Mord auf dem Schützenfest & Eis! - Günter von Lonski - E-Book

Mord auf dem Schützenfest & Eis! E-Book

Günter von Lonski

4,0

Beschreibung

Band 1: Mord auf dem Schützenfest Hannover feiert das größte Schützenfest der Welt. Das hat Tradition, Power, Stimmung und Prost! Alles jubelt, alles lacht, nur einer kann nicht mehr mitfeiern, denn er liegt nach dem Schützenumzug etwas abseits am Ihme-Ufer und rührt sich nicht mehr. Arne Sonneveld, einer der diesjährigen Bruchmeister, die dem Schützenumzug ihre traditionelle Ausrichtung geben. Jung, ledig, unbescholten. Als Anlageberater hat er sich beruflich mit dem Verkauf von AWD-Fondsanteilen allerdings nicht nur Freunde gemacht. Kommissarin Marike Kalenberger, die mit einer kleinen Auszeit am Steinhuder Meer dem Schützenfestrummel entkommen wollte, muss an den Tatort. Und plötzlich steckt sie mittendrin im Geflecht von Schützenehre, geschäftlichen Mauscheleien, Neid, Eifersucht und alkoholisch bedingten Bewusstseinsstörungen. Kurz darauf wird auch noch Peter Brodinsky ermordet. Er war Mitarbeiter der Bank, die Kaufinteressenten ohne ausreichende finanzielle Mittel mit großzügigen Krediten zu ihren Fondsschnäppchen verhalfen. Und damit gerät Hinnerk Benthe ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Er hat am Mordabend in einem der Festzelte auffällig lange mit Arne Sonneveld zusammengesessen und war in der Bank Vorgesetzter und erklärter Feind von Peter Brodinsky. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gerät Hinnerk Benthe auch noch in private Bedrängnis. Ehefrau Melli entdeckt nach Jahren langweiligen Ehelebens ihre extreme erotische Veranlagung und verfällt einem rücksichtslosen Ausbeuter. Die alles verschlingende Katastrophe greift nach Hinnerk Benthe, doch wenn die Not am größten scheint, sind da immer noch die Kollegen und Freunde aus dem Schützenverein … Band 2: Eis! Eine Schießerei am Steintor. Fast zeitgleich ein Überfall mit Geiselnahme am Raschplatz. Kriminalkommissarin Marike Kalenberger muss mit einem jungen Beamten hin, gerät in die Schusslinie des Geiselnehmers, sie und ihr Kollege werden getroffen. – Nach längerer Dienstunfähigkeit will Kalenberger wieder ihren Dienst aufnehmen, wird erbarmungslos gemobbt, erleidet ein Burn-out-Syndrom und wird arbeitsunfähig. Da verschwindet Pia, die beste Freundin ihrer Tochter. Pia wollte sich nach Hannover absetzen und hat angeblich den Mann ihres Lebens kennen- gelernt, einen polnischen Eishockeyprofi. Toll aussehend, fantastische Wohnung, viel Geld und ein aufsehenerregendes Auto. Der Mann wird brutal ermordet. Kalenberger will keinen neuen Fall und ermittelt nur widerwillig. Doch dabei gerät sie immer tiefer in die Loverboy-Szene. Sie bringt sich und andere in tödliche Gefahr. Emotionale Abhängigkeit zwischen Prostituierten und Zuhältern hat es immer schon gegeben. Frauen werden durch Drogen, Gewalt, auch durch Zuneigung hörig gemacht, damit sie funktionieren. Dass aber junge Männer systematisch nach Schulmädchen suchen, um sie zu Huren heranzuziehen, ist ein bisher unbekanntes Phänomen, das Eltern, Lehrer und Polizei überfordert. DER SPIEGEL 27/2010

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Inhalt

Titelseite

Impressum

Über den Autor

Mord auf dem Schützenfest

Eis!

Günter von Lonski

Mord auf dem SchützenfestundEis!

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im

Internet abrufbar über http://dnb.ddb.de

 

Auflage 2015

 

© 2011 & 2012 CW Niemeyer Buchverlage GmbH, Hameln

www.niemeyer-buch.de

Alle Rechte vorbehalten

eISBN 978-3-8271-9895-2

EPub Produktion durch ANSENSO Publishing www.ansensopublishing.de

Der Roman spielt hauptsächlich in allseits bekannten Stätten von Hannover, doch bleiben die Geschehnisse reine Fiktion. Sämtliche Handlungen und Charaktere sind frei erfunden.

 

 

Über den Autor:

Günter von Lonski verbindet den Humor des Ruhrpotts mit der Treffsicherheit des Nordens – im Leben und in seinen Büchern. Geboren in Duisburg, studierte er an der Hochschule der Künste in Berlin und lebt heute bei Hannover. Seit 1981 schreibt Günter von Lonski Romane, Krimis, Jugend- und Kinderbücher, Hörspiele, Theaterstücke, Kurzgeschichten, Glossen, Satiren und Schulbuchbeiträge. 2010 erhielt er den Rolf-Wilhelms-Literaturpreis der Stadt Hameln. So begann die Krimi-Zeit – in sechs Jahren entstanden zahlreiche Krimis mit regionalem Bezug zu Hannover und dem Weserbergland – spannend, unterhaltend und mit einem Schuss Humor.

Mehr über Günter von Lonski und seine Aktivitäten erfahren Sie unter www.vonlonski.net

Günter von Lonski

Mord auf dem Schützenfest

1. Hannover-KrimimitMarike Kalenberger

Inhalt

Titelseite

Eins

Zwei

Drei

Vier

Fünf

Sechs

Sieben

Acht

Neun

Zehn

Elf

Zwölf

Dreizehn

Vierzehn

Fünfzehn

Sechzehn

Siebzehn

Achtzehn

Neunzehn

Zwanzig

Für Cord Broyhan,dem Vater der Lütjen Lage,(um 1530)

Dat wy duth Jahr der Stadt tho gude Broke Hern sin willen, und in dem Ambt vlietich befunden werden, Broke tynse und alleß aller unvorwietlik gebohr ahne Ansehen der Person infordern. So als uns Gott helpe.*

(Dass wir dieses Jahr der Stadt zu Gute Bruchmeister sein wollen, und in diesem Amt fleißig befunden werden, Strafe, Zinsen und alles aller unvorweislichen Gebühr ohne Ansehen der Person einfordern. So helfe uns Gott.)

* Amtseid aus dem Eidebuch der Stadt Hannover, circa 1600.

 

Als Vorläufer der Bruchmeister werden bereits im Jahre 1303 Ordnungsherren erwähnt, die als Magistris discipline für die Aufrechterhaltung der Ordnung bei Festlichkeiten zu sorgen hatten. Sie wachten über die Einhaltung erlassener Verordnungen und ahndeten deren Bruch.

Seit 1825 tragen die Bruchmeister die Städtischen Standarten dem jährlichen Schützenausmarsch voran. Die aktuellen Bruchmeister werden für ein Jahr verpflichtet und haben ledig und von gutem Charakter und Leumund zu sein. Bruchmeister vergangener Jahre können sich für die Aufnahme im Collegium ehemaliger Bruchmeister bewerben. Das Collegium trifft sich zu geselligem Beisammensein, pflegt die Traditionen der Bruchmeister und repräsentiert die Stadt Hannover bei verschiedenen Anlässen.

Eins

Milchig weiß steht der Morgen über dem roten Backsteinbau der Marktkirche. Es wird ein heißer Tag werden: Staubig, drückend, bedrängend. Wie soll er Melli erklären, was in den letzten Stunden passiert ist?

Der alljährliche Schützenausmarsch stand an. Vor Sonnenaufgang waren sie in der Nacht zum Sonntag losmarschiert, um die vereinsbesten Schützen des vergangenen Jahres mit Marschmusik abzuholen. Bereits beim Ständchen vor den Häusern der Schützenbrüder gab es viel Hallo, Gelächter und das eine oder andere Schnäpschen.

Gegen neun trafen sich dann alle Schützenvereine auf dem Trammplatz vor dem Neuen Rathaus. Und wieder Hallo und ein, zwei Schnäpschen. Da war Melli auch dazugekommen.

Der Oberbürgermeister hielt seine Ansprache. Wie in jedem Jahr. Das Heeresmusikkorps spielte Alte Kameraden. Schlag zehn setzten sich die Schützenzüge unter dem Befehl „Im Doubliertritt, Marsch!“ zum mehrstündigen Ausmarsch in Bewegung. Zum größten Schützenfest der Welt auf dem Festplatz an der Ihme. Wer so ein Fest hat, braucht keine Wiesn, keinen Wasen und keinen Dom.

Bei den Schützen hatte und hat alles seine festen Regeln und Gebräuche. Nach der historischen Quartiereinteilung der Stadt wird der Zug der Schützen ebenfalls in vier Züge eingeteilt. Was nicht ausschließt, dass sich ein Schütze auch mal ins falsche Quartier verläuft.

Jedem Zug schreitet der aktuelle Bruchmeister mit einer städtischen Standarte voran. Ein junger Mann voller Stolz und Würde. Auf dem Kopf ein schwarzer Zylinder mit grünem Kleeblatt als heraldisches Symbol der Stadt Hannover. Dazu schwarzer Cut mit schwarzer Hose, blütenweißes Hemd mit weißer Fliege und an den Händen weiße Handschuhe. Ein Jahr wird er im Mittelpunkt des Vereinslebens stehen, danach kann er Mitglied im Collegium ehemaliger Bruchmeister werden. Für das geschäftliche und gesellschaftliche Vorankommen wertvoller als ein Hochschulabschluss oder Doktortitel. Beides zusammen kann natürlich nicht schaden.

Hinnerk Benthe gehört seit Jahren dem Collegium an und hat es beruflich bis zum Leiter einer Bankfiliale geschafft.

Sie hatten geschwitzt, Bier getrunken und viele Klare. Wer es konnte, zelebrierte eine Lütje Lage mit einem Glas Schankbier und einem Glas Kornbrand aus einer Hand. Wer es nicht konnte, goss sich Bier und Schnaps über Kinn und Jacke.

Im stundenlangen Marsch unter der Sonne wurde der Hals wund gescheuert, Blasen an den Füßen machten das Laufen beschwerlich, und die Ordensketten auf der Brust wurden immer schwerer.

Endlich war man auf dem Schützenplatz angekommen. Der Hemdkragen konnte gelockert werden, und der Knopf am Hosenbund wurde gelöst. Hosenträger übernahmen nun die alleinige Verantwortung. Man setzte sich zum Essen in der Festhalle Marris. Spanferkel, Schnitzel, Ochsenbraten. Eine aufnahmefähige Grundlage wurde geschaffen. Dann ging es weiter von Festzelt zu Festzelt. Alt Hanovera, Gilde Festzelt, Zum Herrenhäuser. Und überall wieder Hallo und Prost. Allmählich verloren die Schützenbrüder die Kontrolle über sich und den eigenen Bier- und Schnapskonsum. Wenn nicht jetzt, wann dann? Du traust dich nicht? Raus aus dem Festzelt, rauf auf den Rummel. Magic, Heiße Räder, Breakdance. Fahrgeschäfte für die Generation ohne Schwindelgefühl. Laut, hoch, schnell. Hubert und Gerold ließen sich provozieren, den Intoxx zu besteigen. Sie haben wohl nicht mehr realisieren können, was auf sie zukam. Ein Pfeiler, ein Schwenkarm, daran zwei frei bewegliche Gondeln, die sich um den Pfeiler, den Schwenkarm, sich selbst, ineinander und auseinander und um den eigenen Magen drehten. Hubert musste danach vom Roten Kreuz betreut werden und Gerold suchte sich einen Platz in der hintersten Ecke im Festzelt, trank nichts mehr, aß nichts mehr und brachte keinen Ton mehr heraus.

Die andern hatten sich schadenfroh amüsiert. Hinnerk war mit seiner Melli ein paar Runden Musik-Express gefahren, dann hatten sie noch mit Erich und Sabine Vonderheiden zusammengesessen, aber danach ... Filmriss. Nichts mehr. Er kann sich nicht mal mehr erinnern, wo Melli geblieben ist. Und plötzlich war da Arne Sonneveld in seinen Armen. Ende dreißig, feingliedrig und irgendwie geschmeidig, sanft und anschmiegsam. Unverheiratet musste er als Bruchmeister sein, ob er andersherum war, wurde nicht gefragt. Wie er ihn angesehen hat. Ein feines Prickeln überzieht noch immer Hinnerks Unterarme, wenn er daran denkt. Diese erhitzte Haut auf seinen Wangen, die fordernden Hände. Hatten sie sich geküsst?

Mit dem Rücken lehnt Hinnerk an dem Kübel aus grauem Waschbeton. Die ganze Nacht muss er hier gesessen haben. Knochenhauerstraße. Wie ist er überhaupt hierhergekommen?

Er spürt nichts, kann seine Füße kaum bewegen, die Finger krallen sich um einen Absperrpfosten. In einer der Seitenstraßen werden Mülltonnen geleert. Kalter Schweiß steht ihm auf der Stirn. Sein schwarzer Cut ist verdreckt. Über ihm hängt der Zylinder schräg in den Zweigen irgendeiner Stadtbegrünung. Er würgt an dem ekligen Geruch nach schalem Bier und Hundedreck. Eine Frau fährt mit einem Fahrrad vorbei. Angewidert schaut sie auf den zusammengesunkenen Mann. Erst im letzten Augenblick weicht sie einem Müllcontainer aus. Hinnerk will grüßen, er öffnet den Mund, doch er kann die Zunge kaum bewegen.

Die Frau fährt weiter, hält aber nach ein paar Metern wieder an, dreht sich zu Hinnerk um. „Ist Ihnen nicht gut?“

Mühsam hebt Hinnerk eine Hand als Lebenszeichen. Die Frau schüttelt den Kopf, setzt ihr Fahrrad wieder in Bewegung. Hoffentlich wird er in seinem Zustand nicht von irgendwelchen Bekannten gesehen. Kunden wären noch schlimmer. Sein Arbeitsplatz liegt nur wenige hundert Meter entfernt, direkt hinter der Oper. Die HPP-Bank. Was sollten sie von ihm als Leiter der Kundenberatung denken.

Er versucht, Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Gestern war Sonntag, heute ist Montag. Um neun muss er an seinem Arbeitsplatz sein! Keine Panik, den Montag und Dienstag hat er sich vorausschauend freigenommen. Er stützt sich am Betonkübel ab, erhebt sich mühevoll, schwankt. Egal, was Melli sagt, er muss nach Hause, unter die Dusche. Alles abwaschen, den gestrigen Abend, die Nacht, das Erbrochene ... da war auch Blut.

Spatzen suchen zwischen den zusammengeketteten Stühlen nach vergessenen Krümeln. Eine Ratte wittert aus einem Spalt zwischen zwei Stufen einer alten Steintreppe heraus, huscht dann ins nächste Kellerloch.

Hinnerk verschwimmen die Konturen vor den Augen, er muss sich wieder setzen, diesmal auf den Rand des Blumenkübels. Ihm ist schlecht, elendig schlecht. Wie hat er noch gestern auf den Putz gehauen und gelacht. Vielleicht war das alles ein bisschen viel. Wie jedes Jahr.

Er steht auf, besieht sich den verdreckten Cut, die fleckige schwarze Hose. Tastet nach seinem Hemdkragen. Die weiße Fliege ist ihm abhandengekommen. Und die weißen Handschuhe auch. Das Hemd voller gelber Senfflecken. Trotzdem atmet er auf, er spürt seine Beine wieder, nimmt den Zylinder von einem vertrockneten Zweig und klappt ihn flach zusammen. In dem Outfit muss er durch die halbe Stadt und sich zum Gespött der Leute machen.

Er sucht nach seinem Taschentuch, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Die Taschen sind leer. Bis auf die abgebrochene Ecke eines Bierdeckels mit irgendeiner Telefonnummer. Sein Taschentuch ist weg, verloren.

Er wischt sich den Schweiß mit dem Handrücken von der Stirn. Dann ein Gedankenblitz, ein Zusammenhang. Das Taschentuch war voller Blut. Vielleicht ist es ganz gut, dass er es irgendwo weggeworfen hat, bevor es Melli in die Hände fallen könnte und sie unangenehme Fragen stellt. Er muss seine Kleidung so schnell wie möglich in die Reinigung bringen.

Aus einer Seitenstraße taucht ein Mann auf, er pfeift, pfeift noch einmal, ein großer brauner Hund kommt gelangweilt um die Ecke, trabt auf Hinnerk zu, schnüffelt an der herausgezogenen Hosentasche. Hinnerk hat Angst vor dem Hund, außerdem stört ihn seine Aufdringlichkeit. Er steckt die Hosentasche zurück in die Hose, dreht sich weg. Der Mann ruft: „Zeno“.

Ein kleines, orangefarbenes Fahrzeug der Straßenreinigung taucht auf, kehrt mit kreisenden Besen den Müll vom breiten Gehweg und hinterlässt eine glänzend feuchte Spur auf dem Kopfsteinpflaster. Eine Frau mit Kopftuch kommt aus der Kneipe und leert ihren Putzeimer im Gully am Straßenrand. Zeno lässt Hinnerks Hose nicht aus den Augen, knurrt, der Mann mit der Hundeleine beschleunigt seine Schritte. „Keine Angst“, sagt er, „Zeno jagt nur Verbrecher!“ Er lacht, muss der Straßenreinigung ausweichen, tritt ganz dicht an Hinnerk heran. „Ach, Sie sind es, Herr Benthe, ist Ihnen nicht gut?“

Auch das noch, ein Kunde! „Doch, doch, es geht schon“, murmelt er, „nur ein leichtes Unwohlsein.“

„Wohl ein bisschen viel gefeiert gestern?“

„Zu viel.“

„Komisch“, sagt der Mann mit der Hundeleine, „Zeno müsste Sie doch eigentlich kennen. Sie sind doch ein Ehrenmann. Na ja, vielleicht hat er gedacht, Sie wären ein ...“

Penner, denkt Hinnerk, er meint Penner.

Der Mann gibt seinem Hund einen Klaps, Zeno läuft bellend dem orangefarbenen Straßenreinigungsfahrzeug hinterher. Im Strauch hinter Hinnerk singt jetzt eine Amsel.

Hinnerk wartet noch einen Augenblick, versucht sich zu sortieren, dann geht er los, nein, er schleicht, schlurft, kann die Füße kaum heben, will zur U-Bahn-Station Markthalle/Landtag, hält sich für einen Augenblick an dem Gitter der Straßenbegrenzung fest. Die Ampel springt auf Rot. Ein herankommender Wagen hält. Der Beifahrer beugt sich zur Fahrerin, gibt ihr einen raschen Kuss. Das Auto startet, die Frau schaut zufällig Hinnerk an, droht ihm mit dem Finger. Warum? Grün. Hinnerk überquert die Straße. War das eine Kundin? Er hat sie nicht erkannt.

Arne Sonneveld, dieser charmante Mann. Mitte dreißig und so allein. Sah würdevoll aus in Cut und Zylinder, wie er die Standarte trug. Eigentlich auch ein bisschen lächerlich. Aber irgendwie alles zusammen zum Liebhaben. Wie kokett er gelächelt hat, als er vor Hinnerk stand. Gefühle wie auf der Achterbahn. Im Alkoholrausch abgestürzt!

Hinnerk erreicht die Treppe zur U-Bahn, setzt sich unten auf einen der Metallstühle. Zwei Männer vom Wachdienst gehen vorbei, sehen ihn kurz an, vier Japaner mit Stadtplan sortieren ihr Besichtigungsprogramm – Marktkirche, Leineschloss, Künstlerhaus, Herrenhäuser Gärten, Niki de Saint Phalle, Kinder sind auf dem Weg ins Schimmbad. Sie betrachten ihn, feixen, rasch schwindet ihr Interesse, eines der Mädchen will seine Tasche öffnen, ein Junge tritt sie ihr aus der Hand. Die Tasche fällt zu Boden, allgemeines Gelächter, das Mädchen muss ihre Sachen wieder einsammeln. Sie rennt hinter der Gruppe her. „Abdul, du Spast, ich schlag dich Krankenhaus!“

Hinnerk besteigt die Linie 7 und fährt bis zur Wallensteinstraße, läuft dann noch einige hundert Meter die Göttinger Chaussee hinauf bis zur Schnabelstraße. Doppelhäuser mit zwei Etagen, Dachböden, Erkern und alle unterkellert. Eine heutzutage idyllische Arbeitersiedlung aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert. Saniert, neue Fenster, wärmeisoliert und Haus für Haus an private Interessenten verkauft.

Hinnerk versucht Klarheit in seinem Kopf zu schaffen, kann aber die Lücken in seiner Erinnerung nicht schließen und rollt den Gedankenfaden immer wieder von vorne auf. Sie hatten auf den Holzbänken im Bierzelt gesessen, alle hatten getrunken, gelacht und sich lustig gemacht über alles, was ihnen einfiel. Arne Sonneveld hatte sich irgendwann zwischen Hinnerk und Erich gedrängt. War bald aufgestanden, hatte Hinnerk mit sich gezogen. Und dann? Arne hatte vor ihm gestanden, hinter der Festhalle Marris im wechselnden Licht der Karussells. Musikfetzen wehten herüber. Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Arne stand ganz nah vor ihm. Eine Hand hatte er um Hinnerks Hals gelegt, sich an ihn geschmiegt und versucht, den Reißverschluss an Hinnerks Hose zu öffnen. Hinnerk wusste nicht, wie ihm geschah. Sein ganzer Köper signalisierte Abwehr und Ekel, andererseits war da auch dieses unbändige Gefühl von Zärtlichkeit und Verlangen. Sie hatten sich geküsst? Diese fordernden Lippen auf seinem Mund. War mehr geschehen? Plötzlich hatte Sonneveld Nasenbluten. Und dann? Hinnerk hatte sein Taschentuch aus der Tasche gezogen, um Arnes Nasenbluten zu stoppen. Dieser dumme, dumme Junge. Er war so aufgeregt, und Hinnerk konnte ihm nicht helfen, war selber zu unerfahren. War da noch was? Geblieben ist ein dumpfes Verlangen. Und dieses Unbehagen, dass irgendetwas außer Kontrolle geraten ist.

Später, viel später und nach einigen weiteren Bierchen und Schnäpsen ist das Collegium dann gemeinsam von der Festhalle Marris aufgebrochen. Die meisten fühlten sich noch nicht reif fürs Bett, wollten noch mehr erleben. Einige hatten allerdings am Gilde-Tor gekniffen und sich mit dem Taxi nach Hause bringen lassen. Sie würden zum Gespött des nächsten Beisammenseins im Vereinsheim werden. Der harte Kern war in die Altstadt gezogen. Aber wie und wohin? Hinnerk schmerzt der Kopf.

Endlich steht er vor seiner Haustür. Er will den Haustürschlüssel wie gewohnt aus der Tasche holen. Kramt. Sucht. Findet nur die abgebrochene Ecke des Bierdeckels, lässt sie fallen und zerkleinert sie mit der Schuhsohle auf der grauen Steinstufe. Er muss klingeln. Das wird ein Empfang. Wie du aussiehst, was sollen die Leute denken, kannst du nicht wie ein normaler Mensch ... Hinnerk atmet tief durch und drückt auf den Klingelknopf. Die Haustür öffnet sich mit einem Summen. Hinnerk schiebt mühsam die Türe auf, macht zwei, drei Schritte in den Flur, kann nicht mehr weiter und stützt sich mit einer Hand an der Wand ab. Schluckauf, ausgerechnet jetzt.

Zwei

Melli war am frühen Abend nach Hause gekommen. Ungern erinnert sie sich an den Schützenausmarsch, die Festzeltatmosphäre bereitet ihr noch immer Unwohlsein. Sie braucht einen anderen Geschmack im Mund, gießt sich ein Glas Tomatensaft ein. Verschüttet etwas von dem Saft. Ein roter Fleck breitet sich auf der weißen Tischdecke aus. Weiß wie Schnee, rot wie Blut. Melli greift nach dem Glas, setzt sich auf das Sofa und schaltet das Fernsehgerät ein. Deutschlands gesündeste Großmütter läuft gerade.

Melli ist nur ungern beim Schützenausmarsch mitgegangen. Sie kennt Hinnerks Schützenbrüder und kann sie nur kurze Zeit ertragen. Ihre Sprüche, das Bullengehabe, die Anzüglichkeiten der angetrunkenen Männer. Im Alltag schleichen sie grau in grau umher, verstecken sich in Wohlanständigkeit und Konformität. Aber an ihren Herrentagen lassen sie die Sau raus. Dieser elende Gestank nach Alkohol, Zigaretten und verschämt abgesetzten Bier- und Sauerkrautfürzen. Und Hinnerk mitten unter ihnen.

Sie schaltet den Fernseher aus und vertieft sich in ein kürzlich begonnenes Buch. Die Geschichte fängt gerade an, ein bisschen spannend zu werden. Ein Mann in der Midlife-Crisis. Schmeißt alles hin, rennt in Discos, lässt sich das Gesicht straffen und baggert eine Frau im Alter seiner Tochter an. Ein Buch vom Wühltisch.

Gegen zwei schreckt Melli auf. Sie scheint über der Lektüre eingeschlafen zu sein. Ein lautes Poltern kommt aus dem Treppenhaus. Kai Homm. Malermeister mit Allergiepass. Arbeitslos. Wohnt in der Mansardenwohnung unterm Dach. Eine Eigenbedarfsklage läuft, doch Homm wohnte bereits in dem Haus, bevor es von Hinnerk und Melli erworben wurde. Fährt ein Peugeot Cabrio und zahlt pünktlich seine Miete.

Draußen ein Flüstern und unterdrücktes Gekicher. Melli schleicht zur Wohnungstür und schaut durch den Spion. Kai mit einer jungen Frau. Sie stehen eng umschlungen vor der Treppe. Kai greift unter ihr T-Shirt. Sie lacht, küsst ihn. Plötzlich haben sie es eilig, stolpern die Treppe hinauf. Als letztes verschwinden ihre schlanke Beine in roten High Heels aus Mellis Blickfeld.

Jeden zweiten Tag hat er eine andere.

Melli kehrt ins Wohnzimmer zurück, geht ans Fenster, schaut hinaus. Was Hinnerk wohl gerade treibt? Noch immer halb besoffen oder sogar ganz weggetreten? Hoffentlich passiert ihm nichts. Melli gähnt. Der Asphalt schimmert fahl unter den Laternen. Kein Autoverkehr mehr in der ruhigen Seitenstraße, die Straßenränder zugeparkt. Zwei Betrunkene torkeln Arm in Arm über die Straße. Sie kommen wohl auch vom Schützenfest. Einer stolpert an der Bordsteinkante, sein Kumpan fängt ihn auf. Sie prosten sich mit kleinen Schnapsflaschen zu, die sie aus ihren Hosentaschen ziehen.

Melli geht zum Sofa, will noch ein Kapitel lesen. Sie hüllt sich in eine Fleecedecke und vertieft sich in den Roman. Doch immer wieder schweifen ihre Gedanken ab. Ein Frösteln geht durch ihren Körper. Ob Hinnerk auch dabei ist, sich neu zu orientieren? Ob er bereits fremdgeht? Immerhin ist er auch in diesem kritischen Alter. Und abends zu allem zu müde. Anstrengender Job, belastende Gedanken, zu viele Konferenzen. Doch für andere Frauen interessiert er sich eigentlich gar nicht. Soweit sie das beurteilen kann. Nicht einmal Veras aufdringliches Dekolleté hat ihn bei der letzten Silvesterfeier angemacht. Hoffentlich ein Kriegsschauplatz weniger. Sie denkt an ihre Arbeit im Krankenhaus. Immer Ärger. Zu wenig Angestellte, zu große Aufgabenbereiche, nervende Patienten. Doch am schlimmsten sind die aufsässigen Weißkittel mit den Doppeltiteln vor dem Namen, Professor Doktor, und ihren Sonderwünschen.

Melli legt sich auf die Seite und zieht die Decke bis zum Kinn. Sie denkt gerade noch an die roten Schuhe, an diesen Scheißkerl von oben und dann an nichts mehr.

Als sie am nächsten Morgen aufwacht, meldet NDR 2 gerade einen Stau auf der A7, die Getreidepreise werden in diesem Jahr voraussichtlich um fünf Prozent steigen, der Wetterbericht kündigt Gewitter an. Draußen ist es bereits hell. Hinnerk ist noch immer nicht zu Hause. Auch Melli hat sich den Montag freigenommen, sie wollten zusammen eine neue Lampe für den Essplatz kaufen. Und vorher gemeinsam zum Frühstück in ein Café, meist wird es Loretta’s Milchhäuschen in der Culemannstraße.

Im Brotschrank liegt noch eine angebrochene Packung Knäckebrot. Ein paar Scheiben Gouda sind auch noch da. Melli schaltet die Kaffeemaschine an, nimmt sich das Knäckebrot und setzt sich vor den Fernseher. Wiederholungen von gestern, supergünstige Reise in die Türkei, Topfsets, Massagegeräte, Diätsuppen. So allmählich sollte Hinnerk aber eintrudeln. Ob sie Erich anrufen soll, seinen besten Freund aus dem Collegium? Sie waren zusammen, als sich Melli vom Schützenplatz verabschiedet hat. Aber so früh am Tag? Das sieht nach Nachschnüffeln aus. Sie wird noch ein, zwei Stunden warten, dann kann man es als verständliche Sorge ansehen.

Im Fernsehen läuft Mit Schirm, Charme und Melone. Es gibt Schlimmeres. Im Bücherregal noch eine Packung mit Kartoffelchips. Es folgt eine Sendung über Nomaden in Kanada. Oder ist es Alaska? Melli schaltet das Fernsehgerät aus, tritt ans Fenster. Am Morgen sind immer Lücken zwischen den Autos auf dem Parkstreifen. Viele Nachbarn sind zur Arbeit gefahren. Sie könnte im Internet nach Esstischlampen schauen und eine Vorauswahl treffen.

Es klingelt. Noch ist es zu früh für den Postboten. Melli fragt „Hallo?“ in die Türsprechanlage. Keine Antwort. Ein Streich von Kindern? Sie geht zurück ins Wohnzimmer, hört erneut das Klingeln. Sie überlegt, betätigt den Türöffner an der Wohnungstür, tritt dann in den Hausflur.

Die Haustür wird aufgedrückt, eine Gestalt stolpert die Außenstufen herauf. Hinnerk. Mit einer Hand hält er sich an der Wand aufrecht, die Schuhe schlurfen über die Fliesen. Wie er aussieht! Er hat einen Schluckauf. Mit der freien Hand greift er nach dem Türrahmen.

„Komm rein, oder brauchst du eine Extraeinladung?“

Hinnerk schiebt sich an der Wand entlang, will sich an Melli festhalten. Sie weicht zurück, er sucht Halt an der Garderobe. Rutscht schließlich an Jacken und Mänteln ab und landet auf Händen und Knien auf dem grauen Teppichboden.

„Du siehst aus wie ausgekotzt“, sagt Melli, „und so riechst du auch.“

Marike Kalenberger öffnet sich der Sonne. Sie hasst es, früh aufzustehen. Jetzt hat sie endlich ein paar Tage frei und was macht sie? Sie steht wahnsinnig früh auf. Noch liegt weißer Dunst über dem Steinhuder Meer, Möwen suchen das Ufer nach Fressbarem ab, streiten sich um einen durchgeweichten Kinderhandschuh, Enten und Schwäne hoffen auf Brotreste der Frühaufsteher.

Mit dem Blick aufs Wasser beginnt sie ihre Tai-Chi-Übungen. Der weiße Kranich breitet die Flügel aus.

Für einen Augenblick verliert Kalenberger die Konzentration. Weißer Kranich – bei ihren Hüften! Mit ein wenig Konzentration findet sie wieder in ihre Übung zurück. Arme und Beine bewegen sich in gegensätzliche Richtungen. Das linke Bein und der rechte Arm sollen leicht und voller Energie sein, während der feste Stand des rechten Beins mit einem Gefühl von Schwere im linken Arm einhergeht. Yin und Yang wirken in vollkommener Harmonie auf die innere Ausgeglichenheit. Der Kranich zieht seine Bahn in Schönheit und Anmut.

Aus dem Frühstücksraum des kleinen Hotels weht der Duft von frisch gebrühtem Kaffee herüber. Kalenberger seufzt. Sie muss noch viel lernen, lässt sich zu leicht ablenken.

Ein kleines, aber feines Frühstücksbüfett. Sogar mit der Wahl zwischen Rühreiern und gekochten Eiern. Am Fenster sitzt ein älteres Ehepaar. Sie wollen heute auf ihren Rädern das Steinhuder Meer umrunden, berichten sie aufgekratzt. Er ist schon achtundsiebzig, sie verschweigt ihr Alter.

Kalenberger auch. Sie will sich heute nur entspannen, vielleicht mit einem kleinen Spaziergang am Ufer beginnen und einen Besuch der Töpferei im Ort unternehmen.

Sie setzt sich, schaut hinaus, ein entspannter Blick aufs Wasser, die Bedienung schenkt ihr Kaffee ein. Die Sonne saugt den Dunst vom Wasser ab. Es könnte ein schöner Tag werden. Morgen will Kalenberger Den Tiger zum Berg tragen, eine Übung, die sie gerade erst in ihrem Kurs gelernt hat.

Neunundvierzig Euro Einzelzimmerzuschlag. Sie ist doch nicht absichtlich allein. Hätte schon gern etwas Warmes neben sich im Bett. Aber der Angetraute musste auf der A2 mit einhundertachtzig die Leitplanke berühren, abheben und sich einen bereits mehrfach geschädigten Baum zum Ableben aussuchen. Ist jetzt auch schon dreieinhalb Jahre her. Seine Skatrunde hat sich ihrer angenommen. Jeden Freitag trifft sie sich mit Karl-Friedrich, Norbert und Helmut, falls ihr Dienstplan es zulässt; sonst spielt die Runde ohne sie. Norbert hätte sie sich schon zum Kuscheln zurechtbiegen können. Aber Norbert ist rechthaberisch, und sie kann nicht freiwillig verlieren. Pik gegen fünf mit zweiundsechzig Augen gewonnen. Hat sie bei ihrem Vater gelernt, der war Feuerwehrmann in Flensburg und konnte das letzte Dutzend Spiele exakt aus seinem Gedächtnis abrufen.

Und so ein richtiger Männertyp ist sie nun auch nicht. Zu groß, zu breit, zu präsent. Männer lieben kleine anschmiegsame Mäuschen, die nicht widersprechen und sich Schuhe und Handtaschen kaufen lassen. Norbert hätte frohlockt, wenn sie das Pik vergeigt hätte, und wäre sicher bereit gewesen, sie zu trösten. Ist sonst noch etwas gegen die eigene Person vorzubringen? Spreiz- und Senkfüße, Hallux valgus an beiden Füßen, unvorhersehbare Hitzewallungen, Albträume, das Übliche eben für eine Hauptkommissarin ihres Alters.

Ein Kormoran fliegt auf die Bank am Ufer und breitet seine Flügel zum Trocknen aus.

Natürlich hat sie auch ihre kleinen Laster. Sie ist knapp fünfzig und erhebt keinen Anspruch auf Vollkommenheit. Jede zweite Woche nimmt sie sich ihren Pizza-Tag. Wenn es ihr Dienstplan zulässt. Dann ruft sie in der Pizzeria Pinocchio an und bestellt eine Pizza Diavolo. Bei Tomaso.

Sie ist mit Tomaso ins Gespräch gekommen. Tomaso ist ein freundlicher Mann mit beruhigender Geduld. Bei der zweiten Bestellung hat er ein großes Brett mit merkwürdigen Löchern mitgebracht. Kalenberger vermutete etwas Abartiges, doch seither spielen sie mit Hingabe jedes Mal mindestens eine Runde Carambole. Carambole ist eine Art Billard, doch wird mit den Fingern statt mit Queue gespielt. Das Brett ist quadratisch und besitzt vier Ecklöcher. Zum Spielen werden runde Plastiksteine verwendet, die an Damesteine erinnern. Ziel ist es, die eigenen Spielsteine regelgerecht in die Ecklöcher zu schnipsen, bevor der Gegner seine Spielsteine versenkt hat. Es gibt ziemlich komplizierte Regeln, aber darum haben sich Kalenberger und Tomaso noch nie gekümmert, sie wollen einfach nur ihren Spaß haben. Auch danach. Denn Tomaso ist ein Liebhaber mit Humor und Temperament, sanft und energisch zugleich. Da Kalenberger immer seine letzte Auslieferung ist, muss er nicht auf die Uhr schauen und bleibt bis weit nach Mitternacht. Kalenberger bietet ihm jedes Mal ein üppiges Trinkgeld an, das er empört zurückweist. „Doch nicht von einer so hübschen und charmanten Frau!“ Sie steckt es ihm dann in einem unbeobachteten Augenblick heimlich in die Jacken- oder Hosentasche. Aber für Sex bezahlen ist auf die Dauer keine Lösung. Oder ist das eine von ihren überholten Einstellungen? Jedenfalls ist die Skatrunde in den Hintergrund gerückt, und allmählich entschuldigt sie sich nicht einmal mehr, wenn sie einen Skatabend versäumt. Tomaso hat das Carambole-Brett bei ihr gelassen, Kalenberger hat es auf den Kleiderschrank geschoben.

Sie greift zur Kaffeetasse, das Handy klingelt. Einen Augenblick überlegt sie, ob sie das Gespräch annehmen soll. Schließlich hat sie Urlaub, offiziell eingereicht und genehmigt. Doch das Pflichtbewusstsein siegt.

„Kalenberger.“

„Nisalski!“

Paul Nisalski, Erster Kriminalhauptkommissar des 1.1 K Hannover. Mordkommission. Kalenbergers Vorgesetzter. Er ist immer direkt und ohne Umschweife, nicht mal ein Guten Morgen.

„Am Schützenplatz wurde eine Leiche gefunden. Direkt an der Ihme. Scheint keine natürliche Todesursache zu sein. Eine Sonderkommission wurde eingerichtet. Vier Mann. Merken Sie sich den Namen Soko Kleeblatt. Sie haben die Leitung. Obanczek ist Ihr zweiter Mann. Urs Obanczek. Er ist schon am Tatort und meldet sich bei Ihnen, wenn er Sie braucht. Ansonsten noch einen schönen Urlaub.“

Der versteht’s. Weiß doch ganz genau, womit er Frau Hauptkommissarin in Bewegung setzt. ... wenn er Sie braucht! Wann ist das? Zu Obanczeks Beförderungsfeier? Soll sie ihm dann Blümchen streuen? „Bei uns herrscht das Leistungsprinzip“, hat Nisalski noch in der letzten Woche verkündet, „ohne Rücksicht auf frühere Verdienste oder Berufsjahre. Wie in der Fußballnationalmannschaft!“ Kalenberger musste gleich an Michael Ballack denken, obwohl der natürlich keine fünfzig ist. Doch ihren Kaffee wird sie noch austrinken, bevor sie sich auf den Weg macht.

B 441, Wunstorf, Garbsen, Hannover. Eine knappe Dreiviertelstunde wird sie unterwegs sein. Wenn sie ein bisschen auf die Tube drückt, schafft sie es vielleicht in fünfunddreißig Minuten. Ausgerechnet Schützenfest. Dem Trubel wollte sie entgehen. Jetzt steckt sie mittendrin. Vielleicht ein Betrunkener, der an seinem Erbrochenen erstickt ist? Das wäre zumindest weniger Arbeit, und ihr Koffer steht auch noch im Hotel am Steinhuder Meer.

Sie denkt an Urs Obanczek. Kriminalkommissar. Kein Haar auf dem Kopf, hat ein bisschen was von einem Türsteher. Eine Stufe unter ihr, auf dem Sprung. Ein unauffälliger Kollege, irgendwie synthetisch, mit geradliniger Lebensführung. Eine kleine Irritation: Er sammelt Lippenstifte, hat Kalenberger irgendwann einmal herausgefunden. Behält sie aber für sich. Obanczek tarnt es als Interesse an Zinnsoldaten. Aber sonst ... er hat den Blick fürs Faktische, während Kalenberger mehr aus dem Gefühl heraus entscheidet. Dabei gibt sie sich solche Mühe, erst zu denken und dann zu handeln.

Für Kalenberger ist Obanczek ein Dienstmensch, von seinem Privatleben weiß sie so gut wie nichts. Im Dienst ist er ernsthaft und genau, verliert sich allerdings gelegentlich in kleinteiligen Tatortlogarithmen oder abwegigen Wahrscheinlichkeitskonstruktionen. Seine Gehirnwindungen scheinen mathematisch konstruiert zu sein. Im Internet trifft er sich zu mathematischen Knobeleien mit Gleichgesinnten.

Sie haben schon ein paar Mal gut zusammen gearbeitet, obwohl er fast anderthalb Jahrzehnte jünger ist. Wenn er etwas sagt, ist es meist Gescheites. Aber sein Faible für Mathematik macht ihn schon ein bisschen unheimlich. Manchmal bringt er so eine mathematische Aufgabe ins Kommissariat mit. Mit der achten Wurzel aus und der siebten Potenz von irgendwem versetzt er jedem kollegialen Wortgeplänkel den Todesstoß. „Und ich dir, wenn du noch einmal bei Gelb bremst!“ Der vorausfahrende Opel nervt schon eine Weile.

Sie braucht siebenunddreißig Minuten. Soll sie Obanczek anrufen, wo sie ihn finden kann? Sie verlässt sich auf ihre Intuition. Ein Begriff, den Obanczek nur vom Hörensagen kennt. Er hat ein Navi – in seinem Kopf.

Westschnellweg, Falkenstraße, Beuermannstraße hoch. Da ist es. Zwei Einsatzfahrzeuge stehen halb schräg im Graben, davor ein ziviler Wagen, großflächig ist das Terrain zwischen Festplatz und Ihme mit rot-weißen Bändern abgesperrt. Das Riesenrad dreht sich bereits, Sirenen locken zu einer neuen Fahrt auf dem Kinderkarussell, ein Hauch von Bratwurst und gebrannten Mandeln steht über dem Platz, die Luft ist heiß und überschwer. Gewitter wurden für den Tag vorhergesagt. Kalenberger greift nach ihrem stets einsatzfähigen Vorrat an Papiertaschentüchern. Dazu der Geruch von ausgebranntem Fritteusenfett. Wenn sie was im Magen hätte, müsste sie sich jetzt Sorgen machen. Wehmütig denkt sie an ihr zurückgelassenes Frühstück.

Sie steigt aus ihrem Auto. Die Kollegen widmen sich bereits ihrer Arbeit. Spurensucher in ihren weißen Anzügen, Engel des Todes. Der Arzt sitzt abseits auf einem Alukoffer und spricht in sein Diktiergerät. Die Abteilung Todesermittlung ist unterwegs und Streifenpolizisten kümmern sich um den Abstand der Gaffer mit ihren Handys im Anschlag. Eine Seuche, seit man mit den Dingern Fotos machen kann. So ist Kalenberger schon zweimal in ausgesprochen ungünstiger Pose in die Presse gekommen. Sie sah aus wie ein Kartoffelsack auf Plattfüßen ... Bürgerreporter – man sollte sie alle ...

Obanczek kommt auf sie zu, begrüßt seine Vorgesetzte, gibt ihr die Hand. „Offensichtlich erschlagen.“ Er dreht sich um und geht die Böschung zur Ihme hinunter. Kalenberger wischt sich den Schweiß von der Stirn, folgt ihm durch das Dickicht aus flachen Sträuchern und Brennnesseln. „Gib mir mal die Hand!“ Obanczek schaut sich überrascht um, reicht Kalenberger dann seine Hand. Sie macht ein paar schnelle Schritte das steile Stück der Böschung hinunter. Vor ihr liegt eine gebauschte Goldfolie. Obanczek hebt die Folie an. Da liegt ein junger Mann in seiner festlichen Kleidung auf dem trockenen Gras. Cut, schwarze Hose, nur noch ein Schuh. Er liegt zusammengekrümmt auf der rechten Seite. Die Hose durchgeweicht von seinen Ausscheidungen. Kalenberger schwitzt noch mehr. Sie geht in die Hocke. Eine offene Wunde klafft am Hinterkopf des jungen Mannes. Das Blut ist bereits getrocknet. Seine Augen starren auf honiggelbe Blüten eines Löwenzahns. Ameisen haben ihre Spuren gelegt und krabbeln über Wangen, Lippen und die Stirn hinauf bis unter die Haare. Am Ufer der Ihme kämpft eine Gruppe Rabenkrähen um die Logenplätze. Eine dicke Schmeißfliege setzt sich brummend auf den Rand der offenen Kopfwunde. Kalenberger verscheucht sie mit einer energischen Handbewegung. Sie erhebt sich angewidert, schaut aufs Wasser und holt mehrmals tief Luft.

„Der zweite Schuh wurde etwas weiter oben gefunden“, sagt Obanczek.

„Gut“, sagt Kalenberger.

„Er wurde erschlagen“, sagt Obanczek.

„Wäre ich nicht drauf gekommen.“

Obanczek sieht sie fragend an.

„War ein Scherz!“, sagt Kalenberger.

Obanczek nickt. Er weiß, dass sie erst wieder ihren professionellen Ton finden muss. „Neben der Leiche wurde ein Pflasterstein gefunden und als vermutliche Tatwaffe sichergestellt.“

„Wann ist es passiert?“

„Zwischen Mitternacht und heute sechs Uhr. Weitere Einzelheiten nach Geschäftslage.“ Er weist mit dem Kopf auf den diktierenden Arzt, der schaut herüber, grüßt Kalenberger mit leicht erhobener Hand, ohne seinen Bericht zu unterbrechen.

„Weiß man schon, wer es ist?“

„Der Mann hieß Sonneveld. Arne Sonneveld. Ein Streifenpolizist konnte sich an ihn erinnern. Er war am Wochenende als einer der aktuellen Bruchmeister auf den Titelseiten der Zeitungen abgebildet.“

„Und da hat er sich den Namen merken können?“ Kalenberger schaut die Böschung hinauf.

„Wir haben eine Zeitung im Papiercontainer gefunden. – Und eine tote Katze. Hat aber wohl nichts mit dem Fall zu tun.“

Kalenberger schmerzen die Füße. Ihr Chi ist völlig durcheinander.

Sie braucht dringend einen Kaffee und etwas zwischen die Zähne. Zähne? Zahnarzt! In vierzehn Tagen beginnt die Bohrerei für ihre beiden Implantate. Am schlimmsten werden sicher wieder die Spritzen in den Gaumen sein. Irgendwie kann sie sich mit leerem Magen nicht richtig konzentrieren. „Wollen wir zusammen frühstücken?“

„Können wir“, sagt Obanczek.

Sie fahren zur Markthalle, Kalenbergers Vorschlag. Obanczek wäre lieber in Schäfer’s Backshop gegangen. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Sparbrötchen.

Die Markthalle liegt an der Karmarschstraße, unweit der Marktkirche und gegenüber vom Alten Rathaus. Dreiundsiebzig Marktstände bieten Gemüse, Wein, Wurst, Fleisch, Brotwaren, Fisch und Obst. Ebenso gibt es Stände mit warmem Essen, deutsche Küche und internationale Spezialitäten. Im Volksmund als Bauch von Hannover bezeichnet, ist die Markthalle ein beliebter Treffpunkt, um einzukaufen, ein Glas Prosecco oder einen Cappuccino zu trinken. Schließlich befindet man sich im Fadenkreuz von Geld, Politik und städtischer Gesellschaft.

Als Original der Markthalle gilt Karoline Duhnsen, genannt Oma Duhnsen, aus Lindhorst, die 2001 gestorben ist. Sie reiste täglich aus dem Schaumburger Land an und verkaufte an einem Marktstand über fünfzig Jahre lang Fleisch- und Wurstwaren. Sie präsentierte sich in Schaumburger Tracht jährlich auch beim Ausmarsch der Schützen. Noch zu ihren Lebzeiten wurde ihr ein Denkmal vor dem Haupteingang der Markthalle errichtet, das sie mit Kiepe und Korb darstellt.

Kalenberger lädt Obanczek ein. Sie parken auf dem Hof des Ordnungsamtes Mitte. Obanczek legt die Berechtigungskarte für die Benutzung des Parkplatzes an der Polizeidirektion auf die Armaturenablage. Besagt zwar nichts, hilft aber meist auch in reservierten Parkzonen.

Sie betreten die Markthalle durch den Eingang Leinstraße. Gleich rechts das Miró. Kalenberger bestellt sich einen Cappuccino und zwei halbe Brötchen mit Parmaschinken und Mortadella. Es sind nicht irgendwelche Brötchen, es sind Tigelle nach original Bologneser Rezept, knusprig und luftig zugleich.

„Mortadella?“ Obanczek schüttelt missbilligend den Kopf. Kalenberger lacht, Obanczek wählt zum Cappuccino ein Brötchen mit Mozzarella.

„Aber du!“, sagt Kalenberger.

„Hä?“ Obanczek weiß mit der Bemerkung nichts anzufangen.

„Motzkopf!“ Kalenberger lacht. Sie erzählt vom Sonnenaufgang am Steinhuder Meer, und Obanczek scheint zuzuhören und gleichzeitig eine seiner mathematischen Aufgaben zu lösen. Plötzlich greift er nach Kalenbergers Arm und deutet mit dem Kopf den Gang hinunter. „Ist das nicht der Schröder?“

„Welcher Schröder?“ Normalerweise reagiert Kalenberger schneller.

„Unser Altkanzler.“

„Wo?“

„Da vorne.“

„Ich seh ihn nicht.“

„Jetzt ist er weg.“

„Der kommt wieder. Bestimmt.“

Hinnerk schlurft ins Badezimmer. ... du riechst wie ausgekotzt. Er würgt, doch sein Magen ist leer. In seinem Kopf ein kreischendes Durcheinander. Er zieht den Cut aus, Hemd und Hose fliegen unter den Waschtisch. An der Wand weiße Fliesen, dazwischen graue Fugen, ein bunter Blumenaufkleber von der Flasche eines Reinigungsmittels. Auf der Wand über der Badewanne ziehen weiße Möwen ihre Kreise über blauem Wasser. Einfach abheben, wegfliegen, das wär’s. Das Motiv hat Melli ausgesucht. Ist das Design? Oder Kitsch? Damit hat er sich noch nie ausgekannt.

Er betätigt die Wasserspülung als Lebenszeichen, sieht sich im Spiegel an. Das Gesicht ist ziemlich zerknittert, Bartstoppeln geben ihm ein finsteres Aussehen, auf einer Wange entdeckt er einen verschmierten Lippenstiftabdruck. Diese aufdringliche Frau im Festzelt – hat sich auf seine Knie gesetzt, ihn abgeknutscht und ihren Wabbelbusen auf seiner Brust kreisen lassen. Er wollte sie loswerden, aber mit Armen wie Schraubstöcke hatte sie sich festgehalten. Die Schützenbrüder haben ihm hämisch zu seiner Eroberung gratuliert. Goldene Zähne blitzten in ihrem Mund und Ringe wie Wagenräder hingen an ihren Ohren. Sie hat ihm ihre Handynummer auf ein abgebrochenes Stück eines Bierdeckels gekritzelt. Einfach widerlich!

Erschöpft lehnt sich Hinnerk mit dem Rücken gegen die Badezimmertür, wischt mit Toilettenpapier den Spiegel blank, spült sich dann den Mund mit Wasser aus. Ein wenig Erleichterung. Und plötzlich die Erkenntnis: Heute sollte er mit Melli irgendwas für die Wohnung kaufen. Doch in seinem Zustand kann er in kein Einrichtungshaus fahren. Aber was Melli sich in den Kopf gesetzt hat ... Das gibt noch mehr Ärger.

Wo liegen die Aspirin? Früher betreute ihn Melli in solchen Situationen, wärmte seine frierenden Glieder mit einer Wärmflasche und versorgte ihn mit Medizin und Kamillentee. Aspirin liegt in der Schublade des Spiegelschranks. Melli hält Ordnung. Er muss herausfinden, wohin sie heute fahren wollten. Das brächte zumindest ein paar klägliche Pluspunkte.

Schnell die zwei Tabletten auflösen und schlucken. Dann unter die Dusche. Könnte er doch den ganzen Tag unter dem warmen Wasserstrahl verbringen. Keine bohrenden Fragen, keine ausweichenden Antworten. Mellis abschätzende Augen werden ihn festnageln. Wie soll er es ihr erklären? Nichts ist geschehen. Gar nichts!

Hinnerk stützt sich mit beiden Armen an der Wand der Dusche ab, den Kopf nach vorn gebeugt. Der harte Wasserstrahl massiert Nacken und Rücken. Bäche rinnen über seinen Körper, Tropfen sammeln sich an der gegenüberliegenden Glaswand, werden zu Rinnsalen und suchen sich ihren Weg zum Abfluss. Plötzlich ein Bild in seinem Kopf. Rote Tropfen. Blutrote Tropfen.

Hinnerk stellt die Dusche ab. Schaut noch einmal auf die Glaswand. Das Wasser ist wie immer: farblos, klar und rein.

Melli hat das Radio eingeschaltet, hantiert in der Küche.

„Die Esstischlampe können wir wohl vergessen!“

Dann die Nachrichten: Einer der vier Bruchmeister des gestrigen Schützenausmarsches wurde tot aufgefunden. Fremdverschulden sei nicht auszuschließen. Nähere Einzelheiten in einer Pressekonferenz der Polizei am frühen Abend.

Hinnerk setzt sich aufs Sofa und lehnt sich zurück. „Entsetzlich!“ Wird man ihn auch befragen? Es klingelt an der Haustür. Was soll er sagen? Er hat doch keine Erinnerung, aber die Polizei wird sie ihm schon zurechtrücken. Es ist aber nur der Postbote mit einem Päckchen für Melli. Sie trägt es in die Küche, muss immer alles gleich auspacken. „Ein toter Bruchmeister?“, ruft sie. „Wer kann das sein?“

„Ich weiß es nicht.“

„Meinst du, er hat sich umgebracht? Da war doch schon mal so etwas.“

„Woher soll ich das wissen?“

„Und wenn er ermordet wurde?“

„Die Polizei ...“

„Wie fürchterlich, und wir waren ganz in seiner Nähe.“

Drei

Hinnerk schleppt sich ins Schlafzimmer. Das Bettzeug ist noch unter einer Tagesdecke versteckt. Er schlägt die geblümte Decke zurück, dann die Zudecke und legt sich auf das kalte Laken. Die Sonne schickt blendende Helligkeit ins Zimmer. Rollläden durften an den denkmalgeschützten Häusern nicht angebracht werden. Das Licht schmerzt in seinen Augen, er dreht sich zur Seite. In der Ferne hört er das Signalhorn eines Einsatzfahrzeuges. Er könnte aufstehen und die Vorhänge vor die Fenster ziehen, kann sich aber nicht aufraffen.

Hinnerk schläft ein, wacht auf, schläft wieder ein. Ein Gewitter entlädt sich über Hannover. Hinnerk bekommt nichts davon mit, wälzt sich in unruhigen Träumen. Als er aufwacht, ist sein Mund trocken und pelzig, der Magen hat sich etwas beruhigt. Hinnerk möchte sich wieder in das Niemandsland des Schlafes fallen lassen, hofft aufs Abdriften der Gedanken in einen sanften Traum. Vergebens. Sein Puls rast plötzlich. Er spürt seinen Herzschlag und ein Pochen im Kopf. Dieser dämliche Alkohol! Schließlich schläft er doch wieder ein, erwacht. Die Dunkelheit im Zimmer wird nur vom Licht der Straßenlaterne schwach durchbrochen. Jetzt sind die Vorhänge vorgezogen. Er sollte aufstehen, sich um seine Klamotten kümmern, bevor sich Melli ihrer annimmt. Er bleibt trotzdem im Bett. Fühlt sich zu matt, erschlagen. Schreckliche Szenen haben ihn im Traum in Angst und Schrecken versetzt. Waren es Träume oder Erinnerungen? Es muss schon Morgen sein. Die Bettseite neben ihm ist unberührt, kalt und leer. Es fröstelt ihn, seine Muskeln in Waden und Oberschenkeln verkrampfen sich. Er zieht eine Zudecke über sich, will einen klaren Gedanken fassen, doch alles verschwimmt ineinander, löst sich wieder auf, und wie in starkem Scheinwerferlicht sieht er plötzlich überdeutlich Arne Sonneveld vor sich. In seinen Armen.

Melli, wo ist Melli? Melli, ich brauche dich! Gib mir Halt! Melli, Melli! Doch Melli ist nicht da. Er erinnert sich schwach, wie sie die Decke um sich geschlungen hat und ins Wohnzimmer gestiefelt ist. Er steht auf, schleicht ins Wohnzimmer. Melli ist bereits zur Arbeit gefahren. Sie arbeitet in der Verwaltung des Klinikums Siloah. Wird sie ihm verzeihen, wenn sie erfährt, was passiert ist? Seine Schützenbrüder werden es bestimmt nicht für sich behalten.

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