Merula und die vergessenen Farben - Michael Silver - E-Book

Merula und die vergessenen Farben E-Book

Michael Silver

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Beschreibung

Eine Prinzessin, die nicht weniger zuhause am Königshof sein könnte. Anlässlich des jährlichen Sternenfeuerfest kehrt Merula aber heim und stellt sich den Herausforderungen am Adelshof. Am anderen Ende der Herachie beginnt zeitgleich die letzte Mission einer Auftragskillerin. Diese führt sie zu tief hinter den Schleier, wo sie nach und nach die finstersten Geheimnisse um die Prinzessinnen von Luzine aufdeckt. Schnell verweben sich die Geschehnisse der beiden Protagonisten und es bricht eine Festzeit voller Spannung, Geheimnisse und viel Humor an Aus zwei Perspektiven erzählt sich so eine queere Fantasy Geschichte, der erste Band der Eternal Shadows Chroniken!

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Seitenzahl: 494

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Merula

und die vergessenen Farben

Michael Silver

Mango ist Magier!

Genau aus diesem Grund widme ich dieses Buch dir.

Vor mittlerweile so vielen Jahren haben wir uns kennengelernt durch einen simplen Zufall im Internet.

Und seitdem gab es keinen Tag, an dem ich dies bereut habe.

Eternal Shadows wäre heute definitiv ein anderes ohne dich.

Ich hoffe, die Zukunft wird dich noch weit bringen und uns noch oft zusammenarbeiten lassen.

Das Buch:

'Merula und die vergessenen Farben' ist der erste Band der Eternal Shadows Croniken, einer Reihe an eigenständigen Büchern, die in der selben Welt spielen, ein und die selbe Zeitlinie verfolgen und aufeiannder aufbauen.

Der Autor:

Hinter dem Autorensynonym Michael Silver verbirgt sich der österreichische Autor Michael Silberschneider. Sein Debüt feierte der Autor im Jahre 2021 mit 'Eternal Shadows - Die magische Träne'.

Michael Silver

Inhaltsverzeichnis

Prolog1

Das Sternenfeuerfest4

Am anderen Ende13

Schneiden24

Blutkuss39

Die Zofe46

Mord ist auch nur ein Handwerk56

Ich bin nicht so eine66

Das Gewand einer Prinzessin78

Erste Hinweise sammeln88

Das, was ich sein soll98

Grusel und Regen111

Auf dem Ziffernblatt126

Verwandlung138

Der Marschall145

Opfer157

Nicht nur eine Zofe167

Gurr Gurr177

Spuren189

Neues Limit202

Dunkle Pfade209

Absicherung221

Testament229

Weggeworfene Moral237

Eisennadeln252

Oben ist es still274

Kein Rückzug mehr möglich291

Bitterböse Wahrheit299

Schuldig im Sinne der Anklage309

Mein Herz schlägt320

Eine tote Taschendimension333

Die grüne Scherbe348

Kissenschlacht mit dem Tod356

Der verstoßene Engel373

Falsches Spiel380

Die perfekte Prinzessin390

Epilog408

Prolog

0

Der Schauplatz dieser Geschichte ist eine Welt, in der sich Tag und Nacht nicht dieselben Lande teilten, eine gespaltene Welt.

Licht und Schatten lieferten sich seit Anbeginn der Zeit einen erbitterten Kampf und dies führte dazu, dass am Ende nur der Kontinent Kanterra im Segen des göttlichen Lichts erblühte. Ernten und Landwirtschaft brachten Wohlstand und die Lehren der Menschen und Zwerge formten das Land unter der ewigen Sonne.

Wo etwas erstrahlt, muss auch etwas im Schatten stehen. So auch hier. Am anderen Ende des Ozeans lag ein berüchtigtes Gebiet, das bis zum heutigen Tage nur zum Teil kartografiert wurde. Zu weit zog sich diese Landmasse in die unbekannten Regionen. Weit in der Finsternis erblüht das Leben auf einer ganz anderen Art und Weise.

Ferune war ein Kontinent am südöstlichen Ende der sichtbaren Welt, ein Erdteil, in dem noch Flüsse aus reiner Magie fließen und, in dem noch wahre Helden lebten.

Die Küstenregionen lagen noch im Zwielicht, so auch die Hafenstadt Andrasthea. Für das menschliche Auge reichte das Restlicht gerade so aus, solange man ihnen keine zu anstrengenden Tätigkeiten zumutete. Schlug man hier aber zum Beispiel ein Buch auf, sollte man doch auch eine Kerze oder wahlweise eine magische Lichtquelle bereitstellen.

Andrasthea war die Hauptstadt des Stadtstaates Luzine und wurde sprichwörtlich auch das Tor zu den zahllosen Hinterlanden von Ferune genannt.

Meist war dies, das erste Stück festes Land, das man betrat, wenn man sich traute, seine Reiseroute durch Ferune führen zu lassen.

Demnach war die Bevölkerung sehr divers und durchmischt. Die in Ferune heimischen Waldkatzen dominierten natürlich das Stadtbild. Stell sie dir einfach zwei Köpfe kleiner vor als einen erwachsenen Durchschnittsmenschen. Noch dazu sind sie sehr stolz auf ihre flauschigen Katzenohren und ihre langen Bauscheschwänze.

Wenn du dich damals mit ihnen gut gestellt hast, leisteten sie dir treue Dienste. Hast du sie aber nicht mit Respekt behandelt, spürtest du ihre spitzen Eckzähne schon früh genug. Und dann versuch dich mal zu verstecken. Sie finden dich mit ihren besonderen Augen sogar bei purer Dunkelheit.

Regiert wurde das magische Land allerdings von den Hochkatzen. Dieses uralte Königsgeschlecht traf man nur sehr selten an. Hierbei handelte es sich um Hybride aus Waldkatzen und Menschen. Die Vermischung dieser beiden Rassen führte nach langer Zeit zu einer eigenen. Urkomisch war es demnach, dass es eben diese waren, die sehr viel auf ihr reines Blut hielten und die Zügel in Ferune fest in den Händen halten.

Anatomisch waren Hochkatzen kaum von Menschen zu unterschieden. Lediglich Augen, die einer Katze ähnelten und spitze Eckzähne erinnerten noch von den Genen ihrer kleineren Verwandten im Stammbaum, aus einer Zeit, die noch weiter zurückliegt als diese Erzählung selbst.

De Hochkatzen des Kontinents Ferune waren in den allermeisten Fällen die, welche die großen Entscheidungen der Stadtstaaten trafen. Mindestens waren sie aber adelig oder wenigstens sehr gut betucht. Schlecht ging es niemanden aus diesem Volk, dafür sorgte ihre Abstammung.

Von einer dieser handelt diese Geschichte, unter anderem. Sie war eine Prinzessin. Merula von Luzine war ihr Name. Sie war eine von zweien.

Der Königshof in Andrasthea sorgte seit langer Zeit für Frieden. Probleme, die groß genug waren, um das Volk zu spalten, gab es schon lange nicht mehr.

Der alte König regierte den Stadtstaat Luzine mit weiser Hand und einer recht pazifistischen Herangehensweise. Demnach waren auch Konflikte mit Nachbarn eine Seltenheit.

In dieser gerade für die Oberschicht perfekte Welt, soll Merula nun zurückkehren. Für sie war es eine öde Umgebung. Es langweilte sie.

Gerade wenn man sie mit ihrer großen Schwester verglich, wurde schnell klar, dass sie nicht aus demselben Holz geschnitzt waren.

Wohingegen Luana eine Vorzeigeprinzessin war und Führungsqualitäten spielendeinfach mit Eleganz und Grazie vereinte, zog das Fernweh Merula immer schon in die weite Ferne hinaus.

Sie war im Herzen viel eher jemand, der das Abenteuer sucht und nicht, die Bequemlichkeit einer weichen Sänfte und Zofen, die einem alles hinterhertrugen.

Einmal im Jahr fand in Andrasthea allerdings das sogenannte Sternenfeuerfest statt, eine Zeit die zwei Monde anhielt und viele Festlichkeiten und Riten umfasste.

Dieser traditionellen Zeit in der kaltem Jahreszeit mochte Merula dieses Jahr beiwohnen. Deswegen kehrte sie nach jahrelanger Abwesenheit nach Hause zurück. Ganz wohl war ihr nicht damit.

Was, wenn sie nicht mehr willkommen war? War diese Sorge unbegründet? Sie war schließlich persönlich von ihrer Schwester eingeladen worden. Was konnte also schief gehen ...

Das Sternenfeuerfest

1

»Schwesterchen, bist du wach? Schwesterchen!«, drang eine Stimme durch die schwere Holztür in ihr Zimmer.

Merula gähnte und zog sich die Decke über den Kopf.

»Schwesterchen?«

»Ich will nicht. Es ist viel zu früh. Geh weg«, motzte sie.

»Heute ist dein Tag. Vergessen?«, fragte die weibliche Stimme immer noch durch die Holztür hindurch.

Merula sah blinzelnd unter der Decke hervor. Sie war ein absoluter Morgenmuffel. Langsam dämmerte es ihr aber. »Ist heute etwa?« Sie warf ihre Decke auf den Boden und lief barfuß zum Fenster.

Ihre Schwester traute sich nun die dunkle Holztür zu öffnen und einen Blick ins Zimmer zu werfen. »Ja, heute ist ...«

»Das ist ja der Wahnsinn!« Merula hatte die Vorhänge schnell beiseitegeschoben und sah in die Stadt hinab. Die Aussicht vom Schlossturm war umwerfend und die Festlichkeiten schienen bereits in vollem Gange zu sein.

»Du wirst dich langsam schick machen müssen«, sagte Luana.

Merula aber war viel zu aufgeregt und öffnete das Fenster. »Ja, gleich.« Der Wind und das Treiben der gefallenen Blätter erfüllten die Luft. Es roch etwas nach Regen, aber der Himmel war noch wolkenlos. Sie konnte es kaum abwarten, in die Stadt zu gehen.

»Wünscht du, dass ich dir mit Gewand und Make-up helfe?«, fragte ihre Schwester.

Erst jetzt fiel Merula auf, dass Luana bereits fertig vor ihr stand und sie selbst noch im Pyjama war. »Ich schaffe das. Nun also, Make-up?«

Luana ließ die Schultern hängen. »Ich werde jemanden nach dir sehen lassen«, sagte sie und schickte sich bereits an, wieder zu gehen.

Nachdem die Tür sich wieder leise geschlossen hatte, trottete Merula zu ihrem Schreibtisch und schlug ihr Tagebuch auf, um den gestrigen Eintrag zu Ende zu schreiben. Sie war sich am Vortag noch unsicher gewesen, ob ihre Heimkehr nun gut oder schlecht sein mochte. Und nach der langen Reise wollte sie nur müde ins Bett fallen. Jetzt aber kritzelte sie eine lachende Version ihrer Schwester unter den Eintrag vom Vortag. Klar. Luana lachte nie, selten und wenn, dann unscheinbar und zurückhaltend.

Merula schloss ihr Tagebuch und klemmte es hinter die Rückenlehne ihres Himmelbettes. »Du bist doch auch froh, mich wieder zu sehen. Nich wahr?«, dachte sie an ihre Schwester.

Sie stellte sich vor ihre Spiegelwand und betrachtete sich ausgiebig. Ihre langen dunkelbraunen, fast schwarzen Haare waren zerzaust und ihre Augenringe erzählten von der kurzen Nacht.

Sie nahm sich ihre Bürste aus der Reisetasche. Diese stand unausgepackt seit gestern da. Vorsichtig roch sie an der Bürste. »Geht noch gut klar«, dachte sie und begann sich die vielen Knoten aus den Haaren zu arbeiten.

Sie sah sich derweil im Zimmer um. Es war wirklich kein einziger Gegenstand verrückt worden. Alles lag und stand an dem Ort, an dem sie es zurückgelassen hatte. Staub suchte man aber vergebens. Es wurde sich wohl gekümmert. »Hier ist alles gleich wie damals. Ob sich wohl, wo anders, etwas verändert hat? Hoffentlich nicht zu sehr.«, dachte sie sich. Bevor ihre Gedanken allerdings zu tief gingen, klopfte es wieder an der Tür.

»Was denn nun wieder?!«, fragte Merula.

»Prinzessin? Darf ich eintreten?« Die Stimme gehörte definitiv nicht ihrer Schwester. Dafür war sie zu hoch und unsicher.

»Ja«, antwortete Merula und drehte sich zur Tür, nur um wenig später ihren Blick wieder auf ihr Spiegelbild zu richten. Es war nur eine Kammerzofe ihrer Schwester.

»Ich hoffe, die nervt nicht zu sehr«, dachte Merula für sich, während sich die kleine Dienerin neben sie stellte. »Ehrlich, bist du zwölf oder ...« Sie verdrehte die Augen. Hatte sie doch wirklich die Vorliebe ihrer Schwester für junge Dienerinnen vergessen? »Willst du nicht etwas sagen?«, fragte Merula genervt.

Die Zofe vermied Blickkontakt. »Ihr mögt es nicht, wenn man auf euch einredet, euch sagt, was ihr zu tun oder zu lassen habt.«

»Gut auswendig gelernt«, stichelte Merula. Sie konnte nichts für ihr grundsätzliches Misstrauen, wusste es aber zu schätzen, dass sie offensichtlich Rücksicht nahm.

»Falls ihr allerdings Hilfe mit euren Haaren wünscht, so bin ich mir sicher, ich kann sie bändigen.«

Merula atmete laut aus und hielt der Zofe ihre Bürste hin. Diese nahm sie vorsichtig mit den Fingerspitzen und fragte zur Sicherheit nach: »Emotionaler Wert?«

»Nein. Ich kam nur nie dazu ... Was tust du da?«

Die alte Bürste landete im Müllkorb neben dem Schreibtisch.

»Fast zwei Jahre und dann einfach so ... Vergiss es.«

Die Zofe nahm einen nagelneuen Kamm. »Es wird euren Haaren gut tun. Ich werde sehr fürsorglich sein.«

»Da bin ich mir sicher«, grummelte Merula.

Mit wachsamen Augen verfolgte sie jede Bewegung des Kamms. Sie sah es ja ein. Wenn sie die Prinzessin sein mochte, die ihr Geburtsrecht war, so musste sie sich anpassen und das hieß, keine Abenteuer, keine Reisen allein und ohne Ziel und kein jugendlicher Leichtsinn mehr.

Ihr Haar war mittlerweile glatt und glänzte wie Seide. Licht und Schatten allein wussten, was die Zofe für eine Tinktur angewandt hatte. Wirksam war sie allemal.

Fast entspannt zuckte Merula doch noch weg.

»Prinzessin? Habe ich etwas falsch gemacht?«, fragte die Kammerzofe pflichtbewusst nach.

Merula nahm ihr, ohne zu fragen, den Kamm aus der Hand und fuhr sich durch ihre lange grüne Strähne. Sie mochte es seit jeher nicht, wenn eine fremde Person diese berührte.

Glücklicherweise stieß sie bei der jungen Dame auf Verständnis, denn diese lächelte bereits wieder höflich und machte sich daran im Kamin des Raumes ein Feuer zu entfachen.

So langsam gefiel sie Merula. Sie stellte keine Fragen, redete nicht viel, war vermutlich aufrichtig. Sie sollte ihr mit etwas Freundlichkeit entgegenkommen. »Kannst du mir etwas über die letzten Jahre erzählen? Ich war ja weg. Weißt du bestimmt.«

»Selbstredend. Seit ihrem Entschwinden damals herrscht in Luzine Frieden und der Wohlstand ist auf einem niedagewesenen Hoch angelangt. Sowohl hier in Andrasthea, aber auch in den ländlichen Gebieten des Stadtstaates geht es den Bewohnern sehr gut. Dies verdanken wir alle allein ihrer Familie«, erzählte die Zofe.

»Loyalität hat man dir wohl erfolgreich eingetrichtert«, dachte sich Merula. »Ich werde mir wohl selbst ein Bild machen müssen.«

Die Kammerzofe stellte einen Tonkrug in das Kaminfeuer und legte einen unterarmlangen Metallstab in diesen. »Es erfüllt uns mit Freude, dass ihr diesem Fest beiwohnen werdet. Das Sternenfeuerfest ist für die gesamte Region sehr wichtig. Deshalb dauern die Feierlichkeiten auch so lange an.«

»Bin mir nicht sicher, ob ich es die ganzen zwei Monde hier aushalten kann.« Merula legte den elfenbeinfarbenen Kamm weg. »Ich habe nur für die Eröffnungsfeier zugesagt. Von der ganzen Festzeit war nie die Rede.«

»Es freut uns dennoch, dass ihr hier seid, egal für wie lange.« Die Zofe nahm den Metallstab mit einem dicken Laken aus dem Krug, der im Kaminfeuer stand. Er war nun heiß genug.

»Was wird das?«, fragte Merula.

»Ihre glatten Haare mögen einer wunderhübschen, jungen Dame stehen, aber dem Haupt der euren, einer Prinzessin, werden sie nicht gerecht«, erklärte die Kammerzofe.

Merula schnaubte. »Du darfst. Aber wenn du meine Strähne auch nur anstupst mit dem Ding ...«

»Weh mir. Ich werde mich davor hüten.« Die Zofe war zufrieden und machte sich mit dem Lockenstab an die Arbeit. Sie war sehr gut darin.

Merula lehnte sich nachdenklich zurück. Sie rieb sich angespannt die Finger und sah abwesend zu Boden. Mehr, als abzuwarten, blieb ihr nicht übrig. »Hoffentlich seid ihr dann endlich zufrieden mit mir«, dachte sie und versank immer weiter in ihren Tagträumen. »Ich bin zuhause. Wieso fühlt es sich nicht so an?«

»So denn.«

Merula sah auf. Sie hatte den Blick in den großen Spiegel vor ihr nicht gewagt, um Blickkontakt mit der Zofe zu vermeiden.

Die Zofe hielt noch einen Handspiegel hoch, damit Merula auch ihren Hinterkopf bestaunen konnte. Erwartete sie jetzt etwa ein Kommentar von ihr? »Also ... Sieht ganz ok aus.«

Die Mundwinkel der Zofe hoben sich, nur ein kleines Stück, nicht mehr. Sie ging einen Schritt zurück und drehte sich wieder zum Kamin, um ihr Werkzeug fachgerecht wegzuräumen.

Nun, da keine Meinung mehr von ihr gefordert wurde, konnte Merula ihre Haare in Ruhe betrachten. Sie stand auf und ging näher an den Spiegel. »Bei Licht und Schatten.«

»Ist etwas nicht in Ordnung?«, fragte die Zofe hinter ihr.

»Nein.« Merula drehte ihren Kopf. »Das ... sieht schön aus.« Ihr gefielen die Locken und wie Teile von ihrem Haar nach hinten geflochten wurden. Würde sie doch nur etwas von Frisuren verstehen. Den Namen dieser zu erfragen war eindeutlich zu peinlich.

Ein Makel stach der Prinzessin allerdings ins Auge. Ihre breite, grüne Strähne fiel noch glatt. »Muss wohl sein, nicht?« Ein Funken Überwindung war nicht zu verleugnen. Ihren Entschluss hatte sie aber bereits gefasst und so begann sich die Haarsträhne, wie durch Magie, langsam zu einer großen Locke zu wickeln. »Puh.« Sie strich vorsichtig über die kostbare grüne Strähne.

»Prinzessin?«, sagte die Zofe und Merula drehte sich zu ihr um.

»Du darfst mich ...«, begann sie und brach ab, als sie die Unmengen an Kosmetik sah, welche die Zofe auf den Tisch stellte.

»Nun da ich euer Gesicht ansprechend gerahmt habe, will ich eurem Antlitz den letzten Flair geben«, sagte sie.

Merula fragte sich, wie viel Kleister sie wohl damit meinen mochte. »Dezent«, befahl sie.

Für einen Wimpernschlag lächelte die Zofe. »Gewiss.«

Merula traute ihr nicht, denn sie zog bereits einen großen Kleiderständer in den Raum. »Ich habe mir erlaubt, eine Vorauswahl zu treffen.«

Merula schnappte nach Luft. »So unbequeme Dinger.«

»Wie?«, fragte die Kammerzofe.

»Nichts. Ich habe nichts gesagt.«

Am anderen Ende

2

Dieselbe Stadt hatte auch ein anderes Gesicht, ein weniger adliges.

Langsam und kontrolliert führte sie das Messer am Porzellan entlang. Mit jeden Streich wurde die Klinge etwas schärfer. Gewöhnlich war sie nicht. Sie war aus dem feinsten Federdamast geschmiedet worden, ein besonderes Messer.

Das Geräusch des Schärfens beruhigte sie mittlerweile, denn es war gewöhnlich geworden, so oft hatte sie es gehört. Mit viel Liebe und Sorgfalt pflegte sie alle ihre Messer. Ihre einstig große Sammlung war ein eindeutiger Beweis dafür gewesen.

Eine Glocke, wie die einer Eingangstür, läutete.

Sie ließ das Porzellan am Tisch liegen und stolzierte federnden Schrittes auf eine Luke im Boden des Raumes zu, das Messer hinter ihrem Rücken. Es lag gut in der Hand.

Es läutete erneut. War die Person etwa in Eile?

Langsam öffnete sie die Lukentür. Es war ein buckelnder, junger Mann. Dieser erschrak, beim Anblick auf das, was ihn da von oben herab anlächelte.

Die junge Dame strich sich mit der freien Hand die roten Haare, die in ihr Gesicht hingen, zur Seite. Die andere Hand hielt das Messer weiter umschlungen.

»Sie ... Also ich bin hier, weil ... nun ...«, begann der Mann. Wieso er wohl keinen geraden Satz hervorbrachte?

Sie steckte ihm einen schwarzen Briefumschlag zu und schloss die Klappe wieder. Sie war noch zu müde, für den Alltag, obwohl es schon fast Mittag war.

Langsam schritt sie wieder zurück in den einen Raum, den sie ihr Zuhause nannte. Der Dachboden war nicht riesig, bot ihr aber einen warmen Schlafplatz und war als Wohnraum nirgends verzeichnet. Es blieb also ein Geheimnis, dass sie hier war. Dieser Umstand ließ sie ruhig schlafen.

Sie setzte sich auf das alte Sofa und schärfte ihr Messer weiter. Dabei summte sie eine Melodie und wippte mit dem Kopf. So ging das die nächsten Stunden. Sie bekam leider viel zu schnell einen Ohrwurm.

Am Dachboden standen neben dem Sofa und dem dazugehörenden Tisch nichts, außer ein kleiner Kamin und viele Kisten voller Gerümpel. Ihre wenigen Klamotten hingen an Haken von der Decke herab. Viel mehr, besaß sie nicht.

Sie unterbrach ihr Summen, denn eine kleine Spinne hatte sich vor ihrem Gesicht abgeseilt. Ihre kleinen Beinchen bewegten sich so elegant und quirlig zugleich. Ohne Zweifel war die Faszination für Spinnen nichts, das alle teilten, sie aber umso mehr.

Sie streckte einen Finger aus und ließ das kleine Spinnentier darauf klettern. Dann brachte sie das Tier in eine dunkle Ecke des Dachbodens hinter den vielen Kisten.

Nun war sie wach. Der Tag durfte beginnen.

Sie zog sich ihre Klamotten an. Diese bestanden aus einer einfachen Ledertunika mit Kapuze und einer eng anliegenden Leinenhose mit Gürteln und Verstärkungen aus Leder- und Eisenteilen.

Dieses Outfit war deutlich zu teuer für ihrem Stand in der Gesellschaft. Die typische Frau, die am Dachboden einer Taverne lebte, konnte sich so etwas für gewöhnlich nicht leisten, doch war dies hier mehr, als ihre ungewöhnliche Unterkunft.

Ihr geliebtes Messer wanderte in eine schöne Lederscheide, die an ihren Gürtel gebunden war. Unbewaffnet sollte man nämlich nicht die Gegend besuchen, in der sie vor hatte heute zu gehen.

Sie schlüpfte noch in zwei alte Stiefel, die neben dem Ausgang standen, öffnete dann die Luke und schob eine Leiter hinab, um runterklettern zu können. Dies tat sie auch, aber erst nachdem sie die Dachbodenluke zweimal abgeschlossen hatte.

Das rege Treiben war nicht zu übersehen. Personal huschte durch die Gänge. Der Eingang zu ihrem Dachboden lag unglücklicherweise direkt auf einem der Gänge, der von der Küche zum Gästebereich der Taverne führte.

Ihr Job begann erst in den Abendstunden. Das traf sich gut, denn sie musste sowieso noch ein paar Besorgungen machen.

Sie zwängte sich durch zum Hinterausgang und erntete dabei einige genervte Blicke, an die sie aber keinen einzigen Gedanken verschwendete.

Im Hinterhof saßen einige Männer und Frauen ihre Rast ab. Auch diese warfen ihr nicht gerade positive Blicke zu. Sie ignorierte auch diese und verließ die Hinterhofgasse und betrat die Hauptstraße.

Dort wartete ein kleiner Mann. Er hatte auch, und dies war verdächtig, ähnliche Klamotten wie sie an. An seiner Reaktion war zu erkennen, dass er auf sie gewartet hatte.

Sie schnaubte, als wüsste sie bereits, was nun kam.

»Zula! Ich bin froh dich ...«

»Dex, spuck’s aus«, sagte Zula, ohne stehen zu bleiben.

Der kleine Mann lief neben her. Er hatte Probleme damit, Schritt zu halten. Sein großer Krempenhut flog beinahe weg.

»Du hattest schon bessere Tarnungen.«

»Nun warte doch einen Moment«, erbat Dex und Zula blieb stehen. Der kleine Mann stützte sich an ihrem Bein ab. »Alte Freundin ...«

Zula nahm ihn mit beiden Händen hoch und setzte ihn auf einer brusthohen Mauer ab. »Ich bin ganz Ohr.« Sie sondierte genau ihre Umgebung, damit niemand sie beobachten konnte.

Nun da die beiden auf Augenhöhe waren, wurde der Körper des kleinen Mannes deutlich, der kein Menschlicher war. Es war ein Havanturin, ein Maulwurfmensch mit der langen Nase, dem typischen Schnurrbart und der dicken Krempe, die vor der Sonne schützen sollte.

Langsam kam Dex wieder zu Atem. »Hör zu. Ich brauche deine Hilfe, bei dieser Sache ...«

»Ich habe damit aufgehört«, warf Zula ein.

»Jaja, du bist ein braves Mädchen geworden, aber ...«

»Ich habe heute zum ersten Mal meine Miete gezahlt«, erzählte Zula. »Verrückt oder?«

»Ganz toll. Aber du sollst gar nichts Böses für mich tun«, sagte Dex und gestikulierte dabei mit seinen Armen.

Zula traute dem Braten nicht.

»Ehrlich. Nur etwas Lohn ... ähm, Umverteilung. Das ist alles.«

Zula ging weiter.

»Warte!«, schrie Dex und sprang von der Mauer. Dummerweise vergaß er die Höhe und landete unsanft auf allen vieren. »Die haben mich übers Ohr gehauen!«

Zula blieb stehen und drehte den Kopf zurück. »Wer hat dich übers Ohr gehauen und bei was?«, fragte sie.

Dex stand auf und lief schnell zu ihr. »Eine große Lieferung an die Abenteurergilde.«

Für Zula war die Sache klar. »Ich will nicht wissen, was du ihnen verkauft hast.« Sie wusste von Dex’ Schwarzmarktgeschäften. Er war einer der Besten, wenn man an illegale Dinge gelangen wollte, aber er war nicht der Stärkste. »Ich helfe dir. In Zukunft lässt du die von der Gilde aber raus aus deinen Geschäften. Deal?«

Dex brauchte eine Weile, bevor er eine Antwort hervorbrachte. »Deal! Schön mit dir Geschäfte zu machen.«

»Wie auch immer.« Zula drehte um. Die Abenteurergilde lag in der anderen Richtung und bedeutete somit einen großen Umweg.

Die gepflasterte Straße führte sie in einen belebteren Teil dieser Stadt, den Handelsbezirk. Dieser lag nahe an den Kettenaufzügen, die zum Hafen am Fuße der Klippen führten, auf welche diese Stadt einst erbaut wurde.

Für Zula war der Fußmarsch kein Problem, dafür für Dex, der immer doller begann zu schnaufen und ächzen. Seine kurze Schrittlänge war auf Dauer ein Problem, wenngleich seine Lunge auch nicht mehr die reinste war.

Der Handelsbezirk war zu dieser Zeit überlaufen mit Käufern und Verkäufern. Je nach Straßenabschnitt roch man frisches Leder und Stoffe oder jede Art von Lebensmittel aus dieser Region. Im Grunde fand man hier alles, was das Herz begehrte, sofern es nicht zu exquisit oder illegal war. Überwiegend erschwingliche Waren für jedermann.

Zula mochte diese Gegend. Hinderlich war nur, dass dies auch der Stadtteil war mit der höchsten Personendichte zu dieser Tageszeit und dies missfiel ihr aus persönlichen Gründen.

Mit etwas Mühe und viel Schubserei schafften sie es, sich durch die Menschenmassen zu zwängen, bis ins Zentrum dieses Bezirks, die Abenteurergilde. Das große Gebäude sah ein wenig aus, wie der Bug eines Schiffes, der falsch herum dalag.

Die vielen Flaggen und Banner protzten von den Heldentaten dieser Gildenvereinigung, damals. Heute war dieser Ort ein anderer. Und dies war sogar mit ein Grund, warum Zula sich zu dieser Missetat überreden ließ.

Sie standen nun vor der großen Doppeltür. Sie war geschlossen.

»Also wenn ich es mir recht überlege, wäre es doch besser, wenn wir nachts wiederkommen und die Kohle klauen?«, bemerkte Dex.

»Ja wäre einfacher.« Zula war in ihrem Element. »Es würde dann aber nicht mal halb so viel Spaß machen«, sagte sie voller Vorfreude und nahm ihr Messer vom Gürtel ab und gab es samt Scheide an ihren kleinen Mittäter. »Wehe du verkaufst es, bis ich wieder da bin«, drohte sie.

In Dex Händen sah das Messer eher wie ein großer Zweihänder aus. Er lehnte es an die Wand neben sich.

»Ist nämlich eines meiner Lieblinge, musst du wissen«, sagte Zula und dehnte sich noch kurz. »Das wird Spaß machen.«

Dex schluckte nervös.

Anstatt zuerst zu klopfen, warf sie sich mit voller Wucht gegen die Tür, die sofort aufsprang. »Hallo? Jemand zu Hause?«, fragte Zula provozierend, als sie ohne Scheu eindrang.

Sie ging auf das große Gildenpult zu, an einigen großen Kürbissen vorbei. Früher konnten hier Abenteurer Aufträge annehmen. Heutzutage allerdings, war die Rezeption unbesetzt.

Viel mehr ein Grund, wieso sie so schnell auf das Pult zuging, war der köstliche Geruch von Kürbissuppe. Sie wusste nicht, wieso sich dieser große, heiße Topf hier befand, doch bevor er noch kalt werden würde ...

Der Eingangsbereich bis zum Pult war mehrstöckig hoch und so konnte man in die oberen Stockwerke sehen. Plötzlich hörte Zula Schritte aus dem Zweiten, kein Grund für sie, sich umzudrehen.

Sie rollte einen noch nicht ausgehöhlten Kürbis vor das Pult, setzte sich darauf und öffnete den Topf. Es musste frisch zubereitet worden sein. Glücklicherweise standen auch einige Holzschalen und Löffel daneben. Vielleicht war das hier für das Eröffnungsfest heute gekocht worden. Nun, jetzt gehörte ihr eine Portion.

Sie ergriff eine Schale und nahm sich Suppe, bis sie halb voll war. Dann schloss sie den Topf wieder. Sollte ja heiß bleiben.

Ehe sie aber einen Löffel zu sich nehmen konnte, ertönte ein Schrei und mehrere Gestalten seilten sich aus den Stockwerken über ihr ab. Eine war sogar so mutig, dass sie den direkten Sprung auf Zula wagte.

Diese ließ sich nach hinten, hinter das Pult fallen und entging so dem Angreifer. In Windeseile war sie wieder auf den Beinen und hielt die unversehrte Schüssel voll Suppe hoch. »Ihr stört mich beim Essen? Nicht die feine Feruner Art.«

»Das ist nicht für dich!«, schrie der vorderste Angreifer und sprang mit einem Dolch bewaffnet auf das Pult.

Zula wich jedem Streich und Gefuchtel aus und brachte ihn mit einem Rundumkick zu Fall. Den Dolch fing sie dabei. »Du weißt schon, dass das eine Stichwaffe ist?«

Nun war er nicht mehr so vorlaut. Zula stieg über ihn drüber und öffnete den Topf am Pult wieder. Nicht, um sich neue Suppe zu nehmen. Sie hatte bislang nichts verschüttet. Nur den Dolch legte sie in das heiße Gefäß.

Die Angreifer sprachen sich mit Blicken ab. Es waren fünf und Zula war alleine. Noch dazu war sie nur mit einer Schale Suppe bewaffnet.

»Ihr könnt fünf Prozent abziehen für die Suppe«, bot Zula an und setzte leichtfüßig über das Pult, direkt vor die restlichen Angreifer, ohne Furcht oder Scheu.

Hinter ihr versuchte jemand, seinen Dolch wieder aus der heißen Suppe zu fischen, verbrannte sich und scheiterte kläglich.

Zula genehmigte sich endlich einen Löffel Kürbissuppe. »Lecker. So, jetzt können wir«, sagte sie und stürmte nach vorne.

Die Gestalten waren nicht auf ihre Schnelligkeit bedacht und ein paar zuckten sogar zurück.

Zula blieb mitten zwischen ihnen stehen. »Wer zuerst?«, fragte sie und nahm einen weiteren Löffel Suppe zu sich.

»Wer bist du?«, fragte einer der Angreifer.

Zula wurde es zu langweilig. »Ich bin nicht hier, um zu reden. Ich bin niemand, nur jemand der Kürbissuppe mag.«

Es schüchterte die Gruppe wohl ein, dass Zula es nicht für nötig hielt eine Deckung hochzunehmen. Man sah deutlich, dass es Amateure waren. Sie warteten viel zu lange, mochte man meinen. Doch Zula hatte den versteckten Rüpel mit der Armbrust bereits entdeckt, ließ sich aber nichts anmerken.

»Ich muss euch jetzt wehtun, weil ihr eure Waren nicht bezahlt habt«, kündigte Zula an und machte einen Spagat zur Seite, riss damit einen der Gestalten zu Boden und entging dem Bolzenschuss, der nur knapp über ihrem Kopf vorbeisauste. Den Halbstarken am Boden verschnürte sie schnell in seiner eigenen Peitsche und richtete sich mit einem Rückwärtssalto wieder auf, der sie aus der Reichweite der Schwerter brachte.

Der Bolzen hatte einen der Angreifer zwischen den Beinen getroffen, der sich nun am Boden krümmte.

Zula breitete die Arme aus. »Huch. Da waren es nur noch drei«, sagte sie untermalt von schadenfreudigem Gelächter.

Nun machten die letzten drei Verbliebenen ernst und griffen Zula gemeinsam mit Schwertern an, zwei mit schnellen Kurzschwertern und einer mit einem langen Kreuzschwert.

Zula erkannte sofort, dass es sich hierbei um Gegenspieler handeln musste, die nicht zum ersten Mal ein Schwert führten. Sie nahm also die Suppenschüssel zur Deckung hoch und parierte sogleich zwei Hiebe der Kurzschwerter.

Sie verlor jedoch keinen Zentizwerg an Boden. Immer wieder ließ sie Klingen an ihrer bloßen Holzschüssel vorbeiziehen. Parieren war das falsche Wort. Sie verwendete die Schale als Führungsschiene, um jeden erneuten Angriff an ihr vorbeigleiten zu lassen.

Nun wurde auch das große Kreuzschwert erhoben.

Zula wusste, dass die Suppenschale dem nicht standhalten würde. Zu viele Kerben waren bereits deutlich im Holz zu sehen.

Sie rollte nach vorne und zwischen den Beinen des größten Rüpels hindurch, um wieder auf eine freie Fläche zu gelangen. Denn nun waren das Spiel und der Spaß vorbei.

Der große Zweihänder schwang einmal im Kreis und verfehlte Zula nur knapp.

Sie, warf die Suppenschüssel in die Luft, ergriff schleunigst einen der zahlreichen, geschnitzten Kürbisse und setzte diesen dem größten Angreifer auf das Haupt. Fast vergaß sie bei diesem Kunststück, die Schale wieder zu fangen, aber nur fast.

Der nun sichtlich eingeschränkte Rüpel schwang nur wild mit seinem Schwert umher. Ihn konnte Zula für einen Moment vergessen, während sie sich den beiden letzten Angreifern widmete, die beide sogleich zu ihr stürmten.

Zula lachte, als sie zuerst einen Schlag mit der Schüssel parierte und sie diese dann dem Krieger in die freie Hand schob. »Halt das kurz für mich, ja?«

Dieser stach gleichzeitig nach Zula, die dieses Mal nur knapp einer Verletzung entging. Das Schwert traf zwischen ihrer Taille und ihrem Arm die Wand.

Ohne hinzusehen, lehnte sich Zula mit dem Ellbogen auf die flache Klinge. Der billige Stahl brach sofort.

Der Krieger ließ instinktiv das kaputte Schwert fallen, das sogleich mit dem Griff voraus in Zulas Hand rutschte. »Danke, fürs Halten«, sagte sie. Schelmisch grinsend nahm sie die Suppenschale zurück und riss ihm die Beine weg. Einer weniger. Nun war nur noch ein Rüpel mit Kurzschwert und der Kürbiskopf mit dem Kreuzschwert übrig.

Zula sprang auf das Pult und schrie: »Hier drüben. Huhu!«

Das lange Kreuzschwert schwang blindlinks in die Richtung des Schreies. Das Zeitfenster war gering, aber Zula sprang im richtigen Moment auf die breite Klinge und fixierte sie unter ihrem Stiefel auf dem Pult.

Von nun an ging alles sehr schnell. Mit einem einzigen Zug schnitt das kaputte Schwert einen breiten Spalt in den Kürbis. In der selben Drehung flog die beschädigte Klinge von Zula weg und traf den letzten Krieger. Ohne Schwertspitze riss sie keine schweren Wunden, veranlasste ihn aber, sein Schwert fallen zu lassen und das Weite zu suchen.

Zula sah dem letzten Krieger durch den Schlitz im Kürbis hindurch in seine tiefen Augen. Ohne Worte zeigte sie ihm die hölzerne Schale. Ohne Zweifel war es ein Wunder, dass sie es fertig brachte, sich mit diesem Ding zu verteidigen.

In seinen Augen war insgeheim Bewunderung zu sehen, allerdings aus einem anderen Grund. Die Schale war noch immer mit Suppe gefüllt. Sie hatte sich durch den halben Raum gekämpft, siegreich und dabei hatte sie nicht einmal gekleckert?

Dieser Kampf musste nicht fortgeführt werden. Der Sieger stand fest, die unbekannte Rothaarige, bewaffnet mit einer Schale voll Kürbissuppe. Wahnsinn.

Er ließ das Kreuzschwert allerdings nicht los und auch die Person mit der Armbrust kam aus der Deckung hervor. Selbst Dex traute sich, einen Blick über die Schwelle dieses Gebäudes zu werfen.

Zula ließ zwar vorsichtshalber einen Stiefel auf dem Kreuzschwert verweilen, nahm sich aber einen neuen Löffel und genehmigte sich einen weiteren Mund voll Kürbissuppe. Sofort verzogen sich ihre Augenbrauen. »Es ist bereits kalt geworden«, grummelte sie mit einem Überschuss an Melodramatik in der Stimme.

Das Kreuzschwert ruckelte unter ihren Füßen. Zulas Antwort war ein direkter Angriff. Sie sprang nach vorne und trat dem großen Krieger mit aller Kraft gegen den Kopf. Kürbisfetzen flogen durch den gesamten Raum und der Letzte war geschlagen.

Der Kampf war vorbei. Niemand traute sich mehr an Zula heran, die beleidigt die Schüssel fallen ließ. »Das Aufräumen überlasse ich euch«, sagte sie und begann nach draußen zu schreiten.

Auf der Türschwelle empfing Dex sie. »Warte. Warte. Hast du nicht eine Kleinigkeit vergessen?«

»Ach ja stimmt.« Sie drehte sich noch einmal um und schrie in das Gildengebäude, indem schon unter heftigem Tuscheln die Aufräumarbeiten eingesetzt hatten. Dann sprach sie zu Dex: »Weißt du was? Die belästigen niemanden mehr. Geh ruhig.«

Dex war nicht überzeugt.

»Sie wissen nämlich, dass ich ihnen sonst wieder einen Besuch abstatte«, erklärte sie.

Dex reckte seine Brust. »Dann danke ich dir erneut. Die Pflicht ruft dich?«

»Muss noch etwas für heute Abend besorgen. Na dann, wir sehen uns, wenn ich Pech habe.« Sie warf noch einen Blick in das Gildenhaus. Die Halbstarken unterhielten sich wohl immer noch über Zula und das, was eben geschehen war. »Ich muss hier weg.«

Schneiden

3

Die Musik setzte ein, ein Zeichen dafür, dass es endlich begann. Der königliche Schlossgarten der Familie Miasii war reich geschmückt, mit Girlanden in warmen Farben und geschnitzten Kürbissen in Gelb, über Orange, bis hin zu Weinrot. Vereinzelt brachen lilafarbene und weiße Kerzen die Ordnung. Sie waren noch kalt.

Die geladenen Gästen versammelten sich. Alle waren sie passend gekleidet, Anzüge und Kleider in schauriger Optik und mit einem Touch magischer Ausstrahlung.

Das Tor des Schlosses in den festlichen Garten wurde langsam und unter orchestraler Musik von vier Wachen geöffnet.

»Ich präsentiere ...«, sprach Sir Percival, Fledermausmann und rechte Hand des Königs, der als erster aus dem Rundbogen des Tores trat. »... Prinzessin Luana von Luzine.«

Spätestens jetzt verstummten alle Gäste. Einmal im Jahr durfte man einen Blick erhaschen auf die Königsfamilie.

Die Prinzessin mit den schweren, silbernen Haaren trat einen Schritt ins Freie und sah stolz auf ihr Volk herab. Das bodenlange, ärmellose Seidenkleid schimmerte, als wären kleine Sternfragmente mitverwoben worden. Ein Meisterstück.

Die Gäste hielten den Atem an. Kein Raunen war zu hören. Die Prinzessin genoss den Moment. Dies war unverkennbar.

Einige der Gäste achteten auf die vielen Kerzen, die alle nicht entfacht wurden, auch die in den Kürbissen. Man konnte noch genug erkennen, doch war es kein Zufall, dass sie noch aus waren.

Prinzessin Luana atmete leicht ein und legte ihren Kopf leicht zur Seite, um es allen zu präsentieren. Die lange rote Strähne links von ihrem Gesicht schnitt scharf durch ihre silberne Haarpracht. Kurz glühte sie auf und schlagartig fiel die gesamte Atmosphäre in ein tiefes Rot.

Das epische Orchester stimmte zum Höhepunkt des Stücks an, als gleißendrote Flammen von den Kerzen empor züngelten.

So gruselig dieses Spektakel für Uneingeweihte auch sein mochte, die Gäste jubelten laut, ehe das magische Spektakel endete und nur normale Flämmchen die Dochte der zahllosen Kerzen zierten.

Die Prinzessin setzte zu ihrem Gang an. Rechtzeitig bildete sich eine Schneise in der Masse aus Gästen. Zufrieden beäugte sie, dass sie wohl keine Kerze übersehen hatte. Selbst die verborgenen Kerzen in jedem einzelnen Kürbis schien sie bedacht zu haben.

Ein schwarzer Teppich mit violetten Fransen wurde auf dem etwa 50 Schritte langen Weg ausgelegt.

Obwohl sie sich Zeit ließ, erreichte die Prinzessin schnell das Ende. Ein kleiner Steinplatz, der über die Klippe hinaushing, auf der sich das Schloss befand. Dort stand ein halb zerfallener Steinbogen aus einer längs vergangenen Ära. Heroisch stolzierte Prinzessin Luana zur Linken und wartete.

Dies war das Zeichen, auf das der kleine Fledermausmann nur gewartet hatte. Er rümpfte sich sprach erneut. »Unser diesjähriger Ehrengast ...« Die Gäste waren überaus überrascht. Dies war unüblich. »... Prinzessin Merula von Luzine.«, kündigte Sir Percival an.

Hohe Violinklänge dominierten schlagartig das Orchester, als eine, gänzlich in schwarz gekleidete, junge Dame aus dem Torbogen trat. Ihre Schritte waren weder so elegant, noch so freudig erwartet worden. Nur fragende Blicke wurden ihr zugeworfen.

»Was starrt ihr alle so?«, fragte sich Merula. Zentral in der Aufmerksamkeit von so vielen Menschen und Hochkatzen zu stehen, war ihr sichtlich unangenehm.

Sie atmete schwer aus und musterte zu allererst einmal die gesamte Situation. Im Grunde sollte es genügen, etwas Ähnliches zu wirken, wie ihre Schwester zuvor.

Ihr Zögern dauerte eine Spur zu lange an, sodass sich Unbehagen in der Menschenmasse breitmachte. Das Orchester spielte schnelle dumpfe Töne.

»Na gut. Ihr könnt eure Show haben.«, dachte Merula und ihre grüne Strähne begann schnell und immer schneller zu flackern, untermalt vom epischen Violinspiel. Aus dem Nichts legte sich ein dicker, grüner Nebelschleier über die gesamte Veranstaltung.

Einige der Gäste erschraken, denn das Gefühl, dass sich etwas im Nebel bewegte, kroch ihnen die Beine hoch. Manche deuteten sogar in die dunklen Ecken und wichen zurück. Die schaurige Gänsehaut schien niemanden zu entgehen.

Prinzessin Merula schmunzelte zufrieden und beendete sogleich das schaurige Kammerspiel. Mit dem Erlöschen ihrer magischen, grünen Strähne fiel der dicke Schleier und nur ein weißer, knöchelhoher Nebelteppich blieb erhalten.

»Zufrieden?«, grummelte Merula für sich und setzte ihren Weg fort. Sie ging denselben Weg, wie ihre Schwester zuvor.

Ihr waren die Festlichkeiten zu sehr aufgesetzt. Zwar saß die Liebe zur Königsfamilie tief im Volk und dies war auch gut so. Aber musste es wirklich sein, dass Merula und ihre Schwester so vergöttert wurden? Es gehörte wohl dazu, wenn sie eine Prinzessin sein wollte, ob es ihr gefiel, oder nicht.

Auf halben Weg fiel ihr ein Detail ins Auge. Unwichtig war es gewesen, doch passte es nicht ins Bild. »Huh.« Sie erblickte ein kleines Mädchen, das einen Kürbis in beiden Händen hielt. Der Makel war, dass die Kerze darin noch aus war. »Schön zu wissen, dass auch du nicht perfekt bist, Schwester.«, dachte Merula.

Kaum merklich, so kurz, leuchtete ihre Strähne auf und ein kleines grünes Flämmchen erleuchtete den Kürbis.

Das kleine Mädchen bemerkte es sofort und erhaschte noch einen kurzen Blick auf die grünliche Magie, ehe das Flämmchen gewöhnlich wurde und die Prinzessin an ihr vorbeiging.

Ihre Miene würde es nie offenbaren, aber Merula war eine äußerst hilfreiche Person und so schritt sie an die Seite ihrer Schwester und platzierte sich zur rechten des Torbogens.

Auch, wenn sie darauf geachtet hatte, dass niemand, außer dem Mädchen, ihren kleinen Zauber mitbekam, schien sie sich im Blick ihrer Schwester ertappt. Schnell sah sie wieder nach vorne.

Im Orchester schickten sich nun Bläser an, das Stück mit Trompeten, Oboen und Klarinetten zu tragen.

Sir Percival zog sich geschwind die Krawatte zurecht und preiste aus voller Brust: »Seine Majestät, der König! Truchsess Krain.«

Alle Anwesenden knieten sogleich nieder, als der König aus dem Schloss trat. Die Ehre, diesem Event beizuwohnen, oblag wahrlich nicht jedem.

Untermalt von den royalen Klängen, setzte der alte Mann einen Fuß vor den nächsten. Sein graulilafarbenes Gewand ähnelte einer Robe, wenn auch nur auf dem ersten Blick.

Die Gäste sahen nur vereinzelt auf, um einen Blick auf den mächtigen Mann zu werfen. Einen langen Blickkontakt wagte allerdings niemand und obwohl sein Auftreten keinesfalls so magisch war, wie das der Prinzessinnen, wog seine Präsenz genau so schwer.

Manch einer vermutete auf dem Haupt des Königs eine Krone, wurde dann aber enttäuscht. Auf eine solche wurde verzichtet, was selbstredend zu Gemauschel im Volk führen würde, aber im Moment nicht relevant war.

Natürlich brauchte der alte König am längsten für den Weg aus dem Schloss, durch den Garten, an der Masse aus Gästen vorbei, bis hin zum verfallenen Torbogen, wo bereits die beiden Prinzessinnen warteten.

Merula war nervös. So langsam merkte sie, worauf sie sich eingelassen hatte. Der Schlossgarten war riesig, großer, als sie ihn aus ihrer Kindheit in Erinnerung hatte. So viel war sicher. Die Anzahl der Gäste schätzte sie in die Hunderte. Ordentlich setzten sich alle, nicht auf Stühle, sondern ins saftige Gras. Fast wirkte es nicht wie eine überlaufene Veranstaltung, sondern wie ein gut besuchter, aber idyllischer Grünplatz.

Plötzlich wurde es ungewohnt still. Das Orchester hatte aufgehört zu spielen. Es war nun an der Zeit. Der König stellte sich zwischen die beiden Prinzessinnen in den Rundbogen und begann. »Hebt die Blicke.«, befahl er und alle sahen hoch zu seiner Majestät und den Prinzessinnen.

Die Steinplatte, auf der sich die drei befanden, lag etwas erhöht und so konnte der König seine kräftige Stimme weit über die Masse an Menschen und Hochkatzen werfen. »Es erfüllt mich mit Freude, dieser Festzeit nicht nur ein weiteres Mal beizuwohnen, sondern mit euch allen vereint die Gläser zu erheben, wenn auch nur kurz.«

Die Gäste wagten es nicht zu tuscheln. Fragende Blicke wanderten allerdings zahllose umher.

»Heute läutet zum 73. Mal eine Festzeit ein, die am Tag des Sternenfalls in knapp zwei Monden enden wird«, begann der König seine Rede.

Es war nicht verwunderlich, dass alle Anwesenden an den Lippen des weisen Mannes klebten. Man empfand ein Gefühl der Vertrautheit und der Geschichtsnähe.

»Ob ihr in letzter Vergangenheit einen geliebten Menschen verloren habt oder die Zeit bereits Wunden geheilt hat, ist unbedeutend. Unter uns Hochkatzen ist es ein wichtiges Anliegen, jährlich an die Verstorbenen zu denken, sie zu ehren und ihnen somit ein ewiges Leben zu geben«, sprach der König langsam.

Der gesamte Festgarten lauschte. Merula sah in den Gesichtern sowohl Vorfreude und Interesse, wie aber auch Vorsicht und eine gesunde Spur Misstrauen.

Der König fuhr fort: »Seitdem wir, das Volk der Hochkatzen, diesen Kontinent regieren, war dieses Privileg anderen Rassen, wie Menschen und Waldkatzen verwehrt geblieben.«

Stimmt. Das war neu. Unter den Gästen waren nicht nur Hochkatzen. Bunt gemischt war die staunende Gruppe. Merula bedachte dies nun erst und sorgte sich, denn so normal die folgende Prozedur für sie war, so surreal und überfordernd konnte sie für westliche Völker sein.

»Heute aber, sprenge ich die Ketten für alle Bewohner. Eine Zweiklassengesellschaft aufgrund einer Herkunft, die Jahrzehnte zurückliegt, ist rückschrittlich. Wir sind ein Volk.«

Waldkatzen und Menschen applaudierten. Etwas leiser bejubelten die anwesenden Hochkatzen diese Entscheidung.

»Beginnt nun.«, befahl der König.

Sir Percival, der alles vom Schlosstor aus verfolgt hatte, verbeugte sich vor seinem König und schritt los. Seine kürzeren Schritte gingen voraus. Vier Leibgarden in besonders schönen Rüstungen folgten dem kleinen Flederich. Gemeinsam schulterten sie einen großen schwarzen Sarg.

Das epische Orchesterspiel baute sich wieder einmal auf.

Über den Köpfen vieler Gäste schwebten Fragezeichen. Wer war wohl die Person in diesem Sarg? Die vielen feinen Schnitzereien und silbernen Intarsien waren wunderschön. Der Leichnam musste zu einer unglaublich wichtigen Persönlichkeit gehören, wenn er als erster diese Welt verlassen sollte.

Sir Percival kniete direkt vor seinem König. »Majestät. Seid unbesorgt. Gebt euch ohne einen Augenblick der Sorge eurer Trauer hin. Luzine ist in guten Händen.«

Prinzessin Luana stimmte der rechten Hand des Königs stumm nickend zu. Ihre Schwester blieb unbeteiligt.

»Ich danke dir, alter Freund«, sagte der König und Sir Percival viel beinahe in Ohnmacht bei dieser Ehrerbietung. Sein Stolz hielt den Fledermausmann allerdings auf beiden Beinen.

Die Leibgarde hatte derweil den Sarg vor dem Rundbogen abgestellt. Wartend standen sie stramm zu Diensten.

»Nun bin ich wohl dran. Oder?«, fragte sich Prinzessin Merula und sah fragend zu ihrer Schwester.

Diese nickte und deutete auf den Deckel des Sarges. Ein langer, scharlachroter Zweihänder ruhte dort. Diese lange Klinge war der größte Schatz der Königsfamilie.

Merula stellte sich ruhig vor den Sarg und sah sich das Schwert an. Der silberne Griff und die gebogene Parierstange waren meisterlich geschmiedet. Doch was wahrlich ins Auge stach, war die schwarze Runenplatte, die sich auf der Klinge befand.

»Nun denn.« Merula ließ sich nichts anmerken, aber das Herz der Prinzessin raste. Wieso um Himmels willen musste sie das tun? Ihre Schwester war für gewöhnlich sonst jährlich mit dieser Aufgabe betraut worden. »Ehre hin oder her. Scheiß drauf.« Sie beschloss, es einfach hinter sich zu bringen.

Ihre linke Hand fuhr von der vordersten Klingenspitze langsam bis zum Knauf, bevor sie den Griff packte. Alle Augen waren auf sie gerichtet. Insgeheim hasste sie dieses Gefühl, nur fühlte sich dieses Schwert sehr verführerisch an.

Ihre Schwester beobachtete sie genau.

Nachdenklich hob Merula den Zweihänder nur mit einer Hand in die Höhe. Die Klinge ragte gen Himmel, als sie ihr Spiegelbild ansah. Ihr gefiel nicht, was sie sah. »Bei Licht und Schatten, ich sehe aus wie ein verwöhntes Gör in diesem Fummel.«

Die Umstehenden, sowie die Gäste, wurden langsam ungeduldig. Prinzessin Merula erinnerte sich an ihre Aufgabe. Sie verbreiterte ihren Schritt, legte zwei Finger auf die Runenplatte.

Sir Percival und der König nahmen etwas mehr Abstand. Prinzessin Luana hielt dies nicht notwendig für sich.

Merulas geschickte Finger fuhren über die Runenplatte auf der breiten Klinge. Sie ertastete zehn eingelassene Runen, die auf einen bestimmten Befehl warteten.

Ein letzter Blickwechsel mit Luana genügte.

Merulas Strähne glühte zur vollen Größe auf, kein Flackern wie vorhin, ein kräftiger, durchgehender, schauriggrüner Impuls. »Mein Name ist Merula Miasii, grüne Scherbe des Sternlichtes.« Mit einem Zug fuhr sie über die zehn Runen und ließ sie zeitgleich erwachen.

Jede Rune schimmerte in einer anderen Farbe und nur die Himmelsschmiede selbst, aus welcher diese Waffe geboren wurde, konnte wissen, was für Mächte in jeder Rune versiegelt waren.

»Schon schnieke«, dachte sich Merula und merkte schnell, dass sie ernst bleiben musste, auch wenn die Verführung, die von dieser Klinge ausging, enorm war. Jedes annähernd irdische Wesen wäre augenblicklich korrumpiert worden. Sie allerdings hielt stand und drehte sich zum Rundbogen.

Alle hielten den Atem an. Nur das Surren der entfesselten Runen erfüllte die Luft rund um dieses alte Relikt.

Prinzessin Merula erhob die Klinge und erinnerte sich an das, was ihre Schwester ihr kurz vor diesem Ereignis erzählt hatte. »Du musst versuchen, etwas aus der Luft zu greifen, was nicht da sein sollte. Hast du es einmal ertastet, kannst du es auch schneiden.«

Merula schärfte alle ihre Sinne. Die Lage spitzte sich zu, bis dann da etwas war. Sie empfand ein kühles Gefühl, wie von einer Gänsehaut. Allerdings spürte sie dies etwa einen Schritt vor ihr, als wäre es ihre eigene Haut, die berührt wurde, aus der bloßen Luft gegriffen. »Das ist es!«, schrie sie innerlich und ließ das Schwert zu Boden sausen.

Ein kosmischer Windstoß wehte alles und jeden zu Boden, der sich nicht rechtzeitig geduckt hatte. Vor Merula klaffte ein gleißender Riss im Raum. Ihre Haare standen kraus zu Berge und selbst ihre Kleidung war statisch aufgeladen.

Sir Percival hielt sich die Augen zu. Da sich das Schloss und somit auch der Schlossgarten auf einer hohen Klippe befand, konnte man das Leuchten dieses Risses vermutlich im gesamten Reich sehen.

»Das reicht nicht aus.« Merula führte den mächtigen Zweihänden nun einhändig. Ihre Strähne lud sich erneut auf, noch ein deutliches Stück intensiver, als zuvor schon. So viel kosmische Energie, wie in diesem Moment durch Prinzessin Merulas Befehl hin auf diese Welt geschickt wurde, vereint in einem mächtigen Hieb.

Die Klinge schnitt ein noch größeres Loch in die irdische Welt. X-förmig klaffte die gleißend weiß blutende Wunde auf. Von nun an ging alles sehr schnell. Der Riss dehnte sich auf die volle Größe des Rundbogens aus und mit dem Erlöschen von Merulas Strähne nahm das Leuchten ab, bis nur noch ein milchiger Vorhang blieb.

Die Schulter der Prinzessin schmerzte. Dies war nicht verwunderlich. Sie hatte ein Schwert, dass mehr wog als sie selbst, nur mit einer Hand geschwungen. Fasziniert sah sie die scharlachrote Klinge an. Die noch wachen Runen schienen ihr etwas zuflüstern zu wollen. Unbeeindruckt strich sie aber wieder mit zwei Fingern über alle zehn, um sie sicher zu versiegeln.

Die Menge jubelte und kreischte im Beifall. Alle hatten sich erhoben und alle Furcht schien wie weggeblasen.

Merula faste sich in die Haare. Ihre Frisur war im Eimer und ihr Outfit war zerknittert. Sei es drum. »War schon ganz gut. Ein bisschen zumindest.« Ohne Vorsicht gab sie das Schwert in die Hände einer Leibgarde.

Diese war überrascht und behandelte das mächtige Stück nachsichtiger. Zusammen mit drei weiteren Gardisten wurde das Schwert zurück ins Schloss getragen, wo es sicher verwahrt werden sollte.

Merula kratze sich an der Stirn und stellte sich neben ihre Schwester. Sie traute sich nicht, sie offen anzusehen. Als sie vorher zu ihr rübergeschielt hatte, war Stolz in ihrem Blick und sie mochte diesen Gesichtsausdruck nicht.

Der König und Sir Percival standen nun direkt vor dem Rundbogen und schienen auf etwas zu warten. Kurz bevor in Merula Zweifel aufkeimen konnte, erschien eine schwarze Hand, die durch den Vorhang griff, dann ein ganzer Arm.

Einige Anwesende erschraken, aber die Ruhe, die vom König, Sir Percival und den Prinzessinnen ausging, färbte auf alle ab.

Die Gestalt, die aus dem Vorhang trat, trug eine lange, pechschwarze Robe. Versuchte man ein Gesicht in der tiefsitzenden Kapuze zu erblicken, sah man nur Schwärze.

Kurz darauf erhob der König die knochige Hand des Sensenmannes. Dies stellte wohl eine förmliche Begrüßung da.

Spätestens jetzt war das Ereignis nicht mehr aufzuhalten. Weitere Männer mit Sensen schritten durch den Vorhang.

Viele der Anwesenden hatten diesem Fest bereits in den Vorjahren beigewohnt, doch die Sensenmänner im Schlossgarten hautnah zu sehen, war seit jeher ein Privileg, das jedem Bürger nur einmal im Leben zuteilwurde. Von daher war das Staunen groß.

Merula rieb sich die Hände und auch bei den anderen wurde allmählich der Atem sichtbar. »Dumme Frostbeulen«, dachte sie sich, denn mit jedem weiteren Sensenmann wurde es etwas kühler. Sie hätte sich gerne lautstark beschwert, ließ es aber mürrisch bleiben.

Ohnehin wäre sie damit wohl nicht laut genug gewesen, denn das Orchester begann ihr letztes Stück.

Alle Gäste standen auf.

Merula wurde von ihrer Schwester sanft beiseitegeschoben. »Hat was von einem Nekromantie-Freizeitclub an einer Akademie, nur in wirklich cool«, dachte sie sich, beim Anblick dieses Bildes.

Die Sensenmänner positionierten sich rund um den Rundbogen. Ihre oberkörperlangen Sensen waren ausnahmslos alle nach vorne gerichtet. Sie würden diesen Ort nicht verlassen, bevor sich der Riss in etwas weniger als zwei Monden schließen würde.

Vier Gardisten erhoben den Sarg und warteten auf ein Zeichen.

Nun war für den König an der Zeit, die Unwissenheit zu beseitigen. »Diese Festzeit ist sehr bedeutend, jedes Jahr auf das Neue. Auch wenn es nur ein Fragment eines großen Seins darstellt, erlaubt sie uns unter anderem, unseren Kameraden, Brüdern und Schwester, Geliebten die letzte Ehre zu erweisen.«

Dies war die Wahrheit und vermutlich auch der weltweit geläufigste Punkt, denn man mit dem Sternenfeuerfest verband.

»Dieses Jahr muss auch ich als König dieses Landes, das Reich hinter diesem Vorhang betreten, ohne Wenn und Aber.«

Getuschel wurde laut. Einige Parteien spekulierten, wer denn nun die Person sei, die im Sarg lag und wiederum andere machten sich Sorgen, da der König sie für ganze zwei Monde verlassen wollte. Dies war eine Zeitspanne, in der es leicht zur Anarchie kommen konnte, wenn bekannt würde, dass der Thron unbesetzt war.

»Sorgt euch nicht«, sprach der König und deutete auf eine der beiden Schwestern. »Prinzessin Luana wird eine rechtschaffene Hand über diese Stadt und ganz Luzine haben.«

Die Gäste entspannten sich etwas.

»Und Prinzessin Merula wird ein Auge speziell auf die Festlichkeiten in und rund um unsere wunderschöne Stadt haben. Sie wird direkt ihrer Schwester unterstellt sein«, fügte der König hinzu.

Merulas ballte beide Fäuste. »Erstens bin ich nicht ihr dämlicher Sidekick ...« Ihre Augen wurden zu Schlitzen. »... und zweitens habe ich nie gesagt, dass ich so lange hierbleibe.«

Luana bemerkte die Angespanntheit ihrer Schwester und ergriff schnell ihre Hand, um sie zu beruhigen. Diese war nämlich stinksauer auf sie.

»Ich wünsche, ein frohes Fest«, beendete der König seine Ansprache. Viel Elan lag nicht darin, wenig verwunderlich.

»Eine sichere Reise und auf eine baldige Rückkehr. Seien sie unbesorgt. Ihr Reich ist in guten Händen«, verabschiedete sich Sir Percival von seinem alten Freund.

Der König war ihm sehr dankbar und legte ihm beim Vorbeigehen eine kräftige Hand auf die Schulter. Den beiden Prinzessin wurde so etwas nicht zuteil. Ein kurzes Nicken hielt ihre Majestät für ausreichend.

Die Sensenmänner waren keine allzu geduldigen Zeitgenossen, auch wenn sie dies wahrscheinlich nicht offen zeigen durften. Demnach ließ man sie besser nicht warten.

Ohne ein Zögern ging der König voraus durch den Vorhang. Der Sarg wurde von den Gardisten hinterhergetragen. Wie sich das Verlassen der irdischen Welt anfühlte oder wie es auf der anderen Seite wohl aussah, wusste niemand so recht. Nur die, die es gewagt hatten und zurückgekehrt waren, konnten davon erzählen. Nichtsdestotrotz erfuhr man in Sagen und Legenden mehr darüber, als in den Büchern.

Sir Percival wischte sich den Schweiß von der Stirn.

»Was ist mit dir?«, fragte Merula.

Sir Percival antwortete: »Es ist zu viel für mein simples Gemüt, Prinzessin.« Er wischte sich den Staub vom Anzug und sah zu den Sensenmännern hoch. Sie waren ihm nicht geheuer. Schnell wandte er seinen Blick ab.

Nun war es Merula egal. Niemand war mehr anwesend, vor dem sie das Gesicht verlieren konnte. Sie stürmte los, zurück ins Schloss. »Ich bleibe keine Sekunde länger hier.«

Luana hatte so etwas erwartet und wollte ihr folgen.

»Aber Prinzessin. Die Gäste. Ihr könnt doch nicht ...«

»Unterhalte sie einen Augenblick. Ich bitte sie, Sir Percival.« Luana war in diesem Augenblick ihre Schwester wichtiger und so ließ sie den ohnehin schon überforderten Sir Percival alleine zurück.

Merula hatte sich die Schuhe bereits ausgezogen und rannte hoch in ihr Turmzimmer, vorbei an ihrer Kammerzofe.

»Prinzessin, ist etwas ...«, fragte diese.

»Ich will nicht gestört werden«, sagte Merula und schloss die Türe hinter sich. »Ihr könnt mich alle mal. Ich bin weg.« Sie fuhr einmal mit dem Arm über den Tisch, um alles in einem Akt in ihren Koffer zu schieben. Glücklicherweise hatte sie die meisten ihrer Sachen nie ausgepackt. So ging es schnell.

Es klopfte an der Tür.

»Ich sagte doch, ich will nicht gestört werden!«, schrie Merula.

Es klopfte erneut.

Ihr riss der Geduldsfaden. Wieso sollte sie überhaupt antworten. Alles und jeder hier nervte sie. »Ich wusste, es war keine gute Idee.« Mit dem Gepäck in der Hand öffnete sie die Tür.

Luana sah sie vorwurfsvoll an.

»Du hast mich getäuscht«, konfrontierte Merula sie.

»Weil du hier gebraucht wirst«, sagte ihre Schwester.

»Ich will aber doch gar nicht gebraucht werden!«

Luana hatte für gewöhnlich auf alles eine Antwort. In der Redekunst war sie mehr als nur bewandert. Doch wollte sie ihre verbalen Tricks nicht bei ihrer Schwester ausüben.

Merula war am Verzweifeln. »Hast du mich denn immer noch nicht aufgegeben?«, fragte sie.

»Niemals«, antwortete Luana. »Bitte schlaf wenigstens eine Nacht darüber. Tu es für mich.«

Merula hätte sich gerne herausgewunden und wäre am liebsten sofort abgereist, doch irgendetwas hielt sie an diesem Ort. »Nur eine Nacht«, sagte sie.

»Dankeschön, Schwesterchen.«

»Nicht wegen dir, Schwester. Also ... das Bett ist sehr bequem und ich kann jede gute Nacht brauchen, bevor ich abreise«, rechtfertigte sie sich. »Nur damit du dir keine Hoffnung machst.«

Die Prinzessinnen waren sich einig, mehr oder minder. Merula trug ihr Gepäck zurück in ihr Zimmer und würde noch eine Nacht lang hierbleiben.

Luana trat derweil den Rückweg in den Festgarten an und rief noch einmal: »Ich werde nach dir sehen lassen.«

»Nein.«

Blutkuss

4

»Was darf’s sein?«, fragte der bucklige Mann hinter dem Tresen.

»Ein Wasser.«

»Ehrlich? Nur ein Wasser? Ich hätte auch noch ...«

Sie warf ihm einen strengen Blick zu.

»... im Angebot. Ein Wasser. Kommt sofort.«

Sie befand sich an der Bar der angesagtesten Kellertaverne der gesamten Stadt. Es spielte tanzbare Musik und einige knapp bekleidete Damen flanierten auf den vielen Tischen.

»Soden. Hier ihr Wasser.«

»Danke, Kellner.«

»Brauer«, bemerkte er und beäugte auffällig die schwarze Rüstung der Dame. Sie war ohne Zweifel nicht von hier.

Sie ignorierte den jungen Mann und sah sich weiter um. Die Taverne war nicht riesig, aber gut besucht. Zu ihrer Verwunderung aber war der Großteil der Gäste noch bei Sinnen. Lauschte dem Bardenspiel oder betrachtete die schönen Damen. Nachsichtig war sogar, der Umgang mit diesen. Bestrafen würde sie heute niemanden dürfen. Das schmerzte. Sie vertröstete sich, indem sie sich wieder auf ihre eigentliche Mission fokussierte.

»Ähm Verzeihung. Nur ganz kurz.«

»Ich werde dich lange leidenlassen!«

»Ihr Glas. Ganz kurz. Ich muss nur.« Der aufdringliche Brauer hob ihr Glas und wischte mit einem Lappen drunter weg.

Sie versuchte, ihn gedanklich auszublenden, auch wenn sie ihn gerne an Ort und Stelle wie einen Fisch ausgenommen hätte. Käme nur eventuell nicht so gut und ließe ihre Tarnung auffliegen.

Ohnehin zog eine ganz andere Sache ihre volle Aufmerksamkeit auf sich. Würde sie sich nicht vor Schreck auf die Zunge beißen, hätte ihre Kinnlade wohl einen steilen Abgang gemacht.

»Sie ist umwerfend oder?«, sagte der Brauer und liebäugelte die neue Tänzerin an, die soeben den Raum betrat. Ohne Zweifel stahl sie allen die Show.

Die Augen derer in schwarzer Rüstung waren nur noch Schlitze und ihre Mundwinkel lagen tief. Sie kochte vor Wurt.

Der Brauer schwärmte weiter. »Sie kann sich so gut bewegen. So ah, ja.« Die Gabe sich gut ausdrücken zu können, hatte man ihm scheinbar vorenthalten.

Die neue Tänzerin hatte wallendes rotes Haar, dass federleicht mit jeder ihrer Bewegungen mitschwang. Ihre helle Haut und ihr makelloser Körper wirkten beinahe unwirklich.

Während der Brauer dieselbe Stelle schon zum vierten Mal wischte, wurde es der Neuen in der Rüstung zu viel. Sie stand auf und deutete der Tänzerin energisch zum Abbruch.

Die Schönheit im seidenen Zweiteiler antwortete mit einer eleganten Luftrolle zu einem benachbarten Tisch. Ihre Bewegungen waren sehr anziehend, aber was die Massen wirklich hypnotisierte, war etwas anderes, ihr Gesicht.

»Wenn ich dich in die Finger bekomme. Oh du wirst mich um Gnade anflehen.« Die Gerüstete blieb hartnäckig, landete aber immer wieder in den hinteren Reihen. So langsam wurde diese Sache lästig.

Was die Massen wirklich fesselte, war die Form ihres Gesichtes, die Lippen und vor allem die Augen. Ja. Die großen roten Augen hatten etwas an sich, das begeisterte.

Viele der Gäste warfen ihr Münzen zu, die sie allesamt elegant fing. Es schien beinahe so, als wüsste sie, wann und wo ein Goldstück zu ihr geworfen wurde. Ihre Art zu tanzen war unfassbar und so war der Gewinn ebenso ertragreich.

Die Mundwinkel derer in schwarzer Rüstung fielen noch tiefer und sie rieb sich die Finger. »Was ist aus dir geworden?«

Als ein ganzer Goldbeutel zur Tänzerin geworfen wurde, geschah etwas Unnatürliches. Entgegen ihrer Schätzung flog der Beutel zu langsam. Sie griff ins Leere und schließlich blieb das Säckchen in der Luft stehen.

Die Tänzerin sah sich nervös um. Sie kannte diese Form der zeitlichen Manipulation. Alles im Raum gefror an Ort und Stelle und eine eisige Gänsehaut machte sich auf ihrem halbnackten Körper bemerkbar.

»Wo bist du?«, dachte sie sich und ließ ihren Blick durch die Masse an Schaulustigen wandern. Dann sah sie die Anwenderin. »Diese Rüstung«, erkannte sie. »Und deine Haare bewegen sich leicht im Wind.« Sie war sich sicher. »Erwischt!«

Der Blickkontakt der beiden weilte lange und in den Augen der Tänzerin wurden allmählich kleine Runen erkennbar. Sie war kein Mensch. Sie war eine Deus. Nun da der Zauber, der ihre Runen verschleiert hatte, verflogen war, musste sich die Tänzerin nicht mehr bedeckt halten. Die Runen begannen schaurig zu glühen. Gleichzeitig begann der Goldbeutel zu zucken, bis er schließlich in hunderte Fetzen zerriss und die Münzen durch den Raum flogen.

Der laute Trubel ging weiter und die Zeit floss wie gewohnt. Die Umstehenden hatten nichts mitbekommen vom Schlagabtausch.

Die Tänzerin aber sprang zielstrebig vom Tisch und drängelte zur Dame in der Rüstung. Dabei versuchte sie Blickkontakte zu vermeiden. Niemand sollte ihre gerunten Augen sehen. Ruppig bahnte sie sich ihren Weg und packte die nun Zufriedene am Arm.

Alle Anwesenden blickten verwirrt drein, als die Tänzerin die neue Dame in ein Hinterzimmer, wohl ein Lagerraum, entführte. Die Vorstellung war sonst nie so schnell vorüber gewesen.

Schnell schloss sie die Tür hinter sich. Schrille Buh-Rufe waren zu hören. Sie sah böse auf ihr Gegenüber. »Was willst du?«

»Oh liebe Zuzu, begrüßt man so eine alte Freundin?«, fragte sie, während sie sich begann die Rüstung auszuziehen. »Widerliche Menschen.«

»Du trägst diese übertriebene Rüstung deswegen?«

»Wie?«

»Wegen den Menschen.«

Die Rüstung verfügte zum Glück über viele clevere Verschlüsse und so war es ein Leichtes, sich von ihr zu lösen. »Sterbliche halt. Tot sind sie mir sympathischer.«

»Zynder, was suchst du hier?«