Nefertari - Das Erbe der Toten - Lilah Fox - E-Book

Nefertari - Das Erbe der Toten E-Book

Lilah Fox

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Beschreibung

New York. Die Stadt, die nie schläft. Die Stadt, in der verborgen zwischen den Betonmauern Magie lauert - und etliche andere Schattenwesen, wie Pina feststellen muss. Hin- und hergerissen zwischen ihrer neu erhaltenen Kraft, den Vätern von Sherine, die sie nicht akzeptieren, und einigen neuen Bekannten, muss sie sich mit ihrem neuen Leben arrangieren. Und sich plötzlich entscheiden. "Nefertari - Das Erbe der Toten" ist der 7. Teil einer Fantasy-Serie, deren Folgen monatlich erscheinen. 1 Nixenfluch und Blutcocktails 2 Wolfsherz und Silbertinkturen 3 Krähenkind und Mondlicht 4 Feentraum und Sternentanz 5 Berinshall - Die Schwestern der Nacht 6 Berinshall - Das Lied der Hexe 7 Nefertari - Das Erbe der Toten 8 Nefertari - Der letzte Tanz

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Seitenzahl: 128

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Lilah Fox

Nefertari - Das Erbe der Toten

Elaria80331 München

Was bisher geschah ...

Hey,

 

beim letzten Mal habe ich eine Dämonin bekämpft, einen Fluch aufgehalst bekommen, durch den ich nun ziemlich unkontrollierbare Kräfte in mir trage (die mich möglicherweise auch verändern) und habe mich endgültig verliebt.

Yep.

Ich bin jetzt vergeben.

Und nach New York gezogen. (Um hier bei Sherine zu sein und jemanden zu treffen, der mir helfen kann, mit meiner Magie umzugehen.)

Hätte das vor so vielen Monaten irgendjemand geglaubt?

Nein, oder?

 

LG

XOXO :)

 

1

Das Licht der Straßenlaternen flackerte und fiel durch die Seidengardinen ins Innere des blau gestrichenen Zimmers. Es roch nach Zimt und Puder und die Tür stand halb angelehnt. Ich hatte mich unter der Bettdecke vergraben und hörte von draußen die Stimmen von Sherine und ihren beiden Adoptivvätern, die miteinander diskutierten.

Unsere Ankunft in New York war relativ unspektakulär verlaufen. Ein ruhiger Flug, viel Tomatensaft und ungeheuer gemütliche Sitze in der ersten Klasse.

Die Stadt jedoch überforderte mich.

Es war überhaupt nicht zu vergleichen mit unserem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz. Während es dort bei Nacht nur ein paar Tiere gab, die draußen herumstreunten, war es tatsächlich so, dass hier niemand zu schlafen schien. Lichter, Geräusche, Getümmel. Die Straßen waren voller Leben und skurriler Gestalten, von denen offenbar auch eine Unmenge zu unsereins gehörte, auch wenn die normalen menschlichen Touristen das wohl nicht ahnten.

Aber Magie war so etwas wie selbstverständlich in New York.

Doch die beiden Hyatt-Väter wirkten nicht gerade erfreut über meine Ankunft.

Und daher hatte ich mich schnell ins Zimmer von Sherine verzogen, während sie noch im Wohnzimmer war und ihren Vätern erzählte, was alles in Berinshall geschehen war.

Mein Herz flatterte.

Ich rollte mich unter der Bettdecke zusammen und versuchte, die Augen zu schließen. Aber ich war wach wie eh und je. Jetlag. Ich wollte am liebsten wieder aufstehen und einen Marathon laufen. Egal. Irgendetwas tun. Statt hier in diesem viel zu weichen Bett zu liegen und von dem flackernden Straßenlicht wach gehalten zu werden.

»Du kannst doch nicht ...«

»Ihr habt mir nichts mehr zu befehlen, ich bin ...«

»Was hat Amunet ...«

»Deine Schwester hätte ...«

Ich hörte nur Satzfetzen und hätte zur Tür gehen müssen, um mitzukriegen, worüber sie sich so ärgerten. Ich hatte ihnen doch überhaupt nichts getan? Meine Eltern hatten Sherine hingegen so aufgenommen, als wäre sie ihre neueste Tochter. Sie hatten ihr Geschenke gemacht, sie mit Vanille-Quark-Schnecken gefüttert und ihr immer wieder Komplimente gemacht.

Die Hyatts waren bei meinem Anblick zu Eis erstarrt. Metaphorisch jedenfalls. (Das muss ich schließlich erwähnen, denn es hätte ja auch tatsächlich sein können. In unserem zauberhaften Gefilde wäre das nicht unüblich.) Sie hatten mich mit keinem Wort begrüßt, mich ignoriert oder mit seltsamen Seitenblicken abgestraft.

Sherine hatte sich im Nachhinein sogar dafür entschuldigt. »Sie sind etwas schräg drauf. Normalerweise verbarrikadieren sie sich hier in ihrer Penthouse-Wohnung und treffen nur Angestellte. Kann sein, dass sie es verlernt haben, freundlich auf Fremde zu reagieren.«

»Das hättest du uns vorher ...«

»Aber ich will -«

»Was zum Teufel soll denn ...«

Ich seufzte und setzte mich auf dem Bett auf. Sherines Zimmer war riesig. Es war in etwa dreimal so groß wie mein Zimmer zu Hause und hatte auch noch ein beinahe genauso riesiges Badezimmer nur für sie. Die Wände waren stuckverziert. Das Bett cremefarben und so weich, dass man unter der Matratze wohl auch eine Erbse spüren könnte. Daneben grenzte ein Ankleidezimmer an mit Mänteln in allerlei Farben, Ballkleidern, Markentaschen und außergewöhnlichem Schmuck und Edelsteinen hinter Vitrinen.

Ich war zwar durch die Ravensteins an luxuriöse Orte gewöhnt, aber die Burg der Dämonen kam mir im Vergleich hierzu eher altmodisch und bieder vor. Mit Gwen hatte ich es noch nicht geschafft, zu telefonieren, da sie eine besondere Veranstaltung besuchen musste (ich kam nicht mehr hinterher, worum es diesmal ging - eine Spendengala für Elfen, deren Naturdomizil von den Menschen zerstört worden war und die nun eine neue Heimat brauchten?).

Ich schlich leise zur Tür und lauschte kurz.

Der eine Hyatt-Vater (vermutlich der, mit dem graumelierten Haar und dem altmodischen gezwirbelten Schnurrbart) knurrte gerade: »Hörst du denn nie die Nachrichten? Die Morgaines bringen nur Ärger mit sich. Erst die Geschichte um die geltungssüchtige Sirene, die ihre Bilder in die sozialen Medien gestellt hat - wo alle Menschen sie gesehen haben - und dann der Mord an Alex Ravenstein durch ihren Bruder!«

»Haben wir dir nicht beigebracht, vorsichtiger zu sein? Sherine? Sag mir nicht, dass du ihr erzählt hast, dass ...« (Das war der andere Hyatt-Vater, etwas molliger und in einem Seiden-Nachtmantel bekleidet gewesen, als wir durch die Tür kamen. Er sah ein bisschen aus wie ein Tibet Terrier, dessen Augen durch die langen braun gefärbten Haare verdeckt wurden.)

»Doch. Sie weiß alles über Großmutter.«

Ein lautes Stöhnen ertönte.

»Reicht es denn nicht, dass du Lydia Black jede Einzelheit über dich anvertraut hast? Und sieh an, was mit ihr geschehen ist ...«

»Ja, sie ist tot.«

»Genau!«

»Pina hat sie umgebracht.«

»WAS?«

»Habe ich euch das noch nicht erzählt? Lydia war nicht tot. Oder eigentlich schon. Ach, es ist kompliziert.«

»Wie bitte?«

Ich seufzte und zog die Tür wieder behutsam zu. Eine Diele unter meinen Füßen knarrte, doch es war so laut im Wohnzimmer, dass die Hyatts es zum Glück nicht mitbekamen.

Was mache ich hier?

Ich gehöre nicht hierher!

2

Ich lief auf Zehenspitzen ins Badezimmer und setzte mich dort auf die kalten Fliesen, weil ich es in dem flackernden Zimmer nicht länger aushielt. Auch im Badezimmer duftete es wundervoll - nach Rosenblättern und teurer Parfümseife. An den weißen Marmorfliesen hing ein langer Spiegel, der die gesamte Wand einnahm.

Wie blass und fertig ich darin aussah ... Als hätte ich schon seit Wochen nicht mehr richtig geschlafen. Was vermutlich auch stimmte.

Seit die beiden Schwestern den Fluch ausgesprochen hatten, der mich stärker machen sollte, ging es mir miserabel. Ich konnte kaum noch schlafen. Sah immer wieder vor mir, wie ein schwarzes verkohltes Herz in meinen Händen zu Asche zerfiel.

Lydia Black.

Ich atmete tief durch und presste mir die Finger auf die Schläfen.

Vielleicht war ich wirklich nicht so viel anders als Ben. Auch ich hatte Blut an den Händen.

Plötzlich fiel mir etwas auf. Es war beinahe versteckt in einem der Badezimmerschränke, aber die Schranktür stand halb offen, sodass ich die Verpackung sehen konnte. Die Farbpackung schien mich zu rufen.

Würde ich mich wieder wie früher fühlen? Einfacher, leichter?

Ich stand hastig auf und stürzte zum Schrank, holte die Schachtel hervor und begann so routiniert wie immer, mir die Haare zu kämmen, sie zu scheiteln und dann mit der ...

welche Farbe war das überhaupt?

Lila?

Sehr gut.

Schon der Geruch der Farbe beruhigte mich. Wenn ich die Augen schloss, könnte ich so tun, als wäre ich nie nach Berinshall gegangen. Als wäre ich immer noch in meinem kleinen Badezimmer in Rheinland-Pfalz, das ich mir mit meinem Bruder teilen musste und ...

»Was machst du hier?«

Ich zuckte zusammen, als ich Sherines Stimme hörte. Dann öffnete ich die Augen wieder und sah mich schuldbewusst um.

Sie stand in der Tür und hatte die Arme verschränkt, schmunzelte jedoch über meinen Anblick. Ich trug einen Pyjama und war barfuß und violette Farbe tropfte von meinen Plastikhandschuhen auf die hellen weißen Fliesen.

»Ich konnte nicht schlafen«, sagte ich und zuckte mit den Schultern.

»Ja ... kein Wunder bei dem Lärm, den Liam und Ephraim veranstaltet haben.« Sie seufzte und schüttelte den Kopf. »Sie waren immer wundervoll zu Amunet und mir, aber sobald etwas außer Plan läuft, geraten sie in Panik.«

»Außer Plan - damit meinst du mich, oder?«, fragte ich leise.

So hatte ich mir meine Ankunft in New York nicht vorgestellt. Dass ihre Väter mich dermaßen verachten würden. Nur weil ich zu den Morgaines gehörte, die im Übrigen vor Gwens Instagram-Bild von Alex Ravenstein überhaupt nicht in aller Munde gewesen wären. Wir waren nur eine einfache Hexenfamilie aus dem Dorf - mehr nicht. Aber nun ... kannte jeder unseren Familiennamen. Und was meine Geschwister alles verbrochen hatten ...

Sherine winkte ab und spazierte zur Badewanne (die übrigens auch noch ein Whirlpool war!), setzte sich an den Rand und streckte die Beine von sich. Sie trug ein kurzes schwarzes Kleid, das ihre Kurven betonte - und sah wunderschön aus. »Sie werden sich schon wieder fangen. Liam und Ephraim sind halt ... na ja ... ein wenig exzentrisch. Du wirst schon sehen. In ein paar Tagen werden sie dich lieben. Du musst dich nur mit ihren beiden Englischen Bulldoggen verstehen und schon wird alles besser. Biscuit und Peanut heißen sie.«

Ich schmierte mir die Farbe weiter auf's Haar und nickte.

»Weißt du schon, wann Amunet auch herkommt?«, fragte ich, um mich selbst von dem Thema um ihre Väter abzulenken.

»Die kann mir gestohlen bleiben und meinetwegen von einer Lawine begraben werden«, sagte Sherine und gähnte.

Ich grinste.

Die beiden Schwestern liebten sich zwar, aber sie würden es nie und niemals gegenseitig zugeben. Aber wenn es darauf ankam, waren sie füreinander da.

»Ich liebe Amunet nicht«, reagierte Sherine missmutig auf meinen Gedanken. »Und sie ist nie für mich da. Als wir Kinder waren, hat sie mir ständig Streiche gespielt. Wir wollten Verstecken spielen, ich habe mir einen Schrank im Wohnzimmer ausgesucht, hab eine Weile gewartet. Und dann habe ich gehört, wie jemand den Schlüssel im Schloss umdrehte und mich einsperrte. Amunet hat mich ausgelacht und ist weggelaufen. Als Ephraim mich entdeckt hat, war nirgendwo der Schlüssel aufzutreiben. Daher hat es noch länger gedauert, bis sie mich wieder freilassen konnten. Weißt du, wo der Schlüssel war? Sie hatte versucht, ihn den Klo hinunterzuspülen. Kannst du dir das vorstellen? Wir waren sieben! Amunet ist manipulativ und grausam.« Sie hob warnend den Zeigefinger. »Und denk jetzt nicht, dass es an der Familie liegt! Nur weil wir von Nefertari abstammen, bedeutet das nicht, dass das alles entschuldigt, was Amunet mir angetan hat.«

Henry scheint das ja nicht mehr zu stören, überlegte ich.

»Ja«, antwortete sie. »Aber das liegt nur daran, dass er auch ein Fiesling ist. Zusammen sind sie das ultimative fiese Paar - und das scheinen sie auszukosten, so gut es geht.«

Jetzt übertreibst du aber.

»Tu ich nicht.« Dennoch lächelte sie mich amüsiert an. Es gefiel ihr, über Amunet zu lästern.

Meine Haare waren nun alle in die violette Farbe eingetaucht - mein Herz schlug schneller und schien vor Freude platzen zu wollen. Endlich. Endlich fühlte ich mich wieder wie früher. Wie die alte Pina. Die keine überbordende (oder »übermordende«) Energie in sich trug, die Stürme heraufbeschwören oder Herzen aus Dämonen herausreißen konnte. Die einfach nur immer damit beschäftigt war, sich die Haare zu färben. Oder SMS zu schreiben.

»Ich hätte dich gerne auch vor Berinshall gekannt«, sagte Sherine sanft. »Wie lange musst du das jetzt drauf lassen?«

»Eine halbe Stunde mindestens.«

»Und was machen wir jetzt eine halbe Stunde lang?«

Ich weiß nicht, sag du es mir.

Sie sagte es nicht.

Sie zeigte es mir, indem sie aufstand und mich vorsichtig küsste.

3

Eine dreiviertel Stunde später waren nicht mehr nur meine Haare lila, sondern auch der Fliesenboden, Sherines Gesicht, ihre Hände, meine Hände, mein Pyjama, ihr schwarzes Kleid, der Badewannenrand, die Wände, die Handtücher und der Duschboden, da ich nun endlich die Farbe ausspülte.

»Mach dir keine Sorgen deswegen«, sagte Sherine und lächelte. »Das machen morgen die Zimmermädchen wieder sauber. Die haben schon mehr Dinge hier wieder in Ordnung gebracht. Liam und Ephraim wissen sie nicht genug zu schätzen. Wenn die Zimmermädchen kommen, ignorieren sie sie ständig, als wären sie Luft. Und Amunet hat sie immerzu gequält.«

»Und du?«

Ich wusch die Haarkur aus, die ich für ein paar Minuten einwirken gelassen hatte.

»Hey! Was denkst du denn? Dass ich auch so furchtbar bin wie sie?«

Ich grinste und zuckte mit den Schultern. Dann schlüpfte ich aus der Dusche und zog einen weichen cremefarbenen Bademantel an. Als ich einen Blick auf mein Spiegelbild erhaschte, hüpfte mein Herz.

Lila hatte ich schon immer am liebsten gemocht! Auch wenn es mich ein bisschen blass aussehen ließ ...

»Dir steht alles«, warf Sherine ein und zog mich dann aus dem Badezimmer. »Jetzt lass uns endlich schlafen gehen. Ich bin so erschöpft. Und außerdem haben wir morgen früh einen Termin bei Pépin. Und er mag es überhaupt nicht, wenn jemand zu spät kommt.«

4

Wir kamen nicht zu spät, da uns eine LIMOUSINE vorzeitig abholte. Eine richtige schwarze glänzende Limousine, wie ich sie nur aus Filmen kannte.

»Da - da kann ich doch nicht einsteigen«, stotterte ich und kam mir underdressed vor in meinen zerrissenen Jeans und meiner alten verschlissenen Lederjacke.

Es war so früh, dass rötliches Sonnenlicht sich durch die Hochhäuser New Yorks auf die Straße kämpfte und es noch nicht nach Autoabgasen, sondern nach Regenwetter roch.

»Warum nicht?«, fragte Sherine und zog die Augenbrauen hoch. »Bist du allergisch gegen Extravaganz? Soll ich dir eine Rikscha bestellen?«

»Nein, aber -«

»Jetzt steig ein und stell dich nicht so bescheiden an.« Sie schob mich hinein und setzte sich dann neben mich, begrüßte den Fahrer, der mehrere Meter von uns entfernt saß und den ich kaum sehen konnte von meinem Platz aus.

Er tippte nur seine Fahrermütze an und dann ging es auch schon los.

Obwohl es so früh war, waren trotzdem etliche Passanten unterwegs, die uns kaum eines Blickes würdigten. Ein paar Tauben pickten auf den Bürgersteigen nach Futter. Sherine griff nach meiner Hand, damit ich ihre Gedanken hören konnte.

Ich habe dir etwas verschwiegen, teilte sie mir stumm mit.

Hm?

Pépin will dich alleine sprechen. Ich werde nicht mit hineingehen dürfen.

»Was?!«, entfuhr es mir laut, woraufhin mir der Chauffeur einen irritierten Blick durch den Rückspiegel zuwarf.

Sherine drückte meine Hand etwas zu fest, damit ich wieder schwieg.

Aber ich kenne ihn doch überhaupt nicht und du hast gesagt, dass du ..., fuhr ich in Gedanken fort.

Pépin ist etwas eigen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass er früher mit Liam und Ephraim befreundet war. Aber er ist echt nicht schlimm. Ich habe ihn zwar lange nicht mehr gesehen, doch ich bezweifle, dass er sich verändert hat.

Ich hätte am liebsten die Limousine umgekehrt, denn dieser Typ war mir nicht geheuer. Auch wenn ich ihn noch nicht kannte ... Aber ich würde, wenn es stimmte, mehrere Monate mit ihm verbringen müssen - und was, wenn er mich nicht ausstehen konnte? Wie die Hyatts? Und was machst du währenddessen?

Sherine streichelte mir sanft über den Handrücken. Ich bin in der Nähe. Also, wenn du etwas brauchst, kannst du mich einfach anrufen, okay?

Ich nickte und holte tief Luft.

Wir fuhren noch eine Weile durch die New Yorker Straßen, bis der Fahrer die Limousine vor einem ziemlich heruntergekommenen Gebäude anhielt, das überhaupt nicht mit dem Gebäude, in dem die Hyatts lebten, zu vergleichen war. Es lag in einer hinteren verwinkelten Gasse hinter einer Reihe an überquellenden Mülleimern und die Fenster waren mit Pappe beklebt.

»Auf den ersten Blick sieht das natürlich ein bisschen beängstigend aus«, sagte Sherine vorsichtig.

»Ein bisschen ...«, murmelte ich.

Dann stiegen wir beide nacheinander aus.

Sie umarmte mich, hauchte mir einen Kuss auf die Wange und lächelte. Oder versuchte es zumindest. Was ging ihr durch den Kopf? Am liebsten wollte ich wieder nach ihrer Hand greifen und sie hören. Sie spüren. Mit ihr flüchten. Weg. Davon. Egal wohin.

Vielleicht war es doch keine gute Idee gewesen, nach New York zu kommen.