Verlag: Books on Demand Kategorie: Krimi Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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Seitenzahl: 133

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Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Mörder, Tote, Kommissare -

MTK steht für Main-Taunus-Kreis, aber ebenso für Main-Taunus-Krimis oder "Mörder, Tote Kommissare". Uli Aechtner, Leila Emami, Jürgen Heimbach, Peter Jackob, Bernd Köstering, Susanne Kronenberg, Richard Lifka, Rita Rosen, Leif Tewes, Belinda Vogt und acht weitere Autorinnen und Autoren aus RheinMain decken in 26 Kurzkrimis die düsteren Seiten des beschaulichen Hofheim am Taunus auf. Ob zwischen Möbelhaus und Meisterturm oder in abgründigen Altstadtkellern: mordsgefährliche Überraschungen lauern nicht nur im Stadtmuseum.

Meinungen über das E-Book Mörder, Tote, Kommissare -

E-Book-Leseprobe Mörder, Tote, Kommissare -

Wir danken der vhs Main-Taunus-Kreis und dem Stadtmuseum

Hofheim für die Unterstützung bei der Gestaltung des Krimitags.

Die Autorinnen und Autoren

GRUβWORT

Liebe Leserinnen und Leser,

für alle, die glauben, dass es im friedlichen Hofheim keine Intrigen, keine Verbrechen und erst recht keinen Mord gibt, sei der Krimitag im Hofheimer Stadtmuseum empfohlen.

Und für alle, die sich fragen, was haben Politik und Krimi gemeinsam, sei zugerufen: Was wäre die Krimiwelt ohne die Politik?

In der Politik geht es in der Vorstellung und in der Phantasie vieler Menschen immer um Macht, Geld und Einfluss. Nun, die Phantasie ist da besonders groβ, wo sie sich unbegrenzt entfalten kann. Dass Politik – gerade auf kommunaler Ebene – wenig damit zu tun hat, tut dem Reiz des Unbekannten und Mysteriösen keinen Abbruch. Phantasie ist bekanntlich der beste Raum für Verschwörungstheorien, die hinter jedem Vorgang das organisierte Verbrechen mit gar internationalen Verbindungen vermuten.

Nach einem dumpfen Klopfen an der Tür bei einer Sitzung zur fortgeschrittenen Stunde im Rathauskeller ernte ich mit dem Spruch: „Das ist nichts Besonderes, das sind die Leichen, die wir hier im Keller haben. Die kommen immer um diese Zeit.“ schon mal entsetzt fragende und gar ängstliche Blicke.

Für alle, die Ironie nicht verstehen – das war eine ironische Anmerkung!

Die Autorinnen und Autoren der Wiesbadener Gruppe „Dostojewskis Erben“ lesen im Stadtmuseum Hofheim aus ihren extra für diesen Tag geschriebenen Kurzgeschichten. In diesen schleichen düstere Gestalten durch verwinkelte Gassen der Hofheimer Altstadt, lauert das Böse in den tausend Ecken eines Möbelhauses und schlägt unerwartet auf der Speedway-Bahn in Diedenbergen zu.

Die Wiesbadener Autorinnen und Autoren gehören dem SYNDIKAT e.V. an, dem Verein zur Förderung deutschsprachiger Kriminalliteratur. Dieser veranstaltet jährlich in Städten wie Berlin, München, Zürich und Wien zum Todestag des Schweizer Kriminalschriftstellers Friedrich Glauser Lesungen, Diskussionen und Veranstaltungen für einen guten Zweck. In Jahr 2018 kommen die Einnahmen des Hofheimer Krimitags der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt e.V. zugute.

Ich freue mich, die Mitglieder von „Dostojewskis Erben“ in unserer Stadt zu Gast zu haben und danke ihnen für die sechsundzwanzig Krimis mit Tatort Hofheim, die in dieser Anthologie zusammengefasst sind.

Ich wünsche Ihnen spannende Stunden mit den Hofheim-Krimis.

Gisela Stang

Bürgermeisterin Hofheim am Taunus

INHALT

Gerrit Lungershausen

V

ORWORT

Susanne Kronenberg

Z

WEIERLEI

M

Ute Schusterreiter

D

AS

H

AAR DER

B

ERENIKE

Richard Lifka

M

UPPETSHOW IN

H

OFHEIM

Leif Tewes

M

ARIE

Bernd Köstering

I

NGA

K

NARK

, E

RIK UND DER

A

LARM

Jürgen Heimbach

P

EINLICHES

V

ERHÖR

Leila Emami

T

OD UND

T

EMPEL

DC Hubbard

W

ENN DER

W

OLF VOR DER

T

ÜR STEHT

Rita Rosen

D

AS

P

ORTRÄT

Belinda Vogt

D

ER TOTE

C

HINESE VOM

C

HINONPLATZ

Peter Jackob

R

UHE IN

F

RIEDEN

Marga Rodmann

D

IE

H

AARE DER

F

RAUEN

Dietmar Thate

D

IE NEUN

P

FORTEN DER

R

ACHE

Thorsten Weiβ

S

EEMANNSGARN UND

M

ANDELKERN

Bernd Köstering

B

URGSTRAβE

11

Uli Aechtner

B

ETTENWEIHNACHT

Richard Lifka

D

ER

K

LASSIKER

Jürgen Heimbach

W

ÄRMESTUBE FÜR NICHT GANZ

A

BGESCHLAFFTE

Rodica Meltzer

D

ER

H

OBBYKILLER

Thorsten Weiβ

H

EXENLIEBE

Leif Tewes

W

ENN DIE

W

AHRHEIT ANS

L

ICHT KOMMT

Susanne Kronenberg

K

ELLERCLIQUE

Dominick Mondorff

D

ER TÖDLICHE

R

ATHAUSBRUNNEN

Marga Rodmann

S

TREIT HINTER DEM

W

ASSER

Burkhard Mohr

F

ACHWERKENGE

Belinda Vogt

D

IE

K

UNST DES

S

TÜRZENS

A

UTORINNEN UND

A

UTOREN

D

ANKSAGUNG

VORWORT

Hofheim ist ein gefährliches Pflaster. Mordsgefährlich. Nach meiner Lektüre dieser Kurzkrimis bin ich erleichtert, die Stadt jeden Abend wieder vor Einbruch der Dunkelheit verlassen zu dürfen, um in meine sicheren vier Wände weit jenseits der Stadtgrenzen heimzukehren. Das Leid des Berufspendlers ist also ein Glücksfall, der mich vor den Schrecken der blutdurstigen Hessen bewahrt.

Dieses Buch ist ebenfalls ein Glücksfall – und zwar gleichermaβen für die Hofheimer Kulturszene, hessische Krimifans und die Volkshochschule Main-Taunus-Kreis. Seit 2016 richtet die in Hofheim ansässige Volkshochschule gemeinsam mit dem Stadtmuseum Hofheim und der Autorengruppe „Dostojewskis Erben“ am 8. Dezember den Krimitag aus. Die Lesungen im Stadtmuseum Hofheim sind stets alles andere als sterbenslangweilig: Zwölf Autorinnen und Autoren lesen in verschiedenen Räumen und fesseln das Publikum mit ihren Erzählungen, die mal spannend, mal witzig, oft beides zugleich sind. Innerhalb kürzester Zeit ist der Krimitag zu einem Hofheimer Kulturevent geworden, das man sich im Kalender markieren sollte. Das ist ein Verdienst der Autorinnen und Autoren von „Dostojewskis Erben“ und auch der Organisation von Martina Jost von Seiten des Stadtmuseums.

Dieses Buch ist ein ganz besonderes Geschenk der Autorengruppe: Eigens für den Hofheimer Krimitag geschrieben, morden die Täter, verfolgen die Ermittler und sterben die Opfer allesamt im Main-Taunus-Kreis – vor unseren Türen, unter unseren Fenstern und manchmal auch unter unseren Füβen. Sie werden schon sehen. Entschuldigung: lesen.

In diesem Buch erwarten Sie einige Geschichten zum Zähneklappern. Vielleicht werden Sie den Bahai-Tempel in Langenhain nun mit anderen Augen sehen. Und wenn Sie jemanden kennenlernen, der im Main-Taunus-Kreis im Denkmalschutz tätig ist, werden Sie fortan vielleicht zu einer Warnung anheben. Vielleicht werden Sie bei Ihrem nächsten Besuch in einem schwedischen Möbelhaus (Imbus und Holzdübel – alles klar?) die Schränke nicht mehr ganz so unbedarft öffnen.

Kriminalgeschichten sollten spannend sein: Die Geschichten dieser Sammlung erfüllen dies nicht nur, sie gehen darüber hinaus: Sie zeigen das tiefe Grauen unter einer dünnen Decke bürgerlichen Alltags, manchmal auch mit einem rigorosen Rückblick in die deutsche Geschichte. Auch das dürfen Kriminalgeschichten, aber nur die guten. Die Herausgeberin, Belinda Vogt, hat solche guten Geschichten für Sie gesammelt.

Der Selbsttest zeigt: Die sechsundzwanzig Kurzkrimis in „Mörder, Tote, Kommissare“ eignen sich vollauf für ängstliche Berufspendler, die sich abends nicht mehr unter die mordlustige Bevölkerung im Main-Taunus-Kreis und deren blutrünstiges Zentrum Hofheim trauen – auβer am 8. Dezember zum Krimitag im Stadtmuseum natürlich.

Aber nun lesen Sie endlich diese guten Geschichten, denn sie haben es verdient, von vielen Leserinnen und Lesern mit viel Freude gelesen zu werden.

Gerrit Lungershausen

Dr. phil. Gerrit Lungershausen ist Fachbereichsleiter für Kultur an der vhs Main-Taunus-Kreis.

ZWEIERLEI MAβ

von Susanne Kronenberg

Liebste Freundin,

endlich konnte ich einziehen. Du wärst entzückt von meinem Häuschen. Wie die Fachwerkbalken in Lavendelblau glänzen! Und drum herum die zarten, in Geranienrot leuchtenden Linien. Die Fensterläden, die Haustür: in strahlendem Sonnengelb. Ein Schmuckstück, wie du es vorausgesehen hast. Ich dagegen hatte nicht deine Vorstellungskraft, als du mich während unseres Bummels durch die Hofheimer Altstadt auf die graue Maus aufmerksam machtest. Ob das nichts wäre für mein letztes Lebensviertel? Am liebsten hättest du selbst zugegriffen, aber deine Wahlheimat Australien ist dir heilig.

Was habe ich mir für Gedanken gemacht. Eine Frau in den Sechzigern, die allein lebt, will ein solches Projekt stemmen? Der Makler gab sich alle Mühe, meine Bedenken zu zerstreuen. Wegen des Denkmalamts, versicherte er eilfertig, müsse ich mir keine Sorgen machen. Der zuständige Beamte sei ein zahnloser Tiger, der dem Nachbarn aus der Hand gefressen habe.

So kaufte ich das Haus und ging frohen Mutes die - bedrohlich umfangreiche - Instandsetzung an. Doch ausgerechnet der zahme Tiger erwies sich als zäher Widersacher, als Denkmalschutzfanatiker, der alles daransetzte, mein Projekt zur torpedieren. Beim Nachbarn, einem groben Streithahn, mochte er noch gekuscht haben. Hatte ihm alles durchgehen lassen, sogar die bodentiefen Fenster und eine Loggia im Dachgeschoss. Meine Vorschläge dagegen wurden abgelehnt oder ins Gegenteil verkehrt. Der Kerl rechnete mit zweierlei Maβ! Du machst dir keine Vorstellung von seinen Forderungen. Je höher seine Ansprüche die Kosten trieben, desto tiefer sank meine Zuversicht. In meiner Verzweiflung suchte ich Trost im verwilderten Garten und beobachtete hinter dem Haus die Katze von nebenan, ein agiles schwarzes Wesen, das viele Schlupfwinkel für die Mäusejagd zu nutzen wusste. Wie ein Spuk erschien sie, eine zappelnde Maus im Schnäuzchen, immer wieder aus einer Stelle im Gebüsch.

Habe ich dir von den Kellern geschrieben? Das ist eine seltsame Hofheimer Besonderheit. Weil in den tiefer gelegenen Straβen das Grundwasser hochdrückt, waren die Bürger früherer Jahrhunderte so gescheit, ihre Vorratskeller im oberen Stadtgebiet anzulegen. So kommt es, dass hier in der Oberstadt unter vielen Häusern zwei Keller liegen: einer, der zum Haus gehört, und ein weiterer, dessen Besitzer unterhalb wohnt. Viele Keller ziehen sich bis unter die Gassen. Wenn ich im Garten sitze, male ich mir aus, wie die Frauen früher aus der Unter- zur Oberstadt gezogen sind, um Kartoffeln und Eingekochtes fürs Mittagsessen zu holen. Da wird so manche vor lauter Tratschen nicht zum Kochen gekommen sein. Doris, die Besitzerin „meines“ zweiten Kellers, hat die Schwatzhaftigkeit mit Löffeln gegessen. Meist höre ich kaum hin. Ich steckte noch mitten im Umbau, als Doris darüber redete, dass vermutlich sogar drei Keller unter meinem Grundstückchen liegen. Ihr verstorbener Vater habe von einem tiefen Gewölbekeller gewusst, der sich bis unter das Nachbarhaus erstreckt haben soll und dessen Besitzer unbekannt gewesen sei. Wenige Tage später musste ich daran denken, als wie so oft die Mieze durch den Garten pirschte, im Gestrüpp verschwand und kurz darauf mit einer Maus vor dem Haus wieder auftauchte. Neugierig folgte ich ihrem Weg.

Das Loch im Erdreich war gefährlich groβ, und die Steine, die ich hineinfallen lieβ, landeten mit dumpfem Schlag in der Finsternis. Kaum hatte ich die Öffnung mit Laub und Zweigen abgedeckt, als mein Freund vom Denkmalamt im Garten erschien. Unangemeldet, wie es seine Art war. Höflich offenbarte ich ihm meine Farbwünsche für die Fassade und erntete Spott und Hohn. Lavendelblau für die Balken? Ein schlichtes Taubenblau wäre das Äuβerste der Gefühle, und die roten Umrandungen könnten nicht mein Ernst sein! Sonnengelb für die Läden? Die Haustür? Ausgeschlossen. Falls ich gegen sein Verbot verstieβe, sei mir ein dickes Buβgeld sicher. Oder gar der Baustopp!

Was kümmerte es den Mann, dass ich keine Zeit zu verlieren hatte und in Frieden in meinem Häuschen wohnen wollte, in den zwei Jahrzehnten, die mir vielleicht noch blieben? Mit groβen Gesten trat er rückwärts, sich lautstark über meine „kitschige Farbpalette“ mokierend - und war mit einem Mal wie vom Erdboden verschluckt. Aus dem Loch schallten wütendes Schimpfen und gequältes Stöhnen herauf, während ich die Lücke mit Brettern abdeckte und diese mit Steinen beschwerte. In den Tagen danach lauschte ich hin und wieder in das Loch hinein. Aus dem Stöhnen wurde Jammern, aus dem Jammern ein Wimmern, das immer leiser klang, bis es schlieβlich völlig erstarb.

Vom Denkmalamt habe ich seitdem nichts gehört auβer der Nachricht, ich müsse mich gedulden, der zuständige Mitarbeiter sei spurlos verschwunden. Mittlerweile haben die Maler all ihre Arbeiten erledigt. Demnächst will ich den Garten verschönern. Auch für die Katze. Sie faucht und sträubt das Nackenfell, wenn sie nur in die Nähe des Lochs kommt, das arme Tier. Eine Steinplatte mit einem Blumenkübel darauf wird sie beruhigen. Dann blühen dort Lavendel, Geranien und Sonnenblumen. In meinen Lieblingsfarben!

Es grüβt Deine Hofheimer Freundin

PS: Soeben klingelte Doris mit dem neusten Tratsch. Ob ich es schon wüsste? Studenten wollten eine Bestandsaufnahme aller Hofheimer Keller machen und ja, selbstverständlich habe sie ihnen von ihrem Vater erzählt.

DAS HAAR DER BERENIKE

von Ute Schusterreiter

Die Schritte kamen von der Sternwarte. Berry fuhr herum. So spät war noch jemand unterwegs? Sie presste ihre Tasche an die Brust und sah dem Mann entgegen. Wahrscheinlich ein Astronomie-Fan, der nach einer Veranstaltung noch einen Spaziergang machte. Entsetzt trat er neben sie und stierte auf die Leiche.

„Mein Gott, was ist passiert?“

Berry antwortete nicht. Sie starrte auf das merkwürdige Zeichen, das Victor mit letzter Kraft auf den Weg gemalt hatte. Zwei Linien im rechten Winkel. Sein Finger lag noch in der Blutlache, die aus seinem Bauch gequollen war.

„Wir müssen die Polizei verständigen“, rief der Mann. „Fassen Sie nichts an, vor allem, treten Sie nicht auf das Zeichen, der Tote wollte damit sicher seinen Mörder benennen!“

Seine Worte durchfuhren Berry wie die klirrend kalte Winterluft ihre Lungen. Doch dann beruhigte sie sich. Alles, was Victor da gemalt hatte, war ein halbes Viereck. Zwei nichtssagende Striche. Keine Buchstaben, kein Name. Er würde sie nicht von ihrer Reise abhalten, auch wenn er sich gegen sie entschieden hatte. Gegen sie und sein Auserwähltsein.

Berry sah hinauf in den Himmel. Ein scharf konturierter Sichelmond stand über der weiβ leuchtenden Kuppel des Bahai-Tempels. Die Plejaden waren heute auβerordentlich gut zu sehen. Die perfekte Nacht für den lang ersehnten Flug.

Berry dachte zurück an den Tag, an dem Victor ihr das erste Mal aufgefallen war, auf dem Wochenmarkt in Hofheim. Er schlenderte allein an den Ständen vorbei und hob kaum den Blick, wenn er etwas kaufte. Typ einsamer Wolf, einer, der gerettet werden musste. Das hatte Berry sofort gespürt.

Entschlossen hatte sie ihr Rosenquarzamulett umfasst und war ihm gefolgt. Erst in ein Café, dann in eine Buchhandlung und schlieβlich zu seiner Wohnung, die gut einsehbar im Hochparterre lag. Jeden Abend hatte sie dort gestanden. Zwei Jahre lang. Angesprochen hatte sie ihn nie. Sie wusste, dass auch er die Verbindung zwischen ihnen spürte, dass er die Gedanken, die sie ihm schickte, empfing. Gedanken der Liebe und des Auserwähltseins. Sie würde ihn mitnehmen, wenn das Raumschiff startete, wenn sich die Kuppel des Bahai-Tempels öffnete und alle Menschen der Liebe mit sich in eine ferne Galaxie nähme, in eine bessere Welt.

Sie hatte ihm einen Brief geschrieben, hatte ihn hergebeten auf die Wiese zwischen Tempel und Sternwarte. Es sei das letzte Mal, dass er sie sehen würde, hatte sie ihm versprochen, nie wieder würde sie vor seinem Fenster stehen, denn unverständlicherweise hatte ihn das mit einem Mal geärgert. Vorletzte Woche hatte er die Polizei auf sie gehetzt. Wahrscheinlich waren seine Antennen durch feindliche Aktivitäten gestört worden, und Victor brauchte die mündliche Ankündigung des bevorstehenden Ereignisses. Das Treffen heute hatte Berry als letzte Chance für ihn gedacht, sich für den Weg der Liebe zu entscheiden. Doch Victors Herz war verstockt geblieben.

„Sie sind ja vollkommen irre“, hatte er sie angefahren, als sie ihm von ihrer gemeinsamen Reise erzählte. Vor wenigen Minuten war das gewesen.

„Ich will nirgendwo mit Ihnen hinfliegen. Ich kenne Sie nicht. Ich liebe Sie nicht! Und auβerdem: Ein Gotteshaus ist das dort drüben, ein Tempel und KEIN Raumschiff!“

In diesem Moment hatte sie zugestochen.

Das Messer lag nun in ihrer Tasche, die sie an die Brust presste. Berry blickte verächtlich auf ihr Opfer hinab. Er hatte es einfach nicht begriffen, hatte sich gegen die Liebe gestellt. Nun würde sie alleine fliegen. Niemand würde sie mit dem Mord in Verbindung bringen. Dieses lächerliche Zeichen - was auch immer Victor damit andeuten wollte - hatte nichts mit ihr zu tun.

Der Astronomie-Fan holte sein Handy aus der Hosentasche. „Die Polizei wird schnell hier sein.“

Berry zuckte gleichmütig die Schultern und wandte sich ab. Sie mochte Victor nicht mehr sehen. Langsam schlenderte sie in Richtung Parkplatz. Das Raumschiff schien heute ohnehin nicht mehr zu starten. Vermutlich hatte Victor die Energien mit seiner Sturheit geschwächt.

„Hey, Sie können jetzt nicht einfach weggehen. Die Polizei braucht Sie als Zeugin!“

Berry reagierte nicht.

„Hören Sie, Sie machen sich verdächtig, wenn Sie nicht hierbleiben. Ich kenne Sie, Sie sind doch diese Esoterikerin, die in der Zeitung inseriert. Heilsteine, Jenseitskontakte und so Zeug. Berenike heiβen Sie, nicht wahr?“

Der Mann stockte. Seine eigenen Worte schienen ihn aufhorchen zu lassen. Mit dem Blick des Sternenkundigen betrachtete er das Zeichen, das Victor mit seinem Blut geschrieben hatte.

„Es ist eine Konstellation“, rief er Berry hinterher. „Das Haar der Berenike. Sie heiβen Berenike, wie das Sternbild. Sie haben ihn umgebracht!“

MUPPETSHOW IN HOFHEIM

von Richard Lifka

Bankraub! Glaub ja nicht, dass das einfach ist. Besonders nicht hier in unserem Kreisstädtchen Hofheim am Taunus - das wie eine grüne Insel inmitten der lebendigen Rhein-Main-Region stolz am Südhang des Taunus liegt; so steht‘s hundertpro im Prospekt.