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Merry Zwistmas Eine spirituelle Geschichte für Anfänger Das Fest der Liebe naht. Die Strassen sind festlich geschmückt, nur die Stimmung hinkt öfter hinterher. Zwischen Brimborium und Verzückung,lauert manche Überraschung. Ist man vorbereitet? Man versucht es stets aufs Neue. Geschenke und gute Vorsätze. Häufig tauchen Grenzen der Planbarkeit auf, durchkreuzen Mitmenschen unseren Wunsch nach einer ruhigen und besinnlichen Zeit. Mancher sehnt sich nach himmlischem Beistand, um der weihnachtlichen Hölle zu entkommen. Veronika überrascht ihren Freund in der Vorweihnachtszeit. Sie möchte seinem Leben auf die Sprünge helfen und scheut vor radikalen Mitteln nicht zurück. Das Glück des Paares wird auf eine harte Probe gestellt. Eine festliche Satire mit Tiefgang
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Seitenzahl: 76
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Einleitung
Über den Autor
Merry Zwistmas - eine spirituelle Geschichte für Anfänger
Epilog
Impressum
Haben Sie sich schon einmal gefragt,
ob es sich lohnt einen Brief zu schreiben?
Zugegeben, einen Brief per Hand zu schreiben wirkt nostalgisch.
Es braucht Zeit, man denkt nach,
braucht einen anständigen Kugelschreiber und
muss Geld für eine Briefmarke ausgeben.
Schon die Auswahl des Papiers kann Stunden, ja Tage dauern.
Marmoriert, kariert, liniert?
80 – 250 Gramm, wetterfest, matt oder glänzend? Welche Farbe?
Der Kugelschreiber sollte vorab vermessen werden,
denn er muss exakt in der Hand liegen.
Tut er das nicht, so breitet sich Unwohlsein beim Schreiber aus,
welches den kreativen Prozess beeinflusst.
Zu schreiben lohnt sich kaum noch,
das sagen viele Experten aus der Buch- und Zeitungsbranche.
Man ist fast einhellig – oder ziemlich geschwärzt – der Auffassung,
dass das Schreiben keine Zukunft mehr hat.
Verlage melden reihenweise Insolvenz an,
ganze Zeitungslandschaften gehen den Bach runter.
Düstere Wolken über Geisteslandschaften.
Über allen Gipfeln herrscht keine Ruh' und unter ihnen schon gar nicht.
Goethe?
Goethe wäre schon längst stiften gegangen,
hätte sich für den Rest seiner Tage eingeschlossen,
den finalen Rettungswitz erfunden
oder sich auf der Stelle mit seinem Federkiel suizidiert.
Aber die wenigsten Schreiber verfügen über solchen Mut,
wenigstens nicht in unseren Breitengraden.
Vielleicht in Mexiko, in der Ukraine, in Syrien,
in Afghanistan, in Kolumbien oder im Iran,
also an jenen Orten dieser Welt,
wo verschriftlichte Gedanken noch etwas wert sind,
weil nach ihnen gehungert wird.
Dort wartet das Volk sehnsüchtig darauf,
dass jemand das Wort ergreift.
Da man hierzulande diesen Hunger nicht kennt,
fehlt es auch an der nötigen Motivation ein gewichtiges Werk zu verfassen,
ja sich zunächst einmal auszudenken. Es lohnt sich einfach nicht.
Die Menschen sind satt.
Was sie heute schreiben, ist morgen schon nichts mehr wert,
falls es überhaupt jemals was wert war.
Halbwertzeiten, Verfallsdatum, haltbar bis?
Es sind unhaltbare Zustände.
Lieber geht ein Schriftsteller ins „Dschungelcamp“,
als dass er auf die Idee kommt, einen anständigen Roman zu schreiben.
Warum sollte man auch einen anständigen Roman schreiben,
wenn das Wort Anstand bestenfalls noch im Fremdwörterbuch zu finden ist.
Den letzten verschriftlichten Beweis hierzulande,
hat der Adel und eine Bildungsministerin a.D. geliefert.
Man schrieb einfach ab und erhielt einen prächtigen Titel.
Copy & paste.
Warum soll man sich Arbeit machen, wenn es auch einfach geht.
Weitere Be- und Nachweise finden sich zuhauf unter der Rubrik:
„Ich war Torwart und bin nun Schriftsteller“ oder
„Als meine Suppe anbrannte, wurde der Koch in mir geboren“.
Dass sich zu allem Überfluss auch noch
ein ehemaliger Bundespräsident unter die Schriftsteller mischt,
wird bald nur noch eine Fussnote der Geschichte sein,
deren Spuren im Sand verlaufen.
Der Verfasser dieses Werkes kam somit schon anfangs zur
Schlussfolgerung, dass er nicht allzu viel schreiben wolle,
da ansonsten der Preis der Briefmarke den Wert des Werkes
überflügeln würde.
Stefan Dernbach, geboren 1962,
geht seit 2002 mit seiner Literatur an die Öffentlichkeit.
Seit einigen Jahren gehört er auch zu einer Garde von Bloggern,
die Sozialkritik in Essays veröffentlichen.
Die Satire ist ein weiteres Genre, welchem er immer wieder nachgeht.
Ausführlich befasst er sich zudem mit Themen wie dem Leben in Cafés,
Reisen und Sinnfragen.
Wie kommunizieren Menschen miteinander,
was ist ihnen wichtig?
Dabei schaut er den Menschen über die Schulter,
lauscht ihnen, wenn sie sich im Alltag offenbaren.
Was sind ihre Träume, wo liegen ihre Befürchtungen und Sehnsüchte?
Jeder hat seine Geheimnisse
und mit etwas Glück erfährt man von Menschen,
was sie wirklich bewegt.
www.cafegaenger.wordpress.com
Das Fest der Liebe naht. Die Strassen sind festlich
geschmückt, nur die Stimmung hinkt öfter hinterher.
Zwischen Brimborium und Verzückung,
lauert manche Überraschung.
Ist man vorbereitet? Man versucht es stets aufs Neue.
Geschenke und gute Vorsätze.
Häufig tauchen Grenzen der Planbarkeit auf,
durchkreuzen Mitmenschen unseren Wunsch
nach einer ruhigen und besinnlichen Zeit.
Mancher sehnt sich nach himmlischem Beistand,
um der weihnachtlichen Hölle zu entkommen...
Wir standen in der Küche,
schauten in den Topf und es schien gut zu sein.
Zunächst gab es keinen Anlass zur Klage, ganz im Gegenteil.
Die Sahne war locker, das Hackfleisch rosig und
der Pfeffer kam von Madagaskar.
So ist man im Leben unterwegs, segelt dahin,
ohne sich unnötige Gedanken zu machen.
Meine Lebensabschnittsgefährtin, auch romantisch Partnerin genannt,
schnibbelte gerade Kartoffeln auf filigrane Art und Weise.
Sie hatte unlängst ein Geschäft für Kunstbedarf eröffnet
und sah seitdem die Welt mit ganz neuen Augen.
Das hatte sie zumindest mehrfach in meiner Anwesenheit gesagt.
Ich versuchte mich an den Zwiebeln, die aus ökologischem Anbau stammten
und mit einem eingestanzten Smiley versehen waren.
Laut Angaben des Produzenten sollte diese Zwiebel dem Menschen Glück
bescheren. Es bestanden also beste Aussichten auf einen schönen Abend.
„Schreib doch mal einen Bestseller“, sagte sie.
Es war nicht mehr lange bis Weihnachten hin und
ich ahnte schon, woher die Glocken läuteten.
„Hast du wieder Marilyn Monroe gehört?“ fragte ich.
„Wieso? Wie kommst du denn darauf?“
„Diamonds are the girls best friend.“
„Das ist nicht fair.“
„Glaubst du im Ernst, das Leben ist fair?
Wie kommst du denn darauf?
Seit Wochen pfeifst du einen Gassenhauer nach dem anderen
von dieser trällernden blonden Wasserstoffbombe.
Wenn du es ja wenigstens beim Pfeifen belassen würdest.
Glaubst du es ist fair, wenn ich mir fünfzigmal am Tag
„I wanna be loved by you“ aus deinem Munde anhören muss?“
„Also hör mal, ich nehme erst seit einem Monat Gesangsunterricht.
Da kannst du von mir doch nicht erwarten, dass ich wie Marilyn singe.“
„Das erwarte ich ja auch gar nicht.“
„Was erwartest du denn?“
„Dass du ab und zu mal eine Sendepause einlegst.“
„Sag mal, bekommt dir der Anblick der Zwiebeln nicht?
Wieso bist du denn plötzlich so angespitzt?“
„Ich soll einen Bestseller schreiben, damit du demnächst nach Sankt Moritz,
nach Paris oder nach Leningrad reisen kannst.“
„Mein Schatz, Leningrad nennt man seit geraumer Zeit wieder Sankt Petersburg.
Du bist nicht ganz up to date.
Obendrein liegt es mir näher, Kuba oder Argentinien zu bereisen.
Und wenn wir schon mal auf Kuba sind,
dann könnten wir auch noch einen Abstecher nach Florida machen.“
„Warum denn Florida? Ich hätte jetzt mindestens mit New York gerechnet.“
„Nun, in Florida gibt es die Ernest-Creative-Writing-School.
Während ich mich am Strand etwas bräunen lasse,
lernst du wie man einen Bestseller schreibt.
Zwei Fliegen mit einer Klappe. Das ist doch genial, oder?
Ich meine, wir müssen mal an unsere Zukunft denken.“
„Wenn du unter Schulden machen,
Zukunft verstehst, das kannst du dir abschminken.
Da mache ich nicht mit.
Oder hast du in der letzten Woche eine Kopie von Picasso
zum Wert eines Originals verkauft?“
Mein Blick musste zunächst höhnisch und
im weiteren Verlauf misstrauisch ausgeschaut haben.
Menschen, die soeben ein Geschäft gegründet hatten,
waren immer euphorisch bis irrational.
Wer konnte das besser wissen als ein verbeamteter Lehrer,
der gewohnt war das Leben nüchtern zu betrachten.
„Du bist immer so konservativ“, sagte sie plötzlich. „Das ist nicht gesund.“
„Was soll das denn bedeuten?“
„Dein Tunnelblick in allen Ehren,
aber er steuert wie ich finde in die Dunkelheit.
Vielleicht solltest du mal über deinen Tellerrand hinausschauen.
Du musst nicht bis zum Ende deines Lebens Lehrer bleiben.“
„Ich bin stolz auf meinen Beruf!“
„Das Ganze hat doch nichts mit Stolz zu tun!“
„Womit denn?“
„Mit Glücklichsein.“
„Worauf willst du hinaus?“ fragte ich.
„Moment, ich muss mal eben zur Toilette“, sagte sie.
Diesen Satz kannte ich nur zu gut. Immer wenn es für sie eng wurde,
flüchtete sie an einen der sichersten Orte dieser Welt.
Wenn sie zweimal den Schlüssel umdrehte wusste ich,
dass sie ihre Truppen zusammenziehen würde,
um Kriegsrat zu halten. Ich warf derweil die Zwiebeln in die Pfanne,
holte mir ein scharfes Messer aus der Schublade, um die Chilischoten in
kleine Scheiben zu schneiden.
Die Zeit vor Weihnachten war immer etwas angespannt, mal mehr mal weniger.
In diesem Punkt unterschieden wir uns nicht wesentlich von den Menschen
in unserer Umgebung.
Pünktlich zur Vorweihnachtszeit schien immer mehr in der Luft zu liegen
als zu übrigen Zeiten des Jahres. Der Druck stieg unmerklich, manchmal sehr direkt.
Das war uns bekannt und trotzdem wiederholte sich die Prozedur jedes Jahr.
Manche Ereignisse ähnelten sich, andere tauchten unvermittelt auf.
Die Weihnachtseinkäufe waren eine Stressquelle
aus der viele andere neue Quellen entstehen konnten.
Eigentlich begann das Drama gegen Ende Oktober.
Seitdem in den Geschäften mit der Verfärbung des Laubes
schon die ersten Weihnachtsmänner standen,
war es mit der Ruhe und dem Frieden vorbei.
Von wegen Herbstmelancholie. Dazu hatte man gar keine Zeit mehr.
Man kaufte ein, man tauschte um, man kaufte ein, man tauschte um...
Schon im Oktober Weihnachtsgeschenke zu kaufen, sei besonders intelligent,
hatte eine Forschungsgruppe festgestellt. Man käme zu besseren Ergebnissen
bei der Auswahl der Geschenke und weil dies so sei, wäre auch anzunehmen,
dass der Grad der Zufriedenheit am Tag des Festes signifikant höher liegen würde
als bei der Kontrollgruppe „Finale“.
Letzterer Personenkreis ging häufig erst am 24. Dezember
auf die Jagd nach Geschenken. Kaufte man seine Geschenke bis Ende November,
war die Rede von Abschlüssen.
Dazwischen gab es eine Grauzone, die nur schwer zu prognostizieren war.
Die letzte Kontrollgruppe trug den Namen: „Null Bock“.
Ihre eindeutige Positionierung hinsichtlich des nahenden Festes und seiner Umstände,
wäre als sehr problematisch einzustufen, so die Forscher,
da es in dieser Gruppe eine hohe Anzahl von Gewalttaten gab.
Die gesamte Untersuchung war unter dem Titel: „ Early and Quick -
Wer früh kommt, den belohnt das Leben“, dokumentiert.
Im Anhang gab es noch einen Fragebogen,
