Mord mit Streusel - Jutta Mehler - kostenlos E-Book
Beschreibung

Bei dem Versuch, eine Explosion vorzuführen, kommen zwei junge Feuerwehrleute der Deggendorfer Feuerwache ums Leben. Ein Unfall, meinen Polizei, Gutachter und Staatsanwalt. Ein Mord, glaubt der Kommandant. Und bittet das rüstige Rentnerinnen-Trio Thekla, Hilde und Wally um Hilfe. Doch die Ermittlungsarbeit der drei Damen erweist sich als lebensgefährlich.

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Seitenzahl:42

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Jutta Mehler, Jahrgang 1949, hängte frühzeitig das Jurastudium an den Nagel und zog wieder aufs Land, nach Niederbayern, wo sie während ihrer Kindheit gelebt hatte. Seit die beiden Töchter und der Sohn erwachsen sind, schreibt Jutta Mehler Romane und Erzählungen, die vorwiegend auf authentischen Lebensgeschichten basieren.

www.jutta-mehler.de

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen – ausgenommen Alois Schraufstetter und Erwin Wurzer – sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit anderen lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

Dieser Roman wurde vermittelt durch die Aulo Literaturagentur.

© 2014 Emons Verlag GmbH Alle Rechte vorbehalten Umschlagmotiv: © mauritius images/STOCK4B Umschlaggestaltung: Tobias Doetsch Gestaltung Innenteil: César Satz & Grafik GmbH, Köln eBook-Erstellung: CPI books GmbH, LeckISBN 978-3-86358-748-2 Originalausgabe

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Montag, der 3.Juni

Nachmittags im Café Krönner

»Das Übliche«, sagte Thekla. »Und bitte, Elisabeth, machen Sie schnell.«

Die Frau mittleren Alters, die im Café Krönner an den Fenstertischen bediente, warf Thekla einen erstaunten Blick zu, dann nickte sie und rekapitulierte kurz, wie sie es immer tat: »Ein Stück Agnes-Bernauer-Torte und einen Latte macchiato.« Ohne Theklas Reaktion abzuwarten, eilte sie davon.

Thekla lehnte sich aufatmend zurück.

Ja, sie war zu früh gekommen, und das mit voller Absicht. Bereits am Frühstückstisch hatte sie entschieden, sich eine Viertelstunde vor der vereinbarten Zeit im Café Krönner einzufinden. In diesen fünfzehn Minuten wollte sie sich unbehelligt ihrem Tortenstück widmen, bevor Hilde und Wally aufkreuzten und mit ihnen die großen und kleinen Katastrophen, die sich seit ihrem letzten Treffen ereignet hatten.

Elisabeth hatte offenbar begriffen, weshalb Thekla um forciertes Tempo gebeten hatte, denn sie servierte Kaffee und Kuchen im Handumdrehen und sagte zwinkernd: »Genießen Sie die Ruhe vor dem Sturm.«

»Danke, das werde ich.« Thekla lächelte freundlich. Dann schaltete sie das Denken ab und konzentrierte sich voll und ganz auf den Geschmack von Mokkacreme und Mandelbaiser.

Stille wie über einer glatten Wasserfläche, die nicht der kleinste Windhauch kräuselt, breitete sich in ihren grauen Zellen aus. Kein Gedanke wagte sich zu regen. Keiner an die Stein’sche Apotheke, die sie gemeinsam mit ihrem Bruder in dem Marktflecken Moosbach betrieb, keiner an Hausarbeit und Bügelwäsche, nicht einer an Hilde und Wally, die gleich da sein würden, um sie mit Geschwätzigkeit zu überrollen.

Wäre irgendjemand auf die Idee gekommen, Thekla deswegen zu kritisieren, dann hätte sie geantwortet, dass es wohl unterschiedlichste Formen der Meditation gäbe. Die einen verrenkten sich im Schneidersitz, um das Hirn am Rödeln zu hindern, andere leierten Mantras herunter; Sportskanonen joggten bis zum Umfallen, Yoga-Anhänger spürten ihrem Atem nach, Gottesgläubige versenkten sich ins Gebet. Sie, Thekla Stein, zog es vor, ihre Geschmacksnerven derart zu stimulieren, dass die gesamte Hirntätigkeit quasi in Wohlgeschmack ertränkt wurde. Verzückung, Ekstase, darauf waren sie doch aus, all diejenigen, die sich mit Kontemplation abmühten. Ein leiblicher Hochgenuss führte ebenso gut ans Ziel, fand Thekla.

»Du hast schon bestellt und sogar schon halb aufgegessen?« Hildes vorwurfsvolle Stimme riss Thekla aus ihrer Trance.

Bevor sie eine Antwort parat hatte, ließ sich auch Wally leicht quengelnd vernehmen: »Wir sollten es wirklich tun. Der Kirschstreusel im Café Nostalgie ist echt eine Wucht.«

Wallys Worte stürzten Thekla in Verwirrung. Erstaunt hörte sie Hilde erwidern: »Wie oft soll ich mich noch wiederholen? Mit deinem Vorschlag wirst du bei Thekla auf Granit beißen.«

»Aber«, begann Wally, unterbrach sich jedoch, weil Elisabeth bereits an den Tisch trat.

»Heiße Schokolade mit viel Sahne?«

Wally ließ sich auf den Stuhl gegenüber Thekla fallen und nickte freudig.

»Die Punschtorte ist heute besonders saftig«, sagte Elisabeth.

Daraufhin nickte Wally gleich zweimal.

»Und Sie, Frau Westhöll?«, wandte sich Elisabeth an Hilde, die sich wie immer mit dem Rücken zum Fenster zwischen Thekla und Wally gesetzt hatte. »Grüner Tee und –?«

»Erdbeerkuchen«, beschied ihr Hilde.

Thekla klappte die Kinnlade herunter. Seit Jahren hatte Hilde keinen Kuchen mehr angerührt, stattdessen hatte sie immer etwas aus der kleinen Speisekarte bestellt, auf der das Krönner Mittagsgerichte anbot: Krönner Toast oder Fingernudeln, Kartoffelauflauf oder Eintopf.

Elisabeth hatte fragend die Augenbrauen hochgezogen.

»Sie haben richtig gehört«, bestätigte Hilde. »Mir ist heute nach Erdbeerkuchen.«

Auf Wallys Gesicht breitete sich ein fröhliches Lächeln aus.

So sieht sie richtig hübsch aus, dachte Thekla. Lachfältchen kaschieren die Glupschaugen, das fliehende Kinn schiebt sich nach vorn, die Hängebacken wandern aufwärts. Wenn sie auf den türkisgrünen Lidschatten verzichtet und mit dem scharlachroten Lippenstift ein wenig gespart hätte, könnte man durchaus Gefallen an ihr finden.

Wally klatschte die Hände zusammen. »Du kommst wieder auf den Geschmack, Hilde! Und wenn du erst einmal den Streuselkuchen im Nostalgie probiert hast, bist du endgültig bekehrt.« Zwinkernd fügte sie hinzu: »Ein paar Pfund mehr würden deiner Figur sowieso nicht schaden.«

Deiner allerdings, liebe Wally, würden sechs Wochen Früchtefasten zu einer annähernd gestalteten Form verhelfen, dachte Thekla unbarmherzig.

Hilde schnaufte vielsagend und verdrehte die Augen.

Thekla wandte sich ihr zu und sah sie auffordernd an. Die Frage, die in Worte zu kleiden sie sich sparen wollte, stand ihr ins Gesicht geschrieben: Was hat es mit diesem Streusel-Geschwätz auf sich?