Mein Leben als Zitronenbaum - Peter Freudenthaler - E-Book
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Mein Leben als Zitronenbaum E-Book

Peter Freudenthaler

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Beschreibung

Mit dem eingängigen Pop-Song „Lemon Tree“ gelang der deutschen Band Fools Garden Mitte der 90er Jahre ein echter Welthit. Für Sänger und Songschreiber Peter Freudenthaler, Jahrgang 1963, öffnete sich mit dem Song die Tür zur internationalen Musikwelt und zu einer Karriere, die er sich nie hätte träumen lassen. In seiner Autobiographie nimmt er uns mit auf diese Reise: Von der behüteten Kindheit und Jugend in Pforzheim und den Anfängen als Schulband bis zur Geburt des „Zitronenbaums“, vom plötzlichen Erfolg als Popstar und Chartstürmer und dem Leben auf Tournee bis zu aktuellen Songs. Zwischen vielen magischen Momenten und inspirierenden Begegnungen mit internationalen Stars und Fans aus aller Welt heißt es immer wieder: Lemon Tree. Fools Garden erhielt unzählige Gold- und Platinauszeichnungen sowie Musikpreise in der ganzen Welt. Bis heute steht Peter Freudenthaler erfolgreich mit Fools Garden und anderen Musikprojekten auf der Bühne und schreibt seine eigenen Songs. „Mein Leben als Zitronenbaum“ ist eine sehr persönliche Schilderung von über 33 Jahren Band- und Musikgeschichte – und ein so spannender wie warmherzig-sympathischer Blick hinter die Kulissen der Musikszene.

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Seitenzahl: 366

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Freudenthaler, Peter; Frölich, Michaela: Mein Leben als Zitronenbaum. Die Lemon Tree-Story: Fools Garden, der Welthit und ich. Die Autobiographie. Hamburg, Charles Verlag 2025

Originalausgabe

ePub-ISBN: 978-3-910408-16-6

Dieses Buch ist auch als Print erhältlich und kann über den Handel oder den Verlag bezogen werden.

Print-ISBN: 978-3-910408-15-9

Lektorat: Angela Rieger, textpalast, Oldenburg

Korrektorat: Angela Rieger, textpalast, Oldenburg

Satz: Sarah Schwerdtfeger, Charles Verlag, Hamburg

Umschlaggestaltung: © Sabine Dunst, Guter Punkt, München

Umschlagbild: © Tine Acke Foto, Hamburg

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

Der Verlag behält sich das Text- und Data-Mining nach § 44b UrhG vor, was hiermit Dritten ohne Zustimmung des Verlages untersagt ist.

Der Charles Verlag ist ein Imprint der Bedey & Thoms Media GmbH,

Hermannstal 119k, 22119 Hamburg

E-Mail: [email protected]

© Charles Verlag, Hamburg 2025

Alle Rechte vorbehalten.

https://www.charles-verlag.de

Peter Freudenthaler

Mein Leben als Zitronenbaum

Die Lemon Tree-Story: Fools Garden, der Welthit und ich

Die Autobiographie. Aufgezeichnet von Michaela Frölich

Inhalt

Peter Freudenthaler

Mein Leben als Zitronenbaum

Die Lemon Tree-Story: Fools Garden, der Welthit und ich

Die Autobiographie. Aufgezeichnet von Michaela Frölich

PROLOG

Wenn Träume wahr werden, fangen die Probleme erst an.

(Ganz) kleines Vorwort

Anruf von Peter.

1. Wir stürmen die Charts

Flughafen Leipzig, Montag, 26. Februar 1996:

2. Wie alles anfing …

Eine Vision in Berlin

Eine schicksalhafte Begegnung

Bandurlaub in Friedrichskoog

Das erste Jahr der allerersten Male

Das erste offizielle Album

Der erste Video-Clip

Unser erster Fernsehauftritt

Einer geht

Ein Very-Big-Hit-Wonder wird geboren

3. Management, Medien & Co

Ein neuer Manager

Irgendwas liegt in der Luft

Intercord – der Erfolg nimmt Fahrt auf

Auf dem Weg zur Nummer eins

4. 1996 – ein unfassbares Jahr

Vom Warten und Eilen

Wir gehen weltweit durch die Decke

Gold und Platin

Sommertour mit PUR

Südostasien-Tour

Weiter geht’s nach Südafrika

Awards als Newcomer

Bambi und Blackout

Zwischen Krankenhausflur und Fernsehpreis

Vom Laugenbrötchen zur Weltbühne

5. Musik im Blut

Nicht von dieser Welt

Die Wurzeln, die mich prägten

Vom Überleben und dem Wissen, es allen zu zeigen

Der Zauber der Musik

Von Langeweile, Raumschiffen und schielenden Löwen

Meine erste Band

Mutproben, Motoren und das Gefühl, unsterblich zu sein

Revolution macht hungrig … und manchmal neugierig auf ganz andere Dinge

Dem Leben Richtung geben

The Stitch

Von der ersten wirklich großen Liebe

Die ersten Schritte ins Musikbusiness

Ich werde Klavierbauer

Von Klavieren, Hobeln und dem guten alten Marx

Ein Ausflug zum Theater

Stolpersteine bringen weiter

6. Die Welt von Fool’s Garden dreht sich weiter

Go And Ask Peggy: Das zweite Album – zwischen Euphorie und Erwartungsdruck

Ein Album, eine Insel, eine Geschichte

Zwischen Plattenfirmenrealität und Babyglück

Eine Reise voller Enttäuschungen: Belarus oder die große Kunst der Demütigung

Als Botschafter unterwegs

Fußball, Völkerverständigung und ein Zitronenbaum in Sibirien

Songwriting – Von Klangfragmenten und lyrischen Landkarten

MEANWHILE

Melodien aus dem Off

For Sale

Zehn Jahre Fool’s Garden

Einmal Karibik und zurück – mit Zwischenstopp auf dem Eis

Ein Kindheitstraum wird wahr

7. Schattenseiten des Erfolgs

Das Leben in der Öffentlichkeit

Ein teurer Anfängerfehler oder: Nie wieder auf Lebenszeit

Fanpost, Flugtickets und Fantasie

Wir trennen uns – nicht nur vom Apostroph

Rückblick auf einen unglaublichen Erfolg

8. Von der neuen Freiheit

Wir entdecken uns neu

Tourgeschichten und ein Lied namens Komisch

Lehrstunde mit Gitarrenkoffer

Ein Schritt nach vorn – frische Liebe

Der Osten überrascht uns

Falls der Russe kommt – als Closer plötzlich ganz nah war

Kaliningrad

Wie Rolling Home den Weg zurückfand

Zwischenton in Kupfer

Ready For The Real Life

9. Ein neues Land und verrückte Ideen

Erdbeben in China

Singapur 2008 – Nacht, Glanz und Grid Girls

Ladybird Music – ein Label, zwei Songs und eine Marienkäfer-Tür

Hommage an die Beatles

Unterwegs in Solo-Projekten

Final Stap – Glitzer, Glamour und kein Platz für Eitelkeit

Menschenskinder – Musik, Menschlichkeit und Bobby Baumeister

Russland – Zwischen Melancholie und Magie

Ein Ritterschlag auf tiefen Saiten

Von Kartoffelkäfern und Kinoleinwänden

Probably im Kreml

10. Cover-Versionen von Lemon Tree

11. Loslassen lernen

Wenn das Leben sich verabschiedet

Abschied von meiner Mutter

12. Crossover-Projekte

Der Klang großer Räume – unsere Crossover-Konzerte

Ansage mit Nachklang

Zwischen Liszt und Lindenberg: Große Namen, weiche Knie – Soundcheck auf der Burg

13. All we need is what we are

Flashback – ein Rückblick mit Zukunft

Rise And Fall

Save The World Tomorrow

New World

Auf hoher See

Sturmfest und wettererprobt

Instagram-Festival

Was bleibt, wenn es still wird: Die Entstehung von Captain … Coast Is Clear

Songs mit Haltung

14. Zeit für das Leben

Vom Wandern

Wenn man reist, kommt man nie mehr so zurück, wie man gegangen ist.

Im Zweifel immer „nuff“

15. Wohin es geht

Adieu Lemonade Music

Let all your dreams run free

Noch ein Jubiläum: Das 33 Jahre-Festival

Unvorhergesehenes – und es geht weiter

We´re sailing on a boat of time … Taken to the other side

DANKE

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Cover

PROLOG

Ich werde oft gefragt, in welchen Momenten meines Lebens ich am glücklichsten war. Viele vermuten, es müsse die Zeit gewesen sein, als Lemon Tree auf Platz eins der Charts stand. Doch genau das war es nicht, im Gegenteil: Es war eher ein Moment des Schreckens. Ich dachte nur: „Um Gottes willen, was passiert hier gerade!?“ Wir hatten so lange auf diesen Erfolg hingearbeitet, und plötzlich war er da, ganz real: Wir waren Popstars. Und da standen sie vor mir, die Geister, die ich rief. Goethes Worte hallten in meinem Kopf. Der Traum war wahr geworden, doch er hatte mich überrollt – stärker und schneller, als ich es mir je hätte vorstellen können.

Peter Freudenthaler

Wenn Träume wahr werden, fangen die Probleme erst an.

„Du musst dir aber Mühe geben!“ sagte meine Frau, ohne von der Bratpfanne aufzuschauen. Muss ich nicht dachte ich, denn es ist mir ein inneres Bollerwagenrennen über dieses Buch ein paar Zeilen zu schreiben. Klar, Fools Garden war mir dank Lemon Tree schon lange ein Begriff, allerdings lief die Band bei mir unter der Rubrik „One-Hit-Wonder“, was kein Wunder ist, wenn man sonst nichts von ihnen kennt.

Mittlerweile muss ich diese Einschätzung aber definitiv ändern, denn seitdem ich nach einem Foto- und Video-Shooting, zusammen mit meinem Bruder, Peter und Volker kennengelernt habe und sie mir zum Abschied ein Exemplar von Who Is Jo King? geschenkt haben, weiß ich, dass da noch viel mehr ist als ein Zitronenbäumchen.

Ich denke, Fools Garden ist eine der in unserem Land musikalisch am meisten unterschätzen Bands. Eine Band, die sich durch ihre kompositorische Vielfalt, ihre Unangepasstheit an den heutigen Musikmarkt und kurzzeitige Trends definiert. Durch ihre Liebe zu Melodien, zu komplexen Alben in Zeiten, wo ein Song schon hart an der 2-Minuten-Grenze kratzen muss, um sich einen Platz auf den Playlisten der digitalen Vermarkter zu ergattern.

Dieses Buch erzählt die Geschichte von jemandem, der für seinen Wunsch alle Wege geht, ohne immer zu wissen, wohin sie führen werden. Von Momenten des Glücks und Momenten des Zweifelns. Von sich unerwartet erfüllenden Träumen und all den Problemen die sie so mit sich bringen.

Es gab Momente, da habe ich mich beim Lesen gefragt, wie jemand bei diesem Leben so auf dem Boden bleiben konnte wie Peter Freudenthaler. Vielleicht, weil man dankbar ist für das Leben, das man führen darf, so wie man es immer führen wollte. Vielleicht, weil man weiß, dass es ein Geschenk ist, seine Familie mit dem zu ernähren, was man liebt, und wenn man dieses Buch liest, weiß man, dass es bei Peter Freudenthaler die Musik ist, die er liebt.

„Mein Leben als Zitronenbaum“ erzählt die Geschichte eines Mannes, einer Band, eines Welthits und was er mit dem Protagonisten und seinem Leben so angestellt hat, und das auf eine ehrliche, nie übertriebene Weise. Von Ängsten und Höhenflügen, von richtigen und falschen Entscheidungen, und dass die Native Americans mit dem Satz „Wenn Träume wahr werden, fangen die Probleme erst an“ vermutlich recht haben.

Ich weiß genau, wie sich die meisten Menschen das Leben als „Popstar“ so vorstellen, aber genau deswegen würde ich dieses Buch jedem ans Herz legen wollen, der wissen will, was in den Menschen wirklich vorgeht, die im Rampenlicht stehen. Viele sind an ihrem einen großen Hit verbrannt – Peter Freudenthaler ist an ihm gewachsen, und genau das zeigt dieses Buch.

Kai Wingenfelder – Fury in the Slaughterhouse

(Ganz) kleines Vorwort

Anruf von Peter.

Ich rufe schnellstmöglich zurück, was zwischen uns seit Jahren als freundschaftliche Selbstverständlichkeit gilt.

Peters Ideen sind oft überraschend und spannend. Also wollte ich natürlich wissen, was ansteht. Kurzes Vorwort für seine Autobiographie. Puh, Songtexte fallen mir leichter als Prosa. Also erstmal lesen. Und … das hat Spaß gemacht.

Denn da schreibt einer, der wirklich was zu erzählen hat. Viele schöne Erinnerungen an Bekanntes oder gemeinsam Erlebtes. Aber auch viel Neues, und gerade das hat mir noch klarer gemacht, warum ich Peter schon seit vielen Jahren so mag.

Kreativ, ehrlich, geradeaus, warmherzig, neugierig, mit einer guten Prise Humor und gerne auch mal selbstironisch, dabei aber immer auf gute Art bescheiden, so habe ich Peter seit unserem ersten Treffen Mitte der 90er Jahre kennengelernt – mit und ohne Zitronenbaum.

Freue mich schon auf das nächste Duett auf der Bühne, aber fast noch mehr auf das nächste gute Gespräch beim Rostbraten – Peter weiß schon wo …

Habt Freude beim Lesen!

Alles LiebeHartmut Engler – PUR

1. Wir stürmen die Charts

Flughafen Leipzig, Montag, 26. Februar 1996:

Es war der Tag, der unser Leben auf den Kopf stellen sollte, auch wenn wir in diesem Moment noch nichts davon ahnten. Müde saßen wir in der Abflughalle und warteten auf den Flieger, der uns zurück nach Pforzheim bringen sollte. Wir sprachen nicht viel und hingen unseren Gedanken nach: Die Promo-Reise war endlich vorbei, und jeder von uns wollte nach dieser anstrengenden Zeit einfach nur noch nach Hause.

Der Grund, warum wir überhaupt hier gewesen waren? Radio PSR, der erste private Radiosender Sachsens, hatte uns, Fool’s Garden, zum Interview eingeladen. Denn seit Monaten lief unser Song bundesweit im Radio, auch hier, im Osten der Republik. Lemon Tree hatte sich in den letzten Wochen nicht nur die Nummer eins in der Radio PSR-Hörerhitparade geholt, sondern war auch in den Charts unaufhaltsam nach oben geschossen.

Da kam plötzlich Angelo Mendez um die Ecke gebogen, der Radio-Promoter unserer damaligen Plattenfirma Intercord, der uns die letzten Tage von einer Radiostation zur anderen und von einem Interview zum nächsten chauffiert hatte. Er tauchte auf, strahlend wie ein Komet am Himmel, und mit einer Flasche Champagner in der Hand, die er hochhielt wie einen Pokal. „Leute, wir müssen feiern!“, rief er und grinste dabei so breit, dass es fast schon unheimlich war. „Ihr seid mit Single und Album auf Platz eins der deutschen Charts!“

Stille. Schockzustand. Mir lief ein Schauer über den Rücken. Gänsehaut, als hätte ich einen Elektrozaun umarmt. Und dann drehte sich nur noch alles in meinem Kopf: „Moment mal, was bedeutet das? Was passiert jetzt?“ Volker und ich starrten uns an, beide etwas hilflos, als hätten wir gerade die Hauptrolle in einem Film übernommen, aber den Text vergessen. Statt vor Freude aus den Socken zu springen, saßen wir nur da, paralysiert von dieser Nachricht. Was eigentlich der perfekte Grund für einen ekstatischen Jubelschrei gewesen wäre, wirkte jetzt auf einmal beängstigend und völlig surreal. Wir, fünf Jungs aus dem Wilden Süden, hatten uns an die musikalische Spitze von über 80 Millionen Menschen gesetzt. Das war absolut irre …

Angelo stand immer noch vor uns, die Champagnerflasche hoch in der Luft. Und wir? Keine Reaktion, keine Glückshormone, die uns in den Himmel katapultierten. Stattdessen starrten wir ihn weiter nur an, kreidebleich, wie er uns später sagte, und vollkommen sprachlos.

Erst langsam begriff ich, was er uns da gerade mitgeteilt hatte. ­Lemon Tree war zwar schon seit zwei Wochen auf der Pole-Position und hatte dafür bereits Spaceman von Babylon Zoo von der Spitze verdrängt. Aber nun auch noch Dish Of The Day, unser Album auf der Eins der Deutschen Charts? Unfassbar!

Als wir im Dezember 1995 in die Charts eingestiegen waren, hatte die Plattenfirma noch gewarnt, dass der Aufschwung zwischen den Jahren wieder nachlassen werde. Doch das Gegenteil war der Fall. Wir hatten alles überholt, was es an Superstars gab. Michael Jackson mit dem Earth Song, die Backstreet Boys, Oasis, alle lagen jetzt hinter uns. Von Platz 70 auf Platz 1, und das in Rekordzeit. Die Welt drehte sich plötzlich anders.

Zurück daheim in Pforzheim stand das Telefon nicht mehr still. Journalisten hatten die Neuigkeiten ebenso über Media Control erfahren wie wir. Freunde und Familien gratulierten und freuten sich mit uns. Die Plattenfirma schickte jedem eine Kiste Champagner. Es war, als hätten wir alle gleichzeitig mehrere Tage lang Geburtstag – ein wahrer Rauschzustand, der den ersten Schock gleich wieder ins Nirwana beförderte. Mittlerweile ahnte ich, dass auch die nächsten Wochen mit Terminen vollgepackt sein würden. Doch welcher Riesenrun dann wirklich auf uns zukommen sollte, das hätte sich zu diesem Zeitpunkt keiner von uns auch nur im Entferntesten vorstellen können.

Schon kurz darauf gratulierte uns Herbert Kollisch, der Geschäftsführer der Intercord, persönlich. In seinem Schreiben ließ er durchblicken, wie sehr er sich freue, bereits nach so kurzer Zeit so große Erfolge mit uns feiern zu können: Die Single sei auf dem Weg zu Gold, und auch beim Album werde es wohl nicht mehr lange dauern, bis wir Edelmetall in den Händen hielten. Gold, das hieß 250.000 verkaufte Exemplare. In welchem Musikhimmel waren wir gelandet? Ich starrte auf den Brief in meinen Händen und konnte es kaum glauben: Wirklich 250.000 Stück? Was für eine Zahl! Unglaublich.

In diesen Tagen der Euphorie starteten wir die schon lange davor geplante Dish Of The Day-Tour und spielten allein im März 1996 17 Konzerte. Wir reisten von einem Ende der Republik zum anderen. Jeden Tag an einem neuen Ort.

Jetzt gratulierte Kollisch tatsächlich nicht nur zu den Top-Positionen für Single und Album, sondern wie vorhergesagt auch zu Gold- und Platin-Trophäen, und zwar genau in dem Moment, als wir auf dem Weg nach München waren, zum Konzert im legendären „Alabama“, das live vom Bayerischen Rundfunk, von BR3 übertragen und aufgezeichnet werden sollte. Noch ein paar Monate zuvor hatten wir schon einmal in München gespielt, in einem Club namens „Feierwerk“, vor genau 20 (!) Zuschauern, und waren mit einem satten Minus nach Hause gefahren. Trotzdem waren wir damals unheimlich stolz darauf, in München aufgetreten zu sein, und sicher, dass wir irgendwann noch unseren Enkeln davon berichten würden.

Die Single Lemon Tree auf Platz 1 der Top 100 Charts am 11. März 1996 © Keller Verlag

Das Album Dish Of The Day auf Platz 1 der Top 100 Charts am 11. März 1996 © Keller Verlag

Das Alabama, eine wahre Kultstätte in München und uns allen schon lange als bedeutende Konzert-Location ein Begriff, war ausverkauft und wir waren alle mächtig aufgeregt. Hinzu kam die Premiere des Live-Mitschnitts: Das hatten wir bis zu diesem Tag auch noch nicht gehabt.

Schon im Backstage hörten wir das Raunen der Leute im Saal. Und dann, um 21:45 Uhr hieß es: Showtime. Wir positionierten uns auf der Bühne, unsere Herzen schlugen bis zum Hals, der Vorhang öffnete sich, und das Publikum begrüßte uns mit frenetischem Applaus. Das tat gut und trug uns wie auf Wolken durch den Abend. Wir starteten mit Ordinary Man, dem Opener unseres Albums, und waren sofort euphorisiert durch die Liebe, die uns entgegenflog. Drei Songs später war Lemon Tree an der Reihe. Wir spielten die ersten Akkorde – und das Publikum rastete völlig aus. „So fühlt es sich also an, wenn man einen Hit hat“, dachte ich. Es war das, wovon wir alle immer geträumt hatten: Wir hatten einen Song im Gepäck, den alle kannten, den alle lauthals mitsangen, und bei dem niemand ruhig bleiben konnte. Alle Arme waren oben, alle tanzten, und am Ende des Songs versank die Halle in tosendem Applaus. Jetzt spürten wir es hautnah, so fühlt es sich an, ein richtiger, echter Hit! Wir lachten uns an und kamen aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Wir waren einfach völlig überwältigt von dieser Atmosphäre, die uns umfing.

Dann kam Finally, ein eher ruhiger Song, bei dem plötzlich die Feuerzeuge aufflammten – Handys mit Taschenlampenfunktion gab es damals noch nicht. Ich schloss die Augen und genoss dieses wunderbare Gefühl beim Singen, einfach loszulassen und nichts mehr zu denken. Bei den nächsten Songs, The Seal, The Tocsin, Pieces und Wild Days, schoss dann bei jedem von uns das Adrenalin in bisher ungeahnte Höhen, denn das Publikum kannte auch jeden dieser Songs und sang sie genauso mit wie alle anderen zuvor. Es war gigantisch, kaum zu beschreiben. Es fühlte sich immer noch an wie ein Traum, unser großer Traum, in dem wir hier und jetzt gerade angekommen waren. Man hat uns hinterher gesagt, wir haben ausgesehen, als hätten wir unter Drogen gestanden. Dabei waren es allein die körpereigenen Endorphine, die uns so „high“ gemacht hatten.

Dieser Auftritt, der ganze Abend, war wie ein riesengroßer Rausch – auf den schon ein paar Tage später die erste kalte Dusche und Ernüchterung folgen sollte: Ein Redakteur der Zeitschrift Musikexpress hatte das Konzert besucht und uns in seinem Bericht gelinde gesagt zerrissen. Er beschrieb unsere Songs als „gutgemeinte Kompositionen“, schrieb über Thomas, unseren Bassisten, das er aussehe „als sei er von den Schürzenjägern ausgeliehen“. Und über mich schrieb er, ich hätte das „Charisma eines Sachbearbeiters bei der Kfz-Zulassungsstelle“. Puh, das saß! Ich muss gestehen, dass mich dieser Satz damals doch sehr getroffen hat und mir wohl deshalb auch so in Erinnerung geblieben ist. Als wäre das noch nicht genug, schrieb er weiter, er sei nicht auf einem Rockkonzert gewesen, sondern eher „auf einer betulichen Fete der katholischen Landjugend“, und dass das alles nicht wehtue, es „nur so unendlich langweilig und einfältig“ sei. Natürlich war uns klar, dass uns nicht jeder mögen würde. Aber dieser Unterschied in der Eigen- und Fremdwahrnehmung, das war schon krass, denn wir hatten vor allem ein begeistertes Publikum erlebt, nicht mehr und nicht weniger. Und dass er nicht nur uns, sondern obendrein auch noch das Publikum beleidigte, das fanden wir schon echt unverschämt.

Die Kritik erreichte uns ausgerechnet direkt vor einem unserer nächsten Konzerte, in Zwingenberg. Steffen, unser Manager, legte den Musikexpress auf den Tisch, wir überflogen den Artikel und waren geschockt. Ich wurde wütend, aber vor allem auf Steffen: „Bist du eigentlich bescheuert, uns sowas zu zeigen, bevor wir auf die Bühne müssen!? Jetzt bin ich so richtig motiviert, herzlichen Dank auch!“

Es tat weh. Wir konnten es nicht verstehen, weil das Konzert für uns doch so großartig gewesen war, und das Publikum uns gefeiert hatte. Es dauerte eine Weile, bis wir eine Erklärung fanden: Wir waren plötzlich Nummer eins, und da gab es offenbar Leute, die mit dem Erfolg von fünf „Typen vom Dorf“, die nicht mal richtig Hochdeutsch sprachen, nicht so gut umgehen konnten. Vielleicht war der Journalist auch nur eifersüchtig, weil seine Freundin uns gut fand, wer weiß? Doch kurz darauf rief der damalige Chefredakteur des Musikexpress, Ernst Hofacker, persönlich bei mir an, um sich für den Artikel zu entschuldigen. Das war wirklich nett von ihm und überhaupt nicht das, was ich erwartet hatte.

Rückblickend betrachtet war der Artikel stilistisch sogar ganz gut geschrieben und irgendwie, wenn wir nicht selbst Gegenstand der Kritik gewesen wären, auch witzig formuliert. Aber das konnten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht so sehen. Vielleicht hatte so mancher Journalist auch einfach mehr erwartet von einer Nummer-eins-Band, die wir zwar charttechnisch waren, jedoch noch nicht, was unsere Live-Performance oder die Souveränität im Umgang mit dem Publikum betraf. Das sollte sich alles erst noch entwickeln. Am Ende lernten wir, mit all den Reaktionen und Kritiken umzugehen, mit positiven genauso wie mit den weniger angenehmen.

Fool’s Garden – Live aus dem Alabama in München 1996

https://www.youtube.com/watch?v=Zv_Rvon66lY

Mit dem Erfolg änderte sich auch unser Publikum: Anfangs waren die Leute, die Fool’s Garden-Konzerte in der Region besuchten, eher in unserem Alter gewesen, zwischen Mitte 20 und Anfang 30. Nun war das Publikum deutlich jünger, denn inzwischen berichteten auch die Jugendmedien wie BRAVO oder Popcorn über uns. Die Musiksender MTV und VIVA taten ein Übriges. Auf einmal besuchten 15-, 16-Jährige die Konzerte, nicht selten in Begleitung ihrer Eltern. Nach dem Konzert in Zwingenberg etwa kam eine Mutter zu mir, als ich gerade backstage eine Zigarette rauchte, und fuhr mich an: „Ich finde es unmöglich, dass Sie rauchen! Sie müssen doch ein Vorbild für die Kinder sein!“ Ich war ganz erschrocken und dachte: „Was will die von mir? Ich soll ein Vorbild sein?“ Natürlich war es bestimmt keine Absicht, irgendwelche Teenies mit unserem Verhalten negativ zu beeinflussen. Aber dass jetzt jeder Schritt und jede Handlung beobachtet und bewertet wurde und Reaktionen nach sich ziehen konnte, das war noch neu und völlig ungewohnt für uns.

Kurz darauf stand unser erster Promo-Termin im Ausland an, in der Schweiz, genauer gesagt: in Zürich, bei TV Megaherz. Dort trafen wir auf unsere deutschen Kollegen vom Rödelheim Hartreim Projekt, Moses Pelham und Martin Haas. Moses musterte uns, grinste und fragte trocken: „Ey, was macht ihr denn hier?“ Wir, völlig ahnungslos, antworteten brav wie Schüler am ersten Schultag: „Promo für unser Album!“ Er schüttelte nur den Kopf und meinte: „Hey, ihr seid Nummer 1 – da macht man keine ‚Promo‘!“ Wieder was gelernt.

Als wir das Studio verließen, passierte etwas, das uns völlig unvorbereitet traf: Wir wurden auf der Straße erkannt. In Zürich! Es war das erste Mal und schon irgendwie spooky. Klar, wir freuten uns, aber es hatte auch etwas Unwirkliches. Es war dieses Gefühl, dass sich unsere Anonymität langsam aber sicher in feinen Dunst auflöste, während wir noch versuchten, das alles überhaupt zu begreifen. Durch die beinah täglichen Berichte in den Jugendmagazinen, TV-Auftritte bei VIVA, MTV, VH1 und natürlich BRAVO TV mit Heike Makatsch, verwandelten wir uns plötzlich in etwas, das wir nie geplant hatten: eine Teenie-Band.

Das Problem? Wir selbst waren zu der Zeit alle so um die 30, und damit längst raus aus dem Teenie-Alter. Die älteren Zuschauer im Publikum schauten sich wahrscheinlich irritiert um und dachten: „Was zum Teufel geht denn hier ab?“, wenn neben ihnen 14-Jährige mit glänzenden Augen in den Kreischmodus schalteten, als wären wir Take That.

Und überhaupt, plötzlich lief alles im Highspeed-Modus. Ein Termin jagte den nächsten, ein Interview folgte auf das andere. Manchmal wusste ich morgens nicht mal mehr, wo ich in der Nacht zuvor eingeschlafen war – wenn ich überhaupt geschlafen hatte. Es fühlte sich an, als hätte uns ein gigantischer Turbo in eine andere Hemisphäre katapultiert. Natürlich liebten wir den Trubel um uns, diesen Rausch und den Erfolg, aber ganz ehrlich? Es war auch einfach unfassbar anstrengend. Eine Dauer-Tour-de-Force mit Pausen, die bestenfalls aus einem Sandwich und fünf Minuten Ruhe auf dem Klo bestanden.

Im Jahr davor, als von diesem ganzen Hype noch keine Spur zu sehen war, hatten wir es immerhin geschafft, fürs erste Halbjahr 1996 eine ordentliche Reihe von Konzerten klarzumachen. Die Gagen waren zwar eher symbolischer Natur, aber das war uns zu der Zeit herzlich egal gewesen. Solange die Unkosten gedeckt waren, sahen wir das als sinnvolle Investition in unsere musikalische Zukunft.

Was wir zu dem Zeitpunkt natürlich nicht ahnen konnten, war, dass wir im Frühjahr 1996 eine Promo-Rundreise durch sämtliche Radio- und Fernsehstationen antreten würden und zusätzliche Gigs zu spielen hatten, die wegen unseres plötzlichen Erfolgs dazugekommen waren – während gleichzeitig noch all diese „Alt-Termine“ aus dem Vorjahr im Kalender standen. Und für die bekamen wir dann auch nur die zuvor vereinbarten Gagen, bei denen selbst ein Straßenmusiker bei schlechtem Wetter besser abgeschnitten hätte. Rückblickend hätten wir da vielleicht nochmal nachverhandeln können, aber das wollten wir nicht. Prinzipien und so.

Anfang April 1996 standen wir zusätzlich zwei Tage lang in Wien vor der Kamera, um das Musikvideo zu Wild Days zu drehen, der zweiten Singleauskopplung aus unserem Erfolgsalbum Dish Of The Day. Zwei Jahre zuvor hatten wir zu genau diesem Song schon einmal ein Video produziert, damals in Eigenregie mit Zeno Moser und Tina Müller. Es war eine absolute Low-Budget-Produktion, dafür aber mit umso mehr Herzblut. Ein wunderschönes, charmantes Video, das uns bis heute sehr am Herzen liegt. Tina, die später auch das Artwork für das Dish Of The Day-Album gestaltete, bastelte liebevoll Sonnenblumen und verpasste dem Ganzen einen wunderbar versponnenen Späthippie-Look. Zeno, ihr Partner und Regisseur des Videos, Kameramann und Musiker in Personalunion, war uns bei einem SAT.1-Dreh über den Weg gelaufen.

Was damals als spontane Zusammenarbeit begann, wuchs über die Jahre zu einer echten Verbindung. Bis heute kreuzen sich unsere Wege immer wieder, bei Video- und Artworkprojekten, bei Konzerten und bei privaten Anlässen. Es war eine jener Begegnungen, aus denen mehr wurde als nur ein „gemeinsames Projekt“: eine Freundschaft, die bis heute kreative Früchte trägt. So hat Zeno auch für unser 33-jähriges Band-Jubiläum 2024 eine wundervolle Dokumentation über Fools Garden erstellt, und die Videos zu Beautiful und Electrify, vom letzten Album Captain … Coast Is Clear tragen ebenfalls seine Handschrift.

Jetzt, 1996, sollte das Video auf Wunsch der Intercord zu Wild Days auf jeden Fall größer und professioneller werden als das vorherige. Und vor allem teurer: 200.000 D-Mark standen auf dem Produktionszettel. Gedreht wurde bei DoRo Production in Wien, einer Firma, die bereits für Superstars wie Michael Jackson, Queen, David Bowie, Miles Davis, Whitney Houston oder die Rolling Stones gearbeitet hatte. Auch deutschsprachige Künstler wie Falco, Udo Lindenberg oder Die Toten Hosen standen dort schon vor der Kamera. Und nun auch wir: Fool’s Garden. Ganz ehrlich, das fühlte sich schon ein bisschen surreal an … Besonders, weil die beiden Gründer, Rudi Dolezal und Hannes Rossacher, höchstpersönlich die Regie übernahmen. Uns wurde gesagt, das sei sehr außergewöhnlich und käme einem Ritterschlag gleich!

Der erste Wild Days-Videodreh 1994: Jette und ich und die Band zusammen mit Tina Müller und Zeno Moser © Jochen Richter

Das Konzept war … ambitioniert: In Jackson Five-Outfits und Beatles-Anzügen samt Pilzkopf-Perücken spielten wir uns durch verschiedene Szenarien, mal verkleidet, mal „wir selbst“. Technisch top umgesetzt, gar keine Frage. Aber als wir das Ergebnis sahen, fragten wir uns trotzdem: Wer sind diese Typen da eigentlich? Irgendwie fühlte es sich nicht nach uns an. Vielleicht war das Video seiner Zeit aber auch nur voraus? Heute gefällt es mir ganz gut, nicht zuletzt, weil wir da alle noch so unglaublich jung aussahen.

Das zweite Wild Days-Video entstand bei DoRo in Wien: Die Band verkleidet als Beatles und Jackson Five, unten rechts mit Rudi Dolezal (li.) und Hannes Rossacher © Steffen Koch

Die Zusammenarbeit mit DoRo war aufregend und definitiv ein Highlight. Unsere Plattenfirma setzte große Hoffnungen in das Video, wir natürlich auch. Doch MTV und VIVA spielten es, im Gegensatz zu Lemon Tree leider nur vereinzelt, von Power-Rotation keine Spur. Schade, aber immerhin hatten wir für zwei Tage das Gefühl, im ganz großen Musikvideo-Kino mitzuspielen. Und das ist es, was in Erinnerung bleibt.

So viel wir inzwischen auch unterwegs waren: Die Autofahrten wurden immerhin deutlich komfortabler. Während ich früher mit meiner grünen Ente zu den Auftritten fuhr, standen uns jetzt zwei Mercedes-Kombis zur Verfügung. Modern, bequem und perfekt für die immer länger werdenden Strecken. Schon verrückt, wenn man bedenkt, dass wir uns mit dem ersten Vorschuss von Intercord eigentlich auch schon selbst solche Autos hätten leisten können. Stattdessen bekamen wir sie jetzt kostenlos gestellt. Das Ganze war fast ein bisschen absurd: Je mehr du bekommst, desto mehr kommt dazu, und irgendwann fragst du dich, ob das alles wirklich notwendig ist. Aber naja, genutzt haben wir sie trotzdem gern.

Als Nächstes auf dem Plan stand die fünfwöchige deutschlandweite Karstadt-Tour: 20 Städte, von Augsburg über Bremen und Frankfurt bis Stuttgart. Das Prinzip war immer das gleiche: Zur Vorankündigung liefen unsere Musikvideos auf Monitoren in den Warenhäusern, und an den Nachmittagen spielten wir dann zum Teil unplugged in den Verkaufsräumen oder Open Air vor den Kaufhäusern. Danach gaben wir Autogramme und Interviews, abends wieder Konzerte. Auch diese Tage waren von morgens bis tief in die Nacht voll mit Terminen.

Ein besonders denkwürdiger Halt unserer Karstadt-Tour war Darmstadt. Geplant war eine entspannte Autogrammstunde vor dem Kaufhaus, Tische standen bereit, das Wetter war freundlich, alles schien im grünen Bereich. Doch als wir vorher aus dem Fenster im dritten Stock auf den Platz hinunterblickten, dämmerte uns bereits, dass das heute kein normaler Nachmittag werden würde. Die Menschenmenge war riesig: 3.000, vielleicht sogar 4.000 Fans hatten sich versammelt. Und als wir kurz am Fenster auftauchten, brach unten ein Kreischen los, als hätten sich die Beatles persönlich angekündigt. Für einen Moment fühlten wir uns wie der Papst auf dem Balkon des Petersdoms, wenn er sich das erste Mal zeigt, nachdem der weiße Rauch aufgestiegen ist.

Etwas nervös verließen wir unsere sichere Etage, stiegen durchs Treppenhaus hinab ins pralle Geschehen und nahmen, immer noch begleitet von ohrenbetäubendem Gekreische, unsere Plätze an den Autogrammtischen ein. Doch kaum saßen wir, wurde klar: Das hier ist keine kontrollierte Fanbegegnung, sondern ein emotionaler Vulkanausbruch. Die Menge drückte unaufhaltsam nach vorn, die Tische wackelten bedrohlich, und wir entschieden uns kurzerhand für das einzig Vernünftige: Flucht. Also rannten wir, hinein in die Tiefgarage, dicht gefolgt von einer ganzen Welle entfesselter Autogrammjäger. Es war wie ein Revival der Beatlemania, inklusive Adrenalinrausch und Panik. Grandios, verrückt, irgendwie ganz schön geil, aber auch beängstigend und nicht ungefährlich.

Das wollten wir kein zweites Mal erleben. Unser Manager rief noch am selben Abend bei der Intercord an und machte in aller Deutlichkeit klar: „Wenn ihr wollt, dass meine Jungs morgen überhaupt irgendwo auftauchen, dann nicht ohne Security!“ Die Botschaft kam an, und wie: Am nächsten Tag in München standen tatsächlich 20 Sicherheitskräfte Spalier. Zwanzig! Das Problem war nur: Es kamen gerade mal 80 Fans. Ein kurzer Überschlag im Kopf ergab also ein Verhältnis von einem Bodyguard auf vier Autogrammjäger. Hätte einer der Jugendlichen eine etwas freche Frage gestellt, hätte man ihn wahrscheinlich sofort diskret abtransportiert. Aber so war das damals. Diese Wochen waren wie eine wilde Achterbahnfahrt: Mal Looping in den Pop-Olymp, mal Bauchlandung in der Realität. Heute lacht man darüber – damals standen wir da mit offenem Mund und dachten: „Was passiert hier eigentlich gerade?“

Wenn ich heute auf diesen Tourplan von 1996 schaue, wird mir immer noch schwindelig. Wir waren jeden Tag woanders, erst innerhalb Deutschlands, und ab dem Sommer auch in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten. Unser Traum war wahr geworden: Wir waren wirklich Popstars und konnten von einem auf den anderen Tag von der Musik leben.

Insgesamt hielt sich Lemon Tree stolze 36 Wochen in den deutschen Charts. Vier Wochen davon auf Platz eins. Bis Mitte Mai waren wir in den Top Ten vertreten, und sowohl die Single als auch das Album Dish Of The Day blieben bis in den Herbst hinein in den Top 100. Doch das war erst der Anfang. Auch international nahm die Reise Fahrt auf. In Österreich, der Schweiz, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Irland erreichte der Song vordere Platzierungen, teilweise sogar die Spitzenposition. In Spanien, Italien, Mexiko, Südafrika, Thailand, Taiwan und Malaysia landeten wir ebenfalls in den Charts, mitunter ganz oben.

Diese ersten Wochen und Monate 1996, sie markierten den Beginn eines weltweiten Erfolgs. Und während man in Deutschland noch rätselte, wie lange das wohl gutgehen würde, sang man in Bangkok, Kapstadt und Guadalajara schon längst im Chor: Lemon Tree - „… I wonder how, I wonder why …“ ;)

2. Wie alles anfing …

Eine Vision in Berlin

Mein Vater hatte eine Schwester, Tante Mimi. Sie lebte in Berlin, nicht weit entfernt von der legendären Waldbühne. Als wir Anfang der 90er einmal bei ihr zu Besuch waren, fielen mir vormittags überall in der Stadt Plakate auf: Bruce Springsteen würde am Abend im Rahmen seiner World Tour genau hier, nebenan auf der Waldbühne spielen. Ich wusste, dass wir abends bei Nachbarn zum Grillen eingeladen waren, und dachte: „Okay, dann lauf’ ich später mal hin, vielleicht bekomme ich ja von draußen etwas mit!“ Das war am 14. Mai 1993. Gesagt, getan: Gegen zehn Uhr abends stand ich vor der Waldbühne, und zu meiner völligen Überraschung kam ich einfach so rein. Keine Ticketkontrolle, kein Widerstand – als hätte mir das Schicksal persönlich die Tür geöffnet.

Das Konzert war großartig, Bruce Springsteen spielte bis halb eins in der Nacht, und ich saß ewig lange danach noch in der Rotunde, träumte vor mich hin und davon, wie irre es wäre, hier einmal selbst auf der Bühne zu stehen, so ein bisschen Größenwahn kann ja nicht schaden. In dieser euphorischen Stimmung sah ich auf dem Platz neben mir ein Feuerzeug liegen. Eigentlich rauchte ich nicht mehr, aber ich dachte, wenn ich jetzt noch eine Schachtel Marlboro finde, dann rauche ich eine. Ich stand auf, lief den Gang entlang, und da lag sie, eine Packung Marlboro, direkt vor mir auf dem Boden. Ich kickte mit dem Fuß dagegen und spürte, dass sie nicht leer war. Also hob ich sie auf, und es war tatsächlich eine fast volle Schachtel Zigaretten. Ich nahm es als zweiten Wink des Schicksals an diesem Abend und zündete mir eine an. „Wie bekloppt bin ich eigentlich?“, schoss es mir durch den Kopf, nachdem ich schon die Hälfte geraucht hatte, und machte sie wieder aus. Leider war das der „Nicotine-Welcome-back-Moment“, nachdem ich es zwei Jahre zuvor endlich geschafft hatte aufzuhören. Die nächsten Wochen rauchte ich erst nur gelegentlich, doch dann hatte mich die Nikotinsucht für viele Jahre wieder fest im Griff.

Bereut habe ich genau diese Zigarette trotzdem nie, denn es war eine besondere in einem besonderen Moment. Und was ich mir damals in jener Nacht nur heimlich erträumt hatte, wurde tatsächlich wahr: Drei Jahre später, 1996, standen wir mit Fool’s Garden selbst auf dieser Bühne. Zugegeben, wir spielten nur im Vorprogramm von PUR, aber das tat dem Gefühl keinen Abbruch. Das Konzert war für uns wie ein Rausch, und das Publikum empfing uns mit solch einer Begeisterung, als wären wir die Stars des Abends. Für mich waren wir nicht nur ein Supportslot, es war die Erfüllung eines Traums. Als ich von der Bühne ging, stand mein Vater im Backstagebereich. Er sagte kein Wort, und das brauchte er auch nicht. In seinen Augen lag alles: Stolz, Rührung, vielleicht auch ein Hauch von Ungläubigkeit. Ihn so bewegt zu sehen, das war für mich einer der schönsten Augenblicke überhaupt.

Eine schicksalhafte Begegnung

Auch wenn es bisher nicht so geklungen haben mag: Musik war nicht das Einzige in meinem Leben. Anfang der 90er, ich war Ende zwanzig, schrieb ich mich für ein Studium der Medientechnik in Stuttgart ein. Ein Schritt in eine ganz neue Richtung, zumindest vordergründig. Denn dort traf ich Volker Hinkel, der später zu den Gründungsmitgliedern von Fool’s Garden zählen sollte und mit mir bis heute dabei ist. Mein erster Eindruck, als er den Seminarraum betrat, war der Gedanke: „Was ist das denn für einer!?“ Stirnband, eigenwilliger Stil, irgendwie aus der Zeit gefallen. Doch wie das Leben so spielt, stellte sich bald heraus: Wir waren Nachbarn, im Geiste und auch sonst. Er aus Münklingen, ich aus Neuhausen, zwei Dörfer, drei Kilometer voneinander entfernt, getrennt nur durch die unsichtbare Grenze zwischen Baden und Württemberg. Und dennoch waren wir uns bis dahin nie begegnet. Er zog seine Kreise in Stuttgart, während ich eher in Karlsruhe und Pforzheim unterwegs war. Jeder in seiner eigenen Umlaufbahn.

Was uns dann zusammenbrachte war das, was uns bis heute verbindet: die Musik. Auf dem Parkplatz vor der Fachhochschule spielte er mir im Auto Songs auf Kassette vor, die er mit zwei Freunden in seinem Homestudio aufgenommen hatte. Und ich war baff. „Verdammt, klingt das gut, richtig gut …!“, dachte ich, während ich heimlich schluckte. Seine Sachen klangen so viel professioneller als das, was ich anzubieten hatte. Ich war fast zu eingeschüchtert, um ihm auch meine Songs vorzuspielen. Doch Volker hatte ein feines Gehör und ein gutes Gespür: Er hörte sofort, dass da etwas Besonderes war. Er mochte meine Stimme, er mochte die Melodien, und so fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm ein paar Songs in seinem Studio aufzunehmen. Klar hatte ich Lust!

Technisch ganz weit vorn: Volker Hinkel in seinem Homerecordingstudio 1992 © Foto privat

Schon wenige Tage später saßen wir gemeinsam in dem kleinen Homerecordingstudio im Haus seiner Eltern. Als erste Songs nahmen wir Sandy und Tell Me Who I Am auf. Mit einem Achtspur-Tonband, Gitarre, Keyboard, programmiertem Schlagzeug und meinem Gesang. Es war magisch: Die Songs begannen zu leuchten, als hätten sie nur darauf gewartet und wären zum ersten Mal richtig angeknipst worden.

Danach spielte Volker mir ein Playback vor, zu dem ihm noch die Melodie fehlte. Und plötzlich war sie da, die Melodie. Zuerst unterlegt mit einem Kauderwelsch, das wie Englisch klang, aber noch keines war – der richtige Text musste erst noch geschrieben werden. So entstand Lena, ein Song mit viel Drive, mit einem Gitarrensolo zum Niederknien, und mit meiner Stimme, in die ich all den alten Liebeskummer legte, der sich für diesen Moment mühelos reaktivieren ließ. Wir spürten beide: Da passiert gerade etwas! Denn unsere Stärken ergänzten sich einfach perfekt.

Wenn ich heute daran denke, bekomme ich noch immer Gänsehaut. Schon damals wusste ich: Das hier war der Beginn eines neuen Kapitels, für uns beide. Ich spielte die Songs Freunden vor, Bekannten, meiner Familie, und alle sagten: „Wow, das klingt ja wie aus dem Radio!“ Und sie hatten recht. Für die damalige Zeit hatten unsere Aufnahmen eine erstaunliche Qualität. Nicht nur, weil die Songs gut waren, sondern auch, weil sie in ihrer Machart etwas hatten, das weit über selbst aufgenommene Kassettenästhetik hinausging.

Rückblickend kam die Begegnung mit Volker wie gerufen, genau zur richtigen Zeit: Ich hatte schon einige Bandprojekte hinter mir und war innerlich ein Stück weit von der Idee abgerückt, Berufsmusiker werden zu wollen. Stattdessen wollte ich mein Studium durchziehen und dann vielleicht Musikvideos drehen. Aber das Leben hat seinen eigenen Plan. Was zu einem gehört, klopft immer wieder an. Manchmal leise, manchmal mit voller Wucht.

Und ich war reifer geworden. In der Schule hätte ich mich nie vor ein Auditorium gestellt. Jetzt präsentierte ich ohne größere Panik Gruppenarbeiten im Hörsaal und merkte, dass ich wachsen konnte, wenn ich mich nur traute. In dieser Phase kam auch mein alter Traum wieder hoch, Sänger zu sein. Ich erinnerte mich an einen Moment in der Oberstufe: Der Musikunterricht hatte noch nicht begonnen, ich saß am Flügel und spielte so vor mich hin, ganz in meiner Welt. Als ich wieder aufstand, kamen einige Mitschüler zu mir, sie hatten die ganze Zeit zugehört und sagten, wie sehr sie das berührt hätte. Es war nur ein kleines Kompliment, aber es ging mir tief unter die Haut. Zum ersten Mal fühlte ich mich gesehen mit etwas, das mir selbst so viel bedeutete. Und dieses Gefühl blieb. Es wurde zu einem inneren Kompass, der mir sagte: Da geht noch was. Da will noch was raus.

Nachdem Volker und ich noch ein paar weitere Songs aufgenommen hatten, waren wir so angefixt, dass wir kaum zu bremsen waren. In einer Musikzeitschrift fiel Volker eine Anzeige auf: Ein Anbieter warb damit, CDs schon in Kleinstauflagen zu pressen. Genau unser Ding. Nicht mehr nur Kassetten, sondern echte, goldglänzende Tonträger. Wir schickten ihm unser Masterband und ließen sechs Stück zum Preis von jeweils sage und schreibe 160 D-Mark herstellen. Denn CD-Brenner für den Eigengebrauch gab es damals noch nicht.

Ich weiß noch genau, wie Volker bei mir vorbeikam, nachdem der Umschlag mit den CDs bei ihm eingetroffen war, um mir mein Exemplar zu bringen. Es war ein überwältigender Moment, die CD einzulegen, die einzelnen Tracks zu sehen und dann auf „Play“ zu drücken. In solchen Augenblicken werden Visionen geboren, und ich sah es schon ganz genau vor mir: Unser Album auf CD, wir auf der Bühne, jubelnde Zuschauer, Songs im Radio, und jede Menge Plattenverkäufe …

Bevor ich mit Volker die ersten Songs aufnahm, war Claus-Dieter Wissler sein musikalischer Partner im Studio gewesen. Ein Ingenieur, der schon fest im Berufsleben stand, aber genauso leidenschaftlich für die Musik brannte wie wir. Schon beim ersten Treffen war er mir sympathisch, und es störte ihn in keinster Weise, dass mit mir nun ein weiterer kreativer Kopf in die Studiofamilie eintrat. Unter dem Namen MAGAZINE hatten Volker und Claus in den vergangenen Jahren immer wieder Kassetten produziert, sie gegen ein kleines Entgelt an Freunde und Familie verteilt, und sich so fleißig neues Studio-Equipment besorgt.