Mordspuren - Mark Benecke - E-Book

Mordspuren E-Book

Mark Benecke

4,6
8,99 €

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Beschreibung

Seine Assistenten sind Maden, Larven und Insekten. Mit ihrer Hilfe kann Mark Benecke Todesumstände von Verbrechensopfern exakt nachweisen. Bis zum Täter ist es dann oft nur noch ein kleiner Schritt. In diesem Buch präsentiert er eine spektakuläre Sammlung von Mordfällen, bei denen die Öffentlichkeit den Atem anhielt. Er rekonstruiert Kapitalverbrechen, trägt Fakten, Indizien und frühere Bewertungen zusammen und bringt mit neuen Informationen Licht in die vertrackten Fälle. Die realen Verbrechen sind so fesselnd und minutiös nacherzählt - eine Mischung aus Information und Unterhaltung, die spannender ist als jeder Krimi!

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Seitenzahl: 618

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MARK BENECKE

MORDSPUREN

Neue spektakuläre Kriminalfälle – erzählt vom bekanntesten Kriminalbiologen der Welt

Lübbe digital

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe GmbH & Co. KG erschienenen Werkes

Lübbe Digital in der Bastei Lübbe GmbH & Co. KG

Copyright © 2007 by Bastei Lübbe GmbH & Co. KG, Köln

Textredaktion: Werner Wahls, Köln

Register: Heike Rosbach, Nürnberg

Datenkonvertierung E-Book: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Frontispiz: Radierung »Die Gärtnerin« – © Michael Hutter, Köln

Der Text »Ein fast perfekter Mord: Tod auf dem Inka-Pfad« (S. 281–321) stammt von Josef Wilfling. Autor und Verlag danken für die freundlicherweise erteilte Abdruckgenehmigung.

Alle Rechte, auch die der fotomechanischen und elektronischen Wiedergabe, vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form reproduziert oder übermittelt werden, weder in mechanischer noch in elektronischer Form, einschließlich Fotokopie.

ISBN 978-3-8387-0646-7

Sie finden uns im Internet unter

www.luebbe.de

Bitte beachten Sie auch: www.lesejury.de

Mark Benecke erreichen Sie im Internet unter

www.benecke.com

In Erinnerung an François Gayot de Pitaval (1673–1743),Georg Wilhelm Heinrich Häring (»Willibald Alexis«, 1798–1871)und Julius Eduard Hitzig (1780–1849)

»Warum nur, warum muss alles so sein? Warum nur? Warum?«

Udo Jürgens

INHALT

VorwortDank1. Vampirverbrechen, Kannibalen und eine Vergewaltigung2. Eine lange Suche nach der Wahrheit3. Serienmord: Jürgen Bartsch vs. Luis Alfredo Garavito4. Die ewige Suche nach dem perfekten Verbrechen5. Betrüger, Nerds und eine Goldprinzessin6. Testen Sie Ihren Verstand7. Nachklang: Was ich von CSI halteAnhangLiteraturhinweise und QuellenÜber den AutorEinige neuere Veröffentlichungen des AutorsRegister

VORWORT

Sie halten den dritten Teil meiner kleinen kriminalistischen Reihe in der Hand. In Mordmethoden geht es um spannende und vertrackte Ermittlungen, Dem Täter auf der Spur berichtet von Blut, Sperma und Insekten auf Leichen. Nun mache ich den letzten Schritt und verwische die Grenzen zwischen Gut und Böse ein wenig.

Denn was bedeutet es, wenn ein Millionen Jahre alter Stein, der als Türstopper diente, einen Mann ins Gefängnis bringt – der Verurteilte aber bis heute eisenhart seine Unschuld beteuert? Ist es möglich, dass ein verzweifelter Programmierer ausgerechnet in einem Wald, der mit turtelnden Pärchen gefüllt ist, einen Selbstmord begeht? Darf ein pädophiler Sadist, der über dreihundert Jungen totgefoltert hat, freigelassen werden und ein Leben als vorbildlicher Christ führen? Und soll man seinem toten Verwandten wirklich den Kopf abschneiden?

Diese neuen Fälle sind also eher für jene Hartgesottenen, die sich an den Rand des Randes trauen – dorthin, wo unser Gefühl rebelliert und die Weisheit ins Schleudern kommt. Es geht deswegen nicht nur um Morde, sondern auch um eine Vergewaltigung mit Langzeitwirkung und den bizarren Betrug der »Goldprinzessin«.

Dort, wo Originaltexte die Herangehensweise der Beteiligten beziehungsweise die Denkweise der Täter besser widerspiegeln als meine eigenen Worte, habe ich teils längere Zitate eingefügt. Eine typisch polizeiliche Sicht nimmt dabei beispielsweise der Ermittler des Inka-Pfades ein, während der angebliche Fahrradunfall (der ein Mord ist) eher mit rechtsmedizinischem Blick gelöst wird. Wieder anders, nämlich ohne Sachbeweise, dafür aber mit Leib und Seele, kämpft der Strafverteidiger im Gartenhäuschen-Fall für seinen Mandanten.

Welches Urteil in den folgenden Fällen gerecht ist, überlasse ich dabei Ihrer Entscheidung. Nicht nur bei den Vampiren und Kannibalen bin ich auf Ihre Meinung gespannt…

Und falls es Sie einmal gruseln sollte, beruhigen Sie sich einfach mit der alten Kriminalistenregel, die auch als Hesse-Zitat in diesem Buch auftaucht: »Wer das Helle verstehen will, sollte das Dunkle kennen.«

Viel Spaß beim Lesen und Tüfteln!

Köln, Medellín und Marrakesch, im Frühjahr 2007

Mark Benecke

DANK

Paul Moor, Armin Mätzler und Rolf Bossi haben sich Zeit genommen, über Jürgen Bartsch zu sprechen, den sie gut kannten. Der Herausgeber der Magischen Welt, Wittus Witt, suchte einige der Illusionstricks Bartschs heraus. Es gibt außer ihm wohl niemanden, der die betreffenden Trickbezeichnungen so schnell entschlüsseln kann. Dres. Laumen (Amtsgericht Köln) und Stahlschmidt (Staatsarchiv Nordrhein-Westfalen) sowie die Mitarbeiter des KK 11 Polizeipräsidium (PP) Köln und Saskia Reibe haben mir dabei geholfen, die Originalakten im Fall Bartsch in Ruhe durchzuarbeiten.

Luis Alfredo Garavito und seine Schwester, das Cuerpo Técnico aus Armenia und Pastor Didier Amariles sprechen mit mir in Kolumbien seit vielen Jahren über eine der schwersten Serientaten des 20. Jahrhunderts. Miguel Rodriguez, Anna Zabeck, Kristina Baumjohann, Claudia Zapata, Amira Sierra, Melissa Kitszanaweh Castro Muñoz und Markus Streckenbach halfen bei der Aufarbeitung der Dokumente und Aufzeichnungen in diesem Fall. Stefan Pollak druckte unseren dazugehörenden Fallbericht als Erster im Archiv für Kriminologie, einer der ältesten noch erscheinenden Zeitschriften Deutschlands, ab.

Susanne Opalka und Olaf Jahn haben die sehr aufwendigen Recherchen in der Sache Petroll/AUBIS mit endloser Geduld betrieben und mir freundlicherweise erlaubt, auf ihre Ermittlungen in diesem Fall zuzugreifen.

Kriminaloberrat Wilfling (Polizei München) hat einen dem Fall Petroll genau entgegengesetzt verlaufenden Fall beigesteuert, wofür ich ihm sehr herzlich danke.

Merci auch an Dirk-Boris Rödel, der mich auf die GeschichteRashomon hingewiesen hat. Diese Erzählung und der danach gedrehte Film waren die entscheidende Inspiration, als ich überlegte, welchen Dreh ich dem hier vorliegenden Buch geben sollte.

Ohne die eindrucksvollen Texte von Gabriele Goettle wäre es mir schwerer gefallen, den Bericht über die Vergewaltigung ohne triefende Schwere aufzuzeichnen. Frater Mordor danke ich für den Hinweis auf den indianischen Wendigo. Michael Hutter hat wie schon beim letzten Mal ein hervorragendes Frontispiz gezeichnet und mir einen Hinweis ebenfalls zum Wendigo – allerdings bei Lovecraft – gegeben. Jörg Fuß errechnete netterweise die Vollmondphase im Fall der Brisbaner Vampirkillerinnen. Hans-Jürgen Barthelmeh war wie immer der Schutzengel des studentischen Nachwuchses und machte sich neben seelischem Beistand auch durch spendierte Essen, Tatortausrüstungen und vieles mehr verdient.

Meine Klienten bewundere ich dafür, dass sie manchmal mit viel Mut ihr bisheriges Weltbild infrage gestellt haben, wenn sich Tatsachen auftaten, von denen sie lieber nie erfahren hätten. Die Wahrheit ist leider eine eiskalte Geliebte, und ich danke ihnen, dass sie mich trotz dieser Erkenntnis gebeten haben, ihre Fälle hier darzustellen. Aus Platzgründen konnte ich das leider nicht tun, verspreche aber, es in einer eigenen Veröffentlichung nachzuholen.

Bei Recherchen in den Subkulturen habe ich beobachtet, dass die Menschen dort ein schärferes Auge haben als diejenigen, die glauben, über Nerds, Punks, Nebelgeister, Streicher und X-Men urteilen zu können. Danke für euer Vertrauen und die Einsicht, dass ihr nicht nur Schwächen, sondern ebenso viele Stärken habt, die andere nicht haben.

Zuletzt ein Gruß an das Team des deutschen EBM Radio, das mir die Schreibklausuren erheblich versüßte, wenn nicht überhaupt erst ermöglichte.

1. VAMPIRVERBRECHEN, KANNIBALEN UND EINE VERGEWALTIGUNG

»Didn’t you know? Truth is always more terrible than fiction.«

Mirror Queen (aus dem Film Brothers Grimm)

Was schmeckt genauso gut wie Menschenfleisch? Roher Thunfisch. Das wäre ein schöner Witz aus der Selbsthilfegruppe für moderne Kannibalen – wenn die Wirklichkeit ihn nicht schon längst eingeholt hätte. Aus den Notizen von Issei Sagawa, Juni 1981:

»Sie ist die schönste Frau, die ich je gesehen habe. Ich habe sie zu mir nach Hause eingeladen, zu einem japanischen Abendessen. Sie nimmt an. Nach dem Essen bitte ich sie, mein Lieblingsgedicht aus dem deutschen Expressionismus vorzulesen. Als sie geht, kann ich sie noch immer riechen – dort, wo sie es auf dem Bett gelesen hat. Ich lecke die Stäbchen und Teller, die sie benutzt hat, ab. Mein Verlangen ist so groß, ich will die Frau essen. So wird sie für immer ein Teil von mir sein.«

Als die schöne Frau bei Issei erneut ein Gedicht vorliest, erschießt er sie. Das Blut sickert ununterbrochen aus ihrem Kopf. Während er seine Freundin zerschneidet, wundert sich der Menschenesser über das erstaunlich körnige Aussehen der Unterhaut-Fettschicht (»sieht aus wie Grieß«), gräbt aber schließlich doch noch vernünftiges Muskelfleisch darunter hervor:

»Es hat keinen Geruch und keinen Geschmack und zerfließt in meinem Mund wie ein perfektes Stück Thunfisch. Ich schaue ihr in die Augen und sage: ›Du bist lecker!‹«

Danach fotografiert er die Leiche mit der weißen Haut, schläft mit ihr und verspeist ein Stück ihrer Lende – dieses Mal nicht roh, sondern gebraten und mit etwas Senf und Salz verfeinert. Als Serviette benutzt er den Slip seines Opfers. Etwas Kultur muss sein.

Auf den Geschmack gekommen, widmet sich der Kannibale nun den Brüsten des Opfers. Sie sind ihm aber zu fettig, weshalb er als Nächstes Teile der Oberschenkel verspeist. Am nächsten Tag will er die Leiche vollends zerstückeln, in Koffer verpacken und in einem See versenken. Doch er wird abgelenkt:

»Als ich gerade in die Wade schneide, will ich sie auch kosten. Unter dem Fett ist sie ganz zart. Später schaue ich in den Spiegel und stelle fest, dass mein Gesicht mit Fett verschmiert ist.«

Abb. 1: Der Kannibale Issei Sagawa im Jahr 1992. Er tötete in Paris seine Freundin, als sie Gedichte vorlas, und aß das Fleisch teils roh. Nach nur kurzer Inhaftierung in Frankreich wurde er an Japan ausgeliefert und kam dort aufgrund des Einflusses seines Vaters schnell wieder frei. Er schrieb unter anderem Artikel für ein Feinschmecker-Magazin. (Foto: Hashimoto Noboru/Corbis Sygma)

Da mittlerweile die Leichenstarre voll ausgeprägt ist, gibt es allerdings Probleme: »Den Kiefer kann ich nicht öffnen, aber meine Finger passen zwischen ihre Zähne. Ich schneide ihre Zunge ab und stecke sie mir in den Mund. Sie ist zäh: Ich sehe im Spiegel, wie ihre Zunge mit meiner verwunden ist. Ich versuche, meinen Mund zu schließen, dabei rutscht ihre Zunge heraus. Also ziehe ich die Haut ab und esse das Fleisch.«

So geht es Körperteil für Körperteil weiter, bis nach vierundzwanzig Stunden die Schmeißfliegen lästig werden. »Nun begreife ich, dass ich meine Freundin verloren habe – so wie ein Kind ein Spielzeug kaputt gemacht hat. Die Fliegen machen es mir deutlich.«

Ein paar Fleischstücke bewahrt Issei im Kühlschrank auf, um sie in den kommenden Tagen, erneut mit der bewährten Senf-Salz-Marinade, zu braten. Zufrieden notiert er: »Das Fleisch wird von Tag zu Tag weicher, süßer und schmackhafter.« Metzger und Steakhäuser nennen diesen Effekt »abhängen«, Kriminalbiologen kennen ihn als Fäulnis: Das Gewebe zersetzt sich bei der Lagerung und wird dabei tatsächlich weicher und »zarter«.

Der steinreiche Vater paukt Issei schon nach fünfzehn Monaten aus der Psychiatrie frei. Seither schrieb Sohnemann sechs Bücher und arbeitete gelegentlich als Kritiker für ein Feinschmecker-Magazin. Reue holt den Human-Gourmet bis heute nicht ein, immerhin aber die Einsicht, dass damals etwas schiefgelaufen ist:

»Es tut mir furchtbar leid, sie getötet zu haben. Darum habe ich mein kannibalisches Verbrechen nicht wiederholt. Ich trinke heute lieber den Urin meiner Partner, anstatt ihr Fleisch zu essen. Wenn man ein schönes weißes Mädchen kochen könnte, ohne es zu töten, würde ich allerdings gerne dabei sein.«

Die Zeiten haben sich geändert, und mittlerweile gehören Kannibalen, wenngleich nach wie vor eine seltene Spezies, zum kriminalistisch Erwartbaren. Armin Meiwes ist der im Moment in Deutschland bekannteste von ihnen, doch es gibt in Wirklichkeit eine lange Tradition von Menschen, die andere Menschen essen.

Der verkauzte Karl Denke aus Münsterberg (heute: Ziębice, Polen) ist so ein Beispiel. Seine Familie erinnerte sich nur daran, dass er maulfaul und ein schlechter Schüler war (vgl. mein Buch Mordmethoden, S. 302–324). Bei der letzten Familienfeier, die der bärtige Mann besucht hatte, verspeiste er wortlos einen Riesenteller mit Fleisch und ließ die verdutzte Runde dann allein. Ansonsten war Denke beliebt, weil er herumstromernden Menschen eine Herberge bot. Als eines Tages einer von ihnen nach Münsterberg rannte und behauptete, Vater Denke habe ihm eine Hacke über den Schädel ziehen wollen, glaubte ihm daher kein Mensch. Erst ein Blick in Denkes Küche bestätigte die Aussage: in Sahne gekochte Gesäßmuskeln, Zähne in einer Geldtasche, Schnürsenkel aus Menschenhaut. Bei seiner Verhaftung trug Denke Hosenträger aus Leder, in denen man die mumifizierten Brustwarzen der Opfer noch erkennen konnte. Die damaligen Kollegen schlugen daraufhin in den ordentlich geführten Schlachtlisten Denkes nach: »Fünfundzwanzig Zentner und neunundsiebzig Pfund Menschenfleisch« hatte der schweigsame Kannibale erschlachtet.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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