian Stoffer and Anna Maria Vogt) and Margarete Maria Imhoff (Dessenheim Jan. 12, 1859–1897 Rufach, daughter of Ludwig, 1832–1903, and Margarete Imhoff, 1835–1911).5 His mother died when he was 8 years old; his father married again and his new wife brought a son, somewhat younger than Louis – Albert Fuchs – into the marriage. Louis and his brother Joseph were sent at some point to an orphanage6, where they were badly treated. Their father ultimately brought the boys back home. Louis learned a trade in a metalworking shop in Gebweiler (French Guebwiller). As a apprentice he went to Paris to work for a radiator company and thereafter repaired kerosene stoves.
