Neue Betriebswirtschaft -  - E-Book

Neue Betriebswirtschaft E-Book

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Beschreibung

Die Betriebswirtschaft erfindet sich immer wieder neu. Sie entwickelt regelmäßig Theorien und Methoden und verfängt sich nicht in den methodischen Fehlschluss, die Wirtschaftswissenschaften müssten nach naturwissenschaftlichen-mathematischen Gesetzmäßigkeiten in der Wirtschaft suchen. Vor diesem Hintergrund ist die neue Betriebswirtschaft ein Ansatz, die klassische Betriebswirtschaft mit aktuellen Fragestellungen zu verbinden. Dieses Buch stellt deshalb klassische Themen wie Buchhaltung, Kosten-, Erfolgs- und Umsatzrechnung, Finanzierung dar, aber auch explizit Statistik zur Datengewinnung und Datenauswertung. All diese Themen werden stets im Lichte der aktuellen Entwicklungen von Digitalisierung, Internationalisierung und innovativen Geschäftsmodellen behandelt. Die Autoren wenden sich klassischen Funktionen des Betriebes zu, aber auch Themen wie Security, Compliance, Nachhaltigkeit, Online-Marketing, Innovationsmarketing, Strategisches Controlling, Cross-Mergers and Acquisitions, u.a. in Verbindung mit der Unternehmensbewertung, sowie Risk-Management. Das Buch richtet sich an Studierende der Wirtschaftswissenschaften sowie an Unternehmer und Manager, die sich mit betriebswirtschaftlichen Themen in Theorie und Praxis auseinandersetzen.

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Seitenzahl: 1059

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Vorwort oder Zum Adjektiv „neu“ in der Betriebswirtschaft

Seit ca. 5000–7000 Jahren haben Betriebswirte und Kaufleute zwar in der Geschichte nicht in spektakulärer Weise theoretisch-praktisches, instrumentelles Wissen erarbeitet, aber Wissen, das die Betriebswirtschaft permanent bereichert hat.

Die landwirtschaftliche Revolution vor ungefähr 12 000 Jahren lieferte die Voraussetzungen der Entstehung von Dörfern mit ersten Spezialisierungen und Tauschhandel, der immer mehr auch durch fahrende Kaufleute international wurde.

Mythen und Religion lieferten für Stadtstaaten „…eine vollständige Beschreibung der Welt und bieten uns einen detaillierten Vertrag mit vorgegebenen Zielen. Gott existiert. Er befahl uns, uns auf eine bestimmte Weise zu verhalten. Wer Gott gehorcht, wird Aufnahme im Himmel finden. Wer ihm nicht gehorcht, wird in der Hölle schmoren. Allein schon die Klarheit dieser Abmachung erlaubt es einer Gesellschaft, gemeinsame Normen und Werte festzulegen, die das menschliche Verhalten regeln.“ (Harari, Homo Deus, 2017, S. 252) Und wenn man seinem Gott einen Tempel, eine Kirche oder eine Moschee baut, muss diese(r) verwaltet werden und Steuern müssen erhoben werden. Dadurch entstehen die Buchhaltung, die Mathematik, die Statistik, die Schrift und der Handel.

Leider gibt es bis heute keine Geschichte der Betriebswirtschaft dazu, die die Anfänge bis ins 21. Jahrhundert behandelt, und die belegen könnte, dass die Betriebswirtschaft die grundlegende Wissenschaft der Wirtschaftswissenschaften ist. Durch den Handel, den Tausch mit Schafen, Ziegen, Wolle, Silber Gold, Sklaven und später mit Geld sammelt die Betriebswirtschaft immer mehr kaufmännisches Wissen an. Durch unterschiedlichste Währungen und Geldeinheiten werden Tauschgeschäfte durch erste Börsen in Venedig, Amsterdam und Chicago eingerichtet. Seit ca. 200–250 Jahren schreibt sich alle betriebswirtschaftlichen Errungenschaften die Volkswirtschaftstheorie selbst zu. Weiterhin hat sich die Volkswirtschaft selbst als neue Wissenschaft erklärt, indem sie das methodische und mathematische Vorgehen eines Isaac Newtons in der Physik kopierte, und damit einem naturalistischen Fehlschluss unterlag. Die Volkswirtschaft glaubt bis heute, dass betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Phänomene mit naturwissenschaftlichen Theorien zu beschreiben, zu erklären, zu prognostizieren und zu gestalten sind. Selbst aus permanenten Fehlern lernt die Volkswirtschaft nichts, wie zuletzt aus der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/2008, die sie weder erkannt noch prognostiziert hat, noch kann sie bis heute dafür eine Lösung anbieten. Hätte die Volkswirtschaft auf Buchhaltung, Bilanzanalyse und Rating zurückgegriffen und die 10 größten Banken der Welt 2007 analysiert, hätte sie die Finanz- und Bankenkrise 2007 voraussagen können. Erst heute greift man in Bankentest in Europa auf derartige alte und neue Techniken der Betriebswirtschaft zurück. Deshalb findet man auch in der Neue Betriebswirtschaft Statistik und deren Anwendung bei Basel III und Rating. Volkswirtschaftliche Theorieansätze helfen dabei nicht weiter. Schumpeter ist wahrscheinlich der einzige Volkswirt, der in seinen Werken implizit versucht hat, eine volkswirtschaftliche Theorie auf der Grundlage betriebswirtschaftlicher Aktivitäten und Buchungssätze zu entwickeln.

Die Betriebswirtschaft hat nie den Anspruch gehabt, eine generelle, universelle, naturwissenschaftlich geprägte Theorie zu entwickeln. Auch die „neue“ Betriebswirtschaft geht wie vor tausenden von Jahren Probleme pragmatisch theoretisch an, wie z.B. das Strategische Management, die Kosten- und Leistungsrechnung, das Controlling, Corporate Governance und Compliance, Finanzierungstheorien, Organisationstheorien, personalwirtschaftliche Theorien, Online-Marketing, Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle und Innovationen, Statistik, Rating, Nachhaltigkeitsmanagement usw.

Legt man das klassische Werk von G. Wöhe „Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaft“, 2017, als wissenschaftlichen Maßstab für unser Buch zugrunde, so wollen die Verfasser/innen in der „Neuen Betriebswirtschaft“ die Inhalte hervorheben, die im Buch von Wöhe nur rudimentär oder gar nicht thematisiert worden sind.

Wir, die Verfasser/innen, wollen es auch nicht versäumen, Herrn Dr. Jürgen Schechler für die Betreuung unseres Buches und für seine konstruktive Kritik zu danken. Ohne seine Weitsicht und umsichtige Geduld könnte ein derartiges Werk nicht in dieser kurzen Zeit entstehen.

Wir wünschen unseren Studentinnen und Studenten, unseren Kolleginnen und Kollegen, viel Spaß beim Lesen.

Bamberg, Berlin, Hamburg, Nürnberg, St. Gallen

Die Verfasser/innen

Inhaltsübersicht

Vorwort oder Zum Adjektiv „neu“ in der Betriebswirtschaft

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Alexander Brem

1.

Das Neue in der Betriebswirtschaft: Ansätze zur qualitativen Forschung und Konzeption theoriegenerierender Forschungsstrategien

Uwe Christians

2.

Buchhaltung, Bilanzierung und Finanzflussrechnung

Peter P. Eckstein

3.

Neue Betriebswirtschaftslehre und Angewandte Statistik – zwei Seiten einer Medaille

Wolfgang Becker, Björn Baltzer, Patrick Ulrich

4.

Kosten-, Erlös- und Ergebnisrechnung

Rebecca Popp

5.

Rechtlicher Rahmen: Rechtsformwahl und SE

Wilhelm Schmeisser

6.

Von der traditionellen Finanzierungslehre zum wertorientierten Finanzmanagement

Ralf Hafner

7.

Einführung in die Unternehmensbewertung

Rebecca Popp

8.

Unternehmenszusammenschlüsse

Sugirtha Murugaiah, Wilhelm Schmeisser

9.

Zur Anwendung des Ratings / Basel III / Basel IV im Rahmen neuerer Regulierungsvorschriften

Thomas Henschel, Ilka Heinze

10.

Governance, Risk & Compliance

Günter Müller-Stewens, Christoph Lechner

11.

Der Strategic Management Navigator: Ein Bezugsrahmen zur Strukturierung der Strategiearbeit

Kai-Christian Muchow

12.

Strategisches Controlling

Matthias Hartmann, Bastian Halecker, Ralf Waubke

13.

Das neue Modell der Geschäftsmodelle

Rebecca Popp

14.

Standortentscheidungen

Irene E. Rath

15.

Einführung in das Personalmanagement

Wilhelm Schmeisser

16.

Grundlegende Überlegungen zu den Organisationsansätzen

Anna Riedel

17.

Online-Kommunikation

Markus Beckmann, Jens Heidingsfelder

18.

Einführung in das unternehmerische Nachhaltigkeitsmanagement

Matthias Hartmann, Leonhard Gebhardt

19.

Die neue Nachhaltigkeit im Unternehmertum

Über die Autoren

Index

Inhaltsverzeichnis

Vorwort oder Zum Adjektiv „neu“ in der Betriebswirtschaft

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Das Neue in der Betriebswirtschaft: Ansätze zur qualitativen Forschung und Konzeption theoriegenerierender Forschungsstrategien

1.1 Hintergrund

1.2 Wissenschaftsziele in der Betriebswirtschaftslehre

1.3 Angewandte Forschung als Zwischenform

1.4 Spielregeln für anwendungsorientierte, qualitativ-empirische Forschung in der Betriebswirtschaftslehre

1.5 Konzeption einer betriebswirtschaftlich orientierten, qualitativen Forschungsstrategie

1.6 Einschränkungen, Ausblick und weiterer Forschungsbedarf

Literatur

Buchhaltung, Bilanzierung und Finanzflussrechnung

2.1 Funktion und Teilgebiete des Rechnungswesens und der Buchführung

2.2 Inventur, Bilanz und Bilanzaufbau

2.3 Erfolgsunwirksame Geschäftsvorfälle, Veränderung der Bilanz und laufende Kontenbuchhaltung

2.4 Eigenkapitalkonto und dessen Veränderung, Verbuchung erfolgswirksamer Geschäftsvorfälle und Erfolgsrechnung

2.5 Berücksichtigung von Verlusten und Risiken im Jahresabschluss

2.6 Kapital-/Finanzflussrechnung als Ursachenrechnung für Liquiditätsveränderung

Anlage: Bilanzgliederung nach § 266 HGB

Literatur

Neue Betriebswirtschaftslehre und Angewandte Statistik – zwei Seiten einer Medaille

3.1 Vorbemerkungen

3.2 Historische Notizen zur Statistik

3.3 Statistische Grundbegriffe

3.4 Datenerhebung

3.5 Verteilungsanalytische Betrachtungen

3.6 Wahrscheinlichkeitstheoretische Betrachtungen

3.7 Zusammenhangsanalytische Betrachtungen

3.8 Regressionsanalytische Betrachtungen

3.9 Schlussbemerkungen und Literaturhinweise

Kosten-, Erlös- und Ergebnisrechnung

4.1 Zielsetzung und Aufbau des Beitrags

4.2 Die Stellung der Kosten-, Erlös- und Ergebnisrechnung in der Betriebswirtschaftslehre

4.3 Einführender Überblick über die Kosten-, Erlös- und Ergebnisrechnung

4.4 Angebotskalkulation

4.5 Marktorientiertes Kostenmanagement

4.6 Ermittlung und Analyse des Erfolgs

4.7 Planung und Kontrolle der Wirtschaftlichkeit

4.8 Business Cases zur Produkteinführung

4.9 Kalkulation besonderer Kostenträger

4.10 Konkrete Entscheidungssituationen

Literatur zur Kosten-, Erlös- und Ergebnisrechnung

Rechtlicher Rahmen: Rechtsformwahl und SE

5.1 Rechtsformwahl

5.2 SE, Aktiengesellschaft und Börse

Literatur

Von der traditionellen Finanzierungslehre zum wertorientierten Finanzmanagement

6.1 Finanzierungstheorien, deren terminologische Grundlagen, Logik und Ziele

6.2 Wertorientiertes Finanzierungsmanagement

Literatur

Einführung in die Unternehmensbewertung

7.1 Anlässe für Unternehmensbewertungen

7.2 Methoden der Unternehmensbewertung

7.3 Vom Enterprise Value zum Wert des Eigenkapitals

Literatur

Unternehmenszusammenschlüsse

8.1 Begriffsabgrenzung

8.2 Motive

8.3 Phasen von M&A

8.4 Erfolgsfaktoren und Risiken von M&A-Transaktionen

8.5 Erfolgsmessung von Mergers & Acquisitions

8.6 Trends bei Unternehmenszusammenschlüssen

Literatur

Zur Anwendung des Ratings / Basel III / Basel IV im Rahmen neuerer Regulierungsvorschriften

Abstract

9.1 Fundamentale Grundlagen zum Risiko

9.2 Ratings

9.3 Rechtliche Grundlagen

9.4 Risikosteuerung

Literatur

Governance, Risk & Compliance

10.1 Einführung in die Thematik von Governance, Risk & Compliance

10.2 Corporate Governance

10.3 Risikomanagement

10.4 Compliance Management

10.5 Governance, Risk & Compliance Quick -Check

10.6 Übungsaufgaben/Fragen zu Governance, Risk & Compliance

Literaturempfehlungen

Literatur

Der Strategic Management Navigator: Ein Bezugsrahmen zur Strukturierung der Strategiearbeit

11.1 Einleitendes zum Unternehmen/Umwelt-Verhältnis

11.2 Der Aufbau des Strategic Management Navigator

11.3 Strategische Gestaltungsebenen

11.4 Pfade durch den SMN

11.5 Besonderheiten und Grenzen des SMN

11.6 Zusammenfassung

Strategisches Controlling

12.1 Konzeptionelle Grundlagen

12.2 Aufgaben des strategischen Controllings

12.3 Instrumente des strategischen Controllings

Das neue Modell der Geschäftsmodelle

13.1 Eine systematische Perspektive des Geschäftsmodells

13.2 Begrifflichkeit des Geschäftsmodells

13.3 Funktion eines Geschäftsmodells

13.4 Struktur eines Geschäftsmodells

13.5 Prozess eines Geschäftsmodells

13.6 Lenkung eines Geschäftsmodells

Literatur

Standortentscheidungen

14.1 Determinanten der betrieblichen Standortentscheidung

Literatur

Einführung in das Personalmanagement

15.1 Einführung in die Thematik und personalwirtschaftliche Grundlagen

15.2 Theoretische Grundlagen

15.3 Personalwirtschaftliche Kernaufgaben

15.4 Trends im Personalwesen und Arbeit 4.0

15.5 Schlussbemerkung

Literatur

Grundlegende Überlegungen zu den Organisationsansätzen

16.1 Toyotas Just-in-Time: Eine organisatorische Erfolgsgeschichte

16.2 Organistionsziele: Ohne Ziele keine Performance-Messung

16.3 Zur Notwendigkeit von Organisationsansätzen

16.4 Organisationsansätze und Prämissen

16.5 Betriebliche Organisationstheorie als Wissenschaft, Organisationsprobleme zu erkennen, zu analysieren und zu gestalten

16.6 Zur traditionellen deutschen Organisationslehre nach Kosiol

16.7 Organisationsanalyse

16.8 Fragen

Online-Kommunikation

17.1 Einführung

17.2 Suchmaschinenmarketing

17.3 Display Advertising

17.4 Affiliate Marketing

17.5 Email Marketing

17.6 Online-PR und Storytelling

17.7 Social Media Marketing

17.8 Crowdsourcing

17.9 Mobiles Internet

17.10 Corporate Website

17.11 Social Collaboration

Literatur

Einführung in das unternehmerische Nachhaltigkeitsmanagement

18.1 Einleitung und Aufbau dieses Buchabschnitts

18.2 Nachhaltigkeit und Unternehmen: Vor welchen neuen gesellschaftlichen Herausforderungen stehen Unternehmen heute?

18.3 Unternehmen für Nachhaltigkeit

18.4 Stakeholder-Management

18.5 Normen und Standards des Nachhaltigkeitsmanagements

18.6 Nachhaltigkeitsmanagement und die Funktionen des Unternehmens

18.7 Fazit

Literatur

Die neue Nachhaltigkeit im Unternehmertum

19.1 Nachhaltiges Unternehmertum

19.2 Funktion nachhaltigen Unternehmertums

19.3 Struktur nachhaltigen Unternehmertums

19.4 Prozesse nachhaltigen Unternehmertums

19.5 Lenkung nachhaltigen Unternehmertums

Literatur

Über die Autoren

Index

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1-1

Abgrenzung von Beratung gegenüber anwendungsorientierter Forschung und akademischer Forschung

Abb. 1-2

Levels of mutual engagement task content and outcomes

Abb. 1-3

Angewandte Wissenschaft im Theorie- und Praxisbezug

Abb. 1-4

Unterschiede zwischen quantitativen und qualitativen Methoden

Abb. 1-5

Der standardisierte Prozess theoriegenerierender Forschung

Abb. 2-1

Überblick über die Güter- und Finanzströme im Unternehmen

Abb. 2-2

Systeme des Rechnungswesens

Abb. 2-3

Grundbegriffe des Rechnungswesens im Kontext der Leistungserstellung

Abb. 2-4

Stromgrößen des Rechnungswesens

Abb. 2-5

Begriffsabgrenzungen mit Beispielen (I)

Abb. 2-6

Begriffsabgrenzungen mit Beispielen (II)

Abb. 2-7

Von der Inventur zur Bilanz

Abb. 2-8

Bilanz – Mittelherkunft und Mittelverwendung

Abb. 2-9

Grobstruktur einer Bilanz nach HGB

Abb. 2-10

Vier Grundtypen von Geschäftsvorfällen

Abb. 2-11

Organisation der Buchführung

Abb. 2-12

Auflösung der Bilanz in Konten

Abb. 2-13

Aktivische und passivische Bestandskonten – Buchung von Anfangsbeständen, Zugängen, Abgängen und Endbeständen

Abb. 2-14

Umsatzsteuersystem im Inland

Abb. 2-15

Zusammenfassung der (Bestands-)Konten zur Bilanz

Abb. 2-16

Ablauf der Buchungen von der Eröffnungsbilanz zur Schlussbilanz

Abb. 2-17

Veränderung des Eigenkapitals

Abb. 2-18

Veränderung des Eigenkapitalkontos

Abb. 2-19

Geschäftsprozesse in Handel und Industrie (vereinfachte Darstellung) und Wertbewegungen in der Bilanz.

Abb. 2-20

Buchungsprozess zum Schlussbilanzkonten

Abb. 2-21

Abschreibungsarten und Determinanten

Abb. 2-22

Übersicht über die Abschreibungsverfahren

Abb. 2-23

Anlagengitter

Abb. 2-24

Beispiel für Anlagengitter

Abb. 2-25

Herstellungskosten

Abb. 2-26

Vergleich von Gesamtkostenverfahren (GKV) und Umsatzkostenverfahren (UKV) bei Bestandserhöhung

Abb. 2-27

Vergleich von GKV und UKV bei Bestandsminderung

Abb. 2-28

Übersicht über die Bewertungen nach dem Niederstwertprinzip

Abb. 2-29

Interdependenzen zwischen Bilanz, Erfolgsrechnung und Kapitalfluss-/Finanzrechnung.

Abb. 3-1

Gebrauchtwagenmarkt

Abb. 3-2

Verkehrsunfall

Abb. 3-3

Palette von Hühnereiern

Abb. 3-4

Größenklassifikation von Hühnereiern

Abb. 3-5

Datendatei, Basis: 150 Gebrauchtwagen vom Typ Opel Corsa

Abb. 3-6

Datendatei, Basis: 857 Hühnereier

Abb. 3-7

Datendatei, Basis: 1109 befragte Parkhausnutzer

Abb. 3-8

Fragebogenauszug, Basis: Mehrfachnennungen

Abb. 3-9

Kreissegmentdiagramm, Basis: 1104 Befragte

Abb. 3-10

Ordinales Struktogramm

Abb. 3-11

Stabdiagramm

Abb. 3-12

Stabdiagramm

Abb. 3-13

Stamm-Blatt-Diagramm, Basis: 857 Hühnereiergewichte

Abb. 3-14

Normiertes Histogramm mit Normalverteilung

Abb. 3-15

Boxplot, Basis: 857 Hühnereiergewichte

Abb. 3-16

Verteilungsfunktion, originäre Werte

Abb. 3-17

Verteilungsfunktion, standardisierte Werte

Abb. 3-18

Zahl und Wappen

Abb. 3-19

Gaußsche Normalverteilung

Abb. 3-20

Standardnormalverteilung N(0, 1)

Abb. 3-21

Bivariate absolute Häufigkeitsverteilung

Abb. 3-22

Konditionalverteilungen als Struktogramme

Abb. 3-23

Konditionalverteilungen als Struktogramme

Abb. 3-24

Zufriedenheits- und kategoriespezifische Konditionalverteilungen

Abb. 3-25

Streudiagramm

Abb. 3-26

Streudiagramm

Abb. 3-27

Streudiagramm mit linearer Regression

Abb. 3-28

Logarithmische Regression

Abb. 3-29

Linearisierte Regression

Abb. 3-30

Marginale Zeitwertneigungen als Tangenten

Abb. 4-1

Etappen der Entwicklung der Kosten-, Erlös- und Ergebnisrechnung

Abb. 4-2

Kreislauf des wertschöpfungsorientierten Controllings

Abb. 4-3

Teilgebiete der laufenden Kosten-, Erlös- und Ergebnisrechnung

Abb. 4-4

Schematischer Abrechnungsweg in der Voll- und Teilkostenrechnung

Abb. 4-5

Abgrenzung der Kosten von den Aufwendungen

Abb. 4-6

Progessive und retrograde Kalkulation

Abb. 4-7

Berechnungsschema bei Gesamtkostenverfahren und Umsatzkostenverfahren

Abb. 4-8

Stufenweise Fixkostendeckungsrechnung

Abb. 4-9

Grafische Darstellung der Break-Even-Analyse

Abb. 4-10

Phasen des Produktlebenszyklus

Abb. 4-11

Kostenvergleichsrechnung

Abb. 5-1

Umwandlung in eine SE

Abb. 6-1

Wertorientiertes Finanzmanagement im Vergleich zu anderen Finanzierungstheorien

Abb. 6-2

Wertorientiertes Finanzmanagement im Vergleich zu anderen Finanzierungstheorien

Abb. 6-3

Aspekte eines „Wertorientierten Finanzmanagements“

Abb. 7-1

Unternehmensbewertungsanlässe (Beispiele)

Abb. 7-2

Discounted-Cashflow-Bewertung

Abb. 7-3

Bilanz zu Buchwerten

Abb. 7-4

Bilanz zu Buchwerten (saldiert)

Abb. 7-5

Bilanz zu Marktwerten

Abb. 7-6

Bilanz aus finanzwirtschaftlicher Sicht

Abb. 7-7

Enterprise-DCF- und Equity-DCF-Methode

Abb. 7-8

Zwei-Phasen-DCF-Modell (Beispiel mit Detailplanungszeitraum von fünf Jahren)

Abb. 7-9

Football-Field-Format zur Ergebnisdarstellung einer Multiplikatorenanalyse

Abb. 7-10

Vom Enterprise Value zum Wert des Eigenkapitals

Abb. 8-1

Der Begriff „Unternehmenszusammenschlüsse“

Abb. 8-2

Autonomie und Führungsanspruch

Abb. 9-1

Übersicht von Risiken.

Abb. 9-2

Gleichgewichtsbedingungen im Risikotragfähigkeitskalkül

Abb. 9-3

Kreislauf des Risikomanagementprozesses

Abb. 9-4

Überblick der Risikosteuerung

Abb. 9-5

Ratingnotationen der drei größten Ratingagenturen

Abb. 9-6

Insolvenzprognose

Abb. 9-7

Traditionelle Bonitätsanalyse

Abb. 9-8

Univariate Diskriminanzanalyse

Abb. 9-9

Multivariate Diskriminanzanalyse mit Trennlinien

Abb. 9-10

Kennzahlenbasierte Diskriminanzanalyse

Abb. 9-11

Grundlegender Aufbau eines neuronalen Netzes

Abb. 9-12

Zusammenhänge des Netzes BP-14

Abb. 9-13

Aufbau des BVR-II-Ratings

Abb. 9-14

Beispiel für Risikogewichte im Standardansatz

Abb. 9-15

Vergleich KSA und IRB-Ansatz

Abb. 9-16

Aufteilung der Risikoanrechnungsfaktoren gemäß Basel I

Abb. 9-17

Die drei Säulen von Basel II

Abb. 9-18

Systematik des Eigenmittels nach Basel III

Abb. 9-19

Entwicklung der Kapitalanforderungen

Abb. 9-20

Veränderte Kapitalanforderungen von Basel II und Basel III

Abb. 9-21

Beispielrechnung Liquidity Coverage Ratio

Abb. 9-22

Beispielrechnung Net Stable Funding Ratio

Abb. 9-23

Erwartete und unerwartete Verluste

Abb. 9-24

Grundgleichung der Kalkulation vom erwarteten Verlust

Abb. 9-25

Wahrscheinlichkeitsverteilung von Kreditverlusten

Abb. 9-26

Kumulierte Mortalitätsraten 1971-1944

Abb. 9-27

Ein-Jahres-Migrationsmatrix

Abb. 9-28

Entwicklung der bedingten (In-)Solvenzwahrscheinlichkeit für die Ratingklasse BBB

Abb. 9-29

Laufzeitspezifische bedingte Ausfallwahrscheinlichkeit ohne Berücksichtigung der Migrationen.

Abb. 9-30

Systematisierung von Kreditportfoliomodellen

Abb. 9-31

(

Forward-)Zerobondrenditen und Kreditbarwerte

Abb. 9-32

Recovery Rates.

Abb. 9-33

Wahrscheinlichkeitsverteilung der Marktwerte

Abb. 9-34

Kreditrisikomodelle im Überblick

Abb. 10-1

House of Governance

Abb. 10-2

Systematik des Risikobegriffs

Abb. 10-3

Aufgabenzuordnung in den Risikofeldern

Abb. 10-4

Regelkreislauf des Risikomanagement-Prozesses

Abb. 10-5

Zielsystem der Top-Serv-GmbH

Abb. 10-6

Kernkomponenten der ISO 31000

Abb. 10-7

ISO 31000: Risikomanagement-Prozess

Abb. 10-8

Ziele effektiver Compliance

Abb. 10-9

Die Compliance Pyramide

Abb. 10-10

Komponenten des ISO 19600

Abb. 11-1

Der Strategic Management Navigator

Abb. 11-2

Die Positionierung eines Unternehmens in seiner Umwelt

Abb. 11-3

Der Ablaufprozess der Positionierungsarbeit

Abb. 11-4

Schematische Darstellung des Einflusses der Digitalisierung auf die Wertkette einer Versicherung

Abb. 11-5

Pfade durch den SMN

Abb. 12-1

Die systemorientierte Konzeption des Managementprozesses

Abb. 12-2

Aufgabenbereiche der Unternehmensführung mit ihren Steuerungsgrößen

Abb. 12-3

Strategische Kontrolle

Abb. 12-4

Das formale Verfahren der Geschäftsstrategieplanung

Abb. 12-5

Prinzipdarstellung einer Strategy Map

Abb. 12-6

Ursache-Wirkungs-Ketten in einer Strategy Map

Abb. 12-7

Grundstruktur einer Balanced Scorecard

Abb. 12-8

Messung der Zielerreichung in einer fünfdimensionalen Balanced Scorecard

Abb. 12-9

Konzeption eines wertorientierten Controllingsystems

Abb. 12-10

Der PDCA-Zyklus zur kontinuierlichen Verbesserung

Abb. 12-11

Die X-Matrix zur Dokumentation des Hoshin-Kanri-Prozesses

Abb. 12-12

House of Quality des QFD

Abb. 12-13

Der Value Proposition Canvas am Beispiel Twitter

Abb. 12-14

Der Business Model Canvas

Abb. 12-15

Die drei Ebenen der Geschäftsmodellentwicklung

Abb. 12-16

Design und Test von Geschäftsmodellen

Abb. 13-1

Dimensionen eines Geschäftes

Abb. 13-2

Ausprägungsformen von Modellen

Abb. 13-3

Einordnung von Geschäftsmodellen anhand von Ausprägungen

Abb. 13-4

Die drei Kategorien der Funktionsbereiche von Geschäftsmodellen

Abb. 13-5

Das Business Model Canvas

Abb. 13-6

Prozess eines Geschäftsmodells

Abb. 15-1

BSC-Ansatz zur Rechenbarkeit.

Abb. 15-2

Vorteile interner und externer Personalbeschaffung

Abb. 15-3

Mulitmodales Interview

Abb. 15-4

Häufige Beurteilungskriterien

Abb. 15-5

Bedürfnispyramide von Abraham Maslow

Abb. 15-6

Herzberg Zwei-Faktoren-Modell

Abb. 15-7

Überblick über Personalfreisetzungsnahmen

Abb. 15-8

Theorie X und Theorie Y

Abb. 15-9

Varianten des Führungsverhalten

Abb. 15-10

Trends und Entwicklung in der Arbeitswelt

Abb. 16-1

Zusammenhang Rechnungswesen, Organisatuinsstellen und Kostenträgerrechnung

Abb. 16-2

Multikontextuale Organisationsansätze

Abb. 16-3

Erkenntnisgewinnungsprozess einer Theorie bzw. eines Organisationsansatzes

Abb. 16-4

Aufbau- und Ablauforganisation

Abb. 16-5

In modifizierter Anlehnung an die traditionelle Organisationslehre nach Kosiol

Abb. 16-6

Methodisches Vorgehen bei der traditionellen Organisation

Abb. 16-7

Organisationsanalyse zum Problem der Delegation von Aufgabe, Verantwortung und Kompetenz mit der potenziellen Erfassung von Konflikten in der Aufbau- und Ablauforganisation, die die Zusammenarbeit der Stellen gefährdet

Abb. 16-8

Zum problematischen Zusammenhang zwischen Aufgabe, Verantwortung und Kompetenz in der Stellenanalyse und der Stellenabstimmung im Rahmen der Organisationsanalyse

Abb. 16-9

Methodisches Vorgehen der Organisationsanalyse

Abb. 17-1

Inhalte - Online-Kommunikation

Abb. 18-1

Aufbau des Kapitels zu Nachhaltigkeitsmanagement.

Abb. 18-2

Schematische Darstellung der Wechselwirkungen zwischen Unternehmen und ihrem gesellschaftlichen und ökologischen Umfeld. Durch Nachhaltigkeit ergeben sich dabei Änderungen im Umfeld des Unternehmens.

Abb. 18-3

Vergleichende Darstellung von Wert- und Schadschöpfung

Abb. 18-4

Zwei unterschiedliche Perspektiven auf das Verhältnis von Wertschöpfung und Vermeidung von Schadschöpfung.

Abb. 18-5

Vereinfachte Darstellung einer produktbezogenen Wertschöpfungskette.

Abb. 18-6

Erweiterter Betrachtungsrahmen der unternehmerischen Wert- und Schadschöpfung.

Abb. 18-7

Macht-Interesse-Matrix.

Abb. 18-8

Zusammenhang zwischen Normen & Standards, den Funktionen des Unternehmens und operativen Instrumenten.

Abb. 19-1

Wechselwirkungen zwischen Sach- und Wertebene

Abb. 19-2

Leistungsfähigkeit von Technologien, dargestellt mit zwei S-Kurven

Abb. 19-3

Fahrzeuge der deutschen Post (Streetscooter) mit Elektro-Antrieb

Abb. 19-4

Differenzieren des Kundennutzen nach Potenzial.

Abb. 19-5

Ein Basis-Modell für den unternehmerischen Prozess

Abb. 19-6

Kreislauf ökologischer Nachhaltigkeit

Abb. 19-7

Management-Cockpit für die ökonomische Nachhaltigkeit eines E-Commerce-Unternehmens.

Abb. 19-8

Stakeholderanalyse nach Dreuw et al.

Tabellenverzeichnis

1 Das Neue in der Betriebswirtschaft: Ansätze zur qualitativen Forschung und Konzeption theoriegenerierender Forschungsstrategien

Alexander Brem

1.1 Hintergrund

Befasst man sich im Rahmen der Wirtschaftswissenschaften mit empirischerabb Forschung, wird nach wie vor vorwiegend auf quantitative Verfahren zurückgegriffen. Einzig in Form der amerikanischen „Case Study“ scheinen sich nun auch langsam qualitative Verfahren zu etablieren – wobei in den Bereichen der Marketing-, Management- und Organisationsforschung bereits eigenständige, wenn auch nicht dominante, qualitative Forschungsansätze Eingang gefunden haben. Jedoch ist in diesem Zusammenhang ein starker Mangel an wissenschaftlicher Fundierung und Validierung des Vorgehens zu bemängeln. Dies äußert sich insbesondere in einer großen Bandbreite verschiedenster Verwendung von Begrifflichkeiten, Methoden und Interpretationen.

Qualitative Forschung in der Betriebswirtschaftslehre – ein nach wie vor oft vernachlässigtes Thema. Denn schwerpunktmäßig werden qualitative Verfahren vorwiegend in soziologischen Bereichen angewandt, obwohl in vielen Lehrbüchern zur empirischen Forschung die Zusammengehörigkeit von quantitativen und qualitativen Verfahren – auch in der Betriebswirtschaftslehre – beschworen wird. Vor diesem Hintergrund stellt vorliegender Beitrag die historische Entwicklung der Wissenschaftsziele in der Betriebswirtschaft dar, um über die Mischform der angewandten Forschung auf die Rahmenbedingungen für anwendungsorientierte, qualitativ-empirische Forschung in der Betriebswirtschaftslehre zu sprechen zu kommen. Nach der Definition elementarer Begrifflichkeiten wie Bezugsrahmen, Modell und Theorie und der Abgrenzung quantitativer zu qualitativer Forschung schließt der Beitrag mit dem Vorschlag einer theoriegenerierenden Forschungsstrategie für qualitative Untersuchungen im betriebswirtschaftlichen Kontext.

Mit dem vorliegenden Kapitel soll ein erster Schritt in Richtung gemeinsamer, konzeptionellmethodischer Basis geschaffen werden. Dies soll nicht implizieren, dass die hier eingeführten Begrifflichkeiten und Strategieansätze als allgemeingültig oder alleinig richtig anzusehen sind – im Gegenteil: Hierdurch soll eine wissenschaftlich-konstruktive Diskussion angeregt werden, um nicht nur das Ansehen und die Relevanz qualitativer Forschung an sich zu steigern, sondern diese insbesondere für Studierende und Wissenschaftler leichter einsetzbar zu machen.

1.2 Wissenschaftsziele in der Betriebswirtschaftslehre

1.2.1 Verhaltenswissenschaftlich vs. theoretisch-ökonomisch

In der wissenschaftlichen Diskussion sind im deutschsprachigen Bereich generell zwei unterschiedliche Wissenschaftsauffassungen vorzufinden: Auf der einen Seite die anwendungsorientierte-verhaltenswissenschaftliche Wissenschaft, die Probleme und Themen der Praxis aufgreift und versucht, für diese Entscheidungshilfen zu konzipieren. Auf der anderen Seite ist die theoretisch-ökonomische Forschung zu sehen, die ohne direkten Anwendungsbezug auskommt. (Böttger 1993, S. 34)

„Die Betriebswirtschaftslehre ist überall dort erfolgreich gewesen, wo sie dem Praktiker handfeste Instrumente zur Lösung seiner Probleme in die Hand gab. Es hieße, eine Chance zu vertun, wenn der Wissenschaftsprozeß abgebrochen wird, bevor die Forschungsaussage bis zu ihrer nutzenstiftenden Instrumentalisierung vorangetrieben ist.“ (Witte 1981, S. 38) Unter einer konstruktiven Betriebswirtschaftslehre versteht Steinmann in diesem Kontext eine Wissenschaft, die „praktisch ausgerichtet ist insofern, als sie ihr Tun als unmittelbare Weiterführung praktischen betriebswirtschaftlichen Handelns begreift und durch methodische Bemühungen zu einer vernünftigeren Gestaltung dieses Handelns beitragen will.“ (Steinmann 1978, S. 98) Neben der normativen beeinflusst demnach insbesondere die technische Problematik den Beitrag der Betriebswirtschaftslehre zur Bewältigung praktischer Probleme. Demnach soll die Betriebswirtschaftslehre insbesondere der Beratung von Menschen dienen, die nicht wissen, mit welchen Mitteln sie welche ökonomischen Ziele erreichen können. (Steinmann & Böhm et al. 1976, S. 51) Auf den Punkt bringt es Kappler: „Soweit Wissenschaftler praktische Vorschläge machen, machen sie sie als Praktiker. Als Wissenschaftler sind sie eher Hebamme, die nicht zeugt, aber durch Praxisnachvollzug Neuem mit ans Tageslicht hilft.“ (Kappler 1994, S. 53)

Albert sieht im Gegensatz dazu die Betriebswirtschaftslehre als eine Wissenschaft, die eine Theoriegenerierung zum Gegenstand hat: „Die Leistung dieser (empirischen) Wissenschaft besteht ja darin, immer tiefer in die Beschaffenheit der Realität einzudringen durch Versuche der Erklärung auf theoretischer Grundlage, das heißt: durch die Erfindung, Entwicklung, Anwendung und Beurteilung erklärungskräftiger und damit gehaltvoller Theorien. Je größer deren Erklärungskraft, desto vielseitiger werden im Allgemeinen die Möglichkeiten ihrer technologischen Verwertung und damit auch ihrer politischen Anwendung sein.“ (Albert 1972, S. 22) In einem solchen Umfeld stellt Albert weiterhin fest: „Die Art von Aussagen, auf die wir hinzielen, beansprucht nicht, nomologische Erklärungen darzustellen. Solche Erklärungen scheinen uns bei der gestellten Thematik nicht erreichbar; darum suchen wir nicht nach ihnen. Die Art von Erklärungen, die wir für erreichbar halten, sind ‚rationale Rekonstruktionen‘, d.h. Angabe von Gründen für die Existenz – auch für Entstehung und Wandel – bestimmter dauerhaft beobachtbarer insitutioneller Phänomene.“

1.3 Angewandte Forschung als Zwischenform

Als eine Zwischenform der genannten Bereiche kann wohl der Begriff der angewandten Forschung gesehen werden. Der reine Wissenschaftler hat demzufolge „Rätsel“ zum Ausgangspunkt, die aus erklärungsbedürftigen Phänomenen oder Diskrepanzen zwischen Theorie und Beobachtung entstammen. Der angewandte Forscher hingegen geht von Problemen praktisch handelnder Menschen aus, zu deren Lösung noch kein befriedigendes Wissen zur Verfügung steht. (Ulrich 1981, S. 5)

Unter empirischen Forschungsmethoden werden solche Methoden subsumiert, die zur Informationsgewinnung über die Realität eingesetzt werden können. (Stier 1999, S. 4f)

In diesem Kontext ist es wichtig, die anwendungsorientierte Forschung von dem Bereich der Beratung von Unternehmen abzugrenzen (vgl. Abbildung 1-1).

Demnach strebt wissenschaftliche Forschung nach allgemeingültigen Aussagen, die über Einzelfälle hinausgehen. Dem Neuen in der Welt soll somit ein Gesicht gegeben werden, das über eine subjektive Wahrnehmung hinausgeht. Der Forscher muss eine auf Forschungshypothesen basierende systematische Analyse erbringen, die dann die Grundlage für die Formulierung von Aussagen bildet. Im Gegensatz zur Beratung müssen die daraus gewonnenen Erkenntnisse vom Einzelfall abstrahiert werden, um die bei der akademischen Forschung notwendige Distanz zum Erkenntnisobjekt zu wahren und allgemeingültige Aussagen treffen zu können. Dazu gehört auch eine systematische und konsistente Datenerhebung, um die wissenschaftliche Stringenz und praktische Relevanz der Erkenntnisse sicherzustellen (vgl. hierzu auch Abbildung 1-2). (Wilkesmann & Latniak 2005, S. 25ff); (Kilper & Latniak et al. 2000, S. 309f)

Abbildung 1-1: Abgrenzung von Beratung gegenüber anwendungsorientierter Forschung und akademischer Forschung. Quelle: Wilkesmann/Latniak 2005, S. 28

Abbildung 1-2: Levels of mutual engagement task content and outcomes. Quelle: Emery/Emery et al. 1977, S. 201

Im Weiteren soll geklärt werden, welche Bestandteile anwendungsorientierte Forschung kennzeichnen. Ulrich nennt in diesem Kontext fünf Merkmale angewandter Forschung: (Ulrich 1982, S. 3f)

Die Problemstellungen stammen aus der Praxis,

Gegenstand ist hier nicht die Gültigkeit von Theorien, sondern die Anwendbarkeit von Modellen in der Praxis,

die betrachteten Probleme sind ihrem Wesen nach interdisziplinär,

angewandte Forschung hat den Entwurf einer „neuen Wirklichkeit“ zum Ziel und

nicht die Wahrheit der wissenschaftlichen Aussagen ist die Norm, sondern der Nutzen der zu schaffenden Entwürfe für die Praxis. Diese müssen sich an Kriterien wie Leistungsgrad, Zuverlässigkeit und universeller Anwendbarkeit der Problemlösung messen lassen.

Als Ziel steht dabei eine „konzeptionelle Forschung“, die komplexe Phänomene problemorientiert erfasst und „geistig manipuliert“, um begriffliche und methodische Modelle zu entwerfen. (Ulrich 1981, S. 21) Nach Ulrich braucht die angewandte Wissenschaft somit „nicht nur Erklärungsmodelle im Sinne des Rationalismus, sondern auch Erkenntnisse, die man als Verstehensmodelle bezeichnen könnte.“ (Ulrich 1984, S. 193)

Auf den Punkt bringt es Kubicek, der die betriebswirtschaftliche Forschung als einen zweckbezogenen Prozess zur Erkenntnisgewinnung auffasst, indem Lösungen für praktische Organisationsprobleme durch praxeologische Aussagen vermittelt werden: „Ihren wissenschaftlichen Charakter erhalten Aussagen zur Problemlösung dadurch, dass sie sich nicht nur auf ein einziges Problem beschränken, sondern nach Zusammenhängen suchen, die über einzelne Ereignisse in der Realität hinausgehen und mittels Abstraktion und Verallgemeinerung zur Lösung einer größeren Anzahl ähnlicher Probleme verhelfen. Auf diese Weise soll die individuelle Problemlösung in der Praxis ökonomisiert werden, und hierin liegt der praktische Sinn wissenschaftlicher Forschung als „Umweghandlung“ begründet.“ (Kubicek 1975, S. 14)

1.4 Spielregeln für anwendungsorientierte, qualitativ-empirische Forschung in der Betriebswirtschaftslehre

1.4.1 Allgemein

Um qualitative Verfahren zielgerichtet zum Einsatz bringen zu können, müssen zunächst einige „Spielregeln“ definiert und elementare Begriffe wie Bezugsrahmen, Modell und Theorie geklärt werden. Ausgangspunkt hierfür bildet die anwendungsorientierte Forschung, da diese dem aktuellen Status Quo am nähesten kommt.

Merkmal dieses anwendungsorientierten Vorgehens ist es, vorhandene Theorien zu verwenden und Erklärungsmodelle zu konstruieren, welche die Theorien wie auch relevante Realitätsaspekte umfassen. In die Modellkonstruktion gehen somit theoretische Aussagen, Annahmen über Randbedienungen als auch empirische Regelmäßigkeiten einzelner Tatbestände mit ein. (Martin 1989, S. 240f)

Um die Methoden der heuristischen Sozialforschung anwenden und somit die Entwicklung einer Theorie erreichen zu können, müssen vier grundsätzliche Regeln beachtet werden: (Kleining 1995, S. 23ff)

Offenheit der Forschungsperson bzw. des Forschungsobjekts: Der Forscher muss dem Gegenstand, dem Neuen gegenüber „offen“ sein und das Vorverständnis ändern können und wollen, wenn die Daten ihm entgegenstehen.

Offenheit des Forschungsgegenstands: Die Kenntnis vom Gegenstand und dessen Bestimmung sind vorläufig und so lange der Änderung unterworfen, bis der Gegenstand „vollständig“ entdeckt ist.

Maximale, strukturelle Variation der Perspektiven: Der Gegenstand soll von maximal vielen unterschiedlichen Seiten erfasst werden. Dies geschieht durch Variation aller Bedingungen der Forschung, die einen Einfluss auf die Abbildung des Gegenstandes haben oder haben könnten. Die Variation sucht demnach strukturelle, dem Gegenstand eigene Aspekte, die aus den verschiedenen Perspektiven erkennbar sind.

Analyse auf Gemeinsamkeiten: Die verschiedenen Seiten oder Bilder des Gegenstandes werden auf ihren Zusammenhang hin untersucht, oder das Verfahren entdeckt das Gemeinsame in den Verschiedenheiten. Alle Daten müssen im strukturellen Zusammenhang als Teile des Gesamten erkenn- und verstehbar sein.

Zudem wird ein „Triangulieren“ empfohlen, was auf die regelmäßige Variation der Erhebungsmethoden abzielt, dass sich der Forscher einem bestimmten Phänomen auf unterschiedlichen Wegen annähert. (Flick 1987, S. 251) Dies kann erreicht werden durch

eine strukturierte Analyse von Dokumenten und Dokumentationen,

die Durchführung von (explorativen) Experteninterviews,

Beobachtungen,

die Beteiligung an unternehmensinternen und -externen Workshops und Fachtagungen,

und der abschließenden Darstellung von Praxisbeispielen anhand von Fallstudien.

In diesem Zusammenhang gibt Gygi für betriebswirtschaftliche Forschungstätigkeiten folgende methodologische Regeln vor: (Gygi 1982, S. 183ff)

Verwende zur Beschreibung der Phänomene und Fragestellungen der Betriebswirtschaftslehre die Systemperspektive. Suche nach Systemen, Sub- und Supersystemen, Inputs und Outputs, Elementen, Beziehungen, Strukturen, Prozessen, Verhalten, Stabilität Anpassung, Gleichgewicht, Störungen usw.

Beschreibe die Probleme der Praxis als Störungen von Gleichgewichten in Systemen bzw. Subsystemen eines bestimmten Typs, und ihre Lösung als Vornahme von Lenkungseingriffen zwecks Störungsbeseitigung. Nimm dabei die allgemeinen kybernetischen Lenkungsmechanismen als Gerüst für die Beschreibung der Problemsituation zu Hilfe.

Verwende bei der inhaltlichen Interpretation der abstrakten Systemterminologie – sei es zur Beschreibung, zur Erklärung oder zur Gestaltung – empirisches und methodisches Wissen aus verschiedenen Fachbereichen sowie auch aus der Praxis.

Entwickle eine allgemeine Problemlösungsmethode, die den Problemherd als black box betrachtet. Versuche, sein Verhalten durch probeweise Eingriffe in den Griff zu bekommen. Überprüfe zu diesem Zweck die Lösungsversuche durch Beobachtung des bewirkten Verhaltens auf ihre Tauglichkeit und ersetze sie gegebenenfalls durch bessere. Je besser das Übertragungsverhalten des Systems bekannt ist, umso gezielter können die Eingriffe geplant und vollzogen werden. Öffne zu diesem Zweck die black box, bis bestimmte Outputwerte durch Inputmanipulation ohne Umweg herbeigeführt werden können (= Simulation).

Falls es dir an empirischem Wissen (Theorien) über problemrelevante Wirkungszusammenhänge mangelt, so versuche bewährte Theorien aus anderen Fachbereichen, die formal, nicht aber materiell ähnliche oder gleiche Zusammenhänge zum Gegenstand haben, für deine Zwecke zu nutzen:

Ermittle die formale Struktur der fachfremden Theorie

Formuliere eine Isomorphievermutung zwischen den Problemstrukturen der beiden Disziplinen

Interpretiere den formalen Kalkül für den betriebswirtschaftlichen Sachverhalt

Auf diesem Weg aufgefundene Hypothesen bedürfen der empirischen Überprüfung.

1.4.2 Zielgrößen der Forschung: Bezugsrahmen, Modell und Theorie

1.4.2.1 Bezugsrahmen

„Bezugsrahmen erleichtern es dem Praktiker, akzeptable Problemdefinitionen zu formulieren, komplexe Probleme in einfache Teilprobleme zu zerlegen und hierfür Lösungshypothesen zu generieren. Für all diese Schritte gibt es keine Algorithmen, und die Existenz eines begrifflich- theoretischen Bezugsrahmens macht diese Prozesse keineswegs zu einer Routineangelegenheit mit Lösungsgarantie. Bezugsrahmen können aber helfen, äußerst schlecht strukturierte Entscheidungsprobleme der Praxis etwas besser zu strukturieren, ohne sie gleich zu wohl definierten Entscheidungen zu machen.“ (Kirsch 1970, S. 242f) Durch Induktion werden letztendlich auch Hypothesen generiert, die in den Bezugsrahmen eingehen und diesen entsprechend weiterentwickeln. (Hill 1957, S. 171ff); (Schanz 1988, S. 44)

Weitere Merkmale von theoretischen Bezugsrahmen beschreibt Kirsch wie folgt: (Kirsch 1981, S. 198f)

Bezugsrahmen leisten zwar keine direkte Erklärung von Phänomenen, aber sie ermöglichen Erklärungsskizzen, die Zusammenhänge verdeutlichen.

Ein theoretischer Bezugsrahmen ist nicht als Basis für die Abgabe von Prognosen geeignet.

Ein theoretischer Bezugsrahmen kann mit großer Reichweite und Reichhaltigkeit eine heuristische Kraft für die Formulierung und Bewältigung praktischer Probleme besitzen.

Bezugsrahmen können helfen, schlecht strukturierte Entscheidungsprobleme der Praxis zu strukturieren, ohne diese gleich zu wohl strukturierten Entscheidungen zu machen.

Nach Grochla lassen sich Bezugsrahmen in drei Schritten systematisch entwickeln: (Grochla 1969)

Erarbeitung eines begrifflichen Instrumentariums zur Formulierung und empirischen Erfassung der als relevant erachteten Phänomene (terminologische Aussagen)

Anwendung des begrifflichen Instrumentariums zur Beschreibung und Diagnose entsprechender Problemsituationen in der Realität (deskriptive Aussagen

Erklärung von Zusammenhängen zwischen einzelnen Größen des Konzeptes im Hinblick auf Annahmen über Ursache-Wirkungsbeziehungen (empirisch-kognitive Aussagen)

Abbildung 1-3 veranschaulicht abschließend den gesamten Forschungsprozess, der nach Ulrich zur Entwicklung eines Bezugsrahmens herangezogen werden kann.

Abbildung 1-3: Angewandte Wissenschaft im Theorie- und Praxisbezug, Quelle: Ulrich 1984, S. 193

Somit sind Bezugsrahmen eine Vorstufe von Theorien, sie ermöglichen Erklärungsskizzen, die zu einem Verständnis von Zusammenhängen führen. So gesehen kann ein theoretischer Bezugsrahmen eine heuristische Methode für die Formulierung und Bewältigung praktischer Probleme sein. Darüber hinaus kann ein solcher Bezugsrahmen dazu dienen, das Neue in der Welt systematisch mit dem Wissen der Welt im Sinne der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur abzugleichen.

1.4.2.2 Modell

Ein Modell ist hingegen ein symbolisches System, das ein anderes – konkret den theoretischen Bezugsrahmen – in vereinfachender Weise abbildet. Somit stellt ein Modell eine vereinfachte Form des Bezugsrahmens dar. (Kirsch 1984, S. 758-762)

Um Systeme, Strukturen und vorhandene Informationen vom Menschen erfassbar zu machen, sind somit Modelle notwendig. (Zimmermann 1981, S. 281) Dabei sind an die Modellqualität spezifische Anforderungen zu stellen: Logische Richtigkeit bzw. Wahrheit, Aussagefähigkeit (gewünschte und genaue Information), Realitätsentsprechung und Effizienz (entsprechende Aufwand-Nutzen-Relation). (Zimmermann 1981, S. 288f.)

1.4.2.3 Theorie

Der Theoriebegriff ist in der wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion generell umstritten. Unter einer betriebswirtschaftlichen Theorie versteht Koch die Bildung von bedingten Allgemeinsätzen, die ein Wirtschaftsunternehmen betreffen, z.B. Theoreme über optimale Losgrößen. (Koch 1982, S. 149) Schanz sieht in einer Theorie beispielsweise ein System nomologischer Hypothesen. (Schanz 1988, S. 24) Für das Begriffsverständnis dieser Arbeit soll folgende Definition Ausgangspunkt sein: „A theory is a set of systematically related propositions specifying causal relationships among variables.“ (Black & Champion 1976, S. 56) Eine Theorie hat somit zwei Zielrichtungen. Zum einen die Darstellung von komplexen Sachverhalten zur direkten Anwendung in der betriebswirtschaftlichen Praxis, zum anderen eine Bildungsfunktion. Diese soll dem Praktiker durch das Studium der Theorie systematisch zur gedanklichen Erfassung von Zusammenhängen zwischen den Unternehmensvariablen anleiten und anregen. (Koch 1975, S. 223f)

Zusammenfassend sind nach Rost folgende Gütekriterien an Theorien anzulegen: Empirischer Bestätigungsgrad, Innere Konsistenz, Einfachheit, Geltungsbereich, Relevanz und Brauchbarkeit. (Rost 2005, S. 3)

1.5 Konzeption einer betriebswirtschaftlich orientierten, qualitativen Forschungsstrategie

1.5.1 Qualitative vs. quantitative Forschung

„Die Erkenntnis beginnt nicht mit Wahrnehmungen oder Beobachtungen oder der Sammlung von Daten oder von Tatsachen, sondern sie beginnt mit Problemen.“ (Popper 1969, S. 104) Ausgehend von der jeweiligen Problemstellung stellt sich die Frage nach einer geeigneten Methodik zur Bearbeitung eines Themas.

Generell ist je nach Themen- und Aufgabenstellung sowohl ein quantitativer als auch ein qualitativer Ansatz möglich (vgl. Abbildung 1-4), wobei die genaue Abgrenzung der Begriffe durchaus umstritten ist und die Anwendungsbereiche nicht überschneidungsfrei sind. (Rost 2005, S. 1f.); (Schreier 2005, S. 7)

„Da Start- und Endpunkt eines jeden Forschungsprozesses die Theorie ist, ergibt sich die differentielle Indikation zwischen qualitativen und quantitativen Methoden aus dem vorfindbaren Zustand der Theorie zu Beginn des Forschungsprozesses und des angestrebten Zustands der Theorie am Ende des Prozesses. (Rost 2005, S. 1) Bei quantitativen Erhebungen stehen bestehende Theorieaussagen bereit, die durch konkrete Hypothesen und korrespondierenden Variablen überprüft werden. Qualitative Ansätze hingegen haben die Entdeckung bzw. Generierung von Theorieaussagen anhand empirischer Daten zum Gegenstand, wobei ein konkreter Fall als analytischer Bezugspunkt vorhanden ist. Ziel ist hierbei die Rekonstruktion der auf den Fall bezogenen Deutungsmuster, Handlungsorientierung und Wissensbeständen in Hinblick auf eine allgemeine Theorie, die das Fallgeschehen erklärt. (Brüsemeister 2000, S. 21ff.)

Abbildung 1-4: Unterschiede zwischen quantitativen und qualitativen Methoden. Quelle: Brüsemeister 2000, S. 55.

Beispiele für qualitative Forschung sind Analysen von Lebenswelten und Organisationen oder Evaluationsforschung. (Flick & von Kardoff et al. 2000, S. 19) Qualitative Forschung kann quantitative Ergebnisse valide erweitern und vertiefen, meist ist jedoch die qualitative Forschung der quantitativen vorgelagert, indem diese das Forschungsfeld erschließt und theoretisch aufarbeitet. (Krotz 2005, S. 21); (Kleining 1995, S. 15) Diese Erkenntnis hängt mit den verschiedenen Erkenntniszielen der beiden Forschungsarten zusammen. Bei quantitativen Methoden stehen bestehende Theorieaussagen bereit, um konkrete Hypothesen über einen Sachverhalt aufzustellen, die mit Hilfe von Variablen überprüft werden können. Qualitative Ansätze hingegen zielen auf die Entdeckung bzw. Generierung von Theorieaussagen anhand empirischer Daten ab, da für dieses Feld noch entsprechende theoretische Grundlagen fehlen. Insofern liegt der Hauptunterschied zwischen beiden Verfahren in den Begriffen „Überprüfung“ und „Entdeckung“ (Brüsemeister 2000, S. 21); (Rost 2005, S. 1) Anders formuliert abstrahiert die qualitative Forschung die Technik des Vergleichs auf Gemeinsamkeiten, die quantitative Forschung hingegen auf Unterschiede. Qualitative Techniken sollen Beziehungen auf- und entdecken, quantitative Techniken sollen Beziehungen beschreiben sowie ggf. be- oder widerlegen. (Kleining 1995, S. 16ff)

Oft jedoch scheitert die skizzierte „Übergabe“ zwischen quantitativer und qualitativer Forschung schon zu Beginn der Vorhaben, da z.B. schon elementare Bestandteile wie eine gemeinsame Sprache fehlen.

Kromrey definiert qualitative Forschung über deren Ziele, Ausgangspunkte, Vorgehensweise bei der Informationssammlung und Informationsauswertung wie folgt: (Kromey 2005, S. 5f)

Ziele:

Entdeckung von Strukturen und Zusammenhängen

Einbettung des Einzelfalls in Strukturen

Herausarbeiten individueller Besonderheiten

Entdeckung empirisch gestützter Theorien

Ausgangssituation:

„Ungenaue Themenstellung“

Ein nur grob und vorläufig abgegrenzter Gegenstandsbereich

Informationsbedarf über Strukturen und Zusammenhänge

Informationssammlung:

(kontrollierte) „Subjektivierung“ der Informationserhebung: Tiefe, Reichweite, Kontext von Informationen

Breite Informationssammlung aus möglichst vielfältigen Perspektiven und möglichst wenig selektiv

Nur „sensibilisierende“ Hypothesen

Offenheit gegenüber allen unerwarteten Erkenntnissen

Dadurch Notwendigkeit der „Deutung“ der Informationen zur Gewinnung von „Daten“

Verwendung gegenstandsnaher Daten

Auswertung:

Rekonstruktion der in den Informationen enthaltenen Konzepte, Strukturen, Regelhaftigkeiten mittels hermeneutischer Strategien

Fallorientierte Analyse: Klassifikation gleichartiger Fälle, Kontrastierung mit gleichartigen Fällen (Typenbildung), ggf. erneute Informationsbeschaffung

Formulierung empirisch gestützter, gegenstandsbezogener Hypothesen/Theorien

Entwicklung des methodischen Forschungsdesigns

Erst nach der Bildung einer grundlegenden Theorie ist es möglich, daraus quantitative Forschungsansätze zu generieren, welche die Theorie überprüfen und gegebenenfalls – im Sinne des kritischen Rationalismus – falsifizieren. (Flick 1999, S. 56f) Dadurch dienen die qualitativen Erhebungen – wie angedeutet – als Vorstufe zu korrespondierenden quantitativen Ergebnissen. Das vorgeschlagene wissenschaftliche Arbeiten in diesem Sinne hat demnach nicht die Repräsentanz der Ergebnisse, sondern ein aktives Lernen mit dem Ergebnis von generalisierbaren Resultaten zum Ziel. (Martin 1989, S. 219)

1.5.2 Prozess der Theoriekonstruktion

Die Abbildung 1-5 veranschaulicht den exemplarischen Prozess theoriekonstruierender1 Forschung, die relativ leicht auf betriebswirtschaftliche Fragestellungen übertragen werden kann.

Abbildung 1-5: Der standardisierte Prozess theoriegenerierender Forschung. Quelle: In Anlehnung an Krotz, 2005 S. 135

Der Prozess startet mit dem Vorwissen und der Forschungsfrage. Im Feld erhebt der Forscher Daten, die analog ausgewertet werden, um Theoriebausteine und Ideen zu entwickeln. Liegen bereits Theoriebausteine oder ältere Daten vor, so müssen diese entsprechend abgeglichen und weitere Schlussfolgerungen gezogen werden. Sind die Daten ausgewertet, so muss das Wissen neu zusammengefasst und strukturiert werden. Auch sollen offene Fragen notiert und die Notwendigkeit weiterer empirischer Schritte geprüft werden. Der Prozess ist erst dann abgeschlossen, wenn der Kreislauf so oft durchlaufen ist, dass der Forscher eine hinreichende Theorie entwickelt hat. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der wissenschaftliche Diskurs. (Krotz 2005, S. 134ff)

Der theoriegenerierende Prozess hat die Suche nach Gemeinsamkeiten zum Gegenstand, um daraus Verallgemeinerungen im abstrakt-logischen Sinn abzuleiten. Diese Gemeinsamkeiten entstehen somit nicht durch formal-logisches Verallgemeinern oder Abstrahieren, sondern durch eine dialektische Forschung: Die Gemeinsamkeit entsteht durch den Bezug der Dinge zueinander. (Krotz 2005, S. 223ff)

Die Methoden der Datenerhebung hängen vom konkreten Forschungsgegenstand bzw. -kontext ab, standardmäßig werden z.B. Interviews, Experimente, Beobachtungen, Gruppendiskussionen, Fallstudien und Dokumentenanalysen angewandt. (Krotz 2005, S. 138)

Somit bietet diese Methodik einen sehr guten Ausgangspunkt für Probleme, die wegen deren Neuheit oder auch Schwierigkeit der genaueren Erforschung bis dato nur rudimentär bearbeitet werden konnten. Denn bisher mussten bzw. konnten Forscher nach eigenem Ermessen die Forschungsstrategie und -umsetzung bestimmen. Dies ist für den quantitativen Bereich nahezu undenkbar, da insbesondere durch die modernen Verfahren der Statistik genaue Vorgaben nicht nur üblich, sondern auch verpflichtend sind. Ein gemeinsames methodisches Grundverständnis bezüglicher qualitativer Forschungsansätze ist jedoch unerlässlich, weil nur dann gewährleistet ist, dass Ergebnisse auch weiter- und wieder verwendbar sind, und darüber hinaus mit anderen Resultaten verglichen werden können.

Somit kann für Problemstellungen aus dem Bereich der Betriebswirtschaftslehre ein qualitativer Forschungsansatz gewählt werden, wenn die genannten Voraussetzungen dafür entsprechend erfüllt sind. Auch andere Verfahren, die im Bereich der Soziologie bereits große Verbreitung gefunden haben, können hierbei herangezogen werden. Als Beispiel hierfür kann das problemzentrierte Interview nach Witzel angeführt werden (Witzel 2000). Die letztendliche Generalisierbarkeit muss jedoch auch immer kritisch hinterfragt werden (Mayring 2007).

1.6 Einschränkungen, Ausblick und weiterer Forschungsbedarf

Der vorliegende Beitrag soll dazu dienen, die weitere wissenschaftliche Diskussion anzuregen – mit dieser Losung begannen die gegenwärtigen Darstellungen. Insofern kann und muss dieser Beitrag auch als erster Schritt in diese Richtung gesehen werden. So konnten zwar viele Bausteine und Themenbereiche aufgegriffen und angesprochen, jedoch nicht in der Tiefe bearbeitet werden, wie dies sicherlich noch notwendig wäre. Das gleiche gilt für die genaue Ausgestaltung theoriegenerierender Forschungsansätze, z.B. mit welcher Methodik diese zu bewerkstelligen sind, ob und ggf. inwiefern Unterschiede bezüglich Branche, Umsatz oder Alter der zu betrachtenden Unternehmen zu berücksichtigen sind usw. Auch im Hinblick auf „moderne“ Methodiken wie Case Study Research sollte eine kritische Auseinandersetzung über Sinn und Unsinn qualitativer Forschung im unternehmerischen Zusammenhang stattfinden.

Genau hieraus ergeben sich auch vielfältige Ansatzpunkte zukünftiger Forschung: Welche Besonderheiten haben qualitative Verfahren im betriebswirtschaftlichen Kontext? Welche Methodiken aus der Soziologie lassen sich anwenden, bzw. müssen noch entsprechend modifiziert werden? Wie könnten interdisziplinäre Teams aussehen, welche Themen könnten diese bearbeiten?

Wie auch immer die Diskussion weitergehen wird: Es wäre schade um das enorme Potenzial, das noch in qualitativen Verfahren im betriebswirtschaftlichen Kontext steckt, wenn dies weiter so ungenutzt bleiben sollte.

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1 Die Begriffe theoriegenerierend und theoriekonstruierend werden im Folgenden synonym verwendet.

2 Buchhaltung, Bilanzierung und Finanzflussrechnung

Uwe Christians

2.1 Funktion und Teilgebiete des Rechnungswesens und der Buchführung

2.1.1 Inhalt und Aufgaben des Rechnungswesens

Das betriebliche Rechnungswesen ist das Basisinstrument zur „systematischen Erfassung, Aufbereitung, Darstellung und Auswertung aller betriebswirtschaftlich relevanten … Zustände und Handlungen eines Unternehmens, die zahlenmäßig zum Zwecke der Rechnungslegung und/oder der Steuerung der Unternehmenstätigkeit unter Beachtung der einschlägigen Rechtsvorschriften“ zu erfassen sind.2

In Abhängigkeit davon, welche Personengruppen durch das betriebliche Rechnungswesen mit Informationen versorgt werden, unterscheidet man zwischen dem internen und dem externen Rechnungswesen. Das interne Rechnungswesen dient vor allem dem Unternehmer bzw. dem Management zur Entscheidungsunterstützung sowie der Verhaltenssteuerung im Unternehmen. Es unterliegt keinen gesetzlichen Bestimmungen und umfasst (nach klassischer Einteilung) die Kosten- und Leistungsrechnung, die Statistik und die Planung. Es kann beliebig ausgestaltet werden.

Das externe Rechnungswesen (Finanzbuchhaltung), welches auch gleichzeitig die Datengrundlage des internen Rechnungswesens ist, dient nicht nur dem Unternehmer als Informationsbasis, sondern ist insbesondere auch auf die Information von unternehmensfremden Stakeholdern, wie z.B. Gläubigern, Anteilseignern, Fiskus, ausgerichtet.

Im Zuge der in der jüngeren Vergangenheit bedeutender werdenden wertorientierten Managementphilosophie (Shareholder Value-Ansatz) rücken internes und externes Rechnungswesen näher zusammen und überschneiden sich in ihren Ausrichtungen.3

Es werden verschiedene Aufgaben des betrieblichen Rechnungswesens unterschieden.4 Zu nennen ist zunächst die Aufgabe der Dokumentation. Diese wird von der Finanzbuchhaltung übernommen, und zwar anhand von Belegen systematisch (zeitlich und sachlich geordnet) und lückenlos alle wirtschaftlich relevanten, gewöhnlichen (Beschaffung und Absatz, Aufwendungen aus dem Fertigungsprozess), aber auch nicht gewöhnlichen Ereignisse des Unternehmens (Spekulationsgewinne, Vernichtung bzw. Wertverluste von Vermögensgegenständen) aufzuzeichnen.5 Grundlage hierfür bilden die handels- und steuerrechtlichen Vorschriften (§§ 238ff. HGB; 140ff. AO) zur Führung von Büchern und zu den Aufzeichnungspflichten der Geschäftsaktivitäten des Unternehmens.

Durch das Rechnungswesen wird das Unternehmensgeschehen zur Information der Adressaten (z. B. Eigentümer, Gläubiger, Management) zahlenmäßig erfasst und anschaulich aufbereitet.6 „Darin werden die finanziellen Konsequenzen von Entscheidungen und Ereignissen im Unternehmen aus der Sicht des Unternehmers abgebildet. Die Abbildungen werden zu Finanzberichten zusammengefasst und dann Entscheidungsträgern im Unternehmen unterbreitet.“7 In diesem Zusammenhang hat das betriebliche Rechnungswesen u.a. die Aufgabe, mindestens jährlich einen Jahresabschluss (Bilanz, Erfolgsrechnung und zum Teil Anhang) nach den gültigen handels- und steuerrechtlichen Vorschriften zu erstellen (Informations- und Rechenschaftslegungsaufgabe).

Das Rechnungswesen hat auch eine Zahlungsbemessungsfunktion, denn auf der Basis der Ergebnisse des Jahresabschlusses wird die Höhe der möglichen Gewinnausschüttungen, der Steuerbelastung und oft auch der erfolgsabhängigen Vergütungen ermittelt.8

Die Aufgaben der Überwachung und Kontrolle der Rentabilität, Wirtschaftlichkeit und der Zahlungsfähigkeit (Liquidität) sowie der Disposition des Unternehmens sind weitere zentrale Aufgaben des Rechnungswesens. Zur Wahrnehmung dieser Aufgaben werden sowohl Daten als auch Instrumente aus der Kosten- und Leistungsrechnung, der Statistik, der Vergleichsrechnung und der Planungs- und Kontrollrechnung benötigt. Denn Planungen und Entscheidungen über zukünftige Aktionen (z.B. über Investitionen, Produktsortiments- oder Preisgestaltungen) können mit Hilfe von aufbereitetem Zahlenmaterial in der Regel besser getroffen werden (Planungsfunktion). Mit Hilfe von Soll-Ist-Vergleichen wird schließlich überprüft, ob die geplanten Ziele und Maßnahmen auch erreicht wurden (Kontrollfunktion).

Allerdings gibt es nicht „das“ Rechnungswesen, sondern es wird vielmehr je nach Verwendungszweck der Informationen, der wiederum abhängig ist von der Rechtsform und der Organisationsstruktur9, sowie der „Stakeholder“ unterschiedlich ausgestaltet.

2.1.2 Buchführungspflicht

„Jeder Kaufmann“ ist nach § 238 I HGB gesetzlich verpflichtet, Bücher zu führen und in diesen die Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen.10

Nichtbuchführungspflichtige im Sinne der Doppik haben „nur“ eine einfache Buchhaltung anzuwenden und eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung(kurz: EÜR oder 4/3-Rechnung: § 4 III EStG) zu erstellen. Sie betrifft diejenigen Unternehmer, welche nicht per Gesetz zur Buchführung verpflichtet sind, sondern aus steuerlichen Gründen Aufzeichnungen erstellen müssen. Hierzu zählen in der Regel Freiberufler, die Kleingewerbetreibenden und diejenigen Ist-Kaufleute, welche sich nach § 241a HGB von der Buchführungspflicht befreien lassen.

Der wesentliche Unterschied zwischen der Gewinnermittlung durch Bilanzierung im Vergleich zur Gewinnermittlung im Rahmen einer Einnahme-Überschuss-Rechnung besteht darin, dass bei der Einnahme-Überschuss-Rechnung die Betriebsausgaben und Betriebseinnahmen in dem Jahr berücksichtigt werden, in dem sie zu- oder abgeflossen sind. Bei der Gewinnermittlung durch Bilanzierung wird nicht auf den Zahlungsabfluss abgestellt, sondern es gilt das Prinzip der wirtschaftlichen Zurechnung. Das bedeutet, dass die Betriebseinnahmen und die Betriebsausgaben in dem Wirtschaftsjahr zu berücksichtigen sind, in das sie wirtschaftlich gehören.13

2.1.3 Teilgebiete des Rechnungswesens und deren Rechengrößen

Je nach Teilgebiet des Rechnungswesens werden unterschiedliche Informationen nachgefragt und mit jeweils anderen Größen gerechnet. Gebiete des Rechnungswesens, die auf die Generierung von Informationen über Geldflüsse/ Liquidität ausgerichtet sind, erfordern eine Rechnung, die sich auf Zahlungsgrößen (und evtl. zahlungsäquivalente Größen) stützt. Dagegen müssen Teilgebiete, die über die Einkommenserzielung im Unternehmen informieren wollen, mit Erfolgsgrößen operieren.

Aus der folgenden Graphik sind zunächst die Güter- und Finanzbewegungen in einer Unternehmung im Rahmen der Systemanalyse zu entnehmen:

Abbildung 2-1: Überblick über die Güter- und Finanzströme im Unternehmen

Unternehmen beschaffen sich Arbeitskräfte, Werkstoffe, Energie, Räume, Maschinen o.ä. am Markt (A), für die sie Gehälter, Kaufpreise oder Miete zahlen (1). Die eingekauften Güter (Rohstoffe, Maschinen) werden gelagert (Rohstofflager) bzw. im Fall der Anlagegegenstände benutzt (B), sodann in der Produktion verarbeitet (C). Die produzierten Waren werden, nachdem sie ggf. noch eingelagert werden (Erzeugnislager) (D), an den Absatzmarkt (E) abgegeben und führen zu Umsatzerlösen/Einzahlungen (2).

Unternehmen nehmen von außen Finanzierungsmittel auf, entweder in Form der Eigenfinanzierung (Einlagen von Einzelkaufleuten oder persönlich haftenden Personengesellschaftern, in Form von GmbH-Anteilen, Aktienemissionen, Genossenschaftsanteilen, Kommanditanteilen bei KGs) oder Fremdfinanzierung, wie z.B. Bankkredite, Wertpapieremissionen oder andere Kreditformen, oder aus Mezzaniner Finanzierung (bspw. Stille Gesellschaft, Genussrechte, nachrangige Darlehen). Hieraus resultieren Zahlungsströme (Zinsen, Gewinnausschüttungen, Kreditaufnahme, Tilgungen, Kapitaleinlagen) zwischen der Unternehmung und den Kredit- und Kapitalmärkten (3). Finanzmittel können umgekehrt aber auch bei Kreditinstituten, Versicherungen bzw. am Geld- oder Kapitalmarkt angelegt werden, z.B. in Form von Bankeinlagen, Kauf von Wertpapieren, wie Anleihen oder Aktien etc. (3). Finanzierungsbeziehungen zum Staat bestehen bei der Steuerzahlung und im Falle von Gebühren und Subventionen (4).

Die Gesellschaft wie auch die Natur wirken sich in vielfältiger Weise auf die Leistungs- und Zahlungsströme in einer Unternehmung aus. Sollten sich Unternehmung bspw. nicht an Rechtsnormen und Werte der Gesellschaft halten, können direkte Strafzahlungen die Folge sein. Indirekt könnte dies über Reputationsverluste zu Einnahmeeinbußen oder Ausgaben führen (5).14

Mit Hilfe des Rechnungswesens können je nach Teilgebiet unterschiedliche Informationen vermittelt werden. Mit einer periodenorientierten Erfolgsrechnung (Gewinn- und Verlustrechnung) wird das Ziel verfolgt, den Adressaten Informationen über die Einkommensentwicklung (d.h. die wirtschaftliche Entwicklung) des gesamten Unternehmensin einer Periode aus handelsrechtlicher Sicht (Einzelabschluss oder Konzernabschluss/ Handelsbilanz I und II)15 zu geben. Hierbei stehen nicht allein die Geldflüsse, sondern auch Güterbewegungen im Blickpunkt.

Für die Ermittlung der Erfolgsbesteuerung wird nicht die Handelsbilanz zu Grunde gelegt, sondern eine sog. Steuerbilanz erstellt. Die Steuerbilanz gleicht im Aufbau der Handelsbilanz, berücksichtigt allerdings spezielle steuerliche Sachverhalte. Darunter fallen beispielsweise steuerliche Abschreibungen, die u.a. aus wirtschaftspolitischen Gründen gewährt werden und entsprechend keinen tatsächlichen Werteverzehr abbilden (s. z.B. § 7 g und h EStG).16

Bedingt durch den maßgeblichen Einfluss auf die Steuerlast des Unternehmens verwundert es nicht, dass innerhalb der Steuerbilanz ein möglichst geringer Gewinnausweis angestrebt wird. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen kommt es häufig vor, dass lediglich eine Steuerbilanz erstellt wird.17 Da diese Bilanz hinsichtlich steuerlicher Aspekte optimiert ist, kann es für das bilanzierende Unternehmen durchaus vorteilhaft sein, potenziellen Kreditgebern diese Art der Bilanzpolitik offenzulegen. Damit wird sichergestellt, dass z.B. die Hausbank über die Motivation eines möglichst geringen Gewinnausweises informiert ist und den betreffenden Jahresabschluss entsprechend interpretieren kann.

Im Rahmen von zahlungsstromorientierten Liquiditäts-/Finanzrechnungen wird aufgezeigt, ob die Unternehmung im Zuge ihrer gesamten Geschäftstätigkeit in der Lage ist, fristgerecht die Zahlungsansprüche Dritter bedienen zu können und damit eine Insolvenz (durch Zahlungsunfähigkeit) – Insolvenztatbestände sind Zahlungsunfähigkeit bzw. drohende Zahlungsunfähigkeit sowie bei Kapitalgesellschaften zusätzlich die Überschuldung – zu vermeiden.18 Zweckmäßige Controllinginstrumente wären hierbei die Liquiditäts-, Kapitalfluss- und Investitionsrechnung.

Die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR), ausgestaltet als Planungs-/Steuerungs- bzw. Kontrollrechnung, ist i.d.R. einperiodig auf die sachzielbezogene Geschäftstätigkeit hin orientiert. Im Unterschied zum externen Rechnungswesen wird bei der KLR mit Erlösen und Kosten statt mit Erträgen und Aufwendungen operiert.

Die folgende Übersicht zeigt die Systeme des Rechnungswesens:

Abbildung 2-2: Systeme des Rechnungswesens. Quelle: Küting, P. / Lorson, P., 1998, S. 484.

Die Abbildung 2-3 gibt einen Überblick über die jeweils geeigneten Rechengrößen bei den verschiedenen Teilgebieten des Rechnungswesens. Wie die Abbildung zeigt, werden Auszahlungen, Ausgaben, Aufwendungen und Kosten auf der einen Seite und Einzahlungen, Einnahmen, Erträge und Leistungen auf der anderen Seite unterschieden.

Der Zahlungsmittelbestand (Fonds Liquide Mittel), bestehend aus Bargeld und Sichtguthaben bei Banken, wird durch Einzahlungen positiv und durch Auszahlungen negativ verändert. Die Stromgrößenrechnung hierfür wird als Kapitalfluss- oder Geldflussrechnung (Cash Flow-Rechnung) bezeichnet. Werden zum Zahlungsmittelbestand die Forderungen addiert und davon die Verbindlichkeiten abgezogen, so erhält man das Geldvermögen. Die dazugehörigen Stromgrößen heißen „Einnahmen“ und „Ausgaben“. Sie werden in der Finanzrechnung dargestellt. Addiert man zum Geldvermögen das sonstige Vermögen (Sachvermögen und bestimmte Finanzanlagen), so ergibt sich das Nettovermögen oder Reinvermögen. Eine Zunahme des Reinvermögens entsteht im Rahmen der Erfolgsrechnung (GuV) durch Erträge, eine Reduzierung durch Aufwendungen. Zu unterscheiden ist schließlich die Ebene der GuV von der Betriebsergebnisrechnung, die auf die Veränderung des Betriebsnotwendigen Vermögens fokussiert. Hinsichtlich der Stromgrößen wird hier von Kosten und Leistungen gesprochen.

Abbildung 2-3: Grundbegriffe des Rechnungswesens im Kontext der Leistungserstellung Quelle: Wöltje, J., 2015, S. 27.

Leistungen und Kosten sollen als Erfolgsgrößen das Management (interne Adressaten) bei Entscheidungen unterstützen. Man betrachtet daher in der Kosten- und Leistungsrechnung nur solche Änderungen des Reinvermögens, die betrieblich bedingt sind, d. h. durch die Erfüllung der gewöhnlichen Aufgaben des Betriebs (Herstellung und Absatz von Gütern und Leistungen) verursacht worden sind. Neutrale Aufwendungen und Erträge (z.B. betriebsfremder, außerordentlicher oder periodenfremder Aufwand) werden somit aus der GuV eliminiert. Zudem ist es zweckmäßig, auch Größen im Kalkül zu berücksichtigen, die nicht Ertrag oder Aufwand sind, sog. kalkulatorische Leistungen und Kosten. Letzteres erlangt insbesondere bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften Bedeutung, die Leistungen der Unternehmer/Gesellschafter für das Unternehmen nicht als Aufwand erfassen können.

Kalkulatorische Kosten sind Positionen, die nur innerhalb des internen Rechnungswesens berücksichtigt werden. Dazu zählen z.B. entgangene Zinsen auf das für die Unternehmung eingesetzte Kapital. Würde der Gesellschafter einer GmbH das eingezahlte Stammkapital alternativ z.B. auf einem Tagesgeldkonto anlegen, könnten Zinseinkünfte erzielt werden. Diese entgangenen Zinserträge auf das Eigenkapital eines Unternehmens bezeichnet man als kalkulatorische Zinsen.19 Analog spricht man von kalkulatorischen Wagnissen für die Vergütung des Risikos der Unternehmenstätigkeit sowie kalkulatorischen Abschreibungen für die, unabhängig von gesetzlichen Vorgaben, den tatsächlichen Werteverzehr abbildenden Abschreibungen. Weiterhin sind bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften kalkulatorische Mieten und kalkulatorische Unternehmerlöhne zu berücksichtigen.

Bsp. Kalkulatorischer Unternehmerlohn und kalkulatorische Miete