Mordsrausch - Barbara Edelmann - E-Book

Mordsrausch E-Book

Barbara Edelmann

4,4

Beschreibung

Keiner war so unbeliebt wie Harry Bröckle - jetzt ist er tot. Alle reiben sich voller Schadenfreude die Hände, nur die Verdächtigen waschen sie in Unschuld. Sissi Sommer und ihr Kollege Klaus Vollmer geraten bei ihren Ermittlungen in einen Sumpf aus Erotik, überholten Weltanschauungen und hausgemachter Einsamkeit. Ein Glück, dass Sissi alles und jeden kennt und ihre Pappenheimer sowieso. Um dem Mörder auf die Schliche zu kommen, muss sie trotzdem sämtliche Kniffe anwenden.

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Barbara Edelmann wurde im Allgäu geboren, lebt dort glücklich und zufrieden und gedenkt, dereinst dort zu sterben.

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.

© 2015Emons Verlag GmbH Alle Rechte vorbehalten Umschlagmotiv: photocase.com/kaz68 Umschlaggestaltung: Tobias Doetsch Lektorat: Christine Derrer eBook-Erstellung: CPI books GmbH, LeckISBN 978-3-86358-866-3 Allgäu Krimi Originalausgabe

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Dieses Buch widme ich meiner ehemaligen Nachbarin Inge, die mich über zwei Jahrzehnte lang mit Kuchen, Kässpatzen und guten Ratschlägen versorgt hat. Ich vermisse unsere Unterhaltungen auf Deiner sonnigen Terrasse.

PROLOG

»Das kriegst du zurück, das schwöre ich!« Die schlanke Frau hielt sich die Wange und funkelte ihr Gegenüber böse an. Unter ihren perfekt manikürten Fingern blühte ein Bluterguss wie eine seltene rote Blume auf.

»Gar nix werd ich«, knurrte der Mann und hielt sich die Hand. Der Schlag hatte auch ihm wehgetan. »Hau jetzt ab. Pack deine Sachen und verschwind. Bist mir lang genug auf der Tasche gelegen. Du wirst immer dreister. Und auslachen lass ich mich net. Net von dir. Hast nix, bist nix, kannst nix. Ich geh jetzt was trinken. Und wenn ich wiederkomm, bist weg. Sonst gibt’s da noch mehr, wo das herkommt.« Er hob nochmals drohend seine Faust.

»Oder du«, sagte die Frau. »Vielleicht bist ja auch du weg. Schwein.« Damit drehte sie sich um und verschwand. Man hörte sie im anderen Zimmer in Schubladen wühlen.

»Jetzt wird abgerechnet. Hab so die Nase voll von euch allen. Bescheißen einen um Geld, gehen fremd und saugen einen aus«, sagte der Mann, nahm seinen Autoschlüssel und verließ wütend das Haus.

Draußen verschwand gerade die müde Herbstsonne in einem atemberaubenden Spektakel hinter einer rosa gefärbten Wolkenschicht. Niemand interessierte sich dafür.

31.OKTOBER– FREITAG

»Gehen wir rein? Der Papa hat gsagt, der Bröckle hat schon wieder eine neue Bohrmaschine. Und eine Kettensäge. Der hat alles!« Mit glänzenden Augen stand das kleine Gespenst vor dem halb geöffneten Garagentor. Der offene Spalt winkte verlockend. Niemand schien sich im Inneren der Garage aufzuhalten.

»Na. Wir müssen weiter«, antwortete ein Pirat mit einer Augenklappe, die aus einer schwarz gefärbten Mullbinde und einem Bürogummi mehr schlecht als recht gefertigt worden war. »Ich darf nicht auf ein fremdes Grundstück. Und schon gar nicht in eine fremde Garage. Die Mama nimmt mir dann wieder das Fahrrad weg.«

Das dritte Kind, eine kleine Prinzessin mit einer blonden Faschingsperücke, auf deren angedeutetem Scheitel noch Konfetti von der Fastnacht, die immerhin schon neun Monate her war, wie bunte Sprenkel leuchtete, betrachtete das halb offene Tor. »Das ist die Garage vom Bröckle. Süßigkeiten sind da net drin. Höchstens Bier«, sagte sie nach einer Weile. »Von dem kriegen wir nix. Die Oma sagt, der wohnt zwar bei uns, aber der traut uns net. Der meint, der ist was Besseres wie wir.«

»Was jetzt?« Der Pirat war ungeduldig. »Mir ham erst eine Tüte Chips und zwei Tafeln Schokolade. Dafür lauf ich net mitten in der Nacht um die Häuser. Gehen wir weiter. Beim Bröckle brauchst gar nicht läuten, der macht eh net auf. Der Papa hat gesagt, der ist heut Abend schon an ihm vorbeigefahren aus dem Dorf raus. Gehen wir zum Jürgen. Der lasst uns bestimmt mal vom Bier probieren.«

»Brrrr.« Die kleine Prinzessin schüttelte sich. »Bier. Ich will Gummibärchen. Außerdem sind die doch jetzt schon alle besoffen beim Hoffmann. Die Mama sagt, der Jürgen säuft öfter mal. Lass uns den Weiherweg langlaufen, da brennt überall noch Licht. Nur beim Flöter ist es auch dunkel. Da kriegen wir auch nix.«

Halloween, das Fest der Kürbisse und Gespenster, hatte in einem Ort wie Maria Steinbach nichts verloren, wo doch die herrliche barocke Wallfahrtskirche Maria Schnee über allem wachte und niemals zulassen würde, dass in dem Dorf etwas geschähe, das nicht mit den Weltanschauungen des Klerus zu vereinbaren war. Zwar wurde hinter geschlossenen Türen genauso geraucht, geflucht und getrunken wie überall in Deutschland, aber man behielt es für sich. Nach dem Beichten war eh alles wieder gut. Trotzdem hatten in den letzten Jahren etliche Kinder des Ortes, kontaminiert durch unzählige amerikanische Fernsehserien und Spielfilme, ihre Eltern mit Bitten und Betteln bombardiert, um sich an diesem Tag endlich auch verkleiden zu dürfen wie im Fasching. Sie wollten durchs Dorf laufen und an Türen klingeln, denn die Amis machten das ja schließlich genauso. Die geschnitzten Kürbisse sahen wunderschön aus, und man konnte ein paar Süßigkeiten abstauben. Welches Kind wollte nicht einfach mal außerhalb des Faschings ein sogenanntes »Maskerle« sein, das sich viel mehr herausnehmen darf?

In den Vereinigten Staaten gilt der Brauch, dass abgewiesene Kinder, die an einer Haustür keine Süßigkeiten erhalten, dem Besitzer des Anwesens einen Streich spielen dürfen. Im Film sind das oft faule Eier, die an die Hauswand geworfen werden, manchmal kommt dabei auch eine zerdepperte Fensterscheibe heraus. Von so etwas waren die Maria Steinbacher Kinder weit entfernt. Von klein auf hatten sie nämlich, wie es im Allgäu normal ist, den Wert von Eigentum, besonders von fremdem, zu schätzen gelernt und würden sich hüten, etwas zu zerstören, das ihre Eltern dann womöglich ersetzen müssten. So zogen sie also maskiert als entzückende kleine Geister oder Cowboys durch die stillen, leeren Straßen und fragten artig überraschte Rentner oder müde Landwirte nach etwas, das sie in ihren ökologisch gerechten Stoffbeutel stecken konnten, um es dann hinterher aufzuteilen.

»Was machen wir jetzt?«, fragte das Gespenst.

Die kleine Schar wendete sich von der Garage ab und marschierte zurück auf den Weiherweg, wo in ordentlichen Vorgärten die Bewegungsmelder an- und ausgingen wie eine große Lichtorgel, die auf Schritte reagierte.

»Fangen wir rechts an«, rief der kleine Pirat und deutete auf das Haus von Ilse Scharnagel. »Die kocht ganz gut, hat die Mama gesagt. Die hat bestimmt was für uns.«

Tapfer marschierten sie auf die gläserne Eingangstür zu und läuteten. Sie wollten Süßigkeiten. Was auf der Straße unterwegs war in Richtung Legau, interessierte sie nicht.

***

»Wo gehst hin?«, brummte Benno Ammer. Es war immerhin schon beinahe einundzwanzig Uhr.

Sein Sohn Joachim, kurz Jochen genannt, vierundzwanzig Jahre alt und seit vielen Jahren in seiner rebellischen Phase, ganz in schwarzes Leder gekleidet, ein hübscher Bursche mit blondem Haar und blitzenden blauen Augen unter der schulterlangen Mähne, schüttelte den Kopf. »Weg«, antwortete er nur kurz und bündig, nahm seinen Autoschlüssel und verschwand nach draußen.

Benno nickte anerkennend. »Junge Burschen müssen raus und sich austoben«, murmelte er und starrte weiter auf den Fernseher, wo gerade Jamie Lee Curtis auf einen Leuchtturm zuschritt. Gleich würden tote Piraten mit glimmenden Augen sie bis ganz nach oben verfolgen. Benno kannte den Film. Er war nicht so gut, fand er. »So ein Schmarrn«, murrte Benno, war aber zu faul zum Umschalten. »Und wo willst du hin?«, rief er dann seiner Tochter Lena zu, einer hübschen, schlanken Blondine Anfang zwanzig, die in einem abenteuerlichen Kostüm, mit Glitzer im Gesicht und viel zu dunklem Augen-Make-up an ihm vorbei in Richtung Diele huschte. Dabei behinderten sie ihre hohen Absätze, die einen Höllenlärm machten. Normalerweise merkte Benno nicht einmal, wenn jemand an ihm vorbeilief.

Lena seufzte und baute sich vor ihrem Vater auf. »Weg.« Wenn das bei ihrem Bruder funktionierte, könnte es doch auch bei ihr klappen.

»Und wohin?«, fragte Benno. Viel zu hübsch, das Mädel. Und viel zu umtriebig. Schwerer zu hüten als ein Sack Flöhe. Schade, dass die Gören nicht immer klein blieben, dachte Benno.

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