Mission Wohnmobil - Ino Meier - E-Book

Mission Wohnmobil E-Book

Ino Meier

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Beschreibung

Die Eheleute Alina und Ino Meier erfüllen sich ihren Traum und möchten mit ihrem neuen Reisemobil an einer Wohnmobilrallye in Skandinavien teilnehmen. Sie geraten dadurch in Aktionen einer Drogenmafia. Sie werden verfolgt, gejagt und versuchen mit Hilfe ihrer Freunde aus dem Fadenkreuz herauszukommen... Der Roman spielt in Norwegen, Deutschland, Russland und in der Ukraine.

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Seitenzahl: 194

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Das Buch

Die Eheleute Alina und Ino Meier erfüllen sich ihren Traum und möchten mit ihrem neuen Reisemobil an einer Wohnmobilrallye in Skandinavien teilnehmen. Sie geraten dadurch in Aktionen einer Drogenmafia. Sie werden verfolgt, gejagt und versuchen mit Hilfe ihrer Freunde aus dem Fadenkreuz herauszukommen...

Der Autor

Ino Meier, Jahrgang 1961, lebt mit seiner Frau nahe der Landeshauptstadt Kiel. Nach dem Besuch des Gymnasiums absolvierte er 1979 eine Ausbildung als Friseur und ist seit 1985 als selbständiger Friseurmeister tätig. Seine große Leidenschaft ist das Umherreisen mit einem Wohnmobil bzw. das Campen.

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen,

wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung

oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich

verfolgt werden.

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Mission Wohnmobil

Ino Meier

Originalausgabe

Copyright: © 2015 Torsten Ino Meier

published by: epubli GmbH, Berlin

www.epubli.de

ISBN 978-3-7375-3085-9

Ino Meier

Für meine Frau

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 1

15. September

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl:

»Ich muss los, ich muss unbedingt auf Reisen gehen!« Und welcher Mann sagt sich nicht:

»Wenn ich einmal Rentner bin, dann kaufe ich mir ein Wohnmobil und werde damit durch die Welt reisen!«

Ich wollte nicht so lange warten und habe mir zusammen mit meiner Frau Alina nach langer Überlegung schon vorher den Traum erfüllt.

Und nun ist es soweit. Der lang ersehnte Tag ist gekommen. Das Wohnmobil, auch in Insiderkreisen "Wohni" genannt, ist da. Der Händler hat uns angerufen, wir können unser Fahrzeug abholen. Also lassen wir alles links liegen und ab geht es zur Hymer-Vertretung. Es sind nur zwanzig Kilometer Fahrt, aber bei dem dichten Verkehr erscheint es mir wie eine Ewigkeit. Endlich angekommen! Da vorne steht es! Unser Wohni! Und es möchte von uns bewegt werden!

Nach einer langen und ausführlichen Übergabe und Erklärungen über die Technik und das Zubehör sowie das Ausfahren der Markise oder das Aufstellen der Satellitenantenne können wir dann endlich los. Die erste Fahrt geht natürlich nach Hause und schon fragt man sich: Was brauchen wir alles und was muss alles eingeräumt werden? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Ein zweiter Haushalt muss her.

Alina kennt sich da gut aus, packt und verstaut alles Nötige, wobei ich für die Technik verantwortlich bin. Ich sage bewusst "Technik", denn wer schon einmal mit einem Wohni zu tun hatte, weiß, wovon ich spreche. Nun gut. Das Stromkabel kommt hinein und die Batterien werden geladen, jede Menge Wasser wird getankt. Wir wollen ja am nächsten Tag auch los und auf Jungfernfahrt gehen. Wie war das noch? Was hatte der Händler noch gesagt? Okay, das kann alles nicht so schwierig sein. Zwei Stunden später ist Wohni fahrbereit und es kann am nächsten Morgen losgehen. Unser Ziel: Schleswig-Holstein zur Ostsee nach Langballigau.

Die erste Ausfahrt ist schon sehr aufregend. Ich fühle mich wie ein Brummifahrer, ein König der Landstraße, ein echter Trucker. Die Dimensionen sind anders als beim Pkw, es geht alles viel langsamer vonstatten. Ein schönes Gefühl, Stolz gemischt mit Abenteuerlust. Dazu ein blauer Himmel, Sonnenschein und ein paar weiße Wolken.

Und dann nach monatelangem Träumen sehen wir schon von weitem den Wohnmobilstellplatz von Langballigau. Eine riesige Ansammlung von Campingfahrzeugen, militärisch aufgereiht und ausgerichtet. Ein kleines Dorf von Campern oder auch Wohnmobilisten, wie diese Gruppe sich nennt. Vergleichbar mit den Nomaden in der nordafrikanischen Wüste, jedoch hier direkt hinterm Strand der herrlich blauen Ostsee.

Was mache ich nun als Neuling in dieser neugierigen Ansammlung von Reisenden als Erstes? Unerwartete Unsicherheit macht sich bei mir bemerkbar.

»Wir brauchen einen freien Parkplatz«, meint Alina.

»Okay, dort in der zweiten Reihe ist noch ein freier. Da muss ich aber rückwärts hinein, damit wir dann auch so stehen wie alle anderen«, erwidere ich und lege sofort den Rückwärtsgang rein.

Und schon rumst es und ich spüre den Aufprall.

»Verdammt, ich habe etwas gerammt!« Mir wird ganz heiß. Ich steige aus dem Wagen und sehe den Ast hinter mir und Wohni mit einem zehn Zentimeter breiten Loch im Heck. Ich könnte heulen und doch muss ich die Tränen wegen den zusammengelaufenen Leuten verkneifen.

»Was mache ich jetzt?«

»Nun parke deinen Camper erst einmal richtig mit einem Einweiser ein und dann schauen wir uns deinen Schaden genauer an«, meint ein kleiner untersetzter Mann zu mir.

Ich schaue ihn mit großen Augen an und überlege. Natürlich, er hat recht. Also nochmals ein bisschen versetzt zurück und auf ein Zeichen des kleinen Dicken stoppen.

Der Wagen steht, jetzt eingereiht zu allen anderen.

»Darf ich mich vorstellen? Ich heiße Peter und das ist meine Freundin Jekaterina genannt Puschel.« Er zeigt auf eine Frau Anfang dreißig mit blonden Haaren und einen Kopf größer als er.

»Ja, hallo«, stottere ich, noch völlig aufgeregt. »Mein Name ist Ino und meine Frau ist die Alina.«

»Das mit dem Loch im Heck ist nicht so schlimm, das dichten wir vorübergehend mit Panzerklebeband ab. Dieses Zeug sollte übrigens schon ab dem Werk im Zubehör eines Wohnmobils sein. Dann kannste nächste Woche damit inne Werkstatt fahrn.« Ein durchweg freundlicher Mensch, dieser Peter. Und schon steht er auf einer Leiter und repariert die ersten Wunden unseres Wohnis. Alina, die in solchen Situationen immer einen kühlen Kopf behält, ruft plötzlich aus der Tür des Wohnmobils herausgebeugt:

»Meine Herren, ich habe kein Wasser für den Kaffee!«

»Wie kann das sein? Ich habe am Vorabend den Frischwassertank randlos gefüllt«, sage ich mir.

Und wieder ist Peter sofort zur Stelle.

»Kann es möglich sein, dass ihr den Wagen noch nicht so lange habt und ihr Neulinge seid?« Er steckt gleichzeitig den Kopf in unsere Heckgarage.

»Da haben wir den Fehler: Eure Absperrventile sind geöffnet und das Wasser ist langsam herausgelaufen. Und außerdem glaube ich, dass euer Wohnmobil noch quietscht. So neu scheint es zu sein.«

Kaum hat er das ausgesprochen, steht Alina schon mit einer Flasche gekühlten Sekt in der Tür.

»Dann wollen wir doch das Quietschen abstellen«, meint sie und zieht die Mundwinkel zu einem Grinsen leicht nach oben.

»Herzlichen Glückwunsch zum neuen Wohnmobil und herzlich willkommen in der Welt der Heimatlosen. Das dort drüben ist unser Zuhause«, sagt Peter und zeigt auf einen weißgrünen Weinsberg gegenüber. Ich schaue etwas genauer hin und was entdecke ich auf einem Campingklapptisch vor diesem Reisemobil?

...Einen Blumentopf mit einer gelben Plastikblume!

Was ich damit sagen möchte. Leute, passt auf! Solltet ihr auch zu dieser Gemeinschaft gehören und irgendwo auf der Welt auf ein Wohnmobil treffen, vor dem ein Tisch mit einer gelben Plastikblume steht, dann könnt ihr gewiss sein, ihr habt ihn entdeckt, ...den legendären Peter. Ich gebe euch einen Rat! Wenn ihr dann noch Zeit habt und ein ruhiges fröhliches Hobby beibehalten möchtet, so macht kehrt und fahrt so schnell wie ihr könnt zum nächsten oder gar übernächsten Stellplatz.

Nachdem wir nun schon seit circa drei Stunden echte Reisemobilisten geworden sind und auch schon erste Erfahrungen gemacht haben- mit Erfahrung meine ich nicht nur mein Ungeschick, sondern auch das positive Verhalten der Mitmenschen- lassen wir zu viert den ersten Tag mit saftigem Grillfleisch, Sekt und kühlem Bier ausklingen.

Es ist so schön, hier in freier Natur zu sitzen, den Sternenhimmel zu beobachten, sich Geschichten zu erzählen, zu lachen. Und eine Sache erfreut uns besonders. Wir gehören ab heute zur Gemeinschaft dazu!

Die erste Nacht kommt. Was sagte noch der Händler bei der Übergabe? Das Fahrzeug muss mit Auffahrkeilen ausgerichtet werden? Oh Gott, auch das habe ich vergessen. Hoffentlich rollen wir nicht während des Schlafes aus dem Bett! Zu spät! Egal, ich versuche meine Unsicherheit zu überspielen, als mir Peter lächelnd eine Wasserwaage unter die Nase hält und bleibe eisern.

Heute schlafen wir im schief stehenden Wagen und träumen von einem vollständigen und perfekten Leben in einem Wohnmobil.

Was für ein Tag!

Nachdem wir unsere erste Nacht unbeschadet, zwar nicht ganz ausgeruht, der Nachbar nebenan gehört offenbar zu den kanadischen Holzfällern, überstanden haben, habe ich auch gleich einen mich verfolgenden Gedanken. Ist das am Vortag neu aufgefüllte Wasser noch da oder müssen wir unsere Wochenendreise wegen mangelnder Hygiene abbrechen? Sofort stürze ich mich ins Badezimmer oder auch Nasszelle genannt. Ihr seht, ich lerne schnell. Ich öffne den Wasserhahn und siehe da! Es sprudelt heraus, welche Technik! Hat der Dicke also gute Arbeit geleistet. Beruhigt wende ich mich zu Alina.

»Unser neuer Freund ist ein Könner, ein Genie. Ohne sein exzellentes Wissen hätten wir nach Hause fahren können.«

Und so können wir nach einem ausgiebigen Duschen auf einem halben Quadratmeter in Ruhe frühstücken und uns auf einen schönen Urlaubstag freuen. Und was kommt dann?

Wie auf einem Stellplatz üblich, trifft man sich nach dem Frühstück draußen mit den Nachbarn. Man palavert, das heißt, man tauscht sich aus über seine Fahrzeuge, Zubehör, Stellplätze usw..

Man lernt jeden Tag neue Leute kennen und erfährt auch in kürzester Zeit ganze Lebensläufe fremder Menschen. Das braucht keine fünf Minuten zu dauern. Was für ein Input an Informationen.

Und dann kommt Peter dazu, nimmt mich beiseite und fragt:

»Moin Moin, Ino. Hast du eigentlich schon von der Scandic-Rallye für Wohnmobile gehört?«

»Moin, nee, Rallye? Wie von der Scandic.....?«

»Ja, genau richtig gehört. Sie startet im Sommer von München aus und endet am Nordkap in Norwegen. Puschel und ich haben uns auch bei der EMO, der European Motorhomes Organization, beworben. Für den Gewinner ist als Hauptpreis ein fabrikneues Wohnmobil, ein Vollintegrierter der Marke Carthago, vorgesehen. Habt ihr beiden nicht auch Lust dazu? Vielleicht kann man ja zusammen ... .«

Kapitel 2

31. März

Tage vergehen, Wochen vergehen. Wir gehen in dieser Zeit unserem normalen Job nach. Natürlich nutzen wir auch jedes Wochenende, um mit Wohni in die freie Natur zu fahren, lernen unendlich viele Stellplätze und jede Menge Leute aus unterschiedlichen Städten und fremden Ländern kennen. Und oft freuen wir uns auch darauf, die gelbe Plastikblume auf dem Klapptisch wieder zu sehen, wenn wir uns mit Peter und Puschel in irgendeiner Stadt verabredet haben.

Und dann ist es soweit, die Email kommt völlig überraschend:

"Sehr geehrte Frau Meier, sehr geehrter Herr Meier,

aufgrund Ihrer Bewerbung zur Teilnahme an der Scandic-Rallye möchten wir Ihnen vorab per Email mitteilen, dass Sie Erfolg hatten und wir Sie im Juni als Teilnehmer begrüßen dürfen.

Alles Weitere teilen wir Ihnen auf postalischem Wege mit.

Mit freundlichen Grüßen

Tim Werner

European Motorhomes Organization "

Meine Güte freuen wir uns und was noch schöner ist, Peter und Puschel dürfen ebenso mitfahren mit ihrem Weinsberg und ihrer Kampfkatze, die ich ja bislang noch gar nicht erwähnt habe.

Ab jetzt wird es Ernst!

Der Sinn dieser Rallye besteht darin, dass man nicht nur als Erster das Ziel erreicht, sondern innerhalb einer festgelegten Zeit auch äußerst günstig dort ankommt. Die Teilnehmer haben nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung, welches natürlich aus eigenem Portemonnaie stammen muss. Und jeder Cent wird durch Belege und ein Fahrtenbuch kontrolliert. Wie es allgemein in dieser Fangemeinde üblich ist, denken Eigentümer solcher Freizeitfahrzeuge nur an den hohen Anschaffungspreis und möchten des Weiteren in der Zukunft so viele Kosten wie möglich einsparen, am liebsten nämlich gar nichts bezahlen.

Dazu kommt, dass bestimmte Zwischenziele angesteuert werden müssen, bei denen besondere Aufgaben erledigt werden.

Kapitel 3

17. Juni

Kåre, ein stattlicher junger Mann aus Malmø, gerade wieder Single geworden, nachdem ihn seine Freundin Hanne verlassen hat, sitzt frustriert in Berlin auf der Parkbank und denkt darüber nach, wie sein Leben bislang verlaufen ist. Mit dreizehn ist er Vollwaise geworden, dann hat er einige Jahre bei Pflegeeltern gelebt, ist leider immer wieder mit kleineren Dummheiten auf die schiefe Bahn geraten. Aber bislang hat er immer Glück gehabt und ist nie geschnappt worden. Nun ist er mit fünfundzwanzig im ganz großen Geschäft als Drogenkurier tätig.

Das hat Hanne letzte Woche herausgefunden und ihn zur Rede gestellt. Sie ist völlig ausgeflippt, als sie das Kokain und Crystal Meth in seiner Sporttasche entdeckt hat. Er konnte sich gar nicht vor den Vorwürfen wehren und so ist sie sofort aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und wollte ihn nie wiedersehen.

»Verdammte Scheiße«, denkt er. »Warum bist du nur so unvorsichtig gewesen? Es ist schon schlimm genug, dass sie mich verlassen hat, aber hoffentlich verpfeift sie mich nicht noch bei der Polizei. In vierzehn Tagen muss der Stoff in Ålesund sein, sonst bin ich völlig im Arsch.«

Nebenan zwitschern die Vögel im Baum und er sieht nach vorn zum Wasser. Die Sonne glitzert und spiegelt sich dort. Vereinzelte Motorboote sind an diesem frühen Morgen schon auf der Spree unterwegs. Es ist ein wunderbarer warmer Sommertag.

»Ich darf auf keinen Fall die Übergabe verpassen! Das hier ist meine große Chance.« So entschließt er sich, erst einmal die Stadt zu verlassen, sich vorher aber noch einmal zu stärken. Er steht auf, schultert sich die Sporttasche mit den Drogen im Wert von dreihunderttausend Euro um und tastet vorsichtig noch einmal nach seiner Walther PPK 9mm in der linken Innentasche.

»Auf gehts.«

Der Weg zum nächsten McDonald ist nicht besonders weit. Trotzdem hält er nach allem Außergewöhnlichen Ausschau, was irgendwie nach einem Gesetzeshüter aussehen könnte. Aber es kommen ihm auf dem Weg an der Spree entlang nur ein Jogger und einige Fahrradfahrer entgegen. Auch von der Wasserseite her scheint alles in Ordnung zu sein. Es ist kaum anzunehmen, dass Hanne zur Polizei gegangen ist. Dafür war doch die Liebe zu groß. Nur hat ihm das bisherige Leben gelehrt, immer vorsichtig und ständig auf der Hut zu sein.

Plötzlich hält ein Fahrradfahrer direkt vor ihm mit einer scharfen Bremsung. Kåre zuckt innerlich sofort zusammen. Bei ihm spannen sich sämtliche Muskeln und seine rechte Hand geht auch schon zur linken Innentasche. Innerhalb einer Sekunde könnte er die Waffe auf den Radfahrer richten. Sein Herzschlag erhöht sich.

»Hi, sorry. Haste mal `ne Fluppe?«, fragt der vermeintliche Angreifer.

Etwas erleichtert, aber immer noch vorsichtig, gibt Kåre ihm eine seiner Zigaretten und hält ihm auch das Feuerzeug hin.

»Thanks«, brummt der Radfahrer und ist auch schon wieder davon.

Kåre, etwas entspannter, setzt seinen Weg zum Restaurant fort.

Kapitel 4

17. Juni

Es ist soweit. Ich bin von meiner Dienststelle, dem Bundesnachrichtendienst, für volle sechs Wochen beurlaubt worden. Alina hat sich ebenso freistellen lassen. Heute ist unser Abreisetag. In einer Stunde werden meine Frau und ich nach München fahren, denn morgen früh startet das Abenteuer. Unser Fahrzeug ist jetzt so ausgerüstet, dass wir die nächsten Wochen völlig unabhängig sein können. Wir haben reichlich Lebensmittel an Bord. Lediglich Wasser und Kraftstoff werden wir des Öfteren auftanken müssen. Eine genaue Routenplanung konnten wir bislang noch nicht machen, da wir das erste Zwischenziel erst in München erfahren werden.

Peter und Puschel treffen wir unterwegs auf der Reise nach München. Wir haben gestern noch miteinander telefoniert und einen Treffpunkt ausgemacht. Sie sind mindestens genauso aufgeregt wie wir. Alina hält gerade die Checkliste in der Hand und wir gehen sie zum letzten Mal noch einmal durch, damit wir auch nichts vergessen haben und sicher sein können, dass nichts passieren kann.

Der Motor wird gestartet. Anschnallen!

»Roll los«, gibt Alina das Kommando und die Reise beginnt.

»Okay, dann machen wir uns auf den Weg zum ersten Ziel, um den Dicken und Puschel zu treffen.«

Nach zweistündiger Autobahnfahrt nehmen wir die Ausfahrt zum vereinbarten Rastplatz und können schon von weitem den weißgrünen Weinsberg auf einem Parkstreifen unter einer Baumreihe erblicken. Peter steht davor mit einer Zigarette in der Hand. Man kann in seinem Gesicht wahre Freude erkennen, uns zu sehen.

In München angekommen, nachdem wir uns erst einmal mit unseren Autos niedergelassen haben, sind wir dann anschließend zur offiziellen Begrüßung, die vom Vize-Präsidenten der EMO moderiert wird.

Nach dieser langen und ausführlichen Begrüßungsrede werden uns ein weiteres Mal die Teilnahmebedingungen in Wort und Schrift mitgeteilt. Im Anschluss daran gibt es einen Galaabend mit einem umfangreichen Buffet. Auch etliche Sponsoren namhafter Wohnmobilhersteller sind hier vertreten, die wahrscheinlich diese Veranstaltung auch finanzieren.

Am nächsten Morgen ab acht Uhr starten dann die jeweiligen Teams, es sind genau fünfundzwanzig, in viertelstündigen Abständen. Wir sind um zehn Uhr fünfzehn dran.

Berlin ist unser erstes Ziel und die Spannung steigt für uns ins Unermessliche.

Die Aufgabe, die wir dort zu erledigen haben, heißt:

"In Berlin gibt es zurzeit wahrlich Rätsel. Finden Sie das Gebäude, aus dem mysteriöse Geräusche stammen. Dort existiert ein weiterer Hinweis auf Ihren nächsten Zielpunkt."

Ein Kribbeln macht sich breit, als wir vier vom Parkplatz rollen und uns in Richtung A9 nach Berlin bewegen. Alina und ich fahren als Erste vorweg, Peter und Puschel direkt hinter uns her. Bei schönstem Sonnenschein rollen wir ohne Stau über die Autobahn, immer mit den Gedanken daran, was uns die nächsten Tage erwartet und ob wir die uns gestellten Rätsel auch stets lösen können.

»Schön, dass du noch die Funkgeräte besorgt hast, so können wir auch während der Fahrt miteinander kommunizieren«, sage ich und prompt kommt über den Äther von Peter die Antwort.

»So kann ich dich auch jederzeit wieder auf den richtigen Weg bringen, falls du dich verfährst, mein Junge!« Ich schaue Alina an und denke mir nur meinen Teil zu dieser Antwort.

Wir fahren bis Dessau, verlassen dann die Autobahn und suchen uns einen günstigen Übernachtungsplatz. Was liegt näher als ein kostenloser Lidl-Parkplatz. Unser Navigationsgerät führt uns direkt dorthin. Die Wohnmobile werden geparkt und was meinen Sie, wird zuerst herausgestellt?

...Der Tisch mit der gelben Plastikblume natürlich. Ich glaube es einfach nicht.

Jetzt geht das Recherchieren los.

»Was meint die Jury mit mysteriösen Geräuschen in Berlin?« fragt Puschel mit einem leicht osteuropäischen Akzent, der mir bislang noch nicht aufgefallen ist.

Wir loggen uns im Internet ein und geben in der Suchmaschine die Begriffe ein und schon haben wir einen Auszug einer Zeitung:

"Mysteriöse Geräusche in Berlin-Wedding

Die Menschen im Norden Berlins hören seit Wochen immer wieder einen mysteriösen Knall und werden aus dem Schlaf gerissen. Doch woher dieses laute Geräusch stammt, ist völlig unklar -dazu sind schon sehr abstrakte Theorien im Umlauf.

Es scheppert und rumst. Von einem Grollen bis zu einem metallischen Reißen. Einen Grund für den Lärm hat man noch nicht gefunden. Es weiß niemand, woher das Geräusch stammt.

Eine Mitarbeiterin eines Berliner Hotels behauptet, es hört sich an, als ob jemand eine Telefonzelle in die Luft sprengt.

Die Berliner Ämter verhalten sich dagegen kommentarlos.

Tragen die Berliner Verkehrsbetriebe die Verantwortung? Das Grollen könnte auch unter der Erde in den Tunneln und Gängen der U-Bahn seinen Ursprung haben. Doch die Verkehrsbetriebe weisen eine Verantwortung zurück.

Die Polizei wiederum könne nicht ermitteln, weil der Knall keine Straftat sei.

So viel Nicht-Zuständigkeit hat die Berliner Boulevardmedien auf den Plan gerufen, die der Ursache des Knalls jetzt auf den Grund gehen wollen. Die "Bild"-Zeitung stellte eine sogenannte akustische Kamera auf einem Weddinger Balkon auf und veröffentlichte das Video auf YouTube. Die Kamera zeichnete tatsächlich ein Geräusch auf.

Ein Reporter des Sat.1-Frühstücksfernsehens begab sich mit dem Vorsitzenden des Vereins Berliner Unterwelten, D. Arnold, in eine Tiefgarage, wo nach Arnolds Auffassung jemand die mysteriösen Explosionen verursacht. »Hier ist die einzige Stelle, wo man so etwas anstellen kann«, sagte er dem Sender. Doch eine Aufzeichnung des Knalls ließ diese Spur platzen. Das Geräusch stamme von einem Ort weit jenseits der Tiefgarage, hieß es.

Mysteriös wie das Brummton-Phänomen.

Handelt es sich um Außerirdische? DieSpekulationen blühen. Sind es nächtliche Schießübungen der Polizei, geheime Techno-Partys oder Spielereien mit Schreckschusspistolen?" (Auszug einer Tageszeitung vom 3. April)

Kapitel 5

Berlin, 19. Juni

Leider will uns beim Fernsehsender niemand Auskunft erteilen und uns bleibt nur noch die Möglichkeit, diesen Herrn Arnold über eine Telefonrecherche zu finden. Nach ungefähr acht Anrufen erreichen wir diesen Mann und erhalten von ihm nach ausgiebigen Erklärungen die Adresse der Tiefgarage in Wedding.

Also nichts wie hin. Die Zeit drängt. Dort angekommen stehen auch schon zwei weitere Wohnmobile vor der Einfahrt. Dieses andere Team haben wir auch schon beim Galaabend kennengelernt. Es sind Didl und Jeanette und Jeli mit ihrem Gatten Manni, nette Leute aus Schleswig-Holstein.

Nun heißt es, gemeinsam das Gebäude nach einem Hinweis zu durchsuchen. Peter, neugierig wie immer, stürmt in die Garage und durchläuft Gang für Gang. Dann ein Aufschrei in einer unüberhörbaren Lautstärke. »Treffer, ich hab's gefunden!« Ein kleiner Moment Stille. »Kommt hierher, hier steht ein Modell eines Wohnmobils mit einem Brief an uns.«

Voller Anspannung machen wir drei uns gleich auf den Weg zu unserem Teampartner. Währenddessen hat Peter auch schon den Umschlag geöffnet und liest laut vor:

»Herzlichen Glückwunsch zur Lösung der ersten Aufgabe. Ihr nächstes Ziel geht aus folgendem Rätsel hervor.

"Finden Sie ein Haus mit zwei Türmen in einer deutschen Stadt. Das Haus hat eine Inschrift am Eingang. Sie ist in lateinischer Sprache und bedeutet übersetzt "drinnen Eintracht - draußen Frieden". Dort bekommen Sie den nächsten Hinweis."«

»Hat jemand eine Idee?«, kommt über Alinas Lippen. Wir grübeln über diesem Brief und kommen aber nicht weiter, so dass wir dann frustriert zu unseren Fahrzeugen zurückkehren.

»Was ist, wenn uns die Lösung nicht einfällt und wir dadurch nicht weiterkommen?«

Inzwischen erinnere ich mich an meine Lateinkenntnisse aus der Schulzeit und versuche, die Worte zu übersetzen. »Eintracht.......Concordia, Frieden.......Pax«

Es wird nachgedacht und gegrübelt. Dann! Puschel schreit auf.

»Die Worte habe ich schon einmal während eines Aufenthalts in Lübeck gelesen. Das Holstentor ist gemeint.«

»Wenn das so ist, können wir noch heute in Richtung Ostsee fahren« und Alina betätigt den Touchscreen des Navigationsgerätes, um die Route nach Lübeck festzulegen.

»Wenn wir den Fahrtweg vielleicht heute nicht ganz zurücklegen werden, errechne ich die Strecke bis zu unserem nächsten Übernachtungsplatz beim Lidl in Mecklenburg-Vorpommern. Jedenfalls denke ich, dass wir einigen anderen Teams zeitlich voraus sind.«

Unsere Fahrzeuge beginnen zu rollen, wir fahren kreuz und quer durch Berlin. Ich habe die Orientierung verloren, vertraue aber der netten Stimme aus dem Navigationsgerät. Die Sonne blendet ein wenig von vorn. Ich lasse die Sonnenblende herunter.

Dann plötzlich ein Aufschrei von Alina: