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In diesem Buch lassen 66 bekannte und weniger bekannte Frauen in ihr Herz blicken. Sie berichten offen und ehrlich über herausfordernde Situationen in ihrem Leben, die sie an ihre Grenzen gebracht haben und in denen ihnen Gott begegnet ist. Es sind keine Super-Frauen, denen alles gelingt und die scheinbar nie versagen, sondern sie schreiben über ihre Schwächen und Nöte, über ihre Krankheiten und Verluste und darüber, wie Gott ihnen dabei geholfen hat. Es sind Erfahrungen, die unser Herz ansprechen und zugleich ermutigen. Sie zeigen uns, wie Gott durch jede(n) von uns Geschichte schreibt, egal, wie unterschiedlich wir auch sind. Mit dabei sind u. a. Florence Joy Enns, Sefora Nelson, Claudia Bolanz, Kathrin Lederer, Heike Malisic, Birga Pürschel, Katja Ryzak, Dr. Anni Stigler, Katja Vosseler, Dr. med. Dorina Windecker, Elisabeth Wiedenmann, Yasmin Da Costa und Ana Feineis.
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Seitenzahl: 382
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Claudia Bolanz und Rainer Zilly (Hrsg.)
MutMachPerlen
BeHERZte Erlebnisse von Frauen in Zerbruch und Schönheit
Mit einem Vorwort von Michael Stahl
GloryWorld-Medien
1. Auflage 2022
© 2022 Claudia Bolanz und Rainer Zilly
© 2022 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de
Alle Rechte vorbehalten
Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Lutherbibel, Revidierte Fassung von 2017, entnommen. Weitere Bibelübersetzungen:
ELB: Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 2006
GNB: Gute Nachricht Bibel, 2002
HFA: Hoffnung für alle, Basel und Gießen, 1983
NeÜ: Neue evangelistische Übersetzung © 2013 Karl-Heinz Vanheiden
NGÜ: Neue Genfer Übersetzung, 2009
NLB: Neues Leben. Die Bibelübersetzung“, Holzgerlingen, 2002
Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.
Lektorat: Klaudia Wagner
Satz und Cover: Rainer Zilly, www.kreativ-agentur-zilly.de
Fotos: Titel lunamarina/freepik.com, 17 Jennifer Keil, 46 Florian Bernhardt,
47 Christian Bangert, 55 Thommy Mardo, 146 LeoniUnterkofler, privat
ISBN (epub): 978-3-95578-708-0
ISBN (pdf): 978-3-95578-808-7
ISBN (Druck): 978-3-95578-608-3
Vorwort | Claudia Bolanz
Vorwort | Michael Stahl
Ohne ihn wäre ich heute nicht die, die ich bin | Reinhild Fischer
Entscheidungen sind entscheidend | Florence Joy Enns
Viel Angst – und eine ausreichende Prise Mut | Maren Hoffmann-Rothe
Pack aus! | Anna-Lena Harsch
Beschützt und bewahrt mein ganzes Leben | Rose-Marie Przygodda
Das Leben ist kein Ponyhof … | Natalie Freising
Mel | Luciana Oliveira de Schuheida
Von Mitschülern gemobbt, aber von Gott geliebt | Sarah Kroeger und Michelle Kirchhoff
Jesus an der Bushaltestelle | Jutta Renz/Miss Muffin®
Unsere Familienberufung | Annika B .
Ängste und Überforderung – Wie Gott in den kleinen Dingen wirkt | Svenja Kühner
Unser Sonntagswunder … | Sarah Lauser
Wenn Gott dir einen Traummann backt | Nelli Bangert
Anstatt Abenteuerbücher – Abenteuer mit Gott | Astrid Scharnweber
Unser David | Christina Probst
Leise Impulse und der Mut zu vertrauen | Sefora Nelson
Dann kündige! | Carolin Renz
Schwimm! | Katja Ryzak
Jesus, bitte mach den Gurt auf! | Sandra Stahl
Worte – wertvoller als Gold und Silber | Elisabeth Wiedenmann
Schönheit in der Krise | Tamara Dlugokinski
Ich habe nicht zu wenig! | Anna Zilly
Gottes Plan B | Alexandra Funk
Ver-zweifel-t | Miriam Guilliard
Gott ist gut – Wirklich? | Maria Grace Köhler
Wie Überwinden stark macht | Laura Hepner
Geheilt durch Krebs!? | Doris Kammies
ER ist da! | Claudia Niedhoff
Wort-Geschenke | Ana Feineis
Gnade | Jasmin Herkt
Der besondere Geldschein | Dr. Annette Kessel
Mutig und stark | Hanna Kimmich
Das kann ich mir sehr gut vorstellen! | Dr. Miriam Wild
Mächtig hilflos, kräftig schwach | Jana Schumacher
Ein Engel mitten im Nirgendwo | Sylvana Duranovic
Unerklärlich | Anette Jarsetz
Gekentert | Claudia Vettermann
Aus der Drogen- und Dämonenwelt ins Licht | Nina K .
Sternschnuppen-Ermutigung | Carmen Kölbel
Selbstmarketing, Lektion 1 | Mirjam Selle
Gottes Führung | Barbara Jahn
Raus aus meinem „Babylon“ | Stephanie Juliane Eder
Was ist der Sinn meines Lebens? | Lea Häcker
Liebe – was ist das? | Claudia Bolanz
Unser ganz persönlicher Weg bis zum ersten Kind | Kathrin Lederer
Das letzte Wort hat Gott | Benedicte Agbeme Attila
Hurra, ich lebe noch! | Birga Pürschel
Joy – ein neuer Name für mich | Christel Riegsinger
Hier kann man nicht einfach so reinspazieren … | Helen Steinemann
Es war nicht deine Schuld! | Kathrin Ulmer
Nicht von dieser Welt | Anna Marasco
Meine Zeit in seinen Händen | Heike Malisic
Auf der Suche nach Erfüllung | Kathrin Schröter
Gottes Berufung für mein Leben | Irene Keinert
ICH BIN DA – Gott | Anni Stigler
Von der Enge in die Weite. Aus der Angst in den Mut. | Katja Vosseler
Alles hat seine Zeit … | Johanna Müller
The Story of my Life | Yasmin Da Costa
Mehr als ein Spatzenschwarm | Lea Laffin
Der Kühlschrank Gottes | Esther Goral
Gott handelt – so wie er es für richtig hält | Jasmena Totzeck
Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen – nicht einmal die eigene Geschichte | Hilda Kaufmann
Mein Ende machte ER zum Anfang | Magdalena Zierold
Die kleine Blume | Dr. med. Dorina Windecker
Die beste Entscheidung | Heike Neuer
Nachwort | Claudia Bolanz und Rainer Zilly
Die Herausgeberin
Der Herausgeber
Hallo liebe PERLE!
Zuerst muss ich mich gleich mal outen: Ich gehöre zu denjenigen Frauen, die „heimlich“ das bereits vor einiger Zeit erschienene Buch „MännerMutmacher“ von Michael Stahl und Rainer Zilly begeistert gelesen haben. Schon beim Durchschmökern dachte ich mir: „Mensch, solch ein Buch sollte es unbedingt auch für Frauen geben!“ Das Ergebnis hältst du jetzt gerade in deinen Händen. Ich freue mich riesig darüber!
Schon während der Vorbereitung des Buches hat es mir richtig viel Freude gemacht, alte Schulkameradinnen, Arbeitskolleginnen, Freundinnen und so manche andere PERLE zu kontaktieren, bei der ich im Vorfeld den Eindruck hatte: „Oh ja, ein kleiner Auszug aus dem Leben genau DIESER Frau könnte inspirierend für viele andere sein!“
Auf unserer Autofahrt von Frankreich nach Deutschland las ich meinem Mann eine Geschichte nach der anderen vor. Manchmal berührten mich die Erlebnisse der Frauen so sehr, dass ich zuerst einmal überhaupt nicht mehr weiterlesen konnte. Tränen liefen mir wie PERLEN übers Gesicht.
Je nachdem, wie dein Leben bisher war oder gerade ist, wird dich sicherlich die eine Geschichte mehr, die andere weniger berühren. Das ist gar nicht entscheidend. Entscheidend für mich ist vielmehr, dass jede einzelne Autorin dieses Buches bereit war, einen Teil ihres Innersten mit DIR zu teilen. Jeder dieser Frauen wirst du abspüren, dass es ihr durch ihre Erzählung nicht darum geht, sich selbst hervorzuheben. Vielmehr wünschen wir uns, dass unsere Geschichten, die wir mit Gott erlebt haben, auch dich inspirieren. Versuche, die PERLE dahinter zu entdecken, den Herzschlag dieser Autorin zu spüren.
Jede Geschichte ist einzigartig. Und doch verbindet uns der EINE, der unsere große Liebe und gleichzeitig unser größter Halt im Leben ist. Vielleicht erkennst du beim Lesen auch seine Handschrift? Viel Freude bei deiner ganz persönlichen Entdeckungsreise!
Deine Claudia Bolanz
Der Perlmuttschimmer von Gottes Liebe in deinem Leben
Zum ersten Mal in meinem Leben beschäftigte ich mich aufgrund des Titels dieses Buches gedanklich intensiver mit Perlen – verborgen, irgendwie geheimnisvoll, wunderschön und wertvoll.
Laut Wikipedia ist die Entstehung von Perlen noch gar nicht so genau erforscht. Und doch weiß ich absolut sicher, wer sie sich ausgedacht und erschaffen hat – Gott selbst. Er hat sie genauso liebevoll erschaffen wie die „Perlen“, die für dieses Buch ihre Mutmach-Perlen geschrieben haben, adressiert an alle die „Perlen“, die das nun lesen.
Vielleicht denkst du nun, dass ich dich gar nicht kenne und somit auch nicht beurteilen kann, ob du eine Perle bist. Aber ich weiß, dass ich mich voller Vertrauen dem Urteil dessen anschließen kann, der dich erschuf und dich aus lauter Liebe in diese Welt gesetzt hat. Er kannte dich, bevor du geboren wurdest, und es war von Anfang an geplant, dass du eine Perle würdest – innen und außen wunderschön. Und sein Anliegen ist es, dass deine dir eigene Schönheit voll zur Geltung kommt! Das Lesen dieser Lebenszeugnisse kann ein großes Stück dazu beitragen, dass Gottes Perlmuttschimmer in deinem Leben zur Wirkung kommt.
Perlen schmücken eine Frau, geben ihr eine ganz besondere Note. Und mit dem Ausdruck „Perle“ meinen wir oft die gute Seele des Hauses, einer Firma, eines Vereins usw. Mit ihrer inneren Schönheit und der Liebe Gottes, die sie widerspiegelt, ist sie der Segen ihrer kleinen (oder auch großen) Welt um sie herum.
Ich wünsche uns Männern, dass wir die Kostbarkeit jeder Frau sehen. Uns Vätern, dass wir uns unserer Verantwortung unseren Töchtern gegenüber bewusst sind. Dass wir die Liebe Gottes des Vaters repräsentieren und unseren Söhnen ein gutes Beispiel darin geben, indem wir die „Perlen“ dieser Welt ehren, achten und lieben. Am besten lernen wir von Jesus Christus selbst, wie man(n) wertschätzend mit Frauen umgeht.
Wir leben in einer Zeit, in der so viel Entmutigendes passiert, in der wir von schlechten Nachrichten aus allen Richtungen fast erschlagen werden. Deshalb brauchen wir Menschen, die nicht entmutigen, sondern ermutigen; Menschen, die trösten und aufrichten. Das ist den Autorinnen dieses Buches wirklich gelungen, und ich danke ihnen von ganzem Herzen, dass sie ein Stück ihres Herzens teilten, um die Herzen der Leserinnen (und Leser) zu berühren.
Ganz besonderen Dank auch an Claudia und an Rainer, dass sie für dieses Buch alle diese Perlen mit Gottes Hilfe gesammelt und auf kreative Weise mit Schönheit zusammengestellt haben, damit wiederum andere Frauen (und Männer) ihren Schatz damit bereichern können.
Jede der Autorinnen ist eine Perle!
Jede Geschichte ist eine kostbare, ermutigende Perle!
Jede Frau auf dieser Welt ist eine Perle (selbst dann, wenn sie als Schatz noch nicht „gehoben“ wurde)!
Perlen, von Perlen für Perlen – damit ihr schimmernder Glanz zunimmt und immer mehr von Gottes Herrlichkeit widerspiegelt.
Ein Bibelvers beschäftigt mich aus einem bestimmten Grund derzeit ganz besonders:
„Lass mich deine Herrlichkeit sehen“ (2. Mose 33,18).
Mögen diese Mutmach-Perlen dazu beitragen, dass du Gottes Herrlichkeit im Hier und Jetzt bereits mehr und mehr spürst, siehst, erlebst. Und sei dir gewiss: In den Augen Gottes bist DU so wertgeachtet, als gäbe es keinen anderen Menschen auf dieser Welt. Du bist einzigartig, wunderbar und wertvoll.
Du bist Gottes geliebte Perle!
In Gottes Liebe verbunden
Michael Stahl
Bereits mit 25 Jahren dachte ich, mein Leben sei zu Ende. Ich hatte mich damals gerade – nach einer kurzen, leidvollen Ehe – von meinem ersten Ehemann getrennt. Ich hatte ein einjähriges Kind zu versorgen, jedoch kein Geld, denn mein Mann hatte unser gesamtes Vermögen verspielt. Ich hatte auch keine Arbeit und keine Freunde mehr. Sogar die Beziehung zu meinen Eltern war zerrüttet. Zudem hatte ich furchtbare Angst, denn mein Mann, der nicht akzeptieren wollte, dass ich mich von ihm getrennt hatte, drohte mir, entweder mich umzubringen oder das Kind zu entführen. Dass er dazu in der Lage wäre, daran habe ich nie gezweifelt; schließlich hatte er auch in der Ehe schon nicht davor zurückgeschreckt, Gewalt anzuwenden, wenn etwas nicht nach seinem Willen lief.
Ich war völlig verzweifelt! In meiner Not habe ich mich an sämtliche Beratungsstellen gewandt, die es in unserer Gesellschaft für solche Situationen gibt, doch keine konnte oder wollte mir helfen. So fasste ich schließlich den Entschluss, mich umzubringen; lediglich meine Liebe zu meinem Kind hinderte mich daran, diesen Plan sofort in die Tat umzusetzen. Ich wollte das Kind gut versorgt wissen, bevor ich aus dem Leben schied. Doch es kam noch schlimmer.
Ich musste meine Wohnung verlassen und vor meinem Mann fliehen. Liebe Freunde nahmen mich und meine kleine Tochter schließlich bei sich auf. Und diese Freunde nahmen mich auch eines Sonntags in einen Gottesdienst in eine Freikirche mit. Dort habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Jesus, seine Liebe zu mir und seinen Frieden bewusst erlebt. Und dort habe ich auch zum ersten Mal gehört, dass, egal wie verkorkst mein Leben auch ist, Jesus daraus noch etwas machen kann, und dass ich ihm wichtig bin. Und so habe ich mit einem einfachen Gebet Jesus in mein Leben eingeladen und ihm gesagt, dass er von nun an der Chef in meinem Leben sein soll.
Von da an hat sich meine Situation grundlegend verändert. Als Erstes hat mein damaliger Ehemann auf einmal eingelenkt und aufgehört mir zu drohen. Er hat sogar eingewilligt, dass ich das Kind behalten darf und ist freiwillig aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Das war ein totales Wunder! Gott hat mich auch finanziell versorgt!
Ich wusste oft gar nicht, wo das Geld auf einmal herkam. Ich konnte sogar noch andere Menschen beschenken, was mir persönlich ganz wichtig ist.
Jesus hat meine Seele geheilt, ganz ohne Psychotherapie, und mich wieder zu einem fröhlichen, hoffnungsvollen Menschen gemacht. Ich habe neue Freunde bekommen und die Beziehung zu meinen Eltern ist auch wieder ganz innig.
Das alles ist nun schon viele Jahre her, und ich kann mir ein Leben ohne Jesus nicht mehr vorstellen. Heute bin ich glücklich verheiratet, habe 5 Kinder, die mittlerweile erwachsen sind und ihren Weg gehen. Besonders in Schwierigkeiten und Krisen, und die gibt es ja bei jedem hin und wieder, bin ich froh, Jesus bei mir zu haben, der mir hilft, mich tröstet, mich ermutigt und mir sagt, was ich tun soll oder wo es langgeht. Ohne IHN wäre ich heute nicht die, die ich bin, und auch nicht da, wo ich heute bin. IHM allein habe ich das alles zu verdanken.
Reinhild Fischer | Jg. 1968 | verheiratet | 5 Kinder |
Stuttgart | Kinderkrankenschwester
Bereits mit siebzehn durfte ich mein Hobby zum Beruf machen. Schon als 4-jähriges Mädchen hatte ich, wenn man mich fragte, was ich einmal werden wolle, geantwortet: „Eine Sängerin!“
Dieser Wunsch und auch das Talent waren mir wie in die Wiege gelegt worden. Als ich dann größer wurde, engagierte ich mich musikalisch in meiner Heimatgemeinde und leitete den Lobpreis, anfangs bei den Kindern, dann in der Jugend und später auch während den Hauptgottesdiensten. Das war mein Leben! Sogar am frühen Morgen, direkt nach dem Aufstehen, hatte ich meistens schon ein Loblied auf meinen Lippen, welches meine Familie „leidtragend“ aushalten musste. Ich war ein lautes Kind und teilte oft ganz unverschämt allen mit, ob es mir gut oder schlecht ging. Ich glaube aber, dass mir diese offene Art in vielen Situationen zugutekam.
Als ich 13 Jahre alt war, ließ ich mich taufen. Und ab diesem Tag entschied ich mich, nicht mehr für mich zu leben, sondern ganz zur Ehre Gottes. Ich wollte, dass Gott in allem, was ich machte, sichtbar würde. Und so holte ich mir Rat bei meinem damaligen Pastor, ob ich mich als Christ überhaupt an einer Casting-Show bewerben durfte!? Er legte mir nur seine Hände auf die Schultern und schenkte mir seinen Segen mit dem Ausspruch: „Sei ein Licht, sei ein Segen und geh mit Gott!“ Das ermutigte mich sehr und ließ mich die ersten Schritte in diese ungewisse Zukunft gehen.
Im Mai 2004 war dann das einschneidende Erlebnis, welches mein Leben auf den Kopf stellte. Ich gewann tatsächlich einen Plattenvertrag bei Universal und stand gleichzeitig bei einem der größten Managements für zwei Jahre unter Vertrag. Danach hatte ich nur ein paar Tage Zeit, um die erste Single und ein ganzes Solo-Album aufzunehmen. Alles ging Schlag auf Schlag! In dieser Zeit wurden meine Werte und mein Glaube bereits oft auf die Probe gestellt. Aber in welchem Leben denn nicht?
Mein Tagebuch begleitete mich, und ich stellte eine Liste für mich auf, mit den Punkten, was ich will und was ich nicht will! Das half mir, mich immer wieder daran zu erinnern, mich nicht verbiegen zu lassen und mir und Gott treu zu bleiben. So sammelte ich meine Erfahrungen. Wichtig war mir immer wieder, dass der Friede Gottes mein Begleiter ist.
Nun erlebte ich als Single ein paar aufregende Jahre mit vielen tollen Möglichkeiten, durch Musik eine besondere Brücke zwischen Menschen und Gott zu schlagen.
Im Jahr 2008 durfte ich dann meinen Traummann heiraten, und wir machten uns gemeinsam auf den Weg, mit der Musik überkonfessionell Menschen zusammen-zuführen und Gott in den Mittelpunkt zu stellen. Mein Mann Thomas studierte zu dieser Zeit noch, und ich wurde mit dem ersten Kind schwanger. Das stellte uns vor ganz neue Herausforderungen.
Wir waren jung und hatten noch keine wirklichen Rücklagen oder Absicherungen oder gar einen festen Job. Wir fingen an, auch durch die neue Verantwortung als Eltern, uns hier und da mehr Sorgen um finanzielle Versorgung zu machen. In meinem Herzen wusste ich aber, dass Gott uns nie verlassen würde und immer einen Ausweg kennt.
Wenn man allerdings dann auf einmal in einem Boot sitzt, welches ordentlich ins Wanken kommt, lernt man ganz neue Seiten von sich kennen. Aber das ist ja nicht unbedingt immer schlecht!
Ganz plötzlich ergab sich dann für mich ein neues musikalisches Projekt, zu dem ich erst mal nicht nein sagte. Es klang sehr vielversprechend, und gutes Geld lockte mich. Aber es dauerte nicht lange, bis ich merkte – und mein ganzer Körper spiegelte es mir wider, vor allem meine Stimme, die zu der Zeit ständig heiser wurde –, dass es wohl nicht der richtige Weg für mich sein konnte. Immer wieder versuchte ich, es mir schönzureden. Wir wohnten in Köln, und ich musste für irgendwelche Aufnahmen oft nach München fliegen und Thomas und meinen Sohn Lennox alleine lassen. Über diesen Zustand wurde ich dann schnell sehr traurig.
Mein Boot, unser Leben, schwankte. Geldsorgen brachten unsere kleine Welt, unser junges Familienglück ins Wanken. Ist Gott wirklich mit uns?
Sitzt er wirklich mit uns in diesem Boot? Dieses Bild prägte meinen Mann und mich sehr in dieser Zeit. Wir fühlten uns so krass herausgefordert, Gott in Bezug auf Finanzen voll und ganz zu vertrauen. Er wollte unser Versorger sein!
„Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht zur rechten Zeit, indem ihr alle eure Sorge auf ihn werft!
Denn er ist besorgt für euch.” (1. Petrus 5,6 ELB)
Es war an einem Morgen, als ich nach Berlin hätte fahren müssen, um erneut einen großen Plattendeal zu unterschreiben und mich und meine Stimme zu verkaufen – wie ich es empfand. Ohne zu wissen, in welcher Situation wir uns befanden, schickte uns genau an diesem Tag ein guter Freund aus Amerika ein Lied mit folgenden Worten:
In the morning, when I riseGive me JesusYou can have all this worldJust give me JesusWhen I am aloneGive me JesusYou can have all this worldJust give me Jesus
(Wenn ich am Morgen aufstehegib mir JesusDu kannst diese ganze Welt habenGib mir nur JesusWenn ich alleine bin,gib mir JesusDu kannst diese ganze Welt habenGib mir nur Jesus)
Am Abend zuvor hatten wir uns noch gesagt, so wie unser erster Gedanke nach dem Schlafen sein würde, würden wir uns entscheiden; und nun begann das Lied genau mit diesen Worten und gab uns eine klare Botschaft. Wir spürten sofort, als wir es hörten, wie der Friede Gottes zurück in unsere Wohnung kam, unser Boot in einen sicheren Hafen einfuhr und der Sturm, der um uns tobte, sich legte. Am schönsten war, dass dieser Friede unsere Herzen wieder ganz erfüllte. So entschieden wir uns gemeinsam als Paar und positionierten uns ganz neu: Wir wollten unser Leben nach Gott ausrichten, ihm von ganzem Herzen vertrauen. Und kein Geld der Welt sollte uns kostbarer sein, als der Friede, den diese Welt sowieso niemals geben konnte. Ohne zu zögern, nahm ich das Telefon, rief meine damalige Managerin und die Produzenten an und teilte ihnen mit, dass es mir sehr leidtue, dass ich diesen Vertrag aber nicht unterschreiben könne. Ich durfte mir sehr viele gemeine Aussagen über mich anhören, ob ich verrückt geworden sei und einen Psychiater bräuchte, und dass die Musikwelt für mich endgültig gestorben sei.
Doch ich konnte innerlich ruhig bleiben, denn ich wusste mich in dem Moment durch Gott so geborgen, wusste, dass er mein Leben in seiner Hand hielt und den besten Plan bereithatte. Gott war mir treu, so mochte auch ich ihm treu sein.
Nur einen Tag später holte ich aus unserem Briefkasten einen anonymen Brief, und als ich ihn öffnete, schenkte uns jemand 500 Euro. Wir waren überwältigt, fühlten uns dadurch vom Himmel geküsst und liebevoll darin bestätigt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Darauf folgten noch viele weitere tolle Wunder, wie Gott uns finanziell immer wieder versorgte, bis jetzt.
Heute dürfen Thomas und ich eine wunderbare Familie mit 4 Kindern erleben, nach wie vor voller Dankbarkeit mit unserer Band Koenige & Priester Musik machen, Lieder singen, die wir selber schreiben, und zu 100% leben. Alle Ehre sei Gott!
Florence Joy Enns | Jg. 1986 | verheiratet | 4 Kinder | Köln | Sängerin
Koenige & Priester | www.koenigeundpriester.de
Herzlich willkommen. Ich bin eine Schisserin vorm Herrn. Würdest du es mir anmerken? Nein. Nicht unbedingt. Denn ich liebe auch das Abenteuer, und ebenso mag ich es, mit meinem Gott über Mauern zu springen und meine Komfortzone auszuweiten.
Ich weiß noch wie heute, wie ich bei einer Live-Moderation hinter der Bühne stand und bis eine Minute vor dem Start überlegt habe, ob ich abhaue und mich zu Hause in meinem Bett verkrieche. Über viele Jahre habe ich ein Selbst-Therapie-Tagebuch geführt, um mit meiner Angst vor dem Zahnarzt umzugehen, und mittlerweile habe ich nicht mehr drei Tage vor jedem Zahnarztbesuch Magenprobleme, Hitzewallungen und Pseudo-Zahnschmerzen.
Da war es schon sehr passend, dass die ersten Worte, die mir jemand von Gott zugesprochen hat, waren: „Sei stark und mutig!“ Diese Worte aus Josua 1 begleiten mich mittlerweile schon mehr als mein halbes Leben. Ich spüre schnell Angst – und nehme sie unter den Arm. Mein Leben und mein Alltag sind geprägt von einem tiefen Vertrauen zu meinem Gott. Diese Empfindungen von Angst und Vertrauen können scheinbar dicht beieinanderliegen und schließen einander nicht aus.
Ich habe es tatsächlich nie erlebt, dass er mich hängen lässt oder vergisst. Ich weiß, dass ich weiß, dass Gott immer da ist, ich mit allem zu ihm kommen kann und er mir immer hilft.
Als freiberufliche Selbständige hatte ich vor ein paar Jahren den Eindruck, dass Gott zu mir sagte, er sei mein Arbeitgeber. Der Gedanke war einfach in meinem Kopf, und er gefiel mir irgendwie. Aus diesem Grund sage ich ihm manchmal: „Hallo Gott, ich hätte gerne den einen oder anderen Job. Darüber würde ich mich freuen.“ Nachdem wir einmal als Familie alle krank gewesen waren und ich drei Wochen zu Hause gewesen war, sagte ich Gott, dass ich gerne wieder eine Trauerfeier halten würde. Fünf Minuten später kam mein Mann zu mir ins Büro, mit dem Telefon in der Hand. Am Telefon war ein Mann, der mich gerade übers Internet gefunden hatte und fragte, ob ich an einem bestimmten Datum Zeit hätte, die Trauerfeier seiner Mutter zu halten.
Mutig bin ich, weil ich weiß, dass ich alles mit Gott mache und er mich nicht alleine lässt. Mutig fühle ich mich nie. Das andere Gefühl – das der Anspannung, die Angst – fühlt sich in den Momenten immer stärker an. Es gab eine Situation, die ich nie vergessen werde und von der ich erzählen möchte. Sie stammt aus einem unserer Familienurlaube, bevor unsere Großen eingeschult wurden. Ich war mit den Jungs am Strand. Die Sonne strahlte und die Wellen waren mehrere Meter hoch. Aus diesem Grund war nur ein Spaziergang angesagt.
Während wir die Sonne, den Wind und den Ausblick genossen, kam ein Mann mit seinem 9-jährigen Sohn an den Strand. Zu meiner Überraschung gingen sie ins Wasser und schafften es auch durch einige hohe Wellen, die sich hinter ihnen am Strand brachen. Ich blieb stehen, beobachtete sie eine ganze Weile in Habachtstellung. Ich konnte die Situation allerdings nicht genau einschätzen. Und dann passierte es: Ihre Hilferufe drangen zu uns an den Strand.
In meinem Kopf ratterte es. Ihnen musste geholfen werden! Das war klar. Aber wie? Plötzlich geschah etwas wirklich Kurioses: Ein Rettungsschwimmer kam mit seinem Brett über die Düne angelaufen und rief mir zu, wenn er seine Brille verlieren würde, müsse ich reingehen. – Bereits bei der ersten Welle war seine Brille weg!
Er übergab mir das Brett. So könne er nicht ins Wasser gehen, gab er mir zu verstehen, er sei jetzt quasi blind.
Ratlos sah ich den Vater, den Sohn, den Rettungsschwimmer, die Wellen und hörte die Hilferufe. Ich wusste: Ich kann das nicht! Meine Strategie war bislang immer gewesen: Schwimmen und Wellen dabei möglichst meiden.
Ich hatte riesige Angst. Aber mir war auch klar, dass es anscheinend gerade niemand anderen gab, der es tun konnte. Ich musste eine Entscheidung treffen. Also schickte ich meine Jungs vom Wasser weg und stapfte mit dem Brett in die Wellen.
Voller Angst klammerte ich mich an das Brett und kämpfte mich durch die ersten Brecher. Ich weiß nicht mehr wie. Irgendwie schaffte ich es, zu ihnen hinzugelangen. Der Vater bat mich, mich um seinen Sohn zu kümmern. Der Junge weinte, hatte Angst um seinen Vater, dass er sterben würde. Ich wandte mich dem Sohn zu und – plötzlich verspürte ich eine unerklärliche Ruhe.
Ich nahm den Jungen, schob ihm das Brett unter den Bauch – und redete und redete … erzählte ihm von meiner Beziehung zu Gott … und dass er und sein Vater es schaffen würden … und dass ich mir so sicher wäre, dass wir es schaffen würden, weil ich wüsste, dass Gott mit mir hier auf der Erde noch was vorhat … dass er das Brett nicht loslassen dürfe … dass er keine Angst um seinen Vater haben müsse … So paddelten wir Richtung Strand. Doch dann packten uns die großen Wellen und brachen auf uns nieder.
Das Brett entglitt meinen Händen und ich ging unter – wieder und wieder. Und dann kam ich nicht mehr hoch. Ich wusste nicht mehr wo oben und wo unten war. Salzwasser und Sand wirbelten um mich herum. Tosende Wasserstrudel – und mitten darin ein kristallklarer
Gedanke: „Gott, du musst mich hier rausholen!“
Und er holte mich raus, brachte meinen Kopf wieder über Wasser. Die Hilfe kam in Person des Rettungsschwimmers, der zuerst den Jungen und anschließend mich an den Strand zog. Auch der Vater kam später langsam und mit unserer Hilfe heraus.
Der Junge feierte am nächsten Tag sein Leben und seinen 10. Geburtstag in seiner Familie. Und ich habe vor einigen Jahren mit meinem Mann und mit unseren Söhnen mit Wellenreiten angefangen. Ich fühle mich sooooo mutig, bin so stolz auf mich, begegne meinen Ängsten und den Wellen mit einem gesunden Respekt und genieße die Zeit mit meinem Surfboard auf den Wellen. Für die anderen war es ein Klacks, aber für mich war und ist es jedes Mal wieder eine heilsame Erfahrung, aufs Wasser und mit den Wellen zu gehen. Ich genieße die Weite des Meeres, ich lasse innerlich los, konzentriere mich auf die nächste Welle und versuche sie so gut wie möglich zu nehmen.
Maren Hoffmann-Rothe | Jg. 1975 | verheiratet | 3 Söhne | Wetzlar | Mediatorin und Rednerin | www.hoffmann-rothe.de
„Mama, wenn ich groß bin, werde ich mal Missionarin!“, habe ich schon als Kind verkündet. Mich haben fremde Kulturen schon damals unglaublich gereizt. Ich war sogar fast sauer auf meine Eltern, dass sie keine Missionare waren und ich deshalb nicht in irgendeinem coolen Land aufgewachsen bin. „Aber wenn ich mal groß bin, dann mach ich diesen Fehler nicht“, habe ich mir dann immer gesagt.
Mein Blick war somit immer von Deutschland weg gerichtet, und ich konnte es kaum erwarten, mein Abitur zu beenden, um dann endlich meinen Traum vom Ausland wahrwerden zu lassen. Doch nach dem Abi klappte es aus unterschiedlichsten Gründen nicht, ins Ausland zu gehen, und auch nach dem FSJ blieb mir die Möglichkeit verschlossen.
Ich begann also in Deutschland zu studieren, Religions- und Gemeindepädagogik. Als ich erfuhr, dass es im 5. Semester die Möglichkeit gab, ein halbes Jahr ein Praxissemester im Ausland zu machen, war ich natürlich sofort Feuer und Flamme und bewarb mich bei Praxisstellen auf der ganzen Welt. Für mich war ganz klar: Es musste eine christliche Organisation sein, für alles andere war ich offen. Aber die Suche nach der passenden Stelle gestaltete sich sehr schwer. Entweder gefielen mir die Einsatzfelder nicht, die Organisation hatte keinen Bedarf mehr oder die Praxisstellen wurden von der Hochschule nicht abgesegnet.
Langsam näherte sich der Bewerbungsschluss und ich hatte immer noch keine Stelle gefunden. Also legte ich alles bei Jesus ab und betete: „Wenn es dein Plan ist, dass ich mein Praxissemester im Ausland absolviere, dann hilf mir eine passende Stelle zu finden, und falls nicht, dann muss ich das auch akzeptieren.“ Der letzte Satz würde mir noch „zum Verhängnis“ werden, denn ein paar Tage später stieß ich beim Bibellesen auf einen Vers, der mir sehr deutlich zeigte, was Jesu Plan für die nächsten Monate war: „Verlass dich auf den HERRN und tue Gutes! Wohne hier in diesem Land, sei zuverlässig und treu!“ (Psalm 37,3 HFA). Ich schaute mir den Vers noch in anderen Übersetzungen an, aber diese waren sogar noch deutlicher: „Bleibe im Lande!“
Mir blieb also nichts anderes übrig, als Jesu Anweisung zu folgen und „im Lande zu bleiben“, wenn auch sehr widerwillig. Ich ging dann zum CVJM Stuttgart und arbeitete dort ein halbes Jahr mit. Ab diesem Zeitpunkt richtete sich mein Blick dann auf die Zeit nach dem Studium, um zu schauen, welche Möglichkeiten sich da eröffnen könnten, um ENDLICH meinen Traum vom Ausland wahrwerden zu lassen. Kurzerhand schrieb ich mich bei einer Jüngerschaftsschule von YWAM (Youth with a Mission) in Australien ein. Als mein Aufenthalt bestätigt wurde, lebte ich in Gedanken nur noch in der Zukunft, was mich dort wohl alles erwarten würde, was Jesus vorhatte, wie sich mein Leben verändern würde. Die Gegenwart hatte keine Relevanz mehr, außer „die Zeit abzusitzen“, bis es endlich so weit war.
Doch einige Monate vor Beginn der Jüngerschaftsschule bekam ich die Nachricht: Aufgrund von Corona kann leider niemand nach Australien einreisen. Ich war am Boden zerstört und musste mich mit der Realität abfinden, dass es (mal wieder) nicht klappte mit dem Ausland.
Mutlos, enttäuscht und genervt begab ich mich also auf Jobsuche in Deutschland, zog nach Stuttgart, begann zu arbeiten. Alles mit Perspektive darauf, so schnell wie möglich, sobald die Corona-Maßnahmen gelockert werden würden, endlich aus Deutschland wegzukommen. Und so lebte ich auch meinen Alltag, gedanklich mit gepackten Koffern und dem „Fluchtauto“ vor der Tür. Ich ließ es gar nicht zu, richtig in Stuttgart anzukommen, da ich ja sowieso bald weg sein würde. Wieder nur ein „Absitzen“. Richtig glücklich war ich damit nicht, aber das würde schon werden, wenn ich dann endlich mal weg wäre.
Und mitten in diese Situation sprach Jesus hinein. Er schenkte mir genau dieses Bild: Ich, mit gepackten Koffern, nicht mal die Kleider in den Schrank geräumt, damit ich so schnell es geht abreisen könnte; den Rucksack schon auf dem Rücken und den Umzugswagen immer noch nicht ausgeladen. Und dann sprach er mir nur zwei Worte zu: „Pack aus!“ Ganz simpel. Aber gar nicht so einfach. Erst in diesem Moment realisierte ich, dass es die ganzen Jahre über MEIN Traum vom Ausland gewesen war. Ich war so überzeugt davon, dass es das Richtige sei, dass ich gar nicht gefragt hatte, was eigentlich Jesu Plan war.
Aber jetzt wurde klar, sein Plan war im Moment: Erst mal auspacken. Die inneren Koffer auspacken und die Dinge, die gedanklich im Umzugswagen gelagert waren, einräumen. Langsam, Stück für Stück. Das war ein Prozess, in dem ich aber spüren durfte, dass es sich mit ausgepackten Koffern und voll eingerichtetem Zuhause viel leichter lebt. Den hypothetischen Wanderrucksack abzusetzen und richtig in Stuttgart anzukommen. Und erst dann wurde mir wirklich klar: Während ich mit der Zukunft und mit Reiseplänen beschäftigt war, hatte Jesus mir in Stuttgart schon ein Zuhause aufgebaut.
Als ich im Praxissemester nicht weggehen durfte, hatte er mich in den CVJM Stuttgart gesteckt; dadurch hatte ich zum ersten Mal eine richtige Heimatgemeinde; aber nicht nur das, auch meine engsten Freunde habe ich dadurch kennengelernt. In die Wohnung, in der ich jetzt wohne, wäre ich ohne meine Kontakte im CVJM nie gekommen, und auch den Job, in dem ich jetzt arbeite, hätte ich ohne mein Praxissemester in Stuttgart vermutlich nicht bekommen.
Dieser Perspektivwechsel veränderte alles. Auch wenn sich nach außen nichts Offensichtliches veränderte, meine ganze Einstellung war anders. Seither kann ich mich im Alltag ganz anders auf Menschen und auf Freundschaften konzentrieren, und auch im Job als Jugendreferentin an der Freien Evangelischen Schule habe ich einen völlig anderen Zugang zu den Schülerinnen und Schülern. In der Bestimmung zu leben, die Jesus für dich vorgesehen hat, ist so viel leichter, als deinen eigenen Träumen nachzujagen und zu versuchen, Dinge möglich zu machen, die eindeutig (zumindest momentan) nicht für dich bestimmt sind.
Ein Bibelvers, der das ziemlich deutlich unterstreicht, steht in Jesaja
55,8: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR.“ Wo gibt es bei dir
Gedanken und Wege, die vielleicht nur DEINE eigenen sind? Hast du Jesus schon mal darum gebeten, deine Träume und Sehnsüchte zu prüfen? Oft hören wir dann Dinge, die wir nicht hören wollen. Aber Jesus hat nur das Beste für uns im Sinn, auch wenn wir manchmal glauben, dass wir es besser wissen. Sobald wir unsere Perspektive verändern und im Herzen begreifen, dass Jesus es unendlich gut mit uns meint, können wir auch unsere Herzen für neue Wege, für SEINE Wege öffnen. Und dann geben wir Jesus Raum, um Wunder an uns und unseren Mitmenschen zu wirken.
Lass los und „Pack aus!“
Anna-Lena Harsch | Jg. 1996 | ledig | Stuttgart | Jugendreferentin an der
Freien Evang. Schule Stuttgart
Ich heiße Rose-Marie Przygodda und bin 86 Jahre alt. 1936 wurde ich in Goldberg in Schlesien, im heutigen Polen, geboren. Ich bin das neunte Kind von zehn. Wenn ich gefragt werde, wie es mir geht, antworte ich gerne: Mir geht es gut, wenn’s besser ginge, wäre es nicht auszuhalten.
Das war nicht immer so. Im Februar 1945, als ich gerade 9 Jahre alt war, wurden wir durch den Krieg aus unserer Heimat vertrieben. Wir flohen als ganze Familie. Unser Ziel war Tschechien. Mit dem Zug über Dresden führte unser Weg dorthin. Als wir in Dresden im Zug saßen, begannen auf einmal die Sirenen zu heulen. 773 britische Bomber warfen in zwei Angriffswellen zuerst Sprengbomben und danach Brandbomben ab. In diesem Moment war unser Zug in einem Tunnel etwas abseits vom Hauptbahnhof. Meine Mama rief uns Kinder nach innen, weg von den Fenstern und Türen. Ich werde nie die Bilder der Menschen in meinem Kopf vergessen, die am lebendigen Leibe verbrannten.
Trotzdem kamen wir als Familie heil in Tschechien an. In Trubschütz kamen wir bei einer Familie in einem Zimmer unter. Doch unser Aufenthalt war nicht von langer Dauer. Bereits 1946, nach dem Kriegsende, mussten wir wieder zurück nach Deutschland, diesmal aber zu Fuß. Manchmal konnten wir bei Leuten unterkommen, oft haben wir im Wald übernachtet und manchmal in Schulen. Mit uns waren viele andere deutsche Flüchtlinge auf dem Weg zurück in die Heimat.
Besondere Bewahrung erlebten wir in Görlitz an der Grenze, wo wir auf einer Wiese warten mussten. Mein Bruder hatte Rhabarber von einem Gärtner geschenkt bekommen und in seinem kindlichen Leichtsinn in ein Rohr gesteckt, das er auf dem Boden fand. Doch es war nicht irgendein Rohr, sondern der Blindgänger einer Panzerfaust. Auf einmal explodierte es und die Splitter bohrten sich in zwei meiner Geschwister. Wir anderen hörten durch den starken Knall plötzlich nichts mehr.
Durch den lauten Knall wurden noch andere auf uns aufmerksam, denn auf einmal kam ein russischer Mann aus einem Haus gerannt. Er stellte sich mit seiner Waffe vor uns hin und brüllte irgendetwas auf Russisch. Zwar verstanden wir kein Russisch, seinen Befehl jedoch hatten wir verstanden. Alle mussten wir uns in eine Reihe stellen, während der russische Mann mit seiner Waffe auf uns zielte. In diesem Moment dachte ich: „Jetzt sterben wir, das war es!“ Doch auf einmal kam ein Jeep von weitem angefahren, ein Schuss fiel und der Russe fiel um. Russische Männer stiegen aus dem Auto, luden ohne Worte den Mann vom Boden auf das Auto und fuhren davon. Es war wie in einem Film. Kurze Zeit später kamen sie mit einer Ärztin zurück, die, Gott sei Dank, meine Geschwister verarztete. Was hatten wir für eine Bewahrung erlebt!
Drei Wochen später kamen wir zu Fuß in unserer Heimat in Goldberg in Schlesien an. Doch auch das sollte nicht lange unsere Heimat sein, denn 1947 wurden wir schon wieder aus Polen hinausgeworfen, da sich die Grenzen von Deutschland verschoben hatten.
Das nächste Ziel war erneut Dresden. Diesmal blieben wir in der Nähe von Dresden, wo ich auch zur Schule gehen konnte. Endlich waren wir in Sicherheit. Obwohl Gott erst spät in meinem Leben eine Rolle spielte, wusste ich, dass Gott bereits seit meiner ganzen Kindheit bei meiner Familie und mir war. Wir hatten wenig zu Essen auf der Flucht, aber wir mussten nie hungern. Keiner wurde vergewaltigt, was zu dieser Zeit eine echte Bewahrung war. Trotz der schlimmen Umstände kann ich mich an keine dauerhaft präsente Angst erinnern. Ganz im Gegenteil, Gott hatte mich sehr mutig erschaffen, was für mich in dieser Zeit und mein ganzes Leben lang ein echtes Geschenk war.
Doch all das wäre auch bestimmt nicht ohne die Gebete meiner Mutter gewesen. Ich wurde von meiner Mutter christlich erzogen und später konfirmiert, auch wenn ich zum Konfirmandenunterricht 6 km hin- und 6 km wieder zurücklaufen musste. Zu jedem Essen und am Abend wurde gebetet. Ich weiß bis heute, dass die Gebete meiner Mutter viel bewirkten. Ich wusste immer, da ist jemand, der mein Leben in der Hand hat und beschützt.
Ich beendete die Schule in Dresden. Bei einem Bauern lernte ich in der Landwirtschaft und studierte Agrarökonomie in Schwerin. Die meiste Zeit arbeitete ich mit Kühen in der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, ein Zusammenschluss gemeinschaftlicher Agrarproduktionen zu DDR-Zeiten).
1955 kam meine Tochter auf die Welt, deren Vater mich leider vor dem Standesamt sitzen ließ. Eine Weile waren wir nur zu zweit, bis ich meinen Mann Klaus-Dietrich kennenlernte. Obwohl ich schon eine Tochter hatte, nahm er mich 1959 zur Frau, was in der damaligen Zeit nicht üblich war und auch nicht gern gesehen wurde. Wieder versorgte mich Gott, ohne dass ich es wusste.
Zur DDR-Zeit war ich in vielen Vorständen, im Gemeinderat sowie als Abgeordnete tätig und genoss mein Leben. Ich war bis dahin noch keine Christin, und doch fühlte sich mein Leben immer beschützt an. Meine Tochter war mittlerweile verheiratet und entschiedene Christin.
Sie kam mit ihrem Mann durch einen Hauskreis zum Glauben. Das war okay für mich, denn sie durfte glauben, was sie wollte; ich wollte davon nur nichts wissen.
Als ich 1988 unter ständiger Migräne und Rückenschmerzen litt und mir jeden zweiten Tag beim Arzt eine Spritze geben lassen musste, nahm ich das Angebot des Sohnes des Pastors an. Er wollte für mich und mein körperliches Leiden beten. Als er betete, hörten die Schmerzen und die Migräne sofort auf. Es war wie ein warmer, angenehmer Strom, der einmal von oben bis unten durch meinen Körper floss. Die Schmerzen waren einfach weg. Da beschloss ich, wenn dieser Gott so etwas für mich tut, dann will ich ihm auch mein Leben geben. Als ich das tat, begriff ich, dass Gott in meinem ganzen Leben schon Bewahrung geschenkt hatte und er derjenige war, der von Anfang an auf mein Leben aufgepasst hatte. Vieles änderte sich. Mir wurde die Ungerechtigkeit in der DDR bewusst, weshalb ich in diesem System nicht mehr mitmachen wollte und aus jeglichen Vorständen ausstieg. Ich wollte mein Leben ganz Gott hingeben. Ich sagte mir, wenn ich Gott mein Ja geben würde, dann müsse es ein klares sein, das sich in meinem Leben widerspiegelte. Ich wusste, dass die Stasi mich nun bestimmt wegsperren würde, aber das war mir egal. Ich wartete nur darauf, dass sie kamen, aber sie kamen nicht. Wieder hielt der gute Gott seine Hände über mich.
Durch Jesus konnte ich allen Menschen verzeihen, die mir in meinem Leben etwas hatten antun wollen und die Schuld an manchen schweren Umständen in meinem Leben hatten: den Polen, den Tschechen, Russland, dem leiblichen Vater meiner Tochter. Die Vergebung, die ich allen zusprach, war meine eigene Befreiung.
Ich bin nun schon etwas älter und mein Mann ist leider schon seit über 40 Jahren tot. Aber an keinem Tag bin ich allein, weil ich weiß, dass Gott bei mir ist, so wie er es schon immer war.
Für mich ist es wichtig, Gott jeden Tag zu danken, für alles. Ich ermutige euch, diese Dankbarkeit und Vergebung zu leben, es macht wahrhaft frei. Euch Mütter will ich ermutigen, betet für eure Kinder und nehmt sie in eure Obhut, sie brauchen euer Gebet. Habt in dieser Welt keine Angst, denn Gott ist mit euch, er ist euer Hirte, er sorgt dafür, dass es euch an nichts mangelt (siehe Psalm 23).
Schon immer, wenn ich mein Leben betrachtete, wusste ich, dass da jemand aufpasst, und ich spüre bis heute seinen Schutz in meinem Leben.
Rose-Marie Przygodda | Jg. 1936 | Witwe | Neubrandenburg | Rentnerin
Aufgewachsen in einem christlichen Elternhaus mit freikirchlicher Prägung, durfte ich schon früh Gott kennenlernen und seitdem mit ihm über Höhen und durch Tiefen gehen.
Mit meinem Mann bringe ich mich vielfältig in einer kleinen, freikirchlichen Gemeinde ein und diene dort vor allem im musikalischen Bereich. Na, dann ist doch alles prima – weit gefehlt!
Obwohl wir unser Leben als ganze Familie Gott anvertrauen, beten und für uns beten lassen, läuft nicht alles nach Plan, und immer wieder sind wir von Krankheiten geplagt.
Seit vielen Jahren leidet mein Mann unter starken, schwer zu erklärenden Schmerzen, die ihm viel Lebensqualität rauben. Bei unserer ältesten Tochter wurde frühkindliches Rheuma diagnostiziert, und unsere zweite Tochter hat seit über einem Jahr immer wieder Bauchweh, wofür die Ärzte keine Ursache finden. Unser Sohn hat eine Autistische Spektrumsstörung und ist auf spezielle Förderung angewiesen.
Wir sind überzeugt davon, dass wir als Familie unter Gottes Segen stehen. Trotzdem ist es täglich eine Herausforderung, auf die Verheißungen Gottes zu vertrauen und nicht auf das Gerede anderer Menschen zu hören oder auf die schwierigen Umstände zu schauen. Auch der Vergleich mit anderen Familien, denen es anscheinend besser geht und die ein unbeschwerteres Leben führen dürfen, ist schmerzhaft und hält uns oft davon ab, auf Gott zu blicken. Dennoch glauben wir, dass Gott gut ist und für seine Kinder nur das Beste will. Richtig auf die Probe gestellt wurde unser Vertrauen auf Gott im Juni 2021. Bisher war ich immer die Person in der Familie, die körperlich fit war und dafür sorgte, dass bei uns „der Laden lief“. Das betonte ich auch immer, wenn andere Leute bedauerten, mit wie viel Krankheit wir zu kämpfen haben.
Bei einer Routinekontrolle wurde bei mir Brustkrebs festgestellt, genau genommen ein bösartiger Knoten, eine befallene Gewebefläche und befallene Lymphknoten. Es folgten sechs Monate Chemotherapie und anschließend zwei brusterhaltende Operationen. Während ich diesen Text schreibe, stehen noch eine 6-wöchige Bestrahlung, mindestens 7 Jahre Antihormontherapie und eine zweijährige Behandlung mit einem Medikament aus, das einer Chemotherapie ähnelt. Von heute auf morgen war nichts mehr so, wie es vorher war. Schmerzhaft musste ich erfahren, dass der Laden daheim auch ohne mich laufen muss!
Mitten in diesem Leid hatte ich aber eine ganz besondere Gotteserfahrung, die mir unheimlich viel Kraft und Zuversicht gegeben hat.
Ich besuchte einen Gottesdienst, bei dem Deborah Rosenkranz – bekannt als die singende Flugbegleiterin – aus ihrem Leben erzählte. Nach der Veranstaltung wurde in einem kleinen Raum Gebet angeboten. Eine Frau, die mich nicht kannte und nur wusste, wie ich heiße und dass ich krank bin, betete für mich. Im Gebet bekam sie von Gott ein Bild gezeigt und teilte mir das im Anschluss mit. Sie sah, wie in meiner linken Brust eine Fläche blau zu leuchten begann und ich heil wurde im Namen Jesu. Außerdem sah sie, wie meine DNA verschoben wurde. Das war für mich absolut beeindruckend! Diese Frau konnte nicht wissen, dass ich Brustkrebs habe, dann auch noch links, und sie konnte nicht wissen, dass es für mich zu dem Zeitpunkt Thema war, ob diese Erkrankung wohl genetisch bedingt ist. In meiner Familie kamen mehrere Krebsfälle vor, die auch zum Tode führten. Daher hatte ich Sorge, dass ich nun auch dieses Schicksal teilen müsse und auch einmal meine Töchter betroffen sein würden. Eine spätere Blutuntersuchung bestätigte den geistlichen Eindruck und ergab, dass meine
Erkrankung nicht genetisch bedingt ist. Was für eine Erleichterung!
Im Moment dieser Gotteserfahrung fühlte ich mich von Gott unendlich geliebt und stellte ich mich in der folgenden Zeit immer wieder auf diese Verheißung, dass ich heil werden würde.
Unsere Geschichte als Familie ist noch nicht fertig geschrieben, und ich kann ein Zitat meiner lieben Oma immer besser verstehen: „Das hat Gott schon gut gemacht, dass man in jungen Jahren nicht weiß, was in Zukunft noch auf einen zukommt.“ Ich weiß nicht, wie ich in schwierigen Momenten ohne Gott auskommen sollte.
Einige Erkenntnisse sind mir in den letzten Monaten sehr wichtig geworden und helfen mir:
• Ich habe gespürt, dass ich nie tiefer fallen kann als in Gottes Hand. Er fängt mich auf!
• In Zeiten der größten Not war Gottes Gegenwart spürbarer denn je.
• Ich durfte erfahren, dass ich täglich die Kraft hatte, die ich brauchte. In der Bibel gibt es die Verheißung, dass Gott uns niemals mehr zumutet, als wir tragen können. Wie tröstlich!
• Ich weiß inzwischen, dass ich nicht immer stark sein muss, sondern auch offen Schwäche zeigen, zweifeln und auch mal jammern darf.
• Es macht keinen Sinn, nach dem „Warum“ zu fragen. Wichtiger ist es zu fragen, „wozu“ das alles dienen soll, was uns widerfährt.
Mit dem Zitat von Hudson Taylor: „Schwierigkeiten sind der Boden, auf dem Gott sich offenbaren kann“ möchte ich dir heute Mut machen! Ich weiß nicht, was dir durch den Kopf geht, wenn du von meinen Erfahrungen liest. Vielleicht hast du größeres oder kleineres Leid erlebt? Fest steht die Tatsache, dass Gott in allen Höhen und Tiefen zu uns steht und uns unendlich liebt, auch wenn wir uns manchmal einen anderen Verlauf vorstellen.
Ich wünsche dir, dass du Gottes Kraft und Wirken auch in deinem Leben erleben darfst und dich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt. Gott sieht dich und ist FÜR dich!
Natalie Freising | Jg. 1978 | verheiratet | 3 Kinder |
Donauwörth | Grund- und Hauptschul-Lehrerin
