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München Ende der 60er-Jahre. Es ist die Zeit der Tanzcafés, der sexuellen Befreiung und der Studentenrevolte. Männer tragen lange Haare und Frauen kurze Röcke. Die Stadt pulsiert und ist doch in einem Korsett aus Spießertum und Rückständigkeit gefangen. Der junge Hans, geboren und aufgewachsen im kleinbürgerlich-proletarischen Untergiesing, bringt tagsüber bei Gebrauchtwagenhändler Schlawinsky Schrottautos auf Vordermann. Abends »leiht« er sich die Karossen aus, um darin die Damen seiner Wahl die Leopoldstraße entlangzuchauffieren. Nur wer Eindruck hinterlässt, wird im Bett der Begehrten landen, das weiß Monaco Hansi ganz genau. Mit der Unbedarftheit der Jugend schleudert er durch die Sensationen seiner Zeit: Liebe und Missgeschick, Sex, Autos, Musik und das ganze Panoptikum der frühen Popkultur. Hansi liebt das Leben und das Leben liebt ihn! In seiner Autobiografie schildert der selbst ernannte Prinz von Untergiesing seine wilden Jugendjahre im München der sagenhaften 60er- und 70er-Jahre.
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Seitenzahl: 270
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Für Irmi H.
Alles, was ich in diesem Buch erzähle, habe ich tatsächlich so erlebt. Da ich mit meiner Geschichte jedoch niemandem schaden möchte, habe ich einen großen Teil der Namen durch Pseudonyme ersetzt und auch Details abgeändert.
Das laue Lüftchen dieses Sommerabends streicht samtweich durch die Leopoldstraße, Häuserwände und Asphalt strahlen noch die Wärme des Tages ab. Alle Fahrspuren sind verstopft, lauter Spießerautos – grauenvoll. Es ist Wochenende, und sämtliche Leute, die nicht nach Schwabing gehören, sind da. Wir auch. Genau genommen sind wir auch keine echten Schwabinger, Bertl wohnt hinter dem weißen Bräuhaus im Tal und ich in Untergiesing, also ganz woanders. Aber es kommt halt auf die Geisteshaltung an – und auf die richtigen Klamotten. Der Stil ist alles, du selbst bist nichts, und überhaupt – ob du ein Mensch bist oder nicht, entscheidet die Länge deines Haupthaars.
Kein Ereignis scheint Deutschland mehr erschüttert zu haben als die Tatsache, dass ein nicht weiblicher Mensch sein Haar lang trägt, drei Finger breit über dem Kragen. Niemals vorher ist das deutsche Volk wie ein Mann so gegen irgendetwas aufgestanden … Ja, eine große Zeit. Und wir stehen wie ein Fels in der Brandung, um uns Hass, Hohn und Verachtung. Eines der merkwürdigsten Argumente ist die mahnende Aussage dass, wenn wir an der Ostfront im Schützengraben gelegen hätten oder in Welikije Luki dabei gewesen wären, wir uns das mit den langen Haaren überlegen würden, wobei sich diese sehr ernsten, aber völlig fruchtlosen Mahnungen seltsamerweise stets auf die Ostfront beziehen – nie auf andere Kriegsschauplätze …
Leider leuchten uns diese aufrichtig gemeinten, aber in dem Zusammenhang doch irgendwie nebulös erscheinenden Einwände überhaupt nicht ein. Wo wir liegen wollen, ist klar. Mit Sicherheit in keinem Schützengraben, sondern auf einem weichen, willigen Mädel. Und hier, nirgendwo sonst, liegt auch der Grund für unsere schier übermenschliche Standhaftigkeit in Sachen Haarlänge: in der Gier nach dem Weibe.
Denn nur, wenn du in bist, hast du bei den Mädels eine Chance, und echt in bist du nur mit der richtigen Frisur, das ist der Schlüssel zu allem. Hier teilt sich die Menschheit anno 1965 jäh und unumkehrbar in starke Typen und Arschlöcher. Aber du bist kein Arschloch – dank deiner langen Haare! Und nichts und niemand wird sie dir jemals wieder kürzen – bis ans Ende deiner Tage …
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