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Eine lustvolle Reise durch vergangene Zeiten Maxim Jakubowski kennt die sinnliche Literatur wie kein anderer. Für diesen Band hat er die besten Erzählungen zeitgenössischer Erotik-Autoren versammelt: Sie lassen die Leser lustvoll in das antike Griechenland, ins Frankreich der Revolution und in das Venedig des späten Mittelalters reisen. Reizende Mätressen, blaues Blut in Samt und Korsage, rauschende Ballnächte – diese Erzählungen regen die Phantasie an.
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Seitenzahl: 398
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Herausgegeben von Maxim Jakubowski
Nächte in Samt und Seide
Erotische Geschichten
Aus dem Englischen von Johannes Sabinski
Ihr Verlagsname
Eine lustvolle Reise durch vergangene Zeiten
Maxim Jakubowski kennt die sinnliche Literatur wie kein anderer. Für diesen Band hat er die besten Erzählungen zeitgenössischer Erotik-Autoren versammelt: Sie lassen die Leser lustvoll in das antike Griechenland, ins Frankreich der Revolution und in das Venedig des späten Mittelalters reisen. Reizende Mätressen, blaues Blut in Samt und Korsage, rauschende Ballnächte – diese Erzählungen regen die Phantasie an.
Maxim Jakubowski lebt in London. Er schreibt preisgekrönte Romane und Sachbücher, arbeitet in der Buchbranche, beim Radio und Fernsehen und ist Kolumnist beim Guardian. Daneben ist er Besitzer des berühmten Buchladens ‹Murder One›, leitet das London Crime Scene Festival und hat viele Anthologien und Fotobände herausgegeben.
Liebe Leserin, lieber Leser,
wenige Zeilen noch, bevor Nächte in Samt und Seide Sie willkommen heißen!
Wir haben unseren Autorinnen und Autoren – darunter einige viel versprechende Neulinge – eine klar gefasste Aufgabe gestellt. Sie sollten Geschichten ersinnen, die zwar in der Vergangenheit spielen, trotzdem aber prall voll sind mit Sex, Lust, Sehnsucht, Gefühl und Leidenschaft. Die Vergangenheit, wir wissen es alle, ist eine ferne Welt. Aber sie ist auch fruchtbarer Boden für unsere Phantasie, der sich zu geheimnisvoll fremdartigen und doch wieder sehr vertrauten Landschaften weitet, in denen die Beziehung zwischen Mann und Frau (wie auch jede andere Spielart der Lust) stets eine neue faszinierende Wendung nehmen kann.
Ich meine, dass die Ergebnisse für sich sprechen. Hier ist eine wunderbare Sammlung erotischer Erzählungen entstanden, von denen es keiner an jenem magischen Zündfunken fehlt, den weder die heutige Technik noch die Romantik modernen Großstadtlebens für sich allein beanspruchen können.
Die folgenden Storys schlagen mit großem Einfallsreichtum einen Bogen vom Ägypten der Pharaonen bis ins Zeitalter der Dampfmaschine. Sie schließen unterschiedliche Epochen und Länder ein und eine beachtliche Auswahl historischer Persönlichkeiten. Freilich mit frechen, ganz neuen Einsichten in eine ungeschriebene Chronik, die manches Mal der Wahrheit lange zurückliegender Lebensbedingungen näher zu stehen scheint als die trockenen Faktenaufzählungen, die wir zur Genüge aus den Geschichtsbüchern kennen!
Unsere Autoren und Autorinnen kommen von nah und fern, aus Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien, und belegen somit eines mühelos: Man braucht keinen Reisepass für das Zauberreich der erotischen Literatur, wo die Sinne vierundzwanzig Stunden am Tag und an allen sieben Wochentagen in herrlicher Blüte stehen.
Freuen Sie sich also auf das lustvolle Eintauchen in eine Glut des Vergangenen, die alle Nerven kitzelt und umschmeichelt: ein leckendes, anrührendes Feuer, das Ihrem Genuss ungekannte Wonnen offen legt, gleich, ob Sie dem Männlichen, dem Weiblichen oder etwas anderem zuneigen.
Sollen doch einige in dem Glauben bleiben, «Sex» sei erst in den «Sexy Sixties» erfunden worden oder seinerzeit vom guten Dr. Freud, als er uns über die verdrängte Lust in den Tiefen unserer Seele aufklärte. Dieses Buch frohlockt einer anderen These, und damit also «Bühne frei!» für Darsteller zu Hunderten, angeführt von Kleopatra, der Mona Lisa, Königen, Königinnen, Prinzessinnen, Royalisten und Revolutionären, Priesterinnen, wundertätigen Nonnen, Kurtisanen und Vestalinnen, die uns sämtlich vorführen, dass manche Dinge sich nie gewandelt haben und genussvoller Sex die höchste unserer ungehemmten Lebensfreuden bleibt.
Maxim Jakubowski
Louisa Campion
Auf das Geräusch eines galoppierenden Pferds hin schnellte Lady Evelina Trevaire in die Höhe und ließ den Roman, den sie gerade las, achtlos zu ihren Füßen fallen.
«Gerrard!», keuchte sie und lief ans Fenster, denn sie rechnete damit, es könne ihr Gatte sein. Draußen aber saß Vetter Ivor rittlings auf seinem kastanienbraunen Hengst.
Sie eilte hinüber zum Spiegel, richtete mit beiden Händen ihre goldblonden Ringellocken, zupfte den Ausschnitt ihres hoch taillierten, lilafarbenen Kleids zurecht und hastete auf den Flur. Ivor war bereits abgestiegen und kam, die Reitpeitsche unterm Arm, mit weit ausholenden Schritten zur Tür herein.
«Ivor!», rief sie verzückt aus, als er sie in die Arme nahm und an seinen schlanken Körper drückte. Sie schmiegte sich an ihn, atmete den frischen Duft seines Rasierwassers und den aufreizenden Anflug von Ledergeruch ein und verspürte in ihrem Geschlecht jene fleischliche Regung, die seine unmittelbare Nähe üblicherweise hervorrief.
Ein Türklappen auf der Empore warnte Evelina, dass ihre abscheuliche Schwiegermutter im Begriff stand herunterzukommen. Widerwillig ließ sie von Ivor ab, noch während er ihre Hand an seine Lippen führte und sein schicklicher Kuss Lustschauer ihren Arm emporsandte.
«Cousine, du siehst hinreißend aus», sagte er in gedehnter Sprechweise. «Offenbar bekommt dir das Eheleben.»
«Leider täuschst du dich sehr, fürchte ich», teilte sie ihm mit gesenkter Stimme mit, im Ohr die Schritte ihrer Schwiegermutter auf der Treppe hinter sich, und fügte drängend hinzu: «Ich muss mit dir allein sein.»
Er nickte einvernehmlich, ehe er vortrat, um die verwitwete Lady Trevaire zu begrüßen.
«Zu Diensten, Madam», sagte er und verneigte sich anmutig über ihrer Hand. Groß gewachsen, schlank, mit blondem Haar und dem Antlitz eines gefallenen Engels, verfügte Ivor zudem über beträchtlichen Charme. In solchem Maß, dass ihn Lady Trevaire, obwohl sie grundsätzlich alles an Evelina – einschließlich ihrer Verwandten – missbilligte, nicht gar so feindselig anfunkelte, wie es einem weniger vom Schicksal Begünstigten widerfahren wäre.
«Was machen Sie hier?», verlangte sie schroff zu wissen.
«Ich kam, um Ihnen meine Aufwartung zu machen, Madam, und meine Schwester hat mich beauftragt, unserer Cousine eine Nachricht zu übermitteln», teilte er ihr in ruhigem Ton mit.
«Hrrmpf. Dann bleiben Sie wohl besser auf ein Glas Wein», schnauzte sie, nahm seinen angebotenen Arm und ließ sich von ihm in den blauen Salon führen.
Evelina folgte und hoffte inständig, Ivors Auftauchen möge auf irgendeine Weise das Ende dessen bedeuten, was sie als besseren Hausarrest auf dem Lande ansah, mit ihrer Schwiegermutter in der Rolle der Gefängniswärterin.
Während Lady Trevaire ununterbrochen redete, betrachtete Evelina insgeheim ihren Vetter. Vor mehr als zwei Monaten hatte sie ihn das letzte Mal gesehen – tatsächlich am Tag ihrer Hochzeit –, und das lichte Gold seiner Schönheit schien den düsteren, mit Möbeln zugestellten Raum zu überstrahlen.
Er trug einen wunderbar geschnittenen marineblauen Reitmantel. Eine lederfarbene Reithose und schwarz glänzende Stulpenstiefel umhüllten seine Beine. Evelina bekam bei seinem Anblick einen trockenen Mund und presste die Schenkel zusammen, denn schon leckte ein lüsternes Flämmchen an ihrem Geschlecht.
Zwar suchte sie Lady Trevaire durch schiere Willenskraft zu zwingen, sich zu entschuldigen und sie beide allein zu lassen, doch Evelina wusste, dass so gut wie keine Aussicht darauf bestand, und zermarterte sich den Kopf, wie sie die Ältere nur loswerden könnte. Es wäre unerträglich, sollte Ivor aufbrechen, ohne dass sie Gelegenheit gehabt hätte, ihn unter vier Augen zu sprechen.
Zum Glück zeigte er sich der Lage gewachsen, denn als Lady Trevaire eine Atempause einlegte, stellte er sein Weinglas ab und sagte: «Ob Sie wohl meiner Cousine erlauben würden, mir die Orangerie zu zeigen, damit ich ihr die Nachricht meiner Schwester ausrichten kann?»
Lady Trevaire versteifte sich. «Die können Sie ihr in meinem Beisein ausrichten. In Abwesenheit meines Sohnes obliegen Evelinas Angelegenheiten mir.»
«Womöglich, doch das gilt mitnichten für die Angelegenheiten meiner Schwester, und sie hat mich ausdrücklich angewiesen, ihre Nachricht vertraulich zu übermitteln.» Er milderte die Worte mit einem berückenden Lächeln, erhob sich und sprach zu Evelina: «Nach dir, Cousine.»
Die Orangerie schloss an den blauen Salon an, und Evelina konnte Ivors überlegtes Vorgehen nur bewundern. Sie würden in Sichtweite bleiben, womit sich die Frage einer Anstandsbegleitung erübrigte, könnten aber wenigstens vertraulich miteinander reden.
Kaum hatte sich die Tür hinter ihnen geschlossen, brach es aus ihr hervor: «Ein abstoßendes Weib! Dass sie sich zu benehmen wagt, als wärest du ihretwegen gekommen und nicht wegen mir! Wie konnte mich mein Mann nur im Stich lassen, auf endlose Wochen hier mit ihr zusammen?»
Als er sah, wie wütend sie war, hakte sich Ivor bei ihr ein und streichelte tröstend ihre Hand, wobei er sorgsam darauf bedacht blieb, ihrer beider Rücken, auf denen zweifellos Lady Trevaires Knopfaugen hafteten, dem Türglas zuzukehren.
«Beruhige dich und erzähl mir, was passiert ist. Wo ist Gerrard?»
«Ich habe nicht die leiseste Ahnung und glaube, seine Mutter weiß es ebenso wenig. Nach unserer Hochzeit haben wir eine Woche gemeinsam auf seinem Landsitz in Kent verbracht, worauf er meinte, sich um wichtige Geschäfte kümmern zu müssen, mich hierher brachte und seitdem nichts mehr von sich hören ließ.»
«Hattet ihr Streit?», fragte Ivor behutsam.
«Beileibe nicht. O Ivor, hätte ich dich nur heiraten können, wie es unser Wunsch war – wir vertragen uns doch so gut, und du bist fraglos der hübscheste Bursche, den ich kenne.»
«Es hat wenig Sinn, sich damit aufzuhalten. Beiderseits ohne eigenes Vermögen war es einfach ausgeschlossen für uns.» Seine Augen schweiften an ihr hinunter und verweilten auf der Wölbung ihrer Brüste. «Im Bett hat er dich zufrieden gestellt?»
Ihr lieblicher Mund bog sich zu einem verträumten Lächeln, und ihre grauen Augen funkelten lusterfüllt. «Ich war im siebenten Himmel», vertraute sie ihm an. Als sie fortfuhr, geriet ihr Gesichtsausdruck stürmisch. «Er aber offensichtlich nicht. Vielleicht war mein Mangel an Erfahrung nicht nach seinem Geschmack.»
«Anderes hätte er schwerlich erwarten können. Im siebenten Himmel, sagst du?»
«Hmmm. Stundenlang hat er mich geliebt und Dinge getan, die ich mir in meinen wildesten Träumen nicht hätte ausmalen können.» Ihre Wangen wärmten sich an der Erinnerung, und ihre offenkundige Erregung durchbohrte Ivors Körper mit Pfeilen der Lust.
Er zog sie hinter die hüfthohe Brüstung des Zierbrunnens, womit sich beide dem blauen Salon zukehrten. Sie zuckte zusammen, als sie durch die dünne Seide ihres Kleids seine liebkosende Hand auf ihrem Hintern spürte.
«Ivor, du darfst nicht – sie wird’s sehen», wandte Evelina ein.
«Nicht, wenn wir auf dem Fleck verharren, als bewunderten wir diesen einzigartig hässlichen Springbrunnen.» Er streichelte sie träge, schickte Wellen sehnsüchtigen Schauderns durch ihren schlanken Leib und gemahnte sie der vielen Male, da er sie zu ihrer beider Genuss innig berührt hatte.
Langsam hob er ihre rückwärtigen Rocksäume an, um seine Hand in ihr seidenes, knielanges Höschen zu schieben. Sie sog scharf Luft ein, als seine Finger den Spalt zwischen ihren Pobacken hinabglitten, um auf ihr feuchtes Lockenvlies zu stoßen.
Er spielte am schlüpfrigen Fleisch ihrer Schamlippen, löste sie voneinander und spürte mit seinen Fingerspitzen den verborgenen Tälern nach, bis sie merkte, wie sich warmes Nass ansammelte und verstohlen abwärts tröpfelte.
Als er zwei Finger in sie hineinschob und ihr Inneres einer wollüstigen Untersuchung unterzog, fühlte sie ihre Knie zittern und suchte schleunigst Halt am Brunnenrand.
Ihre niedliche Knospe prickelte unter seiner Beihilfe, doch er vertiefte sich ganz in ihre samtweiche Scheide, die er bis ins erregte Mark auslotete.
Sie öffnete die Schenkel etwas weiter, um ihm leichteren Zugang zu verschaffen, als er sagte: «Man muss uns plaudern sehen, damit kein Verdacht aufkommt.»
Eine Hitzeschauder stieg gemächlich ihren Körper empor, und sie keuchte: «Wie soll ich bloß plaudern, wenn du mich so berührst?»
«Dann nick und lächle wenigstens ab und zu, während ich rede. Wären wir doch allein, könnte ich deine rosig bezinnten Brüste aus der Enge deines Mieders befreien und zu harten Lustgipfeln streicheln.»
Der auf Evelinas glatter Stirn entstehende Schweißfilm war nur teils der feuchtwarmen Luft in der Orangerie geschuldet. Ein flüchtiger Blick zu Ivor hinauf nötigte ihr Bewunderung für seine Selbstbeherrschung ab, denn nichts in seinem Gesicht verriet den Umstand, dass seine Hand sich zwischen ihren Schenkeln vergrub und schon von ihren Honigsäften troff, während er fortfuhr: «Ich wollte, du könntest auch mich berühren, meine Männlichkeit von der Hand in den Mund nehmen und zwischen deine sinnlichen Lippen gleiten lassen, so tief es ginge.»
Sie stöhnte leise, da ihr die solcherart beschworenen Bilder der Fleischeslust zu Kopf stiegen, und biss sich auf die Lippe, als er sich ihrer pochenden Knospe zuwandte und sie gewandt zu reiben begann. Heiße, zügellose Lust durchschoss sie und brachte ihre Glieder zum Schmelzen, indes er ihrer ersehnten Erlösung entgegenarbeitete und zugleich weitere unzüchtige Rollenspiele beschrieb, die er mit ihr aufzuführen wünsche.
Ihre Finger schlossen sich um die Brüstung, und während sie sich im Wirbelsturm der Erregung emporschraubte, verlor sie beinahe aus dem Sinn, wo sie sich befanden und dass sie beobachtet wurden.
Auf einmal kam sie, getragen von einer Flutwelle wonnevoller Empfindungen. Sie senkte hastig den Kopf und rang darum, die durchdringende Lust aus ihrem Gesicht zu verbannen. Keuchend und um Selbstbeherrschung bemüht, hielt sie seine Hand zwischen ihren Schenkeln gefangen, bis die letzte Woge verebbt war, ehe sie schluckte und murmelte: «Wacht meine Schwiegermutter immer noch über uns?»
«Zuletzt war sie Gott sei Dank damit beschäftigt, einen Dienstboten zum Feuermachen anzuhalten, aber sie wird sich uns jeden Augenblick wieder zuwenden.» Rasch zog er seine Hand zurück, sodass ihre Röcke wieder die Fußknöchel umspielten.
Ehe Lady Trevaire ihre Aufsicht über das Paar wieder aufnahm, hatte dieses seinen Rundgang fortgesetzt.
«Noch länger bleibe ich nicht bei Gerrards abscheulicher Mutter», erklärte Evelina. «Ich bin jetzt eine verheiratete Frau und kein Schulmädchen mehr. Ich möchte Bälle und Gesellschaften besuchen, statt hier auf dem Land zu vermodern. Liebster Ivor, würdest du Pauline fragen, ob ich kommen und bei ihr in London bleiben darf?»
«Bestimmt wäre meine Schwester entzückt, aber hältst du das wirklich für ratsam? Es könnte Gerrard missfallen.»
«Zum Teufel mit Gerrard», verkündete Evelina und warf ihre goldblonden Ringellocken zurück. «Ich hatte gehofft, wir würden nach unseren Flitterwochen vorwiegend in London wohnen, aber wenn das nicht sein soll, habe ich allen Grund, bei meinen Verwandten die Freuden der Hauptstadt zu genießen.»
Ivors blaue Augen schimmerten. «Dann werden wir endlich Gelegenheit zu jenem Genuss haben, der uns bislang verwehrt blieb.»
Evelina schaute mit einem derart verheißungsvoll sinnlichen Lächeln zu ihm empor, dass er eine neuerliche Versteifung verspürte.
«In der Tat, bislang hütete ich meine Keuschheit für meinen künftigen Gatten, doch die hat er mir nun genommen, wie es sein Vorrecht ist. Jetzt kann uns nichts mehr davon abhalten, zu tun, wie uns beliebt – es geschähe ihm nur recht.»
Sie wurden von Lady Trevaire unterbrochen, die zur Tür hereinkam und auf die beiden zumarschierte.
«Pauline wird mich abholen müssen, denn ich habe keine eigene Kutsche», flüsterte Evelina.
«Wird sie – ich werde mich darum kümmern», versicherte er ihr.
«Was hattet ihr zwei nur eine halbe Ewigkeit lang zu bereden?», herrschte Lady Trevaire.
«Die Botschaft meiner Schwester war von einiger Länge», heuchelte Ivor. «Nun habe ich sie aber überbracht und darf mich verabschieden.» Er verneigte sich, ehe er zügigen Schritts die Orangerie verließ.
Drei Tage später hüpfte Evelina übermütig die Stufen in Paulines prachtvollem Stadthaus hinunter und war ihrer Cousine zutiefst dankbar, sogleich ihrem Hilferuf Folge geleistet zu haben.
Pauline war tags zuvor in Lady Trevaires Haus eingetroffen und hatte ihre Absicht verkündet, Evelina nach London mitzunehmen. Lady Trevaire war zunächst in Wut geraten und hatte es verboten, gesteigert von grenzenlosem Zorn, als die beiden Frauen sie gänzlich unbeachtet ließen. Ihre Drohung, umgehend an ihren Sohn zu schreiben, hatte ihren Entschluss nicht verunsichern können, und Evelina war beinahe betrunken vor Erleichterung über ihre gelungene Flucht.
Mit sechsundzwanzig war Pauline acht Jahre älter als Evelina, aber beide hatten sich stets nahe gestanden. Sie wartete im Salon, bekleidet mit einem Ballkleid aus altrosa Seide, das ihr glänzendes brünettes Haar und ihre sahnige Haut vollendet hervorhob. Mit einem zwanzig Jahre älteren und ihren Launen gegenüber grundsätzlich nachgiebigen Mann verheiratet, widmete sich Pauline einem Wohlleben, das sie zutiefst befriedigend fand.
«Das Kleid steht dir», begrüßte sie Evelina. «Meinst du nicht auch, Ivor?»
«Sie wird alle anderen Frauen in den Schatten stellen», sagte er und ließ einen prüfenden Blick über Evelinas Kleid wandern, mandelgrüner Chiffon über einem Unterkleid von dunklerem Grün. Mit hoch angesetzter Taille und rundem Dekollete betonte es ihre schlanke Gestalt vortrefflich. «Die Kutsche wartet – wollen wir los?», erkundigte er sich.
Als sie eintrafen, war der Ball in vollem Gange, und Ivor fegte mit Evelina umgehend über das Parkett. Während sie im Walzerschritt durch den Saal wirbelten, löste der sanfte Druck seiner Hand auf ihrem Rücken die Sehnsucht nach intimerer Berührung bei ihr aus.
«Wann können wir allein sein?», fragte er.
«Sobald es sich einrichten lässt», gab sie zurück und schaute unter ihren langen Wimpern herausfordernd zu ihm empor. Doch war sie nicht darauf vorbereitet, dass er sie umgehend vom Tanzboden fort und aus dem Ballsaal führte.
«Wo gehen wir hin?»
Er warf einen raschen Blick über die Schulter, ob auch niemand auf sie beide achte, und geleitete sie in die Bibliothek.
«Ich habe kaum an etwas anderes als an diesen Augenblick gedacht», murmelte er, nahm sie in die Arme und ließ seinen Mund auf ihren sinken. Ihre Lippen öffneten sich seiner suchenden Zunge, die ihre fand und sich mit ihr vereinte, während sie sich gierig an ihn schmiegte und seine Verhärtung an ihrer Hüfte spürte. Natürlich benahm sie sich unbesonnen, und sie könnten jederzeit aufgescheucht werden, aber es war ihr gleich.
Als Ivor ihre Brüste aus dem Mieder befreite, erhob sie keinen Einspruch, sondern gab sich seinen berauschenden Liebkosungen hin. Er bettete eine schneeweiße Kugel in seine Hand und neigte den blonden Kopf, um die erhabene Warzenkrone zwischen die Lippen zu nehmen. Boshaft schnalzte er mit der Zunge darüber und entlockte Evelina ein verzücktes Seufzen, ehe er sanft zu saugen begann, bis die Warze zu rubinroter Härte angeschwollen war.
Feuchte Hitze breitete sich in ihrer Möse aus, und Wellen schierer Wollust ergossen sich über ihren ganzen Körper, während er ihre andere Brust mit der gleichen Zuwendung bedachte. Dann hob er sie vom Boden hoch und legte sie auf ein Sofa. Eilig raffte er ihre Röcke bis zur Taille und legte ihre Strümpfe, Halter und die fein gesponnene Seide ihres knielangen Höschens frei.
Er zog ihr das zarte Wäschestück von den Hüften, und sie hob hilfsbereit den Hintern an. Beim Anblick ihres goldenen Vlieses atmete er heftig ein, dann teilte er ihre Schenkel und weidete die Augen am Glanz auf ihren Labien.
«Jahrelang habe ich von diesem Moment geträumt», seufzte er, bevor er sich neben sie kniete und bückte, um sie geradewegs auf die inneren Schamlippen zu küssen. Sie krümmte sich verzückt, als seine Zunge über ihre winzige Knospe schnalzte, über ihre Falten und Täler wirbelte und jeden verborgenen Spalt erforschte.
Die erlesene Empfindung seiner Lippen und Zunge auf ihren geheimsten Stellen entfachte eine sinnliche Hitze, und sie stöhnte auf, während er stetig an ihrem drallen Knötchen leckte.
Als ihre Atemstöße fiebrig und ihre Augen glasig vor Begierde geworden waren, ließ sein Mund ab, und er barg ihren Hügel eine kurze Weile in der Handkuhle, ehe seine Hand tiefer glitt und sanft ihre Vulva zu walken begann. Binnen Sekunden wurde seine Hand von ihren Säften schlüpfrig, dann versenkte er zwei Finger in ihr.
«Klatschnass», hauchte er, zog seine Finger hervor und zerrte an seinem Hosenstall. Sein gewaltiger Ständer schnellte hoch, und er kniete sich zwischen ihre gespreizten Schenkel und führte ihn an die prickelnde Knospe ihrer Klitoris. Eine Hand um den Schaft, rieb er mit der Eichel neckend am prallen Knötchen, bis Hitzewellen über sie hinwegspülten.
Welch unendlich betörender Reiz, derart von ihm berührt zu werden, und eindringlicher noch im Wissen, dass er jeden Augenblick sein Glied bis zum Heft in sie einführen werde. Seine Bewegungen beschleunigten sich, während er den drallen Knubbel erregte, bis sie sich selig aufbäumte und den Ansturm eines rauschhaften Höhepunkts herausschrie.
Er brachte sich über ihr in Stellung und war mit einem geschmeidigen Ruck in ihr, füllte sie vollends aus und brachte sie zum Stöhnen, während er langsam und stetig zu stoßen anfing und sie bald abermals dem Gipfel der Erregung entgegenstieg.
Sie packte ihn bei den Schultern, blind nun gegen die Gefahr der Entdeckung, erfüllt einzig von ihrer fieberhaften Vereinigung. Erneut trafen ihre Lippen aufeinander: für einen Kuss, bei dem das Herz auszusetzen schien, Ivor seinen Takt aber steigerte. Evelinas Becken wogte unter ihm, während das Blut wie dünnflüssige Lava durch ihre Adern brauste.
Er ächzte, seine Stöße wurden schneller und hektischer, bis er zuletzt ein tiefes Stöhnen ausstieß und sich in einer brodelnden Flut entlud, die sie über die Schwelle einer weiteren ekstatischen Entgrenzung hob.
Sie lagen sich in den Armen, bis ihre Atmung sich beruhigte. Dann löste Ivor sich widerstrebend von ihr und richtete seine Kleider.
«So ungern ich es sage, doch wir sollten in den Ballsaal zurückkehren», meinte er zu ihr. «Es wäre nicht gut, würde man uns vermissen.»
Mit trägen Bewegungen langte Evelina nach ihrem Höschen, zog es wieder hoch und genoss es, ihrer beider vermengten Säfte in den Zwickel sickern zu fühlen. Sie zog ihr Kleid glatt, prüfte ihr Aussehen im Pfeilerspiegel über dem Kamin und kehrte sich ihm wieder zu.
«Ich bin so weit. Gehen wir?»
«Wir sind heute Abend zu zwei verschiedenen Feierlichkeiten geladen», sagte Pauline, die sich im Salon auf einem Sofa zurücklehnte. «Wir haben die Wahl zwischen einem Musikabend und einem Maskenball – was wäre dir lieber?»
Evelina blickte von der Modezeitschrift hoch, die sie gerade durchblätterte.
«Der Maskenball hört sich am unterhaltsamsten an», sagte sie eingedenk seiner mannigfaltigeren Möglichkeiten zur Tändelei mit Ivor. Es war ihnen noch mehrmals gelungen, der körperlichen Liebe zu frönen, doch der Zwang zur Verstohlenheit beschränkte sie in der Zeit, die sie allein miteinander verbringen konnten.
«Ich werde meine Zofe Masken und Kostüme für uns herauslegen lassen.» Eine Pause trat ein, ehe Pauline fortfuhr: «Noch immer kein Wort von deinem Gatten?»
Evelinas Mund war von Entschlossenheit gezeichnet, als sie erwiderte: «Nein, und offen gesagt weiß ich weder, wo er ist, noch will ich es wissen. Ich vergnüge mich glänzend ohne ihn.»
«Trotzdem kommt es mir seltsam vor, dass er so lange fortbleibt. Seine Art, dich anzuschauen, hat mir deutlich gezeigt, dass ihn heißes Verlangen nach dir erfüllte.»
«Das tat es allerdings, nur muss sein Hunger schnell zu stillen gewesen sein, wenn er das Ehebett so rasch nach der Hochzeit preisgibt.» Da sie die Angelegenheit nicht weiter erörtern wollte, deutete Evelina auf eine Abbildung in der Modezeitschrift. «Ist das nicht ein wunderbares Kleid? Ich hätte liebend gern eines mit genau diesen Ärmeln, nur vielleicht in Blau.»
Evelina war gedrückter Stimmung, als sie zum Ball aufbrachen. Sie musste sich eingestehen, dass sie geglaubt hatte, mit ihrem Wechsel nach London Gerrard zurück an ihre Seite zu bringen, doch nun war sie bereits zwei Wochen in der Stadt und hatte noch immer nichts von ihm gehört.
Um ihre Verzagtheit zu überwinden, trank sie mehrere Gläser Champagner, und der ungewohnte Alkohol machte sie rasch fidel und leichtsinnig. Unkenntlich hinter ihrer Maske, ertappte sie sich bei unbekümmertem Geschäker mit ihren Tanzpartnern einschließlich Ivors, der mehrere Tänze für sich beanspruchte, ehe er ins Kartenspielzimmer davonging.
Nachdem sie ein Walzer mit einem rothaarigen Unbekannten ganz außer Atem gebracht hatte, erlag sie dessen Vorschlag, doch einen Schlenker auf die Terrasse zu machen. Beim Hinaustreten stellte sie wider Erwarten fest, dass niemand sonst dort Luft schnappte; sie beide waren die Einzigen.
«Wir sollten wohl besser in den Ballsaal zurück, Sir», sagte sie. «Ich hatte nicht damit gerechnet, mich allein mit Ihnen wieder zu finden.»
«Zuerst ein Kuss», raunte er mit belegter Stimme. Ivor delikate Freiheiten einzuräumen war freilich etwas anderes als diesem Fremden. Sie wollte umkehren, doch er zerrte sie in seine Arme, drückte ihr unwillkommene Küsse auf den Hals und griff mit einer Hand so fest nach ihrer Brust, dass es wehtat.
«Lassen Sie mich auf der Stelle gehen!», rief sie empört über diese rüde Behandlung aus. Mit erhobener Hand schlug sie ihm heftig ins Gesicht und keuchte auf, als er sie grob an die Wand stieß und einen Schenkel zwischen ihre Beine zwängte.
Im nächsten Augenblick wurde er von ihr weggezerrt und zu Boden gestreckt. Eine hoch gewachsene, schemenhaft wahrnehmbare Gestalt in schwarzem Kostüm und Maske trat vor und zerrte den Rothaarigen auf die Beine.
«Jetzt bittest du die Lady um Verzeihung», befahl er. Ihr Angreifer taxierte Größe und Schulterspanne des anderen und zog es offensichtlich vor, nicht zu widersprechen.
«Ich bitte um Verzeihung», knurrte er und machte sich schleunigst aus dem Staub.
«Gestatten Sie mir, Sie hineinzugeleiten», sagte ihr Retter und bot seinen Arm an.
«Danke, Sir», murmelte sie, nahm den Arm, machte aber keine Anstalten zu gehen. Etwas an ihm schien ihr vertraut und ließ sie vermuten, ihm schon einmal begegnet zu sein.
«Kenne ich Sie?», fragte sie.
«Ich denke, nein.» Hinter den Sehschlitzen der Maske funkelten seine Augen im Mondschein, und sie wurde von einer erheblichen fleischlichen Gier überrascht. Ihr Puls fing an zu rasen, und sie musste sich dem Drang erwehren, ihm die Arme um den Hals zu schlingen. Sie holte tief Luft und versuchte, einen klaren Kopf zu bekommen, doch der Champagner hatte sich stärker auf sie ausgewirkt, als sie angenommen hatte. Ihr Verstand schwirrte von verworrenen Gedanken.
«Sagen Sie mir Ihren Namen?», fragte sie.
Er schüttelte den Kopf. «Ein Maskenball setzt Anonymität voraus. Erlauben Sie, dass ich Sie zurück zu Ihren Freunden bringe?»
«Lassen Sie mich Ihnen wenigstens danken.»
Hinterher war Evelina völlig schleierhaft, was in sie gefahren war. Ehe sie sich’s versah, schlang sie die Arme um seinen Hals und zog seinen Kopf zu sich herunter, um ihn zu küssen. Einen Augenblick lang blieb er ungerührt, dann fand sie sich in einer zwingenden Umarmung wieder und derart kraftvoll geküsst, dass es flüssiges Feuer durch ihre Adern sandte.
Sie fühlte den Druck seiner wulstigen Verhärtung am Bauch und rieb sich lüstern daran, eine Sklavin der eigenen Sinnlichkeit.
Dann nahm sie seine Hand, führte sie an ihre Brust und atmete lustvoll aus, als er diese einer berauschenden Liebkosung unterzog. Langgliedrige Finger schlüpften unter den tiefen Ausschnitt ihres Kleids, um mit ihren steifen Brustwarzen zu spielen, und sie stöhnte leise, da ihre Begierde fühlbar darauf ansprach.
Er zog sie um eine Ecke der Terrasse herum, wo sie außer Sicht wären, käme jemand aus dem Ballsaal. Von sinnlicher Wallung ergriffen, einem Lecken tanzender Flammen der Lust am Herz ihrer Weiblichkeit, sank sie auf die Knie und fingerte an den Knöpfen seiner Kniebundhose.
Er ächzte, als sie seine pochende Latte hervorzog und das Ende zwischen ihre geöffneten Lippen schob. Ihre Zunge wirbelte rings um die pflaumengroße Eichel und lotete die winzige Öffnung an ihrer Spitze aus. Dann begann sie, eine Hand um den Schaft, heftig daran zu lutschen.
Vollkommen selbstvergessen besorgte sie es ihm mit den Lippen, nahm sein Glied so weit auf, wie es ihr Mund erlaubte, und ließ es dann langsam wieder hervorschlüpfen, bis nur die geschwollene Spitze zurückblieb.
Wieder ächzte er, bückte sich dann, um ihr aufzuhelfen, und beugte sie über die Lehne einer Steinbank. Sie wurde gewahr, wie er ihre Röcke bis zur Taille hochschlug und dann das Höschen bis zu den Fußknöcheln hinabzog.
Evelina stieß einen leisen Schrei aus, als er sich machtvoll in sie hineinarbeitete und ihre samtigen Wände aufs Äußerste dehnte. Seine Rute fühlte sich wie seidenbespannter Stahl an und rammelte sie mit kraftstrotzenden, entschlossenen Stößen. Sie klammerte sich an der Lehne fest und spürte die Kühle des Steins bis ins Mark, während sie innerlich vor Hitze schmolz.
Bald schob sie ihre frechen Pobacken jedem Stoß hinterher und spornte ihn an, sie noch nachdrücklicher zu vögeln. Eine Art Irrsinn bemächtigte sich ihrer, und sie stöhnte laut, als er seinen Takt beschleunigte.
Seine Hände lagen auf ihren Brüsten und triezten ihre Warzen zur Härte von Fingerhüten. Vage blieb sie sich der duftigen Melodiefetzen, die in die kühle Nachtluft hinauswehten, und dem Klappern von Kutschen auf dem Straßenpflaster bewusst, war aber sonst taub für alles jenseits der Sinnenlust des Augenblicks.
Sie fühlte seine Hand vorn zwischen ihren Schenkeln gründeln, und dann rieb er geschickt ihr prickelndes, pochendes Knötchen, bis sie dem Anprall einer Welle der Verzückung erlag, deren Gewalt sie fast ohnmächtig werden ließ. Strahlendes Weiß gleißte vor ihren Augen, während Woge auf Woge der Überreizung über sie hinwegbrandete, um sie endlich matt und atemlos zurückzulassen.
Aus weiter Ferne nahm sie wahr, dass er seine Bewegungen beschleunigte. Dann, als brodelnde Flut, erreichte er den eigenen Höhepunkt.
Er beugte sich über sie, die Hand noch immer in ihrem Mieder um eine Brust geschlossen, ehe ihn ein Gelächter in ihrer Nähe hochfahren und hastig von ihr loskommen ließ. Benommen strich Evelina ihre Kleider glatt und band die Schnüre ihres Kostüms wieder zu.
Ehe sie sprechen konnte, nahm er ihr Kinn in die Hand und hob ihr Gesicht an, um sie zu küssen.
«Wir werden uns wieder begegnen», versprach er. Dann trat er in den Schatten zurück, und sein schwarzes Kostüm wallte ihm um die muskulösen Beine.
Als sie am nächsten Morgen mit rasenden Kopfschmerzen aufwachte, fragte sich Evelina, ob die Begegnung nur ein Traum gewesen war, doch ein zarter Nachhall zwischen ihren Schenkeln veriet ihr, dass es sich anders verhielt. Den ganzen Tag lang war ihr träumerisch zumute, und selbst als sie sich dafür rügte, wohl von allen guten Sitten verlassen gewesen zu sein, um sich an einem öffentlichen Ort zu paaren, fand sie die Erinnerung daran erregend.
An jenem Tag verkündete Pauline fröhlich beim Abendessen: «Ivor, ich glaube, die passende Braut für dich gefunden zu haben.»
«Verfügt sie über ein ansehnliches Vermögen?», fragte er und würdigte mit einem tiefen Schluck den ausgezeichneten Rotwein in seinem Glas.
«Tut sie.»
«Ist sie eine Schönheit?», lautete seine nächste müßige Frage.
«Alle jungen Frauen mit ansehnlichem Vermögen gelten als Schönheiten.»
Er zog eine Grimasse. «Soll heißen, sie ist reizlos.»
«Soll heißen, dass die Zeit für Ausflüchte vorbei ist. Die Höhe deiner Schulden kenne ich nur zu gut, und eine reiche Frau ist deine letzte Hoffnung, wie wenig dir der Gedanke auch lieb sein mag. Morgen gibt eine Freundin in Hampstead einen Musikabend, bei dem ich sie dir vorstellen will. Ich rate dir, sie schnellstmöglich zu bezirzen, denn du wirst nicht der einzige Anwärter auf ihre Hand sein.»
Bei der Vorstellung, Ivor würde heiraten, wurde sich Evelina eines eifersüchtigen Zwickens bewusst, mahnte sich aber zur Besonnenheit.
Am folgenden Abend fühlte sie sich dazu verpflichtet, auf Abstand zu gehen und ihm zuzusehen, wie er um Miss Faversham herumscharwenzelte, nachdem Pauline die beiden miteinander bekannt gemacht hatte.
«Mach dir nichts draus», sagte Pauline leise und hakte sich bei Evelina unter. «Unsereins kann nicht nach Gutdünken heiraten – das weißt du doch selbst.»
«Ich weiß», murmelte Evelina und drückte Paulines Hand.
Es war ein warmer, hochsommerlicher Abend, und während sie der Musik lauschte, befächerte sich Evelina matt und nahm unwillkürlich die Menge in Augenschein, ob nicht der Mann darunter sei, der sie so gründlich auf der Terrasse befriedigt hatte. Aber er war nirgends auszumachen.
Sie fühlte sich ruhelos und von sexuellen Begierden erfüllt, die ihr das Stillsitzen erschwerten. Als ihr klar wurde, dass sie unmöglich zwei weitere Stunden Musik aussitzen könnte, suchte sie ihre Cousine auf.
«Pauline, ich bin doch etwas ermüdet. Stört es dich, wenn ich mit der Kutsche heimfahre? Ich schicke sie dir gleich nach der Ankunft zurück.»
«Natürlich nicht. Schlaf dich richtig aus, und morgen werde ich irgendeinen Dreh finden, um deine trübe Laune zu heben.»
Während die Kutsche über die menschenleere Heide ratterte, lehnte sich Evelina in die Polster zurück und gönnte sich einen Wachtraum von ihrem maskierten Liebhaber. Ihre Phantasien waren so erregend, dass sich ein dünner Schweißfilm zwischen ihren Brüsten bildete, ihre Hand sich zwischen ihren Schenkeln selbständig machte und Evelina durch die Seide ihres Kleids stimulierte.
Doch die Reibung war nicht innig genug, um sie zu befriedigen. Sie streifte ihr Höschen ab, raffte ihre Röcke auf Taillenhöhe und spreizte die Schenkel weit auseinander.
Mit verträumtem Lächeln, die Augen halb geschlossen, spürte sie den Umrissen ihres Geschlechts nach und genoss die eigenhändige Berührung, während sie dem Kuss des Fremden nachsann.
Ihr Fleisch wurde von eigenen Säften schlüpfrig, und ihre Schamlippen schwollen an, als würde ihr gerade die Liebkosung eines Mannes zuteil. Sie schob zwei Finger in das feuchte Herz ihrer Weiblichkeit, bewegte sie träge und sehnte sich nach etwas, das sie vollständiger ausfüllen würde.
Die Erkenntnis, dass die Kutsche soeben zum Stehen gekommen war, stieß sie in die Wirklichkeit zurück, doch ehe sie ihre Röcke nach unten ziehen und nachschauen konnte, weshalb sie angehalten hatten, wurde der Schlag aufgerissen, und zu ihrem Entsetzen stieg eilig ein Mann zu.
Ihre Augen weiteten sich, so erschüttert war sie über das unerwartete Eindringen und den peinlichen Umstand, bei unverhohlener Selbstbefriedigung ertappt worden zu sein. Eben war die Dämmerung hereingebrochen, und von seinem Platz ihr unmittelbar gegenüber hatte er ungehinderte Sicht auf ihre entblößte Scham im goldenen Vlies und die tief zwischen ihren Schenkeln eingegrabene Hand.
Im Schatten seines Dreispitz machte sie eine Maske aus, hielt ihn im ersten Augenblick für einen Wegelagerer und erstarrte vor Angst.
«Ich sagte ja, dass wir uns wieder sehen.» Die Stimme ihres maskierten Liebhabers schickte Wellen des Schauderns ihr Rückgrat hinunter. Hastig nahm sie die Hand aus ihrem weiblichen Delta. Sie hätte auch ihren Rock hinuntergezerrt, doch er ergriff ihr Handgelenk.
Er hob ihre Hand an seine Lippen, leckte ihre glänzenden Finger mit der Zunge ringsumher, bis sie von ihren Säften geläutert waren, und legte dann die Hand zwischen ihre Schenkel zurück.
«Fahren Sie fort, sich zu befriedigen», raunte er. Wie in Trance ließ Evelina ihre Hand zaghaft über ihre lustwehe Knospe fahren und wurde sich, während sie ihm gehorchte, eines prickelnden Hungerzwickens hoch oben in ihrer inwendigen Schatzkammer bewusst.
So dicht war die sinnliche Benebelung, dass sie das Anfahren der Kutsche kaum bemerkte. Gierig beobachtete er sie und nährte dabei mit seinen dunklen, funkelnden Blicken die Flammen ihrer Erregung.
Sie rieb sich heftiger, merkte, wie rasch sie sich zur Wollust emporschraubte, bis ihr Kopf unter innigem Stöhnen zurückfiel und sie mit einem langen, bebenden Seufzer kam.
Ihre flatternden Lider öffneten sich rechtzeitig, um ihn seinen gewaltigen Phallus aus der Enge seiner Reithose befreien zu sehen, dann streckte er die Arme nach ihr aus und hob sie auf seinen Schoß. Sich an seinen Schultern festklammernd, setzte sie sich rittlings auf ihn und verlagerte das Gewicht, bis sein Glied an den kraushaarigen Eingang zu ihrer Möse stupste.
Zentimeter für Zentimeter sank sie hinab, genoss das langsame Eindringen und wiegte die Hüften, während sie sich auf seine pulsende Säule spießte, die sich heiß und knüppelhart anfühlte. Er küsste sie nachdrücklich, ließ sie das lebenspralle Pochen in sich spüren, bis sie sich gemächlich auf seiner Ramme zu bewegen begann, um sie als Werkzeug ihrer Lust zu nutzen. Dann erst packte er sie bei der Taille und gab ihr Hilfestellung.
Anfangs ritt sie ihn behutsam, doch als die schwelende Hitze in ihren Leisten anwuchs, wurde ihr Ritt schneller und schärfer, bis sie kurzatmig nach Atem rang. Das Gerüttel der Kutsche gab ihren Bewegungen zusätzlichen Schwung.
Abermals kam sie, als die Woge der Fleischeslust sich brach. Dann, als er sie hart auf seinem angeschwollenen Schaft niederstieß und wie bei einem Deichbruch seine eigene Entladung erzielte, schrie sie laut auf.
Sie ließ den Kopf auf seiner Schulter ruhen und wurde gewahr, dass inzwischen Nacht und Dunkelheit über die Kutsche hereingebrochen waren.
«Woher kamen Sie?», fragte sie nun verwundert. «Oder ist dies ein Traum?»
«Es ist kein Traum», versicherte er. «Ich war gerade beim Fest eingetroffen und hörte Sie nach Ihrem Wagen verlangen. Ich musste lediglich Ihre Männer bestechen, um meinen Kutscher und mich an ihren Platz treten zu lassen, und ihnen die rechtzeitige Rückkunft der Kutsche versprechen, damit sie Ihre Verwandten abholt. Wenn ich mich nicht sehr täusche, sind Sie beinahe zu Hause.»
Sie warf einen Blick aus dem Fenster und sah, dass sie tatsächlich gerade in den ruhigen Platz einbogen, an dem Paulines Londoner Stadthaus lag.
Der Verdacht, der in ihrem Kopf gärte, seit er sie auf der Terrasse errettet hatte, gab ihr jetzt die Frage ein: «Wollen Sie nicht die Maske für mich abnehmen?»
Er lachte leise. «Bald, nur jetzt noch nicht. Ich muss mich zurück nach Hampstead sputen. Gute Nacht und schöne Träume.»
«Deine Laune scheint heute deutlich besser zu sein», bemerkte Pauline, während sie, die Schultern von ihrem glänzenden brünetten Haar anmutig umflossen, ihre heiße Schokolade schlürfte. Sie saß aufrecht im Bett mit mehreren Daunenkissen im Rücken, und Evelina hockte auf einem Stuhl am Fenster.
«Ja, heute erkenne ich mich selbst auch wieder», erwiderte sie.
«Dann könnte ich dich ja vielleicht um einen Gefallen bitten.»
«Und ob, egal, was, denn ich bin dir sehr dankbar, dass du mich bei dir wohnen lässt.»
«Nutze deinen Einfluss bei Ivor, um ihn zur Heirat mit Miss Faversham zu überreden. Er steht tief in der Kreide. Ich habe ihn zwar schon verschiedentlich von seinen Schulden ausgelöst, aber mein Mann hat mir verboten, es noch einmal zu tun. Wenn Ivor sich nicht beeilt, sich ihr zu erklären, wird ihm jemand anderes zuvorkommen, was ihn ohne weiteres ruinieren könnte. Seine Spielleidenschaft bedarf weit größerer Taschen, als er sie hat.»
«Ich hatte keine Ahnung, dass seine Lage so verzweifelt ist», sagte Evelina bestürzt.
«Er ist noch immer auf dich aus und hat es stets verschleppt, irgendeiner der jungen Frauen, die ich ihm zugespielt habe, die Ehe anzutragen. Wenn du ihn überzeugst, dass ihm deine … deine Zuneigung selbst im Ehestand erhalten bliebe, könnte ihn das für das Notwendige stählen.»
«Wir wollten heute Nachmittag im Hydepark ausreiten. Dann werde ich mit ihm reden», versicherte ihr Evelina.
«Ich werde eine Abendgesellschaft geben, um deine Verlobung zu feiern», verkündete Pauline einige Tage später siegreich, nachdem Ivor alle davon unterrichtet hatte, dass Miss Faversham seinem Antrag gewogen sei. Pauline küsste ihn herzlich, umarmte darauf Evelina und flüsterte: «Danke dir.»
Ivor nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Weinglas und betrachtete mit wehmütiger Miene seine bestiefelten Füße.
«Es wird wie im Gefängnis werden», sagte er bedrückt.
«Unsinn. Sie scheint nicht aufmüpfig zu sein, und wenn du dich anstrengst, sie zu umgarnen, wirst du sicher tun können, wonach dir ist. Jetzt werde ich euch beide allein lassen und mich mit meiner Haushälterin besprechen. Es wird das Ereignis der Saison sein, und ich will wirklich jeden einladen, den wir kennen.»
Pauline verließ den Raum in einem Strudel amethystfarbener Röcke, während Evelina sich zu Ivor auf das Sofa gesellte.
«Sei bitte gut zu Miss Faversham», sagte sie und nahm seine Hand in die ihre. «Wenn du aufgeschlossen für ihre Bedürfnisse bist und dir insgeheim dein eigenes Vergnügen andernorts verschaffst, wird sich bestimmt alles bestens fügen. Sieh mich an – die Ehe hat mein Leben unermesslich bereichert. Ich habe den Stand und die Freiheit einer Ehegattin ohne den Nachteil eines Gatten, der mir ständig im Nacken sitzt.» Sie schluckte beim Sprechen, denn ihre Lage vermochte sie immer noch schmerzlich zu berühren.
Er küsste ihre Hand. «Und ich für meinen Teil bin dankbar, dass Gerrards Abwesenheit anhält. Du hast natürlich Recht, meine liebe Evelina. Ich werde Miss Faversham heiraten und ein behagliches Genussleben führen.»
Er zog sie neben sich, und seine Hand fand zu ihrer Brust.
Ganz London schien der Einladung zu Paulines Gesellschaft zu folgen, und die Kutschen standen auf anderthalb Kilometern Schlange, ehe sie ihre Insassen absetzen konnten.
Evelina tat vom vielen Lächeln schon das Gesicht weh, während sie in ihrem Abendkleid aus elfenbeinfarbener und silbriger Gaze in der Empfangsreihe stand und die Gäste begrüßte.
Die Gesellschaft wirbelte wie im Rausch um sie herum, während sie tanzend und tändelnd die Nacht zum Tag machte. Endlich, zu weit fortgeschrittener Stunde, veranlasste sie der Wunsch nach kurzem Alleinsein, das verwaiste Damenzimmer aufzusuchen.
Eine einsame Kerze flackerte auf dem Kaminsims, als sie zur Tür hereinschlüpfte. Sie ging zum Fenster hinüber, öffnete es und atmete dankbar die kühle, dufterfüllte Luft ein, die vom Garten emporwehte. Das Knarren der Türangeln ließ sie herumfahren, und im plötzlichen Zug fing gleichzeitig die Kerze zu blaken an und erlosch.
Eine hoch gewachsene Schattengestalt betrat den Raum, und Evelina fühlte einen heißen Dolch der Lust aus ihrem Geschlecht emporstechen.
«Sie sind gekommen», hauchte sie.
«Ich wurde eingeladen», sagte er zu ihr, zog sie in seine Arme und beugte sich vor, um sie zu küssen.
Es schien eine Ewigkeit zurückzuliegen, seit sie das Verzücken gekostet hatte, das ihr seine geübten Liebkosungen bereiten konnten. Katzenhaft rieb sie sich an ihm und widersprach nicht, als er ihre Brüste aus dem Zwang ihres Mieders befreite.
«Ich darf mich nicht lange aufhalten – man wird mich vermissen», keuchte sie, während er ihre glatten Kugeln streichelte und mit den Daumen ihre Warzen rieb.
Als sie neben dem Tisch stand, stieß er sie in einer überraschenden Bewegung rücklings auf die Platte und schob ihre Gazeröcke bis zur Taille hoch. Sie erschrak, als er mit beiden Händen nach ihrem bestickten Höschen griff, es ihr vom Leib riss und zerfetzt zu Boden schleuderte. Er spreizte ihre Schenkel, knöpfte seinen Hosenschlitz auf und drang ohne weitere Liebkosung in sie ein.
Obwohl sie zur Eile angetrieben hatte, fühlte sich Evelina überrumpelt und schrie laut auf, als er sich mit einem Ruck bis in ihr Innerstes trieb. Erst als er in gemessenes Stoßen verfiel, fühlte sie die Hitze in ihren Lenden anwachsen.
Doch ehe sie eigener Befriedigung auch nur nahe kam, steigerte er sich zum abschließenden Stakkato und barst sogleich in ihr. Jäh zog er sich zurück, richtete seine Kleider und ließ sie enttäuscht und unglücklich über ihre drängende Hast zurück. Sie glitt vom Tisch herab, schüttelte ihr Kleid aus und fragte sich, was sie mit ihrem zerrissenen Wäschestück anfangen solle.
Plötzlich wurde die Tür aufgestoßen, und Evelina sah im vom Flur hereinfallenden Licht Pauline auf der Schwelle stehen. Ihre Cousine hob rasch einen Kerzenleuchter von einem der Wandtische im Flur, trat ein und schloss die Tür hinter sich.
«Evelina», sagte sie mit Nachdruck, da sie die Lage sofort überblickte. «Ich muss dich warnen – Gerrard ist hier!»
Evelina lächelte sie an. «Ich weiß», gab sie zurück, nahm ihren Liebhaber bei der Hand und zog ihn in den vom Leuchter geworfenen Lichtkreis. «Er hat mich bereits gefunden.»
Doch statt das erwartete Entzücken darüber auszudrücken, die beiden wieder vereint zu finden, wirkte Pauline entsetzt und starrte Evelina an, als habe diese den Verstand verloren. Verwirrt warf Evelina einen Blick hinauf zum Mann an ihrer Seite. Vor Schreck flog ihre Hand an ihre Gurgel, und die Farbe wich aus ihrem Gesicht.
«S … Sie sind gar nicht mein Mann», stammelte sie.
Er machte einen spöttischen Diener. «Ich wüsste nicht, das behauptet zu haben.»
Evelinas Beine zitterten dermaßen, dass sie nicht mehr aufrecht stehen konnte und in einen Sessel sank. «Wer sind Sie dann?», fragte sie verzagt.
«Das ist Lord Calder», teilte ihr Pauline mit. «Einer der berüchtigtsten Wüstlinge von ganz London, darf ich hinzufügen. Hätte dich irgendwer sonst mit ihm im Geheimen angetroffen, wäre es um deinen Leumund geschehen.»
«Ich … ich dachte, er sei Gerrard», erklärte sie sich. «Es war zu dunkel, um sein Gesicht zu sehen.»
Es stimmte, er war etwa so groß wie Gerrard und von ähnlich schlankem, muskulösem und breitschultrigem Wuchs, doch im Licht der Kerzen konnte sie nun sehen, dass er mindestens zehn Jahre älter war und weit strengere Züge aufwies. Seine Stimme hingegen klang so gut wie gleich.
«Ich bin bis ins Mark getroffen», beschwerte er sich. «Ich dachte, meine Ritterlichkeit auf der Terrasse an jenem Abend des Maskenballs, als ich Sie vor diesem Tölpel rettete, habe Sie angezogen, ehe Sie meinem mannigfaltigen Zauber erlegen sind. Schwerlich konnte ich ahnen, dass Sie mich für Ihren Mann hielten.»
Sein Gesichtsausdruck ließ darauf schließen, dass er ihre Erklärung unglaubwürdig fand, und Evelinas flüchtiger Blick zu Pauline hinüber traf auf ebenso deutlichen Zweifel in deren hübschem Antlitz.
«Gleichwie», sagte Pauline. «Uns bleibt keine Zeit, das Warum und Weshalb zu erörtern. Lord Calder, ich weiß, dass wir uns auf Ihre unbedingte Verschwiegenheit verlassen können, doch jetzt müssen Sie uns verlassen.»
«Selbstredend», sagte er, küsste erst Evelinas schlaffe Hand und dann Paulines.
Evelina zwang sich aufzustehen, strebte zum Kaminspiegel, um ihr Haar zu glätten, und sagte aufgeregt: «Wenn er es nun weitererzählt? Gerrard könnte davon erfahren.»
«Wird er nicht.»
«Wie kannst du dir sicher sein?»
«Aus eigener Erfahrung», gestand Pauline, klaubte die Reste von Evelinas Höschen auf und stopfte sie in ihre Handtasche. «Lord Calder war mit der Hälfte aller Damen der Gesellschaft im Bett – mich eingeschlossen –, ohne irgendeinen ihrer Namen mit den leisesten Schmach zu behaften. Bist du so weit, dass ich deinen Mann zu dir bringe?»
Evelina schwirrte der Kopf, als sie zustimmte.
Pauline verschwand, und eine Minute später ging die Tür auf, um Gerrard einzulassen. Bei seinem Anblick geriet ihr Herz aus dem Takt, und sie fragte sich, wie sie Lord Calder jemals mit ihm hatte verwechseln können. Er sah so ungleich viel hinreißender aus mit seinen scharf geschnittenen Zügen, der kräftigen Nase und dem wohl geformten Mund.
Doch irgendwie war sie schon im ersten Augenblick ihrer Begegnung mit Lord Calder überzeugt gewesen, er sei in Wahrheit ihr Mann und spiele ihr irgendeinen erotischen Streich. Einen Streich, den sie aufs äußerste erregend gefunden hatte.
«Gerrard», begrüßte sie ihn. Was sollte sie ihm sagen? Sollte sie verärgert sein?
«Liebste Evelina, kannst du mir jemals verzeihen, so lange fortgeblieben zu sein? Mein Wunsch war es nicht, so bald nach unserer Hochzeit von deiner Seite zu weichen, mein Wort darauf.» Er nahm sie in die Arme, küsste sie und reizte ihre Lenden zu einer fiebrigen Antwort. Sie empfand es, als tobe dort ein Höllenbrand.
Als sich beide schließlich voneinander lösten, war sie Feuer und Flamme für ihn, blieb aber zu fragen imstande: «Wo warst du diese Ewigkeit lang, und warum hast du mir nicht geschrieben?»
Er streichelte mit träge kreisender Hand ihre Brüste, während er antwortete: «Am Tag meiner Abreise erhielt ich einen Brief von einem alten Freund, dessen Tocher in Frankreich verführt und im Stich gelassen worden war. Da ihm seine angegriffene Gesundheit die Überfahrt verbot, betraute er mich damit, sie sicher heimzuholen. Ich wollte nur eine kurze Weile fort sein, doch als ich eintraf, fand ich sie im Fieber vor und musste meine Rückkehr verschieben. Zwei Tage später hatte es auch mich ereilt, und ich lag mehrere Wochen im Wahn. Kaum konnte ich wieder die Feder führen, da schrieb ich dir – hast du meinen Brief nicht bekommen?»
«Nein», sagte Evelina langsam und überlegte, dass sein Brief zugestellt und von Lady Trevaire vorsätzlich einbehalten worden sein musste, nachdem sie das Haus ihrer Schwiegermutter schon verlassen hatte.
Er ergriff ihre Hand und küsste sie. «Vergib mir», bat er. «Aber die Tochter meines Freundes ist ihm nun zugeführt, und ich gebe dir mein Wort: Nichts wird mich je wieder dazu bewegen, dich nochmals zu verlassen. Ich hätte dir mein Ziel mitteilen sollen, nur war ich inständig gebeten worden, mit keinem darüber zu reden. Jetzt sehe ich ein, dass ein Mann keine Geheimnisse vor seiner Frau haben sollte. Komm – zeig mir dein Schlafzimmer, ehe ich nicht mehr an mich halten kann und dich gleich hier auf dem Fußboden nehme.»
«Ich dachte, du würdest mir böse sein, weil ich nach London gegangen bin», gestand sie, als sie ihn zur Tür geleitete.
«Überhaupt nicht. Dein Wunsch, deine Verwandten zu besuchen, war nur zu verständlich – ich hätte es selbst vorgeschlagen, wäre ich mir über die Dauer meiner Reise im Klaren gewesen. Ich will nur hoffen, dass du dich in meiner Abwesenheit ein wenig vergnügen konntest.»
«O ja», murmelte Evelina und lächelte keusch zu ihm empor. «Ich habe wirklich reizvolle Tage verbracht.»
Carol Anne Davis
Dr. Lorean war noch nicht lange als Arzt tätig gewesen, ehe das Gerücht aufkam, er habe sich leiblich vergangen. Als sie von diesem Getuschel hörten, waren die Stadtväter natürlich aufgebracht.
«Wir können den Mann nicht aufgrund von Tuscheleien der Straße verurteilen», kamen sie überein. «Zumal er immer ein mustergültiger Zeitgenosse zu sein schien. Wir brauchen einen schlagenden Beweis für sein sündiges Treiben.»
Folglich richtete man es ein, dass Madam Gray, die untadeligste und pflichteifrigste Untertanin Queen Victorias, den dreiunddreißig Jahre alten Arzt aufsuchen würde. Anschließend sollte sie über jede seiner heilsamen Handbewegungen Bericht erstatten.
