Mensch - Maschine - Miteinander - Sabrina Schönfeld - E-Book

Mensch - Maschine - Miteinander E-Book

Sabrina Schönfeld

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Beschreibung

In vielfältiger Art und Weise, direkt oder indirekt, haben Roboter und künstliche Intelligenzen zunehmenden Einfluss auf Menschen, die auf digitale Technologien und Maschinen zurückgreifen. Das Gebiet der Sozialrobotik betrachtet Roboter und damit zusammenhängende Technologien, die ihren Weg in unsere Wohnungen, Kinderzimmer, Pflegeheime, Schulen, Arbeitsplätze und somit unseren Alltag finden und so auch soziale Auswirkungen haben. Was folgt für das menschliche Miteinander und die Verständigung zwischen Mensch und Maschine? Welche Konsequenzen gibt es für Forschung, Bildung und soziale Arbeit? Sabrina Schönfeld begibt sich in ihrer vorliegenden Studie auf die Suche nach Antworten, nicht nur, aber auch aus pädagogischer Perspektive. Bei den bisher in der Sozialrobotik vorherrschenden Konzepten liegt der Fokus auffallend intensiv auf technischer Umsetzbarkeit und beruflichen wie ökonomischen Zielsetzungen. In der Folge wird die Begegnung und Beschäftigung mit Sozialrobotik oft so strukturiert, dass dies aus pädagogischer Perspektive kritisch zu betrachten ist. An den Beispielen eines studentischen Forschungsprojekts und der Bildungsinitiative Roberta – Lernen mit Robotern zeigt Schönfeld auf, was förderlich und was hinderlich für selbstbestimmte und kritisch-kreative Begegnungen sein kann. Mithilfe ausgewählter Design- und Gestaltungsprinzipien gibt sie zudem praktische Empfehlungen für Lehrende, Lernende und Neugierige mit Blick auf Begegnungen und Bildungsinterventionen mit sozialen Maschinen. Sabrina Schönfeld leistet einen wichtigen Beitrag in der Debatte um Chancen und Risiken im Zusammenhang mit Sozialrobotik und gibt wertvolle Hilfestellung dabei, die eigene Haltung gegenüber Maschinen, die als sozial agierend intendiert sind, zu reflektieren, zu überprüfen und die eigene Selbstachtsamkeit zu überdenken.

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Seitenzahl: 160

Veröffentlichungsjahr: 2020

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ibidem-Verlag, Stuttgart

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung

1.1 Mensch und Maschine

1.2 Einführung in die Sozialrobotik

1.2.1 Künstliche Intelligenz bei Robotern

1.3 Das Aufeinandertreffen von Robotik und Pädagogik

1.4 Eine pädagogische Auseinandersetzung am Beispiel von zwei mit Sozialrobotik assoziierten Projekten

1.5 Erwartete Ergebnisse und Ausblick

2 Sozialrobotik aus pädagogischer Perspektive

2.1 Gründe für die pädagogische Auseinandersetzung mit Sozialrobotik

2.2 Erste Begegnungen mit Maschinen und Begrifflichkeiten

2.3 Beispielhafte Begegnungen mit Sozialrobotik-Systemen und daraus resultierende pädagogische Fragen und Herausforderungen

2.3.1 Der Lernroboter Kaspar

2.3.2 Roboter-Team-Turniere mit Nao

2.3.3 Eine Konfliktsituation im Umgang mit dem Roboter-Gefährten

2.4 Resultierende Einflussfaktoren und Untersuchungsfelder

2.5 Bedeutung und Folgen ,sozialer‘ Maschinen für die Pädagogik in Wissenschaft und Praxis

2.6 Interdisziplinäre Bezugspunkte – Sozialrobotik, Pädagogik, Philosophie

3 Definitionen und Eingrenzungen sowohl technischer als auch pädagogischer Begriffe und Konzepte und ihre Relevanz für den Umgang mit Sozialrobotik

3.1 Roboter

3.2 Lernroboter

3.3 Künstliche Intelligenz

3.4 Algorithmen und Algorithmizität

3.5 Soziale Sozialisation von Maschinen?

3.6 Soziabilität

3.7 Das pädagogische Selbst

3.8 Pädagogische Verantwortung

3.9 Der ,Vernunft-Gedanke‘

3.10 Begegnung und Auseinandersetzung mit Sozialrobotik

3.11 Computational Thinking

3.12 Kritisch-kreatives Denken und Handeln

4 Die Roberta®-Initiative und das studentische Forschungsprojekt

4.1 Roberta® – Lernen mit Robotern

4.1.1 Pädagogische Ausrichtung der Initiative und die MINT-Brille

4.2 Ein studentisches Forschungsprojekt

4.2.1 Ausgangslage des Forschungsprojektes

4.2.2 Zielsetzung und Entwicklung des Forschungsprojektes

4.2.3 Forschendes Lernen

4.2.4 Nutzbarkeiten Forschenden Lernens

5 Analyse der Gestaltungsprinzipien und Charakteristika der Roberta®-Initiative und des studentischen Forschungsprojektes

5.1 Auswahl der theoretischen Forschungsgrundlage

5.2 Methodische Vorgehensweise: Gestaltungsprinzipien und Charakteristika

5.3 Potenzielle Diskrepanzen zwischen Konzept und Gestaltungsprinzipien

5.3.1 Educational problem – Problem der Bildung oder Bildung eines Problems?

5.4 Roberta®: Analyse der Gestaltungsprinzipien und Charakteristika

5.4.1 ,Educational challenge‘ – Ausbildungszugänge in MINT-Bereichen schaffen

5.4.2 Inhalte von Roberta®-Kursen

5.4.3 Wünschenswerte Voraussetzungen bei Roberta®

5.4.4 Wahl der Roboter-Systeme und Software bei Roberta®

5.4.5 Empfohlene und verwendete Materialien bei Roberta®

5.4.6 Raumgestaltung bei Roberta®-Kursen

5.4.7 Zusammenfassende Darstellung: Gestaltungsprinzipien und Charakteristika bei Roberta®-Kursen

5.5 Das studentische Forschungsprojekt: Analyse der Gestaltungsprinzipien und Charakteristika

5.5.1 Die Beschreibung des „pädagogischen Problems“ beim studentischen Forschungsprojekt

5.5.2 Seminarinhalte des Forschungsprojektes

5.5.3 Voraussetzungen für Begegnungen mit Sozialrobotik beim Forschungsprojekt

5.5.4 Wahl der Roboter-Systeme und Software beim Forschungsprojekt

5.5.5 Empfohlene und verwendete Materialien und Literatur im Forschungsseminar

5.5.6 Raumgestaltung beim Forschungsseminar

5.5.7 Zusammenfassende Darstellung der Gestaltungsprinzipien und Charakteristika beim studentischen Forschungsprojekt

6 Eine Synthese der Gestaltungsprinzipien und Konzept-Charakteristika beider Projekte

6.1 Die ,Gender-Frage‘

6.2 Die Frage der Soziabilität bei den Projekten

6.3 Kritik- und Kreativitätsräume

6.3.1 Kritikräume

6.3.2 Kreativitätsräume

6.3.3 Raum für Kritik und Kreativität

6.4 Nachhaltigkeit durch Evaluationen

6.5 Die Ausrichtung der Projekte an den Bedürfnissen der Teilnehmenden

6.5.1 Zugänge und soziale Eingebundenheit

6.5.2 Individualität

6.5.3 Motivation und Interessen

6.5.4 Kritisch denken und kreativ sein dürfen

6.5.5 Mitentscheiden und Selbstbestimmung

6.5.6 Anforderungen

6.5.7 Gefühl von Sicherheit

6.6 Die Essenzen für die Synthese

7 Fazit

Nachwort

Danksagung

Literaturverzeichnis

Chronologisch geordnete Internetquellen

Vorwort

Perspektivwechsel lohnen sich. So auch in der vorliegenden Arbeit von Sabrina Jennifer Schönfeld, die das Thema Robotik aus Sicht der Pädagogik aufgreift und dabei interessante Aspekte zu Tage fördert.

Frau Schönfeld thematisiert in dem vorliegenden Buch die Nahtstelle zwischen Pädagogik und Sozialrobotik – und liefert damit wertvolle Impulse für beide (Forschungs-)Bereiche.

In Lehrveranstaltungen an Hochschulen und Universitäten zur Robotik wird typischerweise eine technikzentrierte Herangehensweise an das Thema gewählt. Mit einer umfassenden Technikfolgenabschätzung wird sich hingegen nur am Rande befasst. Dieses Manko wird uns in Zeiten einer immer stärkeren Durchdringung der Robotik mit künstlicher Intelligenz deutlicher denn je bewusst.

Die Interaktion von Menschen mit Robotern, ethische und soziale Aspekte,die (zukünftige) Rolle von Robotern im Alltags(er)leben von Menschen, ja, unsere Vision(en) von einer Welt, die durchdrungen ist von „intelligenten“ Robotern – all dies muss stärker in der Lehre berücksichtigt werden.

Dies gilt für die Lehre an Hochschulen und Universitäten, aber auch für die Lehre an Schulen. So eignen sich insbesondere „intelligente“ Roboter – also Maschinen, die Aktionen in ihrer Umwelt (teil-)autonom planen und ausführen können – besonders gut für eine derart umfassende Betrachtung.

Aktionen von Robotern sind sichtbar, deren (potenzielle) Auswirkungen können einfacher diskutiert werden – als typisches Beispiel sei an dieser Stelle das Thema des „autonomen Fahrens“ genannt.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Arbeit einen weiteren Anstoß geben kann zu einer stärkeren Durchdringung unterschiedlicher Disziplinen wie hier aufgezeigt in Robotik und Pädagogik.

Prof. Dr. Jens Lüssem

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Ich schreibe nur, weil ich noch nicht genau weiß, was ich von dem halten soll, was mich so sehr beschäftigt, so daß das Buch ebenso mich verändert wie das, was ich denke“ (Foucault 1996, S.24).

 

1 Einleitung

1.1 Mensch und Maschine

Schon beim Betreten eines Flughafens, Museums oder einer Hochschule kann es vorkommen, dass Menschen von einem Roboter begrüßt werden und ihnen Hilfe angeboten wird. So hat der Roboter „Inkha“1 bspw. zwölf Jahre lang an der Rezeption des Londoner „King’s College“ verbracht, Studierende, Mitarbeitende sowie Gäste willkommen geheißen, informiert und war buchstäblich wegweisend (Holland et al. 2017, S.151). Aber woher kommt die Idee, Maschinen zu Wegweisern von Menschen zu machen, und wo führt diese Reise hin?

Mit Robotik-Artefakten befassten sich Menschen bereits im Mittelalter. Zudem wurden bereits in der Antike Diskurse über menschenähnliche und den Menschen dienende Maschinen geführt bis hin zu solchen, die göttliche Schöpfungen repräsentieren sollten (vgl. Russell 2017, S.13).

Diskurse über Robotik scheinen heute aktueller denn je, schreiten technische Entwicklungen und Möglichkeiten von Robotern (nicht zuletzt im Rahmen von Digitalisierung) doch stetig voran. Dadurch und durch eine Vielzahl weiterer Aspekte wie z.B. der menschlichen Neugier oder der weiter zunehmenden „Technisierung“des sozialen Miteinanders2 ist ein fortschreitender Einzug von Roboter-Systemen in Alltagswelten, soziale und auch Bildungseinrichtungen, wie z. B. Pflegeheime, Kindertagesstätten3, (Hoch-) Schulen und außerschulische Lernorte4, zu beobachten (Bischof 2017, S.12).

Folglich hat sich in der Vielfalt vorhandener Roboter-Kategorien „Sozialrobotik“ als wachsendes Forschungs- und Anwendungsgebiet in Theorie und Praxis entwickelt, bei dem insbesondere Roboter-Systeme in sozialen Kontexten im Mittelpunkt stehen (Bischof 2017, S.15 ff.).

Doch welche Bedeutung hat Sozialrobotik in Verbindung mit und ohne sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) für Menschen, Maschinen5 und das soziale Miteinander in Anbetracht derzeitiger und zukünftiger sozialer sowie pädagogischer Arbeit? Welche Begriffsverständnisse liegen bereits vor und welche Erklärungen können oder werden bereits genutzt, wenn aus pädagogischer Perspektive von Robotern und KI in Lern- und Beziehungsprozessen gesprochen wird? Mit diesen und ähnlichen Fragen befasst sich die vorliegende Arbeit, indem auf Fachliteratur zurückgegriffen wird und Handlungsfelder untersucht werden. Hierfür werden zwei bereits angewandte Projekte betrachtet und analysiert.

Darauf aufbauend sollen Gründe und Antworten auf die zentrale Frage gefunden werden: Warum sollten und wie können Begegnungen von Menschen mit Sozialrobotik pädagogisch begleitet und gefördert werden, sodass diese möglichst selbstbestimmt und kritisch-kreativ verlaufen?

1.2 Einführung in die Sozialrobotik

Das Themengebiet und Forschungsfeld Sozialrobotik ist – wie das Thema Robotik allgemein – vielfältig, komplex und interdisziplinär. Es existiert keine allgemeingültige Theorie oder Definition für (Sozial-) Robotik oder KI bzw. künstlich intelligente Systeme (vgl. Mainzer 2003, S.11). Daher kann bei den Definitionen dieser, aber auch den verwendeten sozialen wie pädagogischen Fachbegriffen, kein Anspruch auf Umfänglichkeit oder Vollständigkeit bestehen. Allerdings sollen die folgenden Begriffserklärungen und -definitionen (hauptsächlich aus pädagogischer Perspektive) ein grundlegendes bzw. anfängliches Begriffsverständnis ermöglichen und als Arbeitsgrundlage dienen.

Sozialrobotik befasst sich mit „Robotern in Alltagswelten“ und „technischen Modellierungen sozialer Situationen“, also einem Spannungsfeld von Aktionen und Reaktionen6„zwischen Mensch und Technik“ (Bischof 2017, S.12). Die bereits in der Einleitung erwähnte Inkha ist nur ein Beispiel für einen sogenannten sozialen Roboter. Für den Lehr- und Lernbereich sind vor allem Lernroboter interessant, auf die in Kapitel 2.3 und in Kapitel 3.2 im Rahmen der Projektbeschreibungen und -analysen näher eingegangen wird.

Dabei gibt es in der Sozialrobotik – wie in anderen Roboter-Kategorien – auch Roboter, die über eine Art künstlicher Intelligenz verfügen können, welche im Folgenden einführend dargelegt werden soll.

1.2.1 Künstliche Intelligenz bei Robotern

In der Sozialrobotik und einer erheblichen Anzahl weiterer Roboter-Kategorien gibt es Maschinen, die über eine KI verfügen. Grundsätzlich können Roboter-Systeme u. a. anhand ihrer Aufgaben, ihres Designs (also hier ihrer physischen Gestalt) und des Vorhandenseins einer KI unterschieden werden7. Dieser Aspekt spielt nicht nur eine ökonomische Rolle bei der Anschaffung von Roboter-Systemen, sondern auch hinsichtlich ihrer Nutzungsmöglichkeiten und der Wahrnehmung der Roboter-Systeme durch die Menschen.

KI-Systeme verfügen häufig über eine bestimmte Expertise und sind zumindest in ihrem jeweiligen Fachbereich bzw. Sachgebiet lern- und entwicklungsfähig – unabhängig davon, ob sie eine physische Gestalt haben oder nicht (vgl. Ondřej Vadinský 2018, S.3). Bekannte Beispiele hierfür stellen Amazons Alexa, Cortana von Microsoft oder Siri von Apple dar.

Es gibt nicht unerhebliche Vorbehalte und Ängste gegenüber intelligenten Maschinen, die bereits Einfluss auf z. B. den Zugang zu Informationen oder Einkaufsverhalten nehmen. Weitergehend gibt es Befürchtungen, dass KIs Gewalt ausüben könnten oder womöglich (irgendwann) über menschliche Schicksale entscheiden (vgl. Bostrom 2018, S.24 f.).

Daher kann es äußerst relevant bei Begegnungen mit Sozialrobotik sein, darüber aufzuklären, ob und inwieweit ein Roboter ,intelligent‘ ist oder lediglich ausführen kann, was programmiert wurde. Eine weiterführende Auseinandersetzung inklusive Beispielen erfolgt in Kapitel 2.3 und in Kapitel 6.5.7.

1.3 Das Aufeinandertreffen von Robotik und Pädagogik

Auf der Suche nach möglichen Antworten auf Fragen des Einflusses von und des Umgangs mit Sozialrobotik offenbart sich diese insbesondere aus pädagogischer Sicht als ein unterrepräsentiertes Forschungsfeld (vgl. Bischof 2017, S.32). Da Sozialrobotik-Systeme sowohl für soziale als auch für bildungsinstitutionelle Kontexte, bspw. in Form von Assistenzsystemen oder Lernrobotern, konzipiert werden, diese beeinflussen können und mitgestalten sollen, erscheint es entschieden notwendig, dass sich Pädagogik als Wissenschaft und Praxis diesem Forschungsfeld stellt, Fragen formuliert und mögliche Antworten diskutiert.

Bei Betrachtung bereits vorhandener Konzepte in Zusammenhang mit Begegnungen zwischen Menschen und Sozialrobotik wirken die Erwartungshaltungen gegenüber den Zielgruppen in sozialen und pädagogischen Einrichtungen auffallend häufig und intensiv auf eine korrekte Nutzung des Systems8, technische Wissensvermittlung und berufliche wie ökonomische Ziele fokussiert bzw. beschränkt zu sein. Gedanken und Bedenken hinsichtlich einer Heranführung der Menschen an Sozialrobotik im Sinne einer ausreichenden und auf die Bedarfe der pädagogischen Zielgruppe(n) angepassten Fokussierung bis hin zu deren individuellen Bedürfnissen sind somit angebracht.

Aus der in dieser Arbeit repräsentierten pädagogischen Haltung heraus sollten Hauptziele von Bildungsinterventionen sein, Menschen9 nachhaltig darin zu bestärken, in adäquater Weise möglichst früh selbstbestimmt sowie kritisch-kreativ zu denken und zu handeln.

Bildungsinterventionen im Bereich von Sozialrobotik werden hier als Begegnung und Auseinandersetzung mit fortschreitender Präsenz von Roboter-Technologien in Bildungsbereichen, Lebenswelten, Arbeit und sozialen Kontexten verstanden mit dem Ziel, vermittelnd in das Geschehen einzugreifen (vgl. Amiel und Reeves 2008, S. 32).

Daraus ergibt sich die Auseinandersetzung mit der grundlegenden Frage, warum es aus pädagogischer Sicht nicht ausreichend sein kann, sich allein auf die technologische Perspektive und Wissensvermittlung in der Begegnung zwischen Menschen und Sozialrobotik zu konzentrieren. Gründe hierfür werden im Verlauf thematisiert. Des Weiteren soll in Ansätzen geklärt werden, inwiefern der Aspekt der Soziabilität als menschliches Bedürfnis nach Geselligkeit, aber auch als Aspekt der Gesellschaftsfähigkeit des Menschen bei Begegnungen eine Rolle spielen könnte (vgl. Claessens 1969, S.946 f.).

1.4 Eine pädagogische Auseinandersetzung am Beispiel von zwei mit Sozialrobotik assoziierten Projekten

Mithilfe von Beispielen soll auf grundlegende Herausforderungen im Prozess der pädagogischen Auseinandersetzung und Gestaltung von Begegnungen zwischen Menschen und Sozialrobotik eingegangen werden. Darauf aufbauend sollen Aspekte der Bedeutung und Signifikanz von Sozialrobotik für Pädagogik als Wissenschaft und Praxis zusammengefasst dargelegt werden.

In Kapitel 3 wird vertiefend auf Verständnis- und Wirkungsweisen von relevanten sozialen sowie pädagogischen Begriffen im Zusammenhang mit Sozialrobotik eingegangen. Signifikante Begriffe werden für den Gebrauch dieser Arbeit definiert und ihre Relevanz für den Umgang mit Sozialrobotik dargelegt.

Bei der Planung und Gestaltung von pädagogisch begleiteten Begegnungen sind generell vielfältige Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten gegeben. Daher ist es wichtig, sich auf gewählte Bereiche zu begrenzen. Hierfür werden in diesem Rahmen die pädagogische Gestaltung und Konzeptualisierung zweier durchgeführter Projekte genau betrachtet.

Zur Untersuchung von Begegnungen mit Sozialrobotik in Bildungsinterventionen werden in Kapitel 4 beide Projekte vorgestellt und exemplarisch untersucht. Dabei werden hypothetische Designprinzipien, also (Aus-) Gestaltungsprinzipien und Konzeptcharakteristika der theoretischen Perspektiven sowie pädagogischen Praxis der Projekte analysiert (vgl. Plomp 2010, S.9).

Bei den Projekten handelt es sich um zwei divergierende, bildungsinstitutionelle Konzepte: zum einen um die Roberta®-Initiative10, bei der es darum geht, das Bauen und Programmieren von insbesondere Sozialrobotik-Systemen zu lernen, zum anderen um ein studentisches Forschungsprojekt der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), bei dem es im Schwerpunkt um die Auseinandersetzung mit Robotik in pädagogischen Kontexten ging11.

Die Roberta®-Initiative repräsentiert ein Projekt, welches den Merkmalen Effizienz, Nutzbarkeit und ökonomische Zweckgebundenheit der Begegnung zwischen Menschen und Sozialrobotik einen auffallend hohen Stellenwert einräumt (vgl. Leimbach et al. 2017, S.2 f.). Hingegen liegt der Fokus des studentischen Forschungsprojektes, welches in Kapitel 4.2 vorgestellt wird, primär auf einer kritisch-kreativen Herangehensweise an Sozialrobotik und damit zusammenhängende technische Aspekte.

Zu Beginn von Kapitel 5 wird das Augenmerk auf die Gestaltung, also Design und Designprinzipien von lern- bzw. bildungsorientierten Begegnungen, unter Einbeziehung sozialer Aspekte gerichtet.

In Anlehnung an Plomp werden in der „Educational Design Research“, also der gestaltungsorientierten Bildungsforschung, die Gestaltgebung und die sich daraus ergebenden Formen und Merkmale von Bildungsinterventionen untersucht (vgl. Plomp 2010, S.9). Hierbei werden z. B. die Prozesshaftigkeit des Lernens, Programme, Lehr- und Lernformen, Strategien, Didaktik, Materialien und räumliche Voraussetzungen miteinbezogen. Mit daraus erlangten Erkenntnissen sollen die Prozesshaftigkeit, Konzept-Charakteristika und Gestaltung von Bildungsinterventionen erfasst, beschrieben und ggf. reflektiert und weiterentwickelt werden (vgl. Plomp 2010, S.9).

Im vorliegenden Werk bezieht sich die gestaltungsorientierte Bildungsforschung auf Umsetzungsformen begleiteter bzw. angeleiteter Begegnungen mit Sozialrobotik – insbesondere im Rahmen der Roberta®-Initiative und des studentischen Forschungsprojektes. Dafür werden Aspekte wie die Vorstellung und Wahl der Roboter-Systeme, Anleitungen, Raumgestaltung usw. ebenso in den Fokus genommen wie der Aspekt erwünschter bzw. erforderlicher Denkweisen, um mit Maschinen kommunizieren und arbeiten zu können.

Zur Auseinandersetzung mit der Frage, wie förderlich es sein kann, bestimmte Denkweisen zu präferieren, können die Betrachtung des eingeräumten Stellenwertes ökonomischen Nutzens einer Bildungsintervention und dementsprechend vorgegebene Ziele bzw. Erwartungshaltungen, als signifikante Einflussfaktoren hilfreich sein.

Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte Computational Thinking, welches von ökonomischer wie politischer Seite auffallend häufig als eine Schlüsselkompetenz gesehen wird, um stets lösungsorientiert und effektiv mit Robotern und KIs umgehen und arbeiten zu können. Zudem helfe es dabei, auch in Zukunft in der digitalen Bildung und Welt zurechtkommen zu können (vgl. Williamson 2016, S.39 ff.).

Ökonomische Aspekte mit einzubeziehen und bei der Frage der Bedeutsamkeit und Umsetzbarkeit selbstbestimmter und kritisch-kreativer Begegnungsmöglichkeiten mit Sozialrobotik zu berücksichtigen, erscheint somit angebracht. Dies gilt insbesondere für die beiden ausgewählten Projekte.

Die Analyse ausgewählter Gestaltungsprinzipien und Konzept-Charakteristika der Projekte erfolgt in Kapitel 6. Dabei werden die Lehr- und Lernkonzepte beider Projekte, vorhandene und relevante Begriffsverständnisse sowie vorhandene Forschungsstände und Evaluationen betrachtet.

Resultierend daraus soll in Kapitel 6 eine hypothetische sogenannte Synthese von Designprinzipien vollzogen werden, also ein Gestaltungs-Konzept mit grundlegenden Ideen, Regeln und Richtungen aus beiden Bildungsinterventionen entwickelt werden. Dadurch soll eine ,Richtschnur‘12 entstehen, welche sich im größtmöglichen Maße an den Bedürfnissen und Herausforderungen von Lehrenden und Lernenden orientiert und sich in weiterer Forschungsarbeit überprüfen ließe.

1.5 Erwartete Ergebnisse und Ausblick

Die aus der theoretischen wie praktischen Grundlagenforschung ausgewählten, erforschten und analysierten Erkenntnisse sollen abschließend in Kapitel 7 thematisiert werden. Zudem soll reflektiert werden, welche weiteren Herausforderungen und möglichen Problemstellungen sich ergeben und zukünftig zu erwarten sind. Darauf aufbauend werden weitere Forschungsfragen in Aussicht gestellt und Forschungslücken aufgezeigt.

Erwartet wird, dass im Rahmen der Vermittlung der Grund- und Nutzungsideen des jeweiligen Sozialrobotik-Systems in Theorie und Praxis sowohl hinsichtlich des nutzungsbasierten als auch technischen Wissens eine Bedürfnisorientierung notwendig ist, um darauf aufbauend eine möglichst selbstbestimmte und kritisch-kreative Begleitung und Förderung im Zusammentreffen zwischen Menschen und Sozialrobotik zu gewährleisten.

Begründet wird dies zum einen mit der Zielsetzung, auch in einem durch Sozialrobotik beeinflussten Leben und sozialen Miteinander zurechtkommen zu können, zum anderen sollen dadurch die Aspekte kritisch-kreativen Denkens und Handelns sowie Selbstbestimmung als Maxime zielgruppenorientiert in den Bereich der Sozialrobotik hineingetragen werden (vgl. Schäfer 2004, S.145).

Letztlich sollte in weiterführender Forschung das Ziel angestrebt werden, Menschen auf ihrem Weg bis hin zu einer mündigen Haltung im Bereich der Sozialrobotik zu begleiten.

1 Doppelte Anführungszeichen kennzeichnen wörtliche Rede und zitierte (Fach-) Begriffe.

2 Kursivschreibweise wird zur Betonung eingesetzt.

3 Ein Forschungsprojektteam der Universität Bielefeld erforscht z. B. in Kooperation mit einem Kindergarten, „[w]as ein Roboter können muss, um Kindern im Vorschulalter beim Erlernen einer Zweitsprache zu helfen […]“ (https://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/uniaktuell/entry/wie_ein_roboter_kita_kindern; 19.05.19.

4 Z. B. Bibliotheken oder Forschungswerkstätten für Kinder und Jugendliche.

5 Das Wort Maschine wird als Synonym für Roboter (-Systeme), roboterähnliche Automaten/Apparate und künstliche Intelligenzen mit körperlicher Gestalt (in Form von Robotern) verwendet (vgl. hierzu bspw. Bibliographisches Institut 2019, S.731).

6 Hierbei wird (anders als bei Bischof) der Begriff ,Interaktion‘ bewusst vermieden, da dieser in seiner Bedeutung noch zu diskutieren sein wird.

7 Eine beispielhafte Übersicht zu Roboter-Kategorien ist in Abbildung 2 im Anhang ersichtlich.

8 Im Sinne vorgegebener Anleitung(en) und Funktion(en).

9 Im Bereich oder mithilfe von Sozialrobotik sind hier insbesondere betreute bzw. begleitete, aber auch lehrende und lernende Menschen gemeint.

10 MINT-Initiative Roberta®, bspw. zu finden über https://www.roberta-home.de/initiative/; 17.06.19.

11 U. a. repräsentiert zu finden unter: http://www.einfachgutelehre.uni-kiel.de/allgemein/studentisches-lehrprojekt-robotik/; 02.06.19.

12 Einfache Anführungszeichen werden für kategorische oder besondere Bezeichnungen verwendet.

2 Sozialrobotik aus pädagogischer Perspektive

2.1 Gründe für die pädagogische Auseinandersetzung mit Sozialrobotik

Ob in sozialen Bereichen oder Bildungseinrichtungen, Betroffene und Lernende sollten befähigt werden, sich offen und kritisch-kreativ mit ,sozialen‘1 Maschinen bzw. Sozialrobotik auseinandersetzen und sich (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) von ausschließlicher Fremd- bzw. Aufgabenbestimmung möglichst früh lösen zu können. Dies wird als prozesshafte pädagogische Arbeit gesehen. Dabei sollte im Mindesten der Versuch unternommen werden, der pädagogischen Maxime einer „dialektischen Aufklärung“ nachzukommen (Ahlheim 2015, S.52). In Hinblick auf Sozialrobotik könnte das bedeuten, über Möglichkeiten zu informieren, potenzielle Risiken aufzuklären und gleichzeitig Kontroversen darüber zuzulassen.

Dies kann am Ende auch bedeuten, dass Menschen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegen (weitere) Begegnungen mit Sozialrobotik entscheiden2. In jedem Fall erscheint es relevant für Pädagogik, sich tiefergehend mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Begegnungen zwischen Menschen und Sozialrobotik gestaltet werden können und welche Argumente für und gegen die Begleitung und Förderung einer möglichst selbstbestimmten und kritisch-kreativen Begegnung sprechen. Bspw. können ,nicht-zielgruppengerechte Erwartungen‘ gegenüber Lernenden – hinsichtlich ihrer Motivation, ihres eigenverantwortlichen Denkens und Handelns oder der Fähigkeit, sich strukturieren und organisieren zu können – zu Überforderungen führen (vgl. Pongratz 2004, S.254).

Selbstbestimmung wird hierbei als Konzept verstanden, bei dem Menschen an Denk- und Entscheidungsprozessen teilhaben und in größtmöglichem Maße selbstständig über ihr Handeln entscheiden können, um sich somit von Fremdbestimmung zu lösen. Dabei kritisch und gleichzeitig kreativ über Gehörtes und Gesehenes nachdenken zu können, gilt als bedeutsames Fundament.

Kritisch sein zu können und zu dürfen, wird hier als Freiraum betrachtet, in dem gegebene Informationen, Zugänge, Herangehensweisen und deren Ursprünge hinterfragt, untersucht und anders interpretiert werden dürfen. In Kombination mit Kreativität können Menschen dabei ihre eigenen Ideen, Fantasien und Arten der Zugangs- sowie Nutzungsweisen mit einbringen (vgl. Arens 2010, S.54).

Eine Erfassung und Klärung signifikanter Begriffe des Forschungsbereichs der Sozialrobotik aus pädagogischer Sicht ist bisher nur in geringem Maße vorhanden. Daher und aufgrund dessen, dass Begriffsauslegungen durch die jeweils eigene Perspektive beeinflusst sind, nimmt die Begriffsklärung einen besonderen Stellenwert im Verlauf dieser Forschungsarbeit ein.

2.2 Erste Begegnungen mit Maschinen und Begrifflichkeiten