Narzissmus -  - E-Book

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Beschreibung

Dieses Buch untersucht Narzissmus als klinisches und gesellschaftliches Phänomen im Zeitalter von Internet und Social Media sowie dessen Auswirkungen auf Liebesbeziehungen, Sexualität, Freundschaft, Familie und auch Politik. Welchen Einfluss narzisstische Persönlichkeiten auf die Politik haben können, erfahren wir derzeit täglich aus den Medien. - Neu in der 2. Auflage: Aktuelle Erkenntnisse zu Ätiologie und Neurobiologie, Ausweitung der klinischen Aspekte und starker Praxisbezug - Schulenübergreifend: Übertragungsfokussierte Psychotherapie, Psychoanalyse, Schematherapie, Mentalisierungsbasierte Therapie, kognitiv-behaviorale Ansätze, Strukturbezogene Psychotherapie Aktuelle neurobiologische Erkenntnisse, die schulenübergreifende Ausrichtung und ausführliche Erläuterung der klinischen Aspekte geben diesem Handbuch neue Praxisrelevanz. Alle Facetten – von Empirik, Diagnostik, Klinik und Therapie bis hin zu Beziehungsgestaltung und soziokulturellem Kontext – werden umfassend erörtert. - Wie entwickelt sich eine narzisstische Persönlichkeit? - Welche Rolle spielen Neid, Scham und Wut als zentrale Affekte des Narzissmus? - Wie kann man die Narzisstische Persönlichkeitsstörung behandeln und welche spezifischen Probleme gibt es dabei? - Welche Therapien haben sich bewährt? Auf diese und viele weitere Fragen rund um das Thema Narzissmus gibt dieses bewährte Standardwerk von Stephan Doering, Otto F. Kernberg und Hans-Peter Hartmann nun in der 2. vollständig überarbeiteten und aktualisierten Auflage ausführlich Antwort. Gemeinsam mit über 50 renommierten internationalen Forschern und Therapeuten beleuchten Sie das gesamte Spektrum der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Dieses Buch richtet sich an: Psychotherapeuten, Psychologen, Psychiater  Aus dem Inhalt Grandioser und vulnerabler Narzissmus |  Zum Verhältnis von Narzissmus und Selbstunsicherer Persönlichkeit |  Persönlichkeitsstörung und Gewalt |  Narzisstische Persönlichkeitsstörung und Perversion |  Neid, Scham und Wut – die zentralen Affekte des Narzissmus |  Narzissmus und Borderline Persönlichkeitsstörungen |  Narzisstische Persönlichkeiten in Freundschaft und Sozialkontakten |  Narzissmus und Liebesbeziehungen

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EPUB

Seitenzahl: 1812

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Narzissmus

Grundlagen – Störungsbilder – Therapie

2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Herausgegeben von Stephan Doering, Hans-Peter Hartmann, Otto F. Kernberg

Mit Übersetzungen von Elisabeth Vorspohl und Petra Holler

Mit Beiträgen von

Salman Akhtar

Martin Altmeyer

Wendy Behary

Cord Benecke

Antje von Boetticher

Thomas Bolm

Brigitte Boothe

Eva-Lotta Brakemeier

Felix Brauner

John F. Clarkin

Thomas M. Crow

Gerhard Dammann (†)

Diana Diamond

Eva Dieckmann

Stephan Doering

Michael Dümpelmann

Peter Fonagy

Eckhard Frick

Glen O. Gabbard

Karen Gilmore

Hans-Peter Hartmann

Peter Henningsen

Richard Hersh

Susanne Hörz-Sagstetter

Elliot Jurist

Leonie Kampe

Sigmund Karterud

Otto Kernberg

Paulina Kernberg (†)

Joachim Küchenhoff

Claas-Hinrich Lammers

Franziska Lamott

Kenneth N. Levy

Russell Meares

Kevin B. Meehan

Eva Möhler

Wolfgang Milch

Steffen Müller

Igor Nenadić

Georg Northoff

Mallay Occhiogrosso

Friedemann Pfäfflin

Rossella Di Pierro

Aaron L. Pincus

Günter Reich

Felix Reichert

Almut-Barbara Renger

Babette Renneberg

Franz Resch

Eckhard Roediger

Stefan Röpke

Joram Ronel

Elsa Ronningstam

Thomas Ross

Andreas Santa Maria

Cordelia Schmidt-Hellerau

Inge Seiffge-Krenke

Michael Stone

Ulrich Streeck

Svenn Torgersen

Vamik D. Volkan

Hans-Jürgen Wirth

Aidan G. C. Wright

Frank Yeomans

Impressum

Die digitalen Zusatzmaterialien haben wir zum Download auf www.klett-cotta.de bereitgestellt. Geben Sie im Suchfeld auf unserer Homepage den folgenden Such-Code ein: OM43167

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Besonderer Hinweis

Die Medizin unterliegt einem fortwährenden Entwicklungsprozess, sodass alle Angaben, insbesondere zu diagnostischen und therapeutischen Verfahren, immer nur dem Wissensstand zum Zeitpunkt der Drucklegung des Buches entsprechen können. Hinsichtlich der angegebenen Empfehlungen zur Therapie und der Auswahl sowie Dosierung von Medikamenten wurde die größtmögliche Sorgfalt beachtet. Gleichwohl werden die Benutzer aufgefordert, die Beipackzettel und Fachinformationen der Hersteller zur Kontrolle heranzuziehen und im Zweifelsfall einen Spezialisten zu konsultieren. Fragliche Unstimmigkeiten sollten bitte im allgemeinen Interesse dem Verlag mitgeteilt werden. Der Benutzer selbst bleibt verantwortlich für jede diagnostische oder therapeutische Applikation, Medikation und Dosierung.

In diesem Buch sind eingetragene Warenzeichen (geschützte Warennamen) nicht besonders kenntlich gemacht. Es kann also aus dem Fehlen eines entsprechenden Hinweises nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

Schattauer

www.schattauer.de

© 2021 by J. G. Cotta’sche Buchhandlung, © 2006

Nachfolger GmbH, gegr. 1659, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

Cover: XXX

unter Verwendung eines Fotos von XXX

Lektorat: Elisabeth Vorspohl

Projektmanagement: Dr. Nadja Urbani

Datenkonvertierung: Kösel Media GmbH, Krugzell

Printausgabe: ISBN 978-3-608-43167-4

E-Book: ISBN 978-3-608-12076-9

PDF-E-Book: ISBN 978-3-608-20468-1

Dieses E-Book basiert auf der aktuellen Auflage der Printausgabe.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Besonderer Hinweis

Die Medizin unterliegt einem fortwährenden Entwicklungsprozess, sodass alle Angaben, insbesondere zu diagnostischen und therapeutischen Verfahren, immer nur dem Wissensstand zum Zeitpunkt der Drucklegung des Buches entsprechen können. Hinsichtlich der angegebenen Empfehlungen zur Therapie und der Auswahl sowie Dosierung von Medikamenten wurde die größtmögliche Sorgfalt beachtet. Gleichwohl werden die Benutzer aufgefordert, die Beipackzettel und Fachinformationen der Hersteller zur Kontrolle heranzuziehen und im Zweifelsfall einen Spezialisten zu konsultieren. Fragliche Unstimmigkeiten sollten bitte im allgemeinen Interesse dem Verlag mitgeteilt werden. Der Benutzer selbst bleibt verantwortlich für jede diagnostische oder therapeutische Applikation, Medikation und Dosierung.

In diesem Buch sind eingetragene Warenzeichen (geschützte Warennamen) nicht besonders kenntlich gemacht. Es kann also aus dem Fehlen eines entsprechenden Hinweises nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

Schattauer

www.schattauer.de

© 2021 by J. G. Cotta’sche Buchhandlung, © 2006

Nachfolger GmbH, gegr. 1659, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

Cover: Bettina Herrmann, Stuttgart

unter Verwendung eines Gemäldes von Carvaggio »Narziss«, 1594–1596

Lektorat: Elisabeth Vorspohl

Projektmanagement: Dr. Nadja Urbani

Datenkonvertierung: Eberl & Kœsel Studio GmbH, Krugzell

Printausgabe: ISBN 978-3-608-43167-4

E-Book: ISBN 978-3-608-12076-9

PDF-E-Book: ISBN 978-3-608-20468-1

Dieses E-Book basiert auf der aktuellen Auflage der Printausgabe.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhalt

Vorwort

Herausgeber und Autoren

1 Konzeptualisierungen des Narzissmus

1.1 »… dem nichts so wohl gefiel, wie das eigene Spiegelbild«: Der Narziss-Mythos und seine Rezeptions- und Wirkungsgeschichte

1.1.1 Struktur der Doppelung: Die kanonische Formulierung des Mythos durch Ovid

1.1.2 Spiegelung(en) und Echo(s): Rezeptions- und Wirkungsgeschichte des Mythos nach Ovid

1.1.3 »Narzissmus als Mythos«: Theoriebildung in Sexualwissenschaft und Psychoanalyse

1.1.4 Hinter Ovid zurück und über ihn hinaus: Überbietung der Zugriffe durch Freud

Literatur

1.2 Freuds Narzissmus-Theorie

1.2.1 Die Einführung des Narzissmus in Freuds Theorieentwicklung

1.2.2 Ausblick

Literatur

1.3 Pathologischer Narzissmus und narzisstische Persönlichkeitsstörung: Theoretischer Hintergrund und diagnostische Klassifizierung

1.3.1 Geschichtlicher Hintergrund

1.3.2 Klinische Merkmale der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

1.3.3 Ätiologie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

1.3.4 Unterscheidung zwischen narzisstischer und antisozialer Persönlichkeitsstörung

1.3.5 Schlussfolgerung

Quellennachweis

Literatur

1.4 Der selbstpsychologische Zugang zu narzisstischen Persönlichkeitsstörungen

1.4.1 Einführung

1.4.2 Wie haben sich selbstpsychologische Theorie und Praxis entwickelt?

1.4.3 Das selbstpsychologische Verständnis von Heilung und therapeutischem Prozess unter Berücksichtigung einer veränderten Konzipierung der ödipalen Entwicklung

1.4.4 Selbstpsychologisch fundierte Intersubjektivität

Literatur

1.5 Narzissmus als Dynamik von Grandiosität und Vulnerabilität

1.5.1 Einleitung

1.5.2 Ausgewählte Forschung

1.5.3 Die Dynamik von Grandiosität und Vulnerabilität

1.5.4 Schlussfolgerungen und künftige Forschungsrichtungen

Literatur

1.6 Zum Verhältnis von narzisstischer und selbstunsicherer Persönlichkeitsstörung

1.6.1 Einleitung

1.6.2 Selbstfunktionen: Identität und Selbststeuerung

1.6.3 Interpersonelle Funktionen: Empathie und Nähe

1.6.4 Problematische Persönlichkeitsmerkmale

1.6.5 Zusammenfassung

Literatur

1.7 Narzissmus und Persönlichkeitsdimensionen

1.7.1 Narzissmus und Persönlichkeitsdimensionen: Theorie

1.7.2 Narzissmus und Persönlichkeitsdimensionen: Forschung

Literatur

1.8 Warten auf den Anderen, Hoffen auf Umweltresonanz: Narzissmus und Intersubjektivität

1.8.1 Es gibt den Narzissmus nicht – ohne den Spiegel des Anderen

1.8.2 Die Vermittlungsfunktion des Narzissmus im Raum zwischen Selbst und Umwelt

1.8.3 Look at me! – Die narzisstische Kernbotschaft des Selbst an den Anderen

1.8.4 Exkurs zum »intersubjektiven Freud« – Ein Beziehungsmodell des Narzissmus jenseits der Triebtheorie

1.8.5 Den Anderen betrachten, wie er mich betrachtet – eine »narzisstische« Identitätsformel der Moderne

Literatur

1.9 Persönlichkeitsstörung und Gewalt – ein psychoanalytisch-bindungstheoretischer Ansatz

1.9.1 Problemstellung

1.9.2 Die Entwicklungslinien der Gewalt

1.9.3 Gewalt wird verlernt, nicht gelernt

1.9.4 Die psychoanalytische Kontroverse zur angeborenen Aggression

1.9.5 Die Grenzen umwelttheoretischer Ansätze und das Wiedererstarken biologistischer Theorien

1.9.6 Die Biologie der Aggression

1.9.7 Gewalt, die Qualität früher Beziehungen und ihre interpersonelle Bedeutung

1.9.8 Die Anfänge des Selbstbewusstseins: das Modul der Kontingenzentdeckung

1.9.9 Frühes Verständnis des Selbst als sozialer Akteur

1.9.10 Die soziale Biofeedback-Theorie elterlicher Affektspiegelung nach Gergely und Watson

1.9.11 Die zwei basalen Formen der Repräsentation inneren Erlebens: der Modus psychischer Äquivalenz und der Als-ob-Modus

1.9.12 Mentalisierung und reflexive Funktion

1.9.13 Bindung und reflexive Funktion

1.9.14 Bindung, Reflexionsfähigkeit und Gewalt

1.9.15 Aggression und Urheberschaft des Selbst

1.9.16 Vernachlässigung und Prädisposition zu Gewalt

1.9.17 Brutalisierung und der Akt der Gewalt

1.9.18 Zusammenfassung

1.9.19 Schlussfolgerung: unsere gewalttätige Gesellschaft

Literatur

2 Empirische Befunde zur Ätiologie und Neurobiologie narzisstischer Pathologie

2.1 Genetische Aspekte narzisstischer Persönlichkeitsstörungen

2.1.1 Die Anlage-/Umweltdiskussion

2.1.2 Empirische Studien

2.1.3 Schlussfolgerung

Literatur

2.2 Entwicklungspsychologie des Narzissmus

2.2.1 Definition

2.2.2 Kognitionspsychologische und neurobiologische Modelle der Selbstentstehung

2.2.3 Bedeutung der Mutter-Kind-Interaktion für die Entwicklung des Selbst

2.2.4 Mütterliche Phantasien und Vorstellungen

über

und Attributionen

an

das Kind

2.2.5 Feinfühligkeit

2.2.6 Affektabstimmung

2.2.7 Das Selbst in späterer Kindheit und Jugend

2.2.8 Störfaktoren und Pathologie der Selbstentwicklung

2.2.9 Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

2.3 Gehirn und Selbst – ein neurophilosophischer Erklärungsansatz

Philosophische Konzepte I.a: Das mentale/geistige Selbst

Philosophische Konzepte II.a: Das phänomenale Selbst

Philosophische Konzepte II.b: Das minimale Selbst

Philosophische Konzepte II.c: Das soziale Selbst

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse I.a: Räumliche Muster der neuralen Aktivität während der Präsentation selbstspezifischer Stimuli

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse I.b: Temporale Muster der neuralen Aktivität während der Präsentation selbstspezifischer Stimuli

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse I.c: Soziale Muster der neuronalen Aktivität bei Selbstreferenz

Neurowissenschaftliche Diskussion I.a: Unterschiedliche Formen von Spezifität

Neurowissenschaftliche Diskussion I.b: Neuronale Spezifität der Mittellinienregionen

Neurophilosophische Diskussion II.a: Psychologische und experimentelle Spezifität

Neurophilosophische Diskussion II.b: Selbstspezifität und andere Funktionen

Neurophilosophische Diskussion III.a: Phänomenale Spezifität der Selbstreferenz

Neurophilosophische Diskussion III.b: Phänomenale Spezifität und phänomenale Grenzen

Neurophilosophische Diskussion IV.a: Das minimale Selbst und der Körper

Neurophilosophische Diskussion IV.b: Körper und Protoselbst

Neurophilosophische Diskussion V.a: Unterschied zwischen den Konzepten Selbst und Selbstreferenz

Neurophilosophische Diskussion V.b: Das Selbst als gehirnbasierte neurosoziale Struktur und Organisation

Neurophilosophische Diskussion V.c: Selbst, Überzeugung und Valuation

Literatur

2.4 Neurobiologische Befunde bei subklinischem und klinischem Narzissmus und der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung

2.4.1 Einleitung

2.4.2 Empathie

2.4.3 Sozialer Ausschluss

2.4.4 Geschlechterunterschiede

2.4.5 Reaktion auf Stress

2.4.6 Zusammenfassung

Literatur

3 Epidemiologie, Klassifikation und Diagnostik

3.1 Narzisstische Persönlichkeitsstörung: Prävalenz und Verlauf

3.1.1 Einleitung

3.1.2 Kurze Geschichte

3.1.3 Narzissmus im Diagnostischen und Statistischen Manual

3.1.4 Prävalenz

3.1.5 Behandlungsverlauf und Langzeitergebnisse

3.1.6 Verlauf- und Ergebnisforschung

3.1.7 Follow-up der Behandlung

3.1.8 Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Literatur

3.2 Veränderungen der narzisstischen Psychopathologie – der Einfluss korrigierender und korrosiver Lebensereignisse

3.2.1 Veränderbarkeit des pathologischen Narzissmus

3.2.2 Zwischenmenschliche Bezogenheit – der Weg zur Veränderung

Fallvignetten

3.2.3 Zusammenfassung

Literatur

3.3 Komorbidität

3.3.1 Einführung

3.3.2 Die Bedeutung von Komorbidität bei grandiosem und vulnerablem Narzissmus

3.3.3 Schwierigkeiten in der Erfassung der Komorbiditäten

3.3.4 Häufige Komorbiditäten im Zusammenhang mit Narzissmus

3.3.5 Fazit

Literatur

3.4 Klassifikation und Testdiagnostik

3.4.1 Die Klassifikationssysteme ICD-11 und DSM-5

3.4.2 Diagnostische Interviews zur Erfassung aller Persönlichkeitsstörungen

3.4.3 Fragebögen zur Erfassung der Persönlichkeitsstörungen

3.4.4 Verfahren zur Erfassung der neuen Hybridmodelle für Persönlichkeitsstörungen: Persönlichkeitsfunktion und Persönlichkeitszüge

3.4.5 Diagnostische Erfassung der Persönlichkeitszüge

Die »Dark Triad«

3.4.6 Schlusswort – Empfehlungen für die Verwendung testpsychologischer Instrumente

Literatur

4 Klinik narzisstischer Störungen

4.1 Die narzisstische Persönlichkeit und ihre Beziehung zu antisozialem Verhalten und Perversionen – pathologischer Narzissmus und narzisstische Persönlichkeit

4.1.1 Klinische Merkmale der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS)

4.1.2 Die Psychodynamik narzisstischer Störungen

4.1.3 Die klassische Antisoziale Persönlichkeitsstörung

4.1.4 Maligner Narzissmus

4.1.5 Die narzisstische Persönlichkeit

4.1.6 Narzisstische Pathologie und antisoziales Verhalten in der Adoleszenz

4.1.7 Die Diagnose der Identitätsdiffusion und Realitätsprüfung

4.1.8 Die Diagnose narzisstischer Pathologie im Jugendalter

4.1.9 Die Antisoziale Persönlichkeitsstörung im Jugendalter

4.1.10 Pathologischer Narzissmus und Perversion (Paraphilien)

4.1.11 Perversion und Perversität

4.1.12 Ein Fallbeispiel

Literatur

4.2 Narzisstische Persönlichkeitsstörung und Perversion

4.2.1 Einleitung

4.2.2 Aktuelle Perversionskonstrukte

4.2.3 Ältere Perversionskonstrukte

4.2.4 Psychoanalytische Perversionskonstrukte

4.2.5 Andere Konstrukte

4.2.6 Zur Prävalenz

4.2.7 Psychotherapie

Literatur

4.3 Narzissmus und forensische Psychiatrie

4.3.1 Einführung

4.3.2 An der Schnittstelle von forensischer Psychiatrie und Narzissmus

4.3.3 Der neue Narzissmus: Implikationen für die forensische Psychiatrie

4.3.4 Die Rolle der forensischen Psychiatrie

Literatur

4.4 Scham, Neid und Wut – die zentralen Affekte des Narzissmus

Literatur

4.5 Narzisstische Persönlichkeitsstörung und Selbstwertgefühl

4.5.1 Einleitung

4.5.2 Klinische Anwendungen

4.5.3 Evaluierung des Selbstwertgefühls

4.5.4 Faktoren, die die Regulation des Selbstwertgefühls beeinflussen

4.5.5 Suizidalität und Selbstwertgefühl

4.5.6 Behandlungsimplikationen

Literatur

4.6 Narzisstische Persönlichkeitsstörungen und Suizidalität

4.6.1 Einleitung

4.6.2 Introspektion, Empathie und Mentalisierung

4.6.3 Hass und Selbsthass

4.6.4 Therapeutische Überlegungen

4.6.5 Schluss

Literatur

4.7 Narzissmus und Borderline-Persönlichkeitsstörungen

4.7.1 Einleitung

4.7.2 Die strukturell-objektbeziehungstheoretische Sicht von Otto Kernberg

4.7.3 Die entwicklungspsychologisch orientierte Sichtweise in der Mentalisierungstheorie von Bateman, Fonagy und anderen

4.7.4 Die selbstpsychologische Sichtweise (Kohut und Nachfolger)

4.7.5 Fazit

Literatur

4.8 Narzissmus, Schmerz und somatoforme Störungen

4.8.1 Schmerz und somatoforme Störungen

4.8.2 Somatoforme Störungen als (re-)inszenatorische Beziehungsstörung im Gesundheitswesen

4.8.3 Somatoforme Störungen, Schmerz und Persönlichkeit

4.8.4 Narzissmus, Schmerz und somatoforme Störung: psychodynamische Konzepte und Befunde

4.8.5 Konsequenzen für die Modellbildung und die Therapie somatoformer Störungen

4.8.6 Zusammenfassendes Fazit

Literatur

4.9 Narzissmus und Sucht

4.9.1 Sucht

4.9.2 Narzisstische Persönlichkeitsstörung

4.9.3 Die Behandlung von Sucht und Narzissmus

4.9.4 Abschließende Überlegungen

Literatur

4.10 Narzissmus und Psychose

4.10.1 Einleitung

4.10.2 Der Mythos

4.10.3 Eine Fallgeschichte

4.10.4 Zur Entstehung und zur Funktion psychotischer Symptome

4.10.5 Realität und Realitätskonstruktion

4.10.6 Grenzen und Grenzstörungen

4.10.7 Beziehungserfahrungen und Traumatisierungen

4.10.8 Nosologische Überlegungen und Fazit

Literatur

4.11 Körper und Narzissmus

4.11.1 Einleitung

4.11.2 Entwicklungspsychologie: Körperbild, Körpererleben, Selbstbild

4.11.3 Schlussfolgerungen

4.11.4 Körperbild und Selbstbild und ihre narzisstische Balance in seelischer Krankheit

4.11.5 Die Besetzung des Körpers zur Stabilisierung des Selbstgefühls – die Ergänzungsreihe von sozialpsychologischen und klinischen Perspektiven

4.11.6 Die Besetzung des Körpers zur Stabilisierung des Selbstgefühls – sozialpsychologische Perspektiven

Literatur

4.12 Narzisstische Persönlichkeitsstörungen in der Kindheit

4.12.1 Normaler und pathologischer Narzissmus

4.12.2 Klinische Manifestationen narzisstischer Störungen bei Kindern

4.12.3 Risikokinder

4.12.4 Ein Blick auf die Bedeutung der Eltern

4.12.5 Weitere Überlegungen zur Psychodynamik

4.12.6 Überlegungen zur Behandlung

4.12.7 Beratung der Eltern

4.12.8 Zusammenfassung

Literatur

4.13 Der ganz normale Narzissmus im Jugendalter und im »emerging adulthood«

4.13.1 Narzisstische Phänomene in der Adoleszenz

4.13.2 Narzisstische Phänomene in der Phase des »emerging adulthood«

4.13.3 Verzögerte Identitätsentwicklung: Verhindert der starke Selbstfokus Intimität und Empathie in Partnerschaften?

4.13.4 Das »Zeitalter des Narzissmus« und familiendynamische Veränderungen, die zu einer erhöhten Selbstfokussierung, zunehmendem Narzissmus und einer verzögerten Identitätsentwicklung beitragen

4.13.5 Abschließende Bemerkungen

Literatur

5 Narzisstische Beziehungsgestaltung

5.1 Liebe, Sexualität und Ehe im Rahmen des pathologischen Narzissmus

5.1.1 Narzissmus und romantische Liebe

5.1.2 Narzissmus und Sexualität

5.1.3 Narzissmus und Ehe

5.1.4 Schlussfolgerung

Literatur

5.2 Narzisstische Persönlichkeitsstörung – Freundschaften und soziale Interaktionen

5.2.1 Einleitung

5.2.2 Fünf Vignetten

5.2.3 Schluss

Literatur

5.3 Familiendynamik narzisstischer Entwicklungen

5.3.1 Einleitung: Die interpersonelle Dynamik narzisstischer Entwicklungen

5.3.2 Rollen und Aufträge

5.3.3 Scham als narzisstischer Leitaffekt und das »entlehnte Schamgefühl«

5.3.4 Die mehrgenerationale Dynamik von Verdienst, Vermächtnis und Loyalität – die Weitergabe narzisstischen Erlebens, narzisstischer Missbrauch und narzisstische Korruption im Kontext

5.3.5 Familientherapie

Literatur

5.4 Zum Verständnis der »Empathielosigkeit« von Narzissten

5.4.1 Was ist Empathie?

5.4.2 Empathie und Persönlichkeitspathologie

5.4.3 Empirische Evidenz

5.4.4 Schlussfolgerungen

Literatur

6 Narzissmus im kulturellen Kontext

6.1 Narzissmus bei Frauen

6.1.1 Einleitung

6.1.2 Grandiose und vulnerable Ausprägungen narzisstischer Störungen

6.1.3 Narzissmus und destruktive Grandiosität

6.1.4 Zur gesellschaftlichen Situation von Frauen

6.1.5 Lieblose Partnerschaften

6.1.6 Appellativer Narzissmus bei Frauen

6.1.7 Einschüchterndes Imponieren

6.1.8 Behandlungsperspektiven

6.1.9 Freud, Phantasie und Körper

Literatur

6.2 Narzisstische Persönlichkeiten in Führungspositionen

6.2.1 Theoretische Überlegungen

6.2.2 Negative Einflussfaktoren

6.2.3 Positive Einflussfaktoren

6.2.4 Metaanalysen und methodische Probleme

Literatur

6.3 Pathologischer Narzissmus und Machtmissbrauch in der Politik

6.3.1 Das schlechte Image von Macht und Narzissmus

6.3.2 Macht als Verleugnung von Abhängigkeit

6.3.3 Macht und Machtmissbrauch

6.3.4 Die narzisstisch gestörte Persönlichkeit und die Macht

6.3.5 Die psychotherapeutische Behandlung der Reichen und der Mächtigen

6.3.6 Narzissmus, Macht und Destruktivität

Literatur

6.4 Großgruppen und ihre politischen Führer mit narzisstischer Persönlichkeitsorganisation

6.4.1 Was ist eine Großgruppe?

6.4.2 Großgruppenregression

6.4.3 »Reparative« oder »destruktive« narzisstische Führer

6.4.4 Der Einfluss auf Großgruppenprozesse unter einer »Glaskugel«

6.4.5 Scham und Demütigung

6.4.6 Schlussbemerkung

Literatur

6.5 Konversation und Spiel in der Behandlung des Narzissmus

6.5.1 Primärer Narzissmus: Ursprünge und Störungen

6.5.2 Spiel und Narzissmus

6.5.3 Ebenen des Narzissmus

6.5.4 Psychische Desintegration und der nahezu unbehandelbare Narzissmus

6.5.5 (Wieder-)Herstellung und der Spiegel

6.5.6 Analoge Bezogenheit und die Erzeugung des Selbst

Literatur

6.6 Narzissmus und soziale Medien

6.6.1 Einleitung

6.6.2 Die Rolle der Kultur für die Persönlichkeit

6.6.3 »Emerging adulthood«

6.6.4 »Emerging adults«, soziale Netzwerke und narzisstische Pathologie

6.6.5 Psychoanalytische Perspektiven

6.6.6 Prolongierte Adoleszenz, Borderline-Pathologie oder »erworbener situationsbedingter Narzissmus«?

6.6.7 Abschließende Überlegungen

Literatur

6.7 Narzissmus und Spiritualität

6.7.1 Zwei begriffliche Erweiterungen und Aufhellungen

6.7.2 Einige Forschungsergebnisse

6.7.3 Der spirituelle Mensch zwischen Schuld und Tragik

6.7.4 Individuation als Mut zum Selbst

6.7.5 Selbstwert – Was ist das Selbst dem Anderen wert?

6.7.6 Zusammenfassung

Literatur

6.8 Narzissmus als klinisches und gesellschaftliches Phänomen

6.8.1 Das Zeitalter des Narzissmus

6.9.2 Das Konzept des Narzissmus in der Psychoanalyse

6.8.3 Psychoanalytische Theoriebildung und kulturelle Strömungen

6.8.4 Das Konzept des Narzissmus in der Kritischen Theorie

6.8.5 Narzissmus als Schwächung des Selbst: die Arbeiten von Horkheimer, Adorno und Lasch

6.8.6 Narzissmus als Empowerment des Selbst: das Werk von Herbert Marcuse

6.8.7 Kritik und Schlussfolgerung

Literatur

7 Therapie

7.1 Die Behandlung der schweren narzisstischen Pathologie – eine Übersicht

7.1.1 Einleitung

7.1.2 Gemeinsame Übertragungsmerkmale, die das pathologische Größenselbst widerspiegeln

Typische Übertragungsentwicklung

Dickhäutige Narzissten

Dünnhäutige Narzissten

Das Syndrom der Arroganz

Triangulierungsintoleranz

7.1.3 Extreme nicht-depressive Suizidalität und Selbstdestruktivität

7.1.4 Die antisoziale Dimension

7.1.5 Schluss

Literatur

7.2 Übertragung und Gegenübertragung in der Behandlung von Patienten mit Narzisstischer Persönlichkeitsstörung

7.2.1 Narzisstische Übertragungen in der Selbstpsychologie

7.2.2 Otto Kernbergs Theorie der narzisstischen Übertragung

7.2.3 Variationen der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung

7.2.4 Gegenübertragung

7.2.5 Kollusion mit Idealisierung

7.2.6 Langeweile und Verachtung

7.2.7 Das Gefühl, omnipotenter Kontrolle zu unterliegen

7.2.8 Das Auftauchen verleugneter Motive und Konflikte

7.2.9 Behandlungstechnische Überlegungen

Literatur

7.3 Psychodynamische Psychotherapie der narzisstischen Persönlichkeit

7.3.1 Einleitung

7.3.2 Verschiedene Niveaus des Narzissmus

7.3.3 Elemente der Behandlungstechnik

Literatur

7.4 Schematherapie

7.4.1 Einleitung

7.4.2 Der Schematherapeutische Ansatz

7.4.3 Die therapeutische Beziehungsgestaltung

7.4.4 Konkrete Interventionstechniken

Literatur

7.5 Mentalisierungsbasierte Therapie für Patienten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung

7.5.1 Einleitung

7.5.2 Förderung von Grundvertrauen und Mentalisieren als übergeordnete Foki

7.5.3 Narzisstische Phänomene im Spiegel des Mentalisierungskonzepts

7.5.4 Kernqualitäten der Mentalisierungsbasierten Therapie (MBT)

Literatur

7.6 

CBASPersonalized

für Narzissmus (CPN)

7.6.1 Einleitung

7.6.2 Das Konfliktmodell narzisstischer Störungen

7.6.3 Ziele der Psychotherapie

7.6.4 Arbeit mit und an der therapeutischen Beziehungsgestaltung

7.6.5 Vorstellung der Therapiemodule

7.6.6 Zusammenfassung und Ausblick

7.7 Die psychoanalytisch-interaktionelle Methode

7.7.1 Schwere Persönlichkeitsstörungen, strukturelle Störungen und »Störungen des Sozialen«

7.7.2 Zur psychoanalytisch-interaktionellen Behandlungstechnik

Rahmenbedingungen

Zur Haltung des Psychotherapeuten

Wie sich psychische und psychosoziale Funktionen entwickeln können

Affekte und deren Wahrnehmung fördern

Wie prozedurales Beziehungswissen therapeutisch erreicht werden kann

7.7.3 Schluss

Literatur

7.8 Narzisstische Phänomene in der Gruppentherapie

7.8.1 Einleitung

7.8.2 Fallbeispiele

Literatur

7.9 Psychodynamische Aspekte der psychopharmakologischen Behandlung narzisstischer Patienten

7.9.1 Einleitung

7.9.2 Fallbeispiele

7.9.3 Berücksichtigung der psychodynamischen Strömungen bei der Medikamentenverordnung für Patienten mit narzisstischer Pathologie

7.9.4 Häufig zu beobachtende Muster der Reaktion narzisstischer Patienten auf Pharmakotherapien

7.9.5 Strategien für den verschreibenden Arzt bei kombinierter und bei geteilter Behandlung von Patienten mit narzisstischen Störungen

Literatur

Sachverzeichnis

Vorwort

Als im Jahr 1996 der von Otto F. Kernberg herausgegebene Band Narzißtische Persönlichkeitsstörungen erschien, war das Thema Narzissmus noch weitgehend psychoanalytischen Klinikern und Forschern vorbehalten. Daran hatte sich auch 2006, bei Erscheinen der ersten Auflage des vorliegenden Buches, wenig geändert. In den letzten Jahren allerdings ist der Narzissmus international mehr und mehr in den Fokus von Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie gerückt – Forschungsdatenbanken wie zum Beispiel PubMed zeigen seit der Jahrtausendwende einen steilen Anstieg einschlägiger Publikationen. Dieser Entwicklung trägt die zweite Auflage des nun Handbuch Narzissmus genannten Bandes Rechnung. Waren es in der ersten Auflage noch überwiegend psychoanalytisch geprägte Autorinnen und Autoren, so sind unter unseren 64 Mitwirkenden nun Vertreter mehrerer Schulen und Forschungsrichtungen zu finden. In vielen Bereichen gibt es inzwischen deutlich mehr Evidenz, die wir in diesem Buch abzubilden und zusammenzufassen versuchen. Einem einleitenden konzeptionellen Teil folgen dementsprechend Darstellungen empirischer Befunde zu Ätiologie und Neurobiologie sowie zu Epidemiologie und Diagnostik des Narzissmus. Der Klinik narzisstischer Phänomene wird breiter Raum gegeben, wobei über die individuelle Erscheinungsform des Narzissmus hinaus verschiedene soziale und kulturelle Kontexte und Erscheinungsformen Beachtung erfahren. Am Schluss steht die Darstellung der therapeutischen Ansätze, dabei liegen interessanterweise noch so gut wie keine empirischen Wirksamkeitsdaten zur Behandlung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung vor. Die Beschreibung der Weiterentwicklung auf diesem Gebiet bleibt also einer 3. Auflage dieses Buches und der nächsten Generation von Autorinnen und Autoren vorbehalten. Wir hoffen, dass unser Handbuch manch einen Nachwuchsforscher motivieren wird, seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt im Bereich des Narzissmus zu suchen. Es sei versichert, dass es sich um einen der schillerndsten und faszinierendsten Arbeitsbereiche handelt.

Die Zusammenstellung von Autoren und Beiträgen für ein solches Handbuch ist eine Mammutaufgabe – und dennoch bloß ein Anfang! Eine Gruppe von 64 Expertinnen und Experten aufeinander abzustimmen und von ihnen allen zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre wissenschaftliche Expertise in Worte gegossen zu sehen, ohne dass der Text des schnellsten Arbeiters allzu viel an Aktualität einbüßt, bevor auch der bedächtigste Schreiber seinen Text geliefert hat, stellt die wahre Herausforderung dar. Die drei Herausgeber fühlten sich bisweilen wie Fluglosten mit diplomatischer Zusatzqualifikation, denen es gottlob gelungen ist, am Ende allen Texten zu einer sicheren Landung zu verhelfen.

Das gegenüber der ersten Auflage um Stephan Doering verstärkte und zum Trio angewachsene Herausgeberteam hat seine ersten konzeptionellen Vorbereitungen für den nun gedruckten Band bereits im Jahr 2012 geleistet – also mehr als acht Jahre vor der Fertigstellung des Buches. Wir sind in allererster Linie natürlich unseren 64 Autorinnen und Autoren dankbar, die sich von uns oft genug vertrösten lassen mussten, wenn sie nach dem Erscheinungstermin fragten. Sie haben allesamt hervorragende Texte verfasst, die unser gesamtes Werk zu einer Einheit haben werden lassen, in der kaum eine der aktuellen Perspektiven fehlt.

Mit großer Trauer erfüllt uns die Tatsache, dass zwei unserer Autoren nicht mehr unter uns sind und das Erscheinen des Buches nicht mehr miterleben können: Paulina Kernberg ist bereits 2006 verstorben, Gerhard Dammann erst vor kurzem im Jahr 2020. Wir gedenken ihrer mit Schmerz und Dankbarkeit.

Neben den Verfassern der Texte gilt unser Dank Frau Elisabeth Vorspohl, die als Übersetzerin und Lektorin Mammutarbeit geleistet hat, indem sie alle Texte gelesen, redigiert, zum Teil aus dem Englischen übersetzt und mit den jeweiligen Autorinnen und Autoren korrespondiert und gelegentlich verhandelt hat. Sie wurde unterstützt von Frau Dr. Petra Holler, der Übersetzerin der ersten Auflage des Narzissmus-Buches, die sich von uns aus aktuell ganz anderen Arbeitssphären locken ließ, um die Texte englischsprachiger Autoren zu betreuen, deren Vorgängerversionen bereits in der ersten Auflage enthalten waren.

Schließlich bedanken wir uns bei Dr. Wulf Bertram, der uns angeregt und motiviert hat, die Neuauflage des Narzissmus-Buches in Angriff zu nehmen. Ohne ihn hätten wir vermutlich so bald nicht den Mut dazu gefunden. Er hat uns geholfen, unser »Schiff« sicher durch bewegte Gewässer zu lenken, wobei die Tatsache, dass der Schattauer Verlag inzwischen eine neue Heimat beim Verlag Klett-Cotta gefunden hat, aus unserer Sicht fast unbemerkt vonstattenging. Wir danken dem Verlag Klett-Cotta, dass er unser Projekt ohne jede Infragestellung hat weiterlaufen lassen und uns noch dazu mit Frau Dr. Nadja Urbani und ihrem höchst kompetenten Projektmanagement unterstützt hat.

Stephan Doering

Hans-Peter Hartmann

Otto F. Kernberg

Literatur

Kernberg, O. F. (Hg.) (1989 [1984]). Narzißtische Persönlichkeitsstörungen. Übers. von B. Strauss. Stuttgart (Schattauer). 2., korr. Aufl. 2001.

Kernberg, O. F. und H.-P. Hartmann (Hg.) (2006). Narzissmus. Grundlagen – Störungsbilder – Therapie. Mit Übersetzungen von P. Holler. Stuttgart (Schattauer).

Bibliographischer Hinweis:

Die Schriften Sigmund Freuds werden in diesem Band zitiert nach der Ausgabe:

Sigmund Freud, Gesammelte Werke (18 Bände sowie ein unnumerierter Nachtragsband. Bde. 1–17: Imago Publishing Co. London 1940–52 (seit 1960 S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main); Bd. 18: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1968; Nachtragsband: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1987.

Die Buchstaben hinter den Jahreszahlen der Freud-Texte beziehen sich auf die Freud-Bibliographie mit Werkkonkordanz. Frankfurt am Main (S. Fischer) 1989.

Herausgeber und Autoren

Prof. Salman Akhtar, M. D.

Jefferson Medical College

Dept. of Psychiatry and Human Behavior

33 South 9th Street, Suite 210-C

Philadelphia, PA 19107

USA

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Dr. rer. med. habil. Dipl.-Psych. Martin Altmeyer (IARPP)

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Wendy Behary, Ph. D.

The Cognitive Therapy Center of NJ

The NJ Institute for Schema Therapy

28 Millburn Avenue

Suite 7-A

Springfield, New Jersey 07081

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Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Cord Benecke

Institut für Psychologie

Universität Kassel

Holländische Straße 36–38

34127 Kassel

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Antje von Boetticher, Dipl.-Psych.

Dahlmannstraße 5

37073 Göttingen

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Dr. med. Thomas Bolm

MentaCare – Zentrum für Psychische Gesundheit

Azenbergstraße 68

70192 Stuttgart

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Prof. Dr. Brigitte Boothe

Gemeinschaftspraxis Bellevue

Rämistrasse 5

8001 Zürich

Schweiz

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Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Institut für Psychologie

Universität Greifswald

Franz-Mehring-Straße 47

17489 Greifswald

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Felix Brauner, M.Sc.

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Psychologische Hochschule Berlin (PHB)

Am Köllnischen Park 2

10179 Berlin

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Prof. John F. Clarkin, Ph. D.

New York Presbyterian Hospital

Westchester Division

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NY 10605–1596

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Thomas M. Crow, M. A.

Department of Psychology

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359 Bruce V. Moore Building

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PA 16802

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PD Dr. med. Dipl.-Psych. Dipl.-Soz. Gerhard Dammann, MBA (†)

Prof. Diana Diamond, Ph. D.

New York Presbyterian Hospital

Westchester Division

Personality Disorders Institute

Weill Medical Center of Cornell University

21 Bloomingdale Road

White Plains

NY 10605–1596

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Dr. med. Eva Dieckmann

Stadtstraße 14

79104 Freiburg im Breisgau

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Univ.-Prof. Dr. med. Stephan Doering

Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie

Medizinische Universität Wien

Währinger Gürtel 18–20

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Österreich

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Dr. med. Michael Dümpelmann

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Prof. Peter Fonagy, Ph. D.

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Prof. Glen O. Gabbard, M. D.

4306 Yoakum

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305 East 18th St.

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Prof. Dr. med. Dipl.-Psych.

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Psychologische Hochschule Berlin (PHB)

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Prof. Otto Kernberg, M. D.

New York Presbyterian Hospital

Westchester Division

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21 Bloomingdale Road

White Plains

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Prof. Dr. rer. soc. Franziska Lamott

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Prof. Dr. Russell Meares

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Secretary/Administration

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Emeritus Professor Russell Meares, University of Sydney

Locked Bag 7118

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Australien

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Prof. Kevin B. Meehan, Ph. D.

Department of Psychology

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Prof. Dr. Eva Möhler

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Universitätsklinikum des Saarlandes

Kirrberger Str. 90.9

66421 Homburg

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Prof. Dr. Wolfgang Milch

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Prof. Aaron L. Pincus, Ph. D.

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Pennsylvania State University

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Prof. Dr. phil. Günter Reich

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225 Central Park West, Apartment # 114

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Prof. Dr. med. Ulrich Streeck, M. A.

Herzberger Landstr. 53

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Prof. Svenn Torgersen, M. D.

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Department of Psychology

PO Box 1094 – Blindern

0317 Oslo

Norwegen

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Prof. Vamik D. Volkan, M. D.

Professor Emeritus of Psychiatry

The Austen Riggs Center

25 Main Street

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Prof. Dr. rer. soc. Dipl.-Psych. Hans-Jürgen Wirth

Psychosozial-Verlag

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35390 Gießen

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210 S. Bouquet Street

Pittsburgh, PA 15260

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Prof. Frank Yeomans, MD, PhD

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Weill Cornell Medical College

122 East 42nd Street, suite 3200

New York, NY 10168

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1 Konzeptualisierungen des Narzissmus

1.1 »… dem nichts so wohl gefiel, wie das eigene Spiegelbild«: Der Narziss-Mythos und seine Rezeptions- und Wirkungsgeschichte

Almut-Barbara Renger

Mythen sind ein »vielfältiges, weltweit verbreitetes […] kulturelles Phänomen« (Jamme & Matuschek 2014, S. 8) – und viele von ihnen von großer historischer Tiefe. Bei aller Variabilität des erzählten Geschehens ist ihr »narrative[r] Kern«, darauf hat Hans Blumenberg (1979, S. 40) in seiner Arbeit am Mythos(1)verwiesen, »von hochgradiger Beständigkeit«. Das gilt zumal für jene Geschichten über Götter und Menschen, die seit dem 18. Jahrhundert, durch die ›Wiederentdeckung der Antike‹ im Klassizismus, unter der Bezeichnung »antiker Mythos(1)« vermehrt »ins Blickfeld von Fachwissenschaft und breiter Öffentlichkeit« geraten sind (Reinhardt 2011, S. 16). Noch heute üben sie eine hohe Faszination aus, die sich in »Überbietungen der Zugriffe« auf ihren Inhalt (Blumenberg 1979, S. 166) in verschiedenen Medien weltweit zeigt.

Zu den Gründen für diese longue durée und Breitenwirksamkeit zählen die ausgeprägte Anschlussfähigkeit und das, was Blumenberg den »Reiz der Erprobung neuer und eigener Mittel der Darbietung« eines Mythos nennt (ebd.). Die antiken Geschichten bringen zentrale Probleme und Befindlichkeiten des Menschen zur Sprache und fordern zugleich dazu auf, die Vorstellungen und Ideen, die sie reflektieren, neu zu denken und in neue Konstellationen zu bringen – eine Herausforderung, die stets kontextgebunden erfolgt. Mythen verweben Text und Kontext wie durch Fäden zu einem komplexen Netz, indem sie als Zentren der – von Stephen Greenblatt (1990, S. 7–24) postulierten – ›sozialen Zirkulation‹ in den Texten der Kultur, in der sie erzählt werden, fungieren. Sie sind nicht etwa voraussetzungslose ästhetisch geschlossene Einheiten. Vielmehr stehen sie immer schon in einem dynamischen Verhältnis zu anderen Texten und Medien ihrer Kultur, der sie Themen entnehmen und der sie diese auch wieder zurückgeben.

Der ätiologische Mythos von Narziss(1) (griech. Nárkissos; lat. Narcissus), der in Liebe entbrennt, als er sein Spiegelbild in einer Quelle erblickt, mit der Folge, dass er dort stirbt und die Narzisse ersprießt, gehört zu den Erzählungen, die dies auf besonders sinnfällige Weise verdeutlichen. Seine »hochgradige Haltbarkeit« hat ihm, mit Blumenberg (1979, S. 165) gesprochen, »seine Ausbreitung in der Zeit und im Raum« sowie »seine Unabhängigkeit von lokalen und epochalen Bedingungen« gesichert. In zahlreichen Medien und sozialen Kontexten erprobt, wird er immer wieder, bis in die Literatur für Kinder hinein, erzählt (vgl. Hawkins & Poe 2018). Sein »Grundmuster« ist »so prägnant« (Blumenberg 1979, S. 165), dass er sich weit über die Grenzen ätiologischen Erzählens hinaus fest in die europäische Kulturgeschichte eingeschrieben hat (vgl. Vinge 1967; Orlowsky & Orlowsky 1992; Renger 1999; Spaas 2000; Renger 2002a; Marek 2008; Goebel & Bronfen 2009; Bettini & Pellizer 2010, S. 41–200).

Besonders prägend hat hierbei die lateinische Ausschmückung in den Metamorphoses (»Metamorphosen(1)«) gewirkt, in der Ovid (43 v.–17/18 n. Chr.) die Irritationen, die die Erfahrung des Echos auf akustischer Ebene in ähnlicher Weise wie die Spiegelerfahrung auf visueller Ebene auszulösen vermag, thematisiert und kunstvoll mit den Themen »Liebe« und »Erkenntnis« verwoben hat (Ov. met. 3, 339–512). Die Fülle der Aneignungen und Fortschreibungen, die die Anschlussfähigkeit der von Ovid gestalteten Themen bis in die Gegenwart bezeugt (vgl. Renger 2017), hat einen Reflex in der Vielfalt der Sekundärliteratur zum Narziss-Mythos(2). Allein die Forschungsliteratur zu Ovids Text, der erst in den 1960/70er Jahren vermehrt Aufmerksamkeit erfuhr (vgl. z. B. Zanker 1966; Cancik 1967; Dörrie 1967; Hilbert 1970; Manuwald 1975; Borghini 1978) und dann erneut um 2000 (vgl. z. B. Nouvet 1991; Milowicki 1996; Frontisi-Ducroux & Vernant 1997: 200–41; Bartsch 2000; Gildenhard & Zissos 2000; Vogt-Spira 2002; Ringleben 2004; Hamilton 2008), umfasst zahlreiche unterschiedliche – philologische und philosophische, psychologische und literaturtheoretische – Aspekte.

Im Folgenden werden Ausschnitte aus der über zweitausendjährigen ›Arbeit am Narziss-Mythos‹ vorgestellt.

Ich beginne mit einer Darstellung der kanonisch gewordenen Formulierung des Mythos durch Ovid, da sie mit ihrer Motivik und Struktur von Spiegelung und Doppelung einen immensen Deutungsspielraum eröffnet hat (1.1.1). Dessen Ausschreitung hat Narziss, das zeigt sodann in gebotener Kürze ein Blick auf die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte, gleichsam zu einem Vexierbild werden lassen, das zwischen eitler Selbstbespiegelung und produktiver Selbstreflexion oszilliert (1.1.2). Zu verschiedenen Zeiten für verschiedene Zwecke in Anspruch genommen, begegnet Narziss sowohl mit dem Spiegelbild als auch einer weiteren Figur in unterschiedlichsten Reflexionen und Doppelungen, mal in negativer, mal in positiver Wertung, mal zwischen beiden changierend.

Dieses Moment der Uneindeutigkeit ist es, mit der Narziss um 1900, darum geht es in der zweiten Hälfte meiner Ausführungen, in die sexualwissenschaftliche und psychoanalytische Theoriebildung eingegangen ist, die den Mythos für ihre Zwecke vereinnahmt hat (1.1.3). In ihr hat Sigmund Freud (1856–1939), wie die weitläufige Resonanz des Narzissmus-Begriffs zeigt, eine einschneidende Zäsur in der Faszinationsgeschichte der mythischen Figur gesetzt. Sie ist davon bestimmt, dass Freud den Mythos scheinbar vereindeutigend auf sein Grundmuster heruntergebrochen, zugleich das Thema gleichgeschlechtlichen Begehrens auf die Textoberfläche zurückgeholt und so hinter Ovid zurück und über ihn hinausgewiesen hat (1.1.4).

1.1.1 Struktur der Doppelung: Die kanonische Formulierung des Mythos durch Ovid

Narziss’ Geschichte (1)ist textuell erst spät belegt und »kaum älter als hellenistisch« (Bremmer 2000); auch bildliche Darstellungen sind, mit einer möglichen Ausnahme, erst aus der römischen Kaiserzeit bekannt (vgl. Bäbler 2000). Wie Adonis, Hyakinthos, Krokos, Minthe, Myrrha u. v. a. gehört der Mythos in den Kreis griechischer Erzählungen, denen zufolge (vorgriechische) Gottheiten oder junge Menschen in eine Blume oder einen Baum verwandelt wurden.

Griechische Hauptquellen der Überlieferung sind Konon (vermutl. 1. Jh. v./1. Jh. n. Chr.), ein mit Ovid etwa zeitgleicher Mythograph, der Kenntnis zahlreicher lokaler Mythen hatte, so auch von Narkissos (Brown 2002, S. 172), und Pausanias (um 115–um 180 n. Chr.), der in einer Art Reiseführer durch Griechenland geographische, historische, mythologische und topographische Details beschrieb und hierbei auch auf die Quelle des Narkissos in Böotien zu sprechen kam (Pausanias 2001, S. 172 f.). Basiselemente ihrer Versionen des Mythos, die sie mit Ovid teilen, so dass sich uns deutlich das »Grundmuster«, der »narrative Kern« im Sinne Blumenbergs, zeigt, sind die Jugend des Narkissos und die Wirkungsmacht von Liebe/Eros sowie die Quelle, der Blick ins Wasser, die Spiegelung und die Blume.

Die durch Konon überlieferte Fassung des Mythos war Teil seines Werks Dihēgḗseis (»Erzählungen«), das aus fünfzig mythologischen Narrativen bestand und vor allem in Zusammenfassungen des Photios aus byzantinischer Zeit erhalten ist (Photios bibl. 186, p. 134b28–135a3 = FGrHist 26 F 1 p. 197, 30–198, 7). Hauptfigur neben Narkissos ist hier Ameinias, der sich nach erfolgloser Werbung des schönen Jünglings umbringt, mit der letztendlichen Folge, dass die Thespier nach dem Tod auch des Narkissos beschließen, die Verehrungspraxis des Eros zu intensivieren. Pausanias berichtet von zwei Versionen des Mythos im Böotien-Buch seiner Periḗgēsis Helládos (»Beschreibung Griechenlands«), als es um die Narkissos-Quelle in der Chora von Thespiai im südöstlichen Mittelgriechenland geht (Paus. 9, 31,7–9). Die Pointe der zweiten Fassung besteht darin, dass Narkissos von Anfang an sehr wohl weiß, dass es sich bei der Spiegelung in der Quelle um sein Spiegelbild handelt, er es aber zu betrachten pflegt, um sich nach dem Tod seiner geliebten Zwillingsschwester Erleichterung seiner Liebe zu verschaffen. Zudem verleiht Pausanias seinem Zweifel an dem Blumen-Aition Ausdruck, indem er hinzufügt, Narzissen seien der Überlieferung nach älter als der Mythos.

Die Konon und Pausanias gemeinen narrativen Basiselemente, die Lokalisierung des erzählten Geschehens und die bei Ovid überlieferte Genealogie (s. u.) erlauben den Schluss, dass es sich bei dem Mythos um böotisches Erzählgut handelt, das mit Eros, dem Gott auch der homosexuellen Liebe, verbunden war: Die Eltern des Jünglings sind der Flussgott Kephis(s)os (lat. Cephisus) und die Quellnymphe L(e)iriope (lat. Liriope). Ort des Geschehens ist eine Quelle im Gebiet des böotischen Thespiai, das über einen bekannten Eros-Kult verfügte.

Ovids lateinischer Text in seiner Sammlung von Verwandlungsgeschichten gibt die Geschichte über die Basiselemente hinaus »in nahezu epischer Breite« (Bömer 1969, S. 538) wieder – mit vielen inhaltlichen Details, in dichterischer Form und unter Schaffung einer spezifischen Struktur der Doppelung. Schlüsselelement ist Narziss’ Begegnung mit der Nymphe Echo. Indem die Episode nicht einfach nur eingefügt, sondern wie eine »Vorstufe zur Begegnung mit dem Spiegelbild« gestaltet ist, entsteht »gewissermaßen eine Doppelung des Spiegelphänomens(1)« (Manuwald 1975, S. 356).

Diese Struktur hat sich in der Folgezeit als wirkungsstark erwiesen, indem sie über Jahrhunderte immer wieder anders realisiert und konfiguriert worden ist. Dabei hat zur Bekanntheit, die der römische Dichter, seit der Antike mannigfaltig rezipiert (vgl. Miller & Newlands 2014), fand, beigetragen, dass er eine Fassung schuf, die gegenüber den griechischen Überlieferungen von Konon und Pausanias, auch und zumal in einer zunehmend christlich geprägten Kultur, ›salonfähig‹ war. Er wurde Ende des 11. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten lateinischen Schulautoren und diente im Mittelalter und in der frühen Neuzeit bei der Beschäftigung mit antiker Mythologie als Nachschlagewerk und Vorlage. In der Moderne kam hinzu, dass die Metamorphosen nun als »ein Stück Weltliteratur« wahrgenommen wurden; sie sind daher auch »denjenigen, die nicht näher mit der übrigen antiken Literatur vertraut sind, ohne weiteres zugänglich« (Holzberg 2007, S. 24).

Seinen Ort hat der Narziss-Mythos im dritten Metamorphosen-Buch (Ovid 1993, S. 64–70; dt. Ovid 2017, S. 164–175), in dem Geschichten aus dem Thebanischen Sagenkreis erzählt werden. Angehoben wird mit einer Referenz auf den thebanischen Seher Teiresias (lat. Tiresias): Auf die Frage, ob Narcissus, Sohn der Nymphe Liriope und des Flussgottes Cephisus, ein hohes Alter erreiche, habe er geweissagt, dies sei möglich, »[w]enn er [der Junge] sich selbst nicht erkennt« (v. 348: ›si se non noverit‹). Das eigentliche Geschehen, in das diese Einführung mündet und in dem sich zeigt, was mit der Antwort gemeint ist – sein Dreh- und Angelpunkt ist das Moment der Erkenntnis –, wird alsdann wie folgt erzählt:

Kaum sechzehn Jahre alt, wird Narcissus von vielen jungen Männern und Frauen heftig, aber vergeblich umworben – so auch von der ehemals stimmbegabten Nymphe Echo. Diese vermag schon damals, von Iuppiters Gattin Iuno bestraft, einzig die Laute am Ende einer Rede zu wiederholen. Iuno sei eines Tages aufgegangen, hier erfolgt im Text ein Rückblick, dass Echo sie während sexueller Eskapaden ihres Gatten durch lange Gespräche abgelenkt habe – und sie habe der Geschwätzigen daher die Strafe auferlegt, sich stimmlich nurmehr per Nachhall artikulieren zu können.

Dieser Zustand ist es, in dem Echo beim Anblick des Narcissus in Liebe entbrennt, so dass sie ihn aus der Ferne durch Widerhall der Stimme umwirbt. Da Narcissus ihre Stimme für die seiner Jagdgefährten hält, fordert er sie mehrfach auf zusammmenzukommen, was Echo als erwidertes Begehren missdeutet (als Verb wird hier coire = »zusammenkommen«, »miteinander schlafen« verwendet). Sie nähert sich ihm und versucht, ihn zu umarmen. Doch Narcissus weist sie zurück – »Weg mit den Händen, […]! Ich sterbe eher, als dir ich gehöre!« (v. 390 f.: ›manus conplexibus aufer! […] | ante‹ ait ›emoriar, quam sit tibi copia nostri.‹) – und Echo begreift den Trug der Wortreflexionen. In ihrer Hoffnung enttäuscht, zieht sie sich zurück, um sich in ihren eigenen Liebesflammen zu verzehren und allmählich zu Stein zu erstarren. Seitdem sei sie, so endet die Episode, nurmehr Stimme, in Wäldern verborgen, wo sie von allen gehört werde. Noch heute erklinge das Echo.

An diesen Teil der Geschichte fügt Ovid die eigentliche Narziss-Episode(1), die er in Struktur und Inhalt, gleichsam als Echo und Reflexion, an die von Echo erzählte Episode anpasst. Auf die schematische Darstellbarkeit der erzählten Geschehens habe ich wiederholt hingewiesen (vgl. Renger 1999, S. 266–269; Renger 2017, S. 13–16), s. Abb. 1.1-1.

Abb. 1.1-1Schematische Darstellung des Kerns der Narziss- und der Echo-Episode (Renger 1999, S. 266).

Auf eine Phase der Irrung folgt nach der Erkenntnis, dass die Hoffnung gegenseitiger Liebe auf Trug beruht, eine Phase der Bewusstheit. Beide Phasen umfassen jeweils drei Etappen, die erzählerisch um den Dreh- und Angelpunkt des Geschehens – die Erkenntnis – wie um eine Achse gelegt sind. Dabei spiegelt sich im Anfang des Liebeserlebnisses (Erblicken) gleichsam sein Ende (Tod), im Entfachen der Liebesflammen (Entbrennen) das verzweifelte Sich-Verzehren in ihnen, in der Hingabe an die Täuschung, die Leidenschaft könne Wirklichkeit werden, die Enttäuschung. Verknüpft sind die beiden Phasen über das Moment der Erkenntnis, in dem das der Desillusion liegt. Während sich in der ersten Phase, nach Erblicken des Liebesobjekts und leidenschaftlichem Entbrennen, die trügerische Hoffnung aufbaut, es handele sich um gegenseitige erfüllte Liebe, führt die Erkenntnis dieser Irrung in eine tragisch anmutende Realität, die mit Tod und Eingehen in die Natur endet. Diese zweite Phase ist von der Einsicht, dass es sich um eine Illusion gehandelt hat, gekennzeichnet und zugleich von einer Aussichtslosigkeit, in der die Erkenntnis das brennende Begehren nicht aufhebt.

Diese Grundstruktur mit ihrer Metaphorik der Liebesglut gilt für beide Episoden gleichermaßen: Erst fängt Echo Feuer und verglüht für Narcissus, dann widerfährt ebendies dem Jüngling selbst. Und auch hier bringt der Text (wie zuvor in der Echo-Episode Iuno) eine Gottheit ins Spiel, Nemesis, Personifikation der Vergeltung. Erzählt wird in diesem zweiten Teil des Geschehens Folgendes:

Ähnlich wie der Nymphe, heißt es in der Einleitung, sei es vielen Verliebten ergangen – bis einmal ein Verschmähter Nemesis (v. 406: Rhamnusia) anrief und bat, sie möge bewirken, dass jener selbst (v. 405: ipse) den Schmerz unerwiderter Liebe erleide. Die Rachegöttin gewährte die Bitte – und Narcissus verfällt eines Tages vor einer Quelle seinem Spiegelbild, ohne es als solches zu erkennen. Nachdem er bei seinem Anblick leidenschaftlich in Liebe entbrannt ist, spricht er zu dem Trugbild und umwirbt es. Dabei versucht er, es zu küssen und zu umarmen, um (wie Echo die Wortreflexionen ihres Dialogs mit Narcissus) die Spiegelung, in der sich sein Werben reflektiert, als Beweis erwiderter Liebe zu missdeuten. Auch er freilich erkennt endlich die Täuschung: »Der da bin ich!« (v. 463: Iste ego sum!). Doch (wie es Echo ergangen ist) vermag ihn die Enttäuschung nicht zu retten. Mit der Realität, der Unmöglichkeit erfüllter Liebe, konfrontiert, verzehrt er sich nach dem eigenen Bild schmachtend, bis er endlich ermüdet stirbt.

Eine Passage im fünften Buch der Fasti (»Festkalender«) von Ovid (2012, S. 214 f.) bringt das Dilemma des Narcissus in Vers 226 mit der Formulierung auf den Punkt infelix quod non alter et alter eras (wörtlich: »Unglücklicher, der du kein anderer und zugleich ein anderer warst«). Narcissus bleibt gleichsam in einem »Vexierspiel von Identität und Differenz« (Vogt-Spira 2002, S. 29) gefangen. Noch in der Unterwelt, heißt es abschließend in den Metamorphosen, betrachte er sich im Wasser der Styx. Zugleich liefert die Episode, wie in den griechischen Fassungen, die durch Konon und Pausanias überliefert sind, ein Aition. Wie die Echo-Episode das Phänomen von Stimme ohne Körper erklärt, gibt sie eine aitiologische Erklärung: Sie unterrichtet über den Ursprung der Narzisse. Beide, Echo und Narcissus, schwinden in den Metamorphosen dahin, was mit der Produktion von Naturphänomenen einhergeht: Aller Saft von Echos Körper entschwindet in die Luft, ihre Knochen werden zu Fels – sie wird zum bloßen Echo. Narcissus schwindet dahin, wie gelbes Wachs an einem schwachen Feuer schmilzt (v. 487 f.: ut intabescere flavae / igne levi cerae) – schon hier die Anspielung auf die Farben der Narzisse –, und dauert als diese fort. Bei dem Versuch einiger trauernder Nymphen, Narcissus zu beerdigen, finden sie anstelle seines Körpers eine Blume mit safrangelbem Kelch und weißen Blütenblättern darum (v. 509 f.: croceum pro corpore florem / inveniunt foliis medium cingentibus albis): die Narzisse.

Dass im Anschluss an diese Geschichte mit ihrer strukturellen Grundkonstellation der Doppelung noch einmal der thebanischen Seher Tiresias ins Spiel gebracht wird, hat u. a., wie vieles in den Metamorphosen, kompositionstechnische Gründe. Der doppelte Verweis auf Tiresias bildet Rahmen und Klammer der beiden Episoden und unterstreicht das Moment der Doppelung. Die Geschichte seines vorübergehenden Geschlechtswechsels, seiner Blendung und Berufung zum Seher geht der Gesamterzählung voraus, sein Orakel bei Narcissus’ Geburt leitet diese ein, und die Erwähnung, wie sich sein Ruf als Seher im Anschluss daran verbreitet habe, leitet zu seiner Weissagung von Pentheus’ Tod über. Durch diese Klammerstellung erhält die Erzählung davon, wie Narcissus die Liebe anderer verschmäht und welche Folgen dies für alle Beteiligten hat, den Charakter einer Ringkomposition. Das Schaubild der Struktur der Doppelung verdeutlicht dies (s. u.). Es enthält die Hauptbausteine der Erzählung von Echo und Narcissus; kürzere Zwischenpassagen – zur Verknüpfung der Überleitungen mit den Kernepisoden, Passagen etwa, in denen Narcissus’ Verhalten gegen andere geschildert wird – sind ausgespart (s. Abb. 1.1-2).

Abb. 1.1-2 Schematische Darstellung der Struktur der Doppelung (Renger 1999, S. 269).

1.1.2 Spiegelung(en) und Echo(s): Rezeptions- und Wirkungsgeschichte des Mythos nach Ovid

Es ist die – von Ovid technisch, inhaltlich wie formal, so eindrucksvoll gestaltete – Motivik und Struktur von Spiegelung und Doppelung gewesen, die sich in der Rezeptions- und Wirkungsgeschichte gemeinsam mit der Liebes- und der Erkenntnisthematik als produktiv erwiesen hat.

Bis in die frühe Neuzeit hinein besondere Resonanz fanden Deutungen, die den Mythos mit philosophischem, zumal neuplatonischem, oder christlich-ethischem Gedankengut überblendeten. Das Spiegelbild erschien hier regelmäßig als Abbild der Seele, als Idealbild ebenso wie als Fratze eines Scheinbilds der Sinnenschönheit (vgl. Renger 1999, S. 69–96, 272–274). Narziss diente dabei zumeist als Warnung vor der trügerischen Welt der Sinne, die, so im 3. Jahrhundert n. Chr. die allegorisierende Deutung von Plotin (1956, S. 21) in seiner Abhandlung über Das Schöne I 37–38, den Weg zur wahren geistigen Schönheit der Idee (griech. eîdos) verstellt: »[W]enn man Schönheit an Leibern erblickt, so darf man ja nicht sich ihr nähern, man muß erkennen, daß sie nur Abbild, Abdruck, Schatten ist und fliehen zu jenem, von dem sie Abbild ist.«

Von Lesarten wie dieser aus war der Schritt nicht weit zu Verbindungen der Narziss-Figur mit dem vanitas-Motiv, und der Spiegel wurde zur Reflexion von Eitelkeit, Arroganz und Hochmut, vor denen das christliche Mittelalter in moralischen Belehrungen nachdrücklich warnte (vgl. Knoespel 1985, S. 23–58; Walde 2002). In der höfischen Literatur und Liebeslyrik des Mittelalters griff dabei zugleich das Thema des Eros Raum, allerdings unter Ausblendung der homoerotischen Dimension, die bei Konon im Mittelpunkt steht. Dieser überliefert, hiervon wird weiter unten gehandelt, ein Narrativ, mit dem ein lokaler Eros-Kult in Thespiai begründet wurde und das auf eine Form der homoerotischen Liebe verweist, die in bestimmten gesellschaftlichen Zusammenhängen des antiken Griechenlands akzeptiert war. Dagegen weiß die mittelalterliche Dichtung zwar, wie der im 13. Jahrhundert verfasste Roman de la Rose paradigmatisch zeigt, vom Liebesbann durch Amor. Sie ist aber an Ovids Fassung mit deren Echo-Episode orientiert, die in Folge der Ovid-Pflege des Mittelalters für eigene Aussagen funktionalisiert wurde und die Narziss-Rezeption auch in der frühen Neuzeit bestimmte (vgl. Vinge 1967, S. 77–115).

Nach ambivalenten Behandlungen des Stoffes in der Renaissance, die Hindernisse durch Eigenliebe ebenso wie Möglichkeiten der Spiegelung zu Erkenntnis thematisieren, verflüchtigt sich die moraldidaktische Deutung des mythischen Jünglings als Warnfigur vor oberflächlicher Schönheits- und hochmütiger Selbstliebe im 18. Jahrhundert weitgehend (vgl. Vinge 1967, S. 252–315). Voraus liegt dieser Entwicklung, die für die Transformierung des Narziss-Mythos in die Moderne eine wichtige Grundlage bildet, seine Darstellung mit Mitteln von Travestie und Burleske im 17. Jahrhundert (vgl. Renger 1999, S. 97–111, 274–275). Damals geriet die allegorische Deutung antiker Mythen, die in Mittelalter und früher Neuzeit traditionsgängig geworden war, ins Wanken – und mythologische Themen wurden zunehmend in erheiterndem Darstellungsmodus präsentiert.

Prominent ist die Bearbeitung des Narziss-Stoffes in der Komödie Narcisse ou L’Amant de lui-même (1752/53) von Jean-Jacques Rousseau (1712–1778), in der es in anspielungsreicher Weise um Eigenliebe aufgrund einer Täuschung geht und der Protagonist eine Lektion, was es heißt, sich selbst zu lieben – »être amoureux de soi même« –, lernt (Rousseau 1961, S. 1002). Ein junges Mädchen will ihren Bruder Valère durch ein Porträt, das ihn in Mädchenkleidern zeigt, verspotten, um ihn von seiner Eitelkeit zu heilen. Sie stiftet damit jedoch Verwirrung, da sich Valère in das Porträt verliebt und von seiner Verlobten zurückzieht, bis diese ihn endlich zur Liebe zurückzugewinnen vermag. Die Komödie ist vielfach vor dem Hintergrund von Rousseaus Unterscheidung des naturwidrigen, ›schädlichen‹ amour propre und naturgemäßen, ›gesunden‹ amour de soi gedeutet worden – u. a. dahingehend, dass Valère für das durch die Zivilisation entfremdete Individuum steht, das, »völlig abhängig vom Urteil der Gesellschaft, ein Schein-Ich entwickelt« und zum »überpersönlichen moi commun« zu finden hat (Marek 2008, S. 464).

Eine Wendung ins Positive schließlich durchläuft die Narziss-Thematik um 1800, als, parallel zur Herausbildung des modernen bürgerlichen Subjektbegriffs, Narziss im Kontext der Romantik eine Schlüsselposition als Figur produktiver Selbstreflexion erhält, die er über mehrere Dichtergenerationen hinaus beibehalten soll (vgl. Renger 1999, S. 113–192, 276–286). Der in die eigene Betrachtung versunkene Jüngling wird nun mit der Weltabwendung des Künstlers verbunden: mit der Ablehnung der sich industrialisierenden und dadurch als banalisierend empfundenen Gesellschaft und mit der Hinwendung zur eigenen Persönlichkeit, zu Traum, Kult und Mythos.

Prägnanten Ausdruck findet die Stilisierung des Narziss zur Dichterfigur in August Wilhelm Schlegels (1767–1845) Athenäums-Fragment Nr. 132 von 1798: »Dichter sind doch immer Narcisse«, das wie ein Motto der Narziss-Rezeption des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts anmutet (Schlegel 1798, S. 35). Wie exemplarisch André Gide (1869–1951), Paul Valéry (1871–1945) und Rainer Maria Rilke (1875–1926), beziehen Dichter noch um 1900 den antiken Mythos modellhaft auf die Kunst/Dichtung-Künstler/Dichter-Thematik (vgl. Goth 1966), wobei Narziss bei aller Nobilitierung als Verkörperung einer ästhetisch-kontemplativen Haltung »erneut zu einer pathologischen und pathogenen Figur« wird (Erhart 2002, S. 101). Das Fin de Siècle, das die Künstlerseele als Spiegel der Welt beschwört, setzt Narziss als Symbol des Dichters ebenso poetisch-performativ ins Recht, wie es von seinem Fall und Scheitern erzählt, und leistet damit Theorien Vorschub, die anhand von Narziss und der Spiegelsituation die Doppelnatur des Menschen, Geschlechter-Transgression, Seins-Ich und Schein-Ich und die Grenzverwischung zwischen Subjekt und Objekt abhandeln.

1.1.3 »Narzissmus als Mythos«: Theoriebildung in Sexualwissenschaft und Psychoanalyse

Derart gleichsam zur Kippfigur geworden, entfaltet Narziss seine Faszination über das Moment der Uneindeutigkeit im 20. und beginnenden 21. Jahrhundert, indem er mit einem schillernden psychischen Phänomen verbunden wird, das von der Überzeugung der eigenen Grandiosität bis zum brüchigen Selbstwertgefühl reicht: dem Narzissmus. Es schließt Charaktereigenschaften wie Ehrgeiz und Selbstsicherheit, die als ›gesund‹ und/oder ›realitätsgerecht‹ eingestuft werden, ebenso ein wie Symptome einer pathologischen Persönlichkeitsstörung, die in den Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM-5 aufgeführt ist.

Die Theoriebildung innerhalb dieses Strangs der Faszinationsgeschichte des Mythos ist weit verzweigt. Sie umfasst so verschiedene Ansätze und Wertungen wie Herbert Marcuses (1898–1979) gesellschaftliche Utopie einer ästhetisch-»erotische[n] Versöhnung« auf marxistischer Basis, für die Narziss als »Urbild« und Heilsfigur in Anspruch genommen wird (Matuschek 2002, S. 90 f.), und Marshall McLuhans (1911–1980) Medientheorie der narzisstischen Ausweitung im Spiegelbild. Diese liest den Jüngling an der Quelle als »mediale Urszene schlechthin« und argumentiert per Übertragung des Mythos auf die Medienapparate kritisch, der Mensch werde durch seine technische Ausweitung im Medium narkotisiert (Wegmann 2002, S. 167). Beider gemeinsamer Grund liegt in der Popularisierung des vom Mythos abgeleiteten Narzissmus-Begriffs seit seinen frühen Verwendungen in der Sexualwissenschaft und -therapie um 1900 (vgl. May-Tolzmann 1991).

1898 legte der britische Sexualforscher Havelock Ellis (1859–1939) eine Abhandlung zum »Auto-Erotismus« vor, unter dem er »the phenomena of spontaneous sexual emotion generated in the absence of an external stimulus proceeding, directly or indirectly, from another person« verstand (Ellis 1898, S. 260). Er prägte damit einen Begriff, der zum Ausgangspunkt zahlreicher Erörterungen werden sollte. Den mythischen Narziss streifte Ellis nur kurz, indem er auf eine Erscheinung zu sprechen kam, die er als »Narcissus-like tendency« bezeichnete und insbesondere Frauen zuwies (ebd., S. 280): eine Form der Selbstbewunderung, bei der sexuelle Gefühle absorbiert würden und oft gänzlich verloren gingen.

Hieran an knüpft 1899 der deutsche Nervenarzt Paul Näcke (1851–1913), der in jener Zeit bei über 1500 Insassen der sächsischen Heil- und Pflegeanstalt Hubertusburg Daten zu sexuellen Auffälligkeiten erhebt. In seiner Auswertung spricht Näcke (1899a, S. 438, 458, 496) unter Referenz auf Ellis von »Narcismus« – nicht ohne eine umdeutende Korrektur vorzunehmen, indem er einerseits »Pseudo-Narcismus« (S. 496) und »Anklänge an […] Selbstverliebtheit« ohne »nachweisbare[n] sexuelle[n] Hintergrund« (S. 438) von andererseits »echtem Narcismus« (S. 496), den er als Perversion klassifiziert, unterscheidet. Ersteren, bei dem »die Zeichen der Wollust« (S. 496) fehlten, meint er bei mehreren männlichen Insassen diagnostiziert zu haben, die sich mit Wohlgefallen im Spiegel betrachten. Letzteren glaubt er bei einer Frau gefunden zu haben, die sich selbst »die Arme und die Hand« geküsst und dabei »ganz verliebt« (S. 458; Näcke 1906, S. 125) ausgesehen habe. Bei dieser »schwerste[n] Form des ›Auto-Erotismus‹«, die »sehr selten und eine ganz eigene Form der Verirrung« (S. 496) sei, löse allein das Betrachten des eigenen Körpers sexuelle Erregung aus; ja es sei »von deutlichen Zeichen des Orgasmus begleitet«, fügt er in einer Folgestudie hinzu (Näcke 1899b, S. 375).

Während Ellis sich gegenüber den verschiedenen Äußerungsformen von Sexualität tolerant zeigte, ja Autoerotismus in weitem Sinne sogar mit Phantasie und Kunst verknüpfte, sexualisiert Näcke den Begriff mithin. Er verengt den Fokus auf Narzissmus als »sexuelle Perversion, bei der eine Person den eigenen Körper wie ein Sexualobjekt behandelt« (Hartmann 2018, S. 15).

Es war die rege Diskussion dieser Befunde und Thesen innerhalb von Sexualwissenschaft und Psychoanalyse, in deren Folge der Neologismus »Narzißmus« – Näcke (1906, S. 125, 127) verwendete später diese Bezeichnung, die sich im Deutschen erhalten hat – eine Fülle theoretischer und wissenschaftlicher Konzepte und Auseinandersetzungen nach sich zog (vgl. Orlowsky/Orlowsky 1992, S. 361–411; Renger 1999, S. 193–244, 286–292), darunter z. B. auch die Konzeption des Spiegelstadiums »als Bildner der Funktion des Ichs«, die Jacques Lacan (1901–1981) in den 1930er Jahren in die Diskussion einführte (Lacan 1986 [1949]). »Narzissmus« wurde zu einer klinischen, psychotherapeutischen und psychoanalytischen Kategorie, an die sich zahlreiche, z. T. einander widersprechende, Konzepte und Behandlungsansätze koppeln – und die bis in die Gegenwart hinein Debatten in Psychologie und Philosophie, Kultur- und Sozialwissenschaften provoziert. Nicht selten schlägt sich dabei der allgemeine Sprachgebrauch nieder, in dem zwischen antiker Figur und moderner Begrifflichkeit nicht oder nur wenig differenziert wird. »Narziss« und »Narzissmus« finden sich immer wieder in semantischen Relationen zueinander, die von der Neigung zeugen, mythisches Narrativ und psychoanalytisches Konzept in eins zu setzen oder zumindest als deckungsgleich übereinander zu legen – eine Neigung, die wiederum in die Zeit des Durchbruchs des Begriffs in und durch die Psychoanalyse zurückweist. Schon in den 1930er Jahren waren – wie tonangebend von dem Germanisten Heinz Mitlacher (1908–1945) und dem Romanisten Ludwig Pfandl (1881–1942) – mehrere Studien über die Narziss-Figur im Umlauf, die den antiken Mythos und das moderne Konzept gleichermaßen unter den »Narzißbegriff« (Mitlacher 1933; Pfandl 1935) subsumieren: »Der Narzißmus als seelische Erkrankung ist eine Art der Neurose,« schreibt Pfandl (1935, S. 281); »der Narzißmus als Mythos aber« sei »die älteste und vielleicht schönste Darstellung dieser Neurose in der Form einer die psychischen Vorgänge erzählerisch und symbolisch veranschaulichenden Sage.«

Maßgeblich zurückzuführen ist diese Entwicklung auf Freuds Einarbeitung des Narzissmus-Begriffs in seine Libidotheorie und hieran anschließende Erörterungen. Ihre Öffentlichkeitswirksamkeit trug dazu bei, dass die antike Narziss-Figur im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend in der sexualwissenschaftlich-psychoanalytischen Filterung der frühen 1900er Jahre wahrgenommen wurde und noch heute in der Breite der Gesellschaft eher mit Freud als mit Ovid, geschweige denn mit anderen antiken Autoren, die Varianten des Narziss-Mythos überliefern, assoziiert wird.

Soweit bekannt, gebrauchte Freud den Begriff erstmals während des Treffens der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (bis 1908 Mittwoch-Gesellschaft) am 10. November 1909 – in Reaktion auf den Abendvortrag des Wiener Psychoanalytikers Isidor Sadger (1867–1942), mit dem heute die Frühzeit der Homosexualitätsforschung(1) verbunden wird (vgl. May-Tolzmann 1991). Sadger (1908) hatte den Begriff ein Jahr zuvor unter Orientierung an der sexualpathologischen Definition von 1898/99 in die psychoanalytische Diskussion eingebracht und mit Fragen zur Homosexualität verbunden, indem er zwei Fälle analysierte, die seiner Deutung nach einander darin glichen, dass der Patient bzw. die Patientin über Bewunderung(1), Liebkosen und Küssen des eigenen Körpers jeweils eine sexuell stimulierende Beziehung zur Mutter unterhielten. An diesem Abend verwendete er den Narzissmus-Begriff erneut in einem Fallbericht, der 1910 unter dem Titel Ein Fall von multipler Perversion mit hysterischen Absenzen erschien.

Der Vortragsabend bezeugt exemplarisch, wie eng in jenen Jahren der in der Forschung konzeptionell und empirisch hergestellte Zusammenhang von Autoerotismus, Narzissmus und Homosexualität(1) war (vgl. Sadger 1910). Sadger vertrat in seinem Vortrag die Ansicht, beim Auftreten von Homosexualität spiele »der Autoerotismus in der Form des Narzißmus« eine »große Rolle«; wiesen doch die Sexualideale (männlicher) Homosexueller nicht nur Züge früherer »geliebte[r] Personen«, vor allem der Mutter, sondern auch solche »der eigenen Person« auf (Nunberg & Federn 1977, S. 277). In der anschließenden »Diskussion« (ebd., S. 278–284) nahm Freud diesen Gedanken Sadgers erweiternd auf, indem er ihn aus dem Bereich von Pathologie und Perversion, in den ihn Näcke verwiesen hatte, herauslöste: »Narzißmus« sei keine »vereinzelte Erscheinung«, es handele sich vielmehr um »eine notwendige Entwicklungsstufe des Übergangs vom Autoerotismus zur Objektliebe«: »Die Verliebtheit in die eigene Person (= in die eigenen Genitalien) sei ein notwendiges Entwicklungsstadium. Von da gehe man zu ähnlichen Objekten über« (ebd., S. 282).

1.1.4 Hinter Ovid zurück und über ihn hinaus: Überbietung der Zugriffe durch Freud

Nur wenig später taucht der Begriff mehrfach in Freuds Werken auf (Freud 1910c, 1911c, 1912–13a) sowie bei seinen Schülern. Unter ihnen ist Otto Rank (1884–1939), seinerzeit Protokollant der Mittwoch-Treffen und Sekretär der Gesellschaft. Sein Einbezug der griechischen Hauptquellen des Mythos in seine Thesen zum Narzissmus dokumentiert, dass in Freuds Arbeitskreis keineswegs nur Ovids Fassung bekannt war (vgl. Rank 1911, S. 407, 412). Zu besonderer Prominenz fand der Aufsatz Zur Einführung des Narzißmus, in dem Freud (1914c) narzisstische Neurosen als Psychosen von Übertragungsneurosen(1) unterscheidet und den Begriff in der Theoriesprache etabliert. Freud differenziert darin zwischen einem primären und einem sekundären Narzissmus und erklärt psychotische Erkrankungen damit, dass Betroffene in der frühen Kindheit eine Fixierung auf den primären Narzissmus erlitten hätten und später auf diese Phase regredierten.

Von den Vorüberlegungen hierzu ist, da besonders kontrovers diskutiert, vor allem Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci (1910) bekannt geworden, worin ein Gedanke von 1909 aufgenommen ist, der sich in einem späteren Zusatz zu den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (Freud 1905d) findet und die Entstehung von Homosexualität durch Fixierung an die Mutter erklärt. Freud (1910c)