Nanosturm - Rico Weinert - E-Book

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Rico Weinert

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Beschreibung

Die letzte KI Hacker Aiden und Jägerin Helena sind ein ungewöhnliches Team. Sie müssen in einer zerstörten Welt überleben, die von Drohnen unbekannter Herkunft angegriffen wird und es werden täglich mehr. Notgedrungen setzten die Militärs die HADES ein. Die Nebenwirkung dieser Waffe ist jedoch verheerend. Auf der Flucht entdecken Aiden und Helena einen geheimnisvollen Bunker. Mit Hilfe eines hypermodernen Datenstreams hackt sich ein Fremder in Aidens Kommunikations-System und bietet seine Hilfe an. Er behauptet das Rätsel um die Drohnen lösen zu können und schickt sie auf eine halsbrecherische Mission. Zu allem Unglück ist auch noch eine mysteriöse Sekte hinter den beiden her, deren Anführer kein normaler Mensch ist. Könnte es eigentlich noch schlimmer kommen? Ja, es kann!

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

KAPITEL 1 – die Kreatur aus der Dunkelheit

KAPITEL 2 – Abenddämmerung

KAPITEL 3 – Auf Messers Schneide

KAPITEL 4 – Factory 4

KAPITEL 5 – Todessehnsucht

KAPITEL 6 – das Experiment

KAPITEL 7 – Spike

KAPITEL 8 – 42

KAPITEL 9 – Wespennest

KAPITEL 10 – Nahrung

KAPITEL 11 – impulsiv

KAPITEL 12 - Zerstörte Hoffnung

KAPITEL 13 – Höhle des Löwen

KAPITEL 14 - Game Over

KAPITEL 15 - Isaac Asimov

KAPITEL 16 - Tunnelblick

KAPITEL 17 – Der Saboteur

KAPITEL 18 – Harmonie

KAPITEL 19 – Energieprobleme

KAPITEL 20 – der letzte Strohhalm

KAPITEL 21 – Richtung Norden

KAPITEL 22 – Cohibas für alle

KAPITEL 23 – Maca-City

KAPITEL 24 – rabenschwarzes Haar

KAPITEL 25 – Madcat

KAPITEL 26 – Briefing ins Ungewisse

KAPITEL 27 – Mission failed?

KAPITEL 28 – Wut

KAPITEL 29 – Killerroboter

KAPITEL 30 – Wer ist Gaia?

KAPITEL 31 – All-in

EPILOG

KAPITEL 1 – die Kreatur aus der Dunkelheit

»Glaubst du, Krato ist uns gefolgt?«, keuchte Aiden. Er rang nach Luft. »Ich kann nicht mehr…«. Seine weit aufgerissenen Augen versuchten, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Sein Kiefer schmerzte höllisch.

Helena zuckte mit den Schultern. »Glaub nicht, dass er noch hinter uns ist. Hab´ ihn direkt ins Auge getroffen. Das überlebt kein Mensch.« Ihre Hand tastete vorsichtig über den neben ihrem Rucksack hängenden Navajo-Jagdbogen, als wollte sie sich versichern, dass dieser noch da war. »Allerdings ist Krato ja auch kein normaler Mensch«, fügte sie hinzu, horchte kurz auf und legte ihre Hand auf Aidens Mund.

Sie flüsterte: »Dachte ich hätte was gehört. Aber sag mal, was ist denn eigentlich in letzter Zeit mit dir los?«, fügte sie nahtlos an, ohne wirklich eine sinnvolle Antwort darauf zu erwarten.

Die Luft hier unten roch metallisch und modrig, wie das Innere eines alten Autos, das bereits seit Jahren dazu verdammt war seinem Ende auf einem Schrottplatz entgegen zu gammeln.

Aiden schüttelte den Kopf. »Keine Ahnung, ich fühle mich einfach nur scheußlich. Vielleicht hat es mich nun auch erwischt. Oder ich war zu lange in einer Verwerfungszone, keine Ahnung. Ich fürchte, mir bleibt nicht mehr viel Zeit das herauszufinden.«

Seine Lungen versuchten, vergeblich einen tiefen Atemzug zu nehmen, um den Körper mit frischem Sauerstoff zu versorgen. Aber diesen gab es hier nicht, und so unterdrückte er stattdessen einen Hustenreiz. Seine linke Hand umklammerte den rauen Metallzylinder so fest, dass es fast schmerzte.

Der Akku des Scanners war nahezu leer, würde aber vermutlich noch ein paar wenige Stunden durchhalten. Daher gab es zumindest in dieser Hinsicht etwas Sicherheit. Seine rechte Hand hielt sich an Helena fest, während sie mit Bedacht vorwärts schlichen.

»Lass los! Mach lieber auch deine Funzel an! Wenn hier drinnen Drohnen oder Hoocks wären, hätten sie uns schon längst...«

Helenas Flüstern wurde durch eine Explosion ganz in der Nähe unterbrochen.

Aiden lies Helena los, und schaltete mit zitternder Hand das Licht ein. Dann hielt er es wie ein magisches Artefakt, aus einem Fantasy-Abenteuer, vor sich ins Unbekannte.

Als sie Schritt für Schritt das unterirdische Labyrinth erkundeten, fragte er schließlich:

»Denkst du sie haben gerade eine HADES abgefeuert?«

Helena schüttelte den Kopf. »Sei kein Idiot! Seit Jahren wurden keine solchen Waffen mehr eingesetzt«, versuchte sie ihn zu beruhigen.

»Ich mein ja nur. Die HADES waren doch so ziemlich unsere einzigen Waffen gegen die verdammten Drohnen, auch wenn die Welt dabei...«

»HADES?«, Helena runzelte die Stirn.

»Ohman!«, stöhnte Aiden. »Ja sicher! Damlas hatten ein paar oberschlaue Militärfuzies versucht ganze Drohnenschwärme vom Himmel zu blasen. Was ja anfangs auch einigermaßen gut funktionierte.« Sein Gesichtsausdruck spie Gift und Galle.

Helena konnte diesen jedoch nicht sehen. Ihr gequältes Grinsen ging ebenso in der Dunkelheit unter.

»Ja stimmt, fast schon vergessen. Die Mistdinger hatten sich schneller reproduziert als das Militär die HADES testen konnte. Und die Nebenwirkung dieser neuen Waffen waren die Hölle.«

Wieder donnerte es. Dieses Mal war die Detonation schon näher und den beiden bröckelten Putz und Dreck auf die Köpfe. Auch wenn dieser Bunker einen gewissen Schutz bot, so war er trotz der dicken Stahlbetonwände offensichtlich nicht sicher.

Der Heisenberg-Detektor vibrierte leicht und Aiden war wie elektrisiert, obwohl er jederzeit hätte damit rechnen müssen. Ein Gefühl, das ganz und gar nicht sein durfte. Nicht jetzt und nicht hier. Dieser Schreck ließ ihn fast aufschreien. Aber jedes laute Geräusch, welches die beiden von sich gegeben hätten, wäre in einem unbekannten Terrain, wie diesem hier, vielleicht auch ihr Letztes gewesen.

Da der Detektor eine alte Bluetooth-Schnittstelle besaß, und Aiden ein leidenschaftlicher Bastler war, hatte er das Gerät mit einem seiner Smartphones gekoppelt. Auf diesem las er die aktuellen Quanten-Werte des Raumes vor ihnen ab und starrte mit aufgerissenen Augen auf das kleine bläulich schimmernde Display.

Sein Blick entspannte sich. »Okaaay... alles cool. Das Raumgefüge ist gottseidank stabil. Wir haben nur leicht erhöhte Werte. Vermutlich durch einen HADES-Einsatz der Monate zurück liegt. Alles noch nicht kritisch. Wir sollten aber nicht allzu lange hier unten bleiben. Wer weiß ob sich nicht doch noch eine Verwerfung bildet.«

Helena gähnte lautlos. »Lass mich in Ruhe mit dem Technikkram, ich brauch Schlaf.

Haben wir wenigstens dafür…«.

Sie blieb stehen und rieb sich die Augen und gähnte abermals. »…Zeit?«

Aiden stellte nüchtern fest: »Vielleicht. Aber außer Dreck, leeren Treibstoffkanistern und nem Haufen Sondermüll wird uns hier offenbar nichts zum Abendessen geboten, schätze ich. Selbst für ‘n paar gebratene Hooks würde ich sonst was geben.«

Sein Magen knurrte.

Helena sprach nun wieder mit normaler Stimme, sodass der sich entfernende Aiden sie verstehen konnte.

»Sämtliche Hook-Arten sind für Menschen giftig, das weißt du doch…«.

»…Nerd?« Ein seltsames Gefühl stieg in ihr hoch. Etwas stimmte hier nicht. Aber vielleicht war sie ja auch nur viel zu müde, um ihr Bauchgefühl richtig zu interpretieren.

Wann immer Gefahr in Verzug schien oder es brenzlig wurde, nannte sie ihn Nerd. Und da es in letzter Zeit irgendwie dauernd um Leben und Tod gegangen war, nannte sie ihn ständig so. Und beide hatten sich daran gewöhnt.

Leider konnte Aiden dann auch nicht mehr erkennen, wann dieses brenzlige Gefühl in Helena aufstieg.

Sie waren seit ihrer Kindheit Freunde. Helena war einen halben Kopf größer als Aiden. Und nun waren sie hier, geflohen vor einem Wahnsinnigen, der mehr Untier als Mensch war. Geflüchtet vor den Drohnen. Geflüchtet vor den Raumverwerfungen der HADES. Geflüchtet vor den tausend neuen Gefahren einer Welt, die inzwischen lebensfeindlicher war, als die unwirtlichsten Gebiete auf der Erde vor dem großen Krieg. Gefangen zwischen Amboss und Hammer.

Aiden war ebenfalls stehengeblieben. »Kommst du? Was würde ich jetzt für eine schöne saftige Pizza Margarita mit einer Handvoll Schmerztabletten geben?«

Sie widersprach ihm absichtlich, um das Gespräch am Laufen zu halten: »Ach was Margarita, eine Thunfisch-Pizza wäre viel besser… Moment! Thunfisch ist das Stichwort.«

Helena hatte ihren kleinen Militärrucksack mit dem typischen Camouflage-Muster abgesetzt und kramte eine der verbeulten Konservendosen hervor. Sie kniff die Augen zusammen, um im Zwielicht besser lesen zu können. Auch sie hatte inzwischen ihr winziges LED-Licht eingeschaltet. »Wir hätten da einen nur wenig überlagerten Dosen-Thunfisch. Na, wie wäre es damit?«

»Nö danke, mir ist schon schlecht«, entgegnete Aiden flapsig, als er langsam zurück zu Helena marschierte, um wieder in ihrer Nähe zu sein.

Jetzt wo das Adrenalin nachließ, kamen die Erschöpfung und mit ihr die Müdigkeit.

»Du musst essen, wir sind seit Tagen auf der Flucht.«

»Inzwischen hasse ich Thunfisch. Lieber würde ich mir eine Granate dahin stecken wo kein Licht scheint.« Aiden klang gereizt.

Plötzlich huschte etwas hinter den beiden durch die Dunkelheit. Aus jener Richtung, aus der sie soeben gekommen waren. Helena reagierte geistesgegenwärtig und zog ihr Kukri-Messer.

Dieses Etwas, diese Kreatur, musste ihnen schon die ganze Zeit, seit sie hier unten waren, gefolgt sein. Und nun hatte es sie offenbar einige Male umschlichen.

»Bleib dort stehen Nerd!«, befahl sie knapp.

Wieder raschelte es außerhalb der Reichweite ihrer schwachen Lampen. Diese Kreatur war blitzschnell und definitiv nicht menschlich.

Helena schien etwas vor sich zu fokussieren und stürmte augenblicklich mit erhobener Kukri drauflos. Bereit zum Schlag. Ihr Puls hackte, als wäre er mit Pressluft betrieben. Sie zwang sich, nicht laut loszubrüllen, um ihre Angst zu übertönen.

Was es auch war, was hier unten lebte und sie verfolgt hatte, es war soeben hinter einer der halbverrotteten Wellblechwände verschwunden.

Helena riss das Blech beiseite und stoppte noch in der Bewegung, wie ein Roboter, dem man soeben die Energiezelle herausgerissen hatte.

Von Weitem konnte Aiden erkennen, wie Helena das große gebogene Messer langsam senkte und zurück in ihren Gürtel schob. Er hörte ihr erleichtertes Kichern. Irgendetwas schien sie zu murmeln, als ob sie vor einem Kind stand.

»Jetzt hat sie vollends den Verstand verloren«, sprach er leise zu sich selbst.

Als er näherkam, sah er den Grund für ihr seltsames Verhalten und musste ebenso kichern.

»Unsere große Jägerin hat eine Gefangene gemacht?«

Beide lachten.

*FAUCH… * »…Miau!«

In Aidens Stimme lagen nun Ungläubigkeit und Erleichterung: »Ich fass es nicht. Ein verwildertes Invitro? Na du bist ja ein flauschig süßes Monster. Hast meiner Freundin aber nen Megaschrecken eingejagt.«

»Ach halt die Klappe!«, fauchte Helena Aiden an, als wollte sie dem übergroßen Raubkätzchen zeigen, dass auch sie durchaus Krallen hatte.

Sie und dieses einst im Labor erschaffene Tier verband offenbar eine gewisse Seelenverwandtschaft. Beide waren schließlich Jägerinnen und beide lebten in einer Welt, die quasi über Nacht zum Alptraum wurde. Diese Welt war nun ein Whirlpool, randvoll gefüllt mit Gülle.

Helena nahm eine der letzten verbliebenen Dosen aus dem Rucksack und zog ihre Kukri.

Diese machetenartige Waffe mit gekrümmter Schneide war eigentlich schwer und unhandlich. Jedoch hatte sie nicht nur gelernt, damit filigrane Dinge zu schnitzen oder Dosen zu öffnen, sondern auch elegant und effizient zu töten. Im Grunde war ihre Kukri ein passables Allroundwerkzeug.

Helena hebelte mit Geschick eine der Dosen auf.

»Ich frage mich wie dieses arme Katzenwesen hier unten so lange überleben konnte. Vielleicht hat sie ja gelernt Hooks zu jagen«, spekulierte sie und lächelte die große Raubkatze dabei freundlich an.

»Was genau solln das werden?«, kläffte Aiden.

»Du wirst doch nicht etwa unsere karge Ration an diese unberechenbare Kreatur verschwenden?«

Helena zeigte sich unbeeindruckt.

»Doch genau das tue ich. Außerdem kannst du doch ohnehin keinen Thunfisch mehr sehen, oder? Hast du zufällig auch nen DNA-Scanner in deinem Wunderbeutel?«

Aiden schüttelte den Kopf und sein Blick wirkte leicht starrend. Auch Helena empfand diese Szenerie als reichlich seltsam. Sie tat aber so, als wäre es das normalste von der Welt ein wildes Invitro zu finden, welches womöglich vor langer Zeit ein Haus- oder Jagdtier war.

Dieses einst im Labor hergestellte Tier hatte schließlich unbekannte Gensequenzen in sich. Es kroch nun friedlich aus seiner Trutzburg des Schrottes und des Mülls hervor, in der es sich versteckt hielt. Und ließ sich von Helenas Hand mit altem Fisch und sauer eingelegten Gurkenscheiben füttern. Aiden hatte ein mulmiges Gefühl bei der Sache.

KAPITEL 2 – Abenddämmerung

Die Welt hatte sich in eine ungewöhnliche Stille gehüllt, als der Abend das Ghostland in ein malerisch tödliches Orangerot tauchte. Vor wenigen Tagen waren Aiden und Helena weiter nördlich auf eines der Vorratslager dieser seltsamen Sekte gestoßen, waren dort eingebrochen, und hatten mitgehen lassen, was sie tragen konnten. Als sie dabei waren die letzten Konservendosen in ihre Rucksäcke zu stopfen und sich mit neuen Wasserfiltern eindeckten, wurden sie vom typischen Drohnen-Surren überrascht. Es mussten zwei oder drei wassermelonengroße Drohnen der sechsten Generation gewesen sein. Sie waren vermutlich nur auf Erkundungsflug. Dies war eigentlich keine allzu bedrohliche Situation, vor allem wenn man zudem über einen funktionstüchtigen Jammer verfügte. Leider funktionierten diese mobilen Geräte nur für relativ kurze Dauer, da ihre Energiezelle schneller leer war, als eine Feldflasche in der Wüste. Dann konnten diese Drohnen sich einem hartnäckig an die Fersen heften und blitzschnell Verstärkung rufen.

Diese neue Generation hatte inzwischen die Fähigkeit ihr lähmendes Serum per Luftdruck-Injektion in den menschlichen Organismus zu pumpen, und besaß daher keine physischen Nadeln mehr, wie sie ältere Modelle hatten. Trotz dieser Tatsache wurden sie dennoch von den Überlebenden kurz und knapp Stichlinge oder auch Nadelvögel genannt. Andere Waffen, abgesehen von einem defensiven Selbstzerstörungsmechanismus, hatten diese Flugobjekte seltsamerweise nicht. Woher die Drohnen kamen, wusste keiner so genau, aber jeder hatte da seine eigene Theorie. Der überwiegende Teil der Leute hielten die einstigen finanzstarken und einflussreichen Technologieunternehmen für die Quelle, da diese über moderne Fabriken verfügten.

Aiden vermutete, wie die meisten anderen Wissenschaftler, dass die Drohnen ursprünglich für die Seuchenbekämpfung bei Tieren konzipiert wurden waren. Und dann hatte ein durchgeknallter Hacker vermutlich das Sicherheitsnetzwerk der einen oder anderen Automatikfabrik gehackt und sämtliche lokalen Steuercomputer umprogrammiert.

Diese revolutionären und kompakten Produktionsanlagen wurden als dunkle Fabriken bezeichnet, weil derart vollautomatisiert kein Mensch mehr darin arbeitete.

Das führte dazu, dass im gesamten Produktionskomplex keine einzige LED-Lampe mehr installiert war. Perfekte Dunkelheit. Der Vorteil dieser Einrichtungen war eindeutig ihre Schwachstelle.

Es war niemand mehr da, der das metaphorisch überlaufende Klo reparieren oder wenigstens stoppen konnte.

Eine Theorie über die Drohnen jagte die nächste.

Manche Menschen vermuteten ein aus dem Ruder gelaufener Terroranschlag.

Vieles war denkbar und plausibel, aber Beweise? Fehlanzeige.

War letzten Endes jenes verräterische Surren in der Luft, so gab es nur eine Option: Rennen was das Zeug hielt und sich möglichst kreativ verstecken.

Das Militär verteidigte sich die ersten Jahre mit immer massiveren Subraumwaffen, die man als HADES bezeichnete, und nebenbei die Welt zerstörten, indem sie irgendwie das Raum-Zeitgefüge beschädigten.

Später baute man tragbare Blastergewehre, die ebenfalls anfangs eine gewisse Wirkung zeigten. Ab der dritten Drohnengeneration waren diese aber ebenfalls nur noch Makulatur. Ein konventioneller Beschuss war wegen der stärker werdenden Panzerung von Generation zu Generation, der Drohnen, zunehmend unwirksam geworden. Die Maschinen waren ungeheuer wendig und klein, und sie griffen in Schwärmen an. Schwärme, die wie dunkle Moskitowolken am Himmel hingen.

Zwecks Analyse hatte man versucht, einige Drohnen intakt zu fangen, aber ebenfalls ab der dritten Generation, verfügte jedes einzelne Exemplar, zusätzlich über einen ausgeklügelten Sebstzerstörungsmechanismus.

So dass nicht mehr viel zum Analysieren übrigblieb.

Einige wagemutige Wissenschaftler verloren dadurch nicht nur die Freude an der Arbeit, sondern ganz nebenbei auch noch ihr Leben.

Also setzte man wieder auf möglichst große HADES und zerstörte nach und nach weite Landstriche. Und das nur, um letzten Endes nicht gänzlich überrannt zu werden.

Es entstanden diese seltsamen Verwerfungen.

Unsichtbare Bereiche im Raum, welche nicht nur die Technik zerstörte, sondern eben auch lebendes Gewebe schädigte.

Einem Wissenschaftler namens Möbius war es schließlich gelungen, die entscheidende Entwicklung gegen die Drohnen zu machen: Den IR-Störsender oder auch kurz Jammer genannt, der allerdings, wie manche Militärs scherzten, selbst sehr störungsanfällig war, und jede Menge Strom benötigte.

So erkaufte man sich lediglich etwas Zeit.

Denn diese spielte gegen die Menschen, die den täglichen Attacken der Nadelvögel ausgesetzt waren.

Zu allem Unglück stellte man fest, dass irgendein unbekanntes teuflisches Genie die Drohnen kontinuierlich verbesserte und weiterentwickelte, so dass jede Anpassung auf Seiten der Verteidiger, irgendwann effektiv ausgehebelt wurde.

Und das schneller als man die Jammertechnologie weiter entwickeln konnte.

Neue Drohnenmodelle erschienen in immer kürzer werdenden Abständen.

Einmal geimpft, fielen die Opfer in eine katatonische Starre und verloren Minuten später ihre Fähigkeit zum logischen Denken und Sprechen.

Jene, die vor den Drohnen fliehen oder sich erfolgreich verstecken konnten, schlossen sich entweder dem Militär an, um nicht zu verhungern, oder folgten einer schnell wachsenden mysteriösen neuen Sekte namens »die Söhne Kratos« mit Ursprung tief im östlichen Ghostland.

Oder sie wurden zu plündernden Selbstversorgern.

So auch Helena und Aiden.

Helena sorgte für Unterkunft und Nahrung, und tötete die Hooks. Und Aiden hielt die Drohnen fern, scannte nach gefährlichen Raumverwerfungen und sorgte für eine gewisse Unterhaltung mit seiner Videosammlung aus besseren Tagen, wie er es nannte.

Auch wenn beide im Grunde ihres Herzens Menschen waren, die ihre Menschlichkeit bis hier hin so gut es ging bewahren wollten, so waren sie letzten Endes doch nichts anderes als bloße Marodeure. Marodeure, die stahlen, plünderten und nicht zögerten ihre Waffen einzusetzen oder tödliche Fallen auszulegen.

Nun waren sie hier in diesem Dreckloch. Aber dieses Dreckloch war tausendmal besser, als unter freiem Himmel zu kampieren.

»Sag mal...?«, fragte Aiden lächelnd und stieß Helena dabei sanft seinem Ellbogen in die Flanke. Dann wurde sein Blick leicht schelmisch.

»Willst ihr vielleicht noch nen Namen geben? Wie wärs?«

Helena, die sich zu dem katzenartigen Wesen gekauert hatte, schaute nicht auf.

»Flare«, antwortete sie trocken und begann ihren Rucksack als Kopfkissen in eine kleine Mulde direkt neben dem Tier zu drapieren.

»Flare? Dein Ernst?« Aiden prustete los.

»Flare? So wie eine Seenotfackel oder einer dieser Täuschkörper von Jets zum Ablenken von Raketen? Hahahaha... du... du bist so geil. Willst sie etwa als Ablenkungsmanöver in Brand setzen und durch die Gegend jagen?«

Helena schwieg, da sie wusste, dass er sie nur aufzog. Vielleicht als Retourkutsche, weil sie tatsächlich ihre letzten Nahrungsmittelvorräte mit diesem Tier geteilt hatte.

Sie schaute grimmig zu ihm hinüber. Sie konnte trotz der wenigen Meter Abstand zu ihm seinen Gesichtsausdruck in der Finsternis nicht erkennen.

Er schien sich ebenfalls ein Nachtlager einzurichten.

Ein Klicken war zu hören, gefolgt von einem hochfrequenten Fiepen, welches an einen Tinnitus oder an ein altes Blitzlichtgerät aus der Analog-Ära erinnerte.

Sie senkte müde den Kopf auf ihren Rucksack.

Er stank nach Dieselresten, Dreck und Schweiß.

Während die große Katze sich das Fell sauberschleckte, lächelte Helena und begann sie zu streicheln. Ein sanftes Schnurren war der Dank für diese Art der Zuwendung.

Aiden bekam davon nichts mit. Er war wieder am Basteln.

Ohne seinen Nerdkram konnte er nicht einschlafen, ohne jenes Gefühl etwas für ihre gemeinsame Sicherheit getan zu haben, und war es auch noch so gering.

Manchmal fiel auch er einfach so in den Schlaf, wenn er zu erschöpft war.

»Ich deaktiviere jetzt den Heisenberg-Detektor. Die andere Brennstoffzelle ist wieder repariert und lädt die Akkus. In vier Stunden ist auch der Akku des Drohnen-Jammers wieder voll und wir können weiter.«

Er sprach diese Worte vor sich her, und erwartete keine Antwort.

Ein leises wohliges Röcheln kam aus ihrer Richtung, und er wusste, dass Helena in Morpheus Armen schlummerte.

In ihrer Hand hielt sie die Kukri fest umklammert, als wäre sie ein Traumfänger, welcher die schlimmen Träume fernhielt.

Flare war inzwischen wieder in der Dunkelheit verschwunden. Und auch Aidens Bewusstsein würde gleich diesen Ort für eine Weile verlassen.

Seit Monaten hatte er nicht einen einzigen Traum gehabt. »Entkräftung und Strapazen bezahlt man eben mit Träumen«, dachte er und fragte sich: »...warum zeigt das Smartphone ein aktives Netzwerk-Symbol an? WLAN, wie früher vor dem Krieg? Ich träume also doch schon. Genial... Was für ein absurder Quatsch.«

Seine Gedanken begannen leiser und langsamer zu werden. Die Augen fühlten sich unendlich schwer an.

Das Bild des Smartphones begann zu verschwimmen. »Traum... WLAN... wehhlaaaaan.... wie Wellen am Meer... schwimmen... mehr meeehr meeehhhrrrlan...«

Und auch er war nun eingeschlafen.

Er träumte.

Die Welt war wundersam in Ordnung.

Sie duftete nach einer frischen salzigen Meeresbrise.

Sie war vor allem unberührt. Unversehrt wie ein Duftbäumchen, welches in seiner Plastikhülle träumend, im obersten Regal eines Tankstellenshops, auf den Käufer wartete.

Vielleicht war in dieser Welt nie etwas Schlimmes passiert oder es würde noch geschehen. Auf jeden Fall war es noch weit weg. Und alles, was es hier gab, waren Frieden und diese lang vermisste und fast vergessene Woge von Leichtigkeit.

Als Aiden seine Augen öffnete, war es hell und er stand in bunten Badeshorts am Rande des Meeres.

Ein Gefühl von Heimat stieg in ihm auf und wurde stärker, je näher er dem Wasser kam.

Sein Blick wanderte zu dem weiten Horizont. Möwen kreischten irgendwo über ihm.

Hinter den Dünen erstreckte sich eine saftige Weide mit allen erdenklichen duftenden Blumen. Die Sonne kitzelte seine Nase und das Meerwasser umspülte lauwarm seine Zehen.

Er beschloss, einen Moment hier zu verweilen. Das Gewicht seines schlanken Körpers drückte seine Fersen in den weichen Boden. Eine zarte Schäfchen-Wolke schob sich allmählich über die Sonne, als wollte sie ihm Schatten spenden.

Er setzte sich in den warmen Sand und atmete tief ein und aus. Das Leben hier war so leicht und unbeschwert, und der Moment trieb ebenso unbekümmert voran wie ein Birkenblatt auf einem sommerlich klaren Bach.

»Was kostet die Zeit?«, flüsterte eine kaum hörbare, fast schon ätherische Stimme.

Aiden blickte sich um. Er war allein.

»Nun sag schon, was kostet die Zeit?« Eine Möwe hatte neben ihm Platz genommen.

Er nahm er eine Handvoll trockenen Sand, und sprach: »Das hier ist unsere Lebenszeit. Zeit ist wie dieser Sand...«

Die Möwe schaute ihn stumm an.

»Je mehr ich versuche mich an mein Leben zu klammern, und je mehr ich versuche meine Zeit festzuhalten, umso mehr Sandkörner rieseln heraus.«

Die Möwe schüttelte sich, stieß sich vom Boden ab und flog davon.

Aiden wunderte sich über seine eigenen Gedanken. Er erinnerte sich an die Zeit vor dem Krieg.

»Was sind wir damals durchs Leben gehetzt... fast genauso umhergehetzt wie heute, nur hatten unsere Feinde andere Namen. Standen wir nicht schon immer ständig unter Strom? Gut motiviert und bereit für die Jagd nach Erfolg.

Mehr Erfolg als der Nachbar oder der Arbeitskollege. Hin zu Geld und Ruhm.

Wozu brauchen wir Menschen ständig diesen Kampf um die Spitze? Wozu diese Gier? Hätten wir geahnt, dass die Ära des Menschen so abrupt zu Ende geht. Wir hätten vielleicht wirklich versucht mit den Tieren zu sprechen, anstatt sie einzusperren, zu quälen, sie zu essen oder als Materialspender zu missbrauchen. Wir hätten vielleicht viel öfter versucht den Sand unter unseren Fußsohlen am Meer zu spüren. Wir hätten... wir hätten so viel tun können. Die Menschheit hatte so viel Potential«, dacht er.

In der Ferne donnerte eine mittelalterliche Kanonenbatterie ihren Ehrensalut in den Himmel.

Die Möwe war wieder da.

Aiden schaute sie mit traurigem Blick an und runzelte die Stirn. »Kannst du mir sagen ob der Krieg je ein Ende haben wird?«

Zu seinem Erstaunen antwortete die Möwe:

»Für alles wofür du einen Namen hast und alles was du dir vorstellen kannst, auch alles was sich mit Worten beschreiben lässt, gibt es einen Anfang und auch ein Ende.«

Er schüttelte den Kopf. »Was soll das bedeuten? Dass wir uns deswegen kein Bild von der wahren Natur Gottes oder dem Universum machen können, weil wir... weder eine Vorstellung noch einen wirklichen Namen dafür haben?«

Die Möwe lachte. Sie schien ihn zu verspotten. »Du bist ein Narr! Versuch doch einmal dich der Unendlichkeit anzunähern! Mit jedem Versuch bist weiter davon entfernt als vorher. Willst du dich etwa mit Gott selbst messen?«

Und sie erhob sich abermals in die Lüfte. »Schau in den Sand dort findest du die Antwort!«

Dieses Mal kehrte sie nicht wieder zurück.

Im Sand lag eine brennende Seenotfackel. Auf ihr befand sich ein leuchtendes Symbol, welches zum Teil von Dreck und feuchtem Sand verdeckt war.

Aiden wischte die Fackel mit dem Zeigefinger sauber und erschrak.

Tatsächlich.

Ein WLAN-Icon!

Und dieses Symbol blinkte im S.O.S.-Takt.

KAPITEL 3 – Auf Messers Schneide

Die seltsame Seenotfackel begann unaufhörlich Schwaden von schwarzgrauem Rauch von sich zu geben.

Aiden musste würgen. Tränen schossen ihm in die Augen.

Was diesen Traum so absurd werden ließ, war die Tatsache, dass dieses Teufelsding ein ohrenbetäubendes Katzengejammer angestimmt hatte.

Aiden ließ sie zu Boden fallen und versuchte, sich die Ohren zu zuhalten.

Aber seine Arme waren paralysiert. Er war nicht imstande sie einen einzigen Zentimeter in die Höhe heben.

Die mittelalterliche Kanonenbatterie war inzwischen näher gerückt. Die Kanonen standen bereits in der Weide, hinter der Düne. Sie feuerten auf die Schäfchenwolke, genau über seinen Kopf hinweg. Die Kugeln durchflogen widerstandslos die Wolke, welche in kleinen Wirbeln auseinanderstob.

Das Getöse der Kanonen, das Gejaule der Fackel und vor allem der dichte Rauch waren für ihn unerträglich geworden. Inmitten dieses Spektakels wurde Aiden sich bewusst, dass er träumte.

»Wenn die Traumlogik nicht mehr hinterherkommt, um die Geschehnisse der Realität in den Traum zu integrieren, wacht man auf«, sinnierte er.

Aidens Verstand wehrte sich jedoch. Er sperrte sich dagegen wieder zurück in die Realität geworfen zu werden. Zu herrlich war der erste Abschnitt des Traumes gewesen. Und so klammerte Aidens Unterbewusstsein sich daran fest wie ein Ertrinkender an seinen Retter. Das war gefährlich für beide, aber dieser Reflex war extrem stark.

»Miau, Miiiaauuuu... rumms, wumms, krach...!«

Aiden riss die Augen auf. Riesige grüne Katzenaugen blickten ihn panisch an. Flare hatte ihn mit ihrem Miauen geweckt. Wieder donnerte es. Dieses Mal war der Einschlag nur wenige Stockwerke über ihnen.

»LOS! HOCH MIT DIR NERD!«, brüllte Helena. »Wir müssen hier raus. Beschuss... oder sowas...« Sie hustete.

Erst jetzt bemerkte er, wie sich derselbe beißende Rauch aus seinem Traum in ihre Lungen fraß. Nur dieses Mal war es real.

»Verdammt!« Aiden schnappte seinerseits vergeblich nach Luft und tat es Helena gleich.

»Zum Einstiegsbereich können wir nicht mehr zurück, da irgendwo muss der Brandherd liegen. Das Feuer schien rasch näher zu kommen.«

Seinen Kram hatte er inzwischen einigermaßen in den Rucksack gestopft und war bereit.

Auch Helena war startklar. Nur wohin jetzt?

Sie saßen eindeutig in der Falle.

Auch wenn der Raum in dem sie sich gerade befanden relativ groß war, so würden sie doch allmählich ersticken oder verbrennen, wenn sich das Feuer weiter so schnell ausbreitete. Vielleicht stürzte auch das gesamte Gebäude beim nächsten Treffer über ihnen zusammen, wie ein alter Industrieschornstein, der mit einer mehr oder weniger kontrollierten Sprengung seinem Ende entgegensackt.

Dass irgendwer sie gezielt bombardierte war nun offensichtlich.

Aiden hatte eine Idee. Instinktiv rief er:

»Helena, wo ist Flare?«

Ihr dröhnten die Ohren. Sie verstand offenbar kein Wort.

»Was?«

Aiden brüllte so laut er konnte: »Die Katze... wohin gerannt?«

Sie begriff und deutete in eine Richtung des Bunkers, die noch gänzlich unerforscht war, da beide dort lediglich noch mehr nutzlosen Müll vermutet hatten.

»Die hat sich dort hinüber verkrümelt«, schrie Helena aus Leibeskräften und deutete in diese Richtung.

»Los, wir folgen ihr!«, gab Aiden zurück, während stolpernd einen Weg durch die Schrottberge suchte. Dieses Mal gab er den Weg vor, und beide setzten sich in Bewegung. Weder Heisenberg-Detektor noch ein einsatzbereiter IR-Jammer waren jetzt von Bedeutung. Im Augenblick zählte nur eines, hier so rasch wie möglich heraus zu kommen.

»Sackgasse! Verdammte Scheiße!«, fluchte Helena. »Wir sind am Ar...« Sie hielt kurz inne. »Lampe! Schnell! Hierher, Nerd!«

Er leuchtete an eine Stelle der Wand, die etwas anders aussah als der Rest.

Dieser Bereich war porös und löchrig. Und sehr wahrscheinlich war die Katze hier an irgendeiner Stelle hindurchgeschlüpft. Tatsächlich ein Loch!

Helena stocherte mit der Kukri in den Fugen der Steine. Dann warfen sich beide gleichzeitig gegen die Mauer. Die Wand gab an dieser Stelle ihren Widerstand auf und krachte großflächig in den dahinter befindlichen Gang hinein.

Beide fanden sich am Boden liegend wieder. Sie lagen inmitten eines Tunnels auf den Bruchstücken von dem, was einmal eine Wand war.

Sie schüttelten ihre Überraschung und den groben Dreck ab.

Vor ihnen lag ein schmaler Stollen. Dieser bestand teils aus uralten Backsteinen, teils aus Felsgestein. Ein Ende war nicht erkennbar, da dieser Gang, nach einigen Metern, offensichtlich nicht nur ein beachtliches Gefälle hatte, sondern auch alles andere als geradeaus verlief.

Als sie ein paar wenige Meter hinter sich gebracht hatten, stoppte Helena.

»...nicht gut! Gar nicht gut«, sagte sie mit stockender Stimme. Sie nahm einen langen Atemzug und hielt den Atem ein paar Sekunden an.

Aiden wusste, dass dies ein fatales Zeichen war.

Helena hatte diese Worte, in eben jener eigenwilligen Stimmlage erst ein oder zweimal benutzt, seit sie gemeinsam unterwegs waren. Und stets war da die Scheiße durch den Ventilator geflogen, wie sie es genannt hatte.

»Was ist...?«, fragte er, sich selbst nicht sicher, ob er die Antwort hören wollte.

»Der Bogen!« Sie taste hektisch ihren Oberkörper ab. Dies jedoch mehr metaphorisch.

»Ich muss ihn zwischen diesen Müllbergen verloren haben. Wahrscheinlich hat irgendein scharfkantiges Metallteil die Bogensehne durchtrennt und da ist er...«

Sie hielt inne und ihr Blick wirkte au einmal entschlossen.

»Ich muss noch mal da rein.«

Und obwohl beiden die Bedeutung dieses Verlustes nur allzu klar war, versuchte Aiden sie aufzuhalten.

»Das ist jetzt nicht dein Ernst, da drin kann gleich alles zusammenstürzen. Alles voller Rauch... du verlierst die Orientierung.«

Er griff nach ihrem Arm. Sie riss sich los.

Wie entschlossen Helena war, erkannte er daran, dass sie ihre Kopfleuchte um die Stirn band.

Da diese mit nicht wieder aufladbaren, fast schon archaischen Batterien vom vorletzten Raubzug, bestückt war, setzte sie diese Lichtquelle mit Bedacht und nur im äußersten Notfall ein.

»Ich muss da jetzt rein und meinen Jagdbogen wiederfinden. Entweder ich geh dabei drauf oder wir verhungern später.«

Aiden wusste, dass sie Recht hatte und ließ ihren Arm los.

»Beeil dich, der Rauch ist tödlich!«

Helena sprang geschickt über die Mauertrümmer und verschwand in dem Wanddurchbruch.

Nervös scannte Aiden mit dem Heisenberg-Detektor nach potentiellen Raum-Verwerfungen. Vorsichtshalber hielt er zudem den Signal-Zerhacker des Jammers gegen mögliche Drohnen bereit.

Auch wenn Helena erst seit wenigen Sekunden da drin war, so kam es ihm doch vor, als sei sie auf eine lange Reise ohne Wiederkehr gegangen. Seine Gedanken wirbelten mit annähernd Lichtgeschwindigkeit in seiner Fantasie umher. Seine Anspannung war am Siedepunkt.

Der Bunker wurde von einem erneuten Donnern erschüttert. Einer jener Schläge, die ebenso gut von Zeus persönlich hätten stammen können.

Alles um ihn herum bebte und Teile der Decke stürzten herab.

»Helenaaa?«, brüllte er in die Schrotthölle hinein.

Keine Antwort. Nur das Gerumpel von herabfallenden Steinen.

»Das kann doch echt nicht wahr sein... all das nur, um jetzt hier zu verrecken?«, fluchte er.

Etwas Pelziges umschmeichelte seine Knie.

Flare. Das Katzenwesen war wie aus dem Nichts aufgetaucht, als wollte sie ihm zu verstehen geben:

»Los! Lass uns hier verschwinden, Junge!«

Aiden nahm noch ein paar Atemzüge Tunnelluft, ließ zeitgleich die Ausrüstung bis auf das Handy mit der LED-Lampe fallen, und folgte Helena in den Hexenkessel.

Nicht weit vom Tunneleingang entdeckte er sie auch schon bewusstlos am Boden liegen.

Sie war nicht allzu weit gekommen. Und Aiden wäre fast über sie gestolpert. Ihre Stirnlampe war zersplittert und ihre Stirn blutüberströmt. Ihr rechter Arm war unter einem Betonbrocken eingeklemmt. Herabgefallene Deckenteile hatten sie erwischt.

Aiden befreite sie, mit all seiner Kraft, und schleifte ihren regungslosen Körper in den Tunnel zurück, in dem Flare wartete. Keine Sekunde zu früh, denn der Bunker stürzte augenblicklich und nahezu komplett in sich zusammen. Er begrub Helenas Jagdbogen ebenso, wie die Altmetallberge und den Müll auf dem sie gerade eben noch geschlafen hatten, unter unzähligen Tonnen aus Felsen und Stahlbeton.

Die Druckwelle erfasste ihn und Helena und riss ihn von den Füßen. Aiden dröhnten die Ohren, als sich der Staub allmählich legte.

Helena öffnete die Augen. Sie krabbelte von ihm herunter und versuchte sich aufzurichten.

Er gab ihr Wasser aus seiner Feldflasche und untersuchte die Platzwunde an der Stirn und ihren Arm. Dabei schüttelte er den Kopf.

»Das war dumm.«

Sie lächelte und hauchte mit zitternder Stimme:

»Du hast mir das Leben gerettet, Nerd. Mal wieder… Danke Aiden.«

In dieser Stimme lag ein Hauch von Bedauern. Sie bereute es, wegen des Bogens zurück gegangen zu sein.

Helenas Impulsivität hatte sie selbst und ihn in Gefahr gebracht.

Aber Aiden war ihr nicht böse, vielmehr war er froh gewesen, von nun an nicht allein durch das Ödland weiterziehen zu müssen. Zumindest falls sie hier einen Ausweg finden würden.

Er stellte gespielt nüchtern fest: »Deinen Arm müssen wir leider amputieren.«

Helena kannte Aiden lange genug, um zu wissen, wann er es ernst meinte und wann nicht.

»Blödmann!« Sie lachte.

Beide lachten.

Der Schmerz schien ihr typisch für einen mehrfachen Bruch zu sein. Es war nicht ihr erster gebrochener Knochen.

Aiden schaute ernst.

»Wenigstens keine offene Fraktur, trotzdem sollten wir den Arm schienen. Leider haben wir rein gar nichts dabei, was wir verwenden können«, sagte er resigniert.

Helena nickte, drehte den Kopf, und ihr Lächeln verriet, dass sie Flare entdeckt hatte.

»Schön dich zu sehen Kätzchen. Das gerade stand echt auf Messers Schneide.«

Sie machte eine Pause, um durchatmen und einen klaren Gedanken fassen zu können, und schlug dann vor:

»Folgen wir dem Tunnel... vielleicht finden wir weiter unten einen Weg raus oder etwas Brauchbares zum Verarzten. Zurück können wir ja ohnehin nicht mehr.«

Sie biss die Zähne zusammen und zog Luft durch die Schneidezähne ein, als sie sich taumelnd auf die Beine stelle.

Aiden hatte inzwischen die restliche Ausrüstung und ihr Messer an sich genommen und notdürftig verstaut.

Selten fühlten die beiden sich so ausgeliefert und wehrlos, wie gerade jetzt. Keiner hatte den Hauch einer Ahnung, wohin dieser Weg führen würde, oder ob sie hier überhaupt lebend herauskamen.

Solange es eine Alternative zum Tod gibt, wählt man diese. Dazu muss man nicht zwangsweise eine unverbesserliche Optimistin sein, hatte Helena mal gemeint. Das passte zu ihr, sie war eben schon immer eine Kämpfernatur. Aiden war da gänzlich anders.

»Gib mir mein Messer! Notfalls kämpfe ich auch mit einer gebrochenen Pfote.«

Die herabgefallenen Trümmer hatten das Feuer endgültig erstickt. Der Rauch hatte aufgehört. Durch einen anderen Teil des Tunnels strömte irgendwoher frische Luft herein. Die Wände waren ungewöhnlich feucht und je weiter sie kamen, umso leichter fiel ihnen das Atmen. Die Temperatur hier war angenehm mild. Und es roch erdig wie nach einem warmen Sommerregen im Wald. Hier gab es weder Hooks noch Drohnen oder Raumverwerfungen.

Die Raubkatze schien sich den beiden für den Augenblick angeschlossen zu haben, denn sie wich Helena nicht von der Seite.

»Muss wohl so eine Art alter Bergwerksschacht sein«, spekulierte Aiden vor sich hin, und begann überschwänglich zu lachen, als er auf den kleinen bläulich schimmernden Bildschirm seines Smartphones starrte.

»Helena... du wirst es nicht glauben!«

Sie schaute ihn fragend an.

»Ich habe Netzwerkverbindung!«

KAPITEL 4 – Factory 4

»Wir haben tatsächlich ein extrem starkes Signal.«

Aiden schüttelte den Kopf. »Zumindest sowas in der Art. Ein Omega-Carrier sowas habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.«

Er tippte hektisch auf dem kleinen Bildschirm umher, um mit seiner selbst programmierten künstlichen Intelligenz, die er Blissball getauft hatte, die Quelle des Signals zu orten.

Ihr Arm schmerzte.

Helena reagierte gleichgültig. Sowohl auf den Schmerz als auch auf Aidens angebliche Entdeckung.

»Klar, bestell doch für mich bitte eine Pizza, und für Flare etwas Kraftfutter! Ok?«

Sie hielt Aidens Aussagen für bloße Spinnerei, und spielte sein offenbares Blödelspiel nur allzu gern mit. Vielleicht gerade, weil es vom Schmerz ablenkte.

Aiden blieb stehen, während er nun den roten Speedmaster Laptop aus dem Rucksack geholt und sich versichert hatte, dass dieser noch funktionstüchtig war. Er ignorierte Helenas Bemerkung, und sprach wieder mit sich selbst.

»Heilige Blendgranate! Erst dachte ich, dass ich halluziniere. Wir haben tatsächlich ein bestätigtes Omega-Signal unbekannter Herkunft. Es ist verschlüsselt. Meine Blissball-KI wird es in nullkommanix geknackt haben.«

Erst jetzt dämmerte es Helena.

»Das ist dein Ernst, oder? Wir haben sowas wie Internetverbindung in die Welt?«

Das, was vor wenigen Jahren völlig banal und normal war, erschien in diesen Tagen wie ein Wunder.

»Ich bin drin!«, triumphierte Aiden zu sich selbst. In seiner Aufregung verarbeitete sein Gehirn die Worte von Helena lediglich mit einer gewissen Verzögerung.

»Was? Nein, nicht ins Internet, in ein lokales Netzwerk. Aber immerhin… Heilige Scheiße... ist das ein hochentwickeltes Netzwerk! Die Struktur ist megakomplex. Moment noch... Ich habe da was.«

Augenblicklich strömten Unmengen von Informationen wie Karten- und Positionsdaten in den alten roten Laptop. Positionsdaten zu Schächten und Wegen der Umgebung waren nun ebenso wie von Zauberhand auf seinem kleinen Rechner, wie Daten über Gesteinsbeschaffenheit, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, die chemische Zusammensetzung der Atemluft, Richtungsangaben aller relevanten Wegpunkte. Daten über sämtliche Hook-Populationen der Region und deren komplette DNA-Sequenzen. Und eine interaktive Karte jeglicher Verwerfungen im Umkreis von vier Kilometern. Eine Fülle von mehr oder weniger nützlichen Daten quoll in den knappen Speicher des Gerätes.

Nachdem sich Aiden einen groben Überblick verschafft hatte, was er da jetzt genau erhalten hatte, erklärte er Helena:

»Wir müssen diesem Weg noch eine Weile folgen, bis zu einer Kreuzung, dann rechts und… ohjeh… wir sind in einem labyrinthartigen Tunnelsystem oder so was. War wohl ursprünglich wirklich mal 'n Bergwerk.«

Die beiden setzten sich also wieder in Marsch. Hunger und Schmerzen waren zwar gewohnte Begleiter, aber dieses Mal trieb sie zudem noch ihre Neugier an. Eine Neugier die ebenso schmerzen konnte, wenn sie nicht befriedigt wurde. Und der Wunsch, dieses Rätsel zu lösen, ließ die beiden zunehmend schneller und schneller laufen. Sie rannten und wollten unbedingt wissen, wer ihr mysteriöser Fremdenführer war.

Woher kam all diese Flut von Daten?

Wer hatte sie ihnen geschickt? Die Blissball-KI war darauf programmiert gewesen, niemals Daten von sich aus auf

irgendeines seiner Geräte downzuloaden. Diesen Sicherheitsmechanismus hatte Aiden vor einigen Jahren installiert.

Also musste da ein Jemand anderes dahinterstecken. Ein Jemand der die Fähigkeit hatte die Blockfunktion von Blissball, der zugleich als Systemwächter diente, zu umgehen.

Ein anderer Nerd womöglich, welcher über ausgezeichnete technische Möglichkeiten verfügte.

Ihr Weg war klar. Es folgte eine Kreuzung. Dann Rechts. Noch eine Kreuzung. Vorsicht! Tiefes Loch im Boden. Geradeaus. Links. Dann Licht. Und eine Panzertür. Eine Panzertür? Das kam für beide ein wenig unerwartet.

»Eine gepanzerte Schleusentür. Hier? Die kann ich sicher öffnen.« Aiden hatte sich nun in einen höheren Sicherheitsbereich des Netzwerkes gehackt.

Helena schaute ungeduldig. »Nun mach schon auf!«, drängte sie.

Aiden hielt inne. Er stoppte seinen Zeigefinger einen Zentimeter wie eingefroren über der Entertaste in der Luft. Sein Blick verriet Bedenken:

»Was, wenn dahinter hunderte Drohnen nur auf uns warten? Oder eine Horde Plünderer, oder Kratos Schergen, die uns auf kannibalische Art willkommen heißen wollen? Vielleicht sogar Krato persönlich, der sich bei uns für sein neues Leben als Zyklop bedanken möchte. Oder eine Großfamilie hungriger Hook-Fledermäuse.«

Helena war von Aidens aufgeregter Plapperei genervt und konterte: »Klar, Plünderer betreiben ja auch geheime Bunkeranlagen mit hochentwickelten Netzwerksystemen.«

Aiden verdrehte die Augen und drückte die Entertaste. Nichts geschah. Rein gar nichts.

Nach Eingabe einer weiteren Befehlszeile, folgte wieder die Entertaste auf dem Laptop. Wieder nichts.

Er gab denselben Befehlssatz noch zweimal in die Shell von Blissball ein, der die Sicherheitstüre öffnen sollte und bestätigte abermals.

Nicht ein Millimeter dieser vermaledeiten Türe wollte sich bewegen.

»Das versteh ich nicht. Das hätte funktionieren müssen.« Er seufzte leise.

Ein blinkendes rotes Icon vom Flash-Chat, welches er bisher übersehen hatte, zeige eine einkommende Nachricht an:

»Hallo mein junger Freund, ich könnte euch bei eurem Problem mit der Tür helfen.«

Erstaunt zeigte Aiden Helena den Bildschirm.

Diese las mit, ohne etwas zu sagen. Dabei hielt sie sich ihren pochenden Arm, der sichtlich angeschwollen war.

»Wer bist du?«, tippte Aiden in den Chat ein.

»Ich bin Doktor Albert Möbius. Aber ihr könnt mich Albert nennen.«

Irgendwoher kannte er den Namen Albert Möbius nur? Es wollte es ihm gerade partout nicht einfallen. Woher? Woher zum Geier?

»Ich habe nur begrenzte Kontrolle über Factory 4, und die Zeit arbeitet gegen uns.«

Aiden verstand kein Wort. »Was genau ist denn überhaupt Factory 4?«, schrieb er.

Inzwischen hatte er sich hingesetzt, den Rucksack auf seinen Schoß gelegt und darüber den Laptop gepackt, so dass er in der Lage war beidhändig zu tippen. Die Antwort des mysteriösen Absenders folgte sogleich.

»Factory 4 war vor dem Krieg als autark arbeitende Nanofabrik für Flugzeugtriebwerke konzipiert und gebaut worden. Eine vollautomatisierte Fabrik in Diensten der zivilen Luftfahrt. Der Standort war ideal, da die geplante Größe der Anlage genau in das alte bereits bestehende Bunkersystem hineinpasste. Welches vor etwas mehr als einhundert Jahren ein Bergwerk war.«

Aiden tippte weiter. »Wo genau bist du Albert? Und weshalb hilfst du uns?«

»Das erkläre ich euch später. Erst einmal müssen wir zusehen, dass ihr in Sicherheit kommt. Deine verletzte Gefährtin muss schnellstmöglich medizinisch versorgt werden. Und dann braucht ihr noch etwas Anständiges zu essen. Später benötige ich auch EURE Hilfe.«

Das 'EURE' war in Großbuchstaben und kursiv geschrieben. Beide schauten sich verdutzt an, als ob das was gerade passierte, mehr als nur etwas ungewöhnlich war. Als ob man sich nur umzuschauen brauchte, um irgendwo die versteckte Kamera zu entdecken. Gleich würde der Showmaster aus der sich öffnenden Tür springen und alles gestenreich mit Scheinwerferlicht, lauter Orchestermusik im Glitzerkonfettiregen aufklären. Eben ganz genau so, wie in der guten alten Zeit. Eine Zeit von der lediglich noch das eine oder andere digitale Video auf Aidens Festplatte Zeugnis ablegen konnte. Er hatte sämtliche Gameshows als Videofiles gespeichert. Trotz neuer Kompressionsmethoden eine Menge Speicherplatz. Aber das war es ihm wert. Vielleicht war Blissball die letzte verbliebene KI gewesen. Und seine Daten waren die letzten Überbleibsel digitaler Spuren von Zivilisation. Zumindest dachte er das ein paar Mal. Dann rückte Helena dieses Weltbild zurecht, als sie meinte, dass die GDF sicher auch noch den einen oder anderen Server betreiben könnte. Aber sicher hatten diese Leute keine Film-Klassiker und erst recht keine Gameshows.

Vielleicht war hinter dieser Panzertür hier die letzte schräge reale Gameshow auf dem Planeten. Und jetzt galt es zu spielen. Es war das Spiel ihres Lebens gewesen. Es gab nur die Option zu gewinnen. Für den Verlierer war kein zweiter Platz vorhanden.

Helena klappte den Laptop vor seiner Nase zu, und hielt ihre unversehrte Hand auf das Mikrofonloch des Smartphones.

»Glaubst du wir können diesem Typen trauen?«

Aidens Antwort wurde von einem Stirnrunzeln unterstrichen.

»Haben wir denn eine Wahl?«

Die Katze, die es sich neben den beiden gemütlich gemacht hatte, sprang erschrocken auf, als sich die Schleusentür mit einem Zischen öffnete.

»Alles in Ordnung, meine Süße«, versuchte Helena Flare zu beruhigen. »Hast doch schon Schlimmeres überstanden.«

Hinter der Tür befand sich eine grüngelblich ausgeleuchtete Schleuse.

»Dann mal hinein in die gute Stube!«, ploppte als Textnachricht von Albert auf.

Die Gruppe trat in die steril wirkende kleine Kammer und blickte sich um. Hier gab es bis auf eine zweite Tür, die weiter ins Innere der Anlage führte, nicht viel zu entdecken. Auffallend waren ein paar vereinzelte bienenwabenförmige Wandplatten und Vertiefungen in den Wänden. Auch gab es hier so etwas wie eine Ventilationsanlage, deren Lamellen leicht vibrierten. Die daraus strömende Luft war weder frisch noch roch sie in irgendeiner Weise nach der typisch muffigen Bunkerfilterluft, die beide nur allzu gut kannten.

Sie hatte schlichtweg gar keinen Geruch.

»Ihr müsst euch noch ein paar Sekunden gedulden, bis die Steuerungsmatrix meine für euch entworfene Umgebung generiert hat«, schrieb Albert.