Mosaik - Philipp Hartung - E-Book

Mosaik E-Book

Philipp Hartung

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Beschreibung

Wie das Leben immer wieder kleine Möglichkeiten zu einem großen Ganzen fügt, geschah es mir auch mit meinen Schriften. Sie entstanden hier und da, dann und wann und standen allein durch mein wirkliches Leben im Bezug zueinander. Es gibt keinen roten Faden - oder vielleicht doch? Bruchstücke farbigen Glases, wenn man so will, sind hier gefügt zu einer verspielten, bunten Scheibe, durch die ich meine Welt erblicke. Schau doch auch einmal hindurch!

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Seitenzahl: 83

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Philipp Hartung

Mosaik

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Titel

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 3

Kapitel 4

Impressum neobooks

Titel

Mosaik

Wort im Bild -

Prolog

Prolog

Das folgende Gedicht bezeugt meine eigene Scham nicht voll und ganz für mich eingestanden zu sein. Im Schein unserer maschinellen Welt lasse ich auch meine Bilder mit künstlichem Licht beleuchten; weshalb, weiß ich selbst nicht so recht - ich wollte es loswerden, da ich sonst nur für mich selbst es lese. Selbst auf Gefahr hin vom künstlichen Zwielicht verzerrt zu werden, entlasse ich mein Innres nun in die Welt. Denn wieviel schöner mögen sich Worte in Phantasmen und Träume bilden, sind sie von anderen Augen erfasst. Meine Angst missverstanden zu werden, muss ich mutig ablegen; und wie ich so tue, entblößt sie sich als jener Spuk, der zu lang mich schon umgeisterte und alle jene Worte mit trüben Staub belegte, die Farben der Bilder langsam ermattete. Wie könntest Du auch die Welt in meinem Blicke sehen und weshalb sollte ich das verlangen? Zwar teilen wir uns die gleiche Sicht, ein gleiches unendliches Bewusstsein, doch ist der Winkel aus dem Wir schauen und fühlen stets ein anderer, stets einzigartig in seiner Gestalt. Dies gerade ist Grund zum Zelebrieren. Das ureigene Selbst zu entdecken und auszuleben ist immer ein revolutionärer Akt. Lasst es uns im gleichgeschaltenen Wir nicht vergessen.

- Wort und Bild –

Ist doch Handschrift heilig:dauert, bis geschrieben;ist nicht von Tasten eiligins Papier getrieben.

Anders ist sie immerzu.Doch erkennt drin wieder,der da las in Ruh,des Schreibers tätig Gliederwie des Vogels bunt Gefieder.

Sie zeigt in ihrem Schönenfrei die Höh‘n wie Tief‘und der Gefühle wildes Strömendurch welch‘ der Fasser lief.

Den starren Drucke ehret nichtund das digitale Wortals unser höchstes Licht -als wär‘ nur Wahrheit dort.

Mit ihrem harten Bilde:Schrift in fester Reife,leicht verliert sich die süße Milde,des Sinns, den sie begreife.

Lieblich sollt‘ sie deutenwie warme Leibgebärden:mit Trauer und mit Freuden,dass wir sind und werden.

Nur durch Andersseinfinden wir uns gleich;wir alle sind ein Hain:natürlich, bunt und reich.

Kapitel 1

Im Schatten

Gerade wenn das eigene Selbst zu oft, fast dauerhaft, Schaubild und Probierstein der kritischen Gedanken wird, stapelt sich ein skeptischer Turm um nichts, der gewiss fallen wird. Erfahren wir uns doch vor allem in den Augen anderer! Dann, wenn wir sie berühren mit unsren Taten, sie mit unsrer Nähe umgeben. Versuchet man allein sich gänzlichst zu fassen und den Dunst des Ichs im Geiste zu erschließen durch rationale Kraft und logische Konsequenzen - so bleibt nichts als haltloses Scheitern. Innige Freundschaft ist der Akt bei dem das vielzugroße, vielzukleine Selbst von anderen im Vollen geliebt, gebraucht und nötig sei. So genieße sie und ihre Gabe! Erhalte sie im Herze und wachse natürlich damit, statt eigen und schulmeisterlich dein Wesen zu ergründen und im Nachdenken zu verstümmeln..

- Nach-gedacht -Tu es kurz und scharf,dem Gedanke nach zu denkenund gib dich hin der Tat -Leib und Wille werden‘s lenken:Nur der gewinnt, wer wagt.

*

- Die Schuld -

Zaghaft rufe ich es wiedermir in meinen Sinn:dass etwas zu begleichen wäre,dies Etwas, das ich bin.

Ja, ich bin erzogenals Jemand ohne Not;doch ist mir dieses oftensungenüßlichst Brot.

Wenn Trübsal, Dauer, Langeweilmich Himmelskind befallen,wenn leer ich schau und denke:nun, irgendwas doch muss gefallen! -

Dann vertief‘ ich meine Schulddurch ungetanes Handeln,obwohl allein dies Tunden Unmut würd in Lust verwandeln.

Denn solchereins nunmal ist das Wesen des Lebendigen:Bewegung ist nicht optional,es gehört zu dem Notwendigen...

Nun bäumt sich in mir alles auf,was ist so arg verdrückt;doch das Blinde meiner Freiheitmacht mich fast verrückt.Und,so allein mit mirim schwerelosen Streben,starr ich orientierungslosin mein kaum gelebtes Leben...

Obschon ich bin und gehe,den Tag bewältige und sehedas ein neuer werde -ja, dass ich in diesem stehe,jetzt, hier, zu dieser Erde -find ich mich in Reue,spüre nicht mein RechtePart zu seinim natürlichen Geflechte.

Da mein Will' zum Überdauernnicht in meinen Händen liegt,sondern sich am Busendes gemeinen Menschtums schmiegt.Ja,schon ehe ich geboren warwar‘s mir bestimmt als Amme.Ich liebt' es, sonderbar,gar wohl mit tiefer Wonne. -Jetzo frag ich allerdingsmit meinem Stimmchen zartin all die Fülle rings,die in sich Leere offenbart.

Denn sprech ich dir direkt,verweilst du ewig stumm;doch ist selbst Mutters Wort und Tatseit je von dir befleckt.

Gar alle reden deinen Namenals wär er so vertraut;schmückst die reichen Damenin feinem, edlen Zwirnund hast so manchen Geist erbautzum kargen, schieren Denkerhirn.

Riesig stehst du hinter jedem,führst achtsam,begleitest wach auf allen Wegen:dass letztlich jeder zu dir komme.Dort erhält er jenen Segenfür all sein Leid und Sorgen:den Hunger und den Schmerz genommen -hier, mein Kind: dein Morgen.

Und so, einjeder ward frei von sich.

Mittig in dem Scheinvon deinem großen Bilde,steh ich klitzekleinund hoff‘ nicht deiner Milde.

Fort mit dir! Du übler Geist!Überlass mich meiner Qual; -Was hältst du mich gar dreist!Hab ich noch eine Wahl...?Alle Augen spiegeln dichund selbst die ganze Welt,wirkt verdammt und jämmerlichmit deiner Logik, all dem Geld.

Schwer ist‘s Mich darin zu finden,atme ich noch deinen leichten Sinn;doch im Leiden lerne ich begreifen:dies Etwas, das ich bin.

*

Heutiges Leben, dass in seiner schieren Freiheit von lebendiger Notwendigkeit des Sich-Selbst-Erhaltens beinah gänzlichst entledigt ist, siehet sich andern Schrecken gegenüber. Die Ferne des Todes, der nicht ist, so lang Einer fester Kraft und Willens des Überlebens sich hingibt, wird spürbar nah - wird Angst, die die frei umhergehenden Gedanken mit abstrakter Furcht nähret. Die Notdurft heut'ger Lebensinhalte hat kaum Substanz und Umfang genug, die Schwere von Langeweil hinfort zu halten; eher ist's unsereiner Aufgabe geworden, eben diese zu vertreiben - mit erneut müßigen Gedanken. Dem Selbst und dem Sicherstellen eines Morgens für dieses, sollte wieder näher unserm baren Leibe gebracht sein; dessen Schmerz und Erfahrung gibt uns Gewissheit von Leben, belebet und hebet uns warm den Busen hernach und nimmt die Furcht des Todes, der erst ist, sind wir nicht mehr.

- Freiheit und Tod -Müßig dacht' der Knab':Wie tief ist wohl ein Grab?Und beim Vorstelln heimlich stiehlte sein Blick auch in den Sarg.Ihm war's, als irgendwas befiehlte zu sehn, was sich darin verbarg.O! Was schreckt' es ihm die Kehlebeim trauten Anblick dieser alten Seele.

*

- Zu später Zeit -

Was hockst du da zu später Zeit,schaust im Kerzlicht rege Schatten,wenn von Drauß‘, im silberglattenMondlicht, jemand deinen Namen schreit?

Doch hier drin verstehst du nicht:im Geräusch der viel zu engen Dinge,was die Stimme zu dir sprichtoder gar wie ihre Weite klinge.

Und als zischelnd durch den Fensterspaltein eis‘ger Hauch die Flamme stickt:des Mondes weiße Urgewaltdeinen Blick zum Himmel schrickt.

Sowie das bleiche Licht ein Schweigenschleierhaft um klare Formen legt,und Schemen, die der Nacht sind eigen,zum Leben darin regt:erbäumt in dir der Reigender zur fernen Stimme Melodei bewegt.

Hinaus, die Flucht, ins Gewölb der Nacht, -sie ist so fein mit Bläss geschmückt,und sofort die Weite deines Blickes zückt.Mittig bist du in der Erdenpracht,die dir die Seele hörig machtfür die Stimm‘, so grell, beinah verrückt!

Und wie du schwach zu Boden brichst,merkst du, dass du selber sprichst:im Flüsterton erhebt es sich:groß, ganz weit: gehauchtes - Ich –

*

Abends zuweilen, wenn die Sonn' und der Tag sich neigen, Schatten länger werden und Dingen ihre Gestalt ist weit verzerret, die Grenzen zwischen jenen zu verschwimmen und verschwinden scheinen - dann beginnet das Spiel der Emotionen. In den Schemen ward denn allerlei gesehen, vielerlei erfühlet und melancholisch schwelget ein gar einsames Gemüt. Die Ganzheit der Welt scheint zu senken sich auf das Wenige dieses Selbst. Das Herze wird schwerer ob der gefühlten Last eines Lebens, aller gelebten Tage zugleich und siehet den kommenden Morgens als gar übergroße Bürde. Doch: ward auch nur ein wenig Licht gesehen in derart trüben Stunden, wie hell und loh es da erstrahlet! .

- Dämmerung -All die reichlich Güterdieser weiten Weltstrahlen mir kaum wieder,wenig sind beseelt..Mit meinem Blick allein,meiner Hände Taten,schau und greif ich in sie ein -ach!, was wirkt sie klein! -jämmerlich, missraten...Ohn' ein ander Sicht,mit Winkel, der ganz eigen fällt,wird mein eigen Lichtschwerlich nur und matt erhellt.Trüb wird mir die Gütenur von mir zu mir gereichet;erwürget mich die Liebe, die kein ander Herz erweichet.Mich dahin zu gebenfür Dein mir so schönes Leben,wird daselbst mich lebend machen,den Will' mir neu erwachenalle Angeln zu entheben -und wieder sehn die Welt als groß, kann ich geborgen legendas müde Köpflein in dein' Schoß.

*

- Der Jüngling ohne Jugend -

Da das große Weltgeschehensich kaum einst interessiertewas im Kleinen so passierteviel‘ Geschichten schon verwehnobschon am Anfang sie noch stehn.Ein Jüngling, krummgewachsen wie einjeder,sah auch seine Worte sterben,und das warme Bild darin verderben.Die klare Schrift der allgemeinen Federwar nun eben ernster, strenger und konkreter.Denn das, was er wollte sagen,längst schon war notiert,fein gelagert und nie erneut probiert;seine Sprache: unerhörtes Klagenund sein Leben: nie gewagtes Wagen.Gelangweilt, fast verzweifelt, sah er lugendin üblichst‘ Taten und Gebärdenund dort Tiefen fand, in welchen er wollt‘ werdenwas hohe Löhne goldner Tugendstets beschnitten in der kurzen Jugend.So viel er dabei sah,lernt‘ er das Verhasste:zu denken rational -dass ja vorne, hinten, alles passtewas gedanklich er so fasste.So fugte er die Weltmit Urteil, das von fern gefällt.Zwar er kostete vom Schönenwas der Zufall ihm so bot;doch mit Angst sich zu gewöhnen,