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Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. Simone Krössmann betrachtete ihre bildhübsche Tochter Alina, während die ihr einen langen Vortrag hielt, wieder einmal mit zunehmender Fassungslosigkeit und Ungeduld, aber sie unterbrach sie nicht. Erst als Alina sagte: »So sehe ich das, und daran wird sich auch nichts ändern«, setzte Simone zu einer entschiedenen Erwiderung an. »Ich kenne deine Ansichten, und mir ist klar, dass du daran festhalten wirst, aber stell dir vor: Bei mir ist es genauso, ich halte in diesem Fall an meiner Meinung ebenfalls fest und finde immer noch, dass du falsch legst, auch wenn du mir noch hundert Mal das Gegenteil beweisen willst.« Alina setzte zu einem neuen Vortrag an, verzichtete dann jedoch darauf. »Ich verstehe dich nicht, Mama«, sagte sie. »Bei deiner Geschichte müsstest du es eigentlich …« An dieser Stelle war Simones Geduld am Ende. Sie erwiderte mit deutlicher Schärfe in der Stimme: »Lass meine Geschichte aus dem Spiel. Und hör auf, sie als Erklärung für deine Absichten heranzuziehen. Du bist erwachsen, du kannst selbstverständlich tun und lassen, was du willst, aber beklag dich später nicht, wenn es schiefgegangen ist und erwarte nicht, dass ich dich bedauere.« Alina stand auf, es war also wieder einmal so weit. Wann immer sie über dieses eine spezielle Thema sprachen, landeten sie da, wo sie jetzt waren: Sie stritten sich. Dabei stritten sie sonst eigentlich nie. »Setz dich wieder«, bat Simone müde. »Wir müssen dieses Theater doch nicht jedes Mal aufführen, wenn wir über deine Heiratspläne sprechen, oder? Am besten, wir lassen es auf sich beruhen. Du tust, was du für richtig hältst, und ich frage nicht mehr danach.«
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Simone Krössmann betrachtete ihre bildhübsche Tochter Alina, während die ihr einen langen Vortrag hielt, wieder einmal mit zunehmender Fassungslosigkeit und Ungeduld, aber sie unterbrach sie nicht. Erst als Alina sagte: »So sehe ich das, und daran wird sich auch nichts ändern«, setzte Simone zu einer entschiedenen Erwiderung an.
»Ich kenne deine Ansichten, und mir ist klar, dass du daran festhalten wirst, aber stell dir vor: Bei mir ist es genauso, ich halte in diesem Fall an meiner Meinung ebenfalls fest und finde immer noch, dass du falsch legst, auch wenn du mir noch hundert Mal das Gegenteil beweisen willst.«
Alina setzte zu einem neuen Vortrag an, verzichtete dann jedoch darauf. »Ich verstehe dich nicht, Mama«, sagte sie. »Bei deiner Geschichte müsstest du es eigentlich …«
An dieser Stelle war Simones Geduld am Ende. Sie erwiderte mit deutlicher Schärfe in der Stimme: »Lass meine Geschichte aus dem Spiel. Und hör auf, sie als Erklärung für deine Absichten heranzuziehen. Du bist erwachsen, du kannst selbstverständlich tun und lassen, was du willst, aber beklag dich später nicht, wenn es schiefgegangen ist und erwarte nicht, dass ich dich bedauere.«
Alina stand auf, es war also wieder einmal so weit. Wann immer sie über dieses eine spezielle Thema sprachen, landeten sie da, wo sie jetzt waren: Sie stritten sich. Dabei stritten sie sonst eigentlich nie.
»Setz dich wieder«, bat Simone müde. »Wir müssen dieses Theater doch nicht jedes Mal aufführen, wenn wir über deine Heiratspläne sprechen, oder? Am besten, wir lassen es auf sich beruhen. Du tust, was du für richtig hältst, und ich frage nicht mehr danach.«
Das Wunder geschah, Alina setzte sich wieder. »Das wird nicht klappen, und das weißt du. Ich will mit dir darüber reden, wenn ich jemanden kennengelernt habe, und du wirst sofort mit dieser spitzen Stimme fragen, ob er denn in meinen Augen auch genug Geld hat.«
Nun war es Simone, die aufstand. Sie tat es, um nicht erneut etwas zu sagen, das ihre Tochter auf die Palme brachte. »Ich koche uns noch einen Tee«, schlug sie stattdessen vor.
Die vertrauten Handgriffe in der Küche beruhigten sie. Sie hätte nicht sagen können, warum sie sich jedes Mal von Neuem aufregte, wenn Alina über die Männer sprach, die ›in der engeren Auswahl‹ standen. Es war nämlich so, dass ihre Tochter die feste Absicht hatte, in nicht allzu ferner Zukunft einen Mann mit beträchtlichem Vermögen zu heiraten.
Aktuell standen, wenn Simone richtig gezählt hatte – sie war mit ihren Gedanken öfter abgeschweift, weil Alinas Ausführungen sie so genervt hatten – drei Kandidaten zur Auswahl. Oder eigentlich nur zwei, denn einer war ›nicht einmal Millionär‹, wie Alina kritisch angemerkt hatte, er kam also im Grunde nicht infrage. Simone seufzte leise. Natürlich wusste sie, was ihre Tochter auf die Idee gebracht hatte, sie müsste unter allen Umständen einen reichen Mann heiraten, aber das machte die Sache nicht besser. Ganz im Gegenteil sogar.
Sie goss den Tee auf und trug ihn ins Wohnzimmer, wo Alina sich mittlerweile auf dem Sofa ausgestreckt und die Augen geschlossen hatte.
»Bist du müde?«
»Ein bisschen kaputt, wie immer am Wochenende. Physiotherapie ist einfach ein Knochenjob, aber das wusste ich ja vorher. Ich mache die Arbeit trotzdem gern. Außerdem … wer weiß, wie lange ich überhaupt noch arbeiten muss.«
Simone biss sich auf die Lippen, um nichts Unbedachtes zu sagen und ihre Tochter erneut zu reizen. Sie musste es irgendwie schaffen, das Thema ›Heirat mit einem reichen Mann‹ in Zukunft zu umgehen. Sie war die Streiterei mit den immer gleichen Argumenten und Gegenargumenten leid. Es gab dazu nichts Neues mehr zu sagen, jedenfalls nicht von ihrer Seite aus.
Sie hoffte, seit Alina zum ersten Mal von ihren Plänen berichtetet hatte, dass ihre Tochter mit der Zeit zur Vernunft kommen würde. Alina war ja erst dreiundzwanzig Jahre alt. Von Liebe hatte sie keine Ahnung, nicht einmal war sie richtig verliebt gewesen. Stattdessen hatte sie diesen erschreckend nüchternen Blick auf alles, was Gefühle betraf. Natürlich, auch dafür gab es Gründe, aber manchmal fragte sich Simone doch, ob es allein ihre, Simones, Geschichte war, die Alina so kühl und berechnend auf alles blicken ließ, was mit Beziehungen zusammenhing.
Sie wollte jedenfalls einen reichen Mann heiraten und mit diesem sofort einen Ehevertrag abschließen, der sie für den Fall des Scheiterns der Ehe absicherte. »Er sollte zumindest nett und einigermaßen klug sein, ich will natürlich keinen Sadisten oder so heiraten, nur weil er reich ist. Aber mir ist egal, wie er aussieht. Wenn er lustig wäre, das fände ich schön, aber die Hauptsache ist, dass er Geld hat.«
Wie oft hatte sie solche und ähnliche Sätze von Alina gehört? Sie versuchte, sich zu erinnern, wann ihre Tochter angefangen hatte mit diesen Reden, aber es fiel ihr nicht ein. Auf jeden Fall ging es schon länger so. Sie hatte ja auch ihren Beruf in der Physiotherapie ganz bewusst gewählt. »Da komme ich den Patienten nahe, ich erfahre eine Menge über sie. Und ob sie Geld haben oder nicht, kriege ich schnell raus. Und auch, ob sie alleinstehend sind oder glücklich verheiratet. Auf jeden Fall rechne ich mir gute Chancen aus, meinen zukünftigen Mann am Arbeitsplatz kennenzulernen. Natürlich lasse ich mich auf nichts ein, so lange jemand bei mir in Behandlung ist, aber danach …«
Simone hatte diese Reden am Anfang nicht ernst genommen, mittlerweile wusste sie es besser. Alina verfolgte ihr Ziel mit großer Ernsthaftigkeit. Zum Glück, dachte Simone, hatte sie bis jetzt den idealen Heiratskandidaten unter ihren reichen Patienten noch nicht gefunden. Sie konnte nur hoffen, dass das auch in den nächsten Jahren nicht passierte, dann blieb immerhin die Hoffnung, dass ihre Tochter, wenn sie älter und reifer wurde, ihre Haltung änderte.
Alina setzte sich soweit auf, dass sie ihren Tee trinken konnte. Sehr jung und sehr verletzlich sah sie aus, dachte Simone, und einmal mehr wünschte sie sich, sie könnte ihre Tochter vor allem Leid, das möglicherweise auf sie wartete, beschützen. Doch das würde natürlich nicht möglich sein, auch wenn Alina sich einbildete, viel Geld wäre eine sichere Schutzmauer gegen Unglück.
Alina rutschte, nachdem sie zwei Tassen Tee getrunken hatte, wieder nach unten, und wenig später schlief sie.
Simone blieb sitzen und betrachtete ihre schöne Tochter. Die schöne Tochter eines schönen Vaters. Friedrich Krössmann, schwarzhaarig, blauäugig wie Alina, groß gewachsen, von umwerfendem Charme, erfolgreich, weltgewandt und liebenswürdig. Aber auch jähzornig und unbeherrscht, jedenfalls zu Hause, in der Öffentlichkeit weniger. Sie hatte ihn vom ersten Moment an geliebt. Wie denn auch nicht? Sie war selbst damals sehr hübsch gewesen, aber neben ihm war sie sich unscheinbar vorgekommen. Er hatte immer so geleuchtet, dass alle Augen sich sofort auf ihn richteten. Neben ihm war jeder Mensch verblasst. Aber er hatte sie geheiratet, Simone, ihr geschworen, er würde keine andere Frau mehr ansehen, und dann war Alina auf die Welt gekommen, sein kleines Ebenbild. Er war verrückt nach seiner Tochter gewesen, und sie nach ihm.
Aber natürlich hatte ihm das auf Dauer nicht gereicht. Vier Jahre lang waren sie eine Familie gewesen, dann war er, der Klassiker schlechthin, eines Tages zum Kiosk gegangen, um Zigaretten zu holen.
Drei Stunden lang hatte sie voller Angst und wachsender Panik auf ihn gewartet, bis endlich die Nachricht eingetroffen war, schriftlich: ›Bin auf dem Weg nach Paris und komme nicht wieder. Reich die Scheidung ein. Es tut mir leid, aber ich kann nicht anders. F.‹
Ein Albtraum, für sie und für Alina. Die Kleine hatte ihr die Schuld gegeben und noch jahrelang davon geredet, ihr Papa käme bestimmt, um sie zu holen.
Sie betrachtete ihre schlafende Tochter, bis deren Gesicht vor ihren Augen verschwamm und plötzlich zu Friedrichs Gesicht wurde. Da erst merkte sie, dass sie weinte.
Sie hatte in den ersten Jahren nach Friedrichs Flucht aus ihrem gemeinsamen Leben ständig geweint. Das war schon lange nicht mehr so. Sie lebte jetzt seit zwanzig Jahren allein, und sie hatte, wie man so sagte, ihr Leben in den Griff bekommen. Aber so glücklich wie in der Anfangszeit mit Friedrich war sie nie mehr gewesen. Einige Male war sie mit Männern ausgegangen, hatte aber diese Versuche schnell wieder eingestellt. Neben Friedrich konnte niemand bestehen – er überstrahlte auch in der Erinnerung noch immer alle und alles. Sie sah ihn mittlerweile durchaus kritisch, und sie hätte sich kein zweites Mal mit ihm eingelassen, aber die Gefühle, die er damals in ihr geweckt hatte, würde kein anderer Mann mehr wecken können, und das allein genügte für ihren Entschluss, allein zu bleiben. Sie war zwar nicht glücklich, aber eben auch nicht unglücklich.
Die ersten Jahre allein mit Alina waren freilich schlimm gewesen, für sie beide. Das Geld hatte hinten und vorne nicht gereicht, sie war ständig krank gewesen, hatte mehrere Jobs verloren, hatte einfach nirgends mehr richtig Fuß fassen können. Sie war ja blutjung gewesen, als sie Friedrich kennengelernt hatte, er bereits ein berühmter Regisseur, sie ein Mädchen, das gerade die Schule abgeschlossen, also noch keine Berufsausbildung gehabt hatte. Sein Geld hatte locker für sie beide gereicht, sie hatte nicht einmal darüber nachgedacht. Heute konnte sie nicht mehr nachvollziehen, wie unfassbar dumm und gutgläubig sie damals gewesen war.
Ja, es waren bittere Jahre gewesen nach seinem Weggang. Sie hatte eine vierjährige Tochter gehabt, für die sie sorgen musste. Ihre Eltern hatten sie unterstützt, so gut es ging, aber sie wusste noch genau, wie demütigend sie die Situation damals empfunden hatte. Sie hatte dann in ihrer Not eine Ausbildung in einer Bäckerei gemacht, weil sie immer gern gebacken hatte. Eigentlich hatte sie studieren wollen, aber daran war natürlich in ihrer Situation nicht zu denken gewesen, und letztlich, fand sie, hatte sie es in der Bäckerei ziemlich gut getroffen, denn sie war nach ihrer Ausbildung fest angestellt worden, und eines Tages würde sie den Betrieb übernehmen, so war es geplant. Ihre Arbeit hatte Alina und ihr zumindest den Lebensunterhalt gesichert, aber natürlich war es ein bescheidenes Leben gewesen, große Sprünge hatten sie nicht machen können. Der Mut, den Unterhalt von Friedrich einzuklagen, hatte ihr gefehlt, und später, als sie den Mut gehabt hätte, war sie zu stolz gewesen, ihn um Hilfe zu bitten. Er war von sich aus natürlich nicht einmal auf die Idee gekommen, dass er unterhaltspflichtig war, ein Mann wie er hatte Wichtigeres zu tun, als sich mit solchen Kleinigkeiten zu befassen.
War es also ein Wunder, dass Alina reich heiraten wollte, um der Enge, der stets drohenden Armut zu entfliehen?
Vermutlich nicht, dachte Simone. Ich habe ja auch nichts gegen einen vermögenden Schwiegersohn, wenn Alina den Mann liebt. Aber reich heiraten ohne Liebe, nur des Geldes wegen, das ist doch wirklich das Letzte!
Sie hörte ihre Tochter sagen: »Du hast aus Liebe geheiratet. Und was hat es dir gebracht? Den Fehler werde ich nicht machen, Mama, darauf kannst du dich verlassen.« Wie oft hatte sie sich diese Sätze anhören müssen?
Alina schlug die Augen auf. »Sag bloß, ich bin eingeschlafen.«
»Sieht ganz so aus, wahrscheinlich hattest du es nötig.«
»Wie lange habe ich denn geschlafen?«
»Ich weiß es nicht, ich habe nur hier gesessen, dich angesehen und meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Mir tut es auch mal gut, einfach nur dazusitzen und nichts zu tun.«
Alina richtete sich auf. »Ich muss nach Hause, Mama, ich habe noch einiges zu tun. Ich hatte während der Woche wenig Zeit, da sind Rechnungen liegen geblieben, gewaschen habe ich auch noch nicht, und die Wohnung sieht chaotisch aus. Ich weiß nicht, wie du es schaffst, dass bei dir nie was herumliegt.«
»Training«, sagte Simone trocken. »Und Erfahrung. Ich kenne meine Schwächen und versuche, ihnen nicht nachzugeben.«
»Du bist noch keine fünfzig, und du siehst toll aus. Warum willst du unbedingt allein bleiben?«
»Weil mir die eine Erfahrung gereicht hat. Offenbar bin ich keine gute Menschenkennerin, ich möchte so etwas wie mit deinem Vater kein zweites Mal erleben, das habe ich dir doch schon erklärt.«
Es hatte jahrelang gedauert, bis Alina verstanden hatte, dass ihr Vater nicht kommen und sie zu sich holen würde – und dass er nicht, wie sie sich eingeredet hatte, der Gute war, den ihre böse Mutter vertrieben hatte. Sie war schließlich zu einer Therapeutin gegangen, der es gelungen war, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Heute hatten Alina und Simone ein enges Verhältnis zueinander. Wenn sie stritten, dann nur über das eine leidige Thema.
»Die wenigsten Männer verhalten sich wie er und lassen ihre Frauen und Kinder einfach sitzen, Mama.«
»Ich weiß. Aber ich weiß auch, wie ich auf Wolken schwebte, weil er schließlich mich erwählt hatte. Ich werde dieses Gefühl nie vergessen, aber auch kein zweites Mal empfinden können. Und das würde jede weitere Beziehung, die ich einginge, belasten. Das will ich keinem sympathischen Mann zumuten, dass er von vornherein chancenlos wäre, ohne es zu wissen. Es wäre unfair von meiner Seite aus.«
»Dann solltest du vielleicht auch eine Therapie machen, wie ich damals.«
»Darüber denke ich gelegentlich nach«, gestand Simone.
Sie räumten das Teegeschirr in die Küche, dann umarmte Alina ihre Mutter und ging.
Simone war noch dabei, Tassen und Teller abzuwaschen, als ihr Telefon sich meldete.
»Ich habe leckere Hackfleischbällchen gemacht, viel zu viele für mich allein. Essen wir zusammen?«, fragte Kurt Nennheim.
Sie war ihm neulich bei ihrer besten Freundin Birgit Schaller begegnet. Birgit hatte wieder einmal eine bunte Gesellschaft zum Abendessen eingeladen, Simone hatte neben Kurt gesessen. Er war ein netter, äußerlich unscheinbarer Mann, der sie zum Lachen gebracht hatte mit seinen treffenden Bemerkungen über einen der Gäste, der sich am liebsten selbst reden hörte und offenbar annahm, er sei unwiderstehlich.
»Gern«, sagte Simone, ohne lange nachzudenken.
»Kommst du zu mir oder soll ich das Essen zu dir bringen?«
Auch jetzt dachte Simone nicht lange nach. »Ich komme zu dir«, sagte sie. »Alina war hier, sie ist noch nicht lange weg, und wir haben ein bisschen gestritten. Es wird mir guttun, ein paar Schritte zu gehen.«
»Dann bis gleich. Meine Adresse hast du ja.«
