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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Note: 1,3, Universität Hamburg, Veranstaltung: Entwicklungstheorie und -politik, Sprache: Deutsch, Abstract: In den vergangenen Jahren hat die Verbreitung von Mikrofinanzprogrammen stark zugenommen. Wo für das Jahr 2000 noch rund 13,8 Mio. Teilnehmer entsprechender Programmen gemeldet waren, hat sich diese Zahl bis ins Jahr 2007 auf ca. 92,9 Mio. Kunden vervielfacht. Ebenso hat sich die Anzahl der erfassten Mikrofinanzunternehmen im gleichen Zeitraum von 1567 auf 3316 Institutionen gesteigert. Solche Angaben deuten darauf hin, dass Mikrofinanzprodukte für die Anbieter ein lohnendes Geschäft sind. Diese Arbeit möchte untersuchen, ob auch die Kunden solcher Produkte profitieren und darüber hinaus mit Mikrofinanz Beiträge zur Entwicklung sowie Armutsbekämpfung rückständiger Länder geleistet werden.

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Veröffentlichungsjahr: 2008

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Inhaltsverzeichnis

 

1. Einleitung

2. Definition Mikrofinanz

3. Ziele

4. Mechanismen

4.1 Gruppenbildung

4.2 Gruppenüberwachung

4.3 Dynamische Anreize

4.4 Feste Rückzahlungspläne

5. Mikrofinanz im Kontext der Armutsbekämpfung

6. Einordnung in die Politik von Weltbank und IWF

7. Auswirkungen

7.1 Armutsbekämpfung

7.2 Stärkung der Frauen

8. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

 

1. Einleitung

 

In den vergangenen Jahren hat die Verbreitung von Mikrofinanzprogrammen stark zugenommen. Wo für das Jahr 2000 noch rund 13,8 Mio. Teilnehmer entsprechender Programmen gemeldet waren, hat sich diese Zahl bis ins Jahr 2007 auf ca. 92,9 Mio. Kunden vervielfacht. Ebenso hat sich die Anzahl der erfassten Mikrofinanzunternehmen im gleichen Zeitraum von 1567 auf 3316 Institutionen gesteigert.{1} Solche Angaben deuten darauf hin, dass Mikrofinanzprodukte für die Anbieter ein lohnendes Geschäft sind. Diese Arbeit möchte untersuchen, ob auch die Kunden solcher Produkte profitieren und darüber hinaus mit Mikrofinanz Beiträge zur Entwicklung sowie Armutsbekämpfung rückständiger Länder geleistet werden. Nach der Definition (2.) und der Beschreibung der Ziele von Mikrofinanz (3.) werden die Mechanismen (4.) erläutert. Anschließend werden Mikrofinanzprogramme sowohl in den Kontext der Armutsbekämpfung gestellt (5.), als auch in die Politik von Weltbank und IWF eingeordnet (6.). Schließlich werden mittels empirischen Materials die Auswirkungen (7.) betrachtet und eine Schlussfolgerung gezogen (8.). Bei der gesamten Vorgehensweise soll der Fokus auf dem am meisten verbreiteten Mikrofinanzprodukt, dem Mikrokredit, liegen.

 

 

2. Definition Mikrofinanz

 

Unter dem Begriff Mikrofinanz sind kommerzielle Finanzdienstleistungen für Personenkreise mit niedrigem Einkommen zu verstehen. Die Anbieter von Finanzdienstleistungen für Arme sind die Mikrofinanzinstitutionen. Mikrokredite sind charakterisiert als die temporäre Überlassung von Kaufkraft gegen einen Zins. Variationen davon sind Wagniskapital- oder Mikroleasingprodukte. Mikrofinanz beinhaltet aber auch Sparkonzepte und Mikroversicherungen, wobei Sparen typischerweise als Konsumverzicht bzw. der Überschuss des Einkommens über den Konsum definiert ist und Versicherungen in diesem Bereich etwa gegen Zahlungsunfähigkeit bei unerwarteten Ereignissen vorsorgen. Obwohl sich einige Formen der Mikrofinanz auch in den Industriestaaten etablieren, soll die Konzentration im Weiteren auf den Entwicklungsländern liegen.{2}

 

 

3. Ziele

 

Das übergeordnete Hauptanliegen von Mikrofinanzprogrammen ist die Bekämpfung von Armut. In Entwicklungsländern, und dort insbesondere in ländlichen Gegenden, haben die Menschen in der Regel keinen Zugang zum formalen Finanzsystem. Dadurch, dass sie keine Sicherheiten aufweisen können, werden Sie von Kreditanbietern als kreditunwürdig eingestuft. Mikrofinanzprogramme können diesem Personenkreis Zutritt zu Kleinstkrediten oder anderen Finanzprodukten verschaffen. Entsprechende Kredite können, eine sinnvolle Verwendung vorausgesetzt, Einkommen generieren. Der Mikrokredit kann etwa im Zuge der Existenzgründung das notwendige Kapital für Investitionen liefern. Die Beschaffung von Kapital auf informellem Wege (Nachbarn, Familienangehörige, Ladenbesitzer) kommt für solche Zwecke oftmals nicht in Betracht, da hier unverhältnismäßig hohe Zinssätze verlangt werden, die selten von der Rendite einer Investition übertroffen werden.{3}

 

Ein weiteres Ziel, dass sich indirekt aus der Armutsreduzierung ergibt, ist die Emanzipation und Stärkung von Frauen. Das resultiert daraus, dass der Frauenanteil unter den Armen besonders hoch ist. Die Ausstattung von Frauen mit finanziellen Mitteln aus Mikrofinanzprogrammen stärkt deren Unabhängigkeit. Zudem ist bei Frauen im Gegensatz zu Männern die Tendenz zu beobachten, dass mehr Geld im Haushalt und für das Wohl der Familie ausgegeben wird. Auch erweisen sich Frauen als finanziell verantwortungsbewusster, was sich in besseren Rückzahlungsquoten und einer effizienteren Verwendung des Kapitals äußert. Zur Zielgruppe vieler Mikrofinanzprogramme gehören deshalb explizit Frauen.{4}

 

Darüber hinaus muss ein Zielkonflikt berücksichtigt werden, vor dem Mikrofinanzinstitutionen stehen. Die Ziele Nachhaltigkeit der Finanzierung und Breitenwirkung stehen im Gegensatz zueinander. Die Informationsasymmetrien zwischen Kreditnehmer und –geber machen eine Kreditwürdigkeitsprüfung durch das Kreditinstitut notwendig. Da sich die Kreditsumme im Mikrobereich bewegt, sind die relativen Transaktionskosten besonders hoch. Zudem scheitern die Projekte von Kleinunternehmern überproportional oft. Vor diesem Hintergrund kann von operationaler Nachhaltigkeit gesprochen werden, wenn das Mikrofinanzunternehmen mit seinem Geschäft die Verwaltungskosten decken kann. Von finanzieller Nachhaltigkeit wird gesprochen, wenn die gesamten Kosten gedeckt werden können. Wird letzterer Fall nicht erreicht, muss das Mikrofinanzunternehmen staatlich subventioniert oder durch Spenden unterstützt werden. Eine andauernde Unterstützung gefährdet jedoch die Existenz der Bank, da sich Spender abwenden können. Außerdem können Subventionen Fehlanreize hinsichtlich der effizienten Verwendung des Budgets darstellen. Finanzielle Nachhaltigkeit wird angestrebt, indem das Mikrofinanzinstitut Kunden mit gutem Kreditrisiko wählt. Dies geht jedoch zu Lasten der Verbreitung von Mikrokrediten, weil dann tendenziell weniger Menschen erreicht werden. Im Umkehrschluss dazu muss angenommen werden, dass mit steigender Anzahl der Kreditnehmer die Wahrscheinlichkeit schlechter Kreditrisiken steigt und damit die laufenden Kosten zu Lasten der Nachhaltigkeit größer ausfallen.{5}

 

 

4. Mechanismen

 

Im Folgenden soll auf die für Mikrofinanz typischen Mechanismen eingegangen werden. Dabei handelt es sich um einen theoretischen Überblick über Gruppenbildung, Gruppenüberwachung, dynamische Anreize und feste Rückzahlungspläne. Alle Mechanismen haben gemeinsam, dass sie einen Ersatz für die sonst bei Standardkrediten üblichen Sicherheiten darstellen.{6}

 

4.1 Gruppenbildung

 

Vor dem Hintergrund unvollkommener Kreditmärkte bekommen gruppenbasierte Kreditmodelle eine wichtige Bedeutung. Dem Kreditgeber entstehen für die Einholung von Informationen über den Kreditnehmer bzw. dessen Projekts Kosten. Diese Informationen sind bei Mikrofinanzgeschäften insbesondere deshalb notwendig, weil Kreditnehmer in der Regel keine Sicherheiten haben. Bei  Mikrokrediten stehen diese Kosten in einem Missverhältnis zur geringen Kreditsumme. Dieses Problem wird dadurch umgangen, dass eine Gruppe von Kreditnehmern die gemeinsame Verantwortung für die Rückzahlung trägt. Falls ein Gruppenmitglied nicht zurückzahlen kann, muss dies die Gruppe übernehmen. Bereits bei der Bildung der Gruppe kommt es zu einer Trennung von guten und schlechten Kreditrisiken, weil die Kreditnehmer im eigenen Interesse untereinander Informationen über sich sammeln. Dies geschieht recht unaufwändig, wenn es sich dabei um Menschen handelt, die nah in ihrer Gemeinschaft zusammen leben. Jemand mit einem guten Kreditrisiko ist daran interessiert, in seiner Gruppe ebenfalls nur gute Risiken zu versammeln. Bei diesem Gruppenbildungsprozess bleiben die schlechten Kreditrisiken übrig und müssen sich zu einer eigener Kreditgruppe zusammenschließen.  Das Problem der adversen Selektion wird damit reduziert. Im Ergebnis führt das Übertragen der Verantwortung der Gruppenbildung auf die Kreditnehmer zu höheren Rückzahlungsraten, niedrigeren Zinssätzen und sozialer Wohlfahrt.{7}

 

4.2 Gruppenüberwachung

 

Vor demselben Hintergrund der gemeinsamen Verantwortung über den Kreditvertrag wird das Moral-Hazard-Problem angegangen. Die Gruppenmitglieder überwachen sich gegenseitig, um Missbrauch zu verhindern. Sofern einzelne Mitglieder unwillig oder unfähig sind, ihre Rückzahlung zu leisten, kann die Gruppe dem entgegenwirken. Die Kosten für die Überwachung der Rückzahlung tragen folglich die Kreditnehmer. Die Gruppenüberwachung ist deshalb wirkungsvoll, weil bei individuellen Krediten lediglich die Sanktionen der Bank zu tragen sind. Bei Gruppenkrediten müssen jedoch zusätzlich die Sanktionen der Gruppe getragen werden. Diese sind umso höher, je größer der soziale Zusammenhalt der Gruppe ist. Die Gruppenüberwachung kann optimiert werden, indem eine ideale Gruppengröße gewählt wird. So dürfen Gruppen nicht zu klein sein, um Zahlungsausfälle kompensieren zu können. Die Gruppen dürfen aber auch nicht zu groß sein, um Free-Rider-Erscheinungen zu minimieren.{8}

 

4.3 Dynamische Anreize

 

Dieser Mechanismus beinhaltet, dass zunächst nur geringe Kreditsummen verliehen werden, die jedoch bei erfolgreicher Rückzahlung kontinuierlich steigen. Die progressive Vorgehensweise stellt für Mikrofinanzunternehmen eine gute Möglichkeit gar, den Kreditnehmer auf seine Kreditwürdigkeit zu testen, ohne zu Beginn zu große finanzielle Risiken einzugehen. In der Aussicht auf immer höhere Kreditsummen hat der Kreditnehmer einen erhöhten Anreiz zur Rückzahlung. So kann sich zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber eine Geschäftsbeziehung entwickeln. Das Prinzip funktioniert in ländlichen Gegenden, dort, wo die Mobilität der Kreditnehmer am geringsten ist, am besten. Insbesondere Frauen stehen unter diesem Gesichtspunkt wieder im Fokus der Kreditgeber, weil sie durch ihre Rolle im Haushalt eine angenommene niedrigere Mobilität haben. Bei hoher Mobilität bestünde die Gefahr, dass der Kreditnehmer Leistungen ohne Rückzahlung in Anspruch nimmt und zu anderen Banken wechselt. Das Enddatum des letzten Kreditvertrages sollte unbekannt sein, weil andernfalls wiederum ein Anreiz besteht, die letzte Rate nicht zurückzuzahlen bzw. überhaupt erst keinen letzten Kredit zu gewähren.{9}

 

4.4 Feste Rückzahlungspläne

 

Im Unterschied zu normalen Geschäftskrediten, bei denen die Tilgung erst nach der Investition und zum Ende des Vertrages beginnt, startet die Rückzahlung von Mikrokrediten oftmals bereits unmittelbar nach der Auszahlung und setzt sich anschließend regelmäßig fort, was meistens auf einer wöchentlichen Basis geschieht. Dies setzt bei den Kreditnehmern eine zweite Rückzahlungsquelle voraus, da das Investitionsprojekt in der Regel zu Beginn keine Erträge abwirft. Somit kommen nur Haushalte in Frage, die einen steten Einkommensfluss neben dem riskanten Investitionsprojekt haben. Die ärmsten Haushalte, die diesen Einkommensfluss nicht haben, werden ausgeschlossen; insbesondere dann, wenn ihr Einkommen von saisonalen Faktoren abhängig ist. Der Vorteil dieser Rückzahlungsmodalitäten ist, dass undisziplinierte Kreditnehmer frühzeitig herausgefiltert werden können, was sowohl dem Mikrofinanzunternehmen als auch den Gruppenmitgliedern zu Gute kommt.{10}

 

 

5. Mikrofinanz im Kontext der Armutsbekämpfung

 

Als ein Hauptanliegen von Mikrofinanzprogrammen gilt die Bekämpfung von Armut, vor allem in den Entwicklungsländern. In einer einfachen Definition der Weltbank gelten alle Menschen als arm, die täglich mit weniger als einem US-Dollar auskommen müssen. Nach einer Schätzung von 2001 fallen rund 1,1 Mrd. Menschen unter diese Grenze. Den größten Anteil machen dabei die Regionen Süd-Ost-Asien und Afrika südlich der Sahara aus.{11} Daneben existieren zahlreiche weitere Ansätze, wie Armut identifiziert und gemessen werden kann. Der Ansatz der monetären Armut, der in seiner Analyse auf den einzelnen Haushalt abstellt, ähnelt der Definition der Weltbank und spricht dementsprechend von Armut, wenn das Einkommen unter einer bestimmten Grenze liegt. Annahmegemäß wird hier die Nutzenmaximierung des Individuums unterstellt. Wohlfahrt wird also mit dem genossenen Konsum gemessen. Der Ansatz berücksichtigt jedoch keine sozialen Ressourcen wie Bildung oder Gesundheit. Der Befähigungs-Ansatz hingegen geht von Armut aus, wenn das Individuum nicht in der Lage ist, bestimmte grundlegende Fähigkeiten oder Potenziale zu erreichen. Hier gibt es jedoch Probleme mit Unstimmigkeiten bei multidimensionalen Merkmalen. Das Konzept des sozialen Ausschlusses beschäftigt sich eher mit Armut in Überflussgesellschaften. Es wird jeweils auf das Verhältnis von Individuen oder Gruppen zu anderen abgestellt. Zuletzt definiert der Teilhabe-Ansatz Armut nach der Wahrnehmung der Betroffenen.{12}

 

Da Armut eine der größten Herausforderungen der Welt ist, steht die Bekämpfung dieser im Mittelpunkt von Entwicklungspolitik. Im so genannten Armuts-Ungleichheits-Wachstums-Dreieck werden die Beziehungen zwischen diesen Determinanten verdeutlicht. Demzufolge müssen für die Armutsreduzierung sowohl das Wachstum erhöht, als auch die Ungleichheit mittels distributiven Maßnahmen verringert werden. In welchem Maße dies zu geschehen hat, hängt von länderspezifischen Gegebenheiten und der Distributions- und Wachstumselastizität ab. Um den optimalen Mix aus beiden Maßnahmen zu gewährleisten, ist es zudem erforderlich, die relativen Kosten beider Fronten zu kennen. Wachstum und Distribution sind interdependent, haben also gegenseitig Auswirkungen aufeinander.{13} Nach Bainous Kargbo kann die praktische Armuts- und Ungleichheitsbekämpfung in drei Teile gegliedert werden: Sicherheitsnetze (etwa öffentliche Arbeit, Geldtransfers, Subventionen für Güter oder Humankapital, Sozialfonds), soziale Mediation (Geschäftsentwicklung, Schulung von Kleinunternehmern) und Mikrofinanz (Mikrokredit, Mikrosparen, Mikroversicherungen).{14}

 

 

6. Einordnung in die Politik von Weltbank und IWF

 

Damit Entwicklungsländer in den Genuss von Entwicklungshilfe der Weltbank oder des IWF kommen können, müssen sie sich strukturellen Anpassungen unterziehen, da etwa eine entsprechende Kreditvergabe an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. Die marktliberale Sichtweise dieser Institutionen wendet sich gegen staatliche Eingriffe in den Markt, da diesem grundsätzlich die Fähigkeit zugeschrieben wird, sich selbst zu regulieren. Nur bei dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage kommt es zu einer optimalen Allokation der Ressourcen. Andernfalls werden Faktorpreise verzerrt und es entstehen binnen- und außenwirtschaftliche Ungleichgewichte, was Entwicklung behindert oder unmöglich macht. Insofern bestehen die Strukturanpassungsmaßnahmen darin, Wechselkurse freizugeben, den Außen- und Binnenhandel zu deregulieren sowie den Staat aus dem Wirtschaftsgeschehen zurückzuziehen.{15} Diese Maßnahmen sind die Antwort auf die in vielen Entwicklungsländern sich seit den 1970er Jahren abzeichnende wirtschaftliche Abwärtsspirale, die mit zurückgehenden Anteilen im Welthandel begann und über sinkende Exporterlöse, fallender Kaufkraft und Investitionen zu Entindustrialisierung und Schattenwirtschaft führte. Ursache für die sinkenden Anteile ist die gestiegene Produktivität in den entwickelten Staaten, so dass Entwicklungsländer trotz vielfach niedrigerer Reallöhne immer seltener komparative Kostenvorteile realisieren können. Fragwürdig ist deshalb, ob mit Mikrofinanzprogrammen die Entwicklung und damit in erster Linie ein Wachstum der verarbeitenden Industrie in den entsprechenden Ländern vorangetrieben wird. Dazu müsste das aus den Krediten verwendete Kapital die Produktivität solcher Industrien steigern, mit deren Produkten auf dem Weltmarkt gehandelt werden kann. Geldkapital müsste also in stoffliches Kapital umgewandelt und ökonomische Überschüsse wieder investiert werden.{16}

 

Private Mikrofinanzprogramme reihen sich in das marktliberale Paradigma von Weltbank und IWF ein. Anstatt Hilfsgelder oder Subventionen an die Ärmsten zu verteilen, die womöglich zweckentfremdet werden, sollen private Kleinkredite für eigenverantwortliches Handeln sorgen. Die Etablierung von Mikrofinanzinstitutionen wird deshalb von der Weltbank unterstützt, was sich in zahlreichen positiv gestimmten Studien widerspiegelt. Aber auch die Vereinten Nationen fördern die Mikrofinanz und haben deshalb 2005 zum Jahr der Mikrokredite ausgerufen.{17}

 

 

7. Auswirkungen

 

7.1 Armutsbekämpfung

 

Zahlreiche Studien belegen, dass Mikrofinanzprogramme positive Auswirkungen auf die Bekämpfung von Armut haben. Der Anzahl der empirischen Erhebungen überschreitet jedoch den Umfang dieser Arbeit, so dass lediglich exemplarisch auf die wichtigsten Studien eingegangen werden kann. So kommt eine Studie der Weltbank, die sich auf Bangladesh bezieht, zu dem Schluss, dass Mikrofinanz den Pro-Kopf-Konsum und das Haushaltsvermögen erhöht, was über externe Effekte auch die regionale Wirtschaft insgesamt nicht unberührt lässt. Grund dafür sind Einkommenserhöhungen in den einzelnen Haushalten, die auch oftmals dadurch zustande kommen, dass Mikrokredite Einkommensgenerierende Tätigkeiten erst ermöglichen. Einhergehend mit der Erhöhung von Einkommen sind Verbesserungen in der Ernährung, der Bildung und der Familienplanung.{18} Auch der Ernährungs- und Gesundheitszustand von Kindern wird gemäß einer sich ebenfalls auf Bangladesh beziehenden Studie verbessert.{19} Dennoch darf über Mikrofinanz kein Pauschalurteil gefällt werden. Es ergeben sich beispielsweise je nach Region, dem verwendeten Modell oder den Eigenschaften der Klienten gravierende Unterschiede. Eine einheitliche, globale Strategie zur Bekämpfung von Armut ist also nicht möglich.{20} Darüber hinaus muss berücksichtigt werden, dass ein Teil des Erfolgs von Mikrofinanzprogrammen aus dem Streben der Kreditgeber resultiert, besonders Erfolgversprechende Klienten auszuwählen. Um finanziell nachhaltig wirtschaften zu können und beste Rückzahlungsquoten zu erzielen, sind Mikrofinanzinstitutionen auf Kreditnehmer angewiesen, deren Projekt möglichst rentabel und gleichzeitig möglichst risikoarm ist. Deshalb bewirken Mechanismen bei der Auswahl der Klienten, dass Kunden mit unternehmerischem Potenzial eher berücksichtigt werden. Dieser besonders fähige Personenkreis würde jedoch möglicherweise auch ohne Mikrofinanzprogramme der Armut entfliehen können. Es gilt also, Netto- von Bruttoauswirkungen zu unterscheiden. Diese Verzerrungen bei der Auswahl der Klienten machen es ebenso schwierig, Vergleichsgruppen für die Studien zu finden.{21} Nach einer Studie der EDA Rural Systems, die sich auf Indien bezieht, entscheidet der Grad der Armut, in welchem Maße ein Mikrokredit das Einkommen des jeweiligen Haushalts erhöht. Danach profitieren ärmere Haushalte in stärkerem Maße als weniger arme.{22} Bainous Kargbo hat den Großteil der vorhandenen Studien systematisch ausgewertet. Seine Meta-Analyse liefert deshalb ein umfassendes Bild. Sie berücksichtigt insgesamt 136 verschiedene Studien, wovon 77 positive Auswirkungen hinsichtlich der Wohlfahrt der Klienten aufweisen. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass die Effekte in Asien und Lateinamerika viermal stärker sind als in Afrika.{23}

 

7.2 Stärkung der Frauen

 

In vielen Regionen der Welt herrscht oftmals kein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen Mann und Frau, was häufig auf fehlende wirtschaftliche Mittel zurückzuführen ist. Bezeichnend dafür ist, dass Frauen 85,2 % aller Klienten von Mikrofinanzprogrammen ausmachen.{24} Die empirischen Erhebungen zu diesem Thema kommen meistens durch Befragungen der Betroffenen zustande. Als ein Merkmal, mit dem die Stärkung von Frauen beurteilt werden kann, gilt Entscheidungsgewalt. In den entsprechenden Studien wurden Entscheidungen in der Familienplanung, der Anschaffung und dem Verkauf von Eigentum oder der Kindererziehung berücksichtigt. Unabhängig davon, wie die Entscheidungsgewalt im Einzelnen definiert ist oder gemessen wird, ist ein tendenziell positiver Einfluss von Mikrofinanzprogrammen auf die Entscheidungsgewalt von Frauen zu erkennen. Ebenso weisen solche Studien darauf hin, dass Frauen, die an Mikrofinanzprogrammen teilnehmen, häufiger die Haushalts- oder Unternehmensfinanzen verwalten. Das häusliche Geschlechterverhältnis kann sich zugunsten der Frau entwickeln und das Sozialprestige des dominanten Ehemannes überwunden werden. Obwohl die Befürchtung besteht, dass die gestiegene ökonomische Macht der Frau dominante Männer herausfordern könnte und häusliche Gewalt hervorrufen oder steigern könnte, scheinen Mikrofinanzprogramme das Gegenteil zu bewirken. Dies wird damit begründet, dass die verbesserte ökonomische Macht der Frau der Familie zu Gute kommt und die Familienbeziehung verbessert. Die Familie stellt nun einen behaglichen Ort der Sicherheit dar, in dem jedes Mitglied seinen produktiven Teil beitragen kann. Der Frust über die Armut reduziert sich und der Respekt gegenüber der Frau steigt. Außerdem können die Mittel aus Mikrofinanzprogrammen Frauen in die Lage versetzen, missbräuchlichen Beziehungen zu entfliehen. Als Folge gestiegener Entscheidungsgewalt ist auch eine Gleichstellung von Mädchen und Jungen zu erkennen, was sich im gleichen Zugang von Mädchen zu Nahrung, Bildung und Gesundheitsfürsorge äußert. Darüber hinaus weisen Studien darauf hin, dass die Rolle der Frau in der Gemeinschaft bzw. Gesellschaft gestärkt wird. Frauen, deren Arbeit bzw. Werk traditionell unterbewertet ist, erfahren durch die Gesellschaft Anerkennung, wenn sie mit ihrem Geschäft erfolgreich sind. Die Gemeinschaft erlaubt es ihnen nunmehr in Bereichen teilzuhaben, wo sie vorher ausgeschlossen waren. Indirekt werden auch das Bewusstsein für Frauenrechte und das politische Bewusstsein gestärkt. Obwohl dies meistens kein explizites Ziel von Mikrofinanzprogrammen ist, erfahren die Frauen durch das Mitwirken in Kreditgruppen oder Leihcentern politische Bildung; etwa Kenntnisse über Parteien, Prozesse, Kanäle und Einflüsse. Erfahrungen als Führungspersonen im Rahmen der Mikrofinanz können eine Motivation für das Engagement in politischen Ämtern sein. Vereinzelt bieten manche Programme auch gezielt Trainingsprogramme für die Bildung eines politischen Bewusstseins an.{25}

 

 

8. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

 

Bainous Kargbo, Stephen (2006): Microfinance Against Poverty – A Meta-Analysis of Reported Impacts in Developing Countries, Diss., 1. Auflage, Cuvillier, Göttingen

 

Bhatt, Nitin/Tang, Shui-Yan (2001): Designing Group-Based Microfinance Programs: Some Theoretical and Policy Considerations, in: International Journal of Public Administration, Bd. 24/2001, 10, S. 1103 – 1125, Philadelphia

 

Bourguignon, Francois (2004): The Poverty-Growth-Inequality Triangle, Working Paper No. 125, Indian Council for Research on International Economic Relations, Neu Delhi