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Dies ist eine Sammlung von Kurzkrimis, Science-Fiction, möglichst unmögliche oder unmöglich mögliche Geschichten und sogar ein Gedicht ist dabei. Alle diese Geschichten habe ich im Lauf der Jahre geschrieben. Sie sollen vor allem eines machen: Spaß beim Lesen!
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Seitenzahl: 184
Veröffentlichungsjahr: 2026
Impressum neobooks
Unmöglich mögliche Kurzgeschichten
von Uwe Grießmann
Kontakt: https://www.autor-uwe-griessmann.com/
Hinweis:
Das Cover ist KI-generiert, die Texte sind meine eigenen geistigen Erzeugnisse.
Vorwort
Der Aufstand – mit realen Szenen aus dem realen Leben.
Der Automat – der Ihnen viel Freude bereiten wird. Sie lernen zudem immer neue Menschen kennen.
Ausflug ins Gebirge – Freunde muss man haben!
Besuch aus dem Huhniversum – Glauben Sie etwa, es gibt nur ein Universum? Eine Hühner-Science-Fiction.
Die Entführung des Weihnachtsmannes – es gibt Dinge, die einfach schief gehen müssen. Wer entführt schon den Weihnachtsmann?
Erik hat den besten Glühwein – eine Geschichte vom Hildesheimer Weihnachtsmarkt.
Gauguin – wenn schon Kunstraub, dann bitte keinen Gauguin!
Der geraubte Kuss – ein Märchen für alle ab 18!
Helikoptereltern – ich mag keine Dackel und Helikoptereltern auch nicht. Die schlimmste Figur, die in dieser Geschichte vorkommt, heißt Donald Trump. Ich habe sie fast so erlebt.
König Raspirurans Sieg – wie ein König einen gefährlichen Drachen besiegte. Soweit ich weiß, wird sein Name allerdings nicht erwähnt.
Kunigunde und das magische Bügeleisen – Tauchen Sie ein, in eine Welt voller Magie! Also in die Welt magischer Bügeleisen.
Mopsbox – Das Möpse Abenteuer lieben, wissen wir, seitdem David Safir seine Merkel-Krimis schreibt. Diese Geschichte ist aber viel älter.
Mord im Garten – ein Hoch auf blitzgescheite Kriminalbeamte, die Fälle im Sekundentakt lösen können.
Nach der Feier – es war so eine schöne Feier auf dem Weihnachtsmarkt. Der Chef war richtig spendabel.
Nackte Tatsachen – ein Erotik-Kurzkrimi.
Pfeffrige Grüße – Cayennepfeffer, ich liebe ihn. Der Jahresverbrauch liegt bei mir bei etwa 20 – 24 Packungen/Jahr.
Der Plan – falls Ihnen Ihre Gebäudesanierung zu teuer ist, ist diese Kurzgeschichte genau das richtige für Sie.
Protestwähler – manchmal sollte man vor der Wahl das Parteiprogramm lesen oder sein Gehirn einschalten.
Die Rache des Suppenhuhns – ja, also. Wie soll ich diese Geschichte beschreiben? Einfach lesen.
Schmuggel – da war ich neulich mit meinem Mercedes Richtung Schweiz unterwegs. Irgendwohin muss ich ja die Einnahmen für dieses Buch ... ähm ... auf die Bank bringen.
S-Bahn – wahres Erlebnis meiner Schwägerin mit Ihrer Tochter.
Tragischer Unfall – oder doch nicht?
Unter Strom – wenn der Chef mit seiner Azubine ...
Wahre Freundschaft – auf manche Freunde kann man gerne verzichten.
Wanderers Schock – ein Gedicht!
Die Zaubernuss – endlich eine Art Märchen, das Sie auch Ihren Kindern vorlesen können.
Veröffentlichungen – ich hätte da schon noch ein paar Bücher auf Lager. Vielmehr in den Buchhandlungen, auf Onlineshops oder auf meiner Webseite.
Ich habe in meinem Leben eine ganze Menge geschrieben, Romane, Erlebnisreiseführer, Handbücher für Software, Schulungsunterlagen und Kurzgeschichten.
Eine dieser Kurzgeschichten ist leider für immer verloren. Das war mein erster schriftstellerischer Versuch. Da war ich 7 oder 8 Jahre alt. Wir waren auf einer Schulfreizeit und ich meldete mich freiwillig für die Schülerzeitung. Damals hatte ich die Idee für eine Science-Fiction-Geschichte. Diese Frage stellte ich mir: Wie würden die Kinder diese Schulfreizeit wohl im Jahr 2000 erleben? Es gibt fliegende Autos und sprechende Computer aber immer noch denselben grässlichen Hagebuttentee, der uns jeden Nachmittag serviert wurde.
Ein, zwei Wochen nach dieser Freizeit klingelte es an der Haustür. Neugierig lauschte ich nach unten, ein Mann sprach mit meiner Mutter, die rief plötzlich laut meinen Namen: »UWE!!! Was hast du jetzt wieder angestellt? Komm sofort runter!!!«
Der Mann beruhigte sie »Nein, er hat nichts angestellt.«
Es war der Landrat und er überreichte mir eine Riesentüte Süßigkeiten und 20 DM. Ihm hatte meine Geschichte so gut gefallen, dass er uns persönlich besucht hat.
Jahre später habe ich nach dem Heft gesucht, es aber nicht mehr gefunden. Es ist wohl irgendwann auf den Müll gewandert.
Schade.
Vor einiger Zeit hatte ich die Idee, einige der Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Da das über einen Verlag kaum geht, nahm ich den Weg über eine Selfpublisher-Plattform. Herausgekommen ist eine Sammlung von Kurzkrimis, Science-Fiction, möglichst unmögliche oder unmöglich mögliche Geschichten und sogar ein Gedicht ist dabei.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.
Hildesheim im Winter 2026
Uwe Grießmann
»Ich war dabei!«, rief ich mit einigermaßen klarer Stimme. »Ich habe gesehen, wie er Klara erschlagen hat. Ich habe gesehen, wie er Conni, Herbert und Franz ermordet hat!«
Ein Chor erboster Stimmen antwortete mir: »So kann es nicht weitergehen!«
»Einfach erschlagen hat dieser Kerl sie!«
»Nieder mit ihm!«
»Unbarmherzig und brutal!«
»Hundsgemein!«
»Und seht, was sie mit mir gemacht haben!« Meine Stimme wurde schwächer. Ich schaute an mir herab und begriff immer noch nicht, was mit mir eigentlich geschehen war. Ich konnte meine Beine nicht mehr bewegen. Was war das nur? »Rächt mich! Rächt all die anderen, die er getötet hat!« Meine Stimme wurde schwächer. Ich wurde schwächer, ich versank immer weiter in einer klebrigen Flüssigkeit.
»Wir werden ihn piesacken, das schwören wir dir! Das schwören wir euch!«
»Bis aufs Blut!«, schrie ein Moskito und schwirrte summend davon.
»Wenn welche das können, dann sind es Moskitos.« Die anderen Stubenfliegen, Obstmücken und Motten schauten etwas neidisch drein. Um mich kümmerte sich keiner mehr. Ich senkte den Kopf und der klebte fest an der Mückenfalle.
»Guten Tag.«
»Den wünsche ich Ihnen auch.«
Die beiden Männer nicken sich zu.
»Das ist ein schöner Automat, finden Sie nicht auch?«, fragt der Jüngere.
»Ja ja, der ist wirklich hübsch«, erwidert der Ältere.
Die Blicke der Männer treffen sich, dann schaut Jüngere nach unten. »Ist da etwas Besonderes in dem Automaten?«, fragt er nach einer Weile.
»Ich suche nach meinem Wechselgeld.«
»Ja. Natürlich. Und? Bekommen Sie es nicht heraus?«
»So könnte man sagen«, meint der Ältere.
»Soll ich es mal versuchen?«
»Ja, das ist nicht ganz unproblematisch, wissen Sie? Meine Hand steckt nämlich in dem Automaten fest.«
»Oh.« Der Jüngere geht in die Hocke und betrachtet sich das Dilemma. »Hm«, macht er. »Hm, hm, hm. Ihre Hand steckt fest.«
»Ja ja, ich weiß«, seufzt der Ältere.
»Ich bin übrigens Herr Schmitz, Björn Schmitz. Und das ist Lumpi«, stellt der jüngere Mann sich und seinen Dackel vor.
»Schulze. Walter.«, sagt Herr Schulze.
Herr Schmitz streckt seine Hand aus und Herr Schulze ergreift sie. Das geht allerdings schief, denn Herr Schmitz streckt seine rechte Hand aus, während Herr Schulze nur die linke frei hat.
»Na so was«, ruft er aus. »Für was ist dieser Automat eigentlich?«
»Gute Frage«, antwortet Herr Schulze und zuckt seine Schulter. »Ich wollte den Automaten einfach mal ausprobieren. Oben muss man ein 2€-Stück einwerfen und dann unten vielleicht das Wechselgeld entnehmen? So ganz sicher bin ich mir aber nicht.«
»Ah ja«, meint Herr Schmitz und legt seinen Zeigefinger ans Kinn.
Lumpi, sein Dackel, blickt zu den beiden Männern auf und sieht aus, als würde er am liebsten gleich sein rechtes Hinterbein heben. Er überlegt es sich anders, läuft zweimal im Kreis herum und setzt sich auf den Boden.
Herr Schmitz schaut weiterhin nachdenklich und sagt dann schließlich: »Das hier könnte ein Handfangautomat sein. Die gibt es noch nicht allzu lange.«
»Und für was sollen die gut sein?«, fragt Herr Schulze erstaunt.
»Zum Hände fangen.«
»Na so was«, findet Herr Schulze und betrachtet seine Hand, die in dem Automaten gefangen ist.
»Ja natürlich. Mein Sohn hat mir davon erzählt. Er war mit seiner Frau neulich in Hannover unterwegs und die hat ihm zu viel geredet, also hat er 2,00€ investiert und hatte sie dann für eine Stunde los.«
»Eine Stunde?«
»Ja ja, eine Stunde Hand fangen kostet 2,00€.« Herr Schmitz betrachtet den Automaten und nickt heftig. »Hier steht es ja. Eine Stunde 2,00€.«
»Ist dieser Golf hier Ihr Wagen?«, mischt sich eine Frau vom Ordnungsamt in das Gespräch ein.
Herr Schulze schaut sich um. »Der Grüne? Das ist meiner.«
»Der Parkschein ist gleich abgelaufen«, informiert ihn die Frau.
»Ach, das ist ja ungünstig. Ich stecke dummerweise noch fast eine Stunde in diesem Automaten fest.« Herr Schulze sucht umständlich seine Hosentaschen ab. »Ja also, ich habe dummerweise kein Geld mehr dabei.«
»So?«, antwortet die Frau vom Ordnungsamt, die sich jetzt streng anhört. »Sie wollen mir also weismachen, dass Sie 2,00€ für diesen Handfangautomaten ausgegeben haben, aber für einen Parkschein aus dem Parkscheinautomaten reicht es nicht mehr?«
»Ich hatte das so nicht eingeplant. Können Sie mir nicht etwas leihen?«
»So weit kommt es noch«, fährt die Frau vom Ordnungsamt auf. »Ich bin nur eine kleine, unterbezahlte Stadtangestellte und soll Ihnen auch noch den Parkschein bezahlen?« Sie ist entrüstet, zückt ihren Ticketausstellminicomputer und beginnt darauf herumzutippen.
»Tut mir leid«, sagt Herr Schulze. »Ich bin nur kurz mit Lumpi Gassi gegangen. Geld wollte ich keins ausgeben« Er deutet auf seinen etwas übergewichtigen Hund, der nun mit der Schnauze auf den Vorderbeinen liegt.
Es rattert und die Frau vom Ordnungsamt zieht ein Ticket aus ihrem Ticketausstellminicomputer. »Ich klemme dass dann mal unter Ihren Scheibenwischer«, informiert sie Herrn Schulze.
»Verzeihen Sie bitte die Umstände. Ich hoffe, die Strafe reicht für die Stunde.«
»Aber ja doch«, antwortet die Frau vom Ordnungsamt und läuft zum Auto.
»Ich muss dann auch mal weiter«, sagt Herr Schmitz. »Ihnen viel Spaß noch. Komm Lumpi.«
»War nett Sie kennengelernt zu haben«, ruft Herr Schulze hinterher.
»Wenn Sie mögen, ich laufe hier jeden Tag mit Lumpi Gassi. Immer zur selben Zeit. Vielleicht stecken Sie ja wieder mal fest? Dann können wir uns länger unterhalten.«
Herr Schulze schaut auf seine gefangene Hand, kratzt sich mit der anderen den Kopf und sagt: »Ich bglaube, diese Art von Automaten ist eher für jüngere Leute gedacht.«
»Wie konnte das passieren?«, schrie Bernward mich an. »Ich denke, du hast ihn abgesichert? Was für eine Scheiße!«
Ich antwortete nicht auf die Frage, weil ich die Antwort kannte. Aber das brauchte das Arschloch nicht zu wissen. Er holte das Seilende herauf und starrte es fassungslos an. Sein Maul ging auf und zu, wie bei einem Fisch, der nicht mehr in seinem Lebenselement war. Schließlich gelang es ihm, das böse böse Wort atemlos auszustoßen. »Angeschnitten!« Sein Gesicht wechselte die Farbe zu Rot.
»War es nicht deine Aufgabe, das Seil zu überprüfen?«, fragte ich.
»Ich habe es kontrolliert. Es war in Ordnung!«, schrie er.
Nung. Nung. Nung. Seine Stimme hallte zurück. Der Wind zerrte an seinen Haaren. »Vielleicht lebt er ja noch«, hauchte er.
»Schauen wir doch nach«, schlug ich vor und trat einen Schritt nach vorne. Gelassen blickte ich nach unten. Da lag er, unser Nils. Die Extremitäten in unnatürlichen Verrenkungen von sich gestreckt. »Er bewegt sich, glaibe ich jedenfalls«, log ich.
»Wirklich? Wir müssen Hilfe rufen!« Bernward zog sein Smartphone aus der Tasche, doch er zitterte so sehr, dass er nicht mal den Startbildschirm entsperren konnte.
»Gib her«, sagte ich, riss ihm das Ding aus der Hand und schmiss es Nils hinterher.
»Was soll das?«, brüllte Bernward, doch das »das das das« ging in einen markerschütternden Schrei über, der in einem dumpfen Schlag endete. Das Echo seines Todes schallte von den benachbarten Bergen zurück. »Ah, ah, ah!«
Es war ganz einfach gewesen, ihn über den Abgrund zu stoßen. Ohne, dass er es bemerkt hatte, hatte ich das Sicherungsseil aus dem Karabiner genommen. Ich blickte wieder nach unten. Jetzt lagen zwei Narren tot herum. Mein GPS-Gerät zeigte mir, bis zur Absturzstelle des Flugzeugs war es nicht mehr weit. Seine Fracht: ein Koffer mit Rohdiamanten aus Südafrika Zielort Hildesheim. Um genau zu sein, die Schleiferei, in der wir drei gearbeitet haben.
Pech! Soll ich wirklich mit euch Idioten teilen? Nö!
Von oben hatte alles perfekt gewirkt, aber kaum war ich gelandet, musste ich feststellen, dass dies der Boden der eher grässlichen Tatsachen war. Die Erdlinge waren nicht allzu intelligent!
Erde! Nicht mal Fantasie besaßen sie. Wie kann man einen Planeten Erde nennen? Na gut, die Bewohner pickten ja drauf rum. Unser Nachbarplanet hieß Klinghuhn, dort lebte eine bösartige Spezies. Aber mit unseren Waffen waren die bezwingbar.
In der Nachbargalaxie war alles von den Borghühnern und ihren Kuben mit den Hühnerköpfen drauf assimiliert. Borg, wie sie sich nennen, sind ziemlich dämlich und jede assimilierte Spezies wird auch dämlich. Ich meine, wenn ein Huhnkubus in die Nähe eines Planeten oder Raumschiffs kommt, funken die sofort: »Wir sind die Borg. Sie werden assimiliert. Deaktivieren Sie Ihre Schutzschilde und ergeben Sie sich. Wir werden ihre biologischen und technologischen Charakteristika den unsrigen hinzufügen. Ihre Kultur wird sich anpassen und uns dienen. Widerstand ist zwecklos!« Die Borghühner haben sich jede Menge Technik implantieren lassen. Meist enden Angriffe mit einem Kurzschluss bei ›Der Ersten von neun‹. Dann fallen alle um. Problem gelöst.
Mein Planet wird Kücki genannt. Da sind Namen für Planeten. Erde? Pah!
Die Erdlinge besaßen keine Technik und fliegen konnten sie auch nicht. Ich überprüfte meinen universellen Übersetzer und drückte die Tasten für die Selbstdiagnose. Mit dem Ding war alles in Ordnung.
»Was bist du denn für eine? Dich habe ich ja noch nie gesehen«, fragte mich eine Frau, die eigentlich ganz hübsch war.
»Ich ... äh ... ich ...« Wie sollte ich ihr das denn nur erklären? »Ich ... äh ... komme von weit her.«
»Ah ja. Warte mal.« Sie pickte auf dem Boden herum und zog einen langen Wurm heraus, den sie – roh! – in sich hineinschlang. »Wie heißt du?«, fragte sie, als sie ihre widerliche Mahlzeit beendet hatte.
»Picki«, antwortete ich.
»Und wie kommst du hierher?«
Wenn ich ihr das erklärt hätte, hätte sie mit Sicherheit Alarm geschlagen. Doch dazu kam es erst gar nicht. Ein riesiger Schatten legte sich über uns. Ich blickte nach oben und sah ein riesiges hässliches Wesen auf uns zukommen. Ich griff nach meiner Strahlenwaffe, doch sie war nicht an ihrem Platz. Ich hatte sie im Schiff vergessen. Verflucht!
»Oh oh«, sagte meine neue Bekanntschaft. »Mit dem ist nicht gut Kirschen essen.«
Das Wesen schaute auf uns herab. Obwohl hier unzählige Frauen waren, konzentrierte sich sein Blick auf mich.
Das Wesen strich seine Hand mehrmals über seinen gewaltigen Bauch. »Na? Hühnchen? Willst du auf den Grill?«
Mein universeller Übersetzer musste doch kaputt sein. Ich drückte den Notruftaster, mit dem ich meine Mannschaft alarmierte. »Hilfe, da ist ein Monster, das mich grillen will! Holt mich hier raus!«, flüsterte ich.
»Du und deine doofen Scherze«, meldete sich Kapitänin Waschi. »Du sollst einen Erstkontakt zu den Bewohnern herstellen und dich nicht grillen lassen.« Ihr Gelächter und das meiner Kameradinnen schallte aus dem Lautsprecher.
»Das ist kein Scherz!« Ich rannte los, doch das Riesenwesen verfolgte mich. Es hatte viel längere Beine als ich und plötzlich wurde ich von den Beinen gerissen. Ich war gegen einen Zaun gelaufen. »Scheiße!«
Das Monster griff nach mir, doch ich schlug einen Haken und konnte gerade noch entkommen. Ich rannte durch eine Gruppe von Frauen, die schimpfend auseinanderstoben. Mein Verfolger raste hinter mir her. Unbarmherzig. »Hilfe«, schrie ich in das Mikrofon. »Bitte, ich werde von einem furchtbaren Monster verfolgt!«
»Oh, das sieht nicht gut aus. Wir haben dich auf dem Schirm. Ich schicke gleich die Landefähre runter. Halt durch, Picki! Was ist das für eine gefährliche Spezies?«
»Weiß ich nicht! Ich kann sie ja schlecht fragen!«, stieß ich atemlos hervor. »Sie will mich grillen, die Spezies!« Schon wieder rannte ich gegen einen Zaun. War ich hier eingesperrt? Hoffentlich hatten meine Kameradinnen die bewaffnete Landefähre geschickt.
Da wurde ich am Hals gepackt und hochgehoben.
»Da habe ich dich ja schon, Hühnchen«, übersetzte mein Übersetzer die grauenhafte Sprache des Wesens. Stinkender Atem hüllte mich ein. Das Monster war so groß, dass es einfach über den Zaun schritt. Ich bekam kaum noch Luft, so fest drückte es mit seinen Klauen zu.
»Bitte! Ich komme von einem anderen Planeten. Ich bin exoplanetarische Wissenschaftlerin«, würgte ich heraus. »Lass mich bitte los!«
»Haha!«, machte das Monster. »Du bist mein Bio-Grillhühnchen. Ich liebe gegrilltes Huhn! Ich esse jeden Tag ein oder zwei Hühner.« Er steckte mich in einen Käfig und schmiss mich auf ... keine Ahnung wohin. Es bestand aus warmen Metall, machte fürchterlichen Krach, stank und bewegte sich sehr schnell.
»Mit meinem Traktor fahre ich nach Haus, dann gibt es einen leckeren Hühnerschmaus«, sagte mein Übersetzer. Sagte das Monster.
Ich geriet in Panik. Wie lange brauchte die Fähre? Konnte sie den Kampf mit diesem Riesenvieh aufnehmen? Da blitzte es auch schon. Ich konnte aber nichts sehen, weil ich mich nicht bewegen konnte, so eng war der Käfig.
»Scheiße!«, brüllte das Monster und einen Sekundenbruchteil später der Übersetzer. Der Traktor verlor an Fahrt und prallte gegen irgendwas. Es machte Plumps und das Monster stöhnte.
»Wir sind hier!«, riefen meine Retterinnen und befreiten mich aus dem Käfig.
»Lasst uns abhauen von diesem Planeten. Aber wartet, fliegt noch mal kurz über den Platz, auf dem ich gelandet bin.« Ich wollte unbedingt mehr über die Spezies erfahren, mit der ich Kontakt aufgenommen hatte. Mir tat der Hals weh, doch ich suchte nach ihr. Da! Da war sie. Sie sah uns so ähnlich, war aber ziemlich dumm. »Nehmt sie mit.«
Das Huhn schaute ziemlich dumm, als es neben mir gesetzt wurde. Erschöpft winkte ich ihre Frage ab. »Wo bin ich?«
»In Sicherheit!«
»Bist du auch ein Huhn?«, fragte sie.
Ja, aber von einer anderen Welt. Wir verließen die Atmosphäre dieses grauenhaften Planeten und rasten auf unser Raumschiff zu.
»Was sollen wir mit diesem Planeten machen?«, fragte Kapitänin Waschi. »Vernichten?« Sie spießte mit der Gabel ein paar synthetische Würmer auf und kaute lange auf ihnen herum.
»Nein, wir markieren ihn als einen äußerst gefährlichen Ort, der von allen Hühnern unbedingt gemieden werden muss«, schlug ich vor.
Gucki, meine neue Freundin von der Erde, gluckste erleichtert.
»Scheiße ist das kalt«, maulte Maik. Er hüpfte auf der Stelle, um sich warmzuhalten. Dabei stieß er Wolken aus, wie eine Dampflok. »Wann kommt der bloß?«
»Ruhig, Mann. Peter wird gleich da sein. Ich glaube, ich hör da was«, erwiderte Simon, und fuhr sich mit der behandschuhten Hand über den Dreitagebart.
Tatsächlich. Ein hoher Ton erfüllte die ansonsten so stille, eiskalte Luft. Maik klappte die Ohrenschützer nach oben und lauschte. »Hört sich an, wie ... Glöckchen, oder so was.«
Simon Middendarp dachte kurz über die Worte des Kumpels nach. Er fing plötzlich lauthals zu lachen an. »Da kommt garantiert der beschissene Weihnachtsmann!«, brüllte er und boxte Simon gegen den Oberarm.
Auch Maik fand das lustig. »Oh Scheiße, Mann. Der Weihnachtsmann!« Nun hielten sich beide die Bäuche vor Gelächter.
Der Lachkrampf verebbte in dem Moment, als neben ihnen ein eher unzeitgemäßes Gefährt zum Stehen kam.
»Ich wünsche Ihnen einen schönen guten Abend, meine Herren. Ich suche die ... Ist etwas nicht in Ordnung?« Verwundert schaute der Kutscher auf die zwei lachenden Männer.
Maik und Simon hatten ihm nur einen Blick zugeworfen, um sofort darauf erneut loszuprusten. Der Anblick war einfach zu witzig. Ein alter Knacker mit weißem Rauschebart hockte auf dem Bock eines Zweispänners. Er war in einen langen roten Mantel gehüllt und auf dem Schädel saß eine Pudelmütze, deren Büschel bis weit unterhalb der Schulter reichte. Der Kerl sah aus wie der Weihnachtsmann leibhaftig. Das Gefährt wurde auch nicht von Pferden gezogen, es waren tatsächlich zwei Rentiere.
»Können Sie mir bitte helfen?«, setzte der Weihnachtstrottel noch einmal an. »Wie komme ich denn aus diesem Industriegebiet heraus? Ich muss dringend in die Marienstraße.«
Doch es dauerte eine Zeitlang, bis sich Maik und Simon wieder in den Griff bekamen.
»Marienstraße?«, fragte Simon nach einer Weile. »Hm«, er tauschte einen Blick mit Maik aus, der nickte. »Das ist echt ziemlich kompliziert, wissen Sie? Am einfachsten ist es, wenn wir Ihnen den Weg zeigen. Es ist nicht weit, aber hier kann man sich schnell verirren.«
Der Weihnachtsmann zögerte.
»Entschuldigen Sie wegen eben. Mein Kumpel hat mir gerade einen absolut dämlichen Witz erzählt«, erklärte Simon. »Der war echt doof, aber saulustig. Wir haben echt nicht über Sie gelacht!«
»Na gut. Steigen Sie auf«, lud der Kutscher die beiden Männer ein.
Als sie saßen, einer vorne, einer hinten, rief er seinen Rentieren etwas zu und sie setzten sich in Bewegung.
»Da vorne rechts, da, an dem Verkehrsschild«, wies Simon den Fahrer an.
»Das, das einem verbietet, links abzubiegen?«
»Hier ist nachts nichts los. Ich glaube nicht, dass die Polizei dort steht und ausgerechnet uns anhält«, erwiderte Simon mit einem hämischen Blick auf den Weihnachtsmann.
Der Kutscher zog an den Zügeln und die Zugtiere schwenkten in die angegebene Richtung ein.
»Da vorne ist eine Mauer. Da am Ende der Straße«, sagte der Weihnachtsmann irritiert.
»Das ist eine Abkürzung«, erklärte Simon grinsend. »Wenn Sie genau hinschauen, da vorne geht es rechts ab.«
Kaum eine der Straßenlaternen leuchtete, die Gegend wirkte verlassen, geradezu heruntergekommen. Überall lag Müll. Ausgeschlachtete Autos standen am Straßenrand. Eingeworfene Fensterscheiben und aufgegebene Ruinen dominierten das Straßenbild.
»Da vorne wieder rechts.«
Der Kutscher zögerte, bog dann aber doch ab. Mit einem »Brrr!« stoppte er plötzlich das Gefährt. Er schaute erst entsetzt auf die Sackgasse, dann zu seinem Sitznachbarn.
Simon verzog das Gesicht zu einem fiesen Grinsen. »Wir sind schon richtig, Alter. Da vorne links ist ein Tor. Also mach ›Hüh‹ und ›Hott‹, oder wie das heißt. Fahr los.« In Simons Faust lag ein silbrig schimmernder Revolver, den rammte er dem Kutscher in die Seite.
»Aber ich muss ...«
»Nichts musst du. Außer weiterfahren, los!«
Simon sprang vor der gezeigten Laderampe ab, schob das Tor nach oben.
»Reinfahren«, befahl Maik.
Der Weihnachtsmann gehorchte. Simon ließ das Tor runterfahren und schaltete das Licht ein. Ein paar verstaubte Neonröhren flammten auf.
»Runter, du Witzfigur«, schrie Simon. Maik half nach, schubste den Weihnachtsmann vom Kutschbock. »Halt den Kerl in Schach. Ich seh mir mal an, was in den Päckchen ist.«
»Weihnachtsgeschenke für Kinder. Ich sagte doch ...«
»Halt´s Maul!«, fuhr Maik ihn an.
»... dass ich in die Marienstraße fahren will, dort ist das Kinderheim.«
»Noch einen Ton, du Spinner und ich ...« Auch Maik Schiller war nun bewaffnet. Er zielte auf den Kopf des Weihnachtsmanns.
