Mystisches Salzkammergut - Gabriele Hasmann - E-Book

Mystisches Salzkammergut E-Book

Gabriele Hasmann

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Beschreibung

Das Salzkammergut – geheimnisvoll und wunderschön Die Idylle blitzblauer Seen, majestätischer Gipfel und zuckersüßer Operettenmelodien in Kombination mit einer sagendurchwirkten Geschichte – so kennt die Welt das Salzkammergut im Herzen Österreichs. Bei dem malerischen Bergland mit über 30 Seen handelt es sich um eine Region voller Kontraste, die Jahr für Jahr tausende Besucher in ihren Bann zieht. Die Menschen siedelten sich hier bereits vor Jahrtausenden an, das Salz im Gestein lockte sie und das Leben am Wasser verhieß ein gutes Leben. Noch immer werden viele alte Bräuche und mystische Rituale, die ihren Ursprung in der weit zurückliegenden Vergangenheit haben, gepflegt. Und es gibt kaum sonst irgendwo im Land so viele geheimnisvolle Mythen, rätselhafte Phänomene und kraftvolle Energietankstellen wie im Salzkammergut.  Tradition, Rituale, Kraftplätze  Von lieblichen Wildfrauen, Saligen und Flinserln  Kulturhauptstadt Europas 2024 : Bad Ischl Salzkammergut

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Über das Buch

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Mit schwerem Herzen schied ich aus dem Salzkammergut, wo jede Felszacke, jeder schöne Baum, jeder tobende Bach, Seen, Täler, Berge und manche warme Augen und weiche Herzen mir liebe Freunde geworden waren.

Friedrich Simony (1813–1896),österreichischer Geograf und Alpenforscherin einem Brief an seinen Freund Adalbert Stifter

Rund um den Traunstein

Der Tag bricht an – es reißt der Nebelschleier,

Geflockt zu Wolken schwingt er sich empor;

Stumm lugt und starr ein Alpenungeheuer

Aus ungewisser Dämmerung hervor.

Der Traunstein ist’s – er hebt die Stirn nun freier,

Fernauf tut sich des Ostens gold’nes Tor,

Auf seinem Scheitel tanzen Sonnenfunken –

Tief unten lallt der See, noch schlummertrunken.

Und höher schwebt des Tages ew’ge Leuchte,

Und ihre Strahlen selber saugt die Schlucht,

Der lose Wind, den dort das Licht verscheuchte,

Stürzt sich, ein wilder Flüchtling, in die Bucht.

Die Welle braust, der Baum, der perlenfeuchte,

Geküßt von ihm auf seiner raschen Flucht;

Die Blumen all – sie schauern in der Wiese –,

Die Sonne flammt ob einem Paradiese!

Otto Prechtler (1813–1881),österreichischer Dramatiker, Lyriker und Librettistaus „Das Kloster am Traunsee“

Inhalt

Vorwort

Das versunkene Dorf im Mondsee und weitere geheimnisvolle Sagen

Alte Bräuche, Rituale und Traditionen: Glöcklerläufer, Krippen und vieles mehr

Mysterien im Wasser und an Land – das rätselhafte Salzkammergut

Agatha Christies Geist in Hallstatt und weitere Spukgeschichten

Glücksplätze, Kraftorte und Naturgeister rund um den Schafberg und an anderen Orten

Quellen

Vorwort

Die Idylle blitzblauer Seen, majestätischer Gipfel und zuckersüßer Operettenmelodien in Verbindung mit einer sagendurchwirkten Geschichte – so kennt die Welt das Salzkammergut im Herzen Österreichs.

Bis in die Neuzeit wurde der alpine Charakter dieser Region allerdings als unwirtlich empfunden, selbst die saftigen grünen Täler mit den märchenhaft funkelnden Gewässern konnten keine Besucher anlocken. Erst im 18. Jahrhundert entdeckte man die Schönheit der „österreichischen Schweiz“, wie der deutsche Forschungsreisende Alexander von Humboldt es 1797 ausdrückte. Bedeutende Künstler und Gelehrte reisten an, pinselten, trällerten und dichteten hier die schönsten Werke und setzten dem Salzkammergut damit ein Denkmal. Das malerische Bergland gilt auch als die Geburtsstätte der Landschaftsmalerei des Biedermeier, sodass Johann Nestroy einst spottete: „Um jeden steirischen Felsen sitzen drei Maler herum und pemseln drauflos.“

Im 19. Jahrhundert wurde die Region auch zum noblen Kurgebiet, das auch Erzherzog Franz Karl und seine Frau Sophie, die zu jener Zeit bereits fünf Fehlgeburten erlitten hatte, gerne besuchten. Die Monarchie wartete dringend auf einen Thronfolger, der einige Zeit nach dem Aufenthalt in Bad Ischl auch zur Welt kam: der spätere Kaiser Franz Joseph I., der im Volk daraufhin „Salzprinz“ genannt wurde. Er hat Bad Ischl nach seiner Heirat mit Elisabeth zu seinem Sommerdomizil auserkoren. Heute präsentiert sich das Salzkammergut als eine Landschaft voller Kontraste, die sich über drei Bundesländer erstreckt (Oberösterreich, Steiermark und Salzburg) und sich in acht Tourismusregionen unterteilt: Ausseerland, Mondseeland (auch Mondsee-Irrsee), Fuschlsee, Wolfgangsee, Traunsee-Almtal, Attersee-Attergau, Bad Ischl und Dachstein.

Bereits vor Jahrtausenden siedelten sich Menschen in dem Gebiet an, das Salz im Gestein hat sie gelockt und das Leben am Wasser ein gutes Leben verheißen. Der systematische Abbau des „weißen Golds“, bei dem es sich um das wichtigste Wirtschafts- und Exportgut der Region handelte, erfolgte in einigen Teilen des Landes bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. und florierte etwa ab 800 v. Chr. Im Bergwerk Hallstatt wurde in jener Zeit schon recht professionell gearbeitet und reger Handel mit ganz Europa betrieben.

Im Mittelalter hat man das Salz nicht mehr mit Werkzeugen aus dem Berg gebrochen, sondern mit Wasser herausgelöst. Diese Sole wurde später in Sudpfannen erhitzt, wobei die Flüssigkeit verdampfte und das Salz übrig blieb. Aufgrund der hohen Erträge interessierten sich schon bald die Reichen und Mächtigen aus der Familie Habsburg für das wertvolle Mineral. Im 15. Jahrhundert institutionalisierten Mitglieder der Herrscherdynastie die „Salzkammer“ in Gmunden, von der sich der Name der Region ableitet und die unter Maria Theresia im Jahr 1745 zum Salzoberamt ernannt wurde. Diese Behörde verwaltete das gesamte Salinenwesen der wichtigsten Salzabbaugebiete Österreichs.

Der überwiegende Teil des Salzkammerguts lag in der Donaumonarchie auf habsburgischem Territorium, vor allem die Salzbergwerke. Und so flossen die Erträge aus dem Salzhandel nach Wien in die Kassa von Kaiser Franz Joseph, der sich selbst auch sehr gerne in der Gegend aufhielt und eine Villa in Bad Ischl besaß. Damals umfasste die Landschaft das Gebiet zwischen Traunsee und Dachstein mit den Zentren des Salzabbaus: Bad Aussee, Hallstatt und Bad Ischl. Sie waren bis Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts nur über die Seen erreichbar, auch der Abtransport des Salzes aus den Bergwerken erfolgte zumeist auf dem Wasserweg.

Nach der Erschließung mit Landwegen wurde die Region mit ihren hochalpinen Gebirgskulissen, den idyllischen Almen und den klaren Seen von der Wiener Aristokratie und zahlreichen Vertreten der schönen Künste neu entdeckt. Sie ging als Motiv in so manches Werk der Literatur, Malerei und Musik ein und entwickelte sich zu einem beliebten Urlaubsziel. Mit ein Anziehungsgrund ist die geheimnisvolle Aura des Salzkammerguts: Es existieren in fast keinem Teil Österreichs so viele geheimnisvolle Bräuche und Sagen, die ihren Ursprung in der weit zurückliegenden Vergangenheit haben. Daneben gibt es kaum irgendwo sonst eine so große Anzahl von wunderlichen Phänomenen und kraftvollen Energietankstellen wie im Herzen der Alpenrepublik (deren geografischer Mittelpunkt in Bad Aussee liegt).

In Kombination mit einer oft mystisch anmutenden Landschaft, die an vielen Stellen von vernebelten Wasserfällen, verborgenen Mooren und dunklen, tiefen Wäldern charakterisiert ist, ist das Salzkammergut ein einzigartiges Naturschauspiel mit jeder Menge Geheimnissen. Und genau darüber lesen Sie in diesem Buch – viel Spaß dabei!

Ihre Gabriele Hasmann

Das versunkene Dorf im Mondsee und weitere geheimnisvolle Sagen

Wo die Idylle am perfektesten scheint, kann sie dennoch trügerisch sein – über das Salzkammergut existieren mehr alte Sagen, unheimliche Mythen und wundersame Legenden als über die meisten anderen Regionen des Landes. Die Geschichten basieren dabei auf möglicherweise wahren bzw. vermuteten Begebenheiten, wurden aus Berichtsfragmenten zusammengepuzzelt oder entsprangen einfach lebhafter Fantasie.

Aus diesem Grund sind Sagen und Mythen auch Märchen gleichzusetzen, die von fantastischen, die Wirklichkeit übersteigenden Ereignissen zeugen. Da sie oft mit tatsächlich existierenden Personen in Bezug gesetzt, mit echten Begebenheiten verknüpft oder mit realen Ortsangaben kombiniert werden, entsteht der Eindruck eines Tatsachenberichts. Bei der Weitergabe von Mund zu Ohr wurden die Geschichten immer wieder abgewandelt, sodass von einigen Sagen mehrere Versionen existieren. Häufig entstanden solche Texte aber auch als Ausdruck von Unwissenheit oder Unverständnis, wenn man beispielsweise eine Geschichte um rätselhafte Vorkommnisse spann, um das Unerklärliche plausibel erscheinen zu lassen, es in Worte zu fassen und für die Nachwelt zu erhalten.

Legenden wiederum kursieren eher im gläubigen Teil der Bevölkerung, die religiösen Erzählungen handeln von Heiligen, ihren Martyrien oder Wundertaten.

Ob Sage, Mythos oder Legende – man hat die Geschichten im Laufe der vergangenen Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergetragen, sorgsam gehütet, gesammelt und irgendwann auch verschriftlicht, sodass heute ein wahrer Schatz an wundersamen, zauberhaften und fantastischen Erzählungen vorliegt.

Ein verborgener Schatz im Kloster

Am Nordwestufer des Mondsees gründete Odilo II., der dem Geschlecht der Agilolfinger entstammte, 748 eine Benediktinerabtei. Eine Sage erzählt darüber:

Odilo ritt mit seiner Gemahlin Hiltrude und einem großen Gefolge in der Gegend zur Jagd aus. Als es Nacht wurde und er sich verirrt hatte, gewahrte er die Wasserfläche des Mondsees nicht und wäre fast samt Pferd hineingestürzt, hätte sich nicht in dem Moment der Mond hinter den Wolken hervorgeschoben und die Szenerie beleuchtet. Aus diesem Grund stiftete er das Kloster und nannte das Gewässer Mondsee.

Im Jahr 748 bezogen 20 Mönche aus Monte Cassino das fertige Gebäude und begannen, Haus und Land zu bewirtschaften.

In das Kloster führt angeblich vom Hilfberg herab ein unterirdischer Gang. Als einmal Krieg war, wollte der Abt die Kirchenschätze in Sicherheit bringen und ließ die goldenen Monstranzen, juwelenbesetzten Kelche und wertvollen Bilder in die Nische eines Ganges schaffen. Dann musste ein Maurer den Zugang zuspachteln, sodass er von außen nicht gesehen werden konnte. Dem Mann hatte man beim Hin- und Rückweg zu der Stelle die Augen verbunden, damit er das Versteck nicht verraten und selbst auch nicht wiederfinden konnte. Der betagte Abt und ein alter Klosterbruder, die Einzigen, die noch wussten, wo sich der Schatz befand, starben bald drauf. Heute ist der unterirdische Gang eingestürzt, die Reichtümer des Klosters wurden nie gefunden.

Im Zusammenhang mit dieser Sage muss auf einen Fund im Bereich der Kirche in Mondsee hingewiesen werden: Im Jahr 1975 hat man bei Grabungen in einer Mauer über 6.500 Münzen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert und vier Ringe gefunden. Der Zeitpunkt der Einmauerung und die Herkunft dieses Schatzes konnten bisher nicht geklärt werden.

Das versunkene Dorf im Mondsee

Der Mondsee, zuvor stets im Besitz diverser Adeliger, so etwa seit Anfang des 16. Jahrhunderts von Kaiser Maximilian I., ist seit Beginn des 19. Jahrhunderts Privateigentum. Aus seinem schlammigen Grund, der mit seiner grünen Flut die Senke im Kalkboden ausfüllt, erhebt sich der Leidingerhügel, der laut Sage von einer versunkenen Siedlung zeugt.

Dort thronte, als das Land noch nicht unter Wasser stand, im Mittelalter eine stolze Burg. An den Berghang gelehnt breitete sich ein Dorf mit blühenden Obstgärten und fruchtbaren Äckern aus. Im Kreis der einfachen Häuser befand sich eine Marienkirche, die jeden Sonntag gut besucht war, denn die Bewohner des Orts waren fleißige, gottesfürchtige Leute. Der Ritter auf der Burg hatte nichts anderes im Sinn, als seine Untertanen zu knechten und Nachbarburgen auszurauben, und an den Sonn- und Festtagen veranstaltete er Fress- und Saufgelage, anstatt in die Kirche zu gehen.

Eines Nachts erschien dem Dorfpfarrer im Traum die Muttergottes und forderte ihn auf, mit seinen Schäfchen zu fliehen und sich woanders niederzulassen. Die Bewohner folgten der himmlischen Weisung und verließen eilig ihr Zuhause, verfolgt vom Gespött des Ritters, der mit seinen Trinkkumpanen von der Burg aus den Abzug beobachtete. Dann kehrte er mit seinen grölenden Gästen fluchend zur Tafel zurück und verbrachte wie üblich den Rest des Tages mit Saufen, Spielen und Lästern.

Doch in der Zwischenzeit verfinsterte sich das Firmament, das göttliche Strafgericht nahte und sandte ein gewaltiges Unwetter voraus. Schon bald ließen dröhnende Donnerschläge das Land erbeben, und riesige grelle Blitze zuckten vom Himmel. Einer davon traf die Festung auf dem Berg, die innerhalb kurzer Zeit in Flammen stand. Kurz darauf sackte der Berghang mitsamt dem brennenden Gemäuer ab, während dicke Regentropfen aus den Wolkenbergen zur Erde prasselten und eiskalte Wassermassen aus den Felsspalten quollen. Hohe Wellen türmten sich auf und begruben die Burg mit ihren Bewohnern und Gästen sowie das verlassene Dorf unter sich. Am folgenden Morgen breitete sich dort, wo sich die Ortschaft befunden hatte, ein weiterer See aus, der dieser Sage nach seinen Namen aufgrund seiner mondähnlichen Form erhielt. Die braven Bauersleute, die ihre Heimat hatten verlassen müssen, ließen sich am Ufer des Gewässers nieder und gründeten die Ortschaft Mondsee.

Tatsächlich zu verdanken hat der See – wie auch alle anderen größeren Gewässer im Salzkammergut – seine Entstehung der schürfenden Kraft der eiszeitlichen Gletscher, deren Schmelzwasser die Vertiefungen füllte. In einigen Tausend Jahren werden diese durch Ablagerungen wieder zu Land werden.

Angeblich kann man in der dunkelgrünen Tiefe des Sees, dessen Name tatsächlich von dem alten Adelsgeschlecht der „Mannsees“ abstammt, bei klarem Wetter noch die Reste der ehemaligen Ortschaft, wie die Spitze des Kirchturms und die Zinnen der Burg, erkennen. So mancher Fischer berichtet außerdem, manchmal die johlenden Stimmen der Ritter sowie das Läuten einer Glocke zu hören. Ob in dieser Sage vielleicht ein Fünkchen Wahrheit steckt, könnte sich im Kapitel „Mysterien im Wasser und an Land – das rätselhafte Salzkammergut“ klären.

Der Peststein von St. Lorenz

Im Garten des Hauses St. Lorenz 61 am Mondsee in der Wiese des ehemaligen Kreithgütels befindet sich ein Peststein mit eingeritzten Buchstaben und der Jahreszahl 1714.

Ein 14-jähriger Knabe wollte aus Bayern vor der schrecklichen Seuche fliehen, war aber bereits erkrankt und verbreitete die Pest in allen Orten, die auf seinem Weg lagen. Besonders in Thalgau, St. Lorenz und Mondsee sollen sich dadurch viele angesteckt haben. Im Bauernhaus Wistauder ist der Bub auf der Tenne gestorben. Man hat ihn dann im Wald beim ehemaligen Kreithgütel, das damals ganz am Waldesrande stand, beerdigt.

Als um 1875 nachgegraben wurde, hat man tatsächlich Überreste eines menschlichen Skeletts gefunden, die man anschließend etwas tiefer betten ließ. Die Knochen sollen sich noch heute unter dem Peststein befinden. Die Seuche hat in der Gegend besonders häufig gewütet, nachweislich auch im Jahr 1714.

Wie die Drachenwand zu ihrem Namen kam

Die etwa einen Kilometer lange Drachenwand am Westufer des Mondsees besteht aus brüchigem Wettersteinkalk und entstand vor etwa 100 bis fünf Millionen Jahren durch tektonische Kräfte bei der Gebirgsbildung. Unterhalb des Felsgrates befindet sich ein großes „Fenster“, das Drachenloch, das aus dem Bergrücken eine schmale Brücke werden lässt und seinen Namen einer Sage verdankt.

Angeblich hat einst eine Pfarrersköchin heimlich Rahm von der Milch abgeschöpft und ihrem Dienstherrn verwässerte Milch serviert. Als sie daraufhin der Teufel holte, hat sich die Frau so lautstark über ihre Strafe beklagt und auf dem Weg in die Unterwelt derart heftig gezetert, dass der Teufelsfürst mit seinem Wagen vom Kurs abkam und in die Felswand krachte. Das so entstandene Loch wurde daraufhin Drachenloch genannt.

Der Teufel soll sich auch heute noch hie und da als Fischer gekleidet auf dem Mondsee nahe der Drachenwand aufhalten. In Gestalt eines ungewöhnlich großen, kohlschwarz gekleideten Mannes gleitet er mit einem Einbaum, der nur eine Wand hat und trotzdem nicht untergeht, über den See.

Andere Quellen sprechen vom Teufel, der mit der Pfarrersköchin durch die Wand gefahren wäre, weil sie trotz des strengen Fastentages an einer Tanzunterhaltung teilgenommen hatte.

Das Haus an der alten Straße Mondsee–Thalgau, in dem die sündhafte Unterhaltung stattfand, trägt heute noch den Namen „Teufelmühle“.

In der linken Wand stehen immer noch zwei Steingebilde, menschlichen Köpfen nicht unähnlich, das eine der Satan, das andere die Köchin. Und in einer Tanne am Fuß der Drachenwand wollen Wanderer in der Dämmerung häufig die Kleidungsstücke der vom Bösen davongetragenen Frau flattern sehen.

Goldener Sand in der Drachenwand

Im Inneren der Drachenwand liegen die Klausbachhöhlen, ein riesiges Felslabyrinth mit weit verzweigten Gängen mit Tropfsteinen, die teilweise verschüttet sind. Unter anderem befindet sich darin die Drachenhalle, deren See die Karstquelle am fast 25 Meter breiten Grotteneingang speist.

Es kam einmal ein fremder Mann in die Gegend, der in einem nahen Bauernhof übernachtete. Am Morgen ging er zu der Quelle und stellte einen großen Krug unter den Wasserstrahl. Dann ging er seines Weges. Als er ein Jahr später zurückkehrte und sein Gefäß abholen wollte, war dieses mit Goldsand gefüllt. So geschah es Jahr für Jahr. Der Quartiergeber des Mannes, der von dem goldenen Bründl erfahren hatte, wollte auch sein Glück versuchen und ging den Spuren des Unbekannten nach, konnte die Quelle aber nicht finden.

Einmal kam ein Jäger in die Nähe und fand bei dem goldenen Bründl glitzernde Steine. Er hob einige davon auf und steckte sie in seine Tasche. Im Wirtshaus zu Plomberg zeigte er den anderen Waidmännern seinen Fund, woraufhin sich am Nebentisch ein fremder kleiner Mann erhob und die Mineralien sehen wollte. Er hatte rasch erkannt, dass diese Goldkörner enthielten, und bot dem Finder dreihundert Gulden dafür. Der Jäger nahm das Geld, bereute dies aber bald und wollte sich neue Steine holen. Doch er fand die Quelle nicht mehr wieder.

In der Drachenwand befindet sich auch eine Höhle namens Nixloch, in der es laut Sage einen Schatz gibt, der von Nixen bewacht wird. Tatsächlich stammt der Name von der Bergmilch (eine auch „Nix“ genannte erdige Kalkverbindung), die im Mittelalter in dieser Grotte abgebaut wurde.

Einmal kam ein junger Jäger in einer Vollmondnacht zum nahe gelegenen Eibensee. Dort sah er zu seiner Verwunderung Nixen im klaren Wasser baden. Nach einiger Zeit flatterten plötzlich zwei kleine schwarzköpfige Wildenten aus dem Unterholz und fielen schnatternd im Röhricht ein. Da huschten die Wasserwesen ans Ufer, schlüpften in ihre grünen und blauen Gewänder und eilten dem Eingang einer Höhle zu. Der Waidmann folgte den Nixen und ging selbst auch in die Höhle hinein. Dort rieselte von der Decke so viel Sand, dass er schon bald den Rückweg antreten musste. Tief im Inneren der Grotte hörte er das Singen und Lachen der Wasserfrauen. Im Freien angekommen, klopfte sich der Jäger den Staub aus der Kleidung und ging nach Hause. Am nächsten Tag fand er im Gamsbart seines Huts noch ein paar Sandkörner, die aus echtem Gold waren. Er lief sofort zur Höhle zurück, konnte dort aber keinen Sand mehr finden.

Goldsucher und eine weiße Frau auf Burg Wartenfels

Bei der Ruine Wartenfels in Thalgau in der Nähe des Fuschlsees handelt es sich um die Mauerreste einer Raubritterburg, die auf einem kleinen Felsvorsprung am Westhang des Schobers liegt. Sie wurde 1259 von Konrad von Steinkirchen und dessen Schwiegersohn Konrad von Kalham (der sich ab 1267 „von Wartenfels“ nannte) errichtet und 1267 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1301 übergab ein Nachfahre des Konrad von Kalham Burg Wartenfels dem Erzbischof Konrad IV. von Fohnsdorf, durfte den Wehrbau allerdings als Lehen übernehmen. Später fungierte Wartenfels als Pfleggericht. Zu dieser Zeit wurden dorthin zum Tode Verurteilte zur Hinrichtung überstellt.

Während der Bauernkriege 1525/26 brannte das Bauwerk ab und wurde nie mehr vollständig aufgebaut, obwohl im Jahr 1552 Innenausbauarbeiten und 1557 die Errichtung eines neuen Daches nachgewiesen sind. Von 1541 bis 1542 war der Arzt, Astrologe, Alchemist und Philosoph Paracelsus auf der Festung zu Gast, der auch ein Verhältnis mit der Gattin des Burgpflegers gehabt haben soll.

Bis in ferne Länder war die Geschichte bekannt, dass es auf Burg Wartenfels einen Goldschatz geben sollte. Und so kamen eines Tages zwei prächtig gekleidete Herren aus Passau, die gleich nach dem Eintreffen in Thalgau nach einem Einheimischen suchten, der sie nachts zur Ruine führen sollte. Doch keiner der Dorfbewohner traute sich nach Anbruch der Dunkelheit zu den Mauerresten auf den Felsen. Endlich erklärte sich ein Mann bereit, die Fremden zu führen, und erhielt dafür ein paar Goldstücke. Er stellte die Bedingung, zum Gottesdienst am Morgen wieder im Ort sein zu wollen, was ihm zugesichert wurde. Nachdem es finster geworden war, marschierten die drei Männer davon, ausgerüstet mit Laternen und Pickeln. Am nächsten Tag in der Früh kehrte zum Glockengeläut der Kirche der Mann aus Thalgau wieder zurück. Er sah verstört aus, verfiel sofort in tiefstes Gebet und verlor kein einziges Wort darüber, was er bei der Ruine erlebt hatte. Auch die beiden Herren aus Passau, die etwas später ankamen, waren nicht dazu zu bewegen, etwas über den nächtlichen Ausflug zu erzählen.

Vielleicht haben die Männer die weiße Frau von Wartenfels erblickt, als sie mit der Schatzsuche begannen. Sie wären nicht die Einzigen, denn auch ein alter Bauer, der einst nachts von Hof nach Mondsee wanderte, soll sie gesehen haben.

„Erst drei Uhr“, sprach er zu sich selbst, „wie wär’s, wenn du das Goldbrünnlein suchen gehst?“ So stapfte er zu den Ruinen und begann, in den alten Mauern herumzusuchen. Das Herz klopft ihm dabei bis zum Halse. Als er nichts fand, verließ er den verfallenden Bau unverrichteter Dinge wieder, um seine Wanderung fortzusetzen. Da hörte er mit einem Mal einen süßen Gesang und blickte empor zu der Stelle, an der einst die prächtige Burg stand. Ganz oben auf dem höchsten Felsen schwebte eine zierliche weibliche Gestalt in einem weißen Kleid. Sie winkte ihm und lockte ihn, er möge zurückkommen. Der Bauer wollte soeben mit dem neuerlichen Anstieg beginnen, als vom Kirchturm aus dem Tal die vierte Morgenstunde geschlagen wurde. Das bezaubernde Wesen war verschwunden und ihr lieblicher Gesang verklungen. Zuhause erzählte man dem Mann, dass die weiße Frau all jene bestraft, die das Gold der Raubritter stehlen wollen, deren Beute bis heute irgendwo in den Ruinen versteckt ist. Sie würde ihnen den Frieden nehmen, sodass ihre Opfer ratlos und unglücklich ihr Dasein bis ans Lebensende fristeten.

Von der Burg Wartenfels soll ein unterirdischer Gang zum Tumpenbauern in der Gemeinde St. Lorenz geführt haben. In einem nahen Bauernhaus, das mit einer zweiten Wirtschaft als Meierhof angeblich zur ehemaligen Festung gehörte, soll ein Schatz verborgen sein. Er wurde einst von einer Frau mit weißer Schürze bewacht, die sich einmal pro Jahr den Hausleuten zeigte, um gleich darauf wieder in den Tiefen des Kellers zu verschwinden.

Beim Tumpenbauer in St. Lorenz befinden sich ein Stein und die Mauern eines Rundbaus, die vermutlich noch aus der Römerzeit stammen. Im „Historisch-topographischen Handbuch der Wehranlagen und Herrensitze Oberösterreichs“ von Norbert Grabherr aus dem Jahr 1975 heißt es: Auf der Grundparzelle Nr. 306, gehörig zum Bh. Tumpenbauer in der O. Keuschen Nr. 55, KG St. Lorenz, befand sich die Ruine eines Rundturmes, genannt der „Gescheibte Turm“, der 1870 abgetragen wurde. Die Fundamente wurden durch Grabung festgestellt.

Der Turm hatte einen Durchmesser von 10,2 und eine Mauerstärke von 2,7 Metern, die Funktion des Bauwerks ist bis heute ungeklärt.

Verliebt in eine Nixe

Überall, wo es viele Gewässer gibt, existieren auch Wassergeister – so sagt man. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch zahlreiche Sagen mit den Elementarwesen in Verbindung stehen. In diesen Volkserzählungen leben die Nixen üblicherweise mit ihren Familien am Gewässergrund, kommen aber hin und wieder auch an Land und mischen sich unters Volk. Sie nehmen dabei menschliche Gestalt an, sind aber an ihrem nassen Kleidersaum erkennbar. Weit verbreitet ist die Sage, der zufolge eine Gruppe Nixen regelmäßig unerkannt an einer Tanzveranstaltung teilnimmt, gegen den Willen und ohne Wissen ihres Vaters. Als sie einmal zu spät nach Hause auf den Grund des Sees zurückkehren, werden sie von dem Nix getötet. Wasserfrauen werden einerseits als schöne, verführerische Frauen beschrieben, andererseits als durchaus gefährliche, mächtige Wesen, die Fischer ertränken oder Kinder entführen.

Auch im Salzkammergut finden sich in der Volksmythologie Erzählungen über Nixen, wie etwa diese: Einmal verliebte sich ein Bursche in ein Fischermädchen am Mondsee. Er folgte der jungen Frau auf ihrem Nachhauseweg, um herauszufinden, wo sie wohnte. In der einbrechenden Dunkelheit verlor er sie aber aus den Augen, verirrte sich und gelangte nach einiger Zeit an das Ufer des Mondsees. Dort begegnete er einer wunderschönen Nixe, die ihn umgarnte und schließlich in ihr Unterwasserreich mitnahm. Der Bursche vergaß alles um sich herum, das hübsche Fischermädchen, sein Zuhause und seine Familie und kümmerte sich nicht mehr um die Welt außerhalb des Sees. Doch eines Tages sah er am Gewässerrand das Fischermädchen stehen, freute sich über den Anblick und erinnerte sich an sein Leben zurück. Das bemerkte die Nixe und verwünschte den Burschen. Er durfte wieder an Land, war aber mit dem Fluch belegt, nicht altern zu können und auf ewig herumirren zu müssen.

Der Teufelsabbiss

Im Zentrum des Dreiviertelkreises, den Attersee, Wolfgangsee und Mondsee bilden, liegt inmitten von anmutigen Wiesen und Feldern und düsteren Wäldern der 1.782 Meter hohe Schafberg. Er wird im Volksmund auch als Teufelsabbiss bezeichnet, da laut Legende der Höllenfürst einst ein Stück vom Untersberg abbiss und den Felsen nachts durch die Lüfte trug, ehe er ihn beim ersten Hahnenkrähen fallen lassen musste – und dieser riesige Gesteinsbrocken, der beim morgendlichen „Kikeriki“ zu Boden plumpste, ist der Schafberg. Es existiert eine weitere, ähnliche Sage zum Schafberg, die ebenfalls mit dem Teufel in Verbindung steht: Als dieser der Seele eines fromm gewordenen Einsiedlers aus St. Wolfgang nicht mehr habhaft werden konnte, der zum Dank dafür eine Kirche erbaute, passierte Folgendes: Der Satan aber fuhr mit entsetzlichem Ingrimm und Geheul von dannen auf den Schafberg. Er riss im Hinfahren ganze Waldungen nieder und stürzte ungeheure Felsenstücke hinab auf St. Wolfgang. Zum Spott des heiligen Einsiedlers wollte nun auch er, auf dem Gipfel des Schafberges, ein Gotteshaus erbauen, was ihm aber nicht gelang. Man kann noch heute das schwarze Gewölbe dieser Teufelskirche sehen. Oft ist an dieser Stelle um Mitternacht ein schreckliches Geheule zu hören und blutrote Lichter sind zu sehen, die in der Höhle glühen. Weil aus dem Bau nichts geworden war, biß der Höllenfürst den Schafberg in der Mitte entzwei und schleuderte die Trümmer in großer Wut ins Tal, wo sie noch heute liegen.

Wo einst das geschleuderte Beil landete

In St. Gilgen am Wolfgangsee befindet sich bei der Anlegestelle Fürberg ein achteckiger Sockel. Er trägt eine gotische Bildnische und eine Widmungsinschrift aus dem Jahr 1509, die nur noch schwer lesbar ist. An diesem Denkmal sammelten sich einst die Pilger, ehe sie den steilen Weg über den Falkenstein nach St. Wolfgang antraten.

Um den ständigen Bedrängnissen durch den Satan auf dem düsteren Falkenstein zu entgehen, schleuderte der heilige Wolfgang seine Axt ins Tal – mit dem Gelübde, eine Kirche zu erbauen, wo er sie wiederfinde. Dies geschah dann an der Stelle der heutigen Kirche von St. Wolfgang, wo in einer Seitenkapelle ein Steingebilde zu sehen ist, von dem es heißt, der Heilige hätte dort den Abdruck seines Körpers hinterlassen.

Wie die Stadt Bad Ischl zu ihrem Wappen kam

Nahe dem Zusammenfluss von Traun und Ischl soll die heute weit bekannte Stadt Ischl dereinst mit einer kleinen Fischersiedlung ihren Anfang genommen haben. Es wird erzählt, dass freundliche Häuser schon damals an der lang gestreckten Dorfstraße und um den Kreuzplatz standen.

Die Bewohner des Ortes verdienten sich als Fischer, Holzarbeiter, Traunschiffer oder beim Salzbergbau das tägliche Brot. Prächtige Linden und Eschen mit ausladenden Kronen umgaben die Wohnstätten. Die Bäume grünten auch um den Dorfbrunnen am Kreuzplatz, bei dem sich die Menschen, jung und alt, zu mancherlei Gelegenheiten tagsüber einfanden. Auch die durchziehenden Fuhrleute machten gerne bei diesem Brunnen Rast. Mit breiter Behaglichkeit erzählten dann die Männer von ihren Fahrten und von Sitten und Bräuchen, die es anderswo gebe.

„Habt denn ihr da kein Wappen?“, fragte einmal einer der Männer. Und als man ihn begierig anschaute, was er wohl meine, berichtete er von Markt- und Stadtwappen, die er selbst schon gesehen habe, und wie mancher Ort durch eine merkwürdige Person oder Begebenheit zu einem schönen Wappen gekommen sei. Aber in Bad Ischl fand sich lange weder ein berühmter Ritter noch ein besonderer Vorfall, den man für dauernde Zeiten in einem Wappenbild hätte festhalten können.

Eines Tages saßen wieder einmal zur Feierabendstunde mehrere Einwohner plaudernd um den Brunnen beisammen, als sich unter den nahen Eschen plötzlich etwas bewegte. Die Sprecher verstummten und alle schauten nach den Bäumen hin. Und was sahen sie dort? Eine Gämse! Ohne Scheu trat das Tier heran und naschte unbekümmert vor den Anwesenden das unterste Laubwerk vom niederhängenden Gezweig einer Esche. Die Männer schauten schweigend zu und wagten kaum zu atmen, um das Tier nur ja nicht zu erschrecken.

Das war ein Ereignis – so etwas gab’s wohl kein zweites Mal, dass eine Gämse bis zum Ischler Brunnen am Kreuzplatz kam! Als sie fortgesprungen war, begannen alle mit frohem Eifer durcheinanderzureden; denn jetzt hatte man endlich die lang ersehnte „merkwürdige Begebenheit“!

Diese unerhörte Geschichte wurde sogleich nach Wien berichtet – und bald konnten die glücklichen Ischler in ihrem inzwischen zum Markt erhobenen Ort eine Wappenurkunde des Kaisers Maximilian I. in Empfang nehmen. Diese Originalurkunde, ausgestellt am 10. März 1514, liegt heute sorgfältig aufbewahrt im oberösterreichischen Landesarchiv.

Der Geist von der Rettenbachalm

Ganz in der Nähe von Bad Ischl kann man die Rettenbachwildnis erwandern. Früher hat man an dieser Stelle Holz getriftet, wobei viele Männer ihr Leben verloren – in der engen Klamm haben sich häufig die Blöcke verkeilt und die auf ihnen befindlichen Personen eingeklemmt und unter Wasser gedrückt. Und auf der nahen Rettenbachalm soll einmal laut Sage ein mutiger Jäger dem Almgeist getrotzt haben, der auf den Bergen des Salzkammerguts spukt.